Side Effect: Love

von MonaGirl
GeschichteDrama, Romanze / P18
08.06.2018
30.06.2020
117
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30.06.2020 1.348
 
Universal Studios, Hollywood

Zwei Wochen später


Ich wusste sofort, dass irgendwas anders war als sonst, als ich am Set Mia und Andy inmitten des Kamera-Teams sitzen sah. Sie hatten kein Wort darüber gesagt, dass sie bei den heutigen Dreharbeiten mit dabei sein würden, obwohl ich erst vor wenigen Tagen mit Mia geredet hatte. Eine andere Sache war mir zudem noch aufgefallen: Sam war schon den ganzen Morgen auffällig nervös gewesen. Und auch in der Nacht hatte er nicht gut geschlafen, was ich daran bemerkt hatte, dass er sich ständig hin und her gewälzt hatte. Lag es an dem heutigen Drehtag, beziehungsweise der Verlobungsszene, die für den heutigen Tag geplant war? Ich konnte mir nur das vorstellen, denn sonst war er in allen Szenen immer professionell und konzentriert gewesen; ganz anders als gerade jetzt. Ich stieß ihn leicht an. „Hast du gewusst, dass unsere Freunde heute bei den Dreharbeiten mit dabei sein würden?“, raunte ich ihm leise zu.

„Nein, wieso?“

Ich konnte ihm ansehen, dass er log, denn er wirkte auf einmal noch nervöser, als würde er etwas vor mir verheimlichen. „Du hättest es mir ruhig sagen können“, sagte ich und winkte Mia lächelnd zu. „Es stört mich nicht.“

„Ich wusste es nicht.“

Er brachte die Worte so schnell hervor, dass ich sofort erkannte, dass er weiterhin log. Die Frage war nur, wieso? „Okay.“ Ich räusperte mich. „Ich bin soweit. Was ist mit dir?“ Er wischte sich eine Schweißperle von der Stirn, und ich stutzte. Es war heute überhaupt nicht heiß. Was war nur los mit ihm? „Geht es dir wirklich gut?“, erkundigte ich mich besorgt.

Sam nickte. „Ich will es nur schnell hinter mich bringen“, murmelte er.

„Du bist also tatsächlich nervös wegen der Verlobungsszene?“, fragte ich nach und verzog amüsiert meinen Mund. „Das musst du nicht. Es ist doch nur gespielt, nicht die Realität“, versuchte ich ihn zu beruhigen.

„Ja, nur Spiel“, murmelte er.

Ich sah ihn verwirrt an. Irgendwas stimmte hier nicht. Das konnte ich spüren. Doch jetzt war es zu spät, um Sam noch weitere Fragen über sein merkwürdiges Verhalten zu stellen, denn Richard hatte uns gerade ein Zeichen gegeben, dass wir die Kulisse betreten sollten, wo der Heiratsantrag stattfinden sollte. Es war ein Drehtag, wie jeder andere auch, versuchte ich mir zu suggerieren. Doch irgendwie fühlte es sich anders an, auch, wenn ich nicht erklären konnte, wieso ich so empfand.

„Und... Action!“

Richard hatte quasi den Startschuss gegeben, und nun war es an uns, eine gute Performance vor der Kamera abzulegen. Anfangs war auch noch alles normal, denn wir saßen mit unseren „Kollegen“ in der Kantinen-Kulisse und nahmen unser Essen ein. Ich beobachtete Sam verstohlen, dem man seine Nervosität nun immer mehr anmerken konnte. Er blieb in seiner Rolle, machte Smalltalk und lächelte. Doch es wirkte aufgesetzt und nicht so natürlich, wie sonst, wenn er vor der Kamera stand.  Aus einem Impuls heraus, griff ich über den Tisch hinweg nach seiner Hand und drückte sie leicht, obwohl es nicht im Drehbuch stand. Kaum einer würde die kleine Geste bemerken. Doch anstatt meine Hand ebenfalls nur kurz zu drücken, hielt Sam sie fest und sah mir dabei tief in die Augen. Irritiert, was nun kommen würde, starrte ich zurück und stieß einen überraschten Schrei aus, als er plötzlich von seinem Stuhl rutschte und sich vor mich kniete. Verwirrt schaute ich auf ihn herab. An dieser Stelle sollte der Antrag noch gar nicht kommen. Ich hatte das Skript mehrmals gelesen und mir meine Rolle gut eingeprägt. Und ich war mir sicher, dass diese Szene überhaupt gar nicht im Skript vorkam. „Was soll das?“, stammelte ich und sah schnell zu unserem Regisseur hinüber, der meinen verwirrten Blick nur mit einem Lächeln quittierte.

„Vom ersten Moment, als ich dich sah, war es wie ein Blitzschlag. Ich wusste, dass du die Eine bist, nach der mein Herz sich immer gesehnt hatte. Doch obwohl ich es vom ersten Moment an wusste und fühlte, mussten wir doch einige Hürden überwinden, bis wir uns offen zu unserer Liebe bekennen konnten...“

Das war nicht der Text, den wir zusammen geprobt hatten. Das war alles falsch! Ich starrte weiter auf Sam herab, während nur eine Frage durch meinen Kopf schoss: War das etwa gar kein Antrag von Dr. Gibbs an Schwester Sara, sondern machte mir Sam gerade wirklich einen echten Heiratsantrag? Ich hatte schon davon gehört, dass einige Schauspieler das direkt am Set gemacht hatten. Doch würde Sam das wirklich tun, ohne vorher mit mir darüber zu reden oder wenigstens eine Andeutung zu machen?

„... meine Frau werden?“

Allmählich nahm ich wieder wahr, was um mich herum passierte. Ich hatte doch tatsächlich seine letzten Worte ausgeblendet! Mein fragender Blick wanderte zu Mia, die mich erwartungsvoll ansah. Oh ja, das war ein echter Antrag! Daran bestand nun kein Zweifel mehr. Deshalb waren unsere Freunde auch hier, um zuzusehen, wie Sam mich um meine Hand bat. Alles fühlte sich leicht unwirklich für mich an, als ich Sam dabei beobachtete, wie er eine kleine Schachtel aus seinem Kittel zog und sie dann aufschnappen ließ. „Oh mein Gott!“, entfuhr es mir. Es war wohl nicht ganz das, was er als Antwort erwartet hatte, doch ich musste erst mal den Schock überwinden, den der Anblick des mehrkarätigen Diamanten bei mir ausgelöst hatte. Ich hob den Kopf und sah, wie Mia heftig mit ihren Händen gestikulierte. Vorsichtig streckte ich Sam meine zitternde Hand hin, damit er mir den Ring über den Finger streifen konnte.

„Du musst erst „ja“ sagen“, raunte er mir zu und schmunzelte leicht.

„Okay.... ich meine, ja, … ich will“, stammelte ich dann, völlig von meinen Gefühlen überrumpelt.

Alle, die mit am Set waren, klatschten plötzlich in die Hände, als Sam mich in seine Arme zog und unser Verlöbnis mit einem innigen Kuss besiegelte. Kurz danach konnten wir uns vor Glückwünschen und Umarmungen kaum noch retten.  

„Hast du eigentlich während des Antrags meinen Namen erwähnt?“, fragte ich Sam wenig später, als wir einen Moment für uns hatten.

Er schüttelte den Kopf. „Nein. Richard hatte gemeint, dass wir die Original-Fassung vielleicht übernehmen könnten. Oder möchtest du, dass Dr. Gibbs seiner Sara nochmal einen Antrag macht?“ Er zwinkerte mir zu.

„Nein, nicht unbedingt. Wenn Richard meint, dass wir es so nehmen können, dann – okay.“ Ich lächelte. „Es ist auf jeden Fall der authentischste Heiratsantrag, der jemals an diesem Set gemacht wurde.“

Sam lachte. „Du hast schon ziemlich verdutzt ausgeschaut. Doch ich konnte dir vorher nichts sagen. Dann wäre es ja keine Überraschung mehr gewesen.“

„Was wäre denn gewesen, wenn ich „nein“ gesagt hätte?“, wollte ich wissen, während ich meinen Ring betrachtete.

„Dann hätten wir es nochmal drehen müssen, und ich hätte mit meinem Antrag noch etwas gewartet“, beantwortete Sam meine Frage lächelnd.

„So, wir sind fertig für heute!“

Ich schaute auf. Richard war unbemerkt zu uns getreten. „Hast du gewusst, dass er das vorhatte?“, erkundigte ich mich bei ihm.

Richard nickte. „Natürlich. Er hat mich vorher natürlich um Erlaubnis gefragt. Und ich bin froh, dass alles reibungslos verlaufen ist.“

„Und du bist sicher, dass wir den Heiratsantrag in die Serie einbauen können?“, hakte ich nach.

„Wenn du und Sam einverstanden seid. Sonst kommt es später zu den Outtakes auf die DVD.“ Er grinste leicht. „Es ist eure Entscheidung.“

Ich wollte gerade etwas darauf erwidern, als Mia zu uns trat. „Seid ihr fertig? Dann können wir gehen und feiern.“

„Feiern?“ Ich sah Sam fragend an, der jedoch nur geheimnisvoll grinste und dann zu Andy hinüberging, der wohl schon auf ihn wartete.

„Klar“, beantwortete Mia meine Frage. „Jetzt geht es doch erst richtig los! Die Verlobungsparty findet im Avalon statt.“ Sie nahm meinen Arm. „Zieh dich schnell um, und dann fahren wir gemeinsam hin! Die anderen warten dort schon.“

„Die anderen?“, fragte ich überrascht, doch Mia ignorierte meine Frage und zog mich stattdessen zu Sam und Andy hinüber.

„Du überlässt wohl nichts dem Zufall, oder?“, raunte ich Sam zu, als wir schließlich auf dem Weg zu unserem Trailer waren.

Er zog mich an sich und gab mir einen Kuss. „Nicht, wenn es um meine Zukunft geht“, sagte er und betrat dann mit mir zusammen den Trailer.
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