Der Grimm und der Prinz

von TB371
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P16 Slash
Adalind Schade Cpt. Sean Renard Det. Hank Griffin Det. Nick Burkhardt Eddie Monroe Rosalee Calvert
09.06.2018
30.06.2018
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09.06.2018 1.649
 
„Wollt ihr wissen, was ihr gleich tun werdet?!“, kam Sergeant Wu um die Ecke zu seinen Kollegen Burckhardt und Griffin. Die beiden Detectives sahen ihn nun erwartungsvoll an und Wu ließ es sich nicht nehmen, noch einmal tief durchzuatmen, um die Spannung zu erhöhen.

Dann wedelte er mit einem Blatt herum und meinte: „Paris Walters liegt erstochen in ihrem Wohnzimmer. Die Nachbarin hat sie gefunden!“ Hank schnappte sich den Zettel und die Detectives sprangen auf, um das Revier zu verlassen. „Mann, haben wir ein Glück!“, meinte Hank, „Wäre die Frau nur zwei Straßen weiter gestorben, wären wir gar nicht zuständig!“

„Das nennst du Glück?“, grummelte Nick zurück und schüttelte den Kopf. Hank runzelte die Stirn und musterte seinen Partner. „Stimmt etwas nicht?!“, wollte er wissen, doch er bekam keine Antwort, denn Nick lief schneller, um durch die Tür nach draußen zu verschwinden. Schulterzuckend beeilte sich auch Hank, sodass die beiden wenig später vor der Adresse des Mordopfers hielten.

Hank stellte den Motor ab und drehte den Kopf, aber Nick war schon aus dem Wagen gestiegen und stellte sich gerade bei der Zeugin vor. „Ich bin Detective Burckhardt, Sie haben Mrs. Walters gefunden?!“, fragte er die ältere Dame, die noch sehr mitgenommen aussah. Sie nickte stumm, dann schloss sie die Augen.

„Wann haben Sie die Leiche genau gefunden?“, machte Nick mit der Befragung weiter, ohne die Verfassung der Dame zur Kenntnis zu nehmen. Die Dame schüttelte den Kopf und schluchzte los, woraufhin Nicks Stimme sanfter wurde: „Hören Sie, ich kann nachempfinden, dass ein solcher Fund sie entsetzt, aber Sie müssen uns helfen, die näheren Umstände zu klären!“

Da öffnete die Frau wieder die Augen und stotterte: „Um sechs Uhr… bin ich aufgestanden und… wollte die Zeitung… ins Haus holen… Die Haustür… bei Mrs. Walters… stand offen… Das fand ich komisch, also… bin ich hin… Dort lag sie dann…“ Nick seufzte, als die Dame wieder in Tränen ausbrach. „Danke, das wäre für den Moment alles“, meinte er dann und wandte sich zu Hank um.

„Gehen wir rein?!“, fragte dieser mit erhobenen Brauen und Nick bestätigte, indem er die Treppe zum Haus hochnahm. Hank folgte ihm und ein Sergeant zeigte ihnen Paris Walters, die vor der Couch lag und aus leeren Augen zu ihnen aufblickte. Nick beugte sich vor, um die Stichwunde zu betrachten.

„Sieht aus, als hätte man sie mit einer Nadel getötet“, murmelte der Dunkelhaarige und wies damit auf den geringen Durchmesser der Wunde hin. „Stimmt“, kommentierte sein Partner und sah sich nach dem Coroner um. Dieser kam zu ihnen und berichtete, noch nie eine so kleine Stichwunde mit tödlichem Ausgang gesehen zu haben.

Hank nickte dankend und sah dann Nick an. „Wesen?“, fragte er leise und Nick erwiderte: „Vermutlich!“ Dann richtete er sich auf und zischte: „Warum können wir keinen Fall lösen, ohne dass ein Wesen mit drin hängt?!“ Erstaunt sah Hank seinen Partner an.

„Du warst doch immer ein stolzer Grimm!“, meinte er gedämpft, als die beiden das Haus von Mrs. Walters verließen, aber Nick schüttelte den Kopf. Da er seinen Sinneswandel nicht erklärte, hakte Hank nach: „Was ist los mit dir? Du hast keine Lust, Verbrechen aufzuklären, fragst eine Zeugin nicht einmal nach ihrem Namen – und nun willst du kein Grimm mehr sein! Das passt nicht zu dir, Nick!“

Da seufzte der Dunkelhaarige und meinte zerknirscht: „Dass ich ein Grimm bin, steht zwischen Juliette und mir! Es ist offensichtlich, dass es sie stört, wenn ich Jagd auf Wesen mache!“ „Wie kommst du darauf?“, öffnete Hank seine Wagentür und Nick tat es ihm gleich, bevor er antwortete: „Sie hat es mir gestern gesagt!“

Nachdem die Detectives eingestiegen waren, herrschte einen Moment Stille. Dann sagte Nick: „Wahrscheinlich ist nur eine Frage der Zeit, bis wir uns trennen!“ Hank startete den Wagen und fuhr, nicht ohne seinem Partner Mut zu machen, los. Doch Nicks Laune blieb auf dem Tiefpunkt.


Beim Wohnwagen angekommen schlugen Nick und Hank die Bücher auf. Einige deutsche Texte faszinierten den Grimm, hatten aber nichts mit Wesen zu tun, die ihre Opfer per Nadelstich töteten. Nach einer Weile aber nahm sich Nick ein weiteres Buch vor und entdeckte die Zeichnung eines Wesens mit eigenartigen Händen.

Die Finger waren besonders spitz und der Daumen lief zu einer dünnen Nadel zu. „Das ist es“, murmelte der Grimm vor sich hin und begann, den englischen Text zu überfliegen. „Das Nadelöhr ist ein Wesen, dem ich gleich nach meiner Ausbildung zum Grimm begegnet bin. Im Sommer 1930 lief es mir in den Wäldern Estlands über den Weg“, hob er dann seine Stimme.

„Scheinbar ist dieses Wesen nicht nur in Estland Zuhause“, kommentierte Hank und hörte gespannt zu, wie Nick die nächsten Zeilen vorlas: „Das Nadelöhr war der Bankier einer kleinen Stadt, durch die ich reiste, und als ich diesen als Wesen erkannte,… schlug ich ihm den Kopf ab!“ Nick seufzte. Seine Vorfahren hatten wirklich ein Faible für das Abtrennen von Köpfen.

„Steht da noch mehr?“, fragte Hank und seine Stimme klang ein wenig enttäuscht. Nick schlug die Seite um und zog scharf die Luft ein. „Das ist Russisch“, bemerkte er bedauernd und Hank zog sein Smartphone hervor. „Mal sehen, ob der Captain von seiner Reise zurückgekehrt ist. Ich rufe Wu an“, verkündete er aufs Display tippend.

Sein Partner nickte und klappte das Buch zu. Gespannt wartete er ab, wie Hank mit dem Sergeant sprach, und schließlich breit zu grinsen begann. „Das ist ausgezeichnet, Wu!“, schloss Hank und erklärte enthusiastisch, dass der Captain soeben das Police Department betreten und es sich in seinem Büro gemütlich gemacht hatte.

„Siehst du?! Das ist Glück!“, erhob sich Nick, klemmte das Buch unter seinen Arm und verließ mit Hank den Wohnwagen. Während er die Tür verschloss, dachte er darüber nach, was in dem Fahrzeug alles lagerte. Eine Bibliothek auf Rädern war zwar nützlich, wenn man viel reiste oder fliehen musste, aber es war kaum optimal, fand Nick.


Die beiden Detectives kamen zum zweiten Mal an diesem Tag auf dem Revier an, steuerten gleich auf das Büro ihres Captains zu und wurden von ihm herein gewunken, bevor sie überhaupt hätten klopfen können. Während Hank umgehend Platz nahm, schloss Nick die Tür und legte das Buch seiner Familie auf Seans Schreibtisch ab.

„Das ist mein Willkommensgeschenk, nehme ich an“, meinte der Captain trocken und setzte sich im selben Moment wie der Grimm. „Wir können einen kleinen Abschnitt auf Russisch nicht übersetzen“, erklärte Nick, wollte dann aber wissen: „War ihre Reise erfolgreich?“ Sean seufzte. „Wie man’s nimmt“, murmelte er ernst.

Schließlich warf er einen Blick zu den Polizisten außerhalb des Büros, um sich zu Hank und Nick vorzubeugen und zu erzählen: „Mein Bruder Eric ist tot. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass sein Tod für Wirbel sorgt. Wir sollten vorsichtig sein.“ Nick und Hank wechselten einen Blick, um anschließend zu nicken.

„Also, was haben Sie für mich?“, wechselte der Captain dann das Thema und Nick öffnete das Buch auf der richtigen Seite. „Eine Frau, Paris Walters, lag heute Morgen tot in ihrem Haus. Erstochen mit etwas, das nicht größer als eine Nadel ist. Den Büchern zufolge handelt es sich um ein Nadelöhr“, meinte er und zeigte dann auf den Anfang des russischen Textes.

Renard drehte das Buch in seine Richtung und runzelte die Stirn, nachdem er begonnen hatte, zu lesen. „Das Nadelöhr, das mir nahe Moskau begegnet ist, war gerade dabei, einem Mann mit seinem fürchterlichen Finger das Herz zu durchbohren. Dabei wiederholte es andauernd die Worte ‚Deine Güte wird mich erlösen‘, bevor ich… es enthauptete“, offenbarte er dann den Inhalt der Zeilen.

„Oh“, machte Nick wenig überrascht über das Ende, das dieses Wesen genommen hatte, und Hank fragte neugierig: „Steht da noch mehr oder ist das alles?“ „Alles“, entgegnete Sean knapp und blickte seine Detectives an, um sich gleichdrauf zu räuspern und zu verkünden: „Adalind Schade ist schwanger!“

„Was?!“, entfuhr es Nick heftiger als erwartet. Wieder kochte die Wut in ihm hoch, die er hatte, weil dieses Hexenbiest seine Tante hatte töten wollen. Wenn er sich die Blonde nur vorstellte, wollte er ihr den Hals umdrehen. Das sah man ihm wohl an, denn Renard meinte gefährlich ruhig: „Sie werden Adalind und dem Baby nicht zu nahe kommen, Nick! Das ist ein Befehl!“

Einige Sekunden starrte der Grimm den Prinzen nur an. Dann schluckte er schwer und brummte: „Ja, Sir!“ Sean atmete sichtlich erleichtert aus und Hank wollte in Erfahrung bringen, warum dem Captain so viel an der schwangeren Adalind lag. Da meinte Nick, Sean erröten zu sehen.

„Womöglich bin ich der Vater“, verschränkte dieser die Hände ineinander und Nick riss die Augen auf. „Im Ernst?!“, hinterfragte Hank entsetzt und der Captain erwiderte streng: „Ja, und nun kümmern Sie sich um das Nadelöhr, bevor es ein weiteres Opfer findet!“

„Verstanden“, nickte Hank und erhob sich, während Nick wortlos aufstand und seinem Partner mit dem Buch unterm Arm folgte. Nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte, musste Nick erstmal tief durchatmen. „Ich fasse es nicht! Dieses Miststück! Zuerst will sie Tante Marie vergiften, dann tötet sie dich bald, später sorgt sie dafür, dass Juliette ins Koma fällt – und nun bekommt sie auch noch Nachwuchs!“, knurrte er.

„Das gehört höchstwahrscheinlich zu einem Plan, den wir noch nicht kennen, Nick!“, entgegnete Hank wesentlich ruhiger und setzte sich dann auf seinen Platz. „Checken wir, wer das Motiv hatte, Paris Walters zu ermorden!“ Nick antwortete mit ruckartigem Nicken, verstaute das Buch in seinem Container und widmete sich dem PC.

„Zuerst sehe ich nach, ob Walters der Öffentlichkeit durch Wohltätigkeit aufgefallen ist!“, meinte er anschließend, „Es hörte sich an, als ob diese Nadelöhr-Wesen es darauf abgesehen haben!“ Hank murmelte etwas wie eine Bestätigung, während er Paris Walters‘ Daten durchging.

„Nichts Auffälliges“, meinte er nach einigen Minuten, doch dafür hatte Nick Glück: „Paris Walters hatte offenbar zehn verschiedenen Ehrenämter inne!“ „Ach, und wo gehe ich hin, wenn ich auf gütige Menschen aus bin?!“, reagierte Hank rhetorisch und damit waren die beiden Detectives schon wieder auf dem Sprung.
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