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Elfenmärchen I

von Flammendo
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Tiranu Yulivee
04.06.2018
19.06.2018
8
13.056
 
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6 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
04.06.2018 2.807
 
Kurze Anmerkung der Autorin:
Es war als süße kleine Kurzgeschichte geplant.  Am Ende wurde es... sehr lang. Elfenmärchen 1 ist noch in einem relativ kindlichem Stil geschrieben, während es im zweite Teil teilweise sehr rabiat zugeht. Wegen gewalttätigen Szenen und 2 Sexszenen muss ich überlegen ob der zweite Teil P18 gerated werden muss. Allerdings bin ich mir dem noch nicht 100% sicher.
Explizit möchte ich hier auch darauf hinweisen, dass im ersten Teil eher an die Märchen der heutigen Zeit angeknüpft wird, während im zweiten Teil die Geschichte mehr zum Ursprung der Märchen zurückkehrt... diese sind grausam, für Erwachsene geschrieben und auch das Ende ist kein vollkommenes Happy Ever After. (Auch wenn ich gestehen muss, dass dies durchaus geplant war.)
Weiterhin weiß ich, dass die Geschichte an ein paar Stellen durchaus Mängel/Abweichungen vom Buch aufweisen kann, dies ist aber aufgrund des letzten Kapitels verschmerzbar. (Wer das Ende des 2. Teils liest, wird verstehen, was ich meine.)
Naja... zu viel der Worte :)
Viel Spaß beim Lesen.




„Mach dass du raus kommst! Verschwinde!“, Yulivee war wieder einmal außer sich, wie immer, wenn sie mit diesem einen Elfen sprechen musste.
„Stellt dir vor, ich gehe freiwillig!“, die goldene Tür zum Thronsaal wurde aufgestoßen und ein vor Wut kochender Fürst von Langollion stapfte heraus, „als ob ich es nötig hätte einer feigen Kröte wie dir die Füße zu lecken!“
Ein Zornesschrei gellte aus dem Thronsaal gefolgt von einem Windstoß der Tiranu zu Boden warf. Murrend rappelte sich der Fürst von Langollion auf. „Das hat sie nicht umsonst getan“, grollte er vor sich hin.

Jornowell seufzte. Tag für Tag war es das gleiche Spiel seit Emerelle ihren Thron aufgegeben hatte um ihren Liebsten ins Mondlicht zu folgen. Anfangs hatte es sich noch in Grenzen gehalten, aber mit der Zeit war es immer schlimmer geworden. Auch wenn seine Sympathien anders lagen, musste er dem Schwertmeister zugestehen, dass er selten schuldig war an diesen Auseinandersetzungen. Im Gegenteil, es war meist die junge starrsinnige Königin, die den Streit geradezu suchte und den dunklen Krieger mürbe zu machen schien. Manchmal fragte Jornowell sich, ob es mit einem alten Groll zu tun hatte oder ob es eine allgemeine Abneigung war. Vieles ließ Tiranu sogar über sich ergehen, mit einer Fassung, die Jornowell teilweise bewunderte, aber ab und zu gelang es ihr trotzdem, ihn in Rage zu bringen.

So sehr sich Tiranu auch zu verstellen versuchte, war es doch ein offenes Geheimnis in ganz Albenmark, dass sich beide bis aufs Blut hassten.

Das hochrote Gesicht von Tiranu ließ ihn Schlüsse ziehen, dass heute wohl wieder einmal ein Peak der Kränkung erreicht worden war. Und wie immer war er, Jornowell, es, der die Wogen wieder glätten durfte.

Dabei verstand er nicht einmal, warum diese beiden Elfen einander nicht zu ertragen schienen. Gut, dass sie beste Freunde werden würden, war auch kaum zu erwarten gewesen, aber weshalb dieser Hass zwischen ihnen herrschte, blieb ihm doch verschlossen. Er selbst hatte nie eine solche Apathie gegen Tiranu während der Tjuredkriege empfunden, wie es viele andere getan hatten. Gemocht hatte er ihn dennoch nicht sonderlich. Aber seit Yulivees Thronbesteigung, hätte er fast Mitleid mit dem unleidlichen Fürsten haben können. Es war nur eine Frage der Zeit, bis dieser es nicht mehr aushalten würde. Und was ihn selbst betraf…

Jornowells Blick wanderte durch ein Fenster zum Horizont. Dabei wäre er doch viel lieber wieder auf Reisen gegangen. Wäre da nicht dieser Schwur gewesen… warum hatte er sich damals darauf eingelassen? Aus Freundschaft zu Yulivee, war die Antwort. Er schuldete ihr seine Seele. Dennoch…
Mühsam riss er sich von dem Anblick los und ging seinerseits in den Thronsaal.

Das Bild das sich ihm darbot glich einem Schlachtfeld. Die Silberschale war von ihrem Sockel gerissen und gegen eine Wand geschleudert worden. Er glaubte sogar eine Delle darin ausmachen zu können.

Auch die Wand selbst schien eine Beschädigung zu haben, denn das Wasser, das normal in schillernden Kaskaden die Wand entlang glitt und sie verbarg spritzte nun an einer Stelle auf eigentümliche Art und Weise in den Thronsaal und setzte langsam aber sicher den Boden, mit den Himmelsschlagenmosaik, unter Wasser. Erschrocken stellte er fest, dass einer der Schlagen der Kopf zu fehlen schien. Die kleinen Steinchen lagen nun wüst am Boden verstreut herum.
Wer auch immer hier sauber machen musste, er beneidete denjenigen nicht darum.

Die Skulptur die sonst den Raum beherrschte, Emerelle hatte sie einst anfertigen lassen, eine Standbild das Ollowain, Tiranu und Fingayn darstellte, wie sie die Treppe von Valoncour verteidigten, war nun durch ein tödliches Geschoss entstellt. Jornowell betrachtete die Skulptur genauer. Er erinnerte sich daran, wie Emerelle sie einst in Auftrag gegeben hatte. Es hatte ein Gegenstück zur Drachentöterszene sein sollen, in dem Falrach Emerelle vor den Flammen des Drachen schützte. Diese hier sollte Ollowain in seinem heroischsten Moment darstellen. Die anderen beiden Elfen waren eine ungewünschte Dreingabe des Künstlers gewesen, die Emerelle zuerst abgelehnt hatte. Aber die Lebensechte Darstellung Ollowains, der aussah, als würde er jeden Moment von dem Podest herabschreiten, hatte sie schließlich von der Figurengruppe überzeugt. Nun fehlte dem edlen Helden aus alter Zeit das Gesicht. Zweifelsohne war dies verursacht durch ein fehlgeleitetes magisches Geschoss, dass eigentlich die Figur zu seiner Rechten hätte treffen sollen. Etwas, das die Königin wohl noch zusätzlich verstimmt haben musste.

Er maß die junge Elfe tadelnd. Yulivee hingegen machte keine Anstalten sich zu beruhigen. Blitze zuckten um ihren Körper und ab und an schlug einer dieser Blitze in den hölzernen Thron der hinter ihr stand und hinterließ dort kleine Brandflecke. Noch etwas, das Jornowell gedanklich auf die Liste der Dinge setzte, die bald ausgetauscht werden mussten.
Dann fiel sein Blick auf die Füße der Königin. Der Boden zu Yulivees Füßen, glühte förmlich. Er mochte gar nicht hinsehen um herauszufinden, was für Schäden dem Mosaik an dieser Stelle zugefügt worden waren, höchst wahrscheinlich irreparabel.

„Dieser Schurke, dieser Halsabschneider, was bildet er sich eigentlich ein, wer er ist?“, es waren die ersten Worte die Jornowell von Yulivee vernahm seit er den Saal betreten hatte. „Jornowell, sieh dir an was er aus meinem Thronsaal gemacht hat!“ Sie breitete die Arme aus.

Jornowells Blick glitt nun auch über die zerschlagenen Gegenstände die auf dem Boden der Halle lagen. Er überlegte, dass es nicht angebracht wäre, die Königin darauf hinzuweisen, dass der Fürst selbst wohl das Geringste davon verursacht hatte. Das meiste schien Opfer ungezügelter Magie geworden zu sein, ein Zeichen, wie viel Macht durch die Adern der jungen Königin floss. Stattdessen beschloss er Fakten zu schaffen. „Ich denke, er bildet sich ein, der beste Schwertmeister in Albenmark zu sein“, meinte Jornowell bemüht um einen sachlichen Tonfall. Trotzdem war in seinen Worten die unterschwellige Botschaft enthalten, Tiranu könne sich in diesem Punkt irren, einzig und allein um Yulivee zu besänftigen. Aber es entsprach leider der Wahrheit. Seit Ollowain ins Mondlicht gegangen war und Tiranu sich von seinen Wunden erholt hatte, gab es keinen Besseren mehr als ihn. Wer sonst konnte Schlachten schlagen, war Stratege und Heerführer zugleich? Das war allerdings auch sein Fluch. Tiranu kämpfte gegen den Schatten Ollowains an und wie es mit Schatten so war, konnte auch dieser nicht besiegt werden. Dabei versuchte er alles um eine ähnliche Anerkennung zu bekommen. Jornowell wusste nur zu gut, dass auch die Treue des Fürsten zu seiner Königin nur diesem einen Zweck diente. Letzten Endes waren die herausragendsten Eigenschaften des Fürsten seine Überheblichkeit, Intrigantentum und seine Selbstsucht. Es gab kaum jemanden der Yulivees Abneigung nicht teilte. Und doch… mit einem Gegner wie ihr, konnte einem der Fürst beinahe leidtun.

Auf der anderen Seite brauchte Yulivee ihn, um ihre Macht zu stärken. Sie war nicht Emerelle. Sie würde nie mit dem Schwert in der Hand eine Armee ins Feld führen, wie es die ehemalige Königin in den Schattenkriegen getan hatte. Selbst wenn sie es versuchte, wen würde sie anführen? Nach Ollowains Tod hatten sich die Elfenritter zerschlagen. Die meisten waren heimgekehrt, aber die, welche geblieben waren, hatten sich den Schnittern angeschlossen und waren nun ebenso auf Tiranu eingeschworen wie seine langollischen Kämpfer. Abneigung oder nicht, man musste Tiranu anerkennen, dass er der beste Schwertkämpfer und Taktiker in ganz Albenmark war. Würden sie ihn an andere Kräfte verlieren und er eines Tages gegen Yulivee arbeiten, mochte ihr noch schwankender Thron in ungeahnter Gefahr sein.

Und da war noch diese Sache mit dem Fest der Lichter. Aber um sich darüber Sorgen zu machen, war es noch weit genug entfernt.

„Dieser zweitklassige Stöckchenschwinger?“, riss Yulivee Jornowell aus den Gedanken. Was hatte er gerade eben noch zu Yulivee gesagt? Es war wohl besser dieses Thema fallen zu lassen. „Worüber habt ihr euch dieses Mal wieder gestritten?“, fragte er deshalb beiläufig.

Yulivee schnappte nach Luft. „Darüber, dass er ein Idiot ist!“, schrie sie endlich. Jornowell schloss aus ihrer Reaktion, dass sie schon längst vergessen hatte, was der eigentliche Anlass für den heutigen Streit war. Wenigstens das war ein positives Zeichen. Yulivees Wut würde bald verrauchen, nur um bei ihrem nächsten Zusammentreffen mit dem Schwertmeister erneut, in ungeahnter Stärke, zu entflammen.

„Mit allem Verlaub Majestät, aber könntest du dich nicht ein bisschen besser beherrschen? Er ist der Heerführer und dein erster Recke. Wer soll sonst für dich eintreten, wenn die friedlichen Zeiten einmal umschwenken?“, Jornowell versuchte es mit Logik, wieder einmal. Aber Yulivee schien dagegen resistent zu sein.

„Dann lasse ich sie eben nicht umschwenken!“, entgegnete diese schnippisch und streckte ihr Kinn trotzig nach vorne. Es war ein Kampf den er schon so oft geführt hatte, aber das unvermeidliche hatte er bisher nur hinauszögern können. Früher oder später würde die Königin mit ihrem Schwertmeister brechen – wie es dann mit der Schwanenkrone weiterging konnte niemand sagen. Er selbst befürchtete das Schlimmste. Tiranu mochte mit ihren eigenen Soldaten gegen Yulivee in die Schlacht ziehen. Die Vorstellung ließ ihn erschaudern.
„Außerdem, wer sagt dir, dass es niemand andren gibt, der das Heer führen könnte?“ Yulivees Stimme klang als habe sie wirklich noch jemanden, der diesen Posten einnehmen könnte. Vielleicht dachte sie an Fenryl oder einen der anderen zur Ruhe gesetzten Elfenritter. Aber es gab keine wirkliche Option zu Tiranu. Fenryl war der Krone und Yulivee treu ergeben und sicher, er war ein Krieger, wenn es darauf ankam – aber er war eben kein Heerführer, der auch einmal Entscheidungen zum Wohle Albenmarks traf, die seinem Ruf schaden könnten. Schaudernd erinnerte sich Jornowell an eine alte Geschichte, die nur bewies, wie viel Fenryl bereit war für seine Ehre zu opfern. Nein. Würde Tiranu ein Heer aufstellen, wären viele der Elfenreiche bereits unter seinem Banner versammelt nur um nicht gegen ihn kämpfen zu müssen. Daran könnte auch Fenryl nichts ändern. Jeder wusste, was für ein schrecklicher Gegner der Fürst von Langollion auf dem Schlachtfeld war. Niemand kam ihm gleich.

Yulivee ließ sich bar jeder Eleganz auf die schwelenden Überreste des Elfenthrons fallen und seufzte schwer. Jornowell musste sich eine bissige Bemerkung verkneifen. Aber zumindest die Blitze die bis gerade eben die Luft um Yulivee zerschnitten hatten waren nun vergangen. Stattdessen war ein verträumter Ausdruck in ihr Gesicht getreten. Vielleicht hatte es mit der Wahl des Schwertmeisters zu tun, den sie Tiranu gegenüber bevorzugen würde.

„Wer denkt ihr, könnte es mit dem Fürsten aufnehmen?“, er wollte nicht Yulivees tatsächliche Meinung hören, sondern war viel mehr interessiert daran, wer die Königin so gut besänftigen konnte. Sie mochte Fenryl sehr, aber der Falkenelf hatte noch nie eine solche Wirkung auf Yulivee gehabt. Innerhalb von Sekunden war ihre Stimmung von sturmgeladen auf ein verträumtes Niveau gesunken. Wer immer es war - der richtige Elf an ihrer Seite, mochte es ihr erträglich machen, Tiranu zu dulden.

Yulivee lachte. Die Stimmungsschwankung machte Jornowell beinahe Angst. „Ein Enkelsohn der Fürstin Arkadiens“, bekannte sich Yulivee schließlich, „glaube ich zumindest.“
„Ah“, Jornowell war die Fürstenfamilie und ihre Abkommen durchaus bekannt. Wer immer der Elf war, den Yulivee favorisierte, er brauchte ihn hier. Besser heute als morgen. Vielleicht konnte er ‚die Stürme um das Herzland der Königin besänftigen‘. Jornowell musste sich zusammenreißen um nicht laut los zu prusten, als ihm die Erklärung für Yulivees seltsames Verhalten klar wurde. Die Königin war verliebt. „Nenne mir doch den Namen deines Ritters ohne Fehl und Tadel“, forderte er sie fast spöttisch auf.

„Tranju“, Yulivees Stimme klang verträumt. „Tranju von Arkadien.“ Jornowell zog die Brauen hoch. „Du wirst mich sicher für ein törichtes Gör halten, wenn ich dir von ihm erzähle, aber ich bin mir sicher, dass er ein großer Krieger geworden ist. Vielleicht hat man sein Talent nur noch nicht entdeckt.“

„Ich glaube, ich weiß, wen du meinst, meine Königin.“ Es war eine glatte Lüge. Es gab keinen Tranju von Arkandien, da war sich Jornowell sicher. Zu lange hatte ihn sein Vater in seiner Kindheit und Jugend damit malträtiert die Namen aller Angehörigen der Fürstenhäuser auswendig zu lernen. Und doch, vielleicht konnte er genug Informationen aus Yulivee herausbekommen um ihn aufzuspüren, oder, wenn es nicht anders ging, ihn zu erschaffen. „Ich habe einen Tranju auf meinen Reisen kennen gelernt. Aber bitte beschreibt ihn mir doch näher, damit ich mir sicher sein kann und dir keine falschen Hoffnungen mache.“

In Yulivees Augen blitzte es auf. Sie lächelte wie ein verliebtes Mädchen. „Ich habe ihn in meiner Kindheit kennen gelernt. Er war schon damals sehr begabt mit dem Schwert, musst du wissen. Und… kennst du das Gefühl jemandem zu begegnen und zu wissen, dass dieser jemand einmal ein großer Held sein wird? Genau das Gefühl hatte ich damals. Ich weiß, es klingt lächerlich, aber er hat mir versprochen, dass er einmal der beste Krieger Albenmarks und mein Schwertmeister sein würde.“

„Beschreibt mir, wie er aussieht und wie ihr euch kennen gelernt habt“, verlangte Jornowell nun schließlich.

Yulivee lachte. „Er hatte eine hagere Gestalt. Damals hatte er langes dunkles braunes Haar, das von einem Zopf zusammen gehalten wurde, er erstrahlte geradezu, wenn man ihn ansah und die Augen… seine Augen waren wie tiefe Abgründe, in denen man versinken konnte. Wenn er einen ansah, dann hatte man das Gefühl zu fallen, als ob sie einen gefangen nähmen. Meistens sah er ernst aus, aber wenn er lächelte hätte er Steine zum Schmelzen bringen können.“ Vor Jornowell Augen entstand ein Bild. In seiner Vorstellungskraft bildete sich das Gesicht eines Elfen mit den typischen Gesichtszügen des Adelshauses von Arkadien. Langes dunkelbraunes Haar hing über seine Schultern. Seine Augen waren tief und durchdringend, wie sie eher untypisch für Arkadien waren. Alle Mitglieder des arkadischen Adelshauses besaßen eher die verschmitzten himmelsblaue Augen, des Nordens. In dem Bronzefarbenen Gesicht, das dem arkadischen Fürstenhaus eigen war, spielte die Härte eines Kriegers mit. Er blickte ihn fast verbissen ernst an. Im Gedanken schrieb er den Namen Tranju unter dieses Bild. Dann begann der Elf zu lächeln und er erstrahlte. Nein, er grinste böse. Das Strahlen war in seinen Gedanken auch kein wirkliches Licht, das von innen heraus kam, sondern eine unnatürliche Blässe, die sich über seine Haut zog. Während die Farbe der Haut verblasste, wurden die Haare und Augen in seinen Gedanken dunkler. Es war nicht mehr das Bild des angeblichen Fürstenenkels von Arkadien, sondern das des Fürsten Tiranu von Langollion. Selbst die Namen… und wenn Yulivees Beschreibung auch nur teilweise richtig war, hatte der Junge mehr Ähnlichkeit mit dem Langollier als mit den typischen Merkmalen der Arkadier.

„Ich habe bereits bei den Fürsten von Arkadien angefragt, ob sie ihn mir zur Seite stellen würden, aber sie scheinen ihn wie ihren eigenen Schatz zu hüten. Auf jedes meiner Gesuche haben sie behauptet, er würde nicht existieren.“ Yulivee schien darüber halb empört, halb verbittert zu sein. Jornowell überlegte ihr zu erklären, dass den Fürsten nichts vorzuwerfen wäre, gab es besagten Krieger ja wirklich nicht. Entschied sich aber dagegen. Sie warf einen Blick auf Jornowells Gesicht und studierte dieses. Er versuchte sich seine Gedanken nicht anmerken zu lassen – und doch erriet seine alte Freundin sie.

„Ich weiß was du denkst. Vielleicht irrt sie sich. Wir kennen beide einen Elfen, auf den diese äußerliche Beschreibung gut passen würde nicht wahr?“, fragte sie halb verbittert. „Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb ich ihn so sehr hasse. Er ist wie ein verkehrtes, verzerrtes Spiegelbild von dem, auf den ich warte. Nein, ihre Charaktere waren vollkommen unterschiedlich! Wo bei Tranju nichts als Wärme war, ist Tiranu eiskalt.“

Versuchte sie sich das gerade nur einzureden, fragte sich Jornowell, oder glaubte sie wirklich das Tiranu einen Doppelgänger aus Arkadien hatte? Allein die Vorstellung war lächerlich. Trotzdem wollte er Yulivee nicht wiedersprechen, schon allein deshalb, weil er ihre Wut nicht erneut heraufbeschwören wollte. Sie schien, was dieses Thema betraf, übermäßig empfindlich zu sein.

„Er kommt mir wirklich bekannt vor, ich werde einmal in meinen Reisetagebüchern nachschlagen. Vielleicht habe ich ihn ja wirklich einmal gesehen“, die Lüge ging ihm erneut glatt von den Lippen. Man lernte, gut zu lügen, wenn man am Hofe der Königin gastierte, selbst, wenn diese eine alte Freundin war. Aber um sicher zu sein, dass sein Gedankengang richtig war, musste er mehr von diesem ‚Tranju‘ erfahren. „Erzählt mir doch mehr von ihm…“
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