Feuer und Eis - 1. Teil: Zwielicht

GeschichteSchmerz/Trost, Sci-Fi / P18 Slash
Finn Kylo Ren Leia Organa Poe Dameron Rey Snoke
12.06.2018
04.12.2019
35
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Als sich Rey wieder beruhigt hatte, flogen sie über die kürzeste Hyperraumroute nach Cantonica. Luke Skywalker hatte Rey gelehrt, wie sie ein Lichtschwert zu führen hatte und wie man Verbindung zur Macht erlangte. Das hier war die erste Prüfung, die sie bestehen musste. Rey war kein richtiger Jedi-Ritter, da sie immer noch lernte und sich das so schnell nicht ändern würde, aber sie war zumindest so weit, dass man sie als „Padawan“ bezeichnen konnte. Rey konnte Laserschüsse ohne Probleme abwehren. Und kämpfen konnte sie auch. Aber ihre Konzentration war, wie der Jedi-Meister bemerkte, nicht ganz auf der Höhe. Rey hielt eine Holzfigur in der Hand, die sie dicht an ihren Mund hielt. Eine einzelne Träne tropfte auf die hölzerne Figur. Ihre Mutter hatte sie Rey geschnitzt, als sie noch ein Kind war. Und mit dieser Figur hatte sie auch gespielt. Heute hafteten Erinnerungen an dieser Figur, die nach und nach wieder zurückkehrten. Erinnerungen, die Rey für verloren gehalten hatte. Seit sie aber unter Luke Skywalker lernte, arbeitete sie viele dieser Erlebnisse wieder auf. In diese Figur hatte Szirha einst sehr viel Zeit investiert. Sie hatte Rey einen Teil ihrer selbst hinterlassen, geschnitzt aus der Rinde eines Baumes. Und auch wenn sie tot war, so hatte sie zu Rey eine Verbindung geschaffen.
„Rey?“, fragte der Jedi-Meister behutsam. „Geht es dir gut?“
Kurz schien es, als würde Rey nicht antworten, aber sie tat es dennoch. „Ja.“
„Ich weiß, an wen du gerade denkst. Und ich denke, ich verstehe deinen Schmerz“, sagte Luke Skywalker. Er nahm Rey in den Arm. Für die Jedi war das nicht unbedingt typisch, aber Skywalker war auch nicht einfach ein Jedi-Ritter. Er schätzte Rey sehr und er wäre sogar bereit, für sie sein Leben zu riskieren. Sie kannten sich vielleicht nicht sehr lange, aber sie verstanden einander, wie man es von alten Freunden kannte. Für diese Art der Beziehung hatte der Jedi-Meister keine Erklärung, aber er empfand das auch nicht für so schlimm. Rey lehrte er zwar vorwiegend, wie sie als Jedi zu handeln hatte, aber er erklärte dieser auch, dass sie immer noch ein Mensch sei. Sie hatte das Recht, die zu lieben, die sie wollte und andere, die ihre Geliebten verletzen wollten, zu verachten. Aber aus Hass jemanden zu töten, war grundsätzlich falsch, da sie das sehr nahe an die Ideologie der Sith brachte. Rey hatte sich das zu Herzen genommen. Sie dürfte sogar jemanden heiraten. Der Jedi-Meister sagte, er würde es nicht verbieten. Aber er hoffte trotzdem, dass es nicht so weit kam. Er erlaubte Rey, eine eigene Familie zu gründen, aber er warnte sie auch, da so eine Heirat immer noch gewisse Risiken mit sich brachte. Denn sie machte sie abhängig. Und diese Abhängigkeit konnte sich jemand, der gerissen genug war, zu nutze machen. So konnte er Rey in den Strudel der dunklen Seite hineinziehen, ohne dass sie sich wehren konnte. Deshalb war hier Vorsicht geboten.
Rey befingerte weiter die Holzfigur in ihrer Hand. „Wie lange dauert der Flug noch?“
„Eine Stunde, schätze ich“, antwortete der Jedi-Meister. „Wir sollten die Zeit nutzen und ein wenig üben. Ich würde die zweite Lichtschwertkampfform bevorzugen: Makashi.“
„Oh.“ Rey versteckte die Figur wieder in ihrer Tasche. Sie ließ den Bambusstab durch die Telekinese in ihre Hand fliegen. Der Kampf, den sie sich wenige Sekunden später lieferten, ging viel flüssiger als sonst.
„Sehr gut“, lobte sie Luke Skywalker, als sie seinen Hieb mit einer glänzenden Parade abgewehrt hatte. „Diese Form lebt von den hohen Abständen zwischen den einzelnen Paraden. Deshalb ist sie gut geeignet, einen Gegner durch so wenig Aufwand wie nur möglich zu besiegen. Aber durch ihre geringe Deckungsqualität eignet sie sich kaum, wenn du Blasterfeuer abwehren willst.“ Er setzte wieder zum Angriff an, aber Rey konterte ihren Meister, noch ehe er sich ganz formieren konnte. Sie schlug einen halben Salto an der Wand entlang und stieß sich dort mit den Füßen ab. Als sie wieder stand, wurde sie aber von Skywalker überrumpelt.
„Das war die vierte Form, Rey. So weit sind wir nicht.“ Er war Rey mit Soresu entgegengekommen und hatte sie so entwaffnet. Als sich Rey wieder gesammelt hatte, trainierten sie weiter.
„Du kannst dir auch deine Umgebung zu nutze machen“, erinnerte sie Luke Skywalker, als sie schon eine Weile miteinander gekämpft hatten. Er schlug einen Salto über Rey hinweg und streifte, noch während der Landung, ihre Achillessehne. „Dieser Fehler war ganz fatal. Wenn du so wegrückst, hat dein Gegner genug Platz, dir das ganze Bein abzuschlagen… Du hättest den Angriff gleich in der Luft stoppen müssen.“
Rey sparte sich die Frage des Warum ‘s. Sie wusste, dass das ein Fehler war. Durch ihre unbedachte Reaktion hätte sie ernsthafte Schwierigkeiten bekommen können, wenn das hier ein echter Kampf wäre. Sie merkte sich das, da das später sogar ausschlaggebend sein konnte. Die Kämpfe zwischen Machtnutzern waren nicht zu verglichen mit denen anderer Individuen. Denn sie erforderten extrem viel Geschick und unheimliche, sogar unmenschliche Reflexe. Rey musste noch viel lernen, ehe sie gegen einen anderen Machtnutzer überhaupt eine Chance hatte. Aber ein in der Hinsicht nicht übermäßig talentierter Kämpfer würde gegen Rey verlieren. Denn sie bewegte sich unheimlich schnell. Man musste schon ein fähiger Kämpfer sein, wenn man ihren Bewegungen überhaupt folgen konnte. Wer hingegen Luke Skywalker kämpfen sah, der hatte schnell den Eindruck, er war wie Luft. Er verschmolz mit seiner Umgebung zu einer Einheit. Für einen gewöhnlichen Menschen war er aber kaum mehr auszumachen. Das einzige, das man deutlich spürte, war sein wehender Umhang. Da Rey sehr stark war in der Macht, konnte sie seine Züge sogar voraussehen. Der Bruchteil einer Sekunde war hier entscheidend für den Ausgang des Kampfes. Rey trainierte so viel sie konnte, schaffte es aber nicht, ihren Meister auch nur ein Mal in eine brenzlige Situation zu manövrieren. Er war gegen alle Angriffe, die sie durchführte, gewappnet. Schließlich hatte Rey genug. Sie ließ den Bambusstab fallen und erklärte, dass sie mehr Zeit für sich brauchte. Als Skywalker erkannte, dass sie das Handtuch geschmissen hatte, geriet er ins Grübeln. Er schaffte es nicht, Rey anhaltend zu motivieren. Sie hatte viel zu hohe Erwartungen an sich selbst. Und dann war sie frustriert, da sie diese Erwartungen nicht erfüllen konnte. Rey war ein Padawan, Skywalker ein Jedi-Meister. Natürlich unterlag sie ihm. Das war zu erwarten. Verglichen mit anderen Schülern, die er unterrichtet hatte, machte sich Rey aber ganz herausragend. Ein Duell gegen Ismir, einen seiner besten Schüler, hätte sie sogar für sich entschieden. Und der Jedi-Meister hatte den Jungen für bereit befunden, sich den Prüfungen zu stellen. Er wollte Ismir zum Ritter schlagen. So weit kam es aber nie, da Ismir von Ben Solo getötet wurde. Skywalker begegnete auch heute noch der tiefen Trauer in sich. Bestimmt hätten sich Rey und Ismir wunderbar verstanden. Er war ein Twi‘lek. Zwar war er nicht der begabteste Kämpfer, aber er war durch und durch ein Jedi. Die ehrwürdigen Meister hätten Ismir mit offenen Armen empfangen. Der letzte Kampf, den Ismir focht, den trug er aus, da er den Jedi-Orden beschützen wollte. Er trug keinen Funken Zorn in sich, als er gegen Ben Solo kämpfte. Er beschützte Skywalker‘s jüngste Schüler, die während dieses verheerenden Duells umgekommen wären… Er opferte sein Leben, um das der anderen zu schützen. Aber es half nicht. Kylo Ren tötete sie alle, ohne Ausnahme. Als sich Skywalker allein in den Trümmern des Tempels wiederfand, war seine Trauer so tief, dass er sich den ganzen Schmerz aus der Seele schrie, bis er heiser war. Als letzten Tribut an seinen früheren Schüler Ismir, schlug er diesen zum Ritter. Und das, wo dieser tot war. Er hatte gezeigt, dass er bereit war. Ein Jedi-Ritter und der erste, der seine Ausbildung abgeschlossen hatte. Der Jedi-Meister bemerkte, dass er die ganze Zeit über kein Wort gesagt hatte. Der Schmerz über diese Verluste schmerzte tief in seiner Brust. Er erinnerte sich, dass Ismir die dritte Form, Soresu, sehr bevorzugte. Sie war sehr defensiv ausgerichtet. Und sie passte genau zu Ismir ‘s Charakter, der auch sehr passiv war. Vielleicht hätte er heute sogar einen eigenen Schüler, den er auf das Leben als Hüter vorbereitete.
Der Jedi-Meister betastete unwillkürlich das Schwert des jungen Mannes, der einst seine größte Hoffnung war. Er war ein Wächter. Die Klinge, die er geführt hatte, war deshalb golden. Das Schwert lag wie einst quer in seiner Tasche, als würde es auf jemanden warten. Der Griff war da, wo die Energiezelle lag, durchsichtig. Durch die Hülse konnte man den Kristall erkennen. Er glitzerte noch immer so intensiv, wie er früher geglänzt hatte. Es war, als sei Ismir bei ihnen, bereit, sie mit seiner ganzen Kraft zu unterstützen. Auf einmal spürte der Jedi-Meister, dass er nie ganz fortgegangen war. Ein Teil seiner Seele lebte fort. Im Kristall des Schwertes. Luke Skywalker konnte seine Präsenz spüren. Der Jedi-Meister zog den Griff aus der Tasche.
„Das Schwert…“, begann Rey, als sie die Trauer ihres Meister bemerkte. „Wem gehörte es?“
„Ismir“, antwortete der Jedi-Meister. „Er opferte sein Leben, um die anderen vor meinem Neffen zu beschützen. Eigentlich war er bereit, die Prüfungen abzulegen, aber ich habe zu lange gewartet. So wurde der Kampf gegen Ben Solo zu seiner Prüfung. Und er bestand sie.“
„Ist er nicht gestorben?“, fragte Rey, ohne die Vorsicht fahren zu lassen.
„Er starb einen grausamen Tod… Du weißt nicht, wie schmerzhaft sein Verlust für mich war. Aber er bestand seine Prüfungen, als er sich Ben Solo stellte. Denn er wusste, dass er diesen Kampf nicht gewinnen würde. Aber er hatte verstanden, dass das oberste Ziel immer noch das Überleben des Jedi-Ordens war. Er stellte sich seinen größten Ängsten, als er gegen meinen Neffen ins Feld zog. Seine Pflicht hatte er erfüllt, als er versuchte, die Jünglinge zu beschützen. Er wollte ein Massaker, wie das bei der Order 66, verhindern. Aber es reichte nicht. Denn als er sich opferte, versagte ich in meiner Funktion als Meister. Ich hätte meine Schüler beschützen sollen, aber mein Neffe schlug mich nieder. Da ich bewusstlos war, konnte ich ihnen nicht helfen…“ Der Jedi-Meister konnte nicht weiter über diese Geschehnisse sprechen. „Ich bin kein guter Meister.“
Rey schüttelte vehement den Kopf. „Seien Sie nicht albern! Kylo Ren hat Sie verraten. Deshalb trägt er die Schuld am Massaker. Er hat das Schwert geführt, das so vielen ihrer Schüler zum Verhängnis wurde. Er hat sich für die dunkle Seite entschieden…“
„Das hätte nicht passieren sollen“, erwiderte Luke Skywalker, dessen Züge wieder weicher wurden.
„Es ist aber passiert. Wir sollten versuchen, das beste aus dieser Situation zu machen. Das haben Sie mich gelehrt, mein Meister!“
Der Jedi-Meister lächelte Rey zu. „Du lernst sehr schnell, Rey. Zu schnell, könnte man sogar sagen.“
Rey dachte nach. „Ismir war ein Wächter, nicht wahr? Er verstand es als seine Aufgabe, den Jedi-Orden zu erhalten, so wie er war. Ich habe in den alten Büchern gelesen, dass sie oft auch die ersten waren, die fielen, wenn der Tempel angegriffen wurde. Sie waren die Beschützer des Jedi-Ordens.“
„Das ist wahr“, bestätigte der Jedi-Meister ihre Aussage. „Und mir scheint es, als seist du ein Hüter.“
„Ich weiß es nicht.“ Das entsprach der Wahrheit. Rey glaubte nicht, dass sie ein Hüter war. Denn sie kämpfte nicht gern, geschweige denn viel. Das blaue Lichtschwert führte sie bloß, weil es sehr auf sie ansprach.
Rey zeigte Luke Skywalker den blauen Kristall ihrer Mutter. „Ich glaube, den hat sie mir hinterlassen. Sie wusste scheinbar, dass ich… nun ja.“
Der Jedi-Meister musterte den Kristall. „Das ist ungewöhnlich.“
Rey sah ihren Meister irritiert an. „Warum?“
„Dieser Kristall ist der Zwilling eines anderen Kristalls. Der Bruder von Anakin Skywalker ‘s Kristall - der meines Vaters.“ Er untersuchte den Kristall. „Die Aura, die er ausstrahlt…“ Er ließ sich von Rey das Schwert seines Vaters geben. „Hmmm… Das könnte schwierig werden.“
„Warum?“, fragte Rey, als sie bemerkte, wie sich sein Ton verändert hatte.
„Diese Kristalle sind füreinander bestimmt, Rey. Deshalb wirst du auch nie ihre ganze Stärke entfesseln, wenn du sie getrennt voneinander führst. Sie gehören beide zusammen.“ Der Jedi-Meister zögerte. Er ergriff das Wort, als er sah, dass es Rey immer noch nicht verstand. „Sie sind Zwillinge, Rey. Diese beiden Schwerter müssen zusammen geführt werden. Erst, wenn sie beide vereint sind, wird es dir gelingen, ihre ganze Kraft freizusetzen.“
Langsam begriff Rey, was das bedeutete. „Heißt das, ich muss lernen, mit zwei Schwertern zu kämpfen? Aber ich bin kein sehr guter Kämpfer! Selbst wenn ich mit einer Klinge gegen Sie ins Feld ziehe, habe ich keine Chance gegen Sie!“
„Rey...“, begann der Jedi-Meister. „Wenn du, ohne richtig ausgebildet worden zu sein, gegen einen Meister bestehen würdest, dann würde mich das auch sehr wundern. Lass mich ehrlich zu dir sein, Rey: Du lernst einen Monat unter mir und doch hast du es geschafft, mich einige Male in brenzlige Situationen zu locken. Wenn du nicht fähig wärst, dann wäre dir das nie gelungen.“
„Sie haben sich zurückgehalten“, erwiderte Rey.
„Natürlich habe ich das. Aber das waren auch keine Kämpfe auf Leben und Tod. Wichtig ist mir nämlich, dass du lernst zu überleben. Und das gelingt nicht, wenn du mir nicht vertraust.“
Endlich verstand Rey, warum er das tat. Sie hatte geglaubt, dass er nicht auf sie vertraute… Aber das stimmte nicht.
„Wenn wir diese Mission abgeschlossen haben, werden wir dir mit Hilfe des Kristalls ein Schwert konstruieren.“ Luke Skywalker lächelte Rey warm an. „Du kannst dich glücklich schätzen, Rey. Das Wissen um die Konstruktion eines Lichtschwertes gehört zu den am strengsten gehüteten Geheimnissen der Jedi-Ritter.“

Das Stadion war ziemlich überfüllt. Das Poltern der Zuschauer war über viele Kilometer hinweg deutlich hörbar. Rey mochte sich nicht vorstellen, wie laut es dann im Stadion selbst sein mochte. „Nun, Rey…“, flüsterte der Jedi-Meister. „Erzähl mir von deinen Beobachtungen.“
Da er Rey nicht das erste Mal diese Aufforderung erteilte, wusste sie, was er meinte. Er versuchte, Rey auf ihre Umgebung einzustimmen und ihre Konzentration zu testen.
„Die Luft ist schwer. Ich glaube, die Leute sind angespannt“, erklärte sie. „Aber das Rennen ist nicht der Grund dafür… Das wäre vielleicht eher Anlass zur Freude.“
„Das ist wahr“, bestätigte der Jedi-Meister ihre Vermutung. „Die Frage ist: Warum? Ich denke, wir sollten dieser Vermutung nachgehen. Mein Gefühl sagt mir, dass es wichtig ist.“
„Ja, mein Meister.“
Eine Stunde mussten sie in der Schlange stehen und warten, bis sie an den Schalter kamen. Rey taten von der Warterei die Füße weh, aber der Jedi-Meister ließ sich das nicht anmerken.
„Haben Sie die Karte? Die muss gestempelt werden“, erklärte der Kontrolleur.
Rey wusste, dass sie keine Karten gekauft hatten. Wie hätten sie das auch anstellen sollen? Ahch-To war ein sehr entlegener Planet. Es gab nicht viele, die seinen Namen überhaupt kannten. Skywalker warf Rey einen erwartungsvollen Blick zu. Sie verstand aber nicht, worauf er hinauswollte. „Häh?“
„Dein Auftritt, Rey!“ Skywalker ging nicht sehr ausführlich auf das „Häh?“ ein. Aber als Rey endlich verstand, was er meinte, brauchte es das auch nicht mehr. „Oh!“, rief sie. Der Kontrolleur stand da, kerzengerade und den Blick stur auf Rey gerichtet. „Die Karten“, sagte er ungeduldig.
„Wir… ähm brauchen keine Karten.“ Rey klang nicht sehr überzeugend. Sie versuchte, den Mann durch die Macht zu beeinflussen.
„Ohne Karten kein Einlass, junge Frau“, erwiderte der Mann. „Wenn sie keine haben, dann können Sie gleich wieder gehen. Kein Wenn und Aber.“
Skywalker flüsterte Rey etwas ins Ohr: „Dein Geist ist stark, Rey. Nutze seine Stärke aus!“
Rey glaubte nicht, dass sie das schaffte. Sie zögerte.
„Rey…“, setzte der Jedi-Meister an. „Du kannst das.“
Er brauchte Rey nicht sagen, dass er an sie glaubte. Sie spürte genau, dass er auf sie vertraute. Seine Wärme berührte sie und Rey fühlte sich bestärkt. Der Mann mochte sehr überzeugt von sich sein, aber gegen Rey konnte er sich nicht zur Wehr setzen. „Ich brauche keine Karte“, sagte sie. Der Mann nickte. Er begann zu schielen. „Sie benötigen keine Karte.“ Rey ließ er passieren, ihren Meister jedoch nicht. Als sie das erkannte, seufzte sie tief. „Oh, nein!“ Der Jedi-Meister unterdrückte ein Lachen. Er hatte keine Probleme, den Mann zu „überzeugen“. Er ignorierte die anderen in der Warteschlange, die den Kontrolleur anstarrten, als glaubten sie, er hätte den Verstand verloren. Aber der Jedi-Meister schuf ein Trugbild von Rey und von sich selbst. Das Trugbild zeigte, wie Rey und Skywalker den Schalter mit grimmigen Mienen verließen, da sie nicht hereingelassen wurden. Der Twi‘lek starrte ihnen aber noch immer hinterher. Er sah misstrauisch aus.
„Meister…“, flüsterte Rey beeindruckt. „Kann ich das auch lernen?“ Sie hatte den Twi‘lek nicht bemerkt.
„Bald“, meinte Skywalker kurzangebunden. „Wenn du etwas weiter bist.“ Sie gelangten an eine Sektion, wo den Leuten die Taschen durchsucht würden. „Meister…“, sagte Rey erneut. „Unsere Lichtschwerter.“
„Oh“, sagte der Jedi-Meister. „Du hast Recht.“ Plötzlich verschwand er. Rey wusste nicht, wo er steckte. Der Jedi-Meister konnte sich tatsächlich unsichtbar machen… Rey konnte es nicht glauben. Kurze Zeit später wurden sie einfach durchgewunken.
„Meister…“ Rey schüttelte den Kopf. „Warum haben Sie mir nicht gesagt, dass sie sich unsichtbar machen können?“
„Sich unbemerkt an andere heranschleichen zu können, bringt gewisse Vorteile mit sich. Du siehst bloß mit den Augen, Rey. Deshalb hast du mich nicht bemerkt.“ Der Jedi-Meister führte Rey ins Stadion. Die Ränge waren voll besetzt und über das Poltern der Zuschauer hinweg konnte Rey selbst ihre eigenen Worte kaum mehr hören. Sie konnte keine freien Plätze sehen. Die Leute drängten sich so dicht aneinander, dass sie sich beinahe gegenseitig ausknockten. Trotzdem brachte es Luke Skywalker sogar fertig, einen freien Platz genau über Sura zu finden, die überrascht aufsprang und Rey in die Arme schloss. „Rey, du bist hier!“ Sie war ziemlich überrascht.
Luke Skywalker wartete, bis sich Rey wieder gefangen hatte. Er stellte sich Sura vor, mit kurzen, aber höflichen Gesten. Und Sura schien sich zu freuen. „Sie haben Rey ins Herz geschlossen, was? Ich kann es ihnen nicht verdenken.“ Sie lächelte den Jedi-Meister an.
Skywalker nickte. „Jetzt verstehe ich, warum Rey von ihnen so angetan ist, Sura. Sie sind eine sehr außergewöhnliche Frau.“
Sura dankte für das Kompliment, wurde von Rey aber unterbrochen, die irritiert war, da sie Finn nicht sehen konnte. „Wo ist Finn?“
„Er holt Getränke und etwas zu Essen. Oh, Rey! Wenn er wüsste, dass du hier bist… Er hat dich so schrecklich vermisst. Seine Fragerei ist mir langsam ziemlich auf den Keks gegangen.“
„Wo ist dieser Schmuggler?“, fragte der Jedi-Meister ohne Umschweife. Er hatte ihre Mission nicht vergessen.
„Er sitzt neben mir.“ Sura deutete auf einen bärtigen Mann. Er hatte einen grimmigen Ausdruck. Rey konnte deutlich spüren, dass er sehr angespannt war.
„Sehr gut“, erklärte der Jedi-Meister. „Dann ist die Übergabe glatt über die Bühne gegangen?“
Sura sah den Mann fragend an.
Er erschrak. „Hmh?“
Sura schien kurz verärgert, „Die Karte, Sie Idiot!“
„Sura, sei nicht so schroff!“, rief Rey, die ziemlich müde war.
„Pfff!“ Der Mann steckte Sura einen Chip zu. „Tut mir Leid. Wenn ich nicht erwünscht bin, dann gehe ich halt wieder“, sagte er spitz, dann stand er auf.
„Ich hoffe, dass ihre Informationen stimmen!“, knurrte Sura den Mann an. „Wenn nicht, dann werde ich persönlich dafür sorgen, dass man Sie jagt. Und zwar bis in die entlegensten Winkel der Galaxis. Ich habe da gute Kontakte.“
Rey wusste, dass das keine leere Drohung war. Für Sura war das auch eher untypisch.
Der Jedi-Meister räusperte sich. „Dann wäre das geklärt.“ Sura ‘s Verhalten schien ihn nicht zu überraschen. Er kannte das wohl schon.

Fräulein Lilia betrieb seit über zwanzig Jahren das Modegeschäft in den unteren Ebenen von Coruscant. Da es, seit das Imperium gefallen war, noch schwieriger geworden war, die Warenregale voll zu halten, musste sie aber nach Stage 17 ziehen. Eine sehr heruntergekommene Gegend, wo sie sich die Ladenmiete aber leisten konnte. Gestern waren merkwürdige Gestalten vor ihrer Schwelle erschienen. Nicht, dass man keine so merkwürdigen Gestalten in Stage 17 fand. Aber diese Frau und dieser Mann. Sie waren gekleidet wie Jedi. Gestern hatte sich Lilia nicht viel bei diesen Leuten gedacht. Eine Cosplay-Party? So selten waren die hier nicht, auf Stage 17. Und sie hatte oft auch Leute ausgestattet, die sich wie Jedi angezogen hatten. Sie feierten den Tag, als der erste Todesstern vernichtet wurde, indem sie sich wie Jedi kleideten. Wie in den alten Geschichten. Dann hatte sie den Kassensturz gemacht und den Namen des Mannes gesehen, der da bezahlt hatte. Sein Konto war hier verzeichnet. Und das war das Verrückteste. Der Kontakt, der hier hinterlegt war, endete auf den Namen „Luke Skywalker“. Erst dachte Lilia, dass sie nicht recht sähe. Das musste sie sich einbilden. Diese Geschichten von diesen Mönchen, ausgestattet mit übersinnlichen Kräften… Diese Erzählungen konnten unmöglich der Wahrheit entsprechen. Aber dann erinnerte sie sich, dass sie einen kurzen Blick auf das Lichtschwert der Frau erhascht hatte. Es sah viel zu echt aus. Und sie hatte viel Erfahrung mit der Unterscheidung zwischen tatsächlichen Unikaten und Requisiten. Als sie heute von der Arbeit nach Hause gehen wollte, sah sie ganz unwillkürlich beim Hangar C-17 vorbei. Dort hatten sich Truppen der Ersten Ordnung festgesetzt. Ab und zu fingen sie Leute ab, die sie dann befragten. Wenn sie keine Antworten bekamen, versuchten sie es aber oft mit Gewalt. Einen Mann hatten sie zusammengeschlagen, bloß weil er gesagt hatte, dass er tatsächlich nicht wusste, was hier vor sich ging. Lilia bewegte sich vorsichtig auf den Hangar zu, als einer der Truppen auf sie zu kam. „Und? Haben Sie etwas gesehen, hm?“ Lilia blieb abrupt stehen. „Oh, haben Sie mit mir gesprochen?“
„Ja“, unterstrich der Sturmtruppler. „Haben Sie hier jemanden gesehen? Eine junge Frau und einen etwas älteren, bärtigen Mann mit grauen Haaren? Und wenn ja, trugen sie Jedi-Roben?“
Die Frau wusste nicht, wie sie reagieren sollte. Der Sturmtruppler schüchterte sie ziemlich ein. „N-nein. Außer, vielleicht… Nun, hier kommen regelmäßig Cosplayer vorbei. Viele von ihnen kleiden sich in Jedi-Roben ein. Wegen des Feiertags – Sie wissen schon.“
Der Sturmtruppler schubste Lilia unsanft in einen Haufen ramponierter Kisten. „Haben Sie nicht zugehört, oder was?“ Er setzte seinen Helm ab und spuckte Lilia an. Der Frau war bewusst, dass er sie deshalb so behandelte, weil sie eine Twi‘lek war. Und die Erste Ordnung war rassistisch, wie das Imperium einst. Sie hielten den Menschen für das einzig rechtmäßige Erbe der Galaxis. Lilia war diese Form der Gewalt nicht fremd. Sie hatte auch durch das Imperium nicht wenig wegstecken müssen.
„Sieh mich nicht so an, du bist Abschaum!“ Er trat der Frau ins Gesicht. „Wo ist dieser Jedi-Meister? Und hat er diese Frau mitgenommen? Sie ist sein Schüler.“
Lilia spuckte einen Zahn aus. „Nein“, log sie. „Die Jedi gibt es nicht mehr. Dafür haben ihre Vorgänger gesorgt.“
Der Sturmtruppler schlug sie erneut. „Ich frage nicht noch einmal! Wo sind diese Jedi?“
„Verdammt nochmal! Ich weiß es nicht.“
„Exekutiert sie!“, befahl der Captain seiner Truppe. Doch plötzlich wurde er durch einen Schuss in den Rücken getroffen. Auch der Mann, der Lilia bedroht hatte, wurde durch weitere Treffer getötet. Ein Mädchen tauchte hinter den Fässern auf. In kürzester Zeit tötete sie zwanzig Soldaten, ohne das Lilia Gelegenheit hatte, kurz zu blinzeln. Schließlich tauchte sie neben Lilia auf. „Geht es ihnen gut?“
Lilia stand der Mund offen. „D-danke dir!“, sagte sie, als sie begriff, dass man ihr gerade das Leben gerettet hatte.
Zay ließ ihren Blick umherschweifen. „Oh, Mist! Wir müssen hier weg.“ Sie packte die Frau an der Hand und schleifte sie ins Schiff. Wie zur Antwort trafen weitere Truppen vor Ort ein.
„Die jagen mich!“, rief Lilia wie in Panik.
„Keine Angst, ich bringe Sie in Sicherheit.“
„Ich kann hier aber nicht verschwinden!“, rief Lilia wenige Sekunden später. „Ich habe hier einen Laden, eine ganze Existenz!“
„Wenn sie nicht die Beine in die Hand nehmen, sind Sie es womöglich, die bald nicht mehr existent ist“, warnte sie Zay. Die Frau ließ sich nur widerwillig auf sie ein. Sie ließ sich von Zay in den Jäger verhelfen. Diese schnallte Lilia an, ehe sie sich selbst in ihren Sitz fallen ließ und das Schiff startete. Zay zog die Gurte an ihren Beinen fest. „Ich hoffe, Sie haben einen starken Magen!“, rief Zay. Sie beschleunigte in wenigen Sekunden auf Schallgeschwindigkeit. Und sie konnte hören, wie Lilia gurgelte. Bei den G-Kräften war das nicht ungewöhnlich. Zay wich der Luftabwehr aus. Sie feuerte in kurzen Abständen auf ihre Ziele zurück, ohne diese zu verfehlen. Plötzlich erkannte sie einen anderen Jäger in ihrer Nähe, der zu Jango Fett gehören musste. Zay legte noch einen Zahn zu. Das Fliegen war nicht wie in den Schulbüchern. Es war viel spannender! Und es war gefährlich… Zay liebte es. Genau das hatte sie sich vorgestellt. Hoffentlich wurde es nicht zu einfach, Jango Fett abzuhängen. Aber da musste sie sich keine Sorgen machen. Er war Kopfgeldjäger.
Genau wie ich… , erinnerte sich Zay. „Tehehe. Das wird lustig!“ Sie hatte eine Mission auf Cantonica. Zwar konnte sie ihren Auftraggeber nicht ausstehen, aber die Summe, die der Mann bot, war ziemlich beachtlich. Das durfte sie sich nicht entgehen lassen. Zay dachte kurz nach. Sie musste jemanden umbringen. Aber das war doch nicht so schlimm, oder? Schließlich kannte sie denjenigen nicht. Angeblich war der Mann ein Deserteur. Zay erinnerte sich an ihren Vater und an seine Worte, dass es nie einfach sei, jemanden zu töten. Selbst, wenn man denjenigen nicht kannte. Aber für sie war das kein Problem.

Als der Sprecher seine Worte begann, wurde es im Stadion eigentümlich still. Rey wusste nicht gleich, warum, dann hörte sie es. Auf der Rennbahn waren fünf kniende Gestalten zu sehen. Sie bildeten eine Reihe. Aber der Sprecher ließ sich nicht von ihren Klagelauten stören. Warum waren da diese Leute, gefesselt und mit Kapuzen, die man ihnen über die Gesichter gezogen hatte? Rey sah ihren Meister an, der eine schwer zu deutende Miene aufgesetzt hatte. Als sie fragen wollte, warum er so finster drein sah, bedeutete er Rey, still zu sein.
„Schweinerei!“, brummte Sura, die sich neben Finn zusammengekauert hatte. „Öffentliche Hinrichtungen… Und ich dachte, sie könnten nicht mehr tiefer sinken.“
„Was?“, hauchte Rey dann. „Eine öffentliche Hinrichtung? Aber das hier ist doch nicht die Erste Ordnung.“
„Abwarten, Rey“, flüsterte Sura. „Ich denke, dann wirst du keine Fragen mehr stellen.“
„Guten Abend!“, rief der Sprecher. „Genau hier und heute findet das Rennen statt, in der TechUnion-Arena.“ Er machte eine kurze Pause, die von lauten Jubelrufen und polternden Fans untermalt wurde. Rey war so schockiert über die geplante Hinrichtung, dass sie vergaß, ihre Rolle weiter zu spielen. Luke Skywalker stieß sie in den Bauch. „Rey…“ Er klatschte, obwohl es ihm zuwider war. Sie mussten den Schein wahren. Trotzdem schüttelte sein Padawan bloß den Kopf. Rey glich Sura auf ‘s Haar, als sie so grimmig drein sah wie ein Bär.
Der Sprecher präsentierte ihnen die Reiter und die Vereine, für die sie ins Rennen gingen. Er benannte den Favoriten des Rennens und den mit den höchsten Wetteinsätzen. Zum Schluss kam er auf die Sponsoren des Rennens zu sprechen, auf die er wahre Lobgesänge übte.
„Und zu guter Letzt“, fuhr er dann fort. „Ein Hoch auf den Mann, der am meisten in dieses Rennen investiert hat und die Sicherheit des Stadions gewährleistet hat, da er den Wachen die Hilfe seiner Truppen zur Verfügung gestellt hat: Armitage Hux. Seine Organisation, die Erste Ordnung, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Korruption in der Neuen Republik zu bekämpfen und den alten Zeiten Tribut zu zollen, um des Imperiums Willen!“ Er wartete kurz ab, da die Zuschauer auf verschiedenste Weise laut geworden waren. Einige buhten Hux aus, während andere aufsprangen und laut Beifall klatschten.
„Ich lobe sein Engagement. Deshalb habe ich einige Kopfgeldjäger auf die Reise geschickt. Und sie waren erfolgreich. Sie haben die Galaxis nach den größten Verschwörern abgesucht, von denen bekannt ist, dass sie gegen die Erste Ordnung kooperieren. In der Eröffnung der Spiele sollen diese Männer und Frauen hingerichtet werden, als Beweis für die Unerschrockenheit unserer neuen Verbündeten!“ Rey konnte spüren, dass der Sprecher große Angst hatte vor Hux. Er hatte diese Rede offenbar nicht aus freien Stücken aufgesetzt. Skywalker schien das Gleiche zu denken, denn sein Blick wurde sehr nachdenklich.
Der Sprecher machte Hux Platz. Er zitterte leicht. Trotzdem ignorierte Hux den Mann. Er wandte sich den verhüllten Gestalten zu. Hinter Hux war ein Offizier postiert. Seine Haut war dunkel, aber er sah so ausdruckslos aus wie alle anderen Sturmtruppler.
„Oh“, bemerkte Hux nach einer Weile. „Ein Kopfgeldjäger hat es nicht geschafft, seine Beute zu fangen...“ Er sah den Offizier an, jedoch nur kurz. „Wie schade…“ Sein Blick war bedrohlich. Er hatte etwas Bösartiges an sich. Er nahm das Beil eines anderen Trupplers an sich.
„Dann will er es selbst tun?“, fragte Sura beeindruckt. „Diese Ehre erweist er seinen Gefangenen eigentlich nicht. In der Regel bevorzugt er es, sich nicht die Hände schmutzig zu machen. Was haben diese Leute denn verbrochen, dass er ihnen persönlich die Ehre gibt?“ Sie zog ihre Brauen zusammen. Auch Rey ahnte es. Da stimmte etwas nicht.
Der erste Gefangene hielt den Blick gesenkt. „Pandora, imperialer Deserteur und Schmuggler der Allianz“, verkündete der Sprecher. „Hinrichtungsbefehl…“
Der General nahm das Beil selbst in die Hand. Er legte einen Schalter um, und ein blendender Schneidlaser tat sich auf. Er war sehr dünn, aber Rey wusste, dass das Beil auch nicht gedacht war, jemanden schnell zu töten. Der Gefangene spürte deutlich, wie sein Kopf Faser für Faser vom Hals getrennt wurde.
„Süß… diese Rache“, flüsterte Hux, als er den zitternden Körper seines ersten Opfers musterte. Er schien es zu genießen.
Als der Aufschrei begann, wusste Rey, dass sie wegsehen sollte. Aber sie konnte den Blick einfach nicht abwenden. Als Kadett der Ersten Ordnung hatte sie diese Hinrichtungen oft mitansehen müssen, das so aber nie gewollt.
Skywalker legte Rey die Hand auf die Schulter. Er hatte Verständnis für sie.
Der nächste Gefangene kam an die Reihe. Ein zygerrianischer Pirat. Rey kannte sein Gesicht sogar… Sie erinnerte sich an den Mann, der sich über ihre Jedi-Roben ergötzt hatte. Skywalker riet Rey, wegzusehen. Sie tat es. Aber sie hörte, als der Kopf zu rollen begann.
Da Rey kurz abgelenkt war, sah sie ganz in der Nähe eine Mädchen. Sie stieß ihren Meister an. „Ist sie das?“
„Ja“, sagte Sura leise. „Das ist Zay Meeko. Sie sieht nicht sehr glücklich aus.“
„Wie auch?“, kommentierte das auch Finn. „Als ich die Karten gekauft habe, tat ich das nicht, weil ich so etwas sehen wollte…“ Er stieß mit der Faust gegen den Handballen. „Wenn ich diesen bleichgesichtigen Drecksack in die Finger kriege, dann…“
„Scht!“, machte Sura. „Siehst du das? Da unten…“
Der General sah einer Frau ins Gesicht, die Rey schrecklich bekannt vorkam. Ihre Haut war wunderschön, hellbraun. Ihre Haare waren schwarz, durchzogen mit leichten, bläulich schimmernden Strähnen. Aber sie war ziemlich mager. Eine ihrer Augenbrauen war geteilt… Die Narbe zog sich über das obere Lid bis zum unteren, aber das Auge selbst war unversehrt. Die Frau spuckte Hux ins Gesicht. Er nahm sich gleich ein Tuch und wischte sich die Spucke von der Stirn, jedoch, ohne seinen Blick von der Frau weichen zu lassen.
Sura sah, wie Zay im Hintergrund das Gewehr bereitmachte. In ihren Augen lag tiefe Verbitterung.
Finn jedoch starrte den Offizier neben Hux an. „Das ist nicht wahr… Er hat das Mädchen auf mich angesetzt. Er tat es, weil er wusste, dass ich sein Sohn bin.“
Rey wusste, dass er Recht hatte. Sura schien es aber nicht so glauben. „Wie willst du dir da so sicher sein, Finn?“
„Sieh in seine Augen!“
Für Rey war das schwer begreiflich. Sie starrte noch immer die Frau an, die laut knurrte. Die Frau hatte da etwas, das Rey seltsam vertraut war… Die Zuschauer schienen das aber nicht zu denken. Sie jubelten, da sie sahen, dass der Widerstand der Frau noch immer stark war.
„So fügt es sich“, flüsterte der General. Trotzdem war er über das ganze Stadion zu hören. „Wie tief du doch gesunken bist... Szirha Deeja-Mhin. Wie erfreut Rae Sloane sein wird, wenn sie erfährt, dass der größte Feind unseres Obersten Anführers hingerichtet wurde. Anscheinend sind Sie doch nicht so gefährlich, wie sie mir in jungen Jahren verdeutlichen wollte…“
Szirha ‘s Blick traf den seinen. „Eines Tages wird er Sie nicht mehr brauchen“, prophezeite sie. „Wenn dieser Punkt erreicht ist, ist es Aus für Sie. Sein Lichtschwert wird sich durch ihre Brust bohren…“
„Unser Anführer ist ein weiser Mann“, entgegnete Hux.
„Das will ich nicht bezweifeln“, sagte Szirha lächelnd. „Und genau deshalb werden Sie durch seine Hand sterben. Erinnern Sie sich an meine Worte, dann werden Sie ihren Trugschluss erkennen.“
Hux‘ Gesicht gewann einen hauchrosa Farbton. Aber er schwieg. Im Stadion wurde es sehr, sehr leise, als er die Spannung des Beils wieder ganz auffahren ließ. Es war, als könnte man eine Stecknadel fallen hören. Niemand wagte es, auch nur zu atmen.
Plötzlich wurde die Stille unterbrochen. Es war die Stimme einer Frau, die laut schrie.
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