Feuer und Eis - 1. Teil: Zwielicht

GeschichteSchmerz/Trost, Sci-Fi / P18 Slash
Finn Kylo Ren Leia Organa Poe Dameron Rey Snoke
12.06.2018
13.07.2019
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Hi, Leute! Ich habe mich bemüht, mich für das neue Jahr auch gleich um ein neues Kapitel zu kümmern. Es war nicht einfach, es in diesem Zeitfenster fertig zu kriegen, aber ich habe es geschafft. Fragt mich nicht wie, ich weiß irgendwie auch nicht so richtig, wie ich das geschafft habe. Seht einfach selbst!

ALTE FREUNDE

Rey verspannte sich. Ein Traktorstrahl hatte sie erfasst. Sie hatten das Schiff nicht mehr in ihrer Gewalt. Dameron stellte die Triebwerke ab. „Sparen wir uns den Treibstoff“, meinte er. Er verdrehte die Augen. „Hast du eine Idee?“
„Wie denn?“, fragte Rey gereizt. Sie dachte nach. „Vielleicht… Solo meinte, vor Jahren habe er mal in einer Situation wie dieser gesteckt. Und er ist doch auch entkommen.
„Keine Müllpresse!“, empörte sich Dameron. „Das vergiss mal ganz schnell wieder.“
„Nein, das meinte ich nicht!“, korrigierte Rey ihren neu gewonnenen Freund. „Aber vielleicht ist das gar kein schlechter Ansatz. Das heißt, wenn diese abgestellt ist und ich es schaffe, mich in das Verschlusssystem zu hacken. BB-8 haben wir ja nicht dabei. Also muss ich mich darum kümmern.“ Eigentlich befassten sich nur die wenigsten mit der Kunst des Hackens. Für diese Arbeit gab es Droiden. Die Fähigkeit des Hackens zu erwerben war in den Augen der meisten Leute deshalb auch eher überflüssig. Nicht aber für Rey. Da sie sich schon immer für alle möglichen Technologien interessiert hatte, eignete sie sich auch die Fähigkeit des Hackens an. Eigentlich ganz einfach, fand sie. Wenn man verstand, wie ein Computer eigentlich funktionierte, war das kein Problem. Denn dieser hörte auf Befehle. Das Abwehrsystem war zwar in der Lage, gewisse Eingriffe zu verhindern, indem es sich gegen bestimmte Befehle absicherte. Aber auch diese Linie ließ sich umgehen. Man musste einfach nach Befehlen suchen, die nicht gedeckt waren. Für Rey war das so etwas wie das ultimative Geduldsspiel. Sie musste nur dafür sorgen, dass das System ihr Eindringen nicht bemerkte. Den Droiden würde das sicher nicht passieren, aber Rey war eben immer noch ein Mensch. Und sie arbeitete nicht kryptisch wie ein Droide. Sie hörte auf ihren Bauch. „Wir müssen in die Kommunikationssektion vordringen. Das heißt… mitten in die Höhle der Löwen.“
„Wunderbar“, gab Dameron auch gleich seinen Kommentar ab. „Hast du einen Blaster an Bord?“
„Ich habe mehr als nur einen Blaster. Warum nimmst du nicht auch gleich eine Rüstung? Sicher wird sie das verwirren. Wenn wir uns dann unter die grobe Masse mischen, werden sie nicht hundertprozentig wissen, auf wen sie da schießen. Denn wir tragen ja alle die gleiche Rüstung.“ Rey erläuterte Dameron weiter ihren Plan. „Wir müssen uns beeilen. Wir haben schätzungsweise nur noch drei Minuten“, sagte Rey noch. „Los geht ‘s!“ Sie verließ im Eilschritt das Cockpit und besorgte ihnen die Ausrüstung. Dameron seufzte. Er wollte nicht wissen, wie viel so eine Rüstung wog. Bestimmt war es genug. Als Rey wieder zurückkam, war sie schon eingedeckt in weiße Panzerplatten. Sie überreichte Dameron eine eiserne Kiste. „Ich – ähm… ich lasse dich dann mal allein.“ Die Uhr tickte. Sie hatten den Hangar schon beinahe passiert. „Oh, nein!“, sagte Rey. „Beeil dich, hörst du?“ Sie eilte ins Schlafzimmer und suchte nach ihrer Tasche. Skywalker ‘s Lichtschwert zu verlieren konnte sie sich nicht erlauben. Rey griff nach der weiß gepanzerten Tasche. Proviant hatten sie noch. Zehn Müsliriegel und eine Packung Trockenfrüchte sollten reichen. Wasser – wo waren die Flaschen? Rey setzte sich den Helm auf. Sie stellte das Visier enger. Die Wasserflasche blitzte im Regal hervor. Rey atmete erleichtert auf. Auch die Getränke verstaute sie in den Taschen. Wer wusste schon, wie lange es brauchen würde, bis sie sich von hier befreien konnten. Rey suchte den Fußboden nach Skywalker ‘s Schwert ab. Jeden Zentimeter traktierte sie mit ihren glühenden Augen. Schließlich fand sie es neben der Schatulle ihrer Mutter. Sie steckte den Kristall in die Tasche, den sie von Lor San Tekka bekommen hatte. Die Holzfiguren steckte sie in ihre Gürteltasche. Schließlich schnallte sich Rey die Waffen an den Gürtel. Das Gewehr legte sie sich über die Schulter, den Schlagstock klemmte sie an den Gürtel. Den Thermaldetonator hatte sie auch noch. Als Dameron in der Tür erschien, erkannte Rey ihren Freund kaum wieder. „Sie kommen.“ Er warf Rey einen wachsamen Blick zu. Zumindest, wie Rey das beurteilen konnte. Weil Dameron einen Helm trug, sah sie sein Gesicht nicht. Rey verstellte das Modul ihres Helmes. Die Wärmebildkamera war unter Umständen auch ganz praktisch. So konnte sie Feinde auch durch Wände sehen. „Der vierte Schalter am Visier macht es dir möglich, Wärmebildsignaturen zu erkennen. Eine praktische Funktion.“ Rey erklärte Dameron eilends, wie die Rüstung arbeitete. Das System war intelligent. Wenn man angeschossen wurde, dichtete sich der Anzug unter der Rüstung automatisch ab. So, dass man nicht verbluten konnte. Das speziell enthaltene Gel unterdrückte sogar den Schmerz so sehr, dass man den Kampf wieder aufnehmen konnte. Rey schwang sich die Tasche über die Schulter. Er schallendes Geräusch drang durch die Tür. „Jemand schneidet sich da durch die Tür. Wir müssen hier weg!“, rief Rey. „Halte deinen Blaster bereit, die schießen nämlich, ehe sie Fragen stellen!“
Dameron knurrte. „Das weiß ich schon.“
Das Geräusch nahm einen sehr schmerzhaften, durchdringenden Ton an. Rey sah anhand der Wärmesignaturen, wie sich das Schweißgerät langsam durch die Tür arbeitete. Ein immer größer werdender weißer Fleck auf der eigentlich bläulich leuchtenden Tür. Um das Loch herum bildete sich ein rötlicher Kegel, der langsam in Orange, dann in Gelb und schließlich in Grün überging. Rey roch das brennende Metall. Ein sehr unangenehmer, beißender Geruch.Als schließlich die Tür aus den Angeln fiel, zuckte Rey vor Schreck zusammen. Sie hielt ihren Z-6er bereit, den Soldaten mit dumpfer Kraft die Schädel einzuschlagen. Dameron stand hinter Rey, das Gewehr auf die Tür gerichtet. Breitbeinig stand er da, die Nackenhaare gesträubt. Er wollte seine Feinde einschüchtern. Indem er Haltung wahrte, hinterließ er einen bleibenden Eindruck. Er setzte seine Feinde unterbewusst unter Druck. Eine Methode, die immer wieder unterschätzt wurde, die aber auch immer funktionierte. Der erste Sturmtruppler zögerte, als er Dameron sah. Dieser nutzte die Gelegenheit und drückte ab. Dann schob er sich an Rey vorbei. Den nächsten Soldaten schoss er nieder, ehe dieser sein Gewehr laden konnte. „Jaaah!“, rief er. Er rannte zur Tür. Rey ärgerte sich. Wenn er sich immer entfernte, konnten sie sich kaum Rückendeckung geben. „Warte!“ Sie eilte hinter Dameron her, der schon auf der Laderampe stand. Beide Seiten feuerten unermüdlich. Rey sprang zur Seite. Beinahe wurde sie getroffen. Dameron drückte wieder ab. Ein feindlicher Soldat schrie. Dann fiel er. Rey spürte, dass sein Leben wich. Sie spürte seinen Schmerz, noch ehe er versiegte. Rey wurde übel. Eigentlich durfte das nicht passieren, aber… Sie sank auf die Knie.
Dameron rief etwas, das Rey nicht verstand. Sie wurde getroffen! Langsam signalisierte Rey, dass mit ihrer Schulter etwas nicht passte. In der Rüstung war ein schwarzer Einschlag. Rey fuhr mit den Fingern über das Loch, die rot benetzt wurden. Ihre Wahrnehmung verschwamm. Rey spürte, dass sie die Laderampe nach oben gezerrt wurde. Sie verlor das Bewusstsein. Und sie konnte sich nicht wehren.

„Reeey...“, sagte eine dunkle, männliche Stimme. Durchdringend war sie. „Komm zu mir!“ Rey konnte sich nicht wehren. Sie war zu schwach. Ihre Gedanken wurden korrumpiert von etwas, das sie nicht benennen konnte. „Sie lebt“, sagte die unheimliche Stimme. „Sie ist noch immer da. Aber sie wird bald vergehen.“
Rey versuchte, etwas zu sagen, aber sie schaffte es nicht. Sie… war nicht stark genug. Sie hatte das Gefühl, Kälte ergriff sie. Es war, als würde sie von innen heraus gelähmt. Wie ein kalter Strom, der sie erfasste und sie ihrer Sinne beraubte. Rey versuchte, ihre Kräfte zu sammeln. Es war gerade genug, dass sie eine Frage stellen konnte. „Wer?“
Die Stimme schwieg. „Niemand. Lediglich eine leere Hülle ihrer Selbst.“
„Nein… Wer ist es?“
„Niemaaand.“ Die Stimme erstarb.

Rey fand das Bewusstsein wieder. Aber sie war… weg. Wo war Dameron? Es schien, als sei er nicht da… Rey blickte an sich nach unten. Sie versuchte, sich aufzurichten, da explodierte schon der Schmerz in ihrer Schulter. Jemand hatte ihren Helm abgenommen. Rey ließ ihren Blick durch den Raum schweifen. Vor ihren Augen saß eine dunkle Gestalt. Eine Gestalt in Maske. „So trifft man sich wieder“, bemerkte Kylo Ren. „Mein Meister wird erfreut sein.“
Rey hatte eine dunkle Vorahnung, wer wohl sein Meister sein könnte. „Wo ist mein Partner?“
„Er ist abgehauen, hat dich blutend zurückgelassen“, knurrte Kylo Ren.
„Du auch.“
„Ich habe dich schon untersuchen lassen. Aber ohne die Einwilligung meines Meisters kann ich dich nicht behandeln lassen. Nicht, wenn du mir keine Antworten gibst. Ich kann dich gut leiden, deshalb gebe ich dir eine Chance.“ Kylo Ren richtete sich auf. „Wo ist diese Karte? Meine Quellen verrieten mir, dass du wüsstest, wo sie sich befindet. Wenn du es mir sagst, werde ich dich begnadigen lassen. Solltest du dich weigern, kann ich dich nicht länger beschützen. Man wird versuchen, mit Gewalt an Antworten zu kommen.“
Rey zögerte. „Ich werde meine Freunde nicht verraten. Niemals.“
Kylo Ren seufzte. „Erledigen Sie das!“, befahl er. Der Soldat, der Haltung nach zu urteilen eine Frau, gehorchte.

Währenddessen auf Endor…

„Beruhige dich, mein Sohn! Was ist mit Rey passiert?“, fragte Leia. „Du sagst, sie wurde verletzt. Was ist los? Wo ist sie?“
„Rey wurde gefangen genommen“, antwortete Dameron. „Ich konnte sie nicht beschützen. Es waren einfach zu viele.“ Er ging im Flur auf und ab. Noch immer trug er die Rüstung eines Sturmtrupplers.
Sie sprach in den Kommunikator. „Admiral Ackbar, ich brauche Sie hier! Es ist dringend.“
Dameron war sich selbst völlig entglitten. Beinahe panisch. So hatte Leia den Jungen noch nie erlebt. „Wie schlimm ist es?“
„Ich weiß es nicht!“, erklärte Dameron. „Sie hat das Bewusstsein verloren. Ich habe noch versucht, sie zu decken, aber sie waren vielleicht vierzig in der Überzahl. Wenn ich mich hätte erschießen lassen, hätte ich keine Hilfe holen können!“
„Es ist gut. Du hast richtig gehandelt. Wir müssen trotzdem schnell reagieren. Rey besitzt empfindliche Informationen. Sicher werden diese Leute versuchen, an sie heranzukommen. Wohl auch mit Gewalt.“ Der General ließ sich auf der Bank nieder. „Hoffentlich bleibt sie stark.“
„Sie werden sie foltern… Was habe ich da nur getan?“ Dameron verspürte einen zähen Knoten in seinen Eingeweiden. Sein Selbstbewusstsein, das eigentlich immer sehr ausgeprägt gewesen war, schien gleich Null. „Wenn Sura von der Sache erfährt, dann… Und Finn!“
Der General schien nachdenklich. „Wir sollten sie nicht behelligen.“
Dameron schnappte mühsam nach Luft. Also das war wirklich unglaublich! „Wie?“
Der General wurde streng. „Was denkst du, würden sie tun, wenn sie von der Sache erfahren?“
„Sie würden mich umbringen.“
„Nein. Sie würden versuchen, Rey zu retten. Und zwar auf eigene Faust. Sie würden den Zerstörer eigenhändig auseinandernehmen wollen, bis sie Rey gefunden haben. Auch, wenn sie das teuer bezahlen. Wenn sie sterben, ist Rey auch nicht geholfen. Es geht sogar noch weiter. Rey wird dicht halten. Sie wird es tun, weil sie unsere Leute beschützen will. Und ich habe es in ihren Augen gesehen. Sie ist bereit, diesen Preis zu bezahlen.“ Der General senkte den Blick. „Vielleicht ist sie sogar unsere einzige Hoffnung.“
Dameron rieb sich die Schläfen. „Es ist meine Schuld.“ Ich habe sie dort zurückgelassen. Schwer verletzt. Wer weiß, ob sie überhaupt noch lebt...
„Nein, das ist es nicht!“ Der General richtete sich auf. „Die Zeit ist reif. Wir brauchen einen Jedi-Ritter. Und genau da liegt das Problem. Wir haben niemanden. Deshalb muss es reichen, wenn ich mich dieses Problems annehme. Und das werde ich tun.“
Dameron klappte der Mund auf. Meint sie das gerade ernst?

Rey hielt die Augen geschlossen. Sie wusste, sie durfte nicht nachgeben. Aber dieser sengende Schmerz, wie er sich wie ein Messer durch ihren ganzen Körper schälte… Immer wieder wurde sie mit Strom traktiert. Oder mit harten Halluzinogenen, die sie psychisch an den Abgrund trieben. Gelegentlich glaubte sie, sie würde in Flammen stehen. Aber das war das kleinere Übel, verglichen mit der Tatsache, dass diese Droge sogar den Schmerz imitieren konnte. Für Rey hörte diese Qual nicht auf. Außerdem wusste sie auch, dass die Droge einen nicht umbringen konnte. Selbst die Halluzination nicht. Sie fühlte den Schmerz, als würde sie bei nackter Haut verbrennen, konnte aber nicht sterben. So sehr sie es auch wünschte. Aber… s-sie würde nicht nachgeben. Auch, wenn das Versprechen, sie dann zu erlösen, noch immer stand. Rey war müde. Wie gern würde sie schlafen. Aber es ging nicht.
„Gibst du bald endlich mal nach?“, fragte die Sturmtrupplerin.
Rey kannte sie nicht. Vielleicht war das auch besser so. „N-niemals!“, entgegnete sie. „Wenn ich sterbe, dann soll es so sein.“
Die Sturmtrupplerin setzte eine weitere Spritze auf. „Dann soll ich das hier fortsetzen, hm?“
Rey öffnete die Augen. „Mir wird schon langweilig“, sagte sie spitz. Sie tat, als verdrehe sie die Augen. „Los, los, los! Du zögerst.“
Die Sturmtrupplerin lachte. „Das muss ich dir lassen: Mit dir kommt man unverhofft zu Überstunden. Aber gut.“
„Vor einiger Zeit, da hatte ich noch ein Gewissen, wenn ich auf Leute wie dich geschossen habe – aber das hat sich jetzt geändert. Wie gerne würde ich euch genau das mit gleicher Münze heimzahlen.“ Langsam hatte sich eine Routine entwickelt. Immer wenn man sie fragte, ob sie endlich verraten wollte, wo die Karte war und derjenige dann auch sagte, dass man sie dann endlich erlösen würde, antwortete Rey das Gleiche: Niemals. Bestimmt hatte sie das schon zehn Mal wiederholt. Und sie würde es auch weiter tun. Die Sturmtrupplerin injizierte die Droge. Diese zeigte augenblicklich Wirkung. Rey hatte das Gefühl, jemand drehte Schrauben durch ihre Gelenke. Sie verstand nicht, wie diese Droge arbeitete, aber es war grausam. Mit Schmerz hatte sie zwar schon ihre Erfahrungen, aber das hier war ein ganz anderer Maßstab. Es war, als würden ihre Gelenke auseinanderspringen.
So ging es die nächsten drei Stunden. Dann kam er, Kylo Ren. „Was dauert das denn so lange?“, fragte er die Sturmtrupplerin.
„Sie ist ausgesprochen hartnäckig. Ich konnte sie bis jetzt nicht brechen“, antwortete diese. „Es scheint, als habe sie sich auf ihre Ausbildung bezogen.“
Kylo Ren nickte. Er musterte Rey fasziniert. „Mein Meister hat es gespürt. Ein Aufbegehren. Du willst Rache, habe ich Recht?“
Rey blieb stumm. Sie versuchte, sich zu bewegen, aber der Schmerz drückte sie zurück auf die Pritsche.
„Vielleicht versuchen Sie es mal mit Gift. Mein Meister glaubt, sie ist machtempfänglich. Das bedeutet, sie werden es mit dieser Droge vielleicht nicht schaffen, sie zu brechen. Nicht, so lange sie noch Energie aus der Umgebung beziehen kann.“ Kylo Ren nickte der Sturmtrupplerin zu. „Wenn sie das Gift in sich trägt, wird sie nicht mehr lange durchhalten.“ Langsam flammte in Rey etwas auf. Etwas wie… Angst. Sie fürchtete nicht den Tod. Den Supreme Leader aber schon. Außerdem… hatte dieser Kylo Ren nicht etwas von Giften gesagt?

Der General griff sich die Tasche von Dameron. Schließlich zog sie einen silbrig schimmernden Zylinder heraus. „Mein Sohn“, murmelte sie. „Dein Erbe. Und du hast es einfach weggeworfen.“ Sie presste sich das Schwert an ihre Stirn.
Dameron schwieg. Er war ziemlich bleich. „Wo bleibt denn der Admiral?“, fragte er nach einer Weile.
„Geduld, mein Junge!“, ermahnte Leia Dameron. „Er ist sich der Dringlichkeit bewusst.“
Der Admiral kam. Aber er hatte eine Weile gebraucht. Dameron hatte nicht genau mitgezählt. Sein Chronometer war ohnehin kaputt. Deshalb konnte er die Zeit nicht genau bestimmen. Er schätzte acht Stunden nach corellianischer Messung. Das entsprach 20 Uhr bei Abenddämmerung. Dameron tappte nervös mit den Zehen auf den Boden. Hoffentlich kamen sie nicht zu spät.
„Sie wollten mich sprechen?“, fragte der Admiral.
„Sehr wohl“, erwiderte Leia. „Rey wurde von der Ersten Ordnung gefangen genommen. Sie ist womöglich schwer verletzt, deshalb müssen wir sie dort rausholen. Diese Leute werden versuchen, durch sie an empfindliche Informationen zu kommen. Und wir wissen beide, dass sie von einigen sehr strittigen Methoden Gebrauch machen. Welche, muss ich kaum erwähnen.“ Sie erläuterte ihnen die Situation kurz und verständlich.
„Dameron. Staffel bereit machen. Und zwar gleich!“, befahl der Admiral. „Wir fliegen in geradliniger Formation. So verschleiern wir unsere Zahl. Wenn sie klug sind, schicken sie ein paar Jäger, wenn nicht, dann machen sie die Schnellgeschütze scharf. Mit diesen Eventualitäten müssen wir rechnen.“ Der Mon-Calamari arbeitete eine Strategie aus, die Erfolg versprach. Seine strategische Intelligenz war unübertroffen. Er berechnete die Routen, über die sie fliegen wollten. Er wählte die Kürzeste, jedoch auch Gefährlichste. Dameron war sehr erleichtert. Der Admiral blieb nüchtern. Er bewahrte immer einen kühlen Kopf, selbst wenn die Situation aussichtslos war. Einst hatte der junge Pilot geglaubt, der Mann kannte keine Leidenschaft. Kein Mittel. Heute wusste er es besser. Der Admiral bewahrte die Ruhe, weil er ohne diese kaum eine Hilfe sein würde. Er brauchte seinen Kopf zum Denken. Zum Fühlen war später auch noch Zeit. Nicht jetzt.

Rey schwieg. Sie sprach nicht, da es sinnlos war. Sie wartete nicht, weil sie schon genug gewartet hatte. Die Sturmtrupplerin musterte Rey. Sie beobachtete, wie diese auf das Gift reagierte. Wenn dieser Kylo Ren Recht hatte, unterdrückte es die Verbindung zur Macht. Sie hatte gesehen, wie gefährlich jemand sein konnte, der durch die Macht verbunden war. Und das war der Sturmtrupplerin Lehre genug. Sie hatte gesehen, wie dieser Kylo Ren einen Schuss in der Luft gestoppt hatte und das allein mit seinen Gedanken. Wenn er sagte, dass diese Frau ebenfalls über diese Fähigkeit verfügte, musste sie bedacht vorgehen. Die Sturmtrupplerin setzte einen Tropf an, versetzt mit einer hohen Dosis Gift. „Du hast meine Freunde verraten“, sagte sie. „Und das ist der Preis, den du zahlst.“ Rey blieb still. Das Gift trübte ihre Konzentration. Eben hatte sie noch das Gefühl, die Energien um sich herum wahrzunehmen. Aber diese Bindung schwand. Immer mehr, bis sie so schwach war, dass Rey ihren Bezug vollständig verloren hatte.
„Einen ganzen Tropf des Giftes brauchst du also, bis du alle Bindung verlierst, hm? Unseren Obersten Anführer wird das sehr interessieren.“
Sie täuschte sich. Rey war noch immer in der Lage, in den Kopf ihres Gegenübers einzudringen. Aber sie war zu schwach, ihre Kraft wirken zu lassen. Wenn sie doch zumindest gelernt hätte, die Macht zu nutzen. Die Sturmtrupplerin entnahm etwas Blut von Rey. „Das reicht ja immer noch nicht! Stimmt etwas mit dieser Injektion nicht?“
Rey warf einen kurzen Blick auf das Hologramm. Sie wollte schon immer wissen, wie hoch der Wert eigentlich war. Der General war der Meinung, er müsste ziemlich hoch sein. Aber… Er lag bei 7815. Das war nicht der Höchste. Er war zwar selbst für einen machtempfänglichen überdurchschnittlich, aber nicht sehr außergewöhnlich. Oder hatte das Gift den Wert nach unten getrieben? Rey wusste es nicht. Vielleicht war er sogar dauerhaft gesunken. Aber das war für sie nicht wichtig. Vielleicht konnte sie den General dann endlich überzeugen, nach anderen Ausschau zu halten. Die Sturmtrupplerin machte sich auf den Weg, noch etwas mehr des Giftes zu besorgen. Auf Rey machte sie einen merkwürdigen Eindruck. Durch ihre eingeschränkte Sicht konnte sie zwar nicht genau feststellen, wie die Sturmtrupplerin dachte und fühlte, aber sie verhielt sich trotzdem sehr seltsam. Rey warf noch einen weiteren Blick auf das Hologramm. Der Wert stieg wieder an. Langsam zwar, aber das Gift schien nicht sehr lange zu wirken. Rey konzentrierte sich bewusst auf ihre Umgebung. Vielleicht schaffte sie es, wenn sie ihren ganzen Willen zusammennahm.

Heute hatte Dameron keine Gewalt über seine eigene Staffel. Denn der General flog mit ihnen. Das bedeutete, sie erteilte die Befehle. Dameron hatte zwar nicht unbedingt ein Problem damit, aber entfremdend war es schon ein wenig. Gerade deshalb, weil sie in seinen Augen immer noch eine Hoheit war. Und doch war sie ohne zu zögern in einen der X-Flügler gestiegen. Dann war da noch, dass der General obendrein ein herausragender Pilot war. Das hätte Dameron nie für möglich gehalten. Aber gut. Leia schien zu wissen, was sie tat. Das musste genügen.
„Schwarz Vier, berechnen Sie den Sprung“, befahl der General.
„Ja, Ma‘am!“, antwortete Jess Pava. Sie war eng mit Dameron befreundet. Wie oft hatten sie einander schon die Haut gerettet?
„Späher gesichtet...“, warnte Wexley seine Kameraden.
„Zeugen brauchen wir nicht“, erklärte der General. „Ziel neutralisieren.“
„Jawohl, Ma‘am!“, antwortete Wexley.
Dameron jubelte. „Jetzt kann der Spaß anfangen!“ Er nahm den Abfangjäger der Ersten Ordnung ins Visier. Er wusste aus Erfahrung, dass sie wendiger waren als gewöhnliche Jäger. Außerdem hatten sie gute Geschütze. Sie waren schwerer zu treffen, als andere Schiffe. Aber sie hatten kaum Schilde. Ein Treffer konnte für den feindlichen Piloten schon das Ende bedeuten. „BB-8, Kumpel!“, begann er. „Kannst du den Torpedo bereit machen?“
BB-8 piepte etwas von: Das kannst du, denke ich, auch allein.
„Schön“, sagte Dameron grimmig. „Ich danke dir für deine Hilfe.“
Gern geschehen. BB-8 machte den Torpedo scharf.
„Also.“ Dameron richtete seinen Blick wieder nach vorn. Er setzte den Torpedo frei. Und er flog.
„Späher neutralisiert“, rief Wexley, als dieser gerade in die Luft geflogen war.
„Gute Arbeit“, lobte der General. „Bereit machen zum Sprung.“

Rey starrte die Wand an. Der Schmerz war unerträglich, aber sie schaffte es gerade noch, ihre Konzentration aufrechtzuerhalten. Wieder verspürte sie einen Schmerz, der eigentlich gar nicht da sein dürfte. Es war ganz wie immer. Rey streckte ihre Sinne aus. Sie blieb geduldig, bis sie den ganzen Raum erfasst hatten. Die Energien pulsierten. Auch das hatte sich nicht geändert. Trotzdem hatte Rey kaum die Kraft, sie zu ergreifen. Sie versuchte es, schaffte es aber nicht. Seit zwanzig Minuten blieb sie regungslos, versuchte sich zu beherrschen. Aber es ging nicht. Erst jetzt kniff Rey die Augen zusammen. Da sie kaum geblinzelt hatte, rieb sie sich mit der gesunden Schulter über die Augen. Langsam verlor sie die Geduld. Sie musste hier raus! Wer wusste schon, wie lange sie noch dicht halten konnte? Sie warf einen kurzen Blick auf ihre gefesselten Hände. Ihre Handgelenke wurden schon kaum mehr durchblutet. Das Band war so stramm geschnallt, dass sie sich selbst mit ganzer Gewalt nicht hätte befreien können. Rey hatte eine Idee. Aber es konnte sehr schmerzhaft werden. Sie konnte versuchen, sich so über die Fesseln zu beugen, dass sie sich durchbeißen konnte. Bei ihrer verletzten Schulter ein großes Wagnis. Aber wenn sie sich zusammenreißen könnte, hätte sie vielleicht eine Chance. Rey sog die Luft ein. Einen Versuch war es Wert. Vorsichtig beugte sie sich vor. Das Stechen in ihrer Schulter war kaum zu ertragen. Trotzdem schaffte sie es. Langsam begann sie, am Band zu knabbern. Nach einiger Zeit hielt Rey aber inne. Der Stoff war dichter, als sie gedacht hatte. Aber sie musste es einfach versuchen. Sie hatte keine Zeit. Das muss schneller gehen!, dachte Rey. Was ist das denn für ein Stoff, dass das so zäh ist? Rey machte weiter. Eine Stunde dauerte es, bis sie zumindest die Hälfte des Bandes durchgebissen hatte. Im Flur hörte sie jemanden kommen. Die Schritte kamen näher. Rey wurde verzweifelt. Sie war zu langsam…

„Hier sind wir“, sagte der General. Sie waren gerade im Hangar gelandet. Und die Gastgeber waren wohl auch schon da. Mit gezückten Gewehren natürlich. Einer der Offiziere trat vor. „Sieh mal einer an, der General des Widerstands erscheint persönlich.“ Er leckte sich die Lippen. „Ich dachte, sie wüssten, dass wir einer Kapitulation nicht stattgeben werden.“
Der General runzelte die Stirn. „Ich bin nicht hier, weil ich kapitulieren will. Und das werde ich auch nicht tun.“
Dameron hustete. Das konnte noch interessant werden.
„Sie sind ein Verräter!“, wütete der Offizier.
„Sie nennen mich einen Verräter, junger Mann. Ich dachte, Sie waren es, die die Republik zerstört hat. Und zwar mit eurer neuen Waffe. Es ist wirklich erbärmlich. Nach unzähligen Jahren hat das Imperium noch immer nicht aus seinen Fehlern gelernt.“ Der General räusperte sich. „Ein intelligenter Stratege verlässt sich nicht allein auf eine einzelne Waffe. Er macht zur rechten Zeit Gebrauch von der passenden Waffe.“
„Ersparen Sie mir ihre Vorträge! Ich lasse mir doch von einer Widerständlerin nicht erklären, wie ich meinen Job zu machen habe!“
„Durch ihren Stolz sind sie leicht manipulierbar.“ Leia griff unter ihren Umhang. Ihre majestätische Robe hatte sie ersetzt durch einen elegant fließenden Stoff, der auch für den Kampf geeignet war. Der Anzug lag so eng, dass es sich anfühlte wie eine zweite Haut. Der Umhang verbarg das Lichtschwert ihres Bruders. Der Offizier zückte seinen Blaster. Als er feuerte, zuckte Leia kurz vor, die Klinge des Schwertes gezündet und wehrte den Schuss ab. Dieser wurde genau reflektiert und landete auf gleicher Höhe im Gesicht des Offiziers. Er überlebte nicht eine Sekunde lang.
„Diese Frau weiß wie man… wie man es benutzt!“, rief einer der Soldaten. „Eliminiert sie!“
Eine Salve an Schüssen folgte. Für Leia, die schon sehr Mühe hatte, einen einzelnen abzuwehren, wurde dieser Kampf wahrlich zur Herausforderung. Zum Glück hatte sie noch Pava, Wexley und Dameron. Sie waren so frei, das Feuer zu erwidern. Als sie die Reihen des Feindes ein wenig ausgedünnt hatten, teilten sie sich auf.
„Wir haben nicht viel Zeit“, gab Wexley zu bedenken. „Wie sollen wir sie finden, Ma‘am?“ Er ging mit Leia, Dameron wiederum mit Jess Pava.
„Ich habe so ein Gefühl.“
„Das klingt...“
„Merkwürdig...“, vollendete Leia den Satz. „Das weiß ich schon.“
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