Parents can never be too patient...

GeschichteFamilie, Übernatürlich / P12
Detective Nick Knight Lacroix
03.06.2018
03.06.2018
3
3949
1
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
Sketches of a past Li(f)e
Autor: Lady Charena
Fandom: Forever Knight
Episode: 3x22 Last Knight
Prompt: # 029. Arrival (100 Situations)
Charaktere: LaCroix, Nicholas
Pairing: --
Rating: pg, gen, AR
Beta: T'Len


Summe:  Fortsetzung zu „Until the deed is done“ – Nicholas findet sich in einer fremden Umgebung wieder, umgeben von verschwommenen, kaum greifbaren Erinnerungen – und LaCroix.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.


Parents can never be too patient – Oscar Wilde, The devoted friend


Er erwachte in einem dunklen Raum.  Nicht völlig dunkel, eher dämmrig – an der gegenüberliegenden Wand blockierten schwere Vorhänge  vor einer Fensterfront das Tageslicht.  Er spürte das Gewicht seiner eigenen Arme, die über seinem Brustkorb gekreuzt waren und ließ eine Hand sinken. Sie fiel nicht weit, landete auf etwas Weichem, Kühlem, Glattem -  ein Bettlaken? Seine Fingerspitzen tasteten sich daran entlang, fanden jedoch nichts anderes als Seide und etwas, das nicht nachgab als er dagegen presste und es dauerte einen Moment, bis er es als sein Bein identifizierte. Er konnte seinen Körper nicht wirklich fühlen, nur eine bleierne Schwere, wie ein Schatten eingeschlossen in einer Form und seltsamerweise rief auch dieser Gedanke keinerlei Reaktion hervor.  

Sein Kopf schien wie ein leeres Blatt auf einer Staffelei, das er zögernd mit Skizzen dessen was er wahrnahm und sah und empfand, zu füllen begann.

Seine Augen wanderten durch den Raum. Eine Hotelsuite – großzügig und unpersönlich, aber mit der dezenten Eleganz wirklich teurer Herbergen. Ein kompliziertes, fast lebendig wirkendes Muster aus Schatten verzierte die fensterlose Wand, aber vielleicht war es auch nur eine Designertapete.  Belle Époque-Möbel, arabisch anmutende Kissen, gedämpfte Farben, rahmenlose Bilder stereotyper Landschaften... Wälder, Berge, Gewässer. Eine Lampe im Tiffany-Stil brannte rechts von seinem Kopf auf einem zierlichen Nachttisch, dessen Schubladen mit verschnörkelten Messingknöpfen geschmückt waren. Ihr Licht war warm, fast golden und reichte nicht weiter als bis zur Mitte seines Brustkorbs, badete seine Hand in ihrem Schein, ließ sie gesund und beinahe leicht gebräunt, wie nach einem Tag am Meer, aussehen. Nicht, dass seine Haut je so ausgesehen hatte, aber er erinnerte sich an weiche, warme, gebräunte Haut unter seinen Lippen und den Geschmack von Blut und Schweiß, Salz und etwas bitter-metallischem auf seiner Zunge.

Er konnte an nichts festmachen, wo er sich aufhielt – noch immer in Toronto? Aber dieses Zimmer könnte sich genauso gut in Tokio wie in London befinden. Er strengte seine Ohren an, doch außerhalb des Raumes war nur ein gedämpftes Murmeln von Verkehrslärm zu vernehmen, auch das fand man inzwischen in jedem Land auf dieser Erde.

Der Anblick seiner Hand brachte den Fokus zurück auf seinen Körper. Er hob die Hand und tastete sein Gesicht ab. Die Haut unter seinen Fingerspitzen war kalt, klamm und rau; seine Lippen trocken und aufgesprungen, als er sie mit der Zungenspitze berührte. Er spürte eine Mischung aus Hunger und Übelkeit, undeutlich und fern, als er schluckte. Die Bewegung der Muskeln in seiner Kehle spannte für einen Augenblick die Haut an und er spürte ein vages Brennen an der Seite seines Halses.

Seine Hand glitt dorthin und seine Fingerspitzen ertasteten frische Bissmarken. Das erklärte, warum er sich so schwach fühlte. Sie waren nicht verheilt, was bedeutete, sein Körper heilte nicht, was wiederum bedeutete, jemand hatte ihn fast ausgeblutet. Und er hatte nicht... nichts... seit Nat... Natalie...

Ein scharfer, stechender Schmerz fuhr durch seinen Körper, fast wie ein Pfahl und er krümmte sich instinktiv Schutz suchend zusammen. Der Schmerz ebbte ab, verschwand beinahe so rasch, wie er aufgetreten war – nur der Name blieb. Natalie. Da war kein Bild, kein Klang, keine Stimme – kein Empfinden. Nur ein schwarzes Loch, das seine Gedanken ins Leere zu ziehen drohte, wenn er ihm zu nahe kam.

Es war fast wie das erste, noch unschuldige Erwachen nach seiner... Verwandlung... die gleiche Verwirrung und das gleich Nicht-Wissen; nur ohne den brennenden Hunger, der es damals begleitet hatte.

Da waren Stimmen, gedämpft von einer Tür; Stimmen, die aus einem anderen Raum dumpf und unwirklich zu ihm drangen. Zunächst konnte er keine einzelnen Worte ausmachen, nur ihren Klang und die Erkenntnis, dass er eine der beiden Stimmen kannte. Sie war ihm so vertraut wie seine eigene und sie schien ein Echo in seinem Kopf zu erzeugen.

Er wandte das Gesicht zur Seite, als die Tür sich öffnete und die Stimmen lauter wurden. Was immer auch jenseits dieses Raumes lag, es war ebenfalls in Dämmerlicht gehüllt.


* * *


„Wir benötigen nichts“, sagte LaCroix kühl und stand so im Türrahmen, dass seine Schultern den Blick auf die Gestalt auf dem Bett verdeckten. „Außer unserer Ruhe. Es war eine lange Reise und mein Sohn ist erschöpft.“


* * *


Mein Sohn... Nicholas wandte den Kopf ab und legte den Unterarm über die Augen, um das Licht und die Stimmen aus zu blocken. LaCroix. Was machte er hier, was machten sie beide hier?


* * *


LaCroix schloss die Tür hinter sich; halb angewidert, halb amüsiert von der Neugier des Menschen, so erbärmlich als Besorgnis um seinen Komfort getarnt. Der Hotelangestellte hatte ihn geweckt; hatte ihn gezwungen, den Raum heller zu erleuchten, als es seiner Vorliebe entsprach – wenn auch ihre Ankunft mitten in der Nacht dafür gesorgt hatte, dass sich niemand über seine Anweisung wunderte, sicher zu stellen, dass alle Fenster mit Vorhängen versehen waren, die das Tageslicht blockierten – seine überflüssigen Fragen beantwortet und sich dabei so zivil benommen, dass er keine besondere Aufmerksamkeit erregte. Er war genug in seinem Leben gereist, um zu wissen, dass es kaum etwas gab, das ein Hotel nicht bieten konnte, wenn man bereit war, dafür zu bezahlen. Doch genauso waren sie eine Brutstätte von Gerüchten und eine Sammelstätte unerwünschter Spuren, vor allem in der heutigen Zeit schneller Computer- und Internetverbindungen.

Es war unwahrscheinlich, dass jemand sie suchte – oder genauer gesagt, jemand nach Nicholas suchen würde – Tracy Vetter war tot, ebenso Natalie Lambert und dieser merkwürdige Mensch Schanke, den Nicholas seinen Freund genannt hatte, starb einige Jahre zuvor bei einem Flugzeugabsturz. Diese drei wären die wahrscheinlichsten Kandidaten gewesen, um Nicholas Verschwinden zu untersuchen und verfolgen. Sollte sein Captain ihn vermissen, so würde er Nicholas Wohnung leer; seinen Telefonanschluss gekündigt und sein Bankkonto aufgelöst vorfinden. Nicholas Dienstmarke, seine Waffe (was für ein nutzloses kleines Spielzeug) und sein abscheuliches Mobiltelefon lagen in einem Umschlag auf dem Küchentresen. Zusammen mit den Schlüsseln für die Wohnung. Don Constantine hatte dafür gesorgt, dass Nicholas Besitztümer, seine Bilder und Artefakte und dieses Auto, an dem er so zu hängen schien, in einem unauffälligen Möbelwagen weggebracht und unter falschem Namen in Montreal eingelagert wurden. Sie konnten später entscheiden, was damit geschah. Nach den Jahren des Herumsitzens in Toronto stand ihm der Sinn nach Reisen und er hatte die Jahrhunderte mit Janette und Nicholas an seiner Seite, beim Erkunden der Welt, in bester Erinnerung. Bedauerlich, dass Nicholas diesen Hang zur Sesshaftigkeit entwickelt hatte. Er hatte noch nie eine Wintersonnwende erlebt und eine sechsmonatige Polarnacht klang geradezu ideal für einen Vampir – jedoch, was  vor mehr als 300 Jahren im Pest-geplagten London gegolten hatte, galt immer noch – er verabscheute Orte, die keine Möglichkeit zur kulturellen Zerstreuung boten.

Egal wohin sie gingen, alles würde sich ändern. Er hatte lange genug dabei zugesehen, wie Nicholas sein Geschenk, seine Gaben wegwarf. Ohne den Einfluss seiner menschlichen Freunde war er sehr viel leichter zu lenken. Und selbst wenn er sich zuerst zur Wehr setzen mochte – LaCroix war geduldig. Er hatte alle Zeit der Welt.


* * *


Er spürte eine Änderung in der Atmosphäre des Raumes – als wäre eine Tür aufgegangen und ein kalter Windstoß durch ihn gefahren.

„Sieh’ mich an, Nicholas“, sagte eine Stimme – so seiden und so kalt wie die Seide, die er unter seinen Fingerspitzen gespürt hatte - dicht an seinem Ohr.

Er hatte keine andere Wahl, als ihr zu gehorchen. Er ließ den Arm sinken und öffnete die Augen.

LaCroix stand vor ihm, ein zynisches Lächeln auf den Lippen. „Willkommen in der Hölle, Nicholas.“ Er begann zu lachen.

Das Gefühl von Betrug und Verrat war zu vertraut, so verwoben mit diesem unerträglichen Gefühl von Hass-Liebe-Hass zu LaCroix, dass er es kaum mehr wahrnahm, als er die Augen wieder schloss und zurück in traumlosen Schlaf sank.



Ende




Anmerkung 1: LaCroix’ Begrüßung bezieht sich auf Episode: 1x02 Dark Knight: The Second Chapter, als Nicholas ihn tötet (nun, offensichtlich glaubte Nicholas nur, ihn getötet zu haben, denn in Staffel 2 ist LaCroix zurück) und ihn dabei in die Hölle wünscht.

Anmerkung 2: Inzwischen gibt es eine Fortsetzung: „Fading Stars“ zu dieser Story.
Review schreiben