Eine Überlebene mehr

GeschichteAllgemein / P16
11.06.2018
11.02.2019
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Die nächsten Wochen schleppten sich zäh dahin. Hermine, Ron und Harry hatten lange nachgedacht, wie sie Hagrid mit seinem Drachen helfen könnten. Ron und Charlie schrieben regelmäßig Briefe. Heute Morgen kam der letzte. Sie würden Norbert unter dem Tarnumhang am Samstag um Mitternacht auf den höchsten Turm schaffen müssen. Dann werden zwei Freunde von Rons Bruder kommen und ihn mit nehmen. Dann wären sie den Drachen los. Da gab es nur ein Problem. Ron wurde gestern Abend von Norbert gebissen, einer von ihnen war regelmäßig bei dem Wildhüter, weil er alleine überfordert war, was er natürlich niemals zugeben würde. Zu Madam Pomfrey gehen konnte er nicht, weil sie einen Drachenbiss wahrscheinlich sofort erkennen würde. Auf jeden Fall war die Hand angeschwollen und leicht grün. Ron könnte ihnen am Samstag also nicht helfen.
Für Hagrid wurde es langsam aber sicher Zeit sich von seinem ´Projekt´, wie er es damals genannt hatte, zu verabschieden.
Harry hatte gerade seine letzte Stunde hinter sich gebracht und war auf dem Weg in den Kerker. Er wusste nicht mehr, was ihn dorthin trieb, aber es fühlte sich richtig an. Erschöpft von den letzten Tagen und Wochen öffnete er die Tür zum Büro von Severus. Er wusste, dass er ihn zu dieser Zeit hier vorfinden müsste. Doch zu seiner überraschung war nicht sein Vater sondern seine Mutter hier im Raum. Sie beugte sich gerade leicht über den Schreibtisch. Diese Haltung kannte er von Severus, wenn er Schüler einschüchtern wollte. Und dann erkannte er ihn. Seamus Finnigan saß dort zusammengekauert auf dem viel zu harten Stuhl vor dem Pult. Dann erinnerte er sich daran, dass Seamus vorhin in der Stunde einen Trank versaut und zum explodieren gebracht hat. Seine Haare standen immer noch kreuz und quer von seinem Kopf ab. Ein wenig verwirrt schaute er zwischen seiner Mutter und Seamus hin und her. Dann wurde Lilys Gesicht weicher und sie setzte sich wieder auf ihren Stuhl.
"Hallo, Harry.", sagte sie. Seamus drehte sich kurz um und nickte ihm zu.
"Hallo, Mum. Wo ist Professor Snape?", fragte Harry. Bei dem Namen Snape zuckte Seamus fast ungemerkt zusammen.
"Er ist beim Schulleiter und regelt etwas wegen den Ferien. Ich übernehme sein Nachsitzen.", erklärte Lily. Kurz runzete Harry die Stirn, dann verstand er. Er ließ sich auf dem Stuhl neben Seamus nieder.
"Und wo ist Sophie?", fragte Harry. Er hoffte, dass die Zeit für Seamus schneller vergehen würde, wenn er keine Aufgabe hatte.
"Entweder bei einem Lehrer oder in der Wohnung. Geh sie doch suchen.", erklärte Lily etwas gereizter.
"Ich denke, dass ich hier einfach auf den Professor warte.", sagte Harry und lehnte sich zurück. Seamus musste sich sichtlich bemühen nicht zu grinsen. Lily seufzte kurz.
"Wo waren wir stehen geblieben, Mr. Finnigan? Ach ja, sie werden das Lager putzen und Merlin stehe ihnen bei, wenn sie etwas sprengen!", fuhr Lily an Seamus gewand fort. Die beiden verließen den Raum. Harry wusste, dass er die nächsten Stunden in einem dunklen Raum verbringen und alte Gläser schrubben müsste. Seamus tat ihm Leid. Dann öffnete sich die Tür erneut. Severus trat mit wehenden Umhang ein und setzte sich mit grimmiger Miene an seinen Schreibtisch. Erst dann schien er Harry zu bemerken, sein Gesicht wurde freundlich und dann lächelte er.
"Was is los?", fragte Harry und musterte Severus.
"Die Dursleys müssen nicht hier her!", sagte er aufgeregter. Die Tür öffnete sich wieder. Severus Gesicht wurde ernst und er sprang auf. Dann erkannten sie, dass es Lily war und er setzte sich wieder hin.
"Was sagt Albus?", fragte sie.
"Deine liebreizende Schwester kann bleiben, wo sie ist.", erzählte Severus erneut, er stand auf. Lily kam auf ihn zu. Schließlich stand sie neben Severus.
"Harry muss in den Ferien so ungefähr zwei Wochen zu ihnen, das reicht aus.", fuhr er fort. Lily wurde ernst und sah Harry an. Er hatte das Gefühl etwas antworten zu müssen.
"Besser so als anders oder? Dann sehen wir die nicht das ganze Jahr über, richtig?", fragte Harry. Severus nickte und Lily lächelte unsicher.
"Und das wäre wirklich in Ordnung? Du musst da nicht hin, es wäre bestimmt nicht so schlimm, wenn-", sprach sie.
"Nein, nein, alles gut, ich werde es überleben.", unterbrach Harry sie. Severus Arm wanderte um Lilys Taille und zog sie enger zu sich. Lily drehte ihren Kopf leicht und schaute tief in die schwarzen Augen über ihr. Harry sah, wie die beiden Gesichter aufeinander zu gingen. Die Lippen seiner Eltern berührten sich fast. Und dann schreckten die beiden auf, als sie die Tür hörten. Harry hatte den Raum verlassen. Die beiden schauten einen Moment lang zur Tür, dann lachte Lily leise. Mit einem Zauberstabwink wurde die Bürotür abgeschlossen.
"Wo waren wir?", fragte Lily leise.
"Nicht reden.", raunte Severus in ihr Ohr. Wenige Sekunden später fand sie sich auf dem Schreibtisch wieder.
Harry ging den Flur entlang. Er überlegte, wo er sich rumtreiben würde, wenn er Sophie wäre. Er beschloss zu Minerva zu gehen. Die vielen Treppen hochsteigend dachte er nach, wie er sich die Zeit bei seiner Tante vertreiben könnte. Später wollte er mit Hermine und Ron darüber reden. Außerdem wollte er noch schauen, ob er Murtlab- Essenz im Labor hat, weil er Ron helfen musste. Er kam oben bei Minerva an. Kurz klopfte er an, keine Antwort. Vielleicht war Sophie ja auch bei Filius, dachte Harry. Allerdings fiel ihm ein, dass er auch bei Minervas Privaträumen nachchauen sollte. Also ging er ein Paar Türen weiter und klopfte erneut. Dann hörte er Schritte. Die Tür wurde aufgerissen und vor ihm stand eine breit lächelnde Sophie.
"Harry!", sagte sie und zog ihn hinein.
"Wer ist es Kindchen?", ertönte Minervas Stimme.
"Harry, Tante Minerva.", rief Sophie über ihre Schulter hinweg und schubste ihren Bruder auf das Sofa. Dann kam die Lehrerin mit drei Tassen und Tee zu ihnen. Ohne ihre Lehrerrobe sah sie viel jünger aus. Kurz fragte er sich, ob jemals ein Schüler McGonagall mit offenen Haaren gesehen hatte.
"Ich muss noch Aufsätze korrigieren.", erklärte sie und setzte sich mit ihrem Tee an den Schreibtisch.
"Sind das unsere?", fragte Harry neugierig und trank einen Schluck.
"Nein, die sind schon fertig.", sagte sie und deutete auf einen anderen Stapel. Kurz überlegte Harry, wann er den Aufsatz abgegeben hatte. Gestern, fiel ihm ein.
"Und?", fragte er.
"Wirst du nächsten Montag sehen.", sagte Minerva schlicht und schrieb etwas.
"Montag?", fragte Harry etwas zu laut. Das Wort wollte er eigentlich nur denken. Minerva schaute ihn über ihre Brille an.
"Ja Montag, da hast du wieder Verwandlung.", sagte sie.
"Ist mir klar. Aber wir haben die erst gestern abgegeben und brauchen die erst Montag und du hast die schon fertig.", antwortete Harry.
"Natürlich habe ich das. Das macht man so und danach wird die nächste Stunde vorbereitet.", erklärte sie und korrigierte weiter. Harry schmunzelte. Nur Minerva und Hermine dachten so. Sophie und Harry schwiegen sich an und lauschten dem Kratzen der Feder und dem Knistern der Flammen. Diese loderten auf einmal grün leuchtend auf. Sophie und Harry zuckten zusammen, während Minerva langsam auf sah. Albus Kopf tauchte auf.
"Minerva?", fragte der Schulleiter.
"Ich arbeite, Albus.", erklärte sie und schrieb weiter.
"Wenn du Harry oder Lily siehst, kannst du ihnen sagen, dass die Familie Dursley nicht nach Hogwarts zieht sondern Harry für zwei Wochen nach da?", fragte er. Sophie und Minerva blickten kurz zu Harry.
"Er ist hier, Albus. Warum flohst du Lily nicht direkt an?", fuhr Minerva fort.
"Die haben ihre Verbindung im Büro gesperrt.", erklärte Albus.
"Und woher kommt die Erkenntnis, dass Muggel nicht hierher gehören?", fragte sie und legte seufzend ihre Feder weg.
"Ein ausgiebiges Gespräch mit Severus, liebste Minerva.", erklärte er mit zwinkernen Augen, soweit man es in der Glut der Flammen erkennen konnte. Minerva legte die Stapel Pergamente und ihre Feder in die Schubladen. Das Gespräch schien beendet zu sein, doch Albus war noch immer hier. Mit einem Zauberstabwink landeten die Tassen wieder sauber im Schrank. Minerva kam mit zwei Gläsern und einer grünen Flasche aus Glas wieder, es musste sich um Wein handeln. Die Lehrerin setzte sich zu ihnen auf das Sofa.
"Willst du jetzt Elfenwein oder nicht?", fragte sie und schaute genervt in die grünen Flammen. Nicht eine Sekunde später stand der Schulleiter im Wohnzimmer.
"Hallo Kinder.", begrüßte er Harry und Sophie, als er sich Asche von seinem Umhang klopfte.
"Hallo.", grüßten sie zurück. Dumbledore setzte sich in einen Sessel und schien sehr gut gelaunt zu sein. Sie redeten über die Schule und ein Paar Geschehnisse der letzten Tage. Nach einer Weile kam Harry auf das Thema zu sprechen, woher Dumbledore Fawkes hatte. Er erzählte eine Zusammenfassung der Geschichte. Allgemein galt, dass immer ein Phönix zu einem Dumbledore in Not eilte. Früher, als weder Harry noch seine Eltern geboren waren, herrschte ein Schwarzmagier namens Grindelwald. Zu diesem Zeitpunkt wusste Albus nicht weiter und Fawkes erschien ihm. Harry und Sophie waren fasziniert von dieser Erzählung.
"Kommt zu mir auch Mal ein Phönix?", fragte Sophie begeistert.
"Hoffen wir, dass du niemal in die Situation kommst einen zu benötigen.", beantwortete Minerva ihre Frage. Albus erleuterte das Geschehen um 1945 und seine Probleme nicht genauer, doch Minerva schien diese zu kennen und nachzuvollziehen.
"Hattest du Mal einen Schüler, den du anstrengend fandest?", fragte Harry. Auch diese Antwort schien Minerva zu kennen und schaute wissend zum Schulleiter hinüber. Kurz schwieg dieser. Harry und Sophie erwarteten keine Antwort mehr, doch dann fing dieser an zu erzählen. Harry wusste zwischenzeitig nicht, ob er lachen oder weinen solle, die Geschichte hatte viele Lustige Punkte, doch eigentlich war sie traurig. Als erstes stellte Albus klar, dass er anstrengend nicht negativ meint, sie nickten nur. Es ging um Letha Lestrange. Sie war vor längerer Zeit Schülerin auf Hogwarts, eine Slytherin. Die Kinder kannten sie nicht wirklich, dennoch zogen sie Letha auf und grenzten sie aus. Das wenige, das sie wussten, verdrehten sie ständig und verwendeten es gegen sie. Es gab viele Gerüchte über sie, ihre Familie und ihren verschollenden Bruder. Deshalb spielte sie den anderen Kindern oft Streiche und rächte sich auf ihre Weise. Sie war keine besonders lernwillige Schülerin, aber dennoch liebenswert, so wie die anderen Schüler auch, erzählte Albus. Sie lernte Newt Scamander kennen, beide verbrachten die Ferien hin und wieder zusammen in Hogwarts, Newt hatte nämlich auch Zuhause eine Familie, Letha nicht.
"Und was wurde aus ihr?", fragte Sophie.
Sie arbeitete im Ministerium zusammen mit ihrem Verlobten, Newts älteren Bruder. Sie kämpfte auf eine andere Art gegen Grindelwald als Albus, dieser nutzte nämlich Newt und seine Tierwesen als Verbündeten, da er selbst überwacht wurde, denn es gab Zeiten, in denen das Ministerium gegen die falsche Seite vorging. Natürlich wollten sowohl Dumbledore als auch der Minister das Ende Grindelwalds Herrschaft, doch sie hielten es für nötiger gegen Dumbledore und Newt vorzugehen als gegen die Anhänger.
"Und dann starb sie einen schrecklichen Tod.", beendete Dumbledore seine Geschichte. Er konnte scheinbar nicht weiterreden, weil ihn das alles zu sehr mitnahm.
"Bei einem Treffen von Grindelwald in Paris waren Auroren und Mr. Scamander anwesend. Das ganze lief schief, als eine Anhängerin Grindelwalds einen Auror angriff, dieser verteidigte sich und sie starb. Grindelwald hat das natürlich genutzt um seine ´Freunde´ gegen die andere Seite aufzuhetzten. Die Anhänger sollten disapparieren, zurück blieben nur unsere Seite und Grindelwald selbst. Er erschuf mit dunkler Magie blaues Feuer und Miss Lestrange starb tragischerweise in den Flammen.", erklärte Minerva den Tod der jungen Frau.
Harry und Sophie schwiegen betroffen, sie wussten nicht, was sie sagen sollten. Dumbledore wühlte in seinem Umhang herum, bis er Zitronendrops fand. Lächelnd bot er welche an. McGonagall schüttelte amüsiert den Kopf, die Stimmung war gerettet.
"Weißt du schon, wie du die Zeit bei deiner Tante herumkriegst, Harry?", fragte Minerva.
Harry schüttelte verneinend den Kopf. Daraufhin erklärte der Schulleiter, dass er mit Severus ein Paar Regeln für das Zusammenleben aufgestellt hätte. Harry würde eine Eule bekommen um regelmäßig Briefe schreiben zu können, außerdem wollte Albus ihn persönlich in den Honigtopf begleiten, damit er genügend Süßigkeiten für die zwei Wochen hat. Die beiden wichtigsten Regeln waren, dass es das Haus der Dursleys ist, weshalb Harry sich anpassen sollte, dennoch musste er sich nicht unterdrücken lassen, was dann die zweite Regel wäre. Harry nickte, weil er verstanden hatte.
"Merlin, ich hätte noch so viel korrigieren müssen!", fluchte Minerva nach einem Blick auf die Uhr. Es war weit nach der Ausgangssperre. Die Kinder kicherten, woraufhin die Hexe sie streng anschaute. Albus erhob sich.
"Dann werden wir die Kinder wohl ins Bett bringen müssen.", meinte er und deutete Harry an ihm zu folgen. Minerva brachte also Sophie in den Kerker, während Harry und Albus gemütlich durch das Schloss spazierten. Eine Zeit lang schwiegen sie, dann brach Harry die Stille allerdings.
"Du Albus, was ist eigentlich das schlimmste, dass einem hier passieren könnte?"
Der ältere Zauberer dachte ein paar schritte lang nach.
"Ich denke, dass kommt auf die Person an, für viele wäre ein Schulverweis wahrscheinlich sehr schrecklich.", antwortete er, Harry musste an Hermine denken, "Andere halten den Tod wahrscheinlich für schlimmer."
"Den Tod? In Hogwarts?", fragte Harry erstaunt.
"Gewiss, erinnerst du dich noch an den dritten Stock und meine Worte?"
Harry nickte.
"Was ist im dritten Stock?", fragte er, obwohl er dies natürlich längst wusste.
"Wir beide wissen, was du weißt.", antwortete Abus rätselhaft und zwinkerte
"Was bewacht Fluffy?"
"Etwas sehr wertvolles von großer Macht, Harry, mächtiger und gefährlicher als Nerhegeb, aber vertrau mir, ich habe vieles getan um den Gegenstand zu schützen."
Harry vertraute ihm, doch er musste irgendwo einen Fehler gemacht haben und diese Schwachstelle suchte gerade jemand, vielleicht sogar in genau diesem Moment hinter Albus Rücken oder besser gesagt unter sienen Füßen, sie waren fast am Gemeinschaftsraum angekommen.
"Und Harry, was die Sache mit Mr. Weasley angeht, Murtlap-Essenz wird nicht viel bringen, der Biss ist giftig wie das Fleisch, es leuchtet sogar grün, eine meiner Entdeckungen sollten besser helfen.", sagte der Schulleiter nebenbei.
Harry blieb der Mund für einen Moment offen stehen. Er versuchte zum Sprechen aunzusetzen, doch er schwieg. Albus betrachtete ihn wissend und schmunzelnd. Das Schloss hatte Augen und Ohren, dass wusste Harry und Severus fluchte oft genug darüber.

Also wusste Dumbledore von Norbert und half ihm nicht? Diese Frage ließ Harry noch eine Weile lang wach bleiben. Die anderen Jungen schliefen bereits tief und fest, als Harry den Schlafsaal betrat. Er ging davon aus, dass Albus nichts unternahm, weil er wusste, dass die drei alles im Griff hatten. Ja, so musste es sein, dachte er und schlief ein.









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Es tut mir Leid, dass jetzt so lange nichts kam und dieses Kapitel ziemlich kurz geraten ist, aber ich habe echt sehr wenig Zeit. Ich war nämlich krank, musste die Klausurphase überleben und dazu noch ein gutes Zeugnis schaffen. Außerdem ist mir etwas blödes passiert, aber das ist ja egal. Auf jeden Fall kommt jetzt wieder öfter ein Kapitel, zwar längst nicht regelmäßig, aber naja... <3
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