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Feuer und Eis - 1. Teil: Zwielicht

GeschichteSchmerz/Trost, Sci-Fi / P16
Finn Kylo Ren Leia Organa Poe Dameron Rey Snoke
12.06.2018
11.11.2020
45
211.658
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21.06.2019 5.798
 
ALTE WUNDEN

Rey schnaufte. Gerade eben war sie einen steilen Abhang hochgeklettert, den sie auf mehr als zehn Meter schätzte. Sie hatte in ihrer Kletterei wohl nachgelassen, da sie lange nicht geübt hatte. Als sie schließlich das erste Mal ebene Fläche erreichte, konnte sie ihre Erleichterung kaum verbergen. Das hier war ein wunderschöner Planet. Aber er war auch tückisch, wie Rey recht früh schon aufgefallen war. Die steinerne Masse wurde lediglich von Moos bedeckt. Aus einiger Entfernung würde man das dicht überwucherte Gestein wohl für Gras halten, aber aus der Nähe betrachtet, erkannte man, dass es Moos war. Rey nahm einen Zug Wasser aus der Flasche. Aber sie spuckte es wieder aus. Es war sehr salzig. Schließlich rügte sie sich selbst, da sie doch hätte merken müssen, dass das Wasser nicht zum Trinken vorgesehen war. Rey schüttelte sich. Hatte sie jetzt völlig die Nerven verloren? Vermutlich. Rey behagte der Gedanke nicht, nach Luke Skywalker suchen zu müssen, wo sie mit den Jedi doch eigentlich nicht viel zu tun haben wollte. Außerdem… Wie sah er denn überhaupt aus? Nicht einmal das wusste sie.
Rey ging weiter. Wo war dieser Mann? Sie sah den Klippenvorsprung hinunter. Weiter unten war ein Dorf, errichtet aus primitiven, steinernen Hütten, vermischt mit Lehm und Moos. Rey rutschte den Pfad hinunter. Diese Spezies hatte sie noch nie gesehen. Waren das Einsiedler? Kleine, graue Wesen marschierten hier entlang. Sie hatten sehr breite Köpfe und erinnerten Rey ein wenig an Amphibien. Auch wenn sie mit diesen vermutlich nicht verwandt waren. Rey schluckte. Verstanden diese Wesen denn Basic? Vorsichtig näherte sie sich ihnen.
„Hallo?“, fragte sie mit bebender Stimme. Langsam keimte in Rey der Verdacht auf, dass es sich bei der Spezies um die Lanai handeln könnte. Laut Erzählungen existierten nur noch wenige Vertreter ihrer Art in den entlegensten Winkeln der Galaxis.
Eine Frau drehte sich zu Rey. Sie fing gleich an zu schnattern, in einer Sprache, die Rey nicht verstand. Sie hielt einen Wäschekorb umklammert, bis auf den Rand mit seidenen Umhängen belegt.
„Ähm, ich verstehe dich nicht…“ Rey schüttelte den Kopf. Zumindest schien die Frau das zu verstehen. „Ich suche nach Luke Skywalker.“ Rey hoffte, dass die Lanai zumindest den Namen des Jedi-Meisters erkannte.
„Ah“, machte die Lanai. „Luke Skywalker mella bi ta.“ Sie deutete auf den höchsten Punkt der Klippen.
Rey atmete erleichtert auf. „Danke dir!“ Sie verbeugte sich höflich.
„Bi ta mortant!“, warnte die Lanai.
Rey wusste nicht genau, was sie gesagt hatte, aber sie vermutete etwas, wie: „Sei vorsichtig da oben!“ Sie machte sich auf den Weg.
Als sie versuchte, auch diese Klippe emporzuklettern, rutschte sie beinahe ab. Und das nicht allein an einer Stelle. Die Luft hier oben war sehr feucht. Vielleicht war sie gerade in eine Wolke eingetreten. Hoch genug war es schon. Neunhundert Meter mussten es sein, vermutete Rey. Allein den Marsch würde sie teuer bezahlen… Morgen würde sie die Beine kaum mehr heben können. Der Weg hierher wäre an sich keine Herausforderung gewesen, wenn sie nicht ständig an Klippen hoch und runter klettern müsste und jeden Ort einzeln mit den Augen abgescannt hätte… Sie war einfach nur müde. Die Knie hatte sie sich auch aufgeschrammt. Wenn sie sich doch endlich hinlegen und ausruhen könnte… Dieser Jedi musste ziemlich Nerven haben, wenn er immer rauf und runterkletterte. Schließlich musste er sich auch irgendwo seine Vorräte beschaffen. Rey kämpfte sich die letzten Meter empor. Als sie das geschafft hatte, sah sie hinüber auf das offene Meer. Ein Augenblick, den sie offenbar teilte. Denn da stand ein Mann. Sein Umhang war grau und Rey hätte ihn übersehen, wenn sie nicht genau hingesehen hätte. In der Hand trug er einen Speer, an dessen Spitze ein Fisch hing, der offenbar noch wie wild zappelte. Sein Bart war dicht und auch die Haare hatte er sich lange nicht mehr geschnitten. Unter den hellgrauen Haaren fand sich vielleicht noch eine einzelne, blonde Strähne. Rey zog sich hinauf. Sie sagte kein Wort. Sie scheute sich, da sie glaubte, sie würde nur stören. Der Jedi schien sie nicht bemerkt zu haben. Oder… Der Mann drehte sich um. Er zog seine Kapuze hinunter und musterte Rey abschätzend. „Guten Abend“, grüßte er höflich. Er legte den Speer ab und streckte Rey seine Hand entgegen. „Gestatten? Luke Skywalker.“
Rey schluckte. Sie wusste, dass es unhöflich war, nicht zu antworten, aber plötzlich verdrehten sich die Wörter in ihren Gedanken. Ihre Eingeweide auch…
Luke Skywalker schien das aber nicht zu überraschen. Er lächelte. „Durchatmen. Dann können wir in Ruhe miteinander reden.“ Er nahm den Speer wieder auf. „Aber, wenn ich das Bild so betrachte… Ich denke, du hast Hunger?“
Rey hatte überhaupt keinen Appetit. Endlich würgte sie ein paar Sätze hervor. „Ähm… n-nein, ich glaube, ich habe genug.“ Das war eine glatte Lüge. Sie hatte seit mehr als zehn Stunden nicht mehr gegessen.
„Nun, ich sollte vielleicht nicht auf dich hören. Mein Gefühl sagt mir, dass du nicht die Wahrheit sprichst.“ Er führte Rey zu seiner Hütte. „Es ist nicht sehr bequem, aber zumindest wirst du dann nicht nass, wenn es regnet. Komm mit!“
Die Hütte hatte keine Tür. Das fiel Rey gleich auf. Aber zumindest waren da Stühle, ein Tisch und ein Bett. Der Kamin diente wohl zum Kochen. Ein Topf stand da im Feuer. Und er war gefüllt mit Wasser. Rey glaubte sogar, das Kraut hier identifizieren zu können. Zumindest hatte sie es schon mal gesehen. Der Jedi forderte Rey auf, sich zu setzen. Den Fisch befestigte er am Spieß. Kaum, dass er das tat, drehte er sich wieder zu Rey. Er setzte sich dieser gegenüber und wartete geduldig. „Nun, ich denke, ich weiß, warum du hier bist.“
Rey zögerte. „Wegen ihrer Schwester, genau. Sie hat mich gebeten, Sie als Botschafter aufzusuchen. Sie macht sich große Sorgen. Sie meinte, es gäbe eine Erschütterung der Macht.“ Ihre Stimme setzte aus. Sie hatte es auch gespürt. Und sie könnte durchdrehen vor Angst und Sorge. „Sie hofft, durch ihre Hilfe könnte sich das Blatt wenden.“
Luke Skywalker antwortete nicht. Er hörte weiter zu.
„Deshalb hat sie mich geschickt. Sie braucht ihre Hilfe“, fuhr sie fort. „Nein – wir brauchen ihre Hilfe, Meister.“ Das letzte Wort fügte sie aus Respekt hinzu.
„Ich denke, du hast Recht“, erklärte der Jedi-Meister. „Aber es gibt da ein Problem.“
Rey war enttäuscht. Natürlich würde er nicht kommen, warum auch? Während sie da alle vor sich hin schmorten…
„Ich bin der letzte Jedi. Außer mir gibt es niemanden mehr. Wenn ich sterbe, stirbt das Vermächtnis der Jedi… Und ohne die Jedi wird die Galaxis zu Grunde gehen. Ich kann nicht riskieren, dass ich sterbe. Nicht, so lange ich niemanden finde, den ich ausbilden kann. Nun, du sagst, du sprichst als Konsul: Wer bist du überhaupt? Bestimmt gibt es nicht wenige, die das von sich erzählen würden, ohne dass es tatsächlich stimmt.“
Rey nickte. „Ich heiße ‚Rey‘. Und ich bin hier, weil ich ein Versprechen einlösen muss.“
„Woher kommst du? Vom Widerstand? Von irgendwo? Sind deine Eltern Politiker?“ Der Jedi-Meister schien ausgesprochen neugierig.
Rey erschreckte das ein wenig. „Ich bin ein desertierter Sturmtruppler, der zum Widerstand übergelaufen ist. Und ich weiß nicht viel von meinen Eltern.“
„Dann bist du ein Waise?“
„So scheint es“, flüsterte Rey. „Ich wünschte, es wäre nicht so.“ Wie gern hätte sie Luke Skywalker nach ihrer Mutter gefragt? Aber dann musste sie wieder daran denken, dass sich Szirha und er nicht mochten. Sie hatten vielleicht das gleiche Ziel, aber sie waren wohl nie Freunde gewesen.
„Ich will dir keinen Schmerz zufügen, Rey. Denn offenbar scheinst du das zu denken.“ Skywalker legte seinen Umhang ab.
„Nein, das dachte ich nicht.“ Rey schüttelte vehement den Kopf. „Ich war bloß in Gedanken. Meine Freunde sagen auch, ich zweifle zu viel.“
„Zweifeln ist gut“, begann Luke Skywalker. „So verlierst du nicht den Boden unter den Füßen. Aber du solltest trotzdem nicht verharren. Denn sie sind die Saat des Misstrauens.“
Rey stierte ins Feuer. Wieder dachte sie nach. „Werden Sie jetzt ewig hierbleiben?“
„So lange, bis ich einen Schüler ausgebildet habe, der das Geheimnis weiter trägt. Und hier draußen gibt es nicht viele Anwärter. Kennst du jemanden, der in Frage kommt?“
Rey dachte insgeheim, dass sie es sogar selbst war. Aber sie entschied, wieder zu schweigen. „Jango Fett.“ Sie erwähnte natürlich nicht, dass Jango Fett ihr Bruder war.
„Jango Fett? Der Sohn des Kopfgeldjägers? Bist du dir sicher?“ Der Jedi-Meister war recht überrascht.
„Absolut“, erwiderte Rey. Zumindest das war nicht gelogen.
„Das erschwert die Situation“, vermutete er. „Weißt du, wer seine Mutter ist?“
„Ich kann ihnen nicht alle Antworten geben, Meister“, sagte Rey. „Es ist… eine sehr komplizierte Situation. Ich habe es selbst noch nicht so ganz begriffen.“
Der Jedi nickte. „Das respektiere ich. Komm, iss etwas! Die Nächte hier sind sehr kalt. Du frierst, wenn du nicht isst.“ Er reichte Rey eine Schüssel mit Suppe. Sie verbrannte sich jedoch beinahe die Finger. Ein Funke zuckte. Rey versteckte ihre Hand schnell unter der Tischplatte.
„Was war das?“, fragte der Jedi misstrauisch.
„Ich habe eine gewischt bekommen… Nichts weiter.“ Rey spürte, dass ihre Handfläche wieder heiß wurde. Sie glühte wieder.
„Hm… merkwürdig.“ Der Jedi-Meister hakte aber nicht weiter nach. „Vielleicht solltest du noch etwas Zucker an die Suppe tun, die ist recht bitter.“
Rey tat es. Aus Höflichkeit nahm sie ein paar Löffel. Aber… Die Suppe kräftigte sie. Sie hatte das Gefühl, Wärme kehrte in ihren Körper ein. Sie aß weiter, begierig auf mehr. Es war, als würde sie von innen heraus belebt. „Was ist das?“, fragte sie neugierig.
„Suppe.“
„Hat das Gericht einen Namen?“
„Das ist Suppe. Sud aus Kräutern, mit Fisch und etwas Moos.“
„Dann kann man Moos essen?“
„Hier oben wächst eine bestimmte Art, die kann man essen, ja. Bestimmte Algen kann man auch essen. Oder Seetang.“
„Oh. Ich bin kein sehr guter Koch“, meinte Rey. „Ich kann viel besser Schrott zusammenbauen. Vielleicht wird dann mal ein Schiff daraus.“
„Hier ist genug Schrott. Deiner Kreativität sind so keine Grenzen gesetzt“, meinte Luke.
Rey wusste nicht viel über das Leben auf dieser Insel. Bei Luke Skywalker schien das aber nicht so zu sein.
„Wie verbleiben wir?“, fragte Rey. „Kommen Sie nun, oder nicht?“
Der Jedi lehnte sich nachdenklich in seinem Stuhl zurück. „Ich bin durchaus Willens mitzukommen, Rey. Aber ich kann nicht. Die Gründe habe ich dir kürzlich genannt.“ Er sah aus, als würde er das tatsächlich sehr bedauern. „Es tut mir Leid.“ Er rührte seine Schüssel nicht an.
Rey warf einen verstohlenen Blick auf ihre Handfläche. Sie glühte noch immer. Einen ungünstigeren Zeitpunkt hätte es nicht geben können.
„Ich habe hier alte Roben. Wenn du Bedarf hast, dich frisch zu machen, dann kannst du das tun.“ Luke Skywalker sah zu Rey. Tatsächlich hatte sie das Gefühl, der Jedi-Meister hatte gemerkt, dass sie etwas verbarg.
Rey warf einen Blick auf die Kommode in der Ecke. Wie beinahe alle Möbel in der Hütte, hatte sie der Jedi selbst zusammengebaut. Scheinbar hatte er aber nicht sehr viel Übung. Die Kommode war ein wenig schief. Rey nickte. „Ich danke ihnen“, sagte sie frustriert. „Es ist spät. Wenn ich wieder zum Schiff will, dann brauche ich ewig.“
„Nun, ich denke, als Gast steht es dir zu, zumindest heute Nacht hier zu bleiben. Es zieht nämlich ein Sturm auf. Ich kann die Schwingungen in der Luft spüren.“
Das schaffte Rey nicht, meinte sie sich zu erinnern. Und sie war erleichtert, dass sie so talentiert offenbar doch nicht war… Vielleicht machte sie sich aber auch etwas vor.
„Wenn du deine Knie mit der Kräuter-Essenz einreibst, wird das hier über Nacht verheilen.“ Er deutete auf das Regal hinter ihm. „Wenn ich den Abhang hinunterrutsche, passiert mir das auch.“
Rey begrub ihre Handfläche in der Tasche, die sie bei sich getragen hatte. Da erinnerte sie sich an etwas… Sie hatte immer noch das Schwert! Rey nahm ihre andere Hand und wühlte in der Tasche herum, bis sie das kühle Metall des Schwertes an ihren Fingern spürte. Sie holte es heraus. „Ich habe es ganz vergessen“, begann Rey. „Ich habe da etwas, das ihnen gehört, Meister.“ Sie überreichte ihm das Lichtschwert.
Luke Skywalker schien sehr erstaunt. „Wo hast du das her?“
„Maz Kanata.“ Rey schmunzelte. „Sie hat es aufbewahrt.“
„Diese Frau ist unmöglich“, sagte der Jedi-Meister leise. „Ich weiß nicht, wie das Schwert genau in deine Hände gelangt ist, Rey… Aber du kannst es behalten.“
Rey war ziemlich verdutzt. „Ich kann mit der Klinge nicht viel anfangen.“
„Ich kann es nicht erklären, Rey, aber das Schwert… Ich kann es spüren, dass es in deine Hände gelangen wollte.“ Er dachte nach. „So etwas passiert sehr selten. Aber das Phänomen tritt auf, wenn sich das Schwert und sein Träger sehr ähneln.“ Dann hatte das etwas mit der Persönlichkeit zu tun? Rey war erleichtert. Dann war er nicht auf den Gedanken gekommen, dass sie… nun ja.
Er reichte Rey die gewaschene Kleidung von der Kommode. „Der Aufstieg war anstrengend, nicht wahr? Du kannst hier schlafen, wenn du möchtest. Ich werde draußen meditieren, bis du ausgeschlafen bist. Ich bin nicht auf das Schlafen angewiesen.“
Rey glaubte ihm nicht. Vermutlich wollte er sie lediglich dafür entschädigen, dass sie den weiten Weg angetreten hatte… und er trotzdem nicht mitgehen würde. Aber sie nickte.
„Nun, ich lasse dich mal allein“, erklärte der Jedi-Meister. „Du kannst dich hinlegen, wenn du das möchtest.“ Er trat nach draußen in den Nebel.

Jango Fett war noch immer ziemlich verkatert. Seit der Unterhaltung, die er mit dieser verrückten Frau geführt hatte, hatte er versucht, zu schlafen. Aber die Alpträume, die er in dieser Nacht durchlebte, wollten nicht nachlassen. Er träumte andauernd von der gleichen Szenerie… Eine Stadt, die am Meer lag. Ein schmaler Küstenstreifen, der in die unendliche weite des blauen Meeres führte. Dann diese vielen, tanzenden Lichter. Ein Poltern, das auf ein Stadion in der Nähe schließen ließ. Laut klackernde Hufe. Und dann… dieser Schrei. Wenn er doch zumindest wüsste, ob dieser Traum eine Bedeutung hatte. Er wurde das Gefühl nicht los, dass er da etwas übersehen hatte. Ein Ereignis. Etwas, das in der Zukunft eintreten sollte. Aber das konnte nicht sein. Er war doch nicht machtsensitiv wie seine Schwester, oder? Er stand auf vom Sofa. Da er keinen Ort hatte, wo er schlafen konnte, hatte er sich bei einer Frau eingemietet, die er bis heute nicht einmal gekannt hatte. Sie hieß wohl „Nöel“. Jango Fett war sich nicht sicher. Er hätte es beinahe wieder vergessen, da er sich Namen nicht so gut merken konnte.
Die Frau hatte auch einen Säugling, den sie großziehen musste. Der Junge konnte gut schreien. Und seine Stimme war sehr stark. Jango Fett fand das aber gut. Er hatte das Gefühl, dass er einmal ein hervorragender Krieger würde. Und Jango Fett war ein Mandalorianer. Er wusste es einfach. Natürlich ließ er sich nicht überreden, die Windeln des Kindes zu wechseln. Aber Nöel konnte das auch viel besser. Trotzdem war er oft allein. Nöel war nicht da, so konnte sie sich auch nicht um das Kind kümmern. Vielleicht ging sie wieder arbeiten und hatte es ihm nur nicht gesagt. Jango Fett stieß einen Seufzer aus. Natürlich. Mit Kopfgeldjägern hatte sie so ihre Probleme. Und er brauchte nicht fragen, warum. An seinen Händen klebte Blut. Und Nöel wusste das.

Am nächsten Tag hatte es Rey sehr schwer, wieder auf die Beine zu kommen. Die Schürfungen waren tatsächlich beinahe verheilt, aber sie war noch immer sehr erschöpft von der Reise. Luke Skywalker jedoch war recht ausgeruht. Er hatte Rey erklärt, dass er jagen gehen würde und ließ sie wieder allein. Kräuter wollte er aber auch sammeln. So hatte Rey Zeit für sich und konnte sich etwas erfrischen. Sie nahm das Seil, das der Jedi-Meister gespannt hatte und kletterte den Abhang hinunter. Sie war lange nicht mehr an Seilen geklettert. Und sie wusste nicht mit Sicherheit, ob sie es wieder nach oben schaffte. Aber zumindest hatte sie es nach unten geschafft, ohne sich alle Knochen zu brechen. Das war schon mal gut. Rey stieg barfüßig ins Wasser. Die Wellen waren ungestüm. Sie peitschten an Rey ‘s Füßen, die dann auch ziemlich gerötet waren. Aber sie ging weiter. Nach einer Stunde hatte sie genug und kletterte das Seil wieder hinauf. Auch das schaffte sie.
Rey zog ihre Stiefel wieder an. Tatsächlich trug sie die Kleidung, wie sie früher von den Jedi-Rittern getragen wurde. Aber das war nur vorübergehend so. Trotzdem musste sie sich eingestehen, dass die Kleidung sehr bequem war. Sie fror nicht. Und das, wo es sehr windig war und der kalte Wind sogar auf ihrer Haut peitschte.
Schließlich stellte sich Rey an der Klippe auf, von wo aus sie auf das offene Meer blicken konnte. Die Tasche hielt sie in ihrer Hand. Sie hatte sich einige Vorräte eingepackt. Aber sie wollte sich zumindest verabschieden. Dennoch tauchte der Jedi-Meister nicht auf. Bald dämmerte es. Rey, die den Jedi noch immer nicht gesehen hatte, wusste keine Beschäftigung, mit der sie den Tag überbrücken konnte. Sie nahm das Schwert in die Hand, das Luke Skywalker nicht einmal hatte nehmen wollen. Rey wusste nicht mit der Waffe umzugehen. Zwar hatte sie es einmal geschafft, Schüsse abzuwehren, aber das war viel mehr Zufall als Talent. Rey entzündete die Klinge. Sie zweifelte nicht an der Gefahr, die von der Klinge ausging. Sie mochte das Blau des Himmels in sich aufnehmen, trug jedoch viel konzentrierte Macht in sich.
Rey schwang die Klinge durch die Luft. Nicht alle, die ein Lichtschwert geführt hatten, waren Jedi-Ritter. Und Rey zählte sich selbst zu diesen Leuten, von denen es aber nicht viele gegeben hatte. Rey balancierte das Schwert mit Bedacht. Für sie fühlte es sich recht fremdartig an.
„Du hast viel zu lernen“, erklang es hinter Rey. Sie fuhr in sich zusammen. „Ein Jedi hält die Klinge niemals so.“ Luke Skywalker trat vor. Er korrigierte sie, so dass das Schwert gerade in ihrer Hand lag. Rey wusste nicht, wie sie reagieren sollte. „Ich bin auch kein Jedi“, sagte sie.
„Nein, aber du könntest dich trotzdem verletzen. Lichtschwerter sind sehr gefährlich, Rey. Gerade für jemanden, der keinen Bezug zur Macht hat… Deshalb solltest du dir das besser mal zeigen lassen.“
Rey reichte ihm das Schwert. Sie war beschämt, da sie ihre Unfähigkeit gerade offen zum Ausdruck gebracht hatte.
Der Jedi-Meister zeigte Rey eine Abfolge an Figuren. „Das ist die erste Form. Sie ist zwar die einfachste, aber auch die zu erlernen, kann sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.“
„Warum zeigen Sie mir das?“, fragte Rey verwirrt.
„Du bist neugierig!“, antwortete der Jedi. „Und genau das ist das Problem. Du experimentierst… Ich habe Angst, dass du dich verletzt.“
Rey nickte. „Sie haben recht“, flüsterte sie. „Das war sehr dumm von mir.“
„Nein, Rey! Das war nicht dumm, aber sehr leichtsinnig. Ich kann dir gerne einige Kniffe zeigen, aber das Experimentieren solltest du bleiben lassen. Auch ich bin da sehr, sehr vorsichtig. Und das sage ich von mir als Jedi, Rey.“ Er zeigte Rey, wie sie den Griff halten musste und korrigierte sie bei Bedarf. „Du bist den Umgang mit schweren Waffen gewohnt, kann das sein? Das Kämpfen mit Lichtschwert erfordert viel Gefühl. Wenn du deinen Gegner mit Kraft zu überrumpeln versuchst, könntest du die Kontrolle verlieren. Das darf dir nicht passieren.“
Es dauerte, bis Rey den Dreh raus hatte und der Jedi zufrieden war. Zumindest kehrte er in seine Hütte zurück. Vielleicht, weil er wieder etwas zu Essen zubereiten wollte. Er ließ sie nicht wieder gehen, da er in Sorge war, dass Rey etwas passieren konnte. Wenn, so hatte er gesagt, dann würde er sie begleiten. Zumindest, bis sie wieder beim Schiff war. Rey frustrierte das, aber sie respektierte seinen Wunsch. Sie glaubte, dass er recht einsam war hier draußen, da er niemanden hatte. Wenn sie wieder ging, würde er wieder allein sein. Und wer wusste, wann sich der erste Schüler meldete? Rey würde es nicht sein.
Wieder gewann der Nebel an Dichte. Rey kehrte zu Luke Skywalker zurück. „Kann ich helfen?“, fragte sie ruhig.
„Oh“, meinte der Jedi. „Den Tisch könntest du decken. Das heißt, wenn du willst.“
Rey war froh über jede Beschäftigung, die sie hatte. Ohne ihren Schrott hatte sie doch ziemlich wenig zu tun.
„Was machst du eigentlich von Beruf?“, wollte der Jedi-Meister wissen. „Hast du etwas gelernt?“
Rey wusste nicht, ob sie es ihm sagen wollte, entschied sich aber dafür. Sie räusperte sich. „Ich bin ein Ingenieur.“
Luke Skywalker staunte. „Du hast also studiert?“
„Ja, das habe ich.“ Rey teilte das Besteck auf. „In der Organisation, in der ich vorher war, da habe ich schon mit dreizehn Jahren angefangen, zu studieren.“
„Du warst bei der Ersten Ordnung. Das ist ungewöhnlich. Ein ehemaliger Schüler von mir hatte sich bei ihnen eingeschlichen. Er sollte mir Informationen beschaffen, da ich die Quelle der Unruhen kennen lernen wollte. Er hat herausgefunden, dass allein die, die zu den Eliteeinheiten gehören, so früh studieren dürfen. Trifft das bei dir zu?“
Rey redete nicht gern über ihre Vergangenheit bei der Ersten Ordnung. „Ich bin viel mehr zufällig bei den Eliteeinheiten gelandet. Ich war eigentlich viel zu alt.“
Luke Skywalker dachte nach. „Und sie haben dich trotzdem genommen?“
„Nun, der Kampf lief recht gut“, erklärte Rey. „Ich hatte diese Waffe noch nie in der Hand gehalten und hätte es trotzdem beinahe geschafft, diesen Kampf für mich zu entscheiden.“ Sie schien sich nicht wohl zu fühlen. „Es tut mir Leid. Ich denke ungern an diese Zeit zurück. Ich habe sehr viele Fehler gemacht, die ich bereue.“
„Warum erinnerst du dich noch an deine Eltern?“ Der Jedi-Meister war noch immer sehr ruhig. Rey hatte erwartet, dass er schockiert sein würde. Aber das war er nicht. Er schien sich sogar in sie einfühlen zu können. „Mein Schüler sagte, dass das bei den meisten nicht so sei.“
„Ich war acht Jahre alt, als man mich entführte.“ Rey fand, der Mann war etwas zu scharfsinnig. „Und ein Jahr, ehe ich rekrutiert wurde, da… sah ich sie das letzte Mal.“
„Wen meinst du?“
„Ich kann nicht darüber reden“, erklärte Rey ein wenig beschämt. „Ich weiß, es ist ewig her, aber… es tut noch weh.“
„Dann werde ich dich nicht mehr fragen. Verzeih mir die Neugier eines alten Mannes.“
Rey drehte sich unauffällig weg. Zumindest hoffte sie es.
„Ich sehe schon, ich bin zu weit gegangen“, meinte der Jedi-Meister. „Aber ich nehme an, du sprichst von deinen Eltern.“
„Ja“, hauchte Rey. Sie hatte die Knie angezogen und ihren Kopf abgelegt. „Aber den Jedi-Rittern war es doch verboten, Kontakt zur Familie aufzunehmen…“
„So war es früher einmal“, wandte der Jedi ein. „Ich halte nicht viel von dieser Regel. Deshalb habe ich es meinen Schülern auch gestattet, an den Wochenenden bei ihrer Familie zu bleiben.“
Rey war überrascht. „Ich dachte, das ginge nicht.“
„Die Liebe kann einen retten, wo die Moral versagt“, sagte der Jedi-Meister weise.
Tatsächlich musste das Rey erst einmal verdauen. Sie hatte die Jedi für kühl gehalten, ohne Emotionen. Aber das schien nicht der Fall zu sein.
Auch in dieser Nacht lag Rey noch lange wach. Sie fragte sich, ob sie es Luke Skywalker nicht doch hätte sagen sollen… Aber das konnte sie nicht. Selbst wenn, so hatte sie zu lange gewartet. Der Jedi-Meister würde bestimmt nicht begeistert sein, wenn er erfuhr, dass Rey machtsensitiv war. Denn er hätte es wohl gern früher erfahren. Rey wälzte sich herum. Aber sie könnte mit dieser Verantwortung nicht umgehen. Sie würde versagen und den Jedi-Meister, der doch so viele seiner Schüler hatte sterben sehen, nur enttäuschen. Nach einigen Stunden, die Rey wach gelegen hatte, schlief sie ein. Aber es war keine erholsame Nacht.

Sie sah ein Schiff des Widerstandes. In ihren Träumen.
„Commander Jell?“, rief einer der Widerständler. „Wir haben ein Problem. Da ist ein Schiff auf dem Radar, das ich noch nie gesehen habe. Und es ist riesig.“
Der Commander nickte. „Dann werde ich mir das mal ansehen.“ Er trat ins Cockpit. Ein anderer Mann, dessen Haare ergraut waren und in Fransen hinunterhingen, klappte den Mund auf. „Das kann nicht sein. Das ist Snoke ‘s Schiff, die Supremacy.“
„Del Meeko, leiten Sie den Hyperraumsprung ein. Wir müssen hier verschwinden!“ Der Commander sah sehr ernst aus.
„Das geht nicht, Sir. Der Traktorstrahl ist aktiv.“ Der Mann, der auf den Namen Del Meeko hörte, zeigte erst jetzt das erste Anzeichen der Angst. Seine Pupillen schrumpften zusammen.
Der Commander versuchte, seine Atmung zu beruhigen. „Setzen sie den Torpedo ab, Del. Wenn wir Glück haben, trifft er genau ins Schwarze und der Strahl wird lange genug unterbrochen, dass wir fliehen können.“
„Es wird gemacht, Sir.“
„Drei, Zwei, Eins… JETZT!“
Der Torpedo raste auf das Schiff zu. Er traf genau ins Schwarze.
„Treffer eingegangen, Sir! Wir müssen weg hier!“
Del Meeko legte den Hebel um. Aber das Schiff bewegte sich noch immer nicht. „Commander“, rief er. „Es… es hat nicht funktioniert.“
„Nicht aufgeben, Del! Wenn wir nicht kämpfen, dann sterben wir!“ Der Commander schien es nicht verstanden zu haben. Es war vorbei. Und Del Meeko wusste auch, warum Denn im Hangar stand eine schwarze Gestalt, von der ein helles Leuchten ausging. In der Hand hielt sie ein rotes Lichtschwert.
Als der Commander das sah, brach er in Panik aus. Del Meeko jedoch sagte kein Wort. Er wusste, dass es an der Zeit war, sich zu verabschieden. Gegen einen Sith-Lord hatten sie keine Chance.
Er sprang auf. Dann zog er seinen Blaster zur Hand. Er pustete den Abzug frei und ging durch den Flur auf die Tür zu. Laut krachend flog sie auf, dass sie auf der gegenüberliegenden Wand eine Delle hinterließ. Durch die Erschütterung geriet Del ins Wanken. Aber er raffte sich wieder auf. Die Gestalt drängte sich durch die Tür. Sie trug eine Rüstung. Den ersten Schuss, den Del abgab, wehrte der Schatten ab. „Du Narr, du sollst nicht schießen!“ Die Gestalt versenkte das Lichtschwert in seiner Brust. Del Meeko sackte auf den Boden. Er hustete. Als er das Blut sah, wusste er, dass er kaum länger als eine Minute zu leben hatte.
„Lebt wohl“, würgte er hervor. Er hatte den Kommunikator aktiviert. „Das hier geht an meine Familie… An Iden Versio und an meine Tochter, Zay: Ich liebe euch. Vergesst das nur nicht.“ Er deaktivierte den Sender wieder und ließ sich zu Boden fallen. Er konnte nicht mehr atmen. Die einzigen Laute, die er hörte, waren die Schreie seiner Kameraden. Und auch die Stimmen verschwammen. Es war vorbei.
Rey bildete sich ein, weit entfernt ein Mädchen schreien zu hören. Es war ein Schrei, tief erfüllt von Schmerz.

„Rey, aufwachen!“, rief ein Mann.
Rey realisierte langsam, dass sie das geträumt haben musste, aber… Sie erinnerte sich sehr lebhaft, was passiert war. Das war kein Traum. Es hatte sich angefühlt wie eine Vision.
Rey fuhr hoch. Kaum, dass sie sich aufgerichtet hatte, erbrach sie sich.
„Ganz ruhig“, sagte der Jedi. Er versuchte, wie Sura einst, Rey zu beruhigen. „Geh in dich! Was ist passiert?“
Rey nickte. „E-es geht schon“, stammelte sie.
Der Jedi-Meister musterte sie, die Sorge deutlich in seinen Zügen verzeichnet. Er kratzte sich den Bart. „Wie ein gewöhnlicher Albtraum kommt mir das aber nicht vor“, meinte er.
„Ich schaffe das schon“, redete sich Rey heraus. „Das ist das Trauma.“ Natürlich log sie. Sie musste das Gesehene verarbeiten. Vorher würde sie es nicht schaffen, über die Geschehnisse zu sprechen.
Luke Skywalker zögerte. „Steh auf, Rey!“, forderte er sie auf. Er legte seinen Umhang ab, über den sich Rey gerade erbrochen hatte. „Ich mache dir einen Tee. Das beruhigt die Nerven.“
Er nahm sich einen Lappen, den er über einen Eimer gehängt hatte und putzte den Boden. Dann half er Rey auf den Stuhl.
Draußen war es sehr dunkel. Aber der Jedi-Meister war trotzdem auf den Beinen. Er brühte etwas Tee im Topf. Mit Kräutern kannte er sich aus, wie Rey bewusst wurde. Er mischte einige in das siedende Wasser. Als er fertig war, überreichte er Rey die Tasse. „Pass auf!“, warnte er sie. Der Tee war noch sehr heiß. Er drückte Rey einen Topflappen in die Hand.
„Was ist das?“, fragte Rey. Sie wusste nicht, welche Kräuter das waren.
„Die Kräuter beruhigen deinen gereizten Darm. Ruhestifter habe ich auch reingemischt. Wenn du deshalb müde wirst, dann ist das gut so.“
Rey zögerte. „Ich danke ihnen.“
„Keine Ursache“, meinte Luke Skywalker. „Aber ich habe das Gefühl, du verbirgst da etwas… Ich habe es bisher nicht gesagt, weil ich dir nicht zu Nahe treten wollte, aber jetzt mache ich mir Sorgen.“ Er sah ernst aus. „Ich gebe dir Zeit, Rey. Ich möchte dir aber sagen, dass das nicht unbemerkt geblieben ist.“
Rey verschluckte sich beinahe. Der Tee war zu heiß. Sie hustete. Wieder schüttelte sie den Kopf. „Ich würde sie nur enttäuschen“, sagte sie.
„Warum denkst du das? Ich habe keinerlei Erwartungen an dich, Rey.“
„Das glaube ich ihnen nicht.“ Rey wusste gleich, dass er gelogen hatte. Natürlich wollte er sie nicht unter Druck setzen. Zumindest war das nicht seine ursprüngliche Absicht.
„Wie wahr“, gestand der Jedi. „Morgen wirst du mir mehr erzählen. Vergiss nicht, Rey: Du kannst dich nicht ewig verstecken.“
Rey blieb stumm.
„Deine Schweigsamkeit erinnert mich an jemanden. An eine Frau, die mir nie erzählen wollte, wer sie war. Dennoch ahnte ich, dass sie ein Geheimnis hatte. Etwas, das so schrecklich ist, dass es nie ihre Lippen verlassen sollte…“ Er trat nach draußen. „Ich gebe dir Zeit, Rey. Aber ich werde nicht zulassen, dass es dich zerstört.“

Der folgende Tag begann wie der vorherige: Luke Skywalker war gegangen, da er Nahrung und Wasser besorgen musste. Rey ließ er so allein. Da sie diese die Nacht nicht vergessen hatte, wusste sie nicht weiter. Sie starrte auf das wütende Meer hinaus, dessen Wellen zehn Meter hoch schlugen. Schwimmen konnte sie heute nicht. Bei der stürmischen See war das tödlich. Rey wog den Griff des Lichtschwertes in ihrer Hand. Dann legte sie es neben sich ab. Tatsächlich wollte sie noch immer schweigen. Sie hatte nicht vor, es Luke Skywalker zu sagen. Und sie glaubte auch nicht, dass er das erwartete. Er wusste, dass der Widerstand in Rey groß war. Bestimmt hatte er es gespürt. Und wenn er wusste, wie groß dieser tatsächlich war, dann würde er Rey doch auch keine Vorwürfe machen, oder?
Rey versuchte, einen Stein mit ihrer Faust zu zerquetschen. Sie machte so lange weiter, bis sich ihre Knöchel bläulich färbten. Der Wind heulte auf. Die Haare hingen Rey im Gesicht. Sie strich diese zur Seite, als sie plötzlich etwas hörte. Ein Klirren… Rey kippte vornüber. Das war doch nicht…? Das war das Lichtschwert! Rey rutschte das Herz in die Hose. Das Schwert drohte, vom Meer verschluckt zu werden. Seltsam war aber, dass sich in Rey etwas regte. Das Schwert schien sehr lange zu brauchen, bis es vor der letzten Welle zum Stehen kam. Rey hatte ihre Hand ausgestreckt. Das Schwert zappelte, genau wie sie. Sie zitterte ob des kalten Windes, der hier umging. Auch das Schwert erzitterte. Rey beschleunigte ihre Atmung. Wenn das Schwert ins Meer fiel, war es für immer verloren. Sie durfte nicht aufgeben. Rey spannte sich an. Die Welle kam angeritten. Und sie war viel höher gelegen als das Schwert. Rey versuchte, sich erneut auf ihre Umgebung zu besinnen. Auf die Energie, die sie umspannte. Und das Schwert. Dann konzentrierte sie ihre Gefühle darauf, wie die Energien gelenkt werden mussten, dass das Schwert zu Rey kam. Rey erschrak, als sie den silbrigen Griff wieder in ihrer Hand hielt.
„Sehr beeindruckend“, sagte eine Stimme hinter Rey. „Ich sehe, du bist sehr wohl in der Lage, dich auf die Macht zu fokussieren.“ Luke Skywalker. Er hielt wieder den Speer in der Hand, den er bei ihrer ersten Begegnung getragen hatte. Rey warf er den anderen zu. „Mal sehen, wie du dich schlägst.“
Rey konnte es nicht fassen. Sie war wie betäubt, da sie gerade das hatte vermeiden wollen. Konnte sich der Jedi-Meister denn unsichtbar machen? Wie kam es, dass sie seine Nähe nicht bemerkt hatte? Rey war wie erstarrt, als Luke Skywalker, den Speer haltend, auf sie losstürmte. Den ersten Schlag parierte sie, aber der nächste erwischte sie an den Rippen.
„Geht es dir gut?“, fragte er. Er half Rey wieder auf. „Warum hast du mir das nicht erzählt, Rey?“ Seine Besorgnis war in Erstaunen umgeschlagen. „Du hattest eine Vision, heute Nacht… Das habe ich gleich erkannt.“
Rey war noch immer ziemlich benommen. Zumindest konnte sie ihre Rippe wieder loslassen. Gebrochen war sie nicht, aber Rey tat das Atmen trotzdem weh. „Vielleicht sollten Sie mich nicht angreifen…“
„Du hast Recht“, räumte der Jedi-Meister ein. „Und jetzt ist auch nicht der Augenblick für deine erste Lektion. Dir fehlt das Vertrauen, Rey. So kann ich dich nicht unterweisen.“
„Ich kann das nicht. Ich bin kein Jedi-Schüler und ich wollte es auch nie sein. Ich weiß, das hört sich egoistisch an, aber ich glaube nicht, dass ich dieser Verantwortung gewachsen bin. Ich würde Sie nur enttäuschen.“
„Es gibt nicht viele, die es schaffen, mich sauer zu machen, Rey, aber du bist gerade auf dem besten Weg“, fuhr der Jedi-Meister fort. „Dieser Gedanke ist nicht egoistisch, Rey. Er zeichnet dich sogar aus. Und wenn du sagst, du glaubst du würdest mich enttäuschen, aber das wirst du nicht, so lange du nicht der dunklen Seite verfällst.“ Er machte eine Pause. „Trotzdem… Ich kann dir mit deiner Vision helfen. Wir können zusammen darüber meditieren.“
Rey schluckte. „Ich habe eine Gestalt gesehen. Sie trug eine sehr seltsame Rüstung. Sie war zwar schwarz, dennoch wie Licht. Die Aura, die sie ausgestrahlt hat, war…“ Sie erschauderte. „Diese Gestalt hatte ein Lichtschwert mit roter Klinge… Und sie hat den Mann vor ihren Augen durchlöchert mit dieser Klinge… Er hieß… Del Meeko.“
Der Jedi-Meister erstarrte. „Del Meeko? Er ist tot?“
Rey war sich sicher, dass er tot war. „Er hat noch ein paar letzte Worte gesagt… Er hat sich verabschiedet von seiner Familie.“
„Ich kannte diesen Mann“, meinte der Jedi-Meister. „Auch er war ein desertierter Sturmtruppler, jedoch zu den Zeiten des Imperiums. Auch auf seine Frau trifft das wohl zu. Ich weiß nicht viel über die beiden, aber sie haben wohl eine Tochter.“
„Ich habe jemanden schreien gehört“, bestätigte Rey. „Ich glaube, es war die Tochter.“
„Aber die schwarze Gestalt, die du beschrieben hast… Wo war sie? Konntest du herausfinden, wo sie sich aufgehalten hat?“
„Die Supremacy.“ Rey erinnerte sich sehr genau an dieses Ereignis.
„Das ist keine gute Nachricht.“ Er war bleich geworden. „Dann nimmt es seinen Lauf…“ Hastig griff er den Griff des Lichtschwertes durch die Telekinese auf. Das Schwert landete in seiner Hand. „Morgen beginnt deine Ausbildung, Rey. Wir können nicht länger warten.“
Rey schüttelte den Kopf.
„Ich kann dich nicht schonen, Rey. Es tut mir Leid. Es ist Eile geboten.“ Er sah zu Rey. „Die Verantwortung lastet nicht allein auf deinen Schultern. Wir sind beide für das Schicksal dieser Galaxis verantwortlich. Wenn etwas passieren würde, fänden wir keine Ruhe mehr.“
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