Tanpen shōsetsu

von Kosakoni
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
09.06.2018
25.04.2019
90
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Ryoma war es stets gewohnt, Gegnern gegenüberzustehen, welche keine Skrupel hatten, ihn zu beleidigen oder versuchten arglistig zu verletzen. Das reichte von liebevollen Kosenamen seines Vaters – Rotzbengel – zu Versuchen Atobes, sich sehr kreativ auf Äußerlichkeiten zu beziehen – arroganter Zwerg – bis hin zu tatsächlich beleidigenden Worten von Gegnern die eben kein Talent besaßen und somit glaubten, es kompensieren zu müssen – Miststück. Was die Verletzungen wiederum anging, so gingen diese an ihm vorbei, weil es eben Tennis war. Und für Ryoma war Tennis nicht nur lächelnd über den Platz zu hüpfen, sondern eben auch schon mal das ein oder andere blutende Körperteil.

Der einzige Grund also, warum die Beleidigungen und versucht schadhaften Verletzungen an ihm abprallten wie Tennisbälle an einer Steinmauer, war, weil sie beim Tennis passierten. Eine Form des verzweifelten Versuchs, Ryoma aus dem Konzept zu bringen oder eben sich selbst auf lächerliche Weise selbst zu bestärken.

Was er somit nicht kannte und was ihn wirklich verletzte, waren die Dinge, die außerhalb eines Courts gesagt oder getan wurden. Denn dann konnte er es nicht mehr als einen Akt der Leidenschaft bezeichnen. Noch als Versuch ihn von einem Sieg abzubringen. Sondern erkannte es genau als das, was es war.

Ein ernsthafter Versuch ihm wehzutun.
Und damit konnte er nicht umgehen.

Als Ryoma sich also erlaubte die Entscheidung seines Buchous infrage zu stellen, was dessen Entscheidung darüber betraf, wer nun gegen diesen Sanada antreten würde, der seit Wochen versuchte, Ryomas Beherrschung zum Bröckeln zu bringen, war es ironischerweise eben genau Tezukas kalte, emotionslose Art, die ihn tatsächlich gegenüber der einen Person, gegenüber die er eben noch nie respektlos geworden war, etwas sagen ließ, das weder er noch seine Teamkollegen und von Allen am Wenigsten sein eigener Buchou je gedacht hätte aus seinem Mund zu hören.

Aber selbst ein Echizen Ryoma konnte seine Beherrschung mal verlieren.
Und zu aller Überraschung, sein Buchou offensichtlich auch.

Was zur Folge hatte, dass es für fast eine ganze Minute totenstill auf ihrem Trainingsplatz war, während Tezuka fassungslos auf seine Hand blickte und Ryoma nicht wusste, was ihm mehr schmerzte.

Seine Gefühle oder seine Wange.

Vielleicht war es sogar beides, denn das, was er als Nächstes sagte, tat nicht nur ihm mehr weh, als jeder Knochenbruch oder Sehnenriss oder Muskelzerrung es je hätten können, sondern auch Tezuka. Weshalb er es wahrscheinlich auch so einfach aussprechen konnte.

„Ich steig aus.“

Und damit der einzigen Person den Rücken kehrte, die ihn bis zu diesem Tag an, niemals das Gefühl gegeben hatte, nicht gut genug zu sein. Bis jetzt …

~*~

Fuji besuchte Tachibana-san gerade im Krankenhaus, als sein Handy gefühlt alle dreißig Sekunden in seiner Tasche vibrierte. „Saa, tut mir leid, Tachibana-san, aber ich glaube, das scheint wichtig zu sein.“, lächelte er den Buchou Fudomines sanft an, welcher jedoch verständlich nickte. Immer noch lächelnd holte er sein Handy aus der Hosentasche, nur um leicht überrascht auf die fünfzehn Nachrichten zu starren. Kikumarus Name stand dabei an oberster Stelle mit neun Nachrichten, gefolgt von Taka-sans, zwei Nachrichten von Oishi und einer von Tezuka.

Irgendwas Schlimmes musste passiert sein, wenn Tezuka ihm eine Nachricht schrieb, dachte Fuji und blickte den Schwarzhaarigen auf dem Krankenhausbett ernsthaft entschuldigend an. „Ich fürchte, es ist wirklich was passiert ...“, sagte er mit einem Lächeln, welches jedoch nur purer Schein war. Sein Blick fiel auf das Knie des gleichaltrigen Buchous, welches in einem dicken Verband gehüllt war und er spürte erneute Wut in sich aufkommen, wenn er an Rikkaidais Kirihara dachte.

„Ich komme morgen wieder, wenn das in Ordnung ist.“, versicherte er dem Schwarzhaarigen, welcher sanft nickte und ihm alles Gute wünschte. Nachdem Fuji das Zimmer verlassen hatte, ging er zu den Fahrstühlen, wobei er Tezukas Nachricht öffnete und beinahe im Schritt stolperte.

Ich hab etwas Unverzeihliches getan, Fuji.

Gegeben den Tatsachen, dass Tezuka einer der beherrschten Personen war, die Fuji kannte … grenzte die möglichen Szenarien enorm ein. Was ihm ein unangenehmes Gefühl vermittelte, eh er Oishis Nachrichten öffnete, welcher ebenfalls selten Nachrichten an ihn versendete. Meist nur wenn es das Team oder eben Eiji-kun betraf. Und dieses Mal blieb er tatsächlich stehen, als er die zweite Nachricht las.

Tezuka und Echizen haben sich schlimm gestritten …
Echizen hat das Team verlassen.

Sein Herz fing an zu rasen. Tezuka sagte, er habe etwas Unverzeihliches getan. Echizen verließ das Team … Er wusste plötzlich nicht mehr, ob er die Nachrichten von seinen zwei besten Freunden öffnen wollte. Es aber dennoch tat. Allerdings ignorierte er die vorangegangen und konzentrierte sich auf die Letzten.

Fuji wusstest du, dass Ochibi mit Tezuka zusammen war?
Ich hab Ochibi noch nie so wütend gesehen, glaubst du, es geht wirklich nur um sein inoffizielles Spiel mit Sanada?
Tezuka hat Ochibi geschlagen!!!!
Ochibi hat uns verlassen …

Die Sache mit Eijis Nachrichten war, dass man anhand der Art, wie Eiji schrieb sofort wusste wie schlimm oder tatsächlich ernst eine Situation war. Und als er auf den fast schon emotionalen Wirbelwind sah, den die Nachrichten ausmachten ... die von Fassungslosigkeit, zu Sorge wechselten, dann zu purem Schock und bloßer Traurigkeit, klappte er energisch sein Handy zu und schob es achtlos in seine Hosentasche zurück, bevor er in einen Fahrstuhl stieg und in der 1,5 x 1,5 m großen Kabine erst einmal tief und sehr langsam durchatmen musste, um selbst nicht die Beherrschung zu verlieren.

~*~

„Erinnerst du dich noch an deine Worte damals zu mir, nachdem du aus Deutschland zurückgekehrt bist?“, begrüßte Fuji Tezuka kühl, nachdem dieser ihm die Haustür zu dessen Zuhause geöffnet hat. Dass er damit die sofortige Aufmerksamkeit Tezukas Mutter auf sich zog, welche gerade die Treppe hinabstieg, war Fuji egal. Tezuka offensichtlich nicht. „Okaa-san, ich komme gleich zurück.“ Womit dieser aus der Haustür ging und direkt schloss. „Saa … ich nehme an, deine Familie weiß immer noch nicht, dass dein privater Tennisschläger nur bei Jungs zum Aufschlag kommt?“

„Fuji, bitte ...“, hauchte sein einstiger bester Freund flehend, während der sich die Nasenwurzel über der Brille massierte und die Augen schloss. Schmerzlich erinnerte sich Fuji daran, wie sie in der Vorschule einander kennenlernten und sie binnen kürzester Zeit zu besten Freunden wurden. Weil sie einander ergänzten. Fuji in seiner Art die Leute gerne aus der Reserve zu locken und zu ärgern, während Tezuka schweigend und zurückgezogen war. Und irgendwie lockte es in Fuji etwas, woraufhin er sich, ohne es wirklich zu wollen, die Vorstellung machte, sie würden perfekt zusammenpassen. In mehr als einer Beziehung. Aber dann kam Echizen und zog Tezukas gesamte Aufmerksamkeit auf sich, was ihn zuerst kränkte, nur um ihm bewusst zu machen, dass er Tezuka eigentlich nur darum erobern wollte, um dessen Beherrschung zu brechen. Er war sozusagen verliebt in das Unmögliche gewesen. Dem Einen, das nicht mal er als Tensai erreichen konnte. Aber dann stand er Echizen gegenüber. Und ein einziges Spiel hatte alles verändert. Ebenso ein einziger Tag. Denn in der Umkleide, nach dem unterbrochenen Spiel im Regen, wurde ihm klar, dass der Jüngere und Tezuka mehr waren. Oder dabei waren, mehr zu werden.

Dann aber ging ihr Buchou und Fuji sah eine Chance, welche er zu gerne annahm. Welche darin bestand, das Interesse des Jüngeren auf sich zu ziehen.

Was in einem einzigen Spiel begann, wurde zu einem Feuer, das außer Kontrolle geriet, als ihm bewusst wurde, sich in den Jüngeren zu verlieben. Und für einen Moment damals, glaubte Fuji, Echizen würde es erwidern. Sie waren so … so kurz vor ihrem finalen Höhepunkt, da kam Tezuka wieder und forderte, dass sie das Spiel ein für alle Mal beendeten.

„Saa … nein. Das war es nicht, sondern Beende es, oder ich ziehe den Schlussstrich. Solche Spiele haben in unserem Team keinen Platz.

Tezukas Hand fiel zurück an dessen Seite und dann ausdruckslos auf ihn hinab blickte. „Es war für mich kein Spiel, Fuji.“

„Aber für mich sollte es eines gewesen sein? Was war es damals wirklich? Der Grund, Ryoma und mich voneinander fernzuhalten … Die Tatsache, dass ich nie ein ernsthaftes Interesse an dir hatte, aber dafür an ihm?“ Fuji neigte leicht den Kopf und musterte Tezuka aufmerksam. „Warum warst du wirklich mit ihm zusammen?“

Tezuka erwiderte seinen Blick lange. Dann blickte er über Fujis Schulter in die Dunkelheit. „Ich wollte nicht, dass du ihn länger vom Tennis ablenkst. Er hat mehr Potenzial als wir beide zusammen. Er hat eine Zukunft, … wie ich sie nie haben werde und du nicht haben willst.“

Die Worte ließen Fujis Hände zu Fäusten ballen. Nicht aus Wut, sondern Schmerz. Es war der Grund, warum er sich nie aus vollsten Herzen in Tezuka verlieben konnte. „Du denkst immer nur an Tennis und das so sehr, dass du überhaupt nicht siehst, wie du anderen damit wehtust.“

„Es lag nie in meiner Absicht.“, rechtfertigte dieser sich, auf Fujis Worte, woraufhin er nickte und dann aber bitter lächelnd mit dem Kopf schüttelte. „Natürlich nicht, Tezuka. Aber wenn du es hast, verlierst du mehr, als nur Ryoma.“ Damit drehte er sich herum und ging. Seine Hände zitterten und seine Augen brannten. Wobei er sich nicht sicher war, ob der Schmerz alleine durch eine Erkenntnis kam, welche er nie laut hatte hören wollen oder durch das Gefühl, sich selbst in den letzten Jahren immer mehr verloren zu haben. In Lügen, Manipulation und dazwischen etwas, das wirklich hätte echt sein können.

~*~

Ryoma hatte, nachdem er zu Hause war, erst einmal ein heißes Bad genommen, bevor er sich in seinen Lieblingspyjama kuschelte, aufs Bett legte und nicht einmal zum Essen ging. Nachdenklich beobachtete er Karupin, welche neben seinem Kopf eingerollt lag und schlief. Er hatte in den Spiegel gesehen, unsicher, was er sehen würde. Irgendwie rechnete er mit einer geschwollenen Wange oder Rötung, irgendetwas, das den Schmerz erklärte. Doch da war nichts.

Natürlich wusste er, dass es ein Fehler gewesen war, sich hinter Tezukas Entscheidung, mit Sanada zu treffen und auf dessen Herausforderung eingegangen zu sein. Es war sogar ziemlich gefährlich. Aber er konnte nicht anders. Da war etwas in ihm, das sich dieser Herausforderung nicht entziehen konnte. So war Ryoma nun mal und er dachte nach den Monaten, in denen Tezuka und er sich … na ja … irgendwie nahe gekommen waren, ohne einander jemals tatsächlich nahe zu sein, … dass er es verstehen könnte.

Ein Klopfen riss ihn aus den Gedanken, woraufhin er sich aufsetzte und fragend zur Tür sah, wo seine Cousine den Kopf vorsichtig in sein Zimmer streckte und ihn sanft ansah. „Du hast Besuch, Ryoma.“

Sein Herz machte einen Satz, aber noch war er nicht sicher, ob aus Furcht oder Hoffnung. „Wer denn?“, fragte er leise, woraufhin Nanako die Tür weiter öffnete und Ryoma fast vor Überraschung zusammenzuckte. „Fuji-senpai.“ Es waren Monate, wenn nicht sogar über ein Jahr, dass der Tensai zuletzt bei ihm zu Hause gewesen war. Was ihn damals ziemlich enttäuschte, wenn er ehrlich zu sich selbst war. Denn damals hatte er das Gefühl gehabt, dass sie mehr gemeinsam hatten, als die Leidenschaft für Tennis und Ryoma sich selbst auf die Zeit mit ihm außerhalb der Courts freute. Doch dann kam Tezuka zurück und … Fuji hatte plötzlich keine Zeit mehr oder fand mehr Ausreden dafür, keine Zeit mehr zu haben, als zuvor unbedingt mit Ryoma zusammen sein zu können.

„Darf ich reinkommen?“, fragte der Brünette sanft, wodurch ihm bewusst wurde, den Tensai nur angestarrt zu haben und er dann leicht rot wurde. „Natürlich, Senpai.“, hauchte Ryoma verlegen. Nanako lächelte leicht. „Ich bring euch Cookies und Milch hoch.“ Die Tür schloss sich nach ihren Worten sowie dem sanften, fürsorglichen Blick, dem Ryoma nicht einmal etwas abschlagen konnte. Schließlich sorgte sie sich nur, nachdem er heute nichts gegessen hatte, und wollte ihn vor seinem Senpai aber auch nicht unnötig in Verlegenheit bringen.

Etwas unsicher, was der Tensai bei ihm wollte, musterte er diesen, wobei ihm tausend Gedanken durch den Kopf gingen. Aber keiner beinhaltete es, so höflich zu sein, diesem einen Sitzplatz anzubieten. Doch Fuji war eben Fuji und somit nahm er sich einfach das, was er wollte. Was bedeutete, dass er sich neben Ryoma auf die Bettkante setzte. Allerdings bedacht, Karupin nicht zu stören, welche diesem kurz einen prüfenden Blick zuwarf, eh sich ihr Kopf wieder auf ihre Pfoten senkte und sie die Augen schloss.

„Ich nehme an, Fuji-senpai hat die Neuigkeiten gehört.“, murmelte Ryoma und zog ein dunkelblaues Kissen auf seinen Schoß, einfach nur um irgendwas in den Händen zu haben, an dem er zupfen konnte. Fujis Blick aus azurblauen Augen hatte er schon so lange nicht mehr auf sich gespürt, dass es ihn unsicher machte, wie er handeln sollte. Und ob er dem Flattern in seinem Bauch überhaupt noch trauen sollte …

„Wenn das wichtigste Teammitglied Seigakus aussteigt, dauert es nicht lange, bis alle davon hören.“ Ryoma warf dem Tensai einen zweifelhaften Blick zu. „Ich bin wohl kaum das wichtigste Teammitglied.“ Allerdings hatte er tatsächlich einige fassungslose Nachrichten von so manchen, bisherigen Gegnern aus den anderen Teams erhalten. Selbst Atobe fragte ihn, ob alles in Ordnung war und klang ernsthaft besorgt …

Allerdings … „Es ist also nur mein plötzlicher Austritt und nichts anderes im Gespräch?“, fragte er Fuji argwöhnisch. Denn wenn etwas für Gesprächsstoff sorgen würde, dann wahrscheinlich seine Äußerung gegenüber Tezuka, dass er nur gegen Tezukas Anweisung gehandelt hatte, um von ihm zumindest einmal eine emotionale Reaktion zu bekommen. Welche er auch bekam. Emotional wie körperlich. Vielleicht tat es ja eben genau aus dem Grund so weh. Weil sie irgendwie zusammen gewesen waren, aber Tezuka ihn nicht angefasst hat. Zumindest nicht so, wie sein perverser Vater meinte, man würde … nun … sich in einer Beziehung nahekommen.

Und es verwirrte ihn natürlich, weil er nicht einmal wusste, ob er das auch wirklich wollte. Aber er fühlte sich bei seinem Buchou verstanden, ebenso respektiert und dachte es wäre das, was er wollte …

„Das und … wahrscheinlich auch der Rest, ja.“ Ryoma wollte nichts mehr, als unter die Decke kriechen, um sich zu verstecken. Denn zu wissen, dass der Tensai nicht anwesend gewesen war, hatte ihn zutiefst erleichtert. Aber er hätte es besser wissen müssen ...

„Tratschtanten.“, fauchte er somit und blickte wütend zur Seite, während Fuji leise kicherte. Dann aber verklang der melodische Klang, als die Tür sich nach einem zarten Klopfen wieder öffnete und Nanako mit einem Tablett zu ihnen ging, dieses auf sein Nachtschränkchen stellte. „So … wenn ihr noch etwas braucht, ruft einfach. Ach und Fuji-kun … wir haben dich hier sehr vermisst.“ Ryoma, der gerade einen Schluck von der Milch nahm, aus dem Glas, das er sich vom Tablett genommen hatte, verschluckte sich beinahe bei ihren letzten Worten.

„Saa … wirklich?“, fragte sein Senpai sanft, nachdem die Tür geschlossen war und Ryoma das Glas räuspernd zurückstellte. Sich mit geröteten Wangen einen Tropfen Milch vom Kinn strich und es vermied, in die tiefblauen Augen zu sehen. „Sie will nur nett sein, weil du nie wiedergekommen bist.“, sagte Ryoma so beiläufig wie nur möglich und ignorierte dabei, wie es sich wirklich anhörte. Selbst in seinen Ohren.

„Geht es dir gut?“

Die Frage war so aus dem Kontext gerissen, dass Ryoma den Älteren zuerst verwirrt anblickte. Nur um sich dann wirklich zu fragen, geht es mir gut? Und das nicht nur auf heute bezogen, sondern dem letzten Jahr mit eingeschlossen. Darauf bezogen, dass das, was er mit Fuji gehabt hatte – was auch immer es war – von heute auf morgen einfach endete, so als hätte es niemals existiert, woraufhin er sich der einzigen Person zuwandte, die in dem Moment nun mal da war – oder wieder zurückgekommen war – allerdings auch nur, um sich mehr als je zuvor im Tennis zu vertiefen. Was sich natürlich zunächst wie eine unglaubliche Chance für ihn anfühlte. Und doch fehlten ihm azurblaue Augen, die ihn amüsiert ansahen. Es fehlten sanfte Berührungen, die seine Haut kribbeln ließen. Ebenso warmer Atem in seinem Nacken, wenn Fuji beim Übernachten hinter ihm lag und sein Herz zum Rasen brachte, wie, wenn sie auf dem Court standen.

„Nein.“, antwortete er somit ehrlich, woraufhin Fuji ohne Weiteres einen Arm um ihn legte und Ryoma den Kopf gegen dessen Schulter sinken ließ. Er hatte den Tensai so sehr vermisst, dachte er, als er den Geruch von Minze und irgendetwas, das einfach nur Fuji sein konnte, in sich aufnahm. „Aber … vielleicht, wenn Senpai bleibt?“, fragte er schließlich so leise, dass Ryoma nicht einmal wusste, ob Fuji es hörte, doch das tat er und antwortete sogleich. „Saa, solange du willst.“

Dann immer. Doch das traute sich Ryoma nicht zu sagen. Stattdessen schloss er die Augen und ließ sich in dem Gefühl von Wärme und Zärtlichkeit, die ihn bisher nur Fuji gegeben hatte, vertrauensvoll nieder. Auch, wenn tief in ihm die Sorge lag, dass der Tensai wieder verschwinden würde. Für diesen einen Moment war er nicht stark genug, sich der Versuchung zu entziehen.

~*~

Nicht sehr viel später, als vielleicht eine Stunde, lag Fuji neben ihm im Bett. Natürlich hatte dieser zuvor bei Ryoma sowie dessen Vater um Erlaubnis gefragt, hier übernachten zu dürfen. Und danach seine eigenen Eltern angerufen, um Bescheid zu geben.

Es erinnerte Ryoma an eine Zeit, in der das Ganze irgendwie sehr viel selbstverständlicher zu sein schien. Eine Zeit, in der er eigentlich binnen Sekunden einschlief, sich nicht darum störend ob Fuji nun selbst schlief oder nicht. Dennoch lag er auf seiner Seite und starrte in die Dunkelheit, sich darüber bewusst, dass der Tensai direkt hinter ihm lag. Und ihn eine Frage einfach nicht mehr aus dem Kopf ging.

„Wieso jetzt?“
„Saa?“

Ryoma spürte eine feine Gänsehaut über seinen Nacken kriechen, als der warme Atem des Älteren seine Haut dort streifte und er sich automatisch auf den Rücken drehte, um den anderen anzusehen. Sich dann jedoch darüber bewusst wurde, dass es dafür eigentlich zu dunkel war und er gerade einmal Fujis Silhouette ausmachen konnte. Aber ... vielleicht war das gar nicht so schlecht, dachte Ryoma und blickte dann gen die Decke. „Wieso ist Fuji-senpai jetzt hier, aber nicht einmal …?“

Mit einem Mal begann seine Haut zu prickeln, womit er regelrecht spüren konnte, dass der Tensai ihn durch die Dunkelheit ansah. Es war somit unvermeidbar für ihn, den Kopf nicht zu drehen und in dessen Richtung zu blicken. „Weil es jetzt keinen Unterschied mehr macht.“

Für einen Augenblick wusste er nicht, wie er diesen sanften Tonfall oder diese Antwort überhaupt einzuordnen hatte, als ihm etwas klar wurde. So plötzlich und überwältigend, dass es sich wie die zweite Ohrfeige an diesem Tag anfühlte. Sogar von der gleichen Person ausgeführt. Und es machte ihn so wütend, dass seine Augen begannen zu brennen.

„Du schienst nicht unglücklich über Tezukas Aufmerksamkeit.“, hauchte Fuji und Ryoma wagte es sich nicht, zu blinzeln. Dann aber drehte er den Kopf von dem Tensai wieder weg und schluckte. „Weil er mich forderte.“ Aber nicht, weil er da war, dachte Ryoma und konnte irgendwie nicht glauben, dass sie hier lagen und redeten. „Ihr wart zusammen ...“, wurde ihm entgegnet, doch Ryoma entließ daraufhin nur ein verächtliches Schnauben.

„Wenn mir mein Vater irgendetwas weitergeben konnte – Gott bewahre, es wäre etwas Nützliches – sind wir uns jetzt sehr viel näher, als Buchou und ich es je waren.“

Und damit rollte er sich zurück auf seine Seite. Sich furios über die Augen rieb, weil er nicht wusste, was er fühlen oder denken sollte. Seine eigenen Worte hallten in seinem Kopf nach und Ryoma musste feststellen, dass er bitter klang. War es, weil er durch Fuji-senpai erst erkannte, dass es so viel mehr gab, als nur Tennis? Es sich sogar gut anfühlte, von einer Person, die man wirklich mochte, berührt zu werden. Und sei es nur sanft am Arm oder dem Rücken. Er somit absolut im Dunkeln stand, wenn es um Tezuka ging. Weil dieser so viel Zeit mit ihm verbrachte, ohne jedoch physisch wirklich präsent zu sein. Während Fuji ihm nie das Gefühl gab irgendwie alleine zu sein, selbst wenn sie Meter voneinander trennten.

Ryoma war so in dem Sturm seiner eigenen Gefühle und Gedanken vertieft, dass er durch die unvermittelte Berührung an seiner Seite leicht zusammenzuckte. „Wolltest du seine Nähe denn?“, fragte Fuji plötzlich leise hinter ihm, während lange Finger auf seiner Seite ruhten. Unbewegt und nicht mehr, als eine Art … Frage. Was sein Herz rasen ließ, während er sich fragte … war es das? Wollte er Tezukas Aufmerksamkeit einfach nur, weil Fuji sich ihm urplötzlich entzogen hatte und Ryoma das Gefühl von Nähe fehlte? „Oder … war es meine Nähe, nach der du dich gesehnt hast?“

Beinahe so, als wollte Fuji ihn daran erinnern, fuhren die langen Finger sanft über seine Seite, was ihn für einen Moment die Augen schließen ließ, bevor er sich, ohne überhaupt daran gedacht zu haben, herumdrehte und die rechte Hand blind nach Fuji ausstreckte. Er sofort dessen T-Shirt zu fassen bekam, in das er sich krallte und kurz darauf die Handfläche des Älteren komplett und diesmal mehr als deutlich auf seinem Rücken spürte. Dieses Mal nicht darum bat, ihn berühren zu dürfen. Ihn stattdessen an Fujis warmen Körper zog und Ryoma sich sofort an diesen schmiegte. „Ryoma ...“, wisperte Fuji nahe seiner Lippen. Dunkel, aber sanft und sehnsüchtig.

Seine Finger mussten irgendwo nahe Fujis Brust in dem Stoff des dünnen T-Shirts vergraben sein, denn er glaubte, dessen Herzschlag ebenso heftig schlagen zu spüren, wie seines schlug. Er würde lügen, hätte er niemals daran gedacht …

Dem Tensai näher zu sein, als einer flüchtigen Berührung.
Hatte sich in der Einsamkeit und Dunkelheit seines eigenen Schlafzimmers vorgestellt, wie dieser mehr berührte, als nur seinen Rücken. Mehr als … Somit war es für ihn nicht schwer und auch kein Schock – seine atemlose Antwort auf eine Frage, welche der Tensai nicht stellen musste. Er stattdessen die Augen genießend schloss, als sich warme Lippen zuerst hauchzart, dann aber etwas begieriger auf seine legten und er sein rechtes Bein, welches leicht angewinkelt war, über die schmale Hüfte des Älteren schob und sich dann gänzlich an diesen presste.

Ryoma hatte noch nie und war auch noch nie geküsst worden. Daher konnte er nicht einmal sagen, ob das, was er tat richtig oder falsch war. Aber es fühlte sich erschreckend gut und wahnsinnig prickelnd an. Weshalb er sich voll und ganz auf seinen Instinkt verließ. Sich in seiner eigenen Leidenschaft verlor, als er auf dem Becken des Älteren saß. Die Beine links und rechts von dessen Hüften, sich einer schwindelerregenden Härte bewusst, die sich gegen seinen Oberschenkel presste, während er über Fuji lehnte und den leidenschaftlichen Kuss atemlos erwiderte.

Seine Hände glitten Halt suchend auf die Schultern des Tensais, während dieser unter seinen Pyjama glitt und seine bloße Haut streichelte. Ein Schauer fuhr durch seinen Körper, woraufhin er den Kuss atemlos lösen musste und nach Luft schnappte. Sich jedoch im selben Moment darüber bewusst wurde, eine eigene körperliche Reaktion inzwischen zu zeigen, welche unmöglich an Fuji vorübergegangen sein konnte. „Du hast mir gefehlt.“, hauchte der Tensai gegen Ryomas Hals, was ihn erneut schaudern ließ. Kurz darauf fand er sich auf dem Rücken wieder, während der Ältere sich geschickt wie fließend zwischen seine Beine schob und Ryoma sich auf die Lippen beißen musste, um nicht hemmungslos aufzustöhnen. Seine rechte Hand glitt von Fujis Schulter, zu dessen Nacken, wo sich seine Finger in die honigbraunen Strähnen krallten. Mit der linken, glitt er über Fujis Oberarm, wo er dessen Sehnen und Muskeln spürte, die sich anspannten, wann immer dieser sich gegen ihn bewegte und dabei Ryomas Namen in einer Art wisperte, die die Erregung zwischen ihnen fast unerträglich machte.

„Fuji ...“, keuchte Ryoma bei dem unglaublichen Gefühl von etwas Feuchten, das über sein Schlüsselbein glitt. Ihm kurz darauf, nachdem er ein sachtes, fast neckisches Zwicken spürte, bewusst wurde, dass es Fujis Zunge sein musste. „Gott!“ Sein Kopf sank ein weiteres Mal atemlos in den Nacken, während sich sein Rücken automatisch durchdrückte. Erneut gegen Fuji rieb, dessen Arm sich um seinen Körper schlang und sich dessen Länge dann genau an Ryomas entlang schob. Ihn Sterne sehen ließ, obwohl Stoff zwischen ihnen war, aber nicht genug, als dass es ihn nicht wahnsinnig machte. Schließlich schlang er die Beine um Fujis Hüften, je schneller dieser sich bewegte und dann glaubte Ryoma zu stöhnen, er wusste es nicht, denn alles ging in einem atemberaubenden weißen Rauschen unter, das ihn jegliches Bewusstsein über seinen Körper raubte. Alles, was er wusste war, dass er sich verzweifelt an Fuji krallte, der sich einen Moment später eng an ihn presste und dann selbst erzitterte.

Sobald sich Ryoma wieder über mehr bewusst wurde, als seinem abgehakten und schweren Atem sowie dem warmen Körper, der ihn regelrecht in die Matratze drückte, war es, als wäre endlich wieder etwas in seinem Leben, das ihn nicht zweifeln ließ.

Denn egal was er sich alles vorgestellt hatte, wie es sein könnte …
Es war absolut nichts im Vergleich zu dem Hier und Jetzt.

„Saa … das war ...“
„... unbeschreiblich.“, wisperte Ryoma atemlos, während Fuji leise schmunzelte und er kurz darauf warme Lippen auf seinem Hals spürte. Schließlich schloss er genießend die Augen und schlang im gleichen Moment die Arme um Fujis Nacken. Er wollte ihn nie wieder gehen lassen.

~*~

Am nächsten Morgen, dachte Ryoma, würde alles anders sein.

Doch als er die Augen öffnete, schien die Sonne genauso penetrant in sein Zimmer, wie an jedem anderen, sonnigen Tag auch. Die Vögel zwitscherten vergnügt und lebhaft. Der warme Körper, der sich von hinten an seinen Rücken schmiegte, war genau das Gefühl, nachdem er sich seit Monaten gesehnt hatte und endlich bei sich wusste.

Nur leider bedeutete dies ebenso, dass ihn Tezuka am Vortag wirklich eine Ohrfeige gegeben hat.
Und er immer noch aus dem Team ausgestiegen war.

Aber wenn er jetzt zurückdachte, dann wusste er auch, dass sie beide Fehler begannen hatten. Sie waren nicht ehrlich gewesen und noch weniger wirklich aufrichtig miteinander und dem, was sie wollten. Vielleicht wurde es also mal Zeit, miteinander zu reden. Und das aufzudecken, was doch schon seit Tezukas Wiederkehr aus Deutschland über ihnen hing …

Sie jedoch beide versucht haben zu ignorieren. Auch, wenn es wehtat.

Aus dem Grund begleitete Ryoma, Fuji zum Training. Sich darüber bewusst, wie der Tensai ihn zwischendurch sanft musterte. Ryoma das Gefühl gab, dass, egal was heute passieren würde, er hinter ihm sowie seiner Entscheidung stehen würde.

Als sie beide das Trainingsgelände Seigakus betraten, hörte er von Weitem schon Eiji-senpais hoffnungsvollen und quietschenden Schrei, woraufhin Ryoma für einen Moment versucht war, sich doch noch umzudrehen und zu laufen. Aber … seine Zuneigung für sein Team, war dann leider doch zu groß, als dass er es wirklich tat. Stattdessen beobachtete er, wie sich Tezuka zu ihnen drehte. Er tatsächlich so etwas wie Überraschung auf den stoischen Zügen erkennen konnte, was ihn dazu brachte, stehen zu bleiben.

„Ne, Eiji-kun, lass uns sehen, wer besser ist. Taka-san oder Momoshirou, ne.“, lächelte Fuji, als der Tensai gerade noch Eiji-senpai um den Arm zu fassen bekam und diesen, bevor er Ryoma umrennen konnte, herumdrehte und zu dem Court zog, wo besagte gerade ein hitziges Match zu haben schienen. Die anderen aus dem Team, welche nicht spielten, sondern nicht sicher schienen, ob sie dem Match oder lieber Tezuka und Ryoma zusehen sollten, erhielten alle einen eindringlichen Blick aus azurblauen Augen, woraufhin diese plötzlich genau wussten, was sie machen sollten …

Es trennten sie zwei Meter, vielleicht ein bisschen mehr. Und doch fühlte es sich unüberwindbar an. Plötzlich wünschte sich Ryoma seinen Schläger oder seine Kappe. Aber er hatte bewusst darauf verzichtet. Schließlich hatte er genug mit den Halbwahrheiten. Dem Verstecken. Er öffnete gerade den Mund, als Tezuka zwei entschiedene Schritte an ihn herantrat, eh dieser plötzlich ebenso ruckartig stehen blieb. Die rechte Hand in der Luft hielt, unsicher, was er damit machen sollte, bevor sie kraftlos hinabsank und Tezukas Blick sich fast schon reuevoll senkte. „Es tut mir aufrichtig leid, Echizen.“

Ryoma wollte mit spitzer Zunge fragen, ob es ihm leidtat, so zu tun, als wären sie mehr, obwohl sie es nicht waren. Oder die Ohrfeige vor ihren Freunden und Teamkollegen? Aber irgendwo dazwischen spürte er, dass es für beides war und so viel mehr. Weshalb er den Mund geschlossen hielt und den Blick stattdessen auf Tezukas linken Arm richtete. Tezuka hatte alles in den letzten Monaten getan, nur um ihn von der einen einzigen Sache komplett fernzuhalten. Der einzigen Sache, die ihn ebenso sehr beschäftigt hatte, wie Fuji … Und es tat nicht minder weh. „Du bist gar nicht zurückgekommen, weil du wieder gesund bist oder?“

Damit sah er wieder zu Tezuka auf, der schluckte und dann leicht mit dem Kopf schüttelte. „Die Nerven sind zu sehr geschädigt … es ist nicht mehr …“ Der Ältere stoppte und Ryoma presste die Lippen leicht zusammen. Fragte sich, warum er denn niemals was gesagt hatte. Doch dann erinnerte er sich daran, dass es ihm hätte auffallen müssen. Die Art, wie Tezuka spielte, wenn er es musste. Es aber vermied, in dem er in den Turnieren Fuji oder Ryoma einsetzte. Wie intensiv er Ryoma forderte und alles gab, was er sich für sein Tennistraining je wünschte. Und zwar nicht einmal geschont zu werden. „Warum sagtest du, wir währen zusammen?“, fragte er schließlich leise. Nicht sicher, ob er es hören wollte. Aber Tezukas Augenbrauen zogen sich zusammen, beinah als wollte er es selbst nicht aussprechen. „Die Art, wie du Fuji angesehen hast, … es war unvermeidbar zu erkennen, wie du gespielt hast, sobald du ihm gegenüberstandest. So, als würde nichts und niemand außerhalb mehr zählen. Ich … dachte, wenn ich … ich wollte nur, dass du nicht mehr nur so für ihn spielst, sondern … immer. Mit jedem.“

Er konnte nichts gegen die Röte machen, die sich auf sein Gesicht legte. Welche sich intensivierte, als er zu den Courts blickte und dabei auf azurblaue Augen stieß, die sie beide aufmerksam beobachteten. Hart schluckend sah er zurück zu Tezuka. „Bei Fuji geht es mir nicht darum, zu gewinnen.“, wisperte Ryoma leise und senkte den Blick, als sein Buchou ihn überrascht ansah. „Ihm muss ich nicht beweisen gut genug zu sein.“

„Echizen ...“, hauchte Tezuka mit seiner dunklen Stimme, doch er schüttelte nur den Kopf. „Darum hab ich gegen Sanada gespielt und gegen deinen Befehl gehandelt. Ich wollte … ich wollte wissen, … ich wollte dich enttäuschen.“ Er wollte wissen, wie es war, Tezuka zu zeigen, dass er stets gut genug war. Wollte, dass dieser sich daran erinnerte, dass Ryoma vorher nie gegen ihn oder seinem Wort handeln würde. Aber egal was er tat, wie sehr er kämpfte … es fühlte sich nie gut genug an.

Ryoma war so in seinen Gedanken vertieft, dass es ihn erschrak, plötzlich eine sanfte Berührung auf seiner Schulter zu spüren, woraufhin er aufblickte, in Tezukas haselnussbraune Augen. „Du bist … mehr, als gut genug. Sonst würde …“ Tezuka senkte für einen weiteren Moment den Blick und zu Ryomas Verlegenheit wusste er, warum der Blick des Älteren über seinen Halsansatz glitt. „Ich will, dass du das Team nach diesem Turnier übernimmst, das wollte ich schon, … seit du ins Team eingetreten bist.“

„Buchou?“, wisperte er atemlos und starrte besagten fassungslos an. Er wollte nicht … er wollte nie Tezukas Platz einnehmen. „Ich weiß, Echizen. Aber in dir sehe ich das, was ich mir für unser Team immer wünschte.“ Die Hand Tezukas auf seiner Schulter fühlte sich merkwürdig schwer und warm an. Aber unglaublich aufrichtig. Und es war genau das, was er von ihm immer wollte. Das Wieso für das Warum. Schließlich tat Tezuka nie etwas einfach nur aus einem einzigen Grund, sondern vielen. Und vielleicht hatten sie sich beide genau darin verloren. Tezuka in der Absicht, ihn an etwas heranzuführen, während Ryoma die Gründe dafür suchte, und völlig übersah, was so offen vor ihm lag.

Schließlich wollte er etwas sagen, als neben ihnen plötzlich eine Person auftauchte, von der Ryoma in letzter Zeit mehr als genug gesehen hat. „Sanada.“, sagte Tezuka kühl und abweisend, eh sich dessen Hand von Ryomas Schulter hob und ihren Kontakt somit löste. Der Rikkaidaispieler, der sogar noch etwas größer als Tezuka selbst war, blickte an diesem vorbei, in Ryomas Augen. Braune Augen sahen bedrohlich und doch berechnend kühl in seine goldgrünen. „Ich will dich nur daran erinnern, was ich dir gesagt habe.“

Augenblicklich schnellte sein Puls hoch und für einen Moment bereute Ryoma es, seinen Schläger nicht bei sich zu haben. Sanadas dunkle Worte hallten währenddessen in seinem Geist nach. Wie ein eisiges Wispern.

Das was wir mit Fudomine gemacht haben, war nur ein Vorgeschmack auf das, was wir mit eurem Team machen. Rikkaidai gewinnt nicht gegen Seigaku, wir brechen euch …

Und ja, Ryoma kannte es bedroht, beleidigt und verletzt zu werden. Er würde für sein Team alles in Kauf nehmen. Nicht nur, um zu gewinnen, sondern viel mehr, um für sie zu kämpfen. Schließlich würden sie für ihn nichts Minderes tun. Was ihn jedoch damals, ebenso wie jetzt, an den Rand der Klippe brachte, war die Drohung gegenüber den Menschen, die ihm in den letzten Jahren sogar wichtiger als Tennis geworden waren. Einfach … weil sie für ihn Tennis bedeuteten.
Es wäre somit so einfach, Sanada die Genugtuung zu geben, sich von ihm erneut über die Klippe jagen zu lassen. Aber dieses Mal … dieses Mal war er nicht von seinen Gefühlen alleine verleitet. Nicht von der Unsicherheit nicht gut genug zu sein. Nein … schließlich hatte Sanada ihn nicht gebrochen. Er stand immer noch hier.

„Dann musst du dich mehr anstrengen.“, grinste Ryoma arrogant, bevor er sich umdrehte, um Sanada stehen zu lassen. Doch packte ihn im selben Augenblick ein eiserner Griff um sein Handgelenk, der ihn grob zurückzog und ihn tatsächlich erschrocken herumfahren ließ. Aber bevor ihm die Chance gegeben war irgendwie noch zu reagieren, fuhr Tezuka zwischen sie, woraufhin der Griff um sein Handgelenk ebenso schnell verschwand, wie er ihn gepackt hatte. Doch der Schock saß tief.

„Es reicht, Sanada!“ Sagte Tezuka in einer Lautstärke, wie einem Ton, der fast der gleichen Intensität ähnelte, wie sich die Ohrfeige angefühlt hatte.

„Alles in Ordnung?“, hauchte Fuji sanft, welcher sogleich an Ryomas Seite war und ebenso kurz darauf der Rest ihres Teams. Sofort nickte er, konnte seine Aufmerksamkeit jedoch nicht von Tezuka oder Sanada lösen.

„Zu lange habe ich deine Präsenz und stetigen Einschüchterungen auf unseren Grund toleriert.“ Sanadas Blick senkte sich auf Ryoma. „Ich nehme nicht an, er hat euch erzählt, verloren zu haben.“

Ryoma presste die Lippen leicht zusammen, um nichts zu entgegnen. Die Niederlage kränkte ihn fast genauso wie Tezukas Ohrfeige. Doch was dann folgte … ließ ihn sprachloser denn je zurück. „Es war inoffiziell, Sanada und somit nicht der Rede wert. Wenn du uns einschüchtern möchtest, rate ich dir das Gleiche, wie Echizen. Geb' dir mehr Mühe und spiel gegen mich.“

„Angst, dass er gegen mich erneut verliert?“
„Nein. Aber das Wissen, dass er Yukimura besiegt.“

Für einen Augenblick war es, als würde niemand es wagen auch nur zu atmen. Aber Ryoma sah gerade durch diese Ruhe um ihn herum, die leise Unsicherheit in dunkelbraunen Augen schimmern, bevor sie erneut durch Emotionslosigkeit ersetzt wurde und Sanada abfällig schnaubte. „Unmöglich. Das hat noch niemand.“ Damit drehte der Schwarzhaarige sich um und ging, aber Tezukas Worte waren so sanft, so … vertrauensvoll, dass sie Ryoma selbst dann noch im Geiste nachhallten, als er seinem bisher stärksten Gegner, wenige Tage später, gegenüberstand.

Echizen ist aber nicht niemand.

Und tatsächlich besiegte er Yukimura. Dieses Mal nicht, um Tezuka zu zeigen, dass er gut genug war, sondern weil er es wusste. Ebenso wie er dessen Vertrauen in sich spürte. Schließlich hatte zuvor auch noch nie jemand für ihn einen Kampf ausgefochten. Es gab ihm zum ersten Mal das Gefühl, dass Tezuka für mehr als Tennis auf dem Court stand. Ebenso nicht nur für das Team, sondern alleine für Ryoma und es bedeutete ihm mehr, als Worte es vielleicht ausdrücken konnten.

„Saa … Buchou?“, schnurrte Fuji später nach ihrer Siegesfeier in sein Ohr, was Ryoma schaudern ließ. Aber weniger der guten Art. „Mach … das nicht. Das ist gruselig.“, erwiderte er mit einem leicht abgeneigten Gesichtsausdruck, der den Tensai jedoch nur noch mehr grinsen ließ. „Wieso? Lässt du mich sonst Runden laufen, Buchou?“ Ryoma wollte Fuji sagen, nicht albern zu sein, doch …

„Faszinierend.“, kicherte Fuji zwei Minuten später, als er die dritte Runde um Kawamura-sans Sushirestaurant lief, sich dabei bewusst, dass sein gesamtes Team sich über ihn amüsierte, welches ihn zwischen Fassungslosigkeit und Lachen beobachtete. Aber das war es weniger, das ihn zum Lächeln brachte. Sondern das Wissen darüber, das nach allem, was sich in den letzten Monaten abgespielt hat, alles wieder in eine bessere Richtung zu gehen schien. Auch, wenn es ihn enttäuschte, Tezuka nur noch als ihren Trainer, weniger aktives Teammitglied zu wissen, so sah er, wenn er in Ryomas Augen blickte, eine wundervolle Zukunft für ihr Team. Schließlich gab es niemanden, der gewillt war, so viel für sie zu opfern und gleichzeitig so viel für sie gewann.

Nachdem er also mit seiner zwanzigsten Runde fertig war, kam er neben Tezuka zu stehen, der ihn zum ersten Mal seit seiner Rückkehr so ansah, wie er ihn zuvor angesehen hatte. „Danke.“

„Saa, wofür?“ Doch Tezuka schüttelte nur leicht den Kopf und blickte zu ihrem Jüngsten. „Das weißt du, Syusuke.“

Ja … ja, vielleicht.

~*~ Fin ~*~

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