Gem War

von KiraNear
KurzgeschichteDrama, Angst / P12
Garnet Pearl Rose Quartz
12.06.2018
12.06.2018
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Langsam sah Pearl sich um, noch immer erklangen um sie herum diverse Kampf- und Schmerzensgeräusche. Ein Gem nach dem anderen fiel, verpuffte und lies sein Kernstück am Boden zurück. Sie starrte auf den Edelstein vor ihr, eine gewaltige Jasper, die sie selbst erst vor ein paar Sekunden zur Strecke gebracht. Ein Schrei ertönte, sie konnte klar heraushören, dass er zu einer fallenden Ruby gehörte und doch riss sie sorgenvoll den Kopf erneut in die Höhe. Ihre Augen suchten die Umgebung ab, hektischer als es ihr lieb war.
All das, dieser ganze Krieg - sie hatten ihn nicht geplant. Sie hatten ihn nicht gewollt. Damals, als ihr großes Theaterstück über die Bühne ging und jeder von Pinks Tod überzeugt wurde, hatten sie gehofft, dass die beiden anderen gehen, die Erde in Ruhe lassen würden. Doch stattdessen waren sie geblieben. Und mit dem Wachstum ihrer rebellischen Gruppe war auch die Höhe des Konflikts immer weiter gestiegen, bis es schließlich zum Ausbruch kam. Zum Ausbruch des Gemkrieges. Doch all das änderte nichts an der Hingabe, mit der sich Pearl um das Wohl ihrer Herrin sorgte, selbst, nachdem Pink diesen Titel, diesen Anspruch ihr gegenüber längst aufgegeben hatte.
"Wir können unser altes Leben hinter uns lassen und ein vollkommen neues beginnen. Wir können endlich frei sein", waren ihre Worte und doch fühlte sich Pearl ihr noch immer stark verbunden, für immer verpflichtet. Sie wusste auch, dass Rose Quartz, der Anführerin und Ursache der Rebellion, nichts passieren durfte. Sobald sie einmal ihre physische Form verlieren, ihren Gem in seiner vollen Form den Gegnern präsentieren würde, wäre ihr ganzer Plan umsonst gewesen. Dann dürfte selbst einer einfachen Ruby die Finte aufgehen, die sie so sorgfältig geplant und in die Tat umgesetzt hatten. Abgesehen davon spürte Pearl auch etwas anderes. Sie wollte nicht, dass Rose zu Schaden kommen würde, unabhängig von ihrer wahren Identität als Pink. Und wenn sie selbst sich immer wieder in den Weg werfen musste, sie würde nicht aufgeben. Egal, wie viele Jahre der Krieg noch andauern mochte.

~

Der Speer fühlte sich schwer in ihrer Hand an, erschöpft wischte sie sich den Schweiß von der Stirn. Rings um sie herum lagen Edelsteine auf dem Boden verteilt, von Freunden und Feinden gleichermaßen. Pearl wünschte sich, der Kampf würde ein für alle mal ein Ende finden. Müde stützte sie sich an ihrem Speer ab, wissend, dass sie sich in dieser Situation keine richtige Pause leisten konnte. So versuchte sie, ihre Umgebung stets im Auge zu haben, doch auch ihre Konzentrationskraft war am Ende. Hier und da konnte sie ein paar Gems sehen, die noch miteinander kämpften, doch auch sie waren den langen, endlosen Krieg satt. Jede von ihnen wusste, dass das hier kein Ende nehmen würde, würde eine Seite nicht endgültig die Oberhand gewinnen. Doch davon waren sie alle noch weit entfernt.
Bis sich schließlich die Gems der Heimatwelt immer weiter zurückzogen. Erst waren es nur wenige, doch kaum kamen die rasch ausgestoßenen Befehle der hochklassigeren Gems, flohen immer mehr von ihnen. Verwirrt, aber auch glücklich beobachteten die Crystal Gems, wie ihre Gegner sich nahezu überstützt daran machten, die Erde zu verlassen. Sämtliche Raumschiffe und ein großes, stark gefüllter Portalbogen stärkte sie in ihrem Verdacht. Die Gegner hoben die weiße Flagge, sie flüchten von der Erde und beendeten damit den jahrhundertelangen Krieg. Er hatte viele Leben gefordert, sowohl von Gems, als auch von Menschen, die es sich nicht nehmen lassen wollten, ihre Heimat zu verteidigen.
Glücklich, aber müde lächelten sich Pearl, Garnet und Rose an. Sie hatten es geschafft, die Erde war frei. So recht konnten sie es sich nicht erklären, sie konnten nur Vermutungen anstellen. In ihrer Euphorie übertrieben sie jedoch und so klang eine Erklärung waghalsiger als die andere.
"Wir haben gewonnen", rief Rose, das Schwert in den blauen Himmel gestreckt, ihren Freunden entgegen. Jubel und Heiterkeit, solange es ihre Energien noch erlaubten, machte die Runde und es begann, immer tiefer in sie hinein zu sinken. Sie hatten standgehalten und sie hatten gewonnen. Endlich konnten sie ihre Freiheit genießen, ohne von Homeworld beeinflusst zu sein.
"Rose, das müssen wir feiern. Ein Ende des Krieges nach all den Jahren ... Rose?"
Furcht stand in ihren Augen und Pearl spürte, dass es etwas ernstes war. Sie versuchte Roses Blick in den Himmel zu folgen, doch außer einem fernen Funkeln konnte sie nichts erkennen. "Rose, was ist denn los?", fragte sie gerade noch, da beschwor Rose eine große Version ihres Schutzschildes.
"Kommt ein Angriff? Ich verstehe nicht, was passiert denn da? Ist es wegen Pink Diamond? Oder dem Krieg?"
Doch statt einer Antwort packte Rose sie am Arm und drückte sie zusammen mit Garnet fest an sich. Verzweifelt verschloss sie ihre Augen und die beiden taten es ihr nach. Augenblicklich spürten sie die starke, mit Zorn gefüllte Energie aus dem All - und um sie herum ertönten Schreie aus Schmerz und Verzweiflung. Danach kam die Stille. Eine schwere Stille.
Sie öffneten ihre Augen und der wahre Terror, die wahren Ausmaße des letzten Angriffs der verbliebenen Diamonds offenbarte sich vor ihnen. Gems versuchten verzweifelt, gegen ihr neues Schicksal anzukämpfen, doch eine nach der anderen verlor ihn. Eine nach der anderen veränderte ihre Form, sie schrien sich an und flohen, mit Schmerzen im Körper und Angst im Herzen.
"Das ... das wollte ich nicht", schluchzte Rose und dicke, verzweifelte Tränen bahnten sich ihren Weg hinunter auf ihr in Mitleidenschaft gezogenes Kleid.
"Ich wünschte, ich hätte sie alle retten können. Hätte ich nur früher gewusst, dass das passiert ... deswegen sind alle geflohen!"
Den Tränen nahe, sah Pearl, wie sich ihre Freunde immer mehr in Monster verwandelten. "Nein, niemand von uns wollte das", sagte sie tonlos, ließ ihren Speer fallen und sank auf die Knie.
"Das ist nicht die Art von Freiheit, wie ich sie mir erhofft hatte. Nichts, was wir uns gewünscht hätten", sagte sie kraftlos. Noch immer erschien ihr der Horror, der sich vor ihren Augen abspielte, als unwirklich, wie eine bösartige Projektion.
"Wir werden ihnen helfen, Pearl", sagte Rose mit einer Stimme, als müsste sich erst selbst davon überzeugen. "Wir werden ihnen helfen, jedem einzelnen von ihnen."
Zitternd wischte sich Pearl die Tränen aus den Augen.
"Ja, das werden wir", seufzte sie und beschwor einen neuen Speer aus ihrem Gem.