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Well, They Fucked Up (Or Didn't They?)

OneshotAllgemein / P16
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
03.06.2018
03.06.2018
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Hallöchen miteinander :)
Obwohl ich Detroit: Become Human noch nicht einmal vollständig durchgespielt habe, musste ich einfach etwas zu Connor und Hank schreiben. Die zwei zusammen sind einfach mal so super süß und sympathisch :D
Vor allem die Szene am Imbiss, in der Connor Hank zuzwinkert  war wirklich goldwert.
Der Oneshot ist an einem Abend entstanden (erst auf Englisch, dann schließlich auf deutsch übersetzt) und war eher eine kreative Schreiberei für Zwischendurch, doch ich hoffe, es gefällt euch trotzdem.
Oh und der Titel stammt aus dem Gespräch zwischen Connor und Hank, als dieser ihm erklärt, dass er speziell dafür entworfen sei, mit den Menschen zu harmonisieren und seine Stimme und Aussehen die Integrierung erleichtern soll und Hank daraufhin erwidert, dass das nicht geklappt hat (bzw. im Englischen "Well, they fucked up").

Wie auch immer, der folgende Oneshot enthält Spoiler für Connors Kapitel "Das Nest", also seid vorgewarnt.



Well, They Fucked Up (Or Didn't They?)


Es herrschte Stille im Aufzug.
Endlich etwas verdammte Ruhe! Kein neugieriges "Kann ich Ihnen eine persönliche Frage stellen?, kein höfliches "Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit, Leutnant", kein verdammtes "Warum verabscheuen Sie mich so sehr?"
Nur verdammte Stille.

Hank kräuselte seine Lippen in Unmut. Nicht nur, dass ihm die ganzen verdammten Androiden-Fälle zugewiesen worden waren, er war auch noch dazu verdammt mit diesem nervtötenden und aufdringlichen Stück Plastik neben ihm zusammenzuarbeiten. Und zu guter Letzt hatte erwähntes Plastikstück zusätzlich dafür gesorgt, dass er seine Mittagspause - die beste Zeit in seinem ganzen Job - frühzeitig beendete.

"Hoffentlich ist die verdammte Info das wert", murmelte er mürrisch in seinen Bart, mehr zu sich selbst.

Beinahe erwartete er eine Erwiderung, irgendein besserwisserischer Kommentar oder das aufrechte "Ich wurde dieser Mission zugewiesen und ich beabsichtige, diese erfolgreich abzuschließen", typisch für einen braven, kleinen Roboter. Doch er bekam keine Antwort und obgleich er innerlich froh über die weiterhin bestehende Ruhe war, brachte es ihn dazu, einen skeptischen Seitenblick auf den Androiden zu werfen.
Es hatte die Augen geschlossen, der Ring an der rechten Schläfe blinkte in kurzen Abständen gelb auf und die Körperhaltung war aufrecht und steif, fast wie eingefroren.
Was zum Fick macht es jetzt schon wieder?, dachte Hank, nicht einmal versuchend, das irritierte Seufzen zu unterdrücken. Vermutlich irgendwelche Daten scannen oder so Zeugs. Verdammte Androiden.

Seine Arme vor der Brust verschränkt, lehnte er sich gegen die Wand des Aufzugs.
Detektiv-Androiden, hm?, dachte er sich missbilligend, Augen über den Androiden wandernd. Er hatte über die letzten Jahre schon viele dieser Plastikficker gesehen, sehr zu seinem eigenen Missmut. Diese Dinger waren heutzutage überall: In Supermärkten, auf den Straßen, in den meisten Bars - Gottseidank für Jimmy's Bar - und nun sogar, als ob ihn jemand verarschen wollte, in seinem Polizeirevier und seiner Investigation.
Was haben die sich dabei gedacht, mir dieses Stück Plastik als Assistent für die Ermittlungen aufzuhalsen? Offensichtlich nur Scheiße!

Hank grunzte verbittert, Augen immer noch auf seine "Begleitung" gerichtet.
Besonders dieses Exemplar. Wer auch immer für die Entwicklung dieses Exemplars verantwortlich war, diese Person muss ein richtiges Arschloss sein, dafür, dass es ihm dieses alberne, fast schon provokative Aussehen - perfekt sitzendes, braunes Haare, die Locke nach hinten gestrichen, ebene, aalglatte Gesichtszüge, fein geschwungene, rosa Lippen - gegeben hat. Und dann noch diese seltsame, monotone Stimme, die seine eh schon geringe Geduld auf die Probe stellte, jedes verdammte Mal, wenn es zu sprechen ansetzte.
Und dann noch dieses freche Zwinkern, dachte sich Hank, erinnerte sich daran, wie überrumpelt er gewesen war von dem schon beinahe verführerischen Ausdruck, eine Reaktion so untypisch for den Androiden. War das ebenfalls im Code vorhanden? Und wenn ja, was konnte dieses Ding noch alles?

Hank seufzte, definitiv nicht interessiert daran, es herauszufinden. Nicht heute, nicht morgen, gar nicht!
Entworfen um harmonisch mit den Menschen zusammenzuarbeiten? Ha, das ich nicht lache! Es kann nicht mal meine Anweisungen befolgen, Gottverdammt!
Das war ein weiteres Problem, das ihn ankotzte. Sind diese Androiden nicht normalerweise zum Gehorchen programmiert?
Es hatte mehr als genug Situationen gegeben, in welchen er dem Androiden gesagt hatte, es solle "leise sein und im Auto bleiben" - natürlich stieg es aus dem verdammten Auto aus - oder es solle "nicht's anfassen" - ein paar Sekunden später sah er, wie es Blut vom Tatort mit seinem Lippen testete - oder es solle ihm "nicht wie ein Pudel durch die Gegend folgen" - es folgte ihm durch die Gegend wie ein verdammter Pudel! Nicht in einer dieser Situationen hatte es seinem Befehl gehorcht, stattdessen die ganze Zeit irgendwas erzählt von wegen "Anweisungen die denen von Hank widersprechen würden" oder "wichtige Mission" oder dass er sich "für den Vorfall auf der Polizeistation entschuldigen wollte", blablabla.
Offensichtlich war dieses Exemplar ein fortgeschrittenes Modell, ein Prototyp, irgendein "hochmodernes" Plastikarschloch, perfekt dafür entworfen, ihm auf die Nerven zu gehen durch die Tatsache, dass es irgendeine Art von Programmierung hatte, die es dem Androiden erlaubte, zwischen verschiedenen Prioritäten abzuwägen und sich somit auch seinem direkten Befehl zu verweigern.

"Aussehen und Stimme sollen die verdammte Integrierung erleichtern?", wiederholte Hank die Worte des Androiden schnaubend. Nun, das haben sie definitiv ziemlich vermasselt.

Der Aufzug kam zum Stehen und riss ihn somit aus seinen Gedanken. Wartend, dass die Türen sich endlich öffneten murmelte er ein ungeduldiges "mach schon!", bevor er aus dem Aufzug und in den dunklen, heruntergekommenen Korridor trat. Bringen wir das so schnell wie möglich hinter uns, ich bin viel zu nüchtern für den ganzen Scheiß hier.

Er war im Begriff sich auf den Weg zu der Tür des Abweichlers zu machen, als er die fehlenden Bewegungen hinter sich bemerkte. Verwirrt drehte er sich wieder um, sah in den Aufzug, wo sein "Partner" immer noch regungslos dastand. Was zum Teufel?
Er registrierte das gelbe Blinken des Rings, sogar schneller als bevor und zog eine Augenbraue in die Höhe. War irgendetwas nicht richtig mit dem Teil? Irgendein Systemcrash oder so? Verdammt, bitte nicht! Ich weiß nicht einmal wie ich die Einstellung in meinem Handy aufrufe! Was mache ich mit dem Plastikteil, wenn es plötzlich nicht mehr funktioniert?

"Na großartig, genau was ich heute noch gebraucht habe", murmelte er sarkastisch. Dann, in einem lauteren Ton, um die Aufmerksamkeit des Androiden zu bekommen: "Hey, sind deine Batterien etwa leer?"

Der Ring an der Schläfe änderte seine Farbe, von einem blinkenden Geld zu einem konstanten Blau, dann öffnete es endlich die Augen, die perfekt geschwungenen Augenbrauen für einen kurzen Moment angehoben in einem sachten, fragenden Ausdruck.
"Tut mir leid", begann es in dieser typischen Stimme und Hank vermisste augenblicklich die Stille. "Ich habe CyberLife Bericht erstattet."

"Uh ..." Das war möglich? Einen Bericht abschicken, nur durch's Schließen der Augen? Verdammt nochmal, jetzt fang ich doch tatsächlich auch noch an, neidisch auf einen verfickten Androiden zu werden.
Er betrachtete den Androiden, helle, braune Augen sahen zurück, zögernd, als ob es auf weitere Worte von ihm wartete. Unangenehm berührt von diesen plötzlichen Situation trat Hank von einem Fuß auf den andere und fügte etwas verständnislos hinzu: "Und, willst du da etwa im Aufzug stehenbleiben?"

"Nein." Trotz der folgenden Worte - "Ich komme." - machte der Android keine Anstalten, sich zu bewegen.

Was zum Teufel?!
Sich abwendend, schüttelte Hank seinen Kopf, machte sich nun auf den Weg und - Oh, Wunder! - hörte, wie sein "Partner" endlich folgte.

****

"Heilige Scheiße ..."

Mit vor Schreck geweiteten Augen starrte Hank auf den Zug, oder um genauer zu sein, auf die zwei Androiden auf diesem: Einer davon war der Abweichler, der gerade vom Zug auf eine nahe Gerüstplattform sprang und weiter nach oben über die Mauer kletterte, der andere war Connor, auf dem fahrenden Zug kniend, Gesicht der Leiter zugewandt, darauf wartend, dass der Zug an dieser vorbeifuhr.

Oh verdammt, was macht er da?

Immer noch schockiert von dem Geschehen vor seinem Auge beobachtete er weiterhin Connor, beobachtete wie er sich zum Absprung vorbereitete und als er es schlussendlich tat, hielt Hank für einen kurzen Moment die Luft an, unsicher und überfordert mit dem plötzlichen Gefühl der Sorge, der Angst, die seinen Körper durchzog.

Fuck, wag es bloß nicht, herunterzufallen, Connor!

Er tat es nicht. Natürlich tat er es nicht. Mit einem erleichternden Seufzen sah Hank zu, wie der Android die Leiter griff, daran hochkletterte und dann bei der Mauer weitermachte, schnelle und flüssige Bewegungen, als er seinen schlanken Körper die Mauer hochzog und dahinter verschwand.

Noch immer nicht vollkommen erholt von dieser unerwarteten Panik blieb Hank für ein paar Sekunden hier stehen, vornübergebeugt, Hände auf die Knie gestützt. Sein Atem ging schwer und schnell - ob von der ganzen Rennerei und Verfolgungsjagd oder der Anspannung, Connor dabei zuzusehen, wie er von einem fahrenden Zug auf eine instabile Leiter sprang, konnte er nicht sagen.
Doch als sein Puls sich langsam wieder normalisierte und er die Situation in seiner Gänze begreifen konnte, gab er sich innerlich eine Ohrfeige, dafür, dass er sich ernsthafte Sorgen gemacht hatte.
Verdammt nochmal, er ist ein verfluchter Android, nicht einmal ein Mensch. Er kann nicht einmal sterben, er-

Seinen Kopf schüttelnd und zornig über die Situation - Warum muss so eine Scheiße auch immer nur mir passieren?! - unterdrückte er die restlichen Gedanken. Stattdessen nahm er wieder die Verfolgung auf, in der Hoffnung, er könnte dem Abweichler den Weg abschneiden, falls nötig.
Hoffentlich schafft es Connor, unversehrt zu bleiben den Abweichler einzufangen.

****

Über die letzten Jahre hatte er oft darüber nachgedacht, wie er irgendwann abkratzen würde - vielleicht würde er sich zu Tode trinken oder an einem Herzinfarkt sterben, was ehrlich gesagt gar nicht so unwahrscheinlich war, wenn man seine hohen Cholesterinwerte ansah. Vielleicht würde er auch einfach eines Tages kein Glück mehr haben und ausgerechnet die eine Revolverkammer treffen, die geladen war, wenn er mit sich selbst Russisches Roulette spielte. Von einem verdammten Plastikarschloch vom Dach runtergestoßen werden war jedoch nicht der Plan. Definitiv nicht!

Damit kämpfend, dass seine Hand nicht von der Kante abrutschte versuchte Hank sich hochzuziehen, fühlte, wie seine Muskeln in seinem Arm schon zu zittern und schwächeln anfingen aufgrund seines Körpergewichts und der fehlenden Routine.
Vielleicht hätte ich besser auf den letzten Hamburger heute Mittag verzichten sollen, dachte er sich sarkastisch, wurde jedoch schnell ziemlich ernst als er merkte, wie sein Griff um die Kante immer rutschiger und instabiler wurde, wie seine Kraft schwand.
Panik stieg in ihm hoch, als er sich erneut hochzuziehen versuchte. Ohne Erfolg.
Oh Scheiße oh Scheiße oh gottverdammte Scheiße! Bitte, du verdammter, nutzloser, schwacher Arm, lass bitte nicht die Kante los! Wag es ja nicht, zu funktionieren aufzuhören!

In einem Anflug von purer Verzweiflung versuchte er seinen anderen Arm hochzuziehen, mit seiner anderen Hand die Kante zu greifen, doch statt der Kante legte sich eine starke Hand um seinen Unterarm und zog ihn hoch, über die Kante und auf den sicheren Boden des Daches.

"Scheiße, oh scheiße," keuchte Hank schwer, sein eigener Herzschlag pochte überdeutlich und hektisch in seinen Ohren wider. Er warf einen Blick nach vorn, sah den Abweichler gerade noch um die nächste Ecke verschwinden. Keine Chance, diese Distanz nochmal aufzuholen.

"Wir hatten es," stieß Hank aus, all seine Panik und Wut und Erleichterung vereint in seinem nächsten Ausruf: "Fuck!"

"Es ist meine Schuld," hörte er Connor sagen und es klang nicht wie eine Ausrede oder Mitleid für Hank oder ein Versuch, Hank von der Schuld freizusprechen und ihn zu beruhigen.
"Ich hätte schneller sein müssen." Es klang, als ob Connor wirklich dachte, es wäre seine Schuld, sein Verfehlen der Mission.

Hank rappelte sich umständig vom Boden auf, den Blick verwirrt und ungläubig auf den Androiden neben ihm gerichtet, welcher mit seinen Augen den Fluchtweg des Abweichlers nachkonstruierte.
Er hätte das verdammte Ding fassen können. Er hätte sich dafür entscheiden können, es weiterhin zu verfolgen. Stattdessen hat er seine Mission vernachlässigt und mir geholfen. Mein verdammtes Leben gerettet. Warum?

"Du hättest es geschnappt, wenn ich nicht gewesen wäre..." brachte er seine Gedanken zum Ausdruck, beobachtete, wie Connor seinen Kopf in seine Richtung drehte und braune Augen sich in seine eigenen blauen bohrten. Er war still, fast so als würde er Hank zu einer ausführlicheren Erklärung auffordern, als ob er irritiert über seine Aussage wäre, weil er immer noch dachte, es wäre seine Schuld. Weil er dachte, er hätte es besser machen müssen. Besser machen sollen.
Komischer Android, dieser hier.

"Ist schon okay." Warum fühle ich das Bedürfnis, ihn zu beruhigen?! Muss vermutlich der Schock sein, fast vom Dach gefallen zu sein. "Wir wissen, wie es aussieht."

Connor sah nicht gerade überzeugt aus, sondern starrte ihn weiterhin an mit diesem ernsten, bewegungslosen Ausdruck. Erst jetzt bemerkte Hank, dass der Ring des Androiden gelb aufblinkte statt das normale Blau zu zeigen.

"Wir werden es finden." Er sagte es mit Überzeugung, doch um ehrlich zu sein, so überzeugt war er gar nicht. Und wenn er noch ehrlicher sein musste, so sehr interessierte es ihn in diesem Moment auch gar nicht. Nach alldem war er einfach nur froh, wieder sicheren Boden unter seinen Füßen zu haben. Zur Hölle, ich brauch 'nen verdammten Whisky auf den Schock! Und zwar sofort!
Mit müden Schritten setzte er sich in Bewegung, in Richtung der Treppe, die vom Dach führen würde. Am Treppenabsatz jedoch blieb er stehen und drehte sich noch einmal herum, warf dem Androiden einen Blick zu.

"Hey Connor ...", fing er an, registrierte erst jetzt, dass er mittlerweile begonnen hatte, Connor in seinen Gedanken als "er" zu bezeichen, nicht länger als ein "Es".

Mit einer schnellen und flüssigen, wenngleich etwas steifen Bewegung drehte sich Connor ihm zu. Braune Augen fokussierten ihn und Hank konnte einen sanften, fragender Ausdruck unter den sonst so typisch gefassten Gesichtszügen hervorscheinen sehen.
Er erwiderte den Augenkontakt, schaute in die hellen und warmen braunen Augen seines Gegenübers und fragte sich plötzlich Warum, verdammt, gibt man einem Androiden solch warme und angenehme Augen, wenn diese Dinger sowieso nicht darauf programmiert waren, irgendwelche echten Emotionen zu spüren oder auszudrücken?

Danke.
"Nichts. Es ist nichts", murmelte Hank stattdessen, vermied weiteren Augenkontakt und machte sich auf den Weg nach unten.

Wer auch immer dieses Exemplar entworfen hatte, hat's vielleicht doch nicht so sehr vermasselt.
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