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Feuer und Eis - 1. Teil: Zwielicht

GeschichteSchmerz/Trost, Sci-Fi / P16
Finn Kylo Ren Leia Organa Poe Dameron Rey Snoke
12.06.2018
11.11.2020
45
211.658
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06.05.2019 6.255
 
FAMILIENGESCHICHTEN

Kaum, dass sie ihren Angriff starteten, fand sich Rey im Hangar wieder. Dameron hatte es geschafft, Sura zu überreden, den Angriff fliegen zu dürfen. Er hatte drei Tassen Kaffee getrunken und Rey gebeten, aufzupassen, dass er nicht noch wegdämmerte. Er fand, das müsste reichen, aber Rey war da anderer Meinung. Sura offenbar auch, aber sie befand, dass es seine Entscheidung war. So standen sie sich im Hangar gegenüber, Rey trotzig, während sich Dameron freute wie ein Kleinkind, sich wieder ins Cockpit des Jägers zu schmeißen. Finn hatte entschieden, Vorsicht walten zu lassen. Sollte aber Verstärkung notwendig sein, meinte er, würde er ihnen zur Hilfe kommen. Rey hatte Dameron zumindest erzählt, dass sie gedachte, sich nach der Schlacht allein auf die Suche nach ihren Eltern zu machen. Sura hatte sie nicht informiert und auch gegenüber Finn hatte sie ihre Pläne nicht zur Sprache gebracht. Sura schien entgegen ihrer Vermutung aber trotzdem zu ahnen, dass sie etwas im Schilde führte. Sie ließ Rey kaum aus den Augen. Rey behagte das nicht. Es war ziemlich unangenehm für sie und auch ohne ihren Freunden etwas zu sagen, spürte sie, wie sich ihre Eingeweide zusammenzogen. Sie musste das hier alleine tun. Bestimmt würden sie das nicht verstehen. Aber Dameron – der verstand es. Er akzeptierte, dass sie Zeit für sich brauchte. Auch wenn er sagte, dass er immer da sein würde, wenn sie mal Verstärkung brauchte. Rey wusste, dass dieses Vorhaben Konsequenzen haben würde. Aber sie konnte nicht ignorieren, dass sie das erste Mal seit über zehn Jahren eine Spur hatte. Endlich. Nach so langer Zeit, die sie in der Ungewissheit ausgeharrt hatte. Rey setzte den Helm auf. Er roch nach Silikon. Sie wusste nicht, warum. Aber sie war wohl nicht die Erste, die diesen Helm trug. Das Visier klappte sie nach oben. Es störte ihre Sicht. Rey nahm den kürzesten Weg ins Cockpit des Frachters. Sie hatte neue Waffen installiert und die Schilde so modifiziert, dass sie selbst einen Protonen-Torpedo abwehren konnten. Das jedoch auch nur ein Mal. Für mehr würde die Energie nicht reichen, die sie zur Verfügung hatte. Sie musste schließlich auch noch feuern können. Den Helm setzte sie auf, weil der Frachter keine starken Gurte hatte. Unter Einwirkung so starker Kräfte würde sie gegen die Frontscheibe knallen, da der Nacken nicht gestützt wurde. Ohne einen Helm würde sie schwere Verletzungen riskieren. In diesen Situationen musste man vorbereitet sein. Rey war es. Bei Dameron hatte sie da so ihre Zweifel, aber auch er hatte einen Kopf zum Denken. Und er war intelligent, auch wenn man schnell den gegenteiligen Eindruck gewann, wie Rey fand. Die Tore des Hangars fuhren hoch. Das erste Schiff startete, als der Koordinator die Freigabe zum Start erteilte. Er trat zur Seite und ließ die Schiffe vorbei, die meisten von ihnen waren Bomber. Rey fragte sich, warum da Bomber waren, wo Jäger doch viel manövrierfähiger waren. Bei Schlachten gegen größere Schiffe setzen sie Bomber ein, aber doch nicht gegen die Starkiller-Basis… Rey seufzte. Admiral Ackbar wusste doch bestimmt, wie er das hier angehen musste. Er war für seine etwas unkonventionellen Strategien bekannt. Ein Genie eigentlich. Rey konnte seinen Gedankengang hier aber nicht durchschauen. Vielleicht war das auch Absicht. Eine Finte, die zur Verwirrung diente. Vielleicht wollte er auch lediglich eine falsche Fährte legen. Rey konnte darüber nur mutmaßen. Sie war die letzte in der Reihe. Das erste Schiff, das gestartet war, war schon durch die Atmosphäre gedrungen, das nächste folgte. Als Rey die Stratosphäre passiert hatte, sah sie, dass die Starkiller-Basis auf den Planeten zugeflogen kam. In den ganzen Jahren, die sie dort verbracht hatte, hatte sie nie daran gedacht, wie groß diese eigentlich war. Doch auf einmal überkam sie die Angst. Der Planet, wo die Basis errichtet worden war, hatte, wie sie schätzte, einen Durchmesser von 15.000 Kilometern. Mehr als Jakku, der lediglich 11.000 hatte. Rey schwitzte, aber der Schweiß war kalt. Wie, wenn man Panik vor etwas hatte. Das traf wohl auch zu. Die Basis war riesig und die Mündung, durch die der Laser drang, war allein schon größer als es der erste Todesstern gewesen war. Rey versuchte, ruhig zu atmen. Sie öffnete jedoch nicht den Mund, da sie fürchtete, sich dann übergeben zu müssen. Sie fragte sich, wie sich Dameron fühlte, der drei Tassen Kaffee intus hatte. Wenn sie genau überlegte, wollte sie es eigentlich nicht wissen. Die Luft im Cockpit wurde schwer. Rey fühlte sich beengt. Wie sollten sie gegen diesen Koloss bestehen? Das war unmöglich. Rey schaltete das Hologramm ein. „Gold 1, Wie sollen wir das denn in die Luft jagen? Das ist nicht möglich!“
Commander Frick, ein Abednedo, antwortete prompt. „Ich weiß nicht, ob das geht. In der Regel frage ich mich das erst, wenn ich es geschafft habe.“
„Wunderbar“, meinte Rey trocken. „Kein Plan also?“
„Du bist machtsensitiv. Du hast die besten Chancen, das Ventil in der Mündung zu treffen.“ Der Commander zögerte, als er Rey ‘s Gesicht sah.
„Ah“, flüsterte Rey. „Ich dachte, es geht hier um Teamarbeit.“
„Ich gebe dir Deckung.“
Rey schüttelte den Kopf. „Ich bin ein Mensch wie alle anderen auch. Kein Übermensch.“
Der Commander schien da aber anderer Meinung. „Du bist unsere beste Option.“ Er sah etwas verunsichert aus.
„Ich bin überhaupt keine Option“, entgegnete Rey barsch. Sie unterbrach die Kommunikation. Was sollte sie tun? Sie konnte die Macht nicht kontrollieren. Nicht bewusst. Schließlich hatte sie das nie gelernt. Oder?
Die Schnellfeuerkanonen entlang des Grabens setzten ein. Drei aus der Staffel erwischte es, ohne dass sie auch nur merkten, dass auf sie gefeuert wurde. Rey selbst entging den Schüssen, aber auch sie hätte es erwischt. Beinahe. Der Commander war noch da, mit ihm noch acht andere. „Bomber!“, schrie er. Auch Rey hörte es. Er fiel hinter den anderen zurück und deckte seine Staffel. Er feuerte zurück. Eine der Kanonen konnte er ausschalten. Dann wurde er getroffen. Sein Jäger geriet ins Trudeln. Rey lenkte ihren Frachter unter Einwirkung der G-Kräfte neunzig Grad nach unten, wo sie im Sturzflug die Fangarme ausfahren ließ und versuchte, den Jäger zu sichern, noch ehe er aufkam. Aber sie konnte den Bug nicht mehr rechtzeitig hochziehen. Er streifte die eiserne Panzerung des Grabens, während Rey das Schiff durch den Feuerball manövrierte, der eben noch der Jäger des Commanders war. Rey überkam der Schreck. „Die Macht sei mit dir“, flüsterte sie. Rey zog die Bugnase so weit nach oben, wie es ging. Bald war sie wieder auf der gleichen Höhe wie die anderen. Dieser Kampf war kalt, hart und ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Leben lang hatte man Rey auf das Kämpfen vorbereitet, aber das hier… Auf so etwas war man nie vorbereitet. Niemals. Rey atmete durch. Sie versuchte, wieder Ruhe einkehren zu lassen. Sie musste sich konzentrieren. Wenn sie das nicht tat, könnte sie die Nächste sein. Wie auf Kommando erwischte es einen Piloten, diesmal einen Bomber. Er verglühte in der Dunkelheit. Wie ein Stern, noch ehe er erlosch. Rey schwenkte das Schiff zur Seite, um den Trümmerteilen zu entgehen. Wenn das so weiterging, war sie bald noch die letzte.
„Mayday,mayday!“, rief Clint. „Meine Triebwerke setzen aus!“
„Ich bin gleich da!“, sagte Rey. Sie manövrierte zur Seite. Aber auch hier kam sie nicht rechtzeitig. Der resultierende Feuerball bedeutete Rey, dass sie sich das sparen konnte. „Nein!“ Der Laserbeschuss setzte fort. Rey schluckte. Sie spürte einen Kloß im Hals. Auch die letzten waren bald geliefert.
Dameron kam angeflogen. „Schwarz 1, hier bin ich! Wie geht es dir, Gold 7?“ Auf jeden Schuss, der seiner Staffel drohte, konterte er mit einer ganzen Salve. Noch nie war Rey so erleichtert, doch noch Verstärkung zu bekommen. „Meine komplette Staffel hat es erwischt!“
Dameron dachte nach. „Zusammen schaffen wir es. Schwarz vier, du übernimmst als Erster. Schwarz drei, wir brauchen mehr Feuerschutz. Du solltest auf die Ventile zielen. Wenn das Kühlsystem der Kanone nicht mehr funktioniert, fliegt sie in die Luft.“
„Poe Dameron! So gerissen muss man mal sein“, erwiderte Schwarz drei, den Rey als Themmin Wexley identifizierte. Er tat, wie ihm geheißen.
Dameron startete den Angriff auf den Reaktorkern, zusammen mit Rey. Sie passten den Graben ab und flogen durch die Mündung hinein. Es wurde ziemlich heiß, fand Rey. Die Schilde hielten die meiste Hitze zwar ab, aber es war trotzdem sehr heiß. Rey fuhr die Kühlsysteme hoch. Vielleicht würde es dann etwas erträglicher.
„Wenn wir dort sind“, begann Dameron. „Sollten wir zusammen versuchen, den Reaktor zu beschießen. Wenn er dann kollabiert, müssen wir so schnell es geht wieder raus. Aber nicht durch die Mündung. Es gibt eine Öffnung. Sie lässt die Luft zirkulieren. In der Mündung wird die Hitze dann so groß, dass wir in der Luft in Feuer aufgehen würden.“
Rey schüttelte den Kopf. „Diese Öffnung ist viel zu klein. Selbst dein Jäger kommt da nicht durch. Von meinem Frachter ganz zu schweigen.“
„Wir schaffen das“, machte Dameron Rey Mut. „Es wird schwierig, aber nicht unmöglich.“
Rey kniff kurz die Augen zusammen. „Ich hoffe, das geht nicht noch schief.“ Sie glaubte nicht, dass das so einfach würde. Aber sie hatten keine andere Wahl.
Dameron erreichte den Reaktorkern, da setzte er auch schon die ersten Schüsse ab. Rey jedoch behielt die Hände am Abzug. „Poe… I-ich kann nicht.“
„Komm schon! Du schaffst das!“ Er flog im Kreis durch den Reaktor. Wie er es vorausgesagt hatte, wurde es heiß. Sehr heiß. Die Temperatur stieg unmittelbar. Bei Rey waren es auf einmal siebzig Grad im Cockpit. Gerade als sie feuern wollte, setzte der Laser aus. Der Lauf war überhitzt.
„Zu spät!“, rief Dameron. „Wir müssen hier raus!“ Er versuchte, das Schiff zu drehen, aber die Triebwerke krächzten nur. „Rey, verschwinde hier!“
Rey konnte nicht. „Fahr die Schilde runter!“
„Was?“, schrie Dameron. „Bist du verrückt? Ich verbrenne!“
„Fahr. Sie. Runter.“
Dameron schluckte heftig. Die Temperatur stieg weiter an. Und da sollte er die Schilde runterfahren? Er tat es. Rey wusste doch hoffentlich, was sie da sagte…
„Der Reaktor steht noch“, rief der General über den Kommunikator. „Beeilt euch! Bald haben sie ihre Waffe genug geladen, unsere Basis zu vernichten.“
„Unsere Kanonen sind ausgefallen! Es ist zu heiß hier.“ Rey konnte die Panik in ihrer Stimme kaum unterdrücken.
Dameron hatte die Schilde heruntergefahren. „Was soll ich machen?“
„Größtmöglicher Schub auf die Triebwerke“, beantwortete Rey seine Frage. „Das Feuer ist zu schwach, aber vielleicht schafft es die Druckwelle. Die Schilde müssen aber unten bleiben.“
Dameron durchschaute ihren Gedanken. „Gut.“ Sein Gesicht war gerötet und nass durch den Schweiß. Aber er schaffte es. „Ja“, rief er. „Jaaah!“ Sein Jäger schoss durch das Ventil. „Hinterher, Rey!“
Auch Rey versuchte die Prozedur, aber sie schaffte es nicht. Das Schiff hatte nicht mehr genügend Energie. „Oh, nein!“ Plötzlich kam ein anderer Jäger durch die Mündung geschossen. Er zielte gleich auf den Reaktor und schaffte es, mit den noch nicht überhitzten Kanonen, diesen in Flammen aufgehen zu lassen. „Raus hier!“, schrie da eine Frau.
„Sura!“, rief Rey. Der Jäger krachte unsanft gegen ihren Frachter. Sura legte die ganze Energie auf die Triebwerke. Sie stieß erneut gegen das Schiff, bis sie den Kanal erreichten. Sie feuerte auf die Steuereinrichtung, bis sich das Tor zur Öffnung automatisch schloss. „So gewinnen wir Zeit“, meinte sie. Rey versuchte es noch einmal, dann schaffte sie es. Die Triebwerke erwachten jauchzend zum Leben und zusammen mit Sura schaffte sie es gerade rechtzeitig, noch zu entkommen. Als sie draußen waren, sahen sie, wie der Planet, wo sie die Starkiller-Basis errichtet hatten, langsam in sich zusammenfiel. „Sura, d-du...“ Rey konnte es nicht fassen. „Du hast es geschafft! Unfassbar!“
Sura nickte. „Folge mir. Wir müssen hier weg.“ Rey erkannte es durch das Hologramm, das vor ihrer Nase in Erscheinung trat.
„Das war ein Schuss“, gestand Dameron. „Da hätte selbst Luke Skywalker nicht schlecht gestaunt…“
Rey schluckte. „Ähm, Sura… I-ich – es tut mir Leid!“ Sie verlieh ihren Triebwerken mehr Energie. Sie musste es tun. Jetzt. Und dann – ohne Vorwarnung – verschwand sie einfach.
„Warte, Rey! Nein… W-was?“ Sura versuchte noch, Rey zu folgen, da war sie auch schon in die Hyperlichtgeschwindigkeit abgetaucht. „S-sie ist abgehauen!“ Sie konnte es nicht fassen. „Warum geht sie einfach?“
Dameron schwieg beharrlich. Er wusste, warum sie verschwunden war. Und er hoffte sehr, dass Rey wusste, was sie da tat. Die Starkiller-Basis brach in sich zusammen. Und die Erste Ordnung war gezwungen, zu evakuieren. Eigentlich war das ein Grund zur Freude. Aber Sura konnte sich nicht freuen, nicht, wo Rey einfach verschwunden war. Und das mitten vor ihrer Nase. Warum? Wollte sie den Widerstand auch noch verraten? Sura glaubte nicht, dass das der Grund war, trotzdem…
„Wir müssen sie verfolgen!“, schrie sie Dameron an. „Worauf wartest du noch? Wir dürfen hier keine Wurzeln schlagen!“
„Nein, Sura“, widersprach Dameron. „Da muss sie alleine durch.“
„Du wusstest es!“ Sura wurde richtig, richtig sauer. „Die ganze Zeit über hast du es gewusst!“
„Das stimmt. Sie hat es mir gesagt und ich habe Rey versprochen, es euch nicht zu erzählen. Ein Versprechen bricht man nicht.“ Dameron seufzte. „Ich habe versucht, sie abzuhalten, aber sie wollte nicht. Und… ich kann sie irgendwo auch verstehen.“
„Warum ist sie verschwunden? Will sie schon wieder desertieren?“ Sura konnte die Wut in ihrer Stimme nicht unterdrücken.
„Nein, sie ist nicht desertiert. Sie sucht nach Boba Fett. Sie will wissen, ob er wirklich der Vater ist, den sie schon so lange sucht.“
Sura verstand es. „Gut, dann… Sie wird doch wieder zurückkehren, oder?“
„Ja, das wird sie. Sie hat es mir versichert.“ Dameron schaltete den General zu, da dieser, genau wie Sura, noch nicht Bescheid wusste.

Rey landete notgedrungen, da sie das Schiff reparieren musste, auf Coruscant. Viel Geld hatte sie nicht, deshalb suchte sie in den unteren Ebenen nach Schrotthändlern. Es reichte, wenn die Teile funktionierten. Sie mussten nicht neu sein. Außerdem hoffte sie, in Rik ‘s Bar Hinweise zu Boba Fett zu finden. Eine Bar in einer der untersten Ebenen von Coruscant, wo sich zwielichtige Gestalten herumtrieben. Schmuggler, Kopfgeldjäger und sogar Assassinen fand man da in Hülle und Fülle. Hoffentlich gelangte sie an Informationen über Boba Fett. Rey vergaß natürlich, die Landegebühren zu zahlen. Aber das ignorierte sie auch, als sie merkte, dass sie es vergessen hatte. Sie hoffte, die Schiffe wurden nicht noch kontrolliert. Wenn jemand das Schiff durchsuchte, könnte es Probleme geben. Es sah aus wie ein Schiff der Ersten Ordnung, außerdem hatte sie auch Waffen bei sich, die nicht lizenziert waren. Das konnte teuer werden. Bald hatte Rey die Ersatzteile beschaffen können. Sie waren alt, aber sie funktionierten ganz gut. Und wenn nicht, dann sorgte sie dafür, dass sie es taten. Rey brauchte lange, bis sie den Schaden repariert hatte, aber es war zumindest nicht schwer. Jeder Ingenieur lernte, Teile auszutauschen. Wer schon weiter war, konnte sie auch modifizieren. So wie Rey. Man könnte meinen, durch ihre Reparatur habe sie das Schiff vielmehr verbessert. Schließlich gönnte sie sich ein wenig Ruhe, aß und trank etwas. Dann legte sie sich einige Stunden lang schlafen. Durch die Ereignisse in den letzten Tagen war sie reizbarer als normal, sogar vergesslicher. Aber bald hatte sie genug geschlafen und befand sich für bereit, in die Bar zu gehen. Sie trug einen Mantel mit Kapuze, wie die meisten anderen auch. So, dass niemand sie erkannte. Auf sie war bestimmt ein Kopfgeld ausgesetzt. Und hier gab es genug Aasgeier, die sie jagen würden bis ans andere Ende der Galaxis. Sie hielt sich bedeckt und ging auch gleich zum Keeper. „Hey! Einen Zisch-und-Weg hätte ich gern.“ Sie gab sich keine Mühe, höflich zu sein. Höflichkeit wurde hier mit Skepsis begrüßt. Der Keeper nickte. Er schöpfte keinen Verdacht. Er mixte einige Getränke miteinander und überreichte das Glas dann Rey. Er fragte nicht, ob sie denn noch minderjährig war. Das interessierte den Mann auch nicht. Er wollte nur das Geld. Rey beugte sich, als sie seine Aufmerksamkeit hatte, kurzzeitig vor. Sie zeigte ihm die Karte, mit der sie bezahlen wollte. „Ich brauche Informationen“, sagte sie mit ruhiger Stimme.
„Nun“, antwortete der Barkeeper. „Sie wollen etwas von mir?“
„Haben Sie Informationen über Boba Fett? Wo hält er sich derzeit auf? Ich biete zwanzig, wenn sie mir verraten, wo er ist. Vierzig, wenn sie mir eine genaue Beschreibung über sein Aussehen liefern können.“ Rey zuckte nicht mit der Wimper. Sie bot ihm eine beachtliche Summe. „Sollte ich aber feststellen, dass die Informationen falsch sind, sind Sie so gut wie tot“, sagte sie. Und sie meinte es ernst. „Entweder haben sie diese Information oder nicht.“
Der Keeper nickte. Er hielt die Hand auf. Rey ließ die Karte durch einen Schlitz gleiten und trug die Summe ein. „Sie haben Glück, junge Frau. Gestern ist er hier durchgekommen. Er sieht aus wie einer dieser Klone und ich hörte, wie er einen Auftrag mit jemanden vereinbarte. Es klingt, als wollte er auf Kessel jemanden jagen. Die Gewürzschürfer bei Askir. Er sucht einen Mann, sehr berüchtigt. Jacen Syndulla, Sohn von Hera Syndulla. Der beste Pilot in diesen Breiten.“ Schließlich zählte er das Geld. Rey hatte die Informationen, die sie brauchte. Sie schüttete den Cocktail schnell in sich rein, dann wandte sie sich ab. Sie ging. Einige Leute wurden neugierig, sahen aber wieder weg.
Rey hörte jemanden flüstern: „Das glaube ich nicht. Das ist Szirha. Sie ist berüchtigt für ihre Fänge.“ Szirha also? Scheinbar war dieser Name hier recht bekannt… Sah sie ihrer Mutter denn so ähnlich? Und wussten die Leute hier nicht, dass Szirha längst nicht mehr als Kopfgeldjäger tätig war? Seltsam.

Es dauerte, bis sie Kessel erreicht hatte. Kein sehr hübscher Planet. Und die Dämpfe brannten in der Kehle. Schlacke zog sich über den Boden. Sie roch nach faulen Eiern. Säureflüsse bahnten sich den Hang hinunter. Rey kickte mit den Zehen einen Stein in den Fluss. Als sie wieder hinsah, war dieser aber verschwunden. Er hatte sich wohl aufgelöst. Rey rümpfte die Nase. Warum sollte sich jemand, der aus einer so hochangesehen Familie kam, ausgerechnet hier niederlassen? Das ergibt doch keinen Sinn, überlegte Rey. Die Unterkünfte hier waren sehr heruntergekommen. Und es stank nach Exkrementen. Rey machte einen großen Bogen. Sie beneidete die Leute nicht, die in diesen Hütten leben mussten. Sie wünschte, sie könnte ihnen helfen. Aber sie durfte nicht auffallen. Rey suchte unermüdlich weiter. Hier war der Mann natürlich nicht. Halb Mensch, halb Twi‘lek wusste sie nicht genau, wie er überhaupt aussah. Rey betrat eine der Höhlen. Seltsame Kristallformationen ragten hier aus den Wänden. Sie wusste, dass sie lange würde suchen können. Der Planet war groß. Und sie wusste nicht viele Adressen, wo sich jemand wie Boba Fett aufhalten wollte. „Checkpoint 626“, stand auf einer Tafel, die jemand in den Boden gestampft hatte. Der grün gefärbte Himmel färbte sich langsam gelblich. Durch Löcher in der Decke bahnte sich das Licht seinen Weg hierher. Es hatte etwas Erdrückendes. Rey vergewisserte sich noch einmal ihres Weges. Wenn es jetzt schon dunkel wurde, standen ihre Chancen, Boba Fett zu finden, nicht sehr gut. Rey hörte, wie die Leute arbeiteten. Sie siebten da etwas aus. Das musste diese Miene sein. Die Miene des Aufsehers Askir. Ein einstiger imperialer Unterstützer, der den Handel mit Sklaven ebenfalls unterstützte. Rey hielt es für wahrscheinlich, dass die Leute, die hier arbeiteten, auch Sklaven waren. Rey rebellierte der Magen, als sie die vielen Leute sah. Unwillkürlich hielt sie Ausschau nach Szirha Deeja-Mhin. Aber sie war nicht hier. Da war lediglich eine menschliche Frau. Und sie war blond. Außerdem war sie nicht viel älter als es Rey war. Rey suchte die Höhlensysteme ab. An vielen Stellen fing sie sich verwunderte Blicke ein. „He, du da!“, rief ein Mann, der sich da ein Herz gefasst hatte. Ein Pau‘aner, vermutete Rey. „Du siehst aus, als würdest du jemanden suchen.“ Er trug verschwitzte Lumpen. Auch seine Stimme war gedämpft, als fürchtete er, dass der Aufseher genau hier vorbeischauen würde.
Rey nickte. „Es tut mir Leid“, sagte sie an den Pau‘aner gewandt. „Ich wünschte, ich könnte helfen, aber… Es wäre nicht klug, jetzt einen Aufstand anzuzetteln. Ich werde mich an die Republik wenden und Anzeige erstatten. Mehr kann ich nicht tun.“
„Das meinte ich nicht“, entgegnete der Pau‘aner. „Du siehst nicht aus wie jemand von diesen Wärtern. Kann ich dir helfen, mein Kind?“
„Warum nennen Sie mich so?“, fragte Rey verwundert.
„Deine Nase ist rot. Das bedeutet, du bist noch ein Kind. Zumindest gilt das bei unserer Spezies.“ Der Mann zeigte einen Satz spitzer Zähne.
„Nach den Maßstäben meiner Spezies bin ich gerade erwachsen geworden.“ Rey fragte sich schon, wo diese Unterhaltung hinführen sollte.
„Gut, gut“, meinte der Pau‘aner. „Ein Mensch bist du. Das kann ich sehen, ja. Vertreter deiner Spezies sind eine Seltenheit hier. Doggy ist die einzige mit menschlichen Wurzeln. Und selbst sie ist lediglich ein halber.“
„Ein halber Mensch?“, Rey sperrte ihre Lauscher auf. „Doch nicht halb Twi‘lek, halb Mensch.“
„Ich weiß es nicht. Das wollte sie nicht sagen.“ Der Pau‘aner senkte weiter seine Stimme. Der Aufseher war ganz in der Nähe, schloss Rey, als sie sein Gesicht sah.
„Ich ähm… i-ich habe eine Frage“, begann Rey.
„Stell sie mir, aber beeil dich.“ Der Pau‘aner sah gehetzt aus.
„Haben Sie mal etwas von einer Frau gehört, die ‚Szirha Deeja-Mhin‘ hieß? Hat sie hier vielleicht sogar gearbeitet?“
Der Mann überlegte. „Den Vornamen habe ich schon einige Male gehört. Bei verschiedenen Leuten, die angeblich so hießen. Spezifiziere deine Frage… schnell.“
„Waren sie menschlich? Sah eine dieser Frauen vielleicht aus wie ich?“, fragte Rey. Auch sie geriet in Eile, da sie fürchtete, die Informationen nicht zu bekommen.
„Hm… Doch, eine war menschlich. Aber sie sieht kein bisschen aus wie du. Sprich mit Doggy, wenn du mehr wissen willst. Ich bin zwar der älteste hier, aber meine Zeit in der Mine beschränkt sich auf ein Jahr. Doggy ist schon seit vier Jahren hier. Sie kann dir vielleicht helfen.“ Der Pau‘aner nahm den Korb mit den Gewürzen hoch. Seine Hände sahen schlimm aus. Viele, sehr schmerzhafte Ätzungen zogen sich über seine geriffelte Haut, wie sie für einen Pau‘aner typisch war. Aber er sah nicht gesund aus.„Haben sie etwas von jemanden gehört, der Jacen Syndulla heißt? Hier, auf Kessel…“ Rey wandte sich nicht ab. Sie duckte sich nach hinten. Auch ihre Stimme war leise, kaum hörbar für jemanden, der weiter entfernt war als drei Meter.
„Jacen Syndulla, tatsächlich“, stellte der Pau‘aner fest. „Er ist vor einigen Stunden hier durchgekommen. Sah aus, als sei er auf der Flucht.“
Rey schnappte nach Luft. „Wo ist er hingegangen? Kennen Sie die genaue Richtung?“
Der Mann deutete auf das Schild mit der Aufschrift „Checkpoint 629“.
Rey lächelte. „Wie könnte ich ihnen das danken?“
Der Mann dachte nach. „Dich zu bitten, mich und die anderen freizulassen, wäre wohl zu viel verlangt… Aber hast du vielleicht etwas zu Essen für drei unserer Leute? Sie können kaum mehr arbeiten, da sie krank sind. Deshalb bekommen sie auch kein Essen mehr. Wir tauschen nämlich das, was wir schürfen, gegen Essen und Trinken. Hast du vielleicht sogar noch eine warme Decke?“
Rey nahm ihre Tasche runter. „Ich wünschte, ich könnte mehr tun. Aber man würde euch töten.“ Sie überreichte ihm eine Tüte mit Essen und Getränken, die sie aus der Tasche gezogen hatte. „Das sind Trockenfrüchte, vielleicht noch etwas alter Schinken und alteNüsse. Mehr habe ich nicht. Ach… Und nehmen Sie das hier!“ Sie überreichte ihm noch einen Blaster. „Den habe ich repariert. Lange hält er nicht mehr, aber vielleicht rettet er deinen Leuten mal den Hals, wenn es eng wird.“
Der Pau‘aner verbeugte sich. „Du bist so gütig.“
„Eine Decke habe ich nicht bei mir. Das tut mir Leid“, meinte sie. Sie überreichte ihm noch eine Hand voll Medikamente, die sie immer mit sich trug, wenn mal etwas passierte. „Ich werde den Widerstand informieren. Vielleicht können die etwas tun. Aber das kann ich ihnen nicht versprechen.“
„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte der Mann lächelnd. „Der Segen der Götter sei mit dir, mein Kind. Möge er dich schützen.“ Wieder rang er sich zu einer Verbeugung durch. „Geh! Vielleicht findest du den, den du suchst. Aber du solltest nicht zu lange hier ausharren.“
Rey nickte. Sie erwiderte die Verbeugung. Sie hatte mal gehört, dass sich Pau‘aner verbeugten, wenn sie sich bedanken wollten. Mehr wusste sie aber nicht. Sie wandte sich ab, halb lächelnd, halb trauernd, da sie nicht mehr tun konnte.
Rey folgte den Tunneln, bis sie in eine große Halle gelangte, wo die Gewürze raffiniert wurden. Zumindest bei den Arbeitern in dieser Halle schien es, als würden sie bezahlt. Sie trugen Schutzanzüge. Rey ließ ihren Blick durch die Halle schweifen. Weiter hinten schien es einen Streit zu geben…
„Wo ist er?“, knurrte da ein Mann in Rüstung. Ein Mandalorianer. „Er sollte nicht entkommen!“
Rey schrie. „Hey, hey, hey!“ Sie drängelte sich zwischen den Massen durch. Der Mandalorianer trug eine grüne Rüstung, etwas abgenutzt, aber trotzdem sehr stark. Sie erinnerte an die eines Klons. Es war Boba Fett. Kein Zweifel. Aber wer war der andere Mann, der keinen Helm trug, aber eine ähnliche Rüstung? Er sah noch recht jung aus. Vielleicht Anfang zwanzig, schätzte Rey.
Boba Fett fuhr herum, da er nicht wusste, wo der Schrei herkam. Als er Rey sah, ließ er den Mann, denn er gerade würgte, fallen. Dieser fiel auf die Knie. Er rieb sich die Kehle.
„Szirha?“ Boba Fett kam näher. „Nein, du… Du bist viel jünger.“ Er nahm seinen Helm ab.
Rey schluckte. Sie brachte kein Wort hervor. Boba Fett sah nicht sehr alt aus. Wie jemand, der gerade fünfzig Jahre alt war. Für jemanden, der schon während der Klonkriege so bekannt war, sah er zumindest viel zu jung aus. „Ich fasse es nicht… Du bist es. Du bist ihre Tochter…“
Der andere Mann schüttelte den Kopf. „Wer? Dad, das ist nicht dein Ernst?!“
„Dad?“, fragte Rey unsicher. „Moment, du bist doch nicht…“
Boba Fett wandte den Arbeitern den Rücken zu. „Du lebst. Nach so vielen Jahren… Ich dachte, du seist tot.“
„B-bist du mein Vater?“, fragte Rey.
„Nein“, sagte Boba Fett. „Aber ich bin der Vater deines Bruders.“
„M-moment mal… Ich habe keinen Bruder!“
„Doch. Einen Halbbruder. Szirha und ich hatten eine Beziehung miteinander. Zumindest eine Zeit lang…“
Der andere Mann drehte sich Rey zu. „Du hast doch gesagt, meine Schwester sei tot!“
„Nein, sie war verloren. Nicht tot. Die Erste Ordnung hatte sie. Außerdem dachte ich, sie sei tot. Aber sie hat wohl die Seiten gewechselt.“ Boba Fett nickte. „Das ist dein Bruder, Rey. Jango Fett. Er ist Kopfgeldjäger, genau wie ich. Und wie Szirha, ehe sie sich mit diesen Rebellen zusammentat.“
Rey wusste nicht mehr weiter. Sie starrte zu Boden, den Mund geöffnet, als wollte sie etwas sagen. Aber ihre Stimme unterbrach sich.
„Du brauchst mich nicht fragen, Rey. Ich weiß auch nicht, wer dein Vater ist. Ich bin es zumindest nicht.“
Jango Fett kam auf Rey zu. „Werdet nicht sentimental“, brummte er. „Um ehrlich zu sein, bin ich ziemlich sauer. Dad, du hast gelogen!“
„Ich habe nicht gelogen. Als ich sagte, deine Schwester sei verloren, meinte ich nicht, dass sie tot sei. Außerdem habe ich doch gesagt. Dass ich es nicht wusste. Zumindest nicht genau.“
Rey sank auf den Boden. Wie sollte sie das verkraften? Sie hatte einen Bruder! Einen echten Bruder! Und die ganze Zeit hatte sie das nicht einmal gewusst!
„Warum haben Sie mir das nicht gesagt?“, verlangte Rey zu wissen. Sie konnte nicht verhindern, dass sie wütend wurde.
„Oh, ein Drama“, sagte einer der Arbeiter. „Wer hätte das gedacht?“
Jango schlug ihm ins Gesicht. „Klappe, oder es setzt was!“ Er war blass. Seine eigentlich schwarzen Haare standen in alle Richtungen ab, wie auch bei seinem Vater.
Der Arbeiter spuckte einen losen Zahn aus.
„Nun“, meinte Boba Fett. „Deine Freunde dachten wohl, ich würde dich jagen. Aber wenn das meine Absicht wäre, dann wärst du jetzt nicht mehr hier und würdest auch nicht mit mir reden.“ Rey hatte den Eindruck, er redete nicht oft über seine Gefühle. Er schien sich zu schämen. „Ich will dir helfen.“
„Warum?“, fragte Rey.
„Weil du die Schwester meines Sohnes bist. Ich mag vielleicht nicht dein eigentlicher Vater sein, aber es fühlt sich an, als wärst du… meine Tochter.“ Er kniff die Augen zusammen. Da sein Kiefer gespannt war, glaubte Rey, er kämpfte sehr mit sich. „Ich hoffe, du gibst mir eine Chance. Ich bin kein Mann der Worte, aber ich kann… ich kann etwas tun. Vielleicht, wenn du mich lässt.“
Rey wich zurück. „I-ich… weiß nicht.“ Sie konnte es einfach nicht begreifen. Wie konnte sie denn glauben, dass sie glücklich würde, wenn sie ihren Vater gefunden hatte? Jetzt hatte sie vielleicht keinen Vater, aber einen Bruder. Warum war sie dann so schrecklich enttäuscht? Warum überwältigte sie die Trauer, nun, da sie mehr wusste? Sie konnte weder Boba Fett, noch Jango, seinem Sohn, in die Augen sehen.
Boba Fett kam näher auf Rey zu. Er legte eine Hand auf ihre Schulter und führte sie, zusammen mit Jango, aus der Halle. „Viele Jahre jagten deine Mutter und ich gemeinsam, Rey. Wir haben viele Schlachten geschlagen. Ein Mal ist deiner Mutter sogar Luke Skywalker höchstselbst ins Netz gegangen… Tja, das war dann auch der Wendepunkt. Deine Mutter hasste die Erste Ordnung, ich konnte wiederum die Jedi nicht ausstehen… Unsere langjährige Beziehung erfuhr so ihr Ende. Wir haben sie zwar nicht offiziell beendet, aber wir konnten sie auch nicht länger unterhalten. Deine Mutter fand diesen Jedi…“, er sprach voll Abscheu. „Und er schaffte es, sie zu überzeugen, ihm zu helfen. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal erleben würde… Deine Mutter war viel zu stur, sich ins Gewissen reden zu lassen. Manchmal denke ich, er hat da von seinen komischen Tricks Gebrauch gemacht, aber auch das kann nicht sein.“
„Warum?“, fragte Rey krächzend. Ihre Kehle war ausgetrocknet.
„Deine Mutter war machtsensitiv, Rey. Ich dachte, das wüsstest du. Selbst beim Widerstand ist das kein Geheimnis. Und auch dieser Jedi wusste es.“ Er schnaubte. „Ich hoffe, du bist nicht so wie sie… Ich hatte schon oft die Befürchtung, Jango könnte machtsensitiv sein.“
„Nein, Dad“, murrte Jango. „Selbst wenn, werde ich mich nicht überreden lassen, ein Jedi zu werden. Sie haben Großvater getötet.“ Er sah zu Rey. „Der einzige Grund, warum Dad Skywalker nicht töten will, ist, weil er ihm das Leben gerettet hat. Nachdem dieser Todesstern explodiert ist… Aber das heißt nicht, dass die anderen Jedi fein raus sind aus der Sache…“
Rey schüttelte den Kopf. „Endlich mal jemand, der mir sagt, dass ich kein Jedi werden sollte. Alle wollen, dass ich mich unterweisen lasse, aber… Warum? Ich will mein Leben zurück! Das einzige, das für mich zählt, sind meine Freunde. Und dass die Erste Ordnung für ihre Taten bezahlt.“
Boba Fett nickte. „Das verstehe ich. Letztendlich entscheidest du, ob du willst oder nicht. Ich werde dich schon nicht umbringen, keine Sorge. Selbst wenn du ein Jedi wärst. Auch wenn ich nicht sehr begeistert wäre… Deine Wahl.“
Jango Fett sah wieder zu Rey. „Dann bist du also wie unsere Mum? Ich dachte, sie war nicht sehr stark.“
Rey nickte. „Ich weiß es nicht. Es ist zu lange her. Wie alt bist du?“
„Dreiundzwanzig Jahre“, antwortete Jango Fett. „Und du?“
„Achtzehn Jahre.“
Boba Fett nickte. „Nun, Rey. Du bist vielleicht kein gebürtiger Mandalorianer, aber ich erwarte, dass du unseren Kodex befolgst, verstanden? Unter den bestehenden Umständen… die Referenzen sind nicht von der Hand zu weisen. Wenn du mir Schande machst, bezahlst du.“
Rey starrte Boba Fett an. „Ich bin kein Mandalorianer.“
„Du bist Teil meines Clans. Szirha und ich waren zusammen, und wir haben einen Sohn zusammen. Sie hat aber noch eine Tochter, dich. Es ist sehr kompliziert. Aber durch diese Referenzen, die da unweigerlich bestehen, zählst du zum Clan. Bleib ehrenhaft, Rey.“
Rey räusperte sich. „Seltsam. Bei euch gibt es Regeln?“
„Drei gibt es“, meinte Boba Fett. „Wer die Flucht ergreift, wenn sein Clan in Gefahr schwebt, ist ein Feigling. Kämpfe, dann stirbst du ehrenhaft. Wenn du den Kampf aber bestehst, wird dich das zu Ruhm geleiten. Die nächste Regel lautet: Respektiere den Anführer des Clans. Er hat das Sagen. Du kannst die Führung erlangen, indem du den Anführer ehrenhaft besiegst. Und da sind wir auch schon bei der letzten Regel. Der Anführer der Mandalorianer ist genau der, der sich gegen alle anderen Clan-Anführer durchgesetzt hat. Wenn du denjenigen zum Duell forderst und den Kampf für dich entscheidest, wirst du der Anführer. Lehnst du aber eine Herausforderung ab, gilt diese als verloren. Es kann so weit gehen, dass du verbannt wirst.“
Rey schwirrte der Kopf. „Ich verstehe nicht, warum mich das betreffen soll. Ich bin kein Mandalorianer.“
„Doch. Nicht des Blutes wegen, wie gesagt. Aber du bist Teil des Clans.“
Jango schien das Gleiche zu denken. „Sie hat recht. Dad, wir folgen der Ehre des Blutes. Durch ihre Adern fließt dein Blut nicht.“
Boba Fett nickte. „Das stimmt, mein Sohn. Aber Szirha war einer der ehrenhaftesten Krieger, die ich je kennen gelernt habe. Sie war bereit, für ihre Verbündeten zu sterben und sie so zu retten. Vielleicht war das auch so.“
„Du sagtest, sie lebt“, sagte Rey.
„Vor einigen Monaten landete ich auf Florrum, wo ich sie sah. Aber sie sah ziemlich schwach aus. Schwer verletzt hat man sie in Fesseln abgeführt. Ich habe versucht, sie zu verfolgen, aber sie verließen den Sektor. Sie hatten ein Tarnkappen-Schiff. Meine Scanner konnten sie nicht aufspüren.“ Boba Fett schien selbst nicht sehr glücklich. „Es kann sein, dass es doch schon vorbei ist. Ich weiß es nicht. Vielleicht lebt sie noch, aber… Wenn, dann müssen wir handeln.“ Er legte seine Hand auf ihre Schulter. „Ich habe viele Menschen getötet. Und ich bin nicht stolz. Aber vielleicht schaffe ich es bald, zur Abwechslung mal ein Leben zu retten.“
„Wirst du sie suchen? Ich kann dich nicht bezahlen“, meinte Rey.
Boba Fett lachte. „Das hier ist eine persönliche Angelegenheit. Wir haben keinen Kontrakt. Meine Ehre verpflichtet mich, deiner Mutter zu helfen. Trotzdem solltest du zu deinen Freunden gehen. Zum Widerstand. Ich werde in der Zeit nach Informationen suchen. Ich brauche alle, die ich kriegen kann. Wenn ich etwas habe, werde ich dir Bescheid geben.“ Er überreichte Rey eine Karte. „Und du, mein Sohn“, fuhr er fort. „Ich möchte, dass du mit Rey gehst. Ich muss das alleine tun. Wenn ich sie habe, werde ich euch zu mir rufen. Also, keine Sorge.“
Jango klappte den Mund auf, dann wieder zu. „Ich will nicht zum Widerstand...“
„Ich verlasse mich auf dich, Jango. Hilf, Rey, mit der Situation fertig zu werden. Bestimmt werden diese Leute nach Antworten verlangen. Du gehst als Zeuge. Sag diesen Leuten, dass du Rey ‘s Bruder bist. Sie werden es verstehen.“ Er seufzte. „Ich hoffe, der Widerstand ist nicht auf den Kopf gefallen.“ Schließlich nickte er Rey zu. „Das Leben ist hart. Aber du kannst es meistern. Nun, es tut mir Leid. Ich muss den Typen noch zu Ende jagen. Wenn ich das geschafft habe, mache ich mich gleich auf die Suche.“ Er musste seinen Auftrag noch erfüllen.
Rey schüttelte den Kopf. „Bisher konnte ich mich auch allein sehr gut durchschlagen. Ich denke, das hat sich nicht geändert.“ Sie klang beinahe trotzig. „Ich habe gegen diesen Kylo Ren gekämpft und gegen seine Armee. Man hat mich gefoltert und trotzdem stehe ich hier. Deshalb werde ich das auch alleine schaffen!“
Boba Fett sah erstaunt aus. „In der Tat. Du hast Mut, so mit mir zu reden. Du gefällst mir.“ Er schien nicht sauer. Er grinste sogar, wie Rey zu ihrer Verwunderung feststellte.
„Dann erfülle ich deine Erwartungen, ja?“ Rey knurrte. „Die einzige Person, die ich stolz machen will, bin ich selbst. Und ich denke, das reicht!“
Boba Fett zuckte mit den Schultern. „Kümmert euch. Ich bin dann weg.“
Jango Fett warf seiner Schwester einen misstrauischen Blick zu. Dann raffte er sich auf. „Hast du ein Schiff?“
Rey nickte. „Ist doch logisch. Ohne ein Schiff wäre ich hier nicht gelandet.“
„Hmmm.“
Sie schwiegen beharrlich, als sie die Mine durch die Höhlen verließen. Niemand wollte etwas sagen. Es war nahezu peinlich still zwischen ihnen. Rey hatte auch nicht die Not, etwas zu sagen. Man musste kein Gespräch erzwingen, wenn man nicht reden wollte. Da kam es Rey ganz gelegen, dass Jango offenbar der gleichen Meinung war. Sie betrachtete sein Gesicht. Er sah tatsächlich ein bisschen so aus wie sie. Seine Haare waren rabenschwarz, wie die seines Vaters. Seine Augen waren braun. Nicht das dunkle Braun, wie sein Vater es hatte. Es war mehr wie bei Szirha. Ihre Augen gingen mehr ins rötliche hinein, während die seines Vaters beinahe schwarz waren. Auch die Nase hatte er von seiner Mutter, könnte Rey meinen. Und das war auch gut so. Boba Fett hatte einen ziemlichen Zinken. Außerdem gewann man schnell Eindruck, man habe sie ihm schon einige Male gebrochen. Jango Fett aber war recht hübsch, gestand Rey. Aber da sie verwandt waren, kam nicht mehr in Frage als dieses eine Geständnis. Sie setzte sich ins Cockpit, Jango Fett hingegen zögerte. „Das ist ein Schiff der First Order.“
„Ich habe es gestohlen“, meinte Rey. „Ist doch egal. Es kann fliegen. Und das reicht mir.“
Widerstrebend platzierte er sich neben Rey. Er rieb sich die Stirn. Es sah aus, als habe er Kopfschmerzen. Und Rey konnte es ihm nicht verübeln. Es war zu viel passiert. Und sie musste sich eingestehen, dass sie ziemlich auch Kopfschmerzen hatte. Als sie heute Abend hier landete, hätte sie nie gedacht, dass sie… (Rey konnte diesen Gedanken nicht zu Ende denken…) Sie startete das Schiff, den Kopf schwirrend. Zu viele Informationen waren es. Und das, wo es doch allein ein ganz normaler Satz war: Da sitzt er, dein Bruder. Und Jahre lang hatte sie das nicht einmal geahnt. Es war unfassbar.
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