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Feuer und Eis - 1. Teil: Zwielicht

GeschichteSchmerz/Trost, Sci-Fi / P16
Finn Kylo Ren Leia Organa Poe Dameron Rey Snoke
12.06.2018
11.11.2020
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211.658
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1 Review
 
14.05.2019 4.557
 
Puh. Neben der Schule und der Lernerei war das eine echte Herausforderung. Aber ich lasse euch nicht sitzen. Hier, das nächste Kapitel:

NACH MANDALORIANISCHEN REGELN

Sura konnte es nicht glauben. Da hatten sie es gerade geschafft, die Starkiller-Basis zu vernichten, als Rey einfach verschwindet. Einen Augenblick lang war sie abgelenkt und wurde auch prompt mit dieser Finte bestraft. Natürlich. Durch Poe Dameron wusste sie jetzt zumindest, dass sie nach ihren Eltern suchte und nicht mit der Absicht, zu desertieren, einfach verschwunden war. Ihm hatte sie schon die Ohren lang gezogen. In den letzten drei Stunden hatte sie Dameron aber nicht mehr gesehen. Und auch Finn vermied es, sie anzusprechen. Hatte ihm Dameron denn gesteckt, dass sie so schlechte Laune hatte? Offenbar schon. Der einzige, der sich traute, mit Sura zu reden, war der General höchstselbst. Sie verstand, dass Rey lediglich nach ihren Eltern suchte, trotzdem hatte sie erklärt, dass sie das nicht auch noch ignorieren konnte. Rey musste mit Ärger rechnen. Und das nicht allein von Sura, denn der General war auch nicht sehr begeistert. Dameron konnten sie aber nicht bestrafen, weil er ein Versprechen eingehalten hatte. Er hatte Glück, aber Sura empfand es trotzdem so, dass er hätte bestraft werden müssen. Für sie stand fest, dass es Rey nicht leicht haben würde, wenn sie wieder hier aufkreuzte. Aber die Wut, die in Sura brodelte, war kein Vergleich zu der Angst, die sie hatte. Sie machte sich große Sorgen, da sich Rey mit dieser Aktion womöglich noch in Gefahr brachte. Aber das hatte sie geflissentlich ignoriert. Für Sura war das eine Achterbahnfahrt der Gefühle. In seltenen Momenten glaubte sie, Rey zu verstehen, dann herrschten aber wieder ihre Angst vor und der Zorn darüber, dass sie weder sie noch Finn vorgewarnt hatte. Natürlich verschwand sie eher, als sich auf eine so unangenehme Konfrontation einzulassen, in der Sura ohne Zweifel versucht hätte, Rey zu überzeugen, dass das hier sehr, sehr dumm war. Aber Rey war diese Diskussion umgangen, indem sie ihren Freunden nicht von ihren Plänen erzählte. Sura fand, Rey hatte da sehr egoistisch gehandelt. Sie hatte nicht an ihre Freunde gedacht, geschweige denn an die Tatsache, dass sich diese womöglich Sorgen machten. Gerade Sura traf es hier mit der vollen Breitseite, da sie sich nie erlaubt hätte, Rey so eine Aktion zuzutrauen… Sie war wütend. Und enttäuscht war sie. Unglaublich enttäuscht. Sura wusste nicht, wie sie das sagen sollte. Rey war für sie wie eine Tochter. Und Finn war für sie der Bruder, den sie nie hatte…
Sura verfasste einen kurzen, aber detaillierten Bericht über ihre kürzlich entlassenen Patienten, konnte sich aber nicht konzentrieren. Das Hologramm flackerte. Sura fuhr mit den Fingern über das Hologramm, da sie das meiste aus ihren Berichten grafisch darstellte. Sie hatte festgestellt, dass ihre sehr mathematisch ausgerichteten Kollegen mehr mit Statistiken anfangen konnten, als mit Texten. Für sie machte das keinen Unterschied, aber sie passte sich ihnen an. Heute schaffte sie es jedoch nicht, eine Statistik anzubringen. Sie verrechnete sich andauernd, verlor den Faden und musste dann wieder von vorne anfangen. Bald wünschte sie sich, sie könnte etwas kaputt machen. Sie wusste, dass dieser Gedanke sehr primitiv war und man von intelligenten Individuen erwartete, dass sie stattdessen nach einer Lösung suchten, aber das hier… Sura schaffte es nicht mehr, sich im Zaum zu halten. Nie war das ihre Stärke gewesen, aber heute war es so schlimm wie nie. Zumindest konnte sie sich für den Moment nicht erinnern, wann ihre Konzentration schon mal dermaßen flach ausgelegt war. Natürlich versuchte sie, das nicht durchblicken zu lassen. Schon das letzte Mal hatte sie Ärger mit Leia bekommen, da sie sich überarbeitet hatte. Nun, da sie sich nicht gut konzentrieren konnte, sollte sie sich vielleicht aber ein wenig zurücknehmen. Sie überlegte, mit Dr. Vendikt Vilod zu tauschen. Ein Kollege, der einen menschlichen Namen trug, aber nicht ihrer Spezies angehörte. Er war ein Ortolaner. Aber so weit Sura wusste, waren seine Eltern früh gestorben. Deshalb wurde er von einer menschlichen Familie adoptiert. Er lebte die Kultur der Menschen, sprach ihre Sprache und kleidete sich wie sie. Die ersten Wochen waren schwierig für Sura. Die Erste Ordnung hatte das Zusammenleben mit anderen Spezies nicht gerade gefördert. Sura gestand, dass sie nicht nett zu ihm war, zumindest nicht in den ersten Tagen. Heute schämte sie sich in Grund und Boden. Aber Vilod war ein sehr freundlicher Charakter. So ließ er Sura noch eine Chance. Seit gestern hatte Sura sogar angefangen, ihren neuen Kollegen richtig zu schätzen. Rey war schließlich verschwunden und für Sura war die Ungewissheit, ob es Rey gut ging, eine Qual. Für sie fühlte es sich an, als habe jemand immer mehr auf sie eingetreten. Vilod hatte sie wieder aufgebaut. So hatte sie es zumindest geschafft, heute überhaupt zur Arbeit zu erscheinen.

Kylo Ren trat vor seinen Meister. Es war kühl. Sein Meister war da bestimmt nicht ganz unschuldig. Da die Verwesung seines Körpers schon vor langer Zeit begonnen hatte, war er auf die Kälte angewiesen. Seine Narben waren in Wahrheit Anzeichen von Verwesung, die man als Ungeschulter leicht für Spuren früherer Verletzungen halten konnte. Das war aber nicht die Ursache für seine schreckliche Gestalt, wie Kylo Ren wusste. Aber auch er wusste nicht sehr viel über seinen Meister.
„Wo ist das Mädchen?“, röhrte Snoke. Seine schwarzen Augen richteten sich auf seinen Schüler.
„Es weiß Bescheid. Vielleicht kommt es bald.“ Kylo Ren verbeugte sich tief. „Ich habe Informationen für Sie, mein Meister. Sehr wichtige Informationen.“
Sein Meister nickte. „Fahre fort.“
„Szirha Deeja-Mhin ist die Mutter des Mädchens. Boba Fett ist, wie mir scheint, der Vater.“ Kylo Ren richtete sich auf. „Zusammen haben sie eine Tochter. Und sie ist stark in der Macht. Sie beherrscht die Macht des Feuers.“
„Dann ist es, wie ich befürchtete. Boba Fett ist, wie ich glaube, aber nicht der Vater des Mädchens. Trotzdem hast du gute Arbeit geleistet, mein Schüler. Das Mädchen wird bald mir gehören, genau wie ihre Freunde. Meine Einladung hierher steht. Das Mädchen wird bald erfahren, wie sein Vermächtnis aussieht. Dann kann es sich der dunklen Seite nicht mehr verschließen.“ Snoke sah Kylo Ren ins Gesicht. Dann begann er, zu lachen. „Du wirst schon sehen, mein junger Schüler.“
Kylo Ren nickte. „Sehr wohl, mein Meister.“
„Und das Mädchen? Wird es bald hier erscheinen? Ich habe eine Einladung ausgesprochen. Wenn sie klug ist, nimmt es diese an.“
„Ich fürchte nicht, mein Meister. Ihre Stimme trieft vom Einfluss ihrer verräterischen Freunde.“
„Nun denn“, meinte Snoke. „Dann müssen wir sie überzeugen. Mein Schüler, sorge für eine Hand voll Assassinen. Sie sollen sich ihrer Freunde annehmen.“
Kylo Ren nickte. „Ja, mein Meister. Ich werde einen Assassinen anheuern.“ Er wandte sich in der Verbeugung ab.
„Da sind sie wieder, meine alten Feinde. Szirha Deeja-Mhin, Luke Skywalker, seine Schwester und sein Freund, Han Solo. Und wie es scheint, haben wir einen neuen Feind: Boba Fett. Aaaah ja“, fuhr der Oberste Anführer fort. „Das wird interessant.“ Er schloss die Augen. „Ich spüre da etwas. Eine neue Gefahr. Sei vorsichtig, mein junger Schüler.“
„Ich verstehe.“ Kylo Ren ging. Er verließ den Saal. Seine Atmosphäre war ziemlich erdrückend, fand Kylo Ren. Der Boden war schwarz, aber glänzend. Er wurde beleuchtet, jedoch nur schwach. Rote Leuchten dominierten den Steg. Geländer zierten die Treppe nach oben. Kylo Ren fühlte sich hier sehr unwohl. Er verstand nicht, wie sein Meister Gefallen an dieser Atmosphäre finden konnte. Aber so sei es.
Kylo Ren setzte sich in den Kopf, wieder mit seinen Wachen zu trainieren. Wenn er sich gegen diese Frau durchsetzen wollte, musste er besser vorbereitet sein. Er würde nicht noch einmal den Fehler begehen, sie zu unterschätzen.
„Nun“, meinte General Armitage Hux und fing den dunklen Ritter ab. „Soll ich meinen Truppen befehlen, sie zu jagen? Soll ich vielleicht einen Assassinen beauftragen, diese Sura zu töten? Dann auch diesen – wie er sich nennt – Finn?“
Kylo Ren blieb stehen. „Nein. Ich will mehr über diese Leute erfahren. Ich will wissen, wie wir sie beeinflussen können…“
General Hux nickte. „Nun denn. So lange Sie den Befehl unseres Anführers nicht verweigern.“
„Das käme ihnen wohl ganz gelegen“, schloss Kylo Ren aus seiner Grimasse. „Du bist schwach. Genau wie dein Vater..“
„Seien Sie vernünftig, Kylo Ren! Wir wollen doch nicht, dass unser Anführer erfährt, wie ihre Pläne in Wahrheit aussehen?“
„Ich mache dich kalt“, drohte Kylo Ren. „Und zwar auf der Stelle.“
„Schön.“ Der General wandte sich seinen Offizieren zu. „Dominicus?“
Ein Mann mit etwas dunklerer Haut erschien. Sie war durchzogen von tiefen Falten, wo er doch gerade mal fünfzig Jahre alt war.
„Ich erwarte ihre Befehle, Sir!“
„Dieser Junge, der vor einigen Monaten desertierte. Ist er nicht dein Sohn, Dominicus?“
„Er ist nicht mein Sohn“, entgegnete der Offizier, der wohl „Dominicus“ hieß. „Er hat mich verraten. Und mit mir unsere Ideale.“
„Er wird bezahlen“, meinte der General. „Sorgen Sie dafür oder ihnen blüht das gleiche Schicksal.“
Dominicus knurrte. „Er wird hingerichtet. Denn das hier ist meine eigentliche Familie. Und er hat sie verraten.“
„Wunderbar“, sagte der General boshaft grinsend. „Dann ist das geregelt.“
Er wandte sich an Kylo Ren. „So macht man das.“ Dann ging er. Seit die Starkiller-Basis in sich zerfallen war, war die Situation hier noch gespannter als noch vor einigen Tagen. Der Oberste Anführer machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung, da General Hux angeblich versagt hatte. Der Druck war folglich gewachsen. Und der General hatte angefangen, seine Untergebenen heftig zu piesacken. Nicht, dass er je nett zu ihnen war, aber seit dieses Ereignisses war er noch gehässiger.

Träume. Immer waren es die gleichen Albträume, die er durchlebte. Rey war tot. Sura war tot. Er wurde gefangen genommen. Dameron hatte ihn in Stich gelassen. Finn wusste, dass es nur Träume waren. Nicht die Realität. Rey war viel zu zäh, Sura zu hitzköpfig und Dameron war kein Verräter. Deshalb verstand er nicht, warum er immer wieder dasselbe träumte. Es war doch offensichtlich, dass er sie nicht der Wahrheit entsprachen. Wie gerne hätte er sich Sura anvertraut… Aber die war nicht ansprechbar. Schon gestern hatte er das gemerkt. Finn fragte sie nach der Uhrzeit. Dann wurde er angeschnauzt, er sollte sie in Ruhe lassen. Deshalb mied er ihre Gesellschaft. Er wusste, dass Sura Rey gleichermaßen als ihre Tochter betrachtete. Aber so hatte er sie noch nie erlebt. Er wusste aus Erfahrung, dass Sura man, wenn sie wütend war, besser so lange nicht in ein Gespräch verwickeln sollte, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Vorher war es nicht möglich, mit dieser Frau eine vernünftige Unterhaltung zu führen. Außerdem besaß er nicht das Feingefühl wie Rey. Aber diese war überhaupt erst der Grund, warum Sura so schlechte Laune hatte. Deshalb wusste Finn nicht so recht weiter. Er beschloss, nach draußen zu gehen und ein wenig frische Luft zu schnappen. Er dachte an die Jahre, in denen sie noch der Ersten Ordnung angehörten. Sura war damals noch nicht so hitzköpfig, wie sie es heute war. Nein, es war einfach schlimmer geworden. Sie hatten so viel erlebt, mehr gesehen als sie imstande waren zu verarbeiten. Sie hatten Menschen sterben sehen, die sie zu ihren engsten Freunden zählten. Denn von den fünfzig Kadetten, mit denen sie ihre Ausbildung begonnen hatten, überlebte lediglich die Hälfte. Wenn jemand durch einen PROXY-Droiden verwundet wurde, erhielten sie Order, diesen liegen zu lassen. Bestimmt hätte Sura die meisten von ihnen noch retten können, aber man hätte sie wegen der Verweigerung eines Befehls hart bestraft, wenn nicht sogar hingerichtet. Finn erinnerte sich an Slip, einen Freund. Er glaubte nicht, dass er noch lebte. Wenn, dann vielleicht nicht mehr lange. Er war nie sehr stark gewesen. In der Arena hatte er nie auch nur einen Kampf für sich entscheiden können. Und er wäre schon früher gestorben, wären Rey und Finn nicht zur Stelle gewesen. Sura hatte das auch nicht ohne Spuren überstanden. Viele der Kadetten, die so schwer verletzt wurden, konnte sie nicht mehr retten. Selbst, wenn sie es schaffte, drohte diesen noch die Hinrichtung. Wer den Ansprüchen nicht genügte, den schafften sie weg. Wie, hatte Finn nie erfahren. Aber er konnte es sich schon denken. Man hatte sie bestimmt ins Lager gesteckt, wo sie dann so viel arbeiteten, bis sie einfach umfielen. Manchmal, da denke ich an Slip, überlegte Finn. Hoffentlich haben sie den Guten nicht ins Lager verlegt. Finn schüttelte den Kopf. Allein die Vorstellung war nicht zu ertragen. Sura ging schnell an die Decke. Aber er glaubte nicht, dass das so ihrer eigentlichen Persönlichkeit entsprach. Sie hatte Angst, dass Rey etwas passierte. Und sie fürchtete, nicht eingreifen zu können. Natürlich. Deshalb war sie auch so enttäuscht. Sie wollte Rey beschützen. Und er war froh, dass es so war. Tatsächlich schien es viele zu geben, die Rey tot sehen wollten. Wer sollte sie denn beschützen, wenn nicht er und Sura? Natürlich hatte Sura Angst, dass sie den gleichen Schmerz wieder zu spüren bekam. Aber bei Rey würde es noch schlimmer sein. Da könnte sich die Gute vermutlich gleich das Herz herausreißen. Finn ließ sich auf einen Baumstumpf sinken. Yavin IV war ein sehr idyllischer Planet. Wenn er nicht hier wäre, da er kämpfen wollte, würde er hier zu gern Urlaub machen. Er würde wandern gehen, die Klippen bestaunen. Auch ohne den Wasserfall in der Nähe war der Wald sehr schön. So lebendig. Als würde er ihm ins Gesicht springen. Wenn Sura das doch bloß sehen könnte, dann würde sie endlich zur Ruhe kommen. Sie waren schließlich eine Familie. Er, Rey und Sura. Zusammen überlebten sie alle anderen. So lange sie einander hatten, fühlten sie sich sicher. Und das war auch gut so. Finn sah nach oben. Sie hatten es geschafft, die Starkiller-Basis zu zerstören. Tatsächlich war es Sura, die den letzten, entscheidenden Schuss abgegeben hatte und Rey das Leben gerettet hatte. Zur Folge hatte das, dass man sie beim Widerstand als Held feierte. Es war das erste Mal in der Geschichte, dass jemand, der nicht machtsensitiv war, so einen Schuss abgegeben hatte. Er war so präzise, dass er eine Muja genau in der Mitte durchlöchert hätte. Es machte vielen Hoffnung, dass auch sie, obgleich sie nicht das Potenzial für einen Jedi-Ritter hatten, ihre Ziele erreichen konnten, wenn sie es denn wollten. Die Folge war, dass viele Sura als Held feierten. Plötzlich schien es, als würden alle ihren Namen kennen. Und das nicht allein beim Widerstand. In der ganzen Galaxis verbreitete sich die Nachricht, dass sie es war, die die Starkiller-Basis zerstört hatte. Die Waffe, die die Neue Republik und ihren Sitz vom Antlitz der Galaxis gelöscht hatte. Finn konnte es noch immer kaum glauben. Nie hätte er erwartet, dass es ausgerechnet Sura sein würde, die diese Waffe zerstören würde. Warum eigentlich? Sie war der beste Schütze, den er je kennen gelernt hatte. Selbst Rey konnte Sura nicht das Wasser reichen. Und das, wo Erstere einen unfairen Vorteil hatte, da sie machtempfänglich war. So wurde eine neue Legende geboren, sagte sich Finn. Er verstand zwar, dass Sura wegen Rey sehr enttäuscht war, fand aber trotzdem, dass sie auch mal die guten Dinge sehen sollte. Sie hatte schließlich das vermeintlich Unmögliche geschafft.

Sura stand auf der Terrasse. Seit Wochen versuchte sie, die Ranken vom Gestein zu lösen. Sie wucherten die Fassade immer mehr zu. Schließlich war sie so wütend geworden, dass sie ziellos auf das Gewächs eingestochen hatte. Das bereute sie natürlich gleich, da sie sich selbst einen tiefen Schnitt beibrachte. Wie sollte sie ihrer Gefühle Herr werden? Andauernd musste sie an Rey denken, fragte sich, ob sie die Folgen ihrer überstürzten Flucht denn überdacht hatte. Vermutlich hatte sie das nicht. Deshalb wusste sie auch nicht, wie enttäuscht Sura war. Sie wickelte ihre Hand in ein Stück Folie, das sie in der Nähe aufgriff. Sie ärgerte sich noch mehr, als sie sah, dass sie sich einen vier Millimeter tiefen Schnitt beigebracht hatte, ohne das zu beabsichtigen. Sie wusste, dass es nicht klug war, einfach ein Stück Folie zu nehmen und ihre Hand dort einzuwickeln. So gerieten schnell Keime in die Wunde, aber das juckte sie nicht. Sie versuchte noch immer, den Gedanken an Rey zu übertünchen. So arbeitete sie, ohne eine Pause zu machen. Sura hatte die Hoffnung aufgegriffen, dass sie dann vor Müdigkeit ins Bett fallen würde, in einen traumlosen Schlaf. Aber auch diese blieb nicht lange erhalten, denn plötzlich platzte Dameron durch die Tür nach draußen. „Sura, das musst du sehen! Rey ist wieder da, und… Du würdest es mir nicht glauben.“ Er sah ziemlich nervös aus.
Als Sura nicht antwortete, stutzte er. „Sura.“
„Lass mich in Frieden“, meinte Sura harsch. „Du hast doch keine Ahnung.“
„Ähm… Also, ich denke, ich weiß sogar mehr, als du weißt.“ Dameron räusperte sich, da er seinen Standpunkt verdeutlichen wollte. „Warum hörst du sie nicht zumindest mal an?“
„Weil ich gerade nicht empfänglich bin für Ausreden. Ich habe zu tun, wie du doch unschwer erkennen kannst.“ Sura präparierte weiter die Ranken.
„Geht es dir gut?“, fragte Dameron erschrocken, als er sah, dass sie verletzt war.
„Ich denke, ich weiß ganz gut, wie ich mir helfen kann“, erwiderte Sura.
Dameron klatschte sich die Hand auf die Stirn. „Arzt hin oder her. Wie willst du dir selbst die Hand zusammennähen?“
„Das ist ein glatter Schnitt. Der muss nicht genäht werden. Und jetzt machst du besser die Biege…“ Sura fuchtelte mit der Klinge umher. „Verschwinde endlich!“
Dameron nickte. Er schien recht enttäuscht. „Eigentlich meinte ich es gut mit euch. Rey hat etwas erfahren. Und sie ist ziemlich fertig.“ Er wandte sich ab.
Sura ließ das Messer fallen. „Schön“, zischte sie. „Mal sehen, wie sie sich da herausreden will.“
Dameron bedeutete Sura, ihm zu folgen. Sie gehorchte, schien aber nicht sehr überzeugt.

Sura versteckte ihre Hand im Ärmel ihres Mantels. Dameron führte sie durch die Gänge, als er schließlich den Riegel in die Kommandozentrale zurückzog, wo sie Rey sahen. Neben Rey stand aber noch ein anderer, unbekannter junger Mann. Er trug eine mandalorianische Rüstung. Dann war er vielleicht ein Kopfgeldjäger? Sura hatte eine schreckliche Vermutung. Sie mochte wütend sein auf Rey, liebte sie aber immer noch wie eine Tochter. Hatte der Mann Szirha gefunden und festgestellt, dass sie tot war? Stand Rey vielleicht deshalb so da, zitternd, als sei sie ausgekühlt bis auf die Zehen? „Ist dir kalt?“, fragte Finn, der gerade zu ihnen gestoßen war.
Rey nickte. „Wir hatten eine, hmmm… Bruchlandung. Das Wasser, wo wir gelandet sind, war eisig.“ Sie wollte ihren Freunden nicht verraten, warum. Von Kopf bis Fuß durchnässt, warf sie Jango Fett einen verärgerten Blick zu. Es war seine Schuld. Warum musste er auch gerade dann einen Streit über das Knie brechen, wo sich Rey so sehr konzentrieren musste? Unglaublich. So eine Landung war nicht möglich, wenn man sich gerade mit seinen Geschwistern schlug. Gut, so schlimm war es nicht. Aber viel hätte da nicht mehr gefehlt. „Du bist mir etwas schuldig, Rey“, knurrte Sura. „Ich habe dir vertraut und dann… verschwindest du einfach! Als hätte ich nicht schon genug Sorgen!“
Rey nickte. „Sura, es tut mir Leid. Aber ich schätze, mit einer Entschuldigung ist es wohl nicht getan, hm?“
„Nein“, bejahte Sura. „Du hast mich enttäuscht.“
„Ich kann nicht mehr tun, als mich zu entschuldigen. Aber vielleicht hilft es, wenn wir darüber reden?“ Rey biss die Zähne zusammen. „Ich musste diesen Hinweisen nachgehen.“
„Du hast sie nicht gefunden, wie? Natürlich. Schließlich hat das bis jetzt noch niemand geschafft.“
Der General zischte. „Sura“, schimpfte sie. „Diszipliniere dich! Ich möchte hören, was sie zu erzählen hat. Es scheint mir sehr wichtig zu sein.“
Rey bedankte sich. „Nun, ähm… Es ist so viel passiert. Wo soll ich denn anfangen?“ Sie warf Jango Fett einen verstohlenen Blick zu. Er zuckte aber lediglich mit den Schultern. „Hilf mir schon!“, rief Rey. „Du hast es doch gehört! Dein Vater will, dass du mir hilfst, die Situation zu erklären.“
Aber der Junge schüttelte den Kopf. „Deine Suppe. Die löffelst du jetzt mal schön selbst aus.“
Rey ballte die Hände zu Fäusten. „Natürlich. Helfen tust du mir, das Schiff zu landen, aber hier nicht! Du spinnst wie kein anderer! Wirklich!“
„Hey, es ist nicht meine Schuld!“
„Doch. Ganz allein deine Schuld ist es, dass ich das Schiff herausfischen darf!“ Rey brauste wieder auf. „Wenn du schon nicht helfen willst, warum verschwindest du dann nicht einfach wieder?“
Der Admiral wollte schon eingreifen, aber der General verhinderte das. „Nein. Nicht eingreifen! Ich muss erfahren, wer er ist.“ Der General hatte Rey noch nie so zerstritten erlebt. Und sie fragte sich, wer dieser Mann eigentlich war. Denn sie kannte nicht viele, die dreist genug waren, sich mit Rey zu duellieren.
„E-er… I-ich kann es nicht sagen, es… Es ist einfach unglaublich.“ Rey schüttelte sich. „Das ist es tatsächlich.“
„Ganz deine Meinung“, unterstrich Jango Fett. „Nun, mein Name ist Jango Fett. Und ich bin Kopfgeldjäger.“
„Hat Rey dich angeheuert?“, fragte der General.
„Eben nicht. Das hier ist eine persönliche Angelegenheit“, fuhr Jango Fett fort. „Sie wird es ihnen doch sagen, nicht wahr? Rey?“
Rey war rot angelaufen. „Gerade wo es dir zu ungemütlich wird, muss ich es ihnen sagen, wie?“
„Sehr gern“, bemerkte der Mandalorianer.
„Du nennst dich Jango Fett, das ist… seltsam, gelinde ausgedrückt.“ Der General schüttelte den Kopf. „Raus mit der Sprache? Bist du ein Klon? Warum bist du dann noch so jung? Die meisten, die ich kannte, sind schon lange tot.“
„Ich bin kein Klon!“, rief er. „Aber, ähm… Mein Vater ist es. Er ist Boba Fett, der Kopfgeldjäger.“
Der Admiral schien es nicht zu verstehen. „Wie? Ich dachte, er sei auch dein Vater, Rey. Ist er dann nicht dein, hm, Bruder?“
Rey schüttelte den Kopf. „Oh, also… Boba Fett ist nicht mein Vater. Aber er ist sein Vater, hier!“ Sie deutete auf seine Haare. „Das sieht man doch, oder?“
„Die Augen“, begann der General. Sie trat näher an Jango Fett heran. „Das ist nicht zu fassen. Szirha ist deine Mutter, genau wie die deiner… Schwester.“
Sura klatschte die Hand vor den Mund. „Moment mal… Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass dieser… Trottel mit Rey verwandt ist? Das ist nicht möglich.“ Ihre Wut auf Rey hatte sie auf einmal vergessen. Diese Neuigkeit war dermaßen absurd, dass sie diese kaum in Erwägung ziehen wollte.
„Ein Trottel, wie?“, knurrte Jango Fett. „Wenn hier jemand zu blöd ist, ein Schiff zu landen, dann ja wohl Rey!“
Sura trat vor. Sie streckte ihre gesunde Hand aus und zog Jango Fett an der Nase zu sich heran. „Wenn du Rey noch ein Mal so nennst, ist das deine letzte Tat!“
Jango Fett schlug ihre Hand weg. „Schön, dann willst du dich mit mir messen? Ich werde dir schon zeigen, dass man sich mit mir nicht anlegt.“
Rey fletschte die Zähne. „Unterstehe dich!“
Sura winkte ab. „Nun gut. Er will ein Duell? Dann soll er es bekommen. Ich denke, diese Lektion braucht er. Er ist sehr schlecht erzogen.“ Sie versuchte, den Jungen niederzustarren. Aber er blieb standhaft. Und das war selten. Wenn Finn von Sura so angesehen würde, hätte er längst Fersengeld gegeben. Und das nicht ohne Grund.
Der Admiral fuhr zwischen sie. „Das kann man doch bestimmt diplomatisch lösen. Tretet auseinander!“
Der General schüttelte den Kopf. „Diese Duelle sind nicht verboten, denn sie sind tief in der Kultur des Mandalorianers verwurzelt. Ich fürchte, das müssen sie untereinander regeln.“
„Die bringen sich noch um!“, rief der Admiral aufgebracht. „Das dürfen wir nicht erlauben.“
„Zufällig kenne ich das Regelwerk und die Kultur der Mandalorianer“, fuhr der General fort. „Das Ziel eines Duells ist es nicht, sich gegenseitig umzubringen. Viel mehr ist es verboten. Der Kampf findet ohne Waffen statt, ohne Rüstung und der Erste, der das Bewusstsein verliert, hat verloren. Trotzdem… Sura, das wird nicht viel bringen.“
Sura schüttelte den Kopf. „Es wird sehr viel bringen.“
„Morgen, siebzehn Uhr“, legte Jango Fett fest. Und er schien überrascht, dass Sura einwilligte.
Rey eilte hinter Sura her. „Warte, Sura! Das kannst du nicht machen!“
Dameron folgte. „Wie will sie kämpfen, wenn sie verletzt ist?“
Sura drehte sich um. „Geh.“
„Oh, Sura!“, sagte Rey. „Ich bin gleich wieder da. Vielleicht kann Finn da etwas machen. Er ist zwar noch kein Arzt, aber er hat zumindest mehr Ahnung als wir.“
Sura seufzte. „Versuche nie, einen Arzt zu überzeugen, selbst einen aufzusuchen.“
„So viel habe ich verstanden“, murrte Poe Dameron. „Vielleicht lehnst du die Hilfe deiner Freunde nicht immer nur ab! Ihnen liegt schließlich auch etwas an dir.“
Tatsächlich, glaubte Sura, hatte er Recht. „Gut. Ich brauche wohl Hilfe bei den Vorbereitungen.“ Zu mehr Geständnissen konnte sie sich nicht durchringen. „Dieser Junge wird seine Lektion bekommen. Er soll Rey nicht so behandeln. Vielleicht dringen meine Worte dann an seine Ohren, wenn er mir unterliegt.“

Rey stand bei ihnen. Finn, Sura und Dameron. Und sie wusste nicht mehr weiter. Sie würde mit Sura zusammen trainieren. Ihre Sorge war groß, dass Sura gegen ihren Bruder verlieren würde. Schließlich war er der Sohn von Szirha Deeja-Mhin und Boba Fett. Und die waren beide nicht zu unterschätzen, wenn man ihre Mentalität bedachte. Rey war seine Schwester, hatte aber einen anderen Vater. Wen, wusste niemand. Aber es war nicht Boba Fett. So waren sie viel mehr Halbgeschwister. Aber das lief beinahe auf das gleiche hinaus. Rey war zwar nicht so unsensibel wie Jango Fett, hatte aber die gleiche, impulsive Mentalität wie er. So stand sie da, wartend. Und verunsichert, da sie nicht wusste, wie sie Sura angehen sollte. „Du, ähm… Sura, ich glaube nicht, dass das so eine gute Idee ist. Dieses Duell meine ich. Du musst das nicht tun, ehrlich.“
„Da liegst du falsch“, entgegnete Sura. „Sein Feuer ist ungezügelt. Er ist wie ein Raubtier. Du kannst es lediglich zähmen, wenn du es unterwirfst. Und ich will es zumindest versuchen.“
„Wenn du diesen Kampf verlierst, drohen dir von seiner Seite aus Konsequenzen. Das muss ich dir doch nicht noch sagen, oder?“
Sura blickte finster drein. „Du musst mich nicht belehren, Rey. Ich denke, ich weiß ganz gut, wie ich mich zu verhalten habe.“
„Nein, das tust du nicht!“ Jetzt war es an Rey, wütend zu werden. „Er wird dich ächten. Kein Mandalorianer wird dich mehr respektieren. Nie wieder. Und mein Bruder ohnehin nicht. Gut, er respektiert wohl niemanden. Seinen Vater vielleicht, aber er ist zu allen anderen so wie zu dir.“
„Eben. Ich will, dass er seine Haltung überdenkt. Und das wird er nicht tun, so lange er ungeschlagen ist. Wenn ich diesen Kampf verliere, werden es andere tun müssen. Der General hat das verstanden, Rey. Er ist dein Bruder. Aber du hast so lange nicht gewusst, dass er…“ Sura sprach nicht weiter. Das Wort lag in der Luft, aber niemand wollte es aufgreifen.
„Das sind die Methoden des Imperiums, Sura!“, wandte Finn ein, der der gleichen Meinung war wie Rey. Nämlich, dass das hier eine sehr, sehr dumme Idee war.
„Vielleicht. Aber heute ist mir das gleichgültig.“ Sura hielt weiter an ihren Ansichten fest. „Ein Mandalorianer kennt keinen anderen Weg, sein Recht geltend zu machen.“
Rey schüttelte den Kopf. „Finn, i-ich… Ich halte das einfach nicht mehr aus!“ Wenige Minuten später hatte sie die Flucht ergriffen. Finn, der selbst genug hatte, fand das nicht unbedingt fair. Sura hatte so schlechte Laune, dass auch er bald ziemlich genervt war. Er meinte, er wollte sich einen Drink gönnen, da er dann besser schlief. Er hörte nicht auf Sura, die wieder ihren belehrenden Ton an den Tag legte und meinte, dass das nicht gut sei. Das sagt gerade die Richtige, regte sich Finn auf. Aber er sprach seinen Gedanken nicht aus.
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