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Kill Your Heroes

GeschichteAbenteuer, Drama / P18 / Gen
Itachi Uchiha Kakashi Hatake Sakura Haruno
08.06.2018
03.11.2019
29
93.365
12
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21 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
10.06.2018 3.481
 
Basiphobia



Sakura klammerte sich an die Säule, ihr Blick auf den Shinobi gerichtet der weit über ihr an der Brücke hing. Sie wusste nicht ob sie in dieser Position einem geworfenen Kunai würde ausweichen können. Sie wusste nicht ob sie ein geworfenes Kunai überhaupt würde kommen sehen. Sie hatte ihre Augen instinktiv beim ersten Aufleuchten der Magnesiumfackel geschlossen sie aber auch genauso instinktiv wieder geöffnet als es Zeit wurde der letzten Attacke ihres Gegners zu widerstehen.

Ein immer noch schwelender Gegner den sie unangenehm nah an anderen flammbaren Objekten liegen gelassen hatte, aber darüber konnte sie sich jetzt keine Sorgen machen. Sie konnte sich selber kaum beisammen halten. Ein Teil von ihr war erleichtert als der andere Shinobi, der ungestört weiter an dem Muster gearbeitet hatte das die Brücke zerstören würde, ihr wieder den Rücken zuwandte da er sie anscheinend nicht für eine akute Gefahr hielt.

Sakura wollte ehrlich gesagt nichts sehnlicher als am Fuß der Säule kauern zu bleiben, aber jenseits der weißen Flecken die sie vor sich sah, sah sie einen brennenden Mann. Ihre Hände zitterten, doch das solide Gewicht des Messers in ihrer Hand erdete sie. Sie konnte nicht zulassen das Tazuna und den anderen etwas derartiges passierte. Die Angst war groß, doch die Angst davor die Explosion zu überleben die sie zugelassen hatte war größer. Nicht bei viel, aber es reichte aus um sie in Bewegung zu setzen.

Sie verschätzte sich als sie versuchte die Säule hinauf zu laufen. Ihr Fuß kam auf Wasser auf das lange nicht so solide war wie die Säule und sie schlug sich an dem rauen Beton schmerzhaft die Knie auf. Es brannte als das Salzwasser in die Wunde kam, aber sie biss die Zähne zusammen und sprintete nach oben.

Wenn sie dabei keuchte, was solls?

Es war nicht so das ihr Kommen eine Überraschung für ihren Gegner wäre und sie wusste nicht genug über Explosionen um auf diese Distanz abschätzen zu können ob er einen mechanischen Auslöser bei sich hatte oder der Auslöser auf einen Impuls seines Chakras zünden würde oder wie nah er daran war das Muster aus Tinte zu vervollständigen. Das Muster das dafür sorgen würde das die Brücke und jeder darauf nicht mehr sein würden als Schutt und Erinnerungen.
Wenn er fertig würde bevor sie ihn erreicht hatte, wenn das passieren sollte...

Sie verdrängte den Gedanken.

Sie wusste ebenso wenig darüber wie man Sprengstoffe entschärfte wie darüber wie man sie setzte.

Sie griff in ihrer Tasche nach einem Kunai und warf es nach ihrem Gegner. Ihre Hände hatten gezittert, aber das kalte, familiäre Gefühl des Metallrings zwischen ihren Fingern brachte die endlosen Drills der Akademie zum Vorschein. Sie hatte damals wenig Sinn für die unzähligen Stunden stumpfer Übungen gehabt, aber jetzt verstand sie warum sie so wichtig gewesen waren. Jetzt war es egal das ihr Ziel eine Person war und keine Zielscheibe. Ihr Körper kannte diese Bewegung und wusste was er zu tun hatte selbst als ihr Geist nicht mehr nach kam.

Aber dieses Ziel reagierte und wehrte ihr Kunai mit einem eigenen ab. Sie hatte einen Eindruck davon das er lange nicht so schnell war wie Zabuza oder Kakashi-sensei, aber das tröstete sie wenig. Er musste vom Level kein Jonin sein um besser als Sakura zu sein, insbesondere nicht in diesem Moment. Die weißen Flecken in ihrem Sichtfeld waren teils verschwunden, aber sie sah immer noch seltsame Schatten.

Sie wehrte sein Kunai mit dem Messer ab, das zwar auf eine angenehm natürliche Art in der Hand lag, aber für Hände gemacht war die weit größer waren als ihre. Kurzum war es eine sehr ungelenke Bewegung die jedoch ihren Zweck tat. Sakura hatte das Messer instinktiv nach hinten zeigend gegriffen, der Griff und die Klinge unterstützen die Griffform, aber sie hatte sich noch nie mit einer solchen Waffe aus der Position heraus verteidigt in der sie hockte.

Einer seiner Kunai schrammte über die flache Seite der Klinge und schnitt flach in ihren Arm sodass sie sich bewegen musste um zu verhindern, dass das Kunai sie flächig traf. Dennoch konnte sie sich nicht dazu bringen die Waffe loszulassen die sie gedankenlos aufgehoben hatte. Der Austausch der Kunai stoppte als sich die Distanz zwischen ihnen schloss und sie sich darauf gefasst machten direkt auf den anderen zu treffen. Sakura stürmte schlicht auf ihn los, doch ihr Gegner griff eine Schriftrolle aus seiner Tasche und als er das Siegel löste erschien ein Waffe wie sie noch keine zuvor gesehen hatte.

So groß wie er es war hielt er eine Art Keule in der Hand die aussah als wäre sie aus einem jungen Baum gemacht worden und der Wurzelballen an einem Ende in eine Sammlung aus scharfen Spitzen gespikt worden. Dazwischen ragten gezackte Klingen hervor. Es war keine anmutige Waffe. Es war keine richtige Ninjawaffe, war nicht einmal eine Waffe die ein gewöhnlicher Schurke benutzen würde. Aber sie gab ihm den Vorteil das er mit einem Mal eine größere Reichweite hatte als sie und das Haut, Knochen und Muskeln wenig Interesse an Handwerkskunst hatten wenn man sie mit genug Kraft konfrontierte und diese Klingen sahen für sie scharf wie Rasiermeser aus, mit einem Übelkeit erregenden, gut geölten schwarzen Glanz.

Das Holz war in einem dunklen, blutigen Braun verfärbt.

„Beeil dich, Mädel“, grunzte ihr Gegner, „Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit.“
Sakura wünschte sich sie wäre gut genug um auf Zeit spielen zu können. So wie es nun einmal war kostete es sie Mühe einen Kampf fortzusetzen den sie nicht kämpfen wollte und all ihren Willen um ihre Füße vorwärts zu bewegen. Diese wenigen, kurzen Sekunden als sie gedacht hatten das Kakashi-sensei tot war waren schlimm genug gewesen. Das hier war schlimmer. Weit schlimmer.

Vielleicht lag es daran das sie allein war. Sie hatte erwartet das Sasuke-kun gewann, irgendwie, egal was mit ihrem Jonin-sensei passiert war, aber sie...

All ihre Gedanken stoppten als er die Keule das erste Mal schwang. Er ließ sie durch seine Hand rutschen bis er sie wie einen Schläger hielt. Die unförmige Waffe war sogar noch länger als sie gedacht hatte und sie stolperte ungelenk zur Seite um auszuweichen. Denn wenn sie sich selbst vergaß und sprang um auszuweichen würde das ihr Ende sein. Wie, als wenn man eine Fliege aus der Luft heraus erschlug. Selbst wenn sie es irgendwie schaffen sollte zu blocken war er schwerer als sie und saß an der längeren Seite des Hebels.

Sie musste diesen Kampf dringend wo anders hin verlagern.

Besonders weil sie sich nicht sicher war wie viel länger sie noch kämpfen und dabei ihre Füße an der Unterseite der Brücke halten konnte. Würde er ihr folgen wenn sie sich zuürckzog? Es war der Gedanke der ihren Geist einnahm als sie versuchte außerhalb seiner Reichweite zu bleiben während er sie ohne große Mühe immer weiter zurück trieb. Sein Kampfstil war so hässlich wie seine Waffe. Weite Schwünge die zu wilden Hieben wurden, aber in dieser Umgebung und gegen Sakura war es effektiv genug.

Sie riskierte einen Blick hinter sich und fand das sie mehr Boden verloren hatte als sie gedacht hatte. Sie war fast am Ende der Brücke angelangt. Der Haken und das Kabel des still stehenden Krans schwangen verlockend nah an der Brücke.

Vielleicht...

Ihr Verstand war zu sehr in Panik versunken als das man es einen Plan nennen konnte, dafür hätte sie in ihrem Vorhaben mehr vorausdenken müssen und klarere Absichten haben müssen. Aber sie konnte die Chance das Schlachtfeld zu verändern nicht verstreichen lassen. Sie musste es nur auch überleben.

Sie hatte eine Menge mehr Shuriken als Kunai in ihrer Tasche und keines davon würden ihr irgendetwas nutzen wenn sie hier starb, also benutzte sie was sie hatte und zielte dabei auf die Füße ihres Gegners der nicht zum Stillstand kam als er ihren Geschossen in einem grotesken Tanz auswich. Sie irritierte ihn, das konnte sie gut erkennen und als schließlich – mit einem schwungvollen Wurf aus dem Handgelenk in letzter Sekunde – eine Reihe Shuriken ihr Ziel trafen machte sie ihn wütend. Als er nach unten griff um sie aus seinen Beinen herauszuziehen erlaubte sie sich nicht in seine Falle zu tappen, drehte sich auf der Stelle um, sprintete los und nahm allen Mut für den weitesten Sprung zusammen den sie je gewagt hatte.

Sie bekam das Kabel mit ihrer freien Hand zu fassen und wand ihre Füße um es herum. Sie war augenblicklich froh darüber das sie nur mit einer Hand zugegriffen hatte weil das Kabel aus Stahl war und ohne Erbarmen selbst an den Schwielen vom Training vorbei in ihre Hand schnitt. Eher ihr Chakra als ihre Kraft nutzend begann sie sich nach oben zu hangeln während ihr Gegner sich dafür entschied an der Seite der Brücke hinauf den Kran in großen Sprüngen zu erklimmen.

Sakura hatte nur Sekunden um nach Luft zu schnappen bevor sie sich entlang des Auslegers des Krans im Kampf trafen. Sie waren jetzt beide agiler und Sakura bereute es zu tiefst als sie den Moment hatte neben Panik überhaupt etwas zu empfinden.

Dann passierte es.

Sakura war müde, ihr Chakra floss nicht mehr so mühelos wie zu dem Zeitpunkt an dem der Kampf begonnen hatte und da war der winzige Moment in dem ihre Balance nicht ausreichte um sie abzufangen und ihr die Kontrolle entglitt. Sie schaffte es gerade noch so sich an einem der Träger festzuklammern bevor sie fallen konnte doch sie baumelte gefährlich im Nichts. Ihr einziger Punkt an dem sie sich festhielt war eine Hand die glitschig war von ihrem eigenen Blut. Ihre Arme begannen zu zittern als sie gegen die Schwerkraft und ihr eigenes Körpergewicht ankämpfte. Keiner der Übungskämpfe an der Akademie hatte sie hierfür vorbereitet. Es hatte immer den sicherer Ausweg gegeben aufgeben zu können aber jetzt gab es nur die Wahl zwischen loszulassen und in die tosenden Fluten weit, weit unter ihr zu stürzen oder sich mit allem was sie hatte festzuklammern.

Ihr Gegner schien sich darauf zu freuen ihre Entscheidung zu beschleunigen. Er grinste sie höhnisch an und trat ihr mit einem Fuß auf die Hand, die schon von der Begegnung mit dem Kabel nicht gut davongekommen war. Sakura schrie und der Schmerz reichte aus um die Erschöpfung auszublenden und sie reagieren zu lassen. Sie trieb ihm das Messer durch den Knöchel.

„Du Schlampe“, fluchte er und verlagerte sein Gewicht um die Keule auf sie herunter zu bringen aber sie hatte bereits den Schwung genutzt den seine Gewichtsverlagerung mit sich brachte um seinen anderen Fuß mit der nun freien Hand zu greifen. Ihr Griff um seinen Knöchel war stark genug das sie ihn zu sich reißen konnte und sie tat genau das mit allem was sie aufbringen konnte. Sein gesamtes Gewicht lastete auf dem Bein an dem sie zog und es brachte ihn gerade genug aus dem Gleichgewicht das sein Fuß nach vorne rutschte – dieses winziges bisschen hinein in das Nichts das sie gebraucht hatte. Sein Gewicht und die Schwerkraft erledigten den Rest da wo ihre Kraft aufhörte und sein Becken schlug mit einem durchdringenden Knacken auf den Kran auf. Er hätte sie fast mit sich hinab gezogen doch sie nutzte seinen in den Drahtseilen gefangenen Körper um sich hinauf zu hangeln bis sie auf dem Ausleger hockte. Seine Beine hatten sich verknotete und sie kam wieder an das Messer heran das noch immer in seinem Knöchel steckte.

Sakura nahm es ohne zu zögern an sich und schlug zu ohne groß darauf zu achten was sie tat. Die Angst brachte ihr neue Geschwindigkeit und obwohl sie den ersten Schlag völlig falsch einschätzte traf sie ihr Ziel. Immer wieder schlug sie zu und spürte mehr die Einschläge als das sie sah was sie tat. Dann war es vorbei. Zuerst konnte sie nur dort hocken und zittern. Fast genauso seltsam an dem Kran abgestützt wie er sich in ihm verheddert hatte weil sie ihrem Chakra nicht mehr trauen konnte. Doch dann hatte sie genug.

Sie wollte das diese letzten Minuten ihres Lebens niemals geschehen waren, sie wollte nach Hause und aus diesem schrecklichen Albtraum aufwachen, sie wollte das es einer dieser seltenen Momente war in dem ihre Eltern Zuhause waren, aber sie musste sich damit abfinden das sie von dem Kran herunter musste um den Arbeitern zu sagen das sie von der Brücke verschwinden mussten für den Fall das sie es nicht rechtzeitig geschafft hatte und unter ihren Füßen ein Zünder herunter lief. Sakura bewegte sich mit übertriebener Vorsicht und versuchte sich dennoch so schnell wie möglich zu bewegen ohne zu fallen bis ihre Welt nur noch aus dem Rhythmus bestand in dem sich ihre Hände und Füße von einer Sprosse zur nächsten bewegten.

Als ihre Füße den Beton berührten fühlte es sich seltsam an. Surreal, wirklich.

Sie stolperte zurück zu der Gruppe Arbeiter die, wie sie erst jetzt bemerkte, Sand auf den anderen Shinobi geschaufelt hatten und ihn durchtränkt hatten bevor sich das Feuer hatte ausbreiten können. Aus irgendeinem Grund konnte sie nicht anders als zu starren, weil es ihr nicht in den Sinn gekommen war das Zivilisten sich nützlich machen konnten.

Tazuna pfiff durch die Zähne als er ihre zerschlagene Form sah und Sakura zuckte zusammen. Wenn sie nur halb so schlimm aussah wie sie sich fühlte wollte sie nicht das Sasuke-kun sie zu sehen bekam lange nachdem sie in das Dorf zurückgekehrt waren und sie die Möglichkeit gehabt hatte sich zu waschen und umzuziehen. Er wandte sich einem der Arbeiter zu und rief ihm zu: „Masa-kun, warum holst du nicht das Erste Hilfe Set und hilfst ihr ein wenig aus?“ Er zeigte mit dem Daumen hinter sich auf den sandigen Haufen und dem der Körper des anderen Ninja begraben war. „Wenn du möchtest können wir uns um ihn kümmern, aber dein Sensei wird ihn sich ansehen wollen, eh?“

„Ich glaube – ich meine, ja“, Sakura stolperte schon über die einfache Zustimmung. Protokolle schienen so weit entfernt. So aus der Luft gegriffen. „Aber wir müssen von der Brücke runter. Jetzt. Sie haben Sprengstoff gesetzt und ich weiß nicht genug darüber um ihn zu entschärfen falls sie es geschafft haben ihn scharf zu stellen.“

Der Schock über ihre Nachricht war Tazuna deutlich anzusehen, wenn auch nur kurz. Er schien fast noch weniger überrascht darüber zu sein als sie es gewesen war. Er schaffte es in kürzester Zeit seine Mannschaft zusammen und von der Brücke zu treiben. Während sie in sicherer Entfernung darauf warteten das Kakashi-sensei ankam sah sie sich um. Sie hatte nicht bemerkt das sie eine der Fackeln gezündet hatten die sie fallen gelassen hatte, doch ihr Sensei war nicht so unaufmerksam was seine Umgebung anging wie sie es war.

„Ah, hier rüber, Masa-kun“, rief Tazuna als er sich zu ihr gesellte. „Ich dachte schon das ich gesehen habe das du den Koffer gefunden hast. Kein Grund damit zu warten dich wieder ein bisschen herzurichten. Nimm ein bisschen Rücksicht auf die, die dein Blut von der Straße putzen müssen.“

Eines der Crewmitglieder kam auf sie zu und sie erlaubte sich von ihm zur Seite genommen zu werden und sich auf eine der Bänke zu setzen die einen verdorrten Vorgarten in der Nähe standen. Das Erste Hilfe Set sah eher nach einem zweckentfremdeten Werkzeugkoffer aus und Masa lächelte sie an. „Sorry. Wir sind hier etwas beschränkt in dem was wir im Notfall leisten können. Saubere Binden um Blutungen zu stoppen, Alkohol um zu desinfizieren, ein paar Kühlpacks. Wenn wir mehr als das brauchen bedeutet das meistens eh einen Ausflug in die Klinik. Fühlt sich irgendetwas an als ob es genäht werden muss?“, fragte er sie als sie sich gesetzt hatte.

Es war ein wenig mehr ein Kollaps als alles andere und das Messer fiel klirrend aus ihrer Hand auf die Straße als sie sich dazu zwingen konnte es loszulassen. Vor ihr blitzten silberne Augen auf in den sich Wut und Schmerz spiegelten. Es war kurz und schnell wieder vorbei, erschütterte sie aber bis ins Mark. Sie zitterte.

„Kalt?“, fragte Masa. Er war vielleicht gerade einmal doppelt so alt wie sie und hatte ein freundliches Gesicht.

Sakura schüttelte den Kopf. „Nein“, krächzte sie.

Sie versuchte still zu sitzen als Masa vorsichtig ihre Haare aus ihrem Gesicht strich, doch jede Bewegung stach und brannte in den Schnitten und Prellungen. Ihr Haargummi und das Stirnband reichten nach dem Ausflug ins Meer einfach nicht mehr aus um ihre Haare zurück zu halten. Masa zog sich das Stück Stoff aus den Haaren das sie zusammengehalten hatte – eines von diesen übergroßen, fransigen Dingern bei denen sie nie wusste ob es nun ein Kopftuch oder ein Schal war und die sie stark mit Wüstenkampagnen assoziierte.
Shemagh? Etwas in der Art.

Dieses hier war weiß mit einem schlichten, schwarzen Karomuster. Sie bemerkte abwesend das sein Haar schlammig braun war, ihm bis zum Kinn ging und ungleichmäßig geschnitten worden war. „Na los, bind dein Haar damit zurück“, redete er ihr zu, „es war sauber als ich es heute Morgen umgebunden habe.“

Sakura schaffte es den Knoten zu lösen der ihr Stirnband hielt, zog ihr Haargummi aus den verklebten Strähnen und ersetzte er mit dem viel effektiveren Shemagh. Auch wenn Masa es ihr festbinden musste. Nachdem sie mühsam versucht hatte es selber zu machen und ihm dabei in die Quere gekommen war saß sie nur noch still da, die Hände im Schoß verschränkt und ein Bündel Stoff gegen ihre blutende Hand drückend. Der Schnitt war nicht tief, doch genau wie bei Kopfwunden gab es an den Händen nicht viel was die Venen schützte und so hatte es stark geblutet. Ihr war so übel und schwindelig das sie kaum mitbekam wie er sich ihrem Gesicht zuwandte.

Bis er sanft ihren Mundwinkel berührte. „Ah, das könnte eine Narbe geben“, murmelte er. „Es kann sein, dass das genäht werden muss. Ich bringe dich zur Klinik sobald wir hier fertig sind. Aber du bist jung genug das es verblassen wird selbst wenn du eine Narbe behalten solltest.“

Sakura hatte das Gefühl das die Idee einer Narbe in ihrem Gesicht etwas war um das sie sich eigentlich gesorgt hätte doch umso länger sie stillsaß desto mehr holte sie die Erschöpfung ein und umso erschöpfter sie sich fühlte desto näher lauerten diese starren silbernen Augen in ihrem Augenwinkel. Jagten sie. Darüber nachzudenken das er tot war half ihr wenig, denn es brachte eine andere Art von Terror mit sich.

Also sah sie nicht hin.

Tat nicht viel, dachte nicht über viel nach bis sie das Raunen der Menge wahrnahm das bedeutete, dass Kakashi-sensei angekommen war. Bevor sie ihn entdecken konnte erklärte Tazuna bereits mit lauter Stimme was passiert war. Kakashi-senseis Antwort war kurz angebunden, steif und ernst. Dann war er wieder verschwunden und Sakura wartete zusammen mit allen anderen angespannt darauf was passieren würde. Es schien lange zu dauern, viel zu lange, doch dann kam das ersehnte „Gesichert!“ vom Rande der Brücke.

„Gut, dann lasst uns weitermachen“, sagte Tazuna. Die meisten Arbeiter begannen zurück zur Baustelle zu strömen, doch Masa blieb bei ihr. Sie zuckte zusammen als Kakashis Hand in einem familiären Tätscheln auf ihrem Kopf zum liegen kam.

Sakura zog ihre Schultern nach vorne und rollte sich ein. „Kakashi-sensei, du bist spät“, warf sie ihm vor. Jetzt wo er hier war ähnelte es eher einem Schluchzen.

„Ah“, antwortete er. „Sorry deswegen, Sakura-chan.“

Sie machte sich kleiner, zog die Knie an und atmete in ungleichmäßigen, angestrengten Zügen ein uns aus. Sie wollte nicht weinen. Shinobi weinten nicht. Aber mit dem warmen, soliden Gewicht von Kakashis Hand auf ihren Kopf wurde es mit einem Mal sehr, sehr schwer. Jemand kam zu ihnen und sie machte sich nicht die Mühe aufzusehen, aber das Geräusch von etwas das auf den Boden gelegt wurde brachte sie aus Gewohnheit dazu nachzuschauen was es war.

Sie sah vor lauter Horror nicht wieder weg.
Warum würde jemand auf die Idee kommen das sie das haben wollen würde?

Es war der Zwilling zu dem Messer das sie benutzt hatte. Doch sein Stahl war verfärbt von der Hitze, die Nylonkordel die um den Griff gewickelt gewesen war geschmolzen und Teerspritzer hatten sich auf der ganzen Länge der Waffe verteilt.

Es war immer noch mit dem Blut des ersten Mannes verschmiert den sie getötet hatte.

Zaghaft griff sie danach, ihre Finger über dem geschmolzenen Draht schwebend. Sie wandte sich ab und Kakashi-senseis Hand hob sich von ihrem Kopf. Die Arbeiter hatten ihr erstes Opfer aus seinem nassen, sandigen Grab befreit und ihr Blick huschte nur kurz über die Szene die sie aus dieser Entfertung erkennen konnte doch ihr Blick blieb woanders hängen.

Die Morgensonne brannte endlich heiß genug um die Wolken zu vertreiben und tauchte den Himmel in ein strahlendes orangerot und dort, am Ausleger des Krans warf eine Silhouette einen Schatten wie eine Art schaurige Flagge die leicht im Wind schaukelte – der verdrehte Körper des Zweiten.

Sakura weinte.

AN:
All credit for the original story goes to the phenomenal Evil is a relative term  on fanfiction.com
A big thank you for letting me translate your story!
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