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"Ich bin kein...Abweichler."

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Hank Anderson OC (Own Charakter) RK800-51-59 Connor
08.06.2018
17.06.2018
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11.145
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08.06.2018 1.834
 
„Schön brav sein, Sumo. Ich bin bald wieder zurück.“, sagte Hank während er zur Haustür spazierte. Der Bernadiner gehorchte und legte sich sogleich auf seine Matte. „Guter Hund.“ Die Tür fiel ins Schloss und Hank ging geradewegs zu seinem Wagen obwohl er am Liebsten heute daheim geblieben wäre. Daheim bei seinem geliebtem Hund, bei seinem Whiskey, die Füße hochgelegt und sich die neusten Nachrichten reingezogen. Obwohl sowieso nur noch derselbe Kram seit Monaten lief.

Androiden hier und Androiden dort.

Hank betätigte das Radio um sich ein wenig mit Musik zu beruhigen. Zu schade, dass sie den Jazz-Sender abgesetzt hatten. Laut einer Umfrage war dieser Sender äußerst beliebt bei den Menschen gewesen aber nein! Nun trällerte ein Haufen Plastikhaufen auf diesem Sender. Spielten Musik, wenn man es überhaupt Musik nennen konnte, auf elektronischen Geräten. Die Menschheit wurde immer verrückter. Bevorzugten diesen Schrott anstelle von gutem, rhythmischem Jazz.
„Sogar im Radio läuft die letzte Scheiße“, sagte er gequält und schaltete das Radio wieder aus. „Scheiß drauf.“ Es war ohnehin nicht weit bis zu seiner Arbeitsstelle gewesen. Theoretisch hätte er auch zu Fuß gehen können. Wären da nicht diese lästigen Androiden gewesen, welche ihm alle 5 Minuten einen schönen Tag wünschten.
Nein – denen wollte er definitiv nicht über den Weg laufen. Der Tag sollte nicht noch schlimmer werden, als er es ohnehin schon war.
Die Fahrt in seinem Wagen schien ihm heute wie eine Ewigkeit vorzukommen.
„Ach, Hank. Mach dir nicht so viele Gedanken.“ Aber weswegen wollte Fowler ihn unbedingt sehen? Vermutlich wartete wieder ein Berg Papierkram auf seinem Arbeitsplatz oder der Arschkriecher von Kollegenschwein Garrison hat sich wieder beim Chef beschwert ‚Hank‘s Arbeitsplatz entspricht nicht unseren Hygienevorschriften. Seinen alten, kalten Kaffee den er immer von zuhause mitbringt kippt er nie weg. So eine Unordnung ist die reinste Katastrophe, wie kannst du da nur arbeiten, Hank? Arbeitest du überhaupt noch? Seit diese Sache passiert ist, kriegst du nie was auf...“
Eine kreischende Frau weckte Hank aus seinem Tagtraum. Seine rötlichen Augen richteten sich wie ein Fernglas auf die laute Frau mit ihrem Zwillingskinderwagen. In letzter Sekunde konnte er noch mit seinem Wagen ausweichen. Seine Armen kreuzten sich über sein Lenkrad, er spürte den Druck unter seinen Füßen und seine Hände zitterten wie aufgeregte Aale. Das Geräusch von quietschenden Reifen drang in seine Ohren, bis er endlich zum Stillstand kommen konnte.

„Oh, Herr im Himmel.“ flüsterte Hank. So etwas hätte niemals passieren dürfen. Nicht ihm. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Er fühlte weder seine Beine noch seine Arme. Hank schien wie gelähmt, als er auf einem Bürgersteig stehen blieb. Er kurbelte sein Fenster herunter um den Vögeln beim singen zuzuhören. Immerhin konnte ihm niemand ‚diese‘ Musik wegnehmen.
„Scheiße, das war genug Aufregung für heute.“
Seine minimale, vernünftige Seite sagte ihm, er solle aussteigen und nach der Frau und ihren Kindern sehen. Ein flüchtiger Blick über seine Schulter verriet ihm, dass sich bereits eine kleine Gruppe von Spaziergängern und...Androiden um die Frau und den Kinderwagen versammelt hatten.
Es beruhigte ihn nicht nur die Tatsache, dass der Mutter und dessen Kinder nichts geschehen ist. Sie waren nun auch nicht alleine.
Nach gequälten 5 Minuten fühlte sich Hank wieder fahrtüchtig, startete seinen Motor und fuhr seine Fahrt zum Präsidium weiter fort.

~~~
„Hank!“ rief plötzlich Jeffrey Fowler durch den gesamten Raum. „In mein Büro. Sofort!“ Hank erhob sich widerwillig und kam wie gewünscht in das Büro seines Vorgesetzten. Er betrat den kleinen, gläsernen Raum und blickte auf den Rücken von Fowler. In seinen Händen entdeckte er einige Unterlagen. Für einen kurzen Momente glaubte er, einen Androiden auf den Dokumenten entdeckt zu haben. Er wollte gerade etwas dazu beisteuern...doch er hielt sich zurück.
„Bitte. Nimm Platz, Hank.“ Dies ließ er sich nicht zweimal sagen.
„Kaffee?“

„Nein.“ sagte Hank. „Ich trinke diese Plörre hier nicht.“

„DU hast den Kaffee mitgebracht.“

„Es liegt nicht am Kaffee‘. Es ist eure Kaffeemaschine!“ prustete er laut. Er hielt kurz inne und sprach dann weiter. „Wo wir gerade das Thema ‚Maschinen‘ ansprechen...“

„Hank!“ unterbrach Fowler ihn. „Bitte. Das Thema hatten wir bereits.“

„Und ich wärme es gerne wieder auf. Wann in Gottes Namen entfernt ihr diese lästigen Maschinen aus dieser Stadt? Warum nicht gleich aus der ganzen USA?“

„Niemals. Und das ist alles was ich dazu zu sagen habe, mein lieber Hank. Du magst deine Gründe haben, weshalb du die Androiden nicht ausstehen kannst, dennoch leisten sie hier hervorragende Arbeit. Die Menschheit ist zufrieden. Wir sind dagegen völlig machtlos.“
Hank hätte am liebsten mit der Hand auf den Tisch geklopft. Doch er durfte nicht vergessen, wo er sich befand. Er konnte sich glücklich schätzen, dass Fowler ihm angeboten hatte sich weiterhin im Präsidium aufzuhalten und weiterhin Fälle ausführen durfte. Hank wusste, dieses Angebot hätte Jeffrey nicht jedem angeboten. Sie waren seit Jahren Arbeitskollegen gewesen und haben vieles gemeinsam durchgestanden.
Und ganz nebenbei war Hank nicht irgendwer. Es war einfach - Hank. Fowler‘s bester Polizist, den er jemals hatte.
Die Beziehung zwischen ihnen war schon immer etwas Besonderes gewesen.
Fowler realisierte Hank‘s pochenden Hals. „Beruhige dich doch.“

„Du weißt ganz genau, dass ich mich nicht beruhigen kann. Du weißt, weshalb ich so einen Hass auf diese ‚Dinger‘ habe.“

„Ja, Hank.“ hauchte sein Vorgesetzter. „Das ist mir die in der Tat bewusst. Aber ist es dennoch notwendig gleich ALLE Androiden über einen Kamm zu scheren?“ Hank‘s Antwort bestand aus purem Schweigen.

„Wie auch immer...“ fuhr Jeffrey fort.
„Der Eigentliche Grund, weshalb ich dich in mein Büro gerufen habe, ist folgender: Ich...“ Es klopfte, worauf Fowler kurz aufschrack „Was ist denn?“ brüllte er seinem Detective vor der Tür zu.
„Er ist hier, Sir. Sie haben ihn vor kurzem hierher gebracht.“ Fowler nickte nur und lehnte seine Hände gegen seinen Kopf.

„Oh Hank. Du wirst mich dafür hassen.“ hauchte der Captain leise, sodass Hank ihn kaum verstehen konnte. Er richtete noch immer seinen Blick auf seine Dokumente und rührte sich keinen Zentimeter. Irgendetwas Seltsames ging hier vor sich. Hank kannte Jeffrey nun schon so lange. Er wusste ganz genau, wann er etwas zu verbergen hatte.
„Wofür werde ich dich...“ - „Captain Fowler, Detective Anderson.“ Beide drehten sich um, nachdem sie ihre Namen von einem Kollegen vernommen hatten. In der Glastür erkannte Hank seinen langjährigen Kollegen Michael und neben ihm einen weiteren Mann.
Doch...bei genauerem Hinsehen erkannte Hank, dass das neben Michael kein gewöhnlicher Mann war. Auf den ersten Blick wirkte er wie ein echter, normaler Mensch. Sein Aussehen, sein Blick, seine Haltung. Ihre Augenpaare trafen sich für einen kurzen Moment. Man erkannte nicht den Hauch von Leben in seinen Augen. An seiner rechten Schläfe erkannte er einen kleinen, blau-leuchtenden Ring. Hank‘s Gesichtsausdruck umwölkte sich. Dies war kein Mensch, sondern ein Android. Ein elender, bescheuerter Android.
„Das ist Connor. Er wurde uns von CyberLife zur Verfügung gestellt um uns bei einigen Missionen zu helfen. Hank...“
Hank mied seinen Blick und auch die des Androiden. Er ahnte bereits, was nun folgen würde. Seine Hände ballten sich zu Fäusten.
„Connor wird von nun an dein neuer Partner sein. Viel Vergnügen mit ihm.“ Mit einem Klapps auf Connor‘s Schulter verabschiedete sich Michael von seinem Captain und Hank.

Nun meldete sich auch Connor das erste Mal zu Wort. Er richtete sich auf und sagte „Captain. Lieutenant. Es ist mir eine Ehre hier sein zu dürfen.“

„Das Vergnügen ist ganz auf unserer Seite. Nicht wahr, Hank?“

Hank, noch immer mit geballten Fäusten stocksteif stehend und mit knirschenden Zähnen, hätte am liebsten die Lieblingsvase von Fowler zerschlagen. Egal was – irgendetwas wollte er kaputt machen. Es kribbelte in seinen Fingern dieser Maschine eine zu verpassen. Vielleicht ins Gesicht oder in den Magen. Im Umkehrschluss wusste er, dass das nichts ändern würde. Schmerz war nur eine von unzähligen Gefühlen, welche Connor niemals spüren würde.
Er wandte sich an Jeffrey und ignorierte den Androiden. „Du erwartest von mir, dass ich mit diesem Drecksding arbeite?“ wütete Hank.

„In der Tat. Das tue ich.“

„Was habe ich dir nur angetan, Jeff?“ Er ließ sich blind auf den Stuhl fallen und rollte prompt nach hinten gegen die Glasscheibe. „So viele Jahre habe ich in diesem Laden geackert. So viel Herzblut habe ich hier hinein gesteckt. So viele Fälle habe ich lösen können. Ich brauche keine Hilfe und schon gar nicht von so einer verfluchten Maschine.“
Connor hörte selbstverständlich jedes Wort mit aber kümmern taten ihm seine Worte keineswegs. Wie auch? Er war ein Android. Auf Gefühle, Emotionen jeglicher Art war er nie programmiert worden. Einzig seine Mission war für ihn höchste Priorität und auch die Einzige. Dennoch wollte er alles erdenklich Mögliche versuchen mit seinem neuen Partner so gut es ging klarzukommen. Sein System erkannte, dass gute und professionelle Zusammenarbeit vieles bewirken konnte. Er entschied sich den ersten Schritt zu wagen um seinem neuen Partner etwas näher zu kommen.

„Lieutenant. Was halten Sie davon wenn sie mir das Präsidium zeigen würden? Ich würde gerne meine Umgebung und meinen Arbeitsplatz und auch Sie besser kennenlernen.“
Als Antwort bekam Connor ein lautes, verkrümmtes Lachen, welches ihn sichtlich wunderte. Hatte er eine falsche Frage gestellt? Hätte er sie anders formulieren sollen? Was der Lieutenant derzeit anderweitig beschäftigt?

„Hör mir mal gut zu...und du auch Jeffrey.“ Hank kam dem Androiden immer näher. Dieser bewegte sich jedoch nicht von der Stelle und starrte ihn mit seinen dunklen Augen an. Fowler horchte und lehnte sich dabei gespannt in seinen Sitz zurück.

„Ich habe dem Captain einiges zu verdanken und nur aus diesem Grund wirst du mich begleiten. Ich benötige weder deine, noch irgendeine andere Hilfe. Und kommst du mir nur einmal in die Quere...stehst du mir nur eine Sekunde im Weg...werde ich alle Wege umsetzen um dich...“

„Hank...“ Er pausierte. Fowler erhob sich aus seinem Sitz und kam auf Hank und Connor zu. „Gib ihm einfach eine Chance. Connor ist der Beste Android, den uns CyberLife zu Verfügung gestellt hat. Er ist für diese Arbeit bestens geeignet. Ich bin überzeugt davon, dass ihr wunderbar zusammen arbeiten werdet.“
Hank räusperte sich nur und ließ von Connor ab. Dieser taumelte ein bis zwei Schritte nach hinten und richtete wieder seinen Kragen. „Wenn das Ding mir nur irgendwie in die Quere kommt, werde ich es höchstpersönlich auf den Müll entsorgen...“ seine Augen wanderten zu denen von Connor. „Hast du das verstanden?“

„Natürlich, Lieutenant. Ich werden Ihnen keine Schwierigkeiten bereiten.“

„Siehst du, Hank. Er wird dir keine Schwierigkeiten bereiten.“ wiederholte Fowler glücklich. „Also dann...an die Arbeit ihr Beiden...und Hank.“

„Captain?“ sagte er mit einem Hauch Sarkasmus.

„Schmeiß deinen Kaffee weg. Garrison beschwert sich schon den ganzen Morgen.“

„Wenigstens schmeckt er. Egal ob kalt oder heiß. Soll der Idiot ihn selber wegschmeißen, wenn es ihn so stört.“ mit diesen Worten verließ Hank schnurstracks das Büro und ließ Connor und Fowler zurück.
„Schon gut, Connor. Das wird schon.“ Connor nickte und verließ ebenfalls das Büro. Er war der festen Überzeugung, dass eine Zusammenarbeit mit seinem neuen Partner durchaus möglich war. Laut seiner Berechnungen lagen aktuell die Chancen bei 20%.

„Nun, immer noch besser als 19%“ sagte Connor voller Elan.
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