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Löwin und Lamm

von Inery
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Ingrid Rischke Prof. Dr. Gernot Simoni
02.06.2018
30.07.2018
12
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02.06.2018 741
 
„Irgendwie ist keine wie sie, Löwin und Lamm, zornig und zahm“
Gernot hörte die Textstelle auf dem Weg in die Klinik und lächelnd sah er dabei Ingrids Gesicht vor sich. Er schaute auf die Uhr, fragte sich ob er sie noch kurz sehen würde oder ob sie nach ihrem Nachtdienst schon auf dem Heimweg sein würde.
Im Flur zu seinem Büro hörte er laute Stimmen aus Sarah Marquardts Büro.
„Wir können nicht noch mehr Verbandsmaterial einsparen oder sollen wir Verbandsmaterial doppelt verwenden? Am besten bei einem anderen Patienten, damit die Patienten nicht sehen, dass wir es schon einmal benutzt haben?“ schrie Ingrid laut und Gernot konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. „Als nächstes hätten wir dann allerdings ein riesiges Hygieneproblem im Haus.“
Gernot trat ohne zu klopfen in Sarahs Büro. „Was ist denn hier los? Das Geschrei ist über den ganzen Flur zu hören.“
„Dann wissen Sie ja schon von den absurden Vorstellungen der Oberschwester zur Einsparung von Verbandsmaterial.“
„Sie wollen doch unbedingt....“ begann Ingrid zornig, doch Gernot fiel ihr ins Wort.
„Wir versuchen schon nur das nötigste zu benutzen, aber wir sind ein Krankenhaus, versorgen Verletzungen und die müssen ordentlich versorgt werden. Dazu benötigt es Verbandsmaterial und zwar in den Mengen, die wir bestellen und nutzen.“
„Es muss Wege geben zur Einsparung, Herr Professor.“
„Aber nicht an Stellen, worunter die Versorgung der Patienten leiden würde.“
„Wenn es beim Verbandsmaterial nicht gelingt, dann muss der Medikamentenverbrauch reduziert werden.“ sagte Sarah.
„Ich schicke dann Patienten die Schmerzen haben in Zukunft in Ihr Büro, wenn wir ihnen nichts mehr gegen die Schmerzen geben sollen?“ fragte Ingrid spitz.
„Also das ist doch...“ begann Sarah.
„Ruhe jetzt!“ rief Gernot. „So kommen wir nicht weiter. Gibt es sonst keine Möglichkeiten für Einsparungen?“
„Personalkosten wären auch noch ein Punkt wo man versuchen könnte zu sparen.“
Gernot stöhnte und schaute Sarah an. „Sie schauen welche Möglichkeiten es sonst noch gibt“ ordnete er an und schaute zu Ingrid. „Und du machst jetzt endlich Feierabend.“
„Aber...“ begannen Sarah und Ingrid gleichzeitig.
„Keine Widerrede, das ist eine Anweisung!“ sagte Gernot streng und schob Ingrid aus Sarahs Büro.
„Ich hätte gedacht, dass du schon nach Hause gegangen wärst.“ sagte Gernot auf dem Flur und ließ eine Hand auf ihrer Schulter während sie nebeneinander her gingen.
„Wäre ich gerne, aber ich komm hier einfach nicht weg.“ seufzte Ingrid.
„Du machst dich noch kaputt, wenn du nicht kürzer trittst.“
„So weit kommt es schon nicht. Aber für dich gilt das nicht weniger als für mich.“
Nachdenklich nickte er. „Ingrid... Hättest du vielleicht Lust heute Abend etwas essen zu gehen?“
„Ich kann leider nicht.“ sagte Ingrid leise und konnte ihn nicht anschauen. „Harry kommt später nach Leipzig...“
„Harry...“ sagte er leise. „Ja, dann wünsche ich euch ein schönes Wochenende.“ Gernot wandte sich von ihr ab und ging in sein Büro. Harry hatte er völlig vergessen, während der letzten Tage waren sie beide sich so nahe gekommen, aber es gab ja einen neuen Mann in Ingrids Leben...
Ingrid schaute ihm mit traurigem Blick nach, wusste wie weh sie ihm getan hatte und hasste sich selbst dafür nicht schon längst mit Harry geredet zu haben, dass sie keine Zukunft miteinander haben würden... Seufzend lehnte sie sich an die Wand im Aufzug, fuhr auf die Station und zog sich dort um ehe sie die Klinik verließ, wo Harry vor der Tür auf sie wartete.
„Was machst du denn hier?“ fragte sie völlig perplex.
„Da du nicht zu Hause warst, dachte ich mir, dass du noch hier sein würdest.“ er kam lächelnd auf sie zu. „Hallo.“ er wollte sie küssen, doch Ingrid drehte ihr Gesicht zur Seite, sodass er ihr nur einen Kuss auf die Wange geben konnte.
„Nicht, Harry.“ Ingrid schob ihn ein Stück von sich weg. „Du wolltest doch erst nachmittags oder gegen Abend kommen?“
„Ich dachte, dass du dich freuen würdest, wenn ich etwas früher da sein würde...“
„Ich bin totmüde und möchte nur nach Hause. Das einzige worauf ich mich freue ist mich in mein Bett zu legen und zu schlafen.“
„Soll ich dich noch nach Hause bringen?“
„Ja, das wäre nett.“ Ingrid zwang sich zu einem Lächeln und sie gingen zu seinem Wagen. Harry legte seinen Arm auf ihren Rücken. Im Auto lehnte Ingrid ihren Kopf auf ihren Arm und schaute nach draußen, Gernot stand am Eingang - einen kurzen Moment schauten sie einander in die Augen und Ingrid seufzte.
„Alles in Ordnung?“ fragte Harry.
„Jaja“ antwortete Ingrid und schweifte mit ihren Gedanken ab.
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