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Feuer und Eis - 1. Teil: Zwielicht

GeschichteSchmerz/Trost, Sci-Fi / P16
Finn Kylo Ren Leia Organa Poe Dameron Rey Snoke
12.06.2018
11.11.2020
45
211.658
4
Alle Kapitel
33 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
30.08.2019 4.560
 
Puh! Unglaubliche Hitze, plus schwieriges Kapitel... Tut mir Leid, wenn das so lange gedauert hat. In den letzten Wochen war ich ziemlich im Stress. Aber jetzt geht ja ein neues Kapitel on. Viel Spaß!



DIE OFFENBARUNG

Rey hatte nicht gemerkt, dass sie geschrien hatte. Der Schreck saß zu tief. Trotzdem konnte sie Skywalker nicht aufhalten, als sie wie im Reflex aufsprang und über den Vorsprung zwischen den Reihen kletterte. Die Zuschauermenge hörte sie nicht mehr, nahm sie kaum mehr wahr. Allein Sura schnellte vor und versuchte, Rey von hinten zu packen. Natürlich… Sie wusste nicht, wie Rey‘s Mutter aussah. Schließlich hatte sie die Frau nie persönlich kennen gelernt, geschweige denn gesehen. Sura versuchte, Rey aufzuhalten. Nicht, weil sie Rey Schaden zufügen wollte, sondern weil sie verhindern wollte, dass sie für alle Zeit zur Zielscheibe wurde. „Rey, nein!“, schrie sie. „Nein! Rey, hör zu!“ Sie schrie Rey genau ins Ohr, da sie über das Gebrüll der Menge hinweg kaum mehr ihre eigene Stimme hören konnte. „Wenn du jetzt da runter gehst, dann werden sie dich töten!“ Rey knurrte laut. „Lass mich in Frieden!“ Eine Sekunde später stieß sie Sura den Ellbogen in den Bauch. „Nein!“, keuchte diese. Wieder versuchte sie, Rey an den Füßen zu packen. Aber sie war zu schnell. Selbst der Jedi-Meister wusste nicht, wie er reagieren sollte. Rey nutzte das aus. Sura war nicht mit der Macht verbunden. Deshalb schaffte sie es nicht, Rey an dieser Aktion zu hindern. Diese setzte sich über einen kompliziert anmutenden Sprung nach hinten ab. Sie landete auf der Rückenlehne, fünf Sitzreihen weiter, wo sie die Leute ziemlich erschreckte. Wild schnatternd deuteten sie auf Rey, die ohne ins Wanken zu geraten eine perfekt ausbalancierte Landung hingelegt hatte. Rey beachtete sie aber nicht. Sie hatte eben genug Tempo aufgenommen, den Sprung zu wagen. Als sie genug Schwung nach vorn hatte, stieß sie sich in der letzten Reihe ab. Und der Sprung, den sie machte, war gewaltig. Sechzig Meter weit flog sie über die letzte Nische hinweg. Als sie landete, rollte sie sich nach hinten ab, da sie es schon kommen sah. Die Sturmtruppen, die sich an den Eingängen postiert hatten, marschierten auf Rey zu. Sie wussten nicht, wer sie war. Zumindest schien sie niemand zu erkennen. Rey atmete auf. Sie brauchte das Schwert nicht. Stattdessen löste sie ihren Blaster aus der Schnalle. Sie zielte auf den Kommandanten, der Rey bösartig angrinste. „Dafür, dass du meinen Ruf so in den Dreck gezogen hast, wirst du büßen! Mein Sohn ist ein Verräter… Er hat unsere Ideale verraten!“
In Rey ‘s Kopf drehte sich alles. Sie könnte einfach abdrücken und den Mann töten, ohne zu zögern. Aber sie tat es nicht. Ihre Hand zitterte zu stark. Wieder wandte sie sich Szirha zu. Aber es war zu spät. Hux ließ das Beil auf ihren Hals niedergehen. So viel Schwung, wie er hatte, erahnte Rey, dass sie Szirha das letzte Mal Lebend sah. Szirha öffnete kurz die Augen. Durch die Schmerzen, die sie erlitt, konnte sie nicht klar denken. Sie sah einen verschwommenen Schatten auf sich zueilen. Szirha fuhr sich mit der Hand über die Stirn. Es war, als versuchte sie, durch einen Schleier zu sehen. So langsam konnte sie eine Silhouette ausmachen, aber sie konnte diese nicht zuordnen. Eine junge Frau trat vor ihre Augen. Sie stieß Hux zu Boden, tief erschrocken. Szirha sah auf. Langsam klärte sich ihre Sicht wieder. Sie musterte Rey in tiefer Trauer. Sie verstand, wer diese Frau war. Jetzt, da sie ihre Präsenz so offen spürte… Und sie erinnerte sich an Rey, die sie einst in der Wüste zurückgelassen hatte. Fassungslosigkeit traf sie, als sie Begriff, dass sie Rey vor sich hatte. Rey, ihre große, erwachsene Tochter. Das Kind, das sie nie hatte großziehen können. „Rey?“, fragte sie leise.
Rey wusste nicht, wie sie reagieren sollte. Gefühle trudelten auf sie ein, so wuchtig, dass sie auf die Knie fiel.
Szirha legte die Arme um ihre Schultern. „Rey…“ Tränen standen in ihren Augen. Noch nie hatte sie so eine Erleichterung verspürt, so viel Glück und so viel… Trauer. Jahrelang hatte sie noch nicht einmal gewusst, ob Rey überhaupt am Leben war. Sie wusste, dass Jango bei seinem Vater war. Er konnte seinen Sohn beschützen. Aber bei Rey war es viel komplizierter.
„Es ist gut“, sagte Szirha leise. Sie klopfte Rey auf den Rücken. „Ich bin hier, Rey. Und ich werde nicht zulassen, dass dir etwas geschieht…“ Als sie hinter sich einen Schatten bemerkte, verengte sie ihre Augen zu Schlitzen. Noch ehe Hux Szirha den Kopf abtrennen konnte, schlang sie ihre gefesselten Hände um das Beil. Das Eisen sprang entzwei, als der Schneidlaser über es hinüberglitt. Szirha nutzte ihren Schwang und wandte Hux‘ Waffe gegen ihn an. Sie schlug ihn mit dem stumpfen Ende ins Gesicht. Hux presste seine Hand an die Stirn. Er sackte zu Boden, wo er langsam ohnmächtig wurde. Auch Finn ‘s Vater setzte sie in wenigen Handgriffen außer Gefecht. Sie schlug den Mann nieder. Aber sie kam schnell ins Schwitzen. Zu lange hatte sie sich als Sklave durchschlagen müssen. Ihre Muskeln waren schlaff und sie war durch die Wunden an Bauch und Rücken ziemlich geschwächt. Rey stützte sie, unwissend, wie sie selbst eigentlich empfand. Sie konnte nicht fassen, dass Szirha tatsächlich noch lebte. Schon gar nicht, dass sie diese gerade mit ihrer Schulter stützte. Gegen alle anderen Emotionen war sie völlig abgestumpft, keine Gefühle… Oder zu viele Gefühle. Sie wusste es nicht.
„Szirha!“, rief Luke Skywalker, der sich wieder zusammengerafft hatte. Er war blass wie ein Gerippe. Aber zumindest sah er besser aus als Szirha, die so dünn war, dass man ihre Knochen sehen konnte. Auch Sura kam, gefolgt von Zay. Aber von Finn war keine Spur.
Szirha musterte den Jedi-Meister misstrauisch. „Was machst du hier?“
„Das ist eine lange Geschichte“, begann der Jedi-Meister.
„Wie kommt es, dass du mit Rey zusammen hier aufkreuzt?“ Sie sah wenig begeistert aus. Szirha hob das Kinn.
„Sie ist mein Padawan. Hast du das nie durchschaut? Sie ist machtsensitiv, Szirha!“, rief er verwirrt.
„Natürlich ist sie das“, sagte sie finster. „Ich kann dich natürlich nicht verurteilen dafür, dass du so wenig weißt, aber noch ungünstiger hätte die Situation nicht sein können…“
„Was meinst du?“
Sperrfeuer hagelte nun auf sie nieder. Szirha hatte keine Zeit, sich zu erklären. Sie schob Rey hinter sich und kassierte so eine Schussverletzung unterhalb des Knies. Sie biss die Zähne zusammen, blieb aber stehen. „Das war ein großer Fehler!“, knurrte Szirha, die unglaublich wütend war, da der Truppler auf Rey gezielt hatte. Sie schlug mit der Faust auf den Boden, der heftig zu Beben begann. Rey wich zurück. Szirha machte mit den Armen eine ausholende Bewegung, bis sie diese schließlich ihren Feinden entgegenstreckte. Durch die gewaltige Kraftanstrengung, die sie hier aufbringen musste, bildeten sich viele kleine Schweißperlen auf ihrer Stirn. Der Graben verbreiterte sich auf einige Meter. Magma drang aus der Öffnung des Grabens. Es erfasste genau den Sturmtruppler, der gerade auf Rey geschossen hatte. Szirha kämpfte gegen eine Bestie an, die so viel gewaltiger war als sie… Und sie obsiegte. Rey konnte nicht sagen, dass es ihre Verbindung zur Macht war, die sie so stark machte. Sie gewann ihre Stärke allein aus ihren Emotionen. Und sie kämpfte nicht gegen das Feuer an, wie Rey langsam erkannte. Viel mehr war sie eins mit den Flammen. Als Rey sah, das sie durch die immense Gewalt, die sie da zu bändigen versuchte, in eine gefährliche Erschöpfung hinabglitt, griff sie ein. „Rey!“, rief Luke Skywalker, als er ihre Gedankengänge durchschaute. Aber er selbst war nicht in der Lage, das Magma zu bändigen. Er konnte einen Machtschild formieren, der es stoppte, aber er hatte keine Kontrolle über das Feuer. So konnte er Rey nicht helfen, als sie Szirha zur Seite sprang, und sich mit ganzer Kraft gegen diese gewaltige Hitze stellte. „Nein, Rey!“, rief Szirha, während ihre Stimmer schwächer wurde. „Stell dich nicht gegen das Feuer, oder es verzehrt dich!“ Diese Warnung kam gerade rechtzeitig. Rey verbrannte sich die Fingerspitzen. „Was soll ich tun?“
„Rey…“ Szirha mobilisierte ihre letzten Kräfte. „D-das Feuer ist nicht dein Feind. Feuer bedeutet Leben, vergiss das nicht! Es spricht allein durch dich. Du kannst deine Gefühle, deine Energien auf das Feuer projizieren und seine Form so verändern. Nutze das aus!“
Rey kniff die Augen zusammen. Sie musste es schaffen… Wenn sie es nicht schaffte, das Feuer unter Kontrolle zu bringen, würde sie Szirha verlieren. Warum hatte sie das Wall, bestehend aus Lava denn erschaffen, wenn sie es nicht kontrollieren konnte? Rey dachte nach. Sie konnte das Feuer auch nicht kontrollieren. Das war nicht möglich. Allein durch ihre Gefühle war sie in der Lage, es weiter zu speisen oder es erlöschen zu lassen. Rey hatte große Angst, verstand aber, dass sie Szirha nur so tatsächlich retten konnte. Die Wucht ihrer Gefühle traf auf das Feuer. Und es schluckte diese. Ein Loch bildete sich im Wall. Die Lava sackte an der Stelle zu Boden, wo es augenblicklich erkaltete.
„W-weiter!“, sagte Szirha, die von Sekunde zu Sekunde schwächer wurde.
Rey brüllte laut. Die Angst drohte sie zu verzehren, aber wenn sie das Feuer so speisen konnte, gewann sie Kontrolle über diese Art der Energie… Rey tat es. Sie projizierte ihre Angst auf das Feuer, das geballte Dimensionen annahm. Eigentlich wollte sie, dass es kleiner wurde, aber sie schaffte es nicht.
In Szirha ‘s Augen spiegelte sich die ganze Schönheit des Feuers wider. Leere ergriff sie. Szirha sackte leblos in sich zusammen. Skywalker fing sie gerade noch auf. Verzweifelt versuchte er, seine Energie auf Szirha zu übertragen und sie so am Leben zu erhalten.
„Reeey!“, schrie da eine männliche Stimme. Es war Jango Fett, der auf sie zugerannt kam.
Rey hatte gerade noch Zeit, einen Gedanken zu fassen. Jango war Szirha ‘s Sohn, so auch Rey‘s Halbbruder. Auch er müsste in der Lage sein, das Feuer zu kontrollieren. Könnte er es denn schaffen, das Feuer aufzuhalten?
Die Zuschauer starrten wie gebannt ins Feuer, dass die Sturmtruppler und die Widerständler voneinander trennte. Die Lava sickerte nach unten, aber die Hitze blieb. Man konnte die Luft flirren sehen, so heiß war es. Auch den letzten Zuschauern wurde bewusst, dass sie Zeugen eines historischen Ereignissen geworden waren. Niemand konnte so recht glauben, dass das hier gerade passierte. Und doch… Etwas sehr Seltsames geschah. Für einen Augenblick lang schien die Zeit komplett stehen zu bleiben. Kein Zuschauer bewegte sich. Selbst die Sturmtruppen auf der anderen Seite des Feldes rührten sich nicht. Es schien, als sei allein Rey in der Lage, zu handeln. Es war nur das Feuer – Rey… und das Feuer. Energie durchströmte sie. Sie hatte es geschafft, ihre Gefühle in reine Energie umzuwandeln. Durch diese Energie speiste sie das Feuer und war so auch in der Lage, seine Form zu beeinflussen. Rey komprimierte die Energie des Feuers so, dass es schließlich die reinste Form der Energie innehatte. Eine kleine, unheimlich helle Lichtkugel schwebte Rey gegenüber. Sie ließ die Kugel auf die Sturmtruppler niedergehen, von denen die meisten zu Staub zerfielen. Aber die Schatten der Truppler waren noch immer dort eingezeichnet. Rey erschauderte, als sie jemand von hinten packte. „Rey!“, rief Luke Skywalker. „Was zum-?!“ Er war völlig fassungslos. Die Zeit nahm wieder Tempo auf. Aber Skywalker hatte genau mitbekommen, was da gerade passiert war.
Sura jedoch nicht. Und sie war eine von vielen. Sie sah die Schatten am Boden verblassen, die eben noch die Sturmtruppler waren. Nur noch ein dutzend Sturmtruppler standen noch. Und das allein deshalb, weil sie weit genug von der Explosion entfernt waren. Sura sah ziemlich desorientiert aus. Sie schaute kurz zu Rey, dann zu Szirha. Sie  eilte auf diese zu.
„I-ist sie…?!“, wollte Rey fragen, aber sie brachte den Satz nicht zu Ende.
„Sie lebt“, sagte Sura leise. „Gerade noch. Wenn wir uns beeilen, können wir sie noch retten!“ Sie ließ sich von Finn seine Tasche reichen.
Skywalker kniete sich neben Szirha. „Sie wird es schaffen. Ich weiß es.“ Er kannte sie schon viele Jahre und wenn er eins mit Gewissheit über sie sagen konnte, dann, dass sie ein Kämpfer war. Sie wusste zwar, wenn sie verloren hatte, aber das hieß nicht, dass sie aufgeben würde. Das hatte sie noch nie getan.
Sura sah den Jedi-Meister zweifelnd an. „Können Sie sie tragen? Sie kriegt gleich eine Energieinfusion von mir, aber den Rest kann ich nicht beeinflussen.“ Er nickte und stemmte Szirha auf die Arme. „Sie wiegt nicht viel“, sagte er etwas kärglich.
Jango Fett baute sich vor Skywalker auf. „Sie müssen doch etwas tun können!“
„Das geht nicht. Ich kann keine Energie mehr auf sie übertragen. Sie hat das Bewusstsein verloren und so auch ihre Verbindung zur Macht. Und ich bin kein Heiler. Deshalb kann ich nicht viel tun.“
Rey fuhr herum, als sie hinter sich Blicke spürte. Hux lebte noch. Und Finn ‘s Vater, der ein hochrangiger Offizier der Ersten Ordnung war, hatte die restlichen Truppen zusammengetrommelt. „Na na…“, flüsterte der General der Ersten Ordnung. „So sieht man sich.“
„Rey, nein!“, rief der Jedi-Meister, als Rey erneut die Klinge entzündet, gezeichnet von Wut. Hux lächelte, als er den Z6er auffahren ließ. „Dieser Mann…“, zischte er. „Dieser Mann kann dich nicht beschützen!“ Er griff Rey an. Seine Schläge waren präziser, wuchtiger… Rey wehrte alle Schläge ab, rollte zur Seite ab und konterte mit nicht sehr kräftigen, aber unglaublich schnellen Attacken. Skywalker sah, dass sie allein zurechtkam und konzentrierte sich wieder auf Szirha. Zusammen hatten sie viele Schlachten geschlagen. Wie kam es, dass das Feuer Szirha überwältigt hatte? Ein Meister des Feuers ließ sich von so etwas nicht unterkriegen… Szirha war viel zu erfahren, als dass das hätte passieren können…
Die Zuschauer verfolgten wie gebannt das Duell zwischen Rey und Hux, der aber weit unterlegen schien. Rey wich über einen Fallrückzieher aus, über den sie konterte und das Schwert er über seine Brust zog. Es war kein tödlicher Schlag, aber sie zerstörte seine Uniform. Rey wich erneut zurück. Hux war nur leicht verletzt, seine Haut oberflächlich verbrannt. Aber er konnte noch immer kämpfen. Rey rollte sich wieder ab und wirbelte etwas Kies auf, den sie Hux mitten ins Gesicht schleuderte. In Panik rieb er sich den Dreck aus den Augen. Rey holte aus zum letzten Schlag, den sie aber nicht ausführte. Sie hielt inne. Wenn sie diesen Mann tötete, dann nicht weil er gefährlich war… Sie wollte Rache dafür, dass er Szirha hatte töten wollen. Und sie wollte die Gefangenen rächen, die heute gestorben waren. Die anderen konnten sie befreien… Vielleicht, ja. Rey wandte ihren Blick nach hinten. Sie sah nicht, dass sich Hux wieder aufgerappelt hatte. Er schlug Rey ins Gesicht. Knurrend rieb sie sich den Kiefer. Aber sie musste nicht eingreifen, da Skywalker Hux eine Lektion erteilte, die sich gewaschen hatte. „Ich kann sie nicht beschützen, hm?“ Er hatte seine Faust in Hux‘ Bauch versenkt.
„Jedi machen so etwas nicht“, spuckte Hux aus.
„Ach ja? Mich kann niemand an dieser Aktion hindern, Hux. Die anderen Jedi sind alle tot. Dafür sind Sie und ihre Organisation verantwortlich!“ Skywalker holte wieder aus. „Sie haben meinen Padawan verletzt! Und wenn sie Rey auf diese hinterhältige Weise töten wollen, dann ist ihnen nicht mehr zu helfen.“
„Na schön“, knurrte Hux. Er spuckte auf den Boden. „Dann zeigen Sie mir, wie sie sich als Mann in einem Duell schlagen – Faust gegen Faust.“
„Gewalt hielt ich nie für eine Lösung, aber wenn Sie das so wollen, Hux. Keine Waffen, keine Mitstreiter.“ Er zwinkerte Rey zu. „Befreie du die Gefangenen, ich sorge dafür für Ablenkung, ja?“ Er teilte Rey seine Gedanken über die Telepathie mit. Weil sie selbst keine Telepathie beherrschte, konnte sie auf diese Weise nicht antworten, aber sie nickte. Skywalker verstand das.
Rey winkte Zay zu sich. Sie kam, zog aber jemanden hinter sich her. Es war Jango Fett, der wie wild um sich schlug. Er wollte zu Szirha, aber Zay wusste, dass das gerade nicht ging. Sura versuchte noch immer, sie zu reanimieren. Unterbrechungen konnte sie gerade nicht gebrauchen. Es war nicht absehbar, ob sie das schaffen würde. Sura war verschwitzt, schmutzig und müde. Aber sie machte weiter. Rey wandte sich Finn zu, der neben Sura kniete und sie unterstützte. Sie musste ihren Freunden vertrauen. Sie wussten, wie sie Szirha retten konnten. Die Erleichterung, dass Szirha noch lebte, erreichte Rey aber nicht. Die Angst, dass sie doch sterben konnte, erstickte alle anderen Gefühle, die sie verspürte. Bald fühlte sie sich nur noch taub. Zay war als Erste bei den Gefangenen, zückte einen Dolch und trennte ihre Fesseln ab. Zwei waren noch übrig. Ein Pau‘aner und ein Mensch, den Rey aber nicht kannte. Rey folgte Zay, als sie den Pau‘aner wiedererkannte. Es war der Mann, den sie einst auf Kessel getroffen hatte. Er hatte auch lange Zeit als Sklave verbracht, aber als er Rey sah, lächelte er. „Nein, ich habe dich nicht vergessen“, grüßte er Rey. „Nie hätte ich gedacht, noch einmal den Geschmack der Freiheit genießen zu können.“
Zay befreite den Pau‘aner, sah Rey dann aber fragend an. „Kennen Sie sich?“
„Nicht unbedingt“, sagte der Pau‘aner. „Ich hätte mir nie träumen lassen, dass sie ein Jedi-Ritter ist. Ich wusste noch nicht einmal, dass es sie tatsächlich gibt…“
„Es gibt sie“, sagte Rey niedergeschlagen. „Aber ich bin kein Jedi. Mein Meister ist der letzte von ihnen. Ich zähle nicht als Jedi, weil ich noch in der Ausbildung bin. Seit einigen Wochen lerne ich unter meinem Meister. Selbst als Padawan stehe ich noch ganz am Anfang.“
Sie löste die Fesseln des Pau‘aners. „Der General konnte keine Truppen mehr entbehren. Deshalb konnte sie keine Hilfe entsenden. Sie hatte die Flotte des Äußeren Randes beauftragt, sich um euch zu kümmern, aber die Erste Ordnung hat sie zerschlagen.“
Der Pau‘aner nickte. „Du bist nicht Schuld. Du hast so vielen das Leben gerettet, als du unseren Leuten Nahrung und Wasser hinterlassen hast.“ Er richtete sich auf. „Mein Name ist Kehann. Wie lautet deiner?“
„Rey“, erwiderte Rey. „Rey Deeja-Mhin.“
Kehann sah zu Rey. „Ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages den Jedi über den Weg laufen würde… Du solltest wissen, dass ich vor meiner Gefangennahme ein Künstler und Schriftsteller war. Ich war nicht sehr bekannt, muss ich gestehen und ich hatte viele Schulden. Diese Organisation… eigentlich wollten sie mich hinrichten, aber sie verschleppten mich nach Kessel. Und den Rest, den kennst du ja.“ Er verbeugte sich wieder. „Die legendären Jedi-Ritter. Es gibt sie… und ausgerechnet ich – ja: Ich! Ich darf einen von ihnen persönlich kennen lernen. Das hätte ich mir nie zu träumen gewagt.“
Rey schüttelte den Kopf. „Ich bin nicht legendär. Ich esse, trinke und ich schlafe genau wie Sie, Kehann. Und ich werde alt. Eines Tages werde auch ich das zeitliche Segnen.“
„Du bist zu bescheiden“, erwiderte Kehann. „Du hast sie gefunden, nicht wahr? Die Frau, nach der du suchtest… In der kurzen Zeit, die ich mit Szirha hierher verschleppt wurde, hat sie im Schlaf andauernd deinen Namen gemurmelt. Ich wusste nicht, wen sie da meint, aber jetzt verstehe ich es. Du bist ihre Tochter, habe ich Recht? Ist sie auch ein Jedi?“
„Nein, ist sie nicht, aber sie hätte ein Jedi werden können. Bei der hohen Sterblichkeit war sie von der Idee, ein Jedi zu werden, vielleicht nicht sehr angetan. Ich weiß es nicht.“ Rey stützte Kehann, während Zay den anderen Mann stützte, der ein Mensch war, aber grüne Haare besaß. „Jacen Syndulla“, sagte sie leise. „Ich weiß, wer du bist.“
Der Mann sah zu Rey hinüber, nickte jedoch nur. „Wir müssen hier verschwinden.“ Und er hätte es nicht besser auf den Punkt bringen können.
„Dominicus“, sagte er plötzlich. Er sah hinter Rey, die das erst nicht verstand. Dann drehte sie sich um. Es war Finn ‘s Vater. Er kam langsam auf Rey zu. „Ich bin nicht so dumm, einen Jedi zum Kampf herauszufordern“, sagte er. „Aber eins will ich dir sagen: Du hast meinen guten Namen ruiniert. Mein Sohn ist ein Verräter und das allein dank dir.“
„Es war seine Entscheidung“, entgegnete Rey. „Und er hat sie nicht getroffen in der Absicht, ihre Organisation zu verraten, sondern weil er Sura und mich beschützen wollte. Zwar ist er jetzt ein Widerständler, aber lange Zeit war das nicht der Fall.“
„Dann hast du mich verraten.“
Rey schüttelte den Kopf. „Zay, wir sollten gehen. Der Waffenstillstand ist vielleicht nicht von Dauer.“
„Ich hoffe, du weißt, was du der Presse sagst“, erklärte Dominicus nach einer Weile. „Die werden bestimmt wissen wollen, wo die Jedi in all diesen Jahren der Not denn geblieben sein sollen.“
Rey drehte sich wieder zu ihm. „Was soll ich denn mit der Presse, hm? Die können mich mal kreuzweise am-“
„Rey!“, rief Finn sofort. „Du musst sofort kommen!“
„Was ist los?“ Rey schien irritiert. „Stimmt etwas nicht?“
„Snoke‘s Flaggschiff… E-er kommt.“
„Sieh an.“ Dominicus musterte seinen Sohn abschätzend. „Ich denke, es ist an der Zeit, es ein für alle Mal zu klären.“
Finn sah zu Rey, dann zu seinem Vater, unschlüssig, wie er reagieren sollte. „Eben nicht. Ich schätze, ich muss dich heute vertrösten… Vater.“ Zusammen mit Zay, den Verurteilten und Rey rannte er fort. Dominicus nahm wieder das Feuer auf, aber Rey verschaffte ihnen Deckung. Ein riesiger Schatten trat über das Stadion. Rey lief es kalt den Rücken hinunter. „Los jetzt!“, trieb sie die Leute weiter an.
Im Stadion wurde es unruhig. Panik machte sich bei den Leuten breit. Wo eben noch der Unglaube und das Erstaunen vorherrschte, trat nun Angst an ihre Stelle. Die Leute fingen an, sich gegenseitig von den Sitzen zu drängen.
Rey eilte zu ihrem Meister. „Was sollen wir tun? Wir sollen wir diese Leute beschützen?“
„Das können wir nicht“, sagte er bitter. „Alte, Kinder und Verletzte haben Vorrang, Rey. Schnapp‘ dir so viele du kannst, du hast fünf Minuten Zeit.“
„Das geht ist viel zu kurz!“
„Du hast keine Wahl.“ Skywalker rannte auf den Ausgang zu, Szirha in den Armen haltend. Auch Sura schickte er fort. Sie teilten sich auf.
Rey eilte auf die Zuschauerränge zu. Sie fürchtete, dass sie von den Leuten unbeabsichtigt zertrampelt wurde. Sie rempelten sich gegenseitig an. Viele wurden verletzt, ohne dass Rey etwas unternehmen konnte. Ein Kind fand sie vor, dessen Mutter durch andere Zuschauer schwer verletzt war. „Sura, hier her!“, rief sie. Sie wandte sich an das Kind, ein Dresselianer. „Wo ist dein Papa?“ Rey hob es auf den Arm.
Sura musste sich den Weg freikämpfen, schaffte es aber, sich unverletzt durch die Menge zu bewegen. Sie kniete sich über die Mutter des Kindes. „Nein, Rey“, sagte sie, nachdem sie den Puls gefühlt hatte. Sie senkte ihre Stimme. „Die Frau ist tot.“ Sie half Rey, das schreiende, um sich schlagende Kind zu beruhigen. „Wir müssen es in Sicherheit bringen. Vielleicht gelingt es mir noch, den Vater zu finden.“
„Papa w-weg!“, schrie das Kind. „Papa zu Hause. Mama soll auch nach Hause!“
Obwohl Sura als Kindersoldat großgezogen wurde, verstand sie, dass die Situation kaum schwieriger sein konnte. „Die Mama kann dir jetzt nicht helfen, mein Schatz. Aber dein Papa kann es vielleicht. Wir müssen dich erst Mal in Sicherheit bringen, ja?“ Sie blickte zu Rey. „Sieh zu, dass du noch ein paar mehr Leute findest!“
Rey kämpfte sich durch die Menge. Wenn sie konnte, zerschlug sie zu Waffen zweckentfremdete Gegenstände mit ihrem Lichtschwert, ohne die Leute an sich auch nur zu berühren. „Aufhören!“, schrie sie. „Wenn Sie sich gegenseitig umbringen, wie wollen Sie sich dann noch retten?“
Jemand verpasste Rey eine Schelte. „Du bist ein Jedi! Warum hilfst du uns nicht?“, brüllte sie jemand an. Rey merkte, dass sie blutete. „Ich kann mich nicht in zwei Hälften teilen! Wenn sie wollen, dass ich den anderen helfe, dann lassen Sie mich durch!“
„Lass mich raten: Du willst nur die Kinder retten!“
„Ich rette die, die sich nicht selbst retten können.“ Sie stieß den Mann zur Seite. „Lassen Sie mich durch, ich habe keine Zeit!“ Das Kind auf ihren Armen schrie weiter. Aber Rey ignorierte das. Wenn sie das Kind retten wollte, dann musste sie es hier rausschaffen. Das bedeutete, dass sie, so schmerzhaft es für das Kind auch war, nicht auf es hören durfte. Rey drängte die anderen zur Seite. Sie fand eine schwangere Frau, bei der die Wehen eingesetzt hatten. Rey konnte nicht sagen, ob es durch das Adrenalin war oder nicht. „Kommen Sie!“, sagte sie. Aber sie wusste, dass das nicht einfach würde. Die Frau konnte nicht einmal stehen. Außerdem wurde es langsam eng. Das Flaggschiff ließ seine Geschütze rotieren. Rey wusste, was das bedeutete. Gleich würde es noch viel mehr Tote geben. Rey verlagerte das Kind auf einen Arm, während sie die Schwangere mit sich zog. „Sie schaffen das!“, sagte sie. „Durchhalten, ja?“
Die Frau nickte langsam. Sie zitterte am ganzen Körper. „I-ich kann nicht gehen!“
„Warten Sie!“
Rey riss sich zusammen. Sie konnte die Frau nicht tragen. Erstens hatte sie dafür nicht die Kraft, Zweitens hatte sie schon das Kind. Und das Kind konnte sie nur beschützen, so lange sie es direkt bei sich behielt.
Sie sah einen Wookiee, der wütend auf die Menge einschlug. „Hey!“, rief Rey. „Heeey! Ich brauche deine Hilfe! Bitte, es muss schnell gehen!“
Es war nicht einfach, den Wookiee zu überzeugen, aber als er Rey ‘s Lichtschwert sah, fügte er sich. Er folgte Rey die Ränge nach unten und hob die Schwangere auf die Arme. „Komm mit!“, rief Rey. „Sura!“ Aber sie fand Sura nicht. Sie fürchtete um das Leben ihrer Freunde. Die Leute riefen laut durcheinander. Namen, Schreie – zahlreiche Stimmen fielen durcheinander und drohten, Rey ‘s Trommelfell zum Platzen zu bringen. Aber sie musste weiter. Wenn sie es schaffte, rechtzeitig das Schiff zu erreichen, erfuhr sie vielleicht auch, wie es ihren Freunden ergangen war. Auf einmal hatte Rey das Gefühl, ihre Gedanken wurden ganz klar. Die Welt schien sich zu verlangsamen, als sie den Sprint aufnahm. Sie rutschte zwischen den Leuten hindurch, ohne sie zu berühren, und das wo sie so nahe beieinander standen. Sie glitt unter jemanden hinweg, der gerade aufgesprungen war. Es war lediglich ein Knierutscher, aber Rey war so schnell, dass das keinen Unterschied mehr machte. Der Wookiee hinter Rey musste sich den Weg jedoch freikämpfen. Bald hatte Rey den Ausgang des Stadions, erreicht, wo sie Finn beinahe über den Haufen rannte. Er hatte seinen Vater in der Fuchtel. „Er wollte gerade Sura töten“, knurrte er. „Dafür wird er bezahlen!“ Ohne weiter auf Rey zu achten, schleifte er Dominicus weiter mit sich.
Rey rannte weiter. Durch den Zugwind hatte sie schon Tränen in den Augen. Sie hatte es gleich geschafft… Sie konnte die Anwesenheit ihres Meisters spüren. Er war ganz in der Nähe. Schließlich trat Rey ins Schiff, tief erleichtert, dass Sura unverletzt und in Sicherheit war. Auch Skywalker war da. Er hatte einen Jungen mitgetragen, der so bleich war wie ein Gespenst. Der Wookiee platzte hinter Rey herein. Nach und nach kamen auch Zay, die von Jango geschützt wurde und eine Frau, die Rey seltsam bekannt vorkam, nach.
„Finn, du übernimmst das Cockpit!“, sagte Sura. „Ich muss mich um die Verletzten kümmern.“
Jacen Syndulla bot sich an, Finn zu helfen. Als das Schiff startete, hatte Rey plötzlich das Gefühl, sie könnte umfallen vor Erschöpfung. Da half auch das Adrenalin nicht mehr. Sie starrte Dominicus an, der gefesselt am Boden lag und dessen Nase blutete. Rey sparte sich die Frage, warum sie blutete. Es interessierte sie ohnehin nicht. So langsam dämmerte sie weg, mit wild klopfendem Herzen und flatternden Lidern.
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