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Die Herrschaft der Mathilde von Zahnd: Wie konnte das geschehen?

GeschichteDrama / P12 / Gen
Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd Johann Wilhelm Möbius Newton / Herbert Georg Beutler
04.06.2018
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Die Weltherrschaft der Mathilde von Zahnd: Wie konnte das geschehen?


Autor: Jörg-Lukas Rose

Ich schreibe diesen Artikel in einem Bunker, ein paar Meter tief unter der Erde. Wir haben nur eine begrenzte Menge Strom am Tag also hoffe ich, dass ich mit dem Schreiben rechzeitig fertig werde.
Sollte dieser Text die Öffentlichkeit erreichen, sind mindestens zwei Menschen dafür gestorben. Einer, der den Artikel durch den giftigen Nebel zu einer Druckerei außerhalb der Gefahrenzone bringt, und einer, der hinter dem ersten die Tür des nun mit Gas gefüllten Raumes schließt und wegen der Ansteckungsgefahr nicht mehr zurück zu uns in den Bunker darf.
Ich danke diesen beiden tapferen Menschen.

Seit ich ein kleiner Junge von sieben Jahren war, wollte ich Physiker werden, genau wie mein Vater: Johann Wilhelm Möbius.  Nur wenigen, wenn überhaupt jemandem, der diesen Artikel liest, wird dieser Name etwas sagen. Doch ich kann euch versichern, dass er in unserer Weltgeschichte eine wichtige Rolle spielt. Und ihm gebührt auch die Schlüsselroll bei der Machtübernahme der Mathilde von Zahnd.
Die meisten Leuten seiner Zeit, die ihn kannten, glaubten, er sein verrückt, da er angab, dass ihm der König Salomon erscheine. Ich muss dazu sagen, dass auch ich, genau wie meine Mutter und meine beiden älteren Brüder dieser Überzeugung waren. Tatsächlich war aber er derjenige, der das Problem der Gravitation löste. Und er war auch derjenige, der die einheitliche Feldtheorie gefunden hatte, die Weltformel, mit dessen Hilfe man in der Lage war, die ultimative Waffe zu bauen. Wer jetzt denkt, dass er mit seiner Entdeckung direkt zu Mathilde von Zahnd gelaufen ist, um ihr die Machtergreifung zu ermöglichen, liegt falsch, wenn auch nur zu etwa 60%.
Johann Wilhelm Möbius, mein Vater, war kein verrückter Mann. Er war ein Genie, wenn nicht sogar das größte der Welt. Und als das Genie, das er war, wusste er, dass niemals jemand die Ergebnisse seiner Forschungen sehen durfte. Also erfand er die Erscheinung Salomons und wurde in die Irrenanstalt eingewiesen. Entschuldigung, ich meine natürlich in ein privates Sanatorium, "Les Cerisiers". Mein Vater dachte sich und seine Notizen dort sicher. Doch eigentlich wäre dieses Sanatorium so ziemlich der letzte Ort gewesen, an den er die Formeln hätte bringen dürfen. Dort lebte nämlich unsere Herrscherin, Mathilde von Zahnd, damals noch Irrenärztin und Leiterin des Sanatoriums. Als ich vierzehn Jahre alt war, besuchte ich meinen Vater das erste und letzte Mal. Unsere Mutter wollte, dass meine Brüder und ich ihn kennenlernen, ehe wir mit unserem Stiefvater Rose und unseren neuen sechs Geschwistern, das Land verlassen würden. Dort traf ich Fräulein von Zahnd. Auf mich machte sie einen gutmütigen und geistig gesunden Eindruck. Von meinem Vater sah ich nicht so viel. Als ich ihm sagte, ich wolle Physiker werden, wie er, versuchte er mich davon abzubringen. Damals wusste ich nichts von seinen Entdeckungen.
Jeder aus meiner Familie, mich miteingeschlossen, war mehr als überrascht, sobald wir von der Machtergreifung von der von Zahnd erfuhren. Wie ihr sicher wisst, hatte sie innerhalb von zwei Wochen ganz Europa dazu gebracht, widerstandslos zu kapitulieren. Wie das passieren konnte? Mein Vater unterschätzte sie. Nicht lange, nachdem er eingeliefert wurde, verbrannte mein Vater sämtliche seiner Dokumente. Doch Mathilde von Zahnd hatte es vorher geschafft, sich Kopien zu machen. Möbius wusste davon nichts, bis es zu spät war: Sie hatte bereits die ultimative Waffe gebaut. mit dieser schoss sie auf die Hauptstadt Großbritanniens, London. Es existiert heute nicht mehr und etwa die Hälfte der Insel ist nicht mehr bewohnbar. Kein Land der Welt konnte etwas dagegen ausrichten.
Während ich diesen Text hier verfasse, sitzt ein Spion neben mir. Alec Jasper Kilton. Er lebte einige Jahre mit meinem Vater und einem anderen Spion als Verrückter in dem Sanatorium. Er erzählt mir, dass sie kurz vor der Machtergreifung von Zahnds männliche statt weibliche Pfleger bekamen, denn jeder von ihnen Dreien hatte eine Krankenschwester ermordet, um ihre jeweiligen Geheimnisse zu bewahren. Es fällt mir schwer zu glauben, dass mein Vater ein Mörder war.
Kilton sagt mir, dass sie von den Pflegern eingeschlossen wurden. Ihm gelang es noch zu entkommen. Meinem Vater und dem anderen Spion, Joseph Eisler, gelang die Flucht allerdings nicht. Kilton fand bei uns im Bunker Zuflucht. Gerade noch rechtzeitig. Nur etwa 20 Minuten, nachdem wir die Tür hinter ihm schlossen, explodierte eine Bombe. Sie wurde genau über dem „Les Cerisiers“ abgeworfen. Abgesehen von dem riesigen Krater, den sie hinterlassen hat, sendet die Bombe Giftgas aus, dass sich mit Nebel vermischt und jeden, der es einatmet, todkrank macht. Die Infizierten Menschen werden zudem hochansteckend.

Heute hat Mathilde von Zahnd Kontrolle über die ganze Welt. Mit jeder Bombe, die sie abfeuert, verseucht sie riesige Teile eines Landes. Aber wer weiß, vielleicht findet jemand eine Lösung für dieses scheinbar unlösbare Problem. Und Mathilde von Zahnd ist besiegbar. Sie ist zwar verrückt und mehr als gerissen, aber sie ist kein Genie.
Ich schreibe diesen Artikel in einem Bunker, ein paar Meter tief unter der Erde, etwa 150 Kilometer vom ehemaligen Standort des „Les Cerisiers“ entfernt.
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