Auf den Spuren des Halbblutprinzen

von Zwerg1860
GeschichteDrama, Fantasy / P12
Albus Severus Potter Harry Potter Hermine Granger Rose Weasley Scorpius Malfoy Severus Snape
08.06.2018
13.02.2019
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Hermine rollte das Pergament zusammen und für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Fassungslose, erschütterte, mitfühlende Blicke. Nicht nur Hermines, Harrys und Ginnys Augen waren glasig und feucht geworden, auch die Zuschauer und selbst die Richterin waren von den offenen Worten des Mannes berührt gewesen. Er selbst hatte seine Ellenbogen auf die Knie gesetzt und seine Stirn in die Hände gelegt. Die Professorin zu seiner linken strich ihm zärtlich über den Rücken.
,,Ich veranlasse eine Pause von 15 Minuten.“ Die Richterin erhob sich und trat durch eine Tür hinter ihrem erhöhten Sitz.
Severus schloss die Augen, er vermutete, dass die folgenden 15 Minuten, mitunter die schlimmsten seines Lebens werden würden. Minerva strich ihm weiter liebevoll und beruhigend über das Kreuz.
,,Warum haben Sie nie etwas erzählt?“ wollte sie wissen, obwohl die Antwort naheliegend war.
,,Wem denn?“ kam von es von ihm in fast spottendem Ton.
,,Sie haben Recht.“ Entschuldigte sie sich. ,,Es tut mir leid, Severus. Ich hätte umsichtiger sein müssen.“
Sie legte ihrem Arm um seine Taille und er, er lehnte seinen Kopf an ihre Schulter. Er wusste, jeder konnte es sehen, doch es war ihm egal. Im Moment war ihm alles egal. Was die Menschen von ihm sehen konnten, was sie redeten oder die Art wie sie schauten, er wollte nur, dass es endlich vorbei war. So verblieb er, bis die Richterin zu ihrem Platz zurückkehrte. Und Minerva streichelte ihn die ganze Pause, auch sie würde ab diesem Zeitpunkt für ihn da sein, sie hatte Nachholbedarf.


,,Gamotmitglieder, Sie haben das Recht in der Sache Severus Snape abzustimmen oder Einspruch einzulegen. Wer ist für einen weiteren Verbleib bei Draco Malfoy?“ Sie blickte einige Sekunden in die Runde, sah jedem einzelnen ins Gesicht.
Minerva verfolgte die Gesichtsausdrücke des Gamots und der Zuschauer gespannt, Severus hatte die Augen zu, er wollte es erst wissen, wenn es sicher war.
,,Wer für einen Verbleib bei den Potters?“
McG stieß ihren Ellenbogen in seine Rippen. ,,Severus, schauen Sie!“
Einstimmig. Das Gamot hatte einstimmig für Harry und Ginny entschieden.
,,Danke, Sie dürfen die Hände herunternehmen. Mr. Snape,“ wandte Sie sich direkt an ihn, er schreckte hoch und blickte ihr unsicher in die blauen Augen, über das Rechte hing eine blonde Locke hinaus.
,,Entspricht es Ihrem Interesse bei Harry und Ginny Potter zu leben?“
Ein überzeugtes Nicken. ,,Wenn sie mich noch wollen nach allem.“ Eine Träne lief über sein Gesicht, noch immer war es ihm egal wer es sehen konnte.
Seine eigenen Zeilen, hatten ihm erneut die Augen geöffnet, er hielt sich für ein unselbständiges Scheusal. Seine Angst, die Potters würden es sich nach seinem ehrlichen Brief anders überlegt haben, stieg ins Unermessliche. Er fühlte sich wie ein Kind, ein ganz kleines Kind, das Unterstützung in allem brauchte. Er wusste es war so und vermutlich wäre er mit sich selbst überfordert. Selbst seine so stark aufhebaute Selbstkontrolle war auch verloren gegangen. Er wollte keine Belastung sein.
,,Natürlich wollen wir das!“ versicherten Ginny und Harry wie aus einem Mund. Eine weitere Träne zierte seine Wange und ein unsicheres und trotzdem erleichtertes Lächeln machte sich in seinem Gesicht breit. ,,Danke.“ Flüsterte er, so leise, dass es außer Minerva niemand gehört hatte.
,,Das Urteil ist gefallen.“
Auf dem Rängen des Zuschauerbereiches, war ein erleichtertes aufstöhnen zu vernehmen, einige klatschten. Seine traurige, harte und einsame Lebensgeschichte hatte alle berührt und jeder hatte den stillen Wunsch empfunden, dass er seinen Willen bekommen würde.
Lediglich Draco war nicht erfreut über die Entscheidung, wutentbrannt, mit rotem Kopf war er hochgeschnellt und davongestürmt. Harry und Hermine warfen sich einen schadenfrohen Blick zu.
Nachdem es ihnen erlaubt war, ihre Plätze zu verlassen, drückte Harry sie fest an sich. ,,Du warst super Hermine!“
,,Ist das etwas Neues?“ scherzte sie. Obwohl Sie sich für einen Moment nicht sicher war, ob sie es als Scherz gemeint hatte, sie war super. Und das wusste sie, schließlich hatte sie genug Arbeit investiert um ,,super“ zu sein.
Als alle Formalien unterzeichnet und durchgesprochen waren, durften auch Ginny und Harry gehen. Snape und McGonagall hatten den Saal nach der Entscheidung verlassen. Als der Druck und die Angst nachgelassen hatten, war er unruhig geworden. Schnell war es ihm nicht mehr egal gewesen, was die Menschen denken würden. Er hatte Angst gehabt angesprochen oder bemitleidet zu werden oder Gespräche über sich selbst mit zu bekommen.
Die Schulleitung hatte schnell reagiert. ,,Kommen Sie.“ Hatte sie ihm angewiesen und ihn an der Hand durch einen Hintereingang hinaus gegangen.
,,Salvio Hexia.“ Um ihn draußen vor Blicken oder Fragen zu schützen, hatte sie einen Schutzzauber über sie beide gelegt und dafür gesorgt, dass auch die Geräusche der Außenwelt - bis auf bekannte Stimmen -ausgeschaltet waren.
Severus stand an der Wand gelehnt, atmete unruhig und seine Hände wie Beine zitterten. Er war erleichtert und freute sich, aber im Moment schien ihn das psychisch eher zurück zu werfen. Der mentale Stress der letzten Tage hatte ihm zugesetzt, er hatte ihn verdrängt und jetzt kam alles wieder hoch.
An der Wand entlang sank er in die Hocke und vergrub sein Gesicht in den Händen.
Sie rang mit sich selbst, wollte ihn in den Arm nehmen, aber konnte ihre eigene Barriere nicht durchbrechen. Monatelang war sie kalt gewesen, hatte niemanden an sich heran gelassen, es kam ihr fast vor, als hätte sie verlernt Trost zu spenden. Im Gerichtsaal war es fast automatisch gegangen, doch jetzt war sie wie versteinert.

,,Das waren die Schuhe Ginny!“ Hörte Sie eindeutig Harry sagen - Merlin sei Dank.
,,Schon klar, hätte ich mich über deine Hose aufgeregt, wäre es dir Hose gewesen!“
Sie erwachte aus ihrer Schockstarre, packte ihn am Arm um ihn selbst und Ginny durch die unsichtbare Schutzbarriere zu ziehen. Harry ging sofort vor Severus auf die Knie, er musste nicht nachfragen, er wusste es und schloss ihn fest in seine Arme. ,,Es ist vorbei, alles ist gut!“ versuchte er ihn zu beruhigen, während er ihm liebevoll über den Kopf strich, den dieser auf seiner Schulter abgelegt hatte. Jetzt fühlte er Dankbarkeit- auch noch. Er fühlte so viel, dass sein inneres zu explodieren schien. Dankbarkeit Angst, Panik, Überforderung, Anspannung, Erleichterung, Schmerz, Liebe, er fand keinen Weg aus dem Gefühlchaos, konnte es selbst nicht regulieren.
,,Hey schau mich an.“ Sagte Harry ruhig und umfasste Severus Gesicht an den Wangen. ,,Tief ein und aus, wir haben es geschafft, es ist alles gut.“
Ruhig streichelte er seine Wangen, Ginny und Minerva seinen Rücken. Nach einigen Momenten geduldiger Zuwendung, brachen seine Dämme endlich und er weinte, sehr lange. Ginny, Minerva und Harry hielten ihn im Versteck des Schutzzaubers fest und kümmerten sich.
Es dauerte, aber nach einiger Zeit, konnte er seine Gefühle der letzten Tage wieder regulieren und sortieren.

Hermine hatte ihn zurück in das Hospital gebracht, wo ihn Marydin sofort ins Bett brachte. Das lange Sitzen und die Aufregung hatten ihn viel Kraft gekostet, Kraft die er nicht zur Verfügung hatte. Er schlief noch fast im selben Moment ein.
,,Und?“ fragte sie Hermine, sie hatte seine verweinten Augen gesehen und das Schlimmste befürchtet.
,,War vermutlich einfach ein bisschen viel die letzten Tage.“ Setzte Hermine noch hinzu, nachdem sie der Heilerin das Urteil erklärt hatte. ,,Am Montag soll der Umzug stattfinden.“


Die drei Tage Zeit bis Montag schienen für Severus unendlich lang zu sein. Die Potters waren mit Vorbereitungen beschäftigt, für sie war die Zeit knapp berechnet, fast wären sie nicht fertig geworden.
Pünktlich am Sonntag Abend war zum Schluss doch alles fertig geworden und die Beiden Hauseigentümer betrachteten bei einem Gläschen Prosecco ihr Werk. Wie früher, hatte Severus es sich dunkel gewünscht und im selben Stil, so hatten sie es eingerichtet. Nicht schwarz, aber dunkel. Die Schränke waren aus Mahagoni, das Bett aus Nussholz, genau wie sein Schreibtisch. Damit er seinem Hobby wieder nachgehen konnte, hatten sie einen weiteren leeren Raum als Brauzimmer eingerichtet. Auf dessen kleinen, steinernen Tisch, hatte Harry das Buch des Halbblutprinzen hinterlassen.
,,Haben wir schön gemacht!“ stellte Ginny zufrieden fest während sie das parkettbelegte Zimmer betrachtete.
,,Finde ich auch.“ Stimmte Harry ihr zu. ,,Wir sollten die letzte Gelegenheit laut zu sein noch einmal nutzen, findest du nicht auch?“
Ginny schaute ihm verschmitzt tief in die Augen: ,,Ich weiß nicht was du meinst!“
Ohne Vorwarnung packte er sie und trug die durch die Wohnung: ,,Dann zeig ich es dir!“
Das Lachen und Kitzeln ging im Schlafzimmer langsam zu immer lauter werdenden Stöhnen über und verstummte erst nach fast vierzig Minuten, fünf Minuten später, war nur noch Harrys Schnarchen zu vernehmen.

,,Guten Morgen!“ sagte Tryce leise, während Severus die Augen öffnete.
,,Ist schon Montag?“ war - wie jeden der letzten Tage - seine erste Frage. Wie ein Kind vor der Bescherung konnte er es kaum erwarten.
,,Ja heute ist Montag Severus.“ Lächelte sie und sofort weiteten sich deine Augen.  
,,Wann?“
,,Um eins kommen sie. Marydin würde sich auch gerne noch verabschieden, sie kommt kurz vorher.“
Ein Nicken. Marydin…er freute sich, aber Marydin und Tryce würde er vermissen. Mehr als 22 Jahre waren sie nun seine tägliche Beschäftigung gewesen und auch wenn es ihm schwerfiel das zu äußern, waren ihm beide ans Herz gewachsen. Sehr sogar, all die schwierigen Jahre hatten sie sich soweit Möglich um ihn gekümmert. Oft hatte er niemanden an sich ran gelassen, aber wenn es ihm sehr schlecht gegangen war, waren sie bei ihm gewesen, hatten ihn gestreichelt, seine Hand gehalten, ihn beruhigt oder einfach zugehört. Sie waren einfach da gewesen, vermutlich hatte es nie jemand gewusst, aber allein das hatte ihm sehr viel Halt und Sicherheit gegeben. Die vergangene Lungenentzündung schoss ihm durch den Kopf und all die schlaflosen Nächte. Marydin hatte ihn in den Arm genommen, es stimmt also nicht ganz, dass er noch nie in den Arm genommen worden war, aber es war anders gewesen. Bei ihr war es irgendwie Teil des Jobs und nicht wirklich persönlich. Die Umarmung von Freunden oder Familie fühlte sich anders an, wärmer, liebevoller. Dennoch, sie waren da gewesen, beide und das rund um die Uhr.
,,Danke.“ Sagte e völlig aus dem Zusammenhang gerissen, doch Tryce schien seinen Gedankengang verstanden zu haben und streichelte ihm über den Handrücken.
Zum ersten mal seit Langem, sah er wieder einen Grund aufzustehen, er ging Duschen, rasierte seinen stoppeligen Bart und band seine Haare zu einem ordentlichen Dutt zusammen. Dann begann er in aller Ruhe seinen dürftigen Kleiderschrank in eine Tasche zu packen und oben drauf legte er noch seine Badutensilien und Hygieneartikel.
,,Tryce?“ fragte er vorsichtig während er aus dem Zimmer trat. ,,Meinen Sie es ist Möglich mir meinen Zauberstab auszuhändigen?“
Diesen hatten sie ihm bereits vor ungefähr 15 Jahren abgenommen, als er versucht hatte sich mit einem Avada selbst zu töten. Zum Glück war seine Magie zu diesem Zeitpunkt so geschwächt gewesen, dass er lediglich das Bewusstsein verloren hatte.
Tryce entsperrte mittels Fingerabdruck einen Tresor und entnahm diesem den Ebenholzstab. Mit gutem Gewissen überreichte sie Snape sein Magiemittel. Er nahm ihn vorsichtig entgegen, betrachtete ihn lange, fast hätte er vergessen wie er ausgesehen hatte. Seit nahezu eineinhalb Jahrzehnten hatte er keine Magie mehr gewirkt.
,,Magie verlernt man nicht, Severus, schauen Sie nicht so skeptisch.“
Ein Nicken, im Moment wusste er garnicht, was er mit dem Objekt angefangen sollte, noch wie er es halten sollte. Er befürchtete durch eine unkontrollierte Bewegung etwas zerstören zu können. Zudem verspürte er nicht im geringsten List danach zu zaubern, brauen ja, aber gezaubert hatte er die letzten 22 Jahre nicht mehr. Er konnte sehr gut ohne Leben, so packte er ihn einfach in seine Tasche. Als er diese anheben wollte und bemerkte, dass sie zu schwer für seine schwachen Arme war, öffnete er den Reißverschluss wieder. Er nahm den schwarzen Stab erneut in die Hand er überlegte kurz, bevor er einen Schrumpfzauber wirkte.
Es knallte laut und als er die vor Schock geschlossenen Augen wieder öffnete blickte er skeptisch und ungläubig auf das was er vor sich sah.
,,Haben wir uns ein bisschen verschätzt?“ kam es lachend von hinter ihm.
,,Ha…ha…ha.“
Tryce hatte nachgesehen, sie hatte das Schlimmste befürchtet als sie den Knall gehört hatte. Doch als sie die riesen Tasche auf dem halb so klein geschrumpften Bett liegen sah, konnte sich ein lautes Lachen nicht unterdrücken. Mit zwei schlendern ihres Zauberstabes, hatte sie den Fauxpas richtiggestellt. Das Bett auf Normalgröße zurückgezaubert und die Tasche in Jackentaschengröße.
,,Danke.“ Knurrte er leicht genervt und schmiss seinen Zauberstab in die Tasche.
,,Machen sie sich nichts draus, das kommt wieder!“
,,Hallo ihr Zwei!“ kam es aus dem Türrahmen.
,,Hallo Marydin.“ Sagte Severus, ihre Kollegin nickte ihr zu.
,,Na, schon vorbereitet?“
Er nickte bestätigend und betrachtete sie genau. Für einen Moment verspürte er stechende Traurigkeit. Er hatte Marydin ins Herz geschlossen. Die kleine, etwas pummelige Frau mit den Locken hatte ihn immer behandelt wie einen Sohn. Wie sonst auch spürte sie auch jetzt, was in ihm vorging und legte eine Hanf auf seinen Arm. ,,Nicht traurig sein, es beginnt einer neuer Lebensabschnitt, der viel schöner sein wird. Sie dürfen endlich Nachhause, Junge! Die Potters sind schon da.“
Zu aller Überraschung leichtfällig schloss er Beide fest in die Arme. ,,Danke! Ihr habt mir sehr geholfen die letzten Jahre.“
,,Das ist doch unser Job.“ Scherzte Marydin um ihre Tränen zu überspielen, er drückte sie nur noch fester an sich.
,,Kommen Sie uns besuchen ja?“
,,Versprochen!“ Bevor er die Klinik verließ wandte er sich ein letztes Mal zum Winken um.
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