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Feuer und Eis - 1. Teil: Zwielicht

GeschichteSchmerz/Trost, Sci-Fi / P16
Finn Kylo Ren Leia Organa Poe Dameron Rey Snoke
12.06.2018
11.11.2020
45
211.658
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20.03.2019 3.133
 
DIE KATAKOMBEN (I)

Am Niima-Außenposten war es gerade Nacht, als die Widerständler Jakku erreichten. Viele von ihnen waren müde, deshalb gewährte ihnen Han Solo auch einen Moment Ruhe. Auch Rey nutzte den Moment für ein Nickerchen. Nach einer Stunde legte Rey wieder ihre Ausrüstung an. Ehe sie die anderen beiden einsammelte und sich auf den Weg machte, musste sie noch mit Solo sprechen. Er schweißte gerade Teile eines Blasters zusammen. Rey nickte ihm zu. „Ich wollte mich langsam aufmachen“, begann sie. „Ist es in Ordnung, wenn ich den Commander bei mir behalte? Ich brauche seine Hilfe.“ Sie hoffte, Solo nicht erklären zu müssen, warum. Rey glaubte nicht, dass man ihnen vertrauen würde. Sie und Finn blickten zurück auf eine schwierige Vergangenheit, in der sie als Marionetten der Ersten Ordnung ausharren mussten. Poe Dameron jedoch war der Sohn ehemaliger Rebellen, die zwar beide nicht mehr lebten, die aber große Berühmtheit erlangt hatten. Seine Überzeugung war groß, schließlich war er schon immer ein Rebell gewesen. Rey wünschte, sie wäre nicht immer auf die Hilfe anderer angewiesen, aber wie sollte sie Tekka denn überreden, ihnen die Karte zu überreichen? Han Solo zog sich die Handschuhe aus. Offenbar störte er sich nicht daran, dass die anderen ruhen wollten. Denn er machte keinerlei Anstalten, den Schweißer wegzulegen. Er brummte etwas Unverständliches. „Mir doch egal“, meinte er. „Nimm den Kerl doch mit. Ich werde dir da ganz bestimmt keine Umstände machen.“ Rey verstand nicht, warum er so gereizt war, ließ es aber auf sich beruhen. Scheinbar mochte er Dameron nicht sehr gern. Sie suchte die anderen beiden zusammen. Dameron war schon auf den Beinen, Finn jedoch sah ziemlich müde aus. Dann zog sich Rey zurück. Sie befestigte einen Holster an ihrer Hose. Den Sprengstoff überreichte sie Finn, der eine Tasche mit Proviant bei sich trug. Rey steckte das Lichtschwert, das einst Anakin Skywalker gehört hatte, an ihren Gürtel. „Wir haben keine Zeit“, drängte Rey die anderen beiden. „Kommt schon!“ Dameron tauschte einen kurzen Blick mit Finn, der aber nur müde mit den Schultern zuckte. Zusammen machten sie sich auf den Weg, Lor San Tekka im heiligen Dorf der Acht einen Besuch abzustatten.

„Rey?“, grunzte Dameron nach einer Stunde. „Ich glaube ich habe mir ‘ne Blase gelaufen. Hättest du mal etwas Wasser?“ Rey lief vorne weg, das Ziel entschlossen im Blick. Sie drehte sich kurz zu Dameron. „Schön, dann klebe sie dir doch ab.“ Rey war etwas gereizt. Für sie war die Wüste nicht allein wegen ihrer Tücken ein ungeeigneter Ort. Die Erinnerungen an ihre Mutter hielten sie immer in Atem. Bei den nördlichen Hügeln wurde sie früher beinahe vom Sand verschluckt. Damals wusste sie noch nicht, dass man sich von dort besser fernhalten sollte. „Wie denn?“, funktelte Dameron sie an. Wieder wurde Rey aus ihren Erinnerungen gerissen.
„Mein Gott! Du wirst deinen Blaster doch auch gegen den Sand abgedichtet haben? Wenn Sand in den Hülse kommt, kannst du den nämlich auf den Schrott hauen.“ Rey rümpfte die Nase. „So macht man das, wenn man Kilometer weit durch Sand watet.“
„Wie meinst du das?“
Rey klatschte sich die Hand vor den Kopf. „Her damit!“ Nur widerwillig rückte Dameron seinen Blaster heraus. Die Augenbrauen zum Trotz verzogen, wechselte er die Seiten.
Rey trennte die Hülse vom Aufsatz. „Sehr Schön!“, meinte sie dann, nachdem sie ein Mal kräftig gepustet hatte. „Der ist durchgebrannt.“ Am Zug roch es nach Glas. Rey wusste, warum. Aus Sand ließ sich Glas brennen. Und der Sand auf Jakku war sehr rein. Glänzende, jedoch sehr unförmige Kristalle bezeichneten das Innenleben des Blasters. „Ich schätze nicht, dass ich den noch retten kann.“ Rey warf den Blaster hinter sich. Unwillig nahm sie ihren eigenen und warf diesen Dameron zu. „Hier – den kannst du dir leihen. Aber den will ich zurück haben.“ Ihren Blaster hatte sie gegen den Sand versiegelt. Und tatsächlich, sie hatte Klebeband benutzt.
Jetzt war es an Dameron, genervt zu sein. „Natürlich“, knurrte er. „Vielleicht hättest du mich mal warnen sollen.“ Er verstaute den Blaster in seiner Jacke. Da es noch dunkel war, war es kühl da draußen. Auch in der Wüste.
„Aber sei vorsichtig!“, ermahnte Rey ihren Freund. „Da ich den Blaster gedichtet habe, überhitzt er sehr schnell.“
Dameron hörte aber schon gar nicht mehr zu. Er hatte sich gerade die Schuhe ausgezogen, da er sich nicht noch mehr Blasen laufen wollte.

Einige Minuten waren vergangen. Tekka zoomte näher heran. Das Fernglas fest im Griff spähte er die freien Flächen einige Kilometer weiter aus. Natürlich. Drei Gestalten am Horizont, eine von ihnen war eine Frau. Da es Nacht war, hatte Tekka den Fernsichtmodus eingestellt. Deshalb sah er grüne Flächen und auf diesen Flächen erblickte er drei hellgrün leuchtende Gestalten. Sie waren gekleidet wie Zivilisten, waren aber trotzdem schwer bewaffnet. So, als rechneten sie jeden Moment damit, angegriffen zu werden. Vermutlich war das auch so. Tekka seufzte. Eigentlich hatte er sich aus dem Bürgertum zurückgezogen, weil er so etwas nicht wieder durchmachen wollte. Sicher, Rey hatte einen guten Grund für ihre Rückkehr. Das bezweifelte er nicht. Aber… Tekka hatte die Karte nicht. Nicht mehr, zumindest. Vor Jahren hatte er mal jemanden gebeten, sie zu verstecken. Das waren gefährliche Zeiten. Und sie erforderten Vorsicht. Tekka erinnerte sich.

„Sie wollten mich sprechen?“, hakte Szirha nach. „Das dachte ich mir schon. Es ist… wegen der Ereignisse gestern, hm?“ In den Armen wog sie ihre Tochter, die zu dieser Zeit noch sehr klein war.
„Wie geht es der Kleinen?“, fragte Tekka. „Hat sie sich wieder gut erholt?“
Szirha lächelte. „Natürlich hat sie das.“ Sie kitzelte der dreijährigen Rey den Bauch. Das Mädchen gluckste. „Ich spüre es. Sie hat eine sehr starke Mentalität. Aber auf Dauer wird das auch ein bisschen anstrengend.“ Sie zwickte Rey frech in die Nase.
Auch der ältere Mann, der sie zu schützen geschworen hatte, freute sich. „Wird sie deine Fähigkeiten haben?“
„Das weiß ich nicht“, meinte Szirha da. „Aber das ist auch nicht wichtig. Wie ein Bündel Freude ist sie… So unschuldig.“ Sie setzte das Mädchen auf den Boden. „Ich glaube nicht, dass sie diese Gabe hat“, fügte sie noch hinzu. „Aber das ist doch auch nicht von Interesse.“ Sie lächelte die Kleine an. „Ich kann die Macht vielleicht nutzen, aber ich brauche sehr lange, bis ich eine Technik überhaupt gut genug beherrsche, mich anderen Nutzern zu zeigen.“
„Dann kann ich dich wohl nicht überreden?“, hakte Tekka nach. „Die Galaxis braucht unsere Hilfe, Szirha. Sie braucht deine Hilfe und womöglich die deiner Tochter, wenn sie dann alt genug ist. Warum sträubst du dich so?“
Szirha sah wie betreten zu Boden. „Es tut mir Leid. Sie können mir vertrauen, Tekka. Ich habe so viel gesehen. Die Dunkelheit ist nicht verzogen. Bald wird etwas geschehen. Ich habe Luke Skywalker schon vor langer Zeit gewarnt, aber er wollte nicht hören. Denn ich war nicht immer… gut. Die Erste Ordnung ist verdorben bis ins Mark. Vor Jahren haben sie etwas getan, so ungeheuerlich, dass...“ Szirha zuckte zusammen. „Ich kann ihnen nicht sagen, was. Wenn ich das tue, trauen sie mir nicht mehr über den Weg.“
„Gerade deshalb solltest du sprechen“, unterstrich der Veteran.
„Das kann ich nicht“, entgegnete Szirha. „Vielleicht werden Sie es noch erfahren. Aber ich verspreche ihnen, wenn es so weit ist, werden Sie mich umbringen wollen.“
Tekka zögerte. Was konnte denn so ungeheuerlich sein, dass selbst Szirha vor Angst erschauderte? „Schmerzen sind grausame Lehrmeister. Aber die Wahrheit ist noch sehr viel ungeschönter. Sie lässt nicht mit sich reden, vergisst nicht. Und du kannst sie nicht ändern“, sprach Szirha. „Das hat mein Vater immer gesagt. Meine Mutter kannte ich nie, vielleicht will ich das aber auch gar nicht.“ Sie warf Rey einen besorgten Blick zu. „Ich hoffe, zumindest Rey genießt eine ungefährdete Jugend. Denn das ist mein einziger Wunsch. Wenn Rey etwas passieren würde, dann hätte das Leben für mich keinen Sinn mehr.“
Tekka nickte. „Ich schätze Sie sehr, Frau Deeja-Mhin. Sie sind eine starke Frau. Doch ich muss gestehen, sie machen mir ein wenig Angst.“
Szirha lächelte schwach. „Gut so.“
Plötzlich zog Tekka einen ledernen Beutel hervor. „Weißt du denn, was das ist?“
„Nein“, antwortete Szirha überrascht. „Ist das Rektonit?“
Tekka schüttelte irritiert den Kopf. „Was soll das sein?“
„Oh, dann vergessen sie ‘s.“ Szirha zwinkerte Rey kurz zu. Diese kicherte. Sie spielte mit den kleinen Holzfiguren, die sie vor wenigen Wochen von Szirha bekommen hatte. Tekka öffnete den Beutel und nahm einen kleinen Chip dort raus. „Luke Skywalker meinte, ich soll das hier aufbewahren. Warum, wollte er mir nicht sagen. Aber er meinte, wenn etwas passiert, ist dieser Chip unsere letzte Rettung.“
Szirha überlegte. „Das ist ziemlich seltsam“, meinte sie dann. „Hat er ihnen gesagt, wo Sie den Chip verstecken sollen?“ Urplötzlich fuhr sie zur Seite. Sie rückte das Bett ein wenig zur Seite, wo eine kleine Falltür zum Vorschein kam. „Sie sind ein Mann vieler Geheimnisse“, kommentierte sie das. Tekka packte sie an der Schulter. „Szirha, das sind nur unsere Vorräte.“
Szirha schüttelte aber den Kopf. „Sie lügen.“ Ihre Augen blitzten. „Ist ihnen nicht kalt?“
„Wir haben siebenundvierzig Grad“, bemerkte Tekka.
„Genau das meinte ich. Ich war schon in vielen Ruinen. Deshalb… Da unten ist etwas.“ Szirha nahm Tekka den Chip ab. „Diese alten Stätten sind mit tausenden Fallen ausgestattet. Jemand wie Sie würde dort unten sterben. Denn diese Fallen sind sehr tückisch. Sie brauchen ziemlich viel Gespür, wenn sie diese umgehen wollen. Da sie die Macht nicht nutzen können, werden Sie das nicht wissen. Dort unten herrscht die dunkle Seite. Aus dieser Falltür dringt etwas, das mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Tödliche Kälte.“
„Du willst den Chip da unten verstecken?“ Tekka glaubte, er hörte nicht recht.
„Ganz genau.“ Szirha dachte nach. „Für mich sieht das aus wie ein gewöhnlicher Datenträger.“ Aber sie nickte. „Das ist jetzt auch nicht wichtig. Wenn Sie einverstanden sind, werde ich dort den Chip unten verwahren. Wenn Luke Skywalker das schon so wünscht, wird er seine Gründe haben.“
Tekka seufzte. Schließlich stimmte er zu. „Bei fünfzig Grad zu frieren, das kommt mir doch sehr seltsam vor.“
„Ist es auch“, bestätigte Szirha. „Das Wetter da draußen bringt einen noch um.“ Sie klappte das Fenster zur Falltür hoch. „Passen Sir mir gut auf mein Mädchen auf!“
„Das versteht sich doch von selbst“, brummte Tekka. Er sah etwas trotzig aus.
Tekka legte das Fernglas nieder. Durch die Tränen in seinen Augen verschwamm ihm sein Blickfeld. Schon damals hatte er das Gefühl, da er Rey nicht vor der Ersten Ordnung nicht beschützen konnte, hatte er Szirha verraten. Zwar hatte es Rey noch geschafft, ihren Klauen zu entkommen, doch da hatte sie doch ziemlich viel Glück gehabt. Denn beinahe hätte sie diesen Tag nicht überlebt. Bestimmt wäre Szirha wütend geworden, wenn sie erfahren hätte, dass Tekka Rey im Stich gelassen hatte. Er hatte sie nicht beschützt, wo sie seine Hilfe doch so dringend gebraucht hatte…

Rey trat vor Tekka, wie immer wild entschlossen. Sie begrüßte die Leute, die hinter Tekka auch weiter ungerührt ihrer Arbeit nachgingen. Tekka verbeugte sich vor Rey, dann auch vor den anderen beiden. „Ich weiß, warum du hier bist“, fuhr er ohne Umschweife fort. „Aber ich kann dir nicht helfen.“
„Wie?“, fragte Rey irritiert. „Ich weiß, sie trauen mir nicht. Aber es ist wirklich unglaublich wichtig. Der General verlässt sich auf mich. Wenn ich diese Karte nicht beschaffen kann, dann wird sie sehr enttäuscht sein.“ Sie sah verunsichert aus, so als wüsste sie nicht, wie sie Tekka überreden sollte. „Bei meiner Ehre, ich verspreche es ihnen! Ich werde Sie nicht verraten.“
„Ich glaube dir“, erwiderte Tekka, nachdem Rey geendet hatte. Er sah Rey in die Augen. „Ich zweifle nicht daran, dass du deine Pflicht tun wirst.“
„W-warum…?“ Rey verstand nicht.
„Ich kann dir die Karte nicht geben, weil ich sie nicht bei mir habe.“ Tekka nickte Rey zu. „Ich vertraue dir, Rey. Wenn ich die Karte bei mir hätte, würde ich sie dir ohne zu zögern geben.“
Dameron tauschte mit Finn einen vielsagenden Blick.
„Wo ist diese Karte?“, beharrte Rey weiter. „Sie müssen doch etwas wissen!“
„Natürlich weiß ich das. Aber ich kann sie dir nicht beschaffen.“ Tekka räusperte sich. „Die Karte liegt verborgen, tief in den Katakomben. Allein deshalb, weil ich die Macht nicht nutzen kann, würde ich da unten nicht überleben. Auch deinen beiden Freunden sei Vorsicht geboten. Ich weiß nicht, ob sie über die Fähigkeit verfügen, den Umgang mit der Macht zu erlernen. Auch bei dir fürchte ich, dass es nicht reicht. Selbst Szirha, die das Wesen der Macht verstand, wäre in diesen Hallen gestorben, wenn sie nicht so gerissen wäre. Im Gegensatz zu dir hatte sie Erfahrung mit alten Ruinen und verschollenen Tempeln. Sie verstand, wie die verborgenen Fallen ausgelöst wurden. Und sie kannte das Wesen der Macht. Das war der einzige Grund, warum sie es lebend wieder nach draußen geschafft hat.“
Rey klappte der Mund auf. „Meine Mutter war dort?“
„Ja.“ Tekka sah zu den anderen beiden, die wie angewurzelt da standen. „Ich möchte nicht, dass du dort nach unten gehst, Rey. Szirha hat mir ein Versprechen abgerungen. Ich sollte dich vor derlei beschützen. Deshalb kann ich dich nicht gehen lassen.“
Rey schüttelte den Kopf. „Doch, das werden Sie!“ Und sie wusste viele Argumente, die Tekka letztendlich auch umstimmten. Denn Rey blieb beharrlich. Nicht einen Moment lang wich sie ab von ihrem Vorhaben, ihren Wink auch durchzusetzen. Der General vertraute auf ihre Hilfe. Und sie würde nicht eher ruhen, bis sie diese Karte hatte.

Als die Nacht angebrochen war, fanden sich die drei Freunde zusammen mit Lor San Tekka im Zelt wieder. Den Eingang zu den Katakomben hatte er versiegelt. Allein er wusste, wie man das Siegel entfernte. Er drückte Rey eine lange Rolle in der Hand. „Das ist Draht“, erklärte er. „Dort unten werden wir dich über den Komlink nicht erreichen. Deshalb solltest du den Draht immer mit dir führen.“ Er drückte Rey einen kleinen Becher in die Hand. „Wenn du diesen Becher unten mit Draht verbindest und dann dort hinein sprichst, können wir so kommunizieren.“ Letztendlich überreichte er Rey noch eine sehr altmodische Fackel. „Ich weiß nicht, ob die Technik da unten versagt. Ich hoffe nicht. Aber wenn sie das tut, so hast du zumindest noch etwas Licht.“ Dameron schluckte. „Ich beneide dich nicht Rey. Das solltest du wissen.“ Rey lächelte schwach. „Ich danke dir. Wenn selbst du die Hosen voll hast, wie soll ich mich dann fühlen?“, hakte Rey nach. Dameron nahm seine Tasche ab. „Hier. Ich weiß nicht, wie lange du brauchen wirst. Aber vielleicht solltest du die Tasche bei dir behalten.“ Rey knurrte der Magen. „Sehr nett von dir.“ Sie zögerte. „Dann sollte ich jetzt besser gehen.“
Finn räusperte sich. „Jaaah. Vielleicht solltest du das.“ Er war ein wenig grau angelaufen. „Wenn du aus Unachtsamkeit umkommst, bringe ich dich um!“
„Das könnte schwierig werden“, meinte Rey trocken.
„Warum?“
„Wie willst du mich denn umbringen, wenn ich schon tot bin?“ Rey lachte.
„Ich finde schon einen Weg.“
„Rey“, sagte dann auch Tekka. „Vergiss nicht: Die Macht ist mit dir. Wenn du sie nicht erhörst, bringe deine Gedanken zum Schweigen und sie wird dich ans Ziel führen.“ Er verbeugte sich. „Jedi-Meister Skywalker wäre womöglich der einzige Mensch, der dir jetzt noch helfen könnte. Aber da er nicht hier ist, musst du selbst zur Erleuchtung finden.“
Rey nickte. „Vielen Dank!“
„Und möge die Macht mit dir sein!“, verabschiedete sich Tekka. Dann kletterte Rey die Leiter hinab. Da diese ziemlich weit nach unten reichte, konnte Dameron bald lediglich einen leuchtenden Kegel ausmachen, der mit der Zeit immer enger wurde. Bald war Rey nicht mehr zu sehen.

„Reeeeey!“, rief der General. Der Traum, den sie hatte, schüttelte sie durch. Offenbar war sie eingeschlafen. Leia Organa drehte den Stuhl vom Hologramm weg, wo sie die Lage studiert hatte. Sie hatten nicht mehr genug Wasser. Sie musste eingeschlafen sein, als sie so verbissen nach einer Lösung gesucht hatte. Der General rieb sich die Schläfen. Rey war in Gefahr. Das konnte sie spüren. Und zwar überdeutlich. Hoffentlich brachte sie sich beim Versuch, diese Karte zu beschaffen, nicht unnötig in Gefahr. Denn das hatte der General ganz bestimmt nicht beabsichtigt. Sie musste etwas unternehmen. Und zwar gleich. Es klopfte an der Tür. „Herein!“, rief Leia. Sie strich sich eilig ihre Haare glatt. Sura trat ein. Sie hielt einen S10-Holo-Projektor in der Hand. Das neueste Modell des Marktes. „Ich muss Sie sprechen, Ma‘am.“ Sie trat vor den General. „Sie sehen müde aus, Ma‘am. Soll ich wieder gehen?“
„Nein, nein“, rief Leia. „Ich höre ihnen zu.“
Sura nickte. „Es tut mir Leid.“ Sie aktivierte das Hologramm, wo kompliziert aussehende Statistiken eingeblendet wurden. „Ich habe die Identität des Mannes feststellen können, der in unser Appartement eingebrochen ist. Er hat auffallend viele DNA-Spuren zurückgelassen. Das wundert mich sehr, wir haben es nämlich mit Boba Fett zu tun. Wie ich befürchtet habe. Seltsam ist es aber schon, denn diese Unachtsamkeit lässt eher auf einen Amateur schließen. Entweder wurde diese Spur bewusst so gelegt, oder…? Haben Sie eine Idee, General Organa?“ Sura sah resigniert aus. Offenbar hatte auch sie ziemlich viel gearbeitet. Der General fragte sich schon, wann sie das letzte mal geschlafen haben mochte. Zumindest war sie mit ihren Zweifeln nicht allein.
„Auch den Brief habe ich untersucht. Es scheint, als stamme auch dieser von Boba Fett“, fuhr Sura fort. „Mir ist das nicht ganz geheuer… Es ist einfach zu offensichtlich. Wissen wir etwas von einer Verbindung zwischen Szirha Deeja-Mhin und den Mandalorianern?“
Der General schüttelte den Kopf. „Mir ist bekannt, dass Szirha selbst lange Zeit als Kopfgeldjäger aktiv war. Mehr nicht. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sie und Boba Fett sich persönlich kannten. Wenn, dann waren sie Konkurrenten. Womöglich sogar verfeindet. Von Szirha und einer möglichen Verbindung zu den Mandalorianern ist mir aber nicht bekannt. Von ihrer Familie hat sie mir nie erzählt. Und Szirha hat mir vertraut.“
„Seltsam“, meinte Sura dann. „So langsam ergibt sich da etwas. Wenn Sie erlauben, Ma‘am. Ich würde meine Untersuchungen gerne fortsetzen.“
„Sie haben meine Erlaubnis, Sura. Wenn sie etwas finden, unterrichten Sie mich unverzüglich.“
Sura salutierte. „Sie können auf mich zählen, Ma‘am.“ Sie legte Leia einen kurzen, aber sehr genau gehaltenen Bericht vor. „Viel gibt es bis jetzt noch nicht. Aber ich werde mich bemühen.“
Der General lächelte. „Ich danke ihnen, Sura. Sie haben mir sehr geholfen.“
Sie nickte. Sie zog sich wieder zurück. Doch ehe sie weg war, rief der General noch, sie sollte sich auch mal etwas Ruhe gönnen. Sura seufzte. Natürlich wollte sie das auch. Aber konnte sie das wirklich verantworten? Sura überlegte. „Gut“, murmelte sie. „Eine Stunde, schätze ich.“ Sie ging. Selbst Leia empfand eine Stunde Ruhe als viel zu kurz. Vielleicht sollte sie sich mal mit Sura unterhalten. Sie mochte Arzt sein, aber zu viel Stress würde auch sie mit der Zeit krank machen. Kein Zweifel. Vielleicht war es doch besser, sie für eine Weile zu beurlauben.
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