Sonnenuntergang über dankbaren Universum

GeschichteDrama, Angst / P6
Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark
02.06.2018
02.06.2018
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Thanos war schon immer kein großer Fan von Zufällen gewesen. Er glaubte an das Vorherbestimmte, an den roten Faden, der durch all ihre Geschichten rann und vor allem glaubte er daran, dass man Dinge am Besten selber in die Hand nahm, wenn man wollte, dass sie ausreichend erledigt wurden.

Diese Erkenntnis hatte er sich hart erarbeitet, über Jahrzehnte hinweg und er hatte bezahlt, zu viel und zu hoch, aber jetzt hatte er nun mal dieses Wissen und schaden tat es ihm nicht.

Das Metall um seine Faust war bröcklig, zu viel Macht in einem zu weichem Gefäß und er spürte den Phantomschmerz einer Axt in seinem Unterleib und das nervige Brennen eines kleinen Kratzers an der Wange. Es war keine wirkliche Überraschung gewesen, dass Thor es geschafft hatte, ihm eine Axt in den Unterleib zu rammen, der wirkliche Zufall war der Tropfen Blut auf Titan gewesen.

Ein einziger Tropfen und trotzdem brannte die Wunde wie Säure. Denn sie waren so schwach gewesen, so klein und zerbrechlich, so menschlich und nichtsnutzig. Er dachte, während die Sonne unterging über einem dankbaren Universum, wer wohl überlebt hatte. Er dachte darüber nach, nach Titan zurück zukehren um ihnen ein letztes Mal in die Augen zu sehen. Er dachte darüber nach einen der Steine zu benutzen um sie zu finden und zu ihm zu bringen. Er hatte sämtliche Macht des Universums wortwörtlich in den Händen, er hatte sein Ziel, sein Schicksal, erfüllt und fühlte sich … zufrieden.

Zufrieden und ausgelaugt und er sehnte sich nach einer Zeit, die nie dagewesen war, in der Gamora ihn geliebt hatte und Nebula noch loyal gewesen war und all seine Kinder freiwillig bei ihm waren und das Universum nicht unter der Last seiner Bewohner ächzte. Er könnte so etwas erschaffen, so ein Universum, so eine Zeit.

Aber es war noch nicht vorbei, noch nicht völlig und Thanos war sich nicht sicher ob er es bereute dass er sein Wort dem Zauberer gegenüber gehalten hatte.

Stark war noch am Leben und diese Tatsache erfüllte ihn mit einer Mischung aus Begeisterung und Unwohlsein. Er hatte keine Angst vor diesem Menschling, aber er unterschätzte ihn auch nicht.

Er hätte ihn doch töten sollen, aber, während er seine Finger über den grünen Stein gleiten ließ, es wäre ein ziemlich unpassendes Ende für diese Figur gewesen. Das Schicksal hatte das nicht vorgesehen und Thanos hatte vor langer Zeit gelernt, dass das Schicksal am Ende am Besten wusste, was man tat.

Vielleicht tat Stark genau in diesem Moment seinen letzten Atemzug.

Thanos sah dem blutroten Kreis dabei zu, wie er seine Farben auf den Planeten warf und dachte an Stark und seine Verbündeten.

War er beeindruckt gewesen von der Verteidigung? War er wütend über den Verlust seiner Kinder?

Er kannte Stark besser als der Mann ihn kannte oder sich selbst. Er hatte seinen Pfad gesehen und er war mit dem seinigen verwoben gewesen sowie mit den Pfaden von so vielen Menschen. Menschen, trotz ihres geradezu lächerlich kurzem Leben, schienen es recht ereignisvoll zu verbringen.

Starb Stark gerade? Denn das wäre wirklich eine außerordentliche Schande. Thanos hoffte, während kleine Metallteilchen auf den Fußboden des zerfallenen Hauses rieselten, dass er es nicht tat. Oder das immerhin die Menschheit sie in guter Erinnerung behielt. Die letzte Front zwischen ihnen und dem Schicksal. Sie hatten vielleicht gegen ihn gekämpft, aber Thanos war zu alt um es ihnen vorzuhalten. Wer wollte schon die Last eines Genozids auf den Schultern tragen? Ein sterbendes Tier schnappte nun mal um sich.

Wie lange war er nicht mehr hier gewesen? Zu lange sagte der Staub auf dem Fußboden und die eingefallenen Wände. Wie lange würde er hier bleiben? Wer weiß dass schon, wer weiß was das Schicksal noch für ihn bereithielt?

Die Sonne ging unter und Thanos suchte sich eine Möglichkeit den Handschuh zu erneuern. Er hätte vielleicht doch nicht all diese Zwerge umbringen sollen, hinterher war man immer schlauer.

Er sah den letzten Streifen Glut hinter dem Horizont verschwinden und dachte an seine Kinder, gestorben durch die Hände von Niemanden auf einem kleinen Staubkorn im Universum. Er dachte an einen Mann, der versucht hatte sich ihm entgegenzustellen und wie einfach es gewesen war mit dem Handschuh den Blonden von den Füßen zu fegen. Er dachte an Asgard und an Titan. Das Universum hatte schon immer seiner eigenen Zerstörung entgegengestrebt, aber das Schicksal hatte verworrene Pfade und Thanos folgte dem seinigen schon so lange dass er nicht genau wusste, was er ansonsten tun sollte.

Er dachte an seine Tochter und an die Möglichkeit sie zurückzuholen. Er dachte an die Frage: „Was hat es gekostet?“

„Alles“, wisperte er, aber er lächelte während das Universum wieder bereiteter atmen konnte, losgelöst von all der Ballast und dem Unrat den es über die Jahre angesammelt hatte. Reue war für die, die im Staub liegen bleiben wollten, aber Thanos hatte schon vor langer Zeit beschlossen, dass es etwas wichtigeres gab als sein Gewissen.

Der Balkon knarrte unter seinem Gewicht und er musste hier aufräumen, denn er brauchte eine Atempause bevor sich das Schicksal ihm wieder offenbarte wo es als nächstes hinging. Er würde den Boden wischen, die Wände erneuern und jeden Tag die Aussicht genießen.

Wie er es gesagt hatte. Wie er es gewollt hatte. Wie es ihm vorbestimmt war.


Er war sogar gespannt, gespannt auf Stark und auf die Menschheit und auf den Weg den das Schicksal ihnen allen vorhergesehen hatte.

Er dachte an den Magier und überlegte, ob er Dinge gesehen hatte, solche wie Thanos sie sah, in seinen Träumen und die ihm das Schicksal in die Ohren flüsterte. Ob er Stark gesehen hatte, ob er Stark wirklich so gesehen hatte wie Thanos? Unwahrscheinlich, das wäre ein ziemlich großer Zufall und Thanos glaubte nicht an Zufälle.

Vielleicht hatte er einfach nur seinen Freund beschützen wollen. Das wollten sie doch alle am Ende, beschützen was ihnen am Herzen lag obwohl man manchmal genau diese Dinge ablegen musste um wirkliche Größe zu erreichen.

Stark lebte und Thanos freute sich auf den Tag, an dem sie sich wieder begegnen würden und vielleicht würde Stark dann erkennen, worum es wirklich ging. Stark war ein schlaues Bürschchen und es schien wie eine Ewigkeit her zu sein seit jemand Thanos verstanden hatte.

Es war ein gutes Ende, wenn man alles in Betracht zog. Kein perfektes, aber es war gut genug für Thanos.

Irgendwo im Universum tat Stark seinen nächsten Atemzug.

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Thanos und das Schicksal. Also ich bin immer noch der Meinung, und so ist es in meinem FanFiktion, dass die Steine ihm manipulieren und sie mit ihm "reden". In den Comics ist es jedenfalls so, dass die Infinity Stones im Infinity Gauntlet Leute in den Wahnsinn treiben und machtbessesen machen. Ich hoffe ich hab Thanos Verkorkstheit einigermaßen eingefangen. Ich will ihm übrigens immer noch an die Kehle. Ich mag ihn immer noch nicht. Und ja, der Titel hört sich an wie ein kitschiges Ölgemälde.
Reviews? Katzenbilder (ich brauche Katzenbilder, ich will eine Katze *niesen* blöde Katzenallergie)? Kritik?
LG Anemonenfisch
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