Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Abgezockt

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Krimi / P12 / Gen
Ed Lane Julianna "Jules" Callaghan Mike "Spike" Scarletti Sam Braddock Sergeant Gregory Parker
02.06.2018
31.10.2018
10
25.138
 
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
27.10.2018 1.495
 
Der Fall

Ohrenbetäubend hallt der Schuss durch den Hangar. Mit Entsetzen beobachtet Sam, wie Spike und der Große, dessen Namen sie noch immer nicht wissen, die Treppe herunterfallen. Er kann sich allerdings nicht lange damit aufhalten, denn Noah hebt soeben seine Waffe und richtet sie auf ihn. Noch ehe jener den Abzug betätigen kann, ertönt ein zweiter Schuss. Mit einem leisen Stöhnen bricht Noah zusammen. Doch die Gefahr ist nicht gebannt. Der Geiselnehmer, den Spike umgeworfen hatte, hat sich inzwischen wieder aufgerappelt und Schutz hinter der Treppe gesucht.
„Legen Sie die Waffe weg!“
Anstatt einer Antwort erhält Jules Kugeln, die in ihre Richtung abgefeuert werden. Zu Sams Erleichterung wird seine Kollegin und Liebe seines Lebens verfehlt. Der Verbrecher hat jedoch nicht so viel Glück, denn durch sein Vorlehnen bietet er Sam die Möglichkeit, ihn auszuschalten. Zwei am Boden, also noch zwei übrig.
„Kommen Sie mit erhobenen Händen aus dem Flugzeug!“
Es dauert nicht lange, da tritt Tyler aus dem Flugzeug, dich gefolgt von seinem Bruder.
„Umdrehen!“, befiehlt ihnen Jules, als die beiden den Boden erreichen.
Während Sam und Jules die Hände der beiden verbliebenen Geiselnehmer sichern, werfen sie nervöse Blicke auf ihren Freund. Jener liegt noch immer bewusstlos am Ende der Treppe. Allerdings erkennen sie aus der Ferne nicht, wie gravierend seine Verletzungen sind. Eilig fixiert Sam mit seinen Handschellen Chads Hände hinter dessen Rücken und übergibt ihn in die Obhut von Jules.
„Hast du es unter Kontrolle?“
„Kümmer dich um Spike.“
Ohne zu zögern, wendet sich Sam um und geht auf Spike zu. Dieser liegt bäuchlings auf dem Betonboden. Auf dem ersten Blick kann Sam kein Blut erkennen und auch keine anderen Verletzungen, außer ein paar Schnittwunden. Er kniet sich neben ihn und beginnt Spikes Wirbelsäule abzutasten, um sich zu vergewissern, dass durch den Sturz die Treppe hinab nichts verletzt wurde.
„Spike“, sagt er laut. „Hörst du mich?“
Allerdings erhält er keine Reaktion, außer dem Heben und Senken von Spikes Brustkorb. Erleichtert atmet er auf, als er nichts Auffälliges an Spikes Wirbelsäule spüren kann. Behutsam legt Sam seine Hände auf Spikes Hüfte und Arm. Vorsichtig dreht er ihn auf den Rücken.
„Verdammt!“
„Was ist?“, fragt Jules sofort, die gerade damit beschäftigt ist zu überprüfen, ob Noah noch eine Gefahr für sie darstellt.
„Hier ist Blut. Ich konnte es zuerst nicht sehen, da er auf dem Bauch lag. Wahrscheinlich hat dies ebenso die Wunde komprimiert, weshalb sich noch nicht genug Blut gesammelt hatte, um den gesamten Boden um ihn herum zu bedecken.“ Während er dies sagt, schiebt er Spikes Hemd nach oben, nur um darunter ein Loch freizulegen, aus welchem stetig Blut sickert. „Das muss der Schuss gewesen sein, der sich löste, als sie die Treppe runter fielen. Auf dem Rücken habe ich aber keine Austrittswunde gesehen.“
Jules, die inzwischen zu ihm gestoßen ist, reicht ihm Kompressen, welche er auf die Schusswunde über Spikes rechter Hüfte presst. Mit vereinten Kräften fixieren er und Jules diese mittels einer Binde. Nach getaner Arbeit lagern sie Spike in der stabilen Seitenlage. Geschafft stellt sich Sam aufrecht hin. Jetzt, wo die Gefahr gebannt ist und er für Spike nichts mehr ausrichten kann, sinkt sein Adrenalinspiegel. Langsam atmet er ein und aus, während er darauf wartet, dass sich sein Puls normalisiert. Er sieht zu, wie Jules, die noch immer neben Spike kniet, diesem behutsam durch die Haare fährt.
„Seine Atmung ist ziemlich flach“, sagt sie nach einer Weile. „Der Sturz hat seinen heilenden Rippen bestimmt nicht gut getan.“
Besorgt wirft Sam einen Blick auf den am Boden liegenden Constable. Jules hat recht. Seine Atmung ist unregelmäßig und klingt gequält. Er hofft, dass der Krankenwagen bald kommt. Nicht nur wegen der Rippen, sondern auch aufgrund der Schusswunde und anderen möglichen Verletzungen.
„Wie weit ist der Krankenwagen entfernt?“, fragt Sam den Dispatcher über Funk.
„Noch etwa zehn Minuten“, kommt unverzüglich die Antwort von Constable Nelson.
Schweigend tauschen Sam und Jules einen bedeutungsvollen Blick aus. Bis der Krankenwagen hier und Spike transportfähig ist und er dann endlich im Krankenhaus adäquat versorgt werden kann, werden im besten Fall dreißig Minuten vergangen sein. Dreißig Minuten, in denen eine Kugel in Spikes Körper ihr Unwesen treibt.
Das Aufleuchten von Blaulicht lässt Jules und Sam hoffnungsvoll aufschauen. Doch anstatt des Rettungswagens biegt ein vertrauter SUV um die Ecke. Kaum, dass jener zum Stehen gekommen ist, geht die Beifahrertür auf und Winnie springt aus dem Inneren des Wagens. Sie hält sich nicht lange mit dem Schließen der Tür auf und sprintet auf die kleine Gruppe in der Mitte des Hangars zu. Augenblicklich tritt Sam einen Schritt beiseite, um Winnie ungehinderten Zugang zu Spike zu bieten.
„Wie geht es ihm?“, fragt ihn die junge Frau.
Wie Jules kniet sie sich neben Spike nieder. Behutsam nimmt sie seine Hand in die ihre, während sie ihren Blick über den malträtierten Körper schweifen lässt. Als sie das Blut sieht, atmet sie zischend ein.
„Er ist die Boardingtreppe herunter gefallen und eine Kugel hat ihn getroffen.“
„Oh Spike.“
Unbeachtet rinnen einzelne Tränen über Winnies Wangen und erst, als ihre Sicht durch den Tränenschleier verklärt wird, wischt sie jene weg. Tröstend legt Jules ihre Hand auf Winnies Unterarm.
„Ich kann ihn nicht verlieren. Nicht jetzt und vor allem nicht so.“
Mit schwerem Herzen beobachten Sam, Jules und Greg, wie Winnie zusammenbricht. Die Aufregung und anhaltende Sorge, welche sie den ganzen Abend mit all ihrer Kraft unterdrückt hatte, verlangt nun ihren Tribut. Behutsam fährt Jules mit ihrer Hand Winnies Arm nach oben und, als sie an deren Schulter angekommen ist, zieht sie Winnie in eine Umarmung. Winnie lehnt ihren Kopf an Jules’ Schulter. Trotz der veränderten Position lässt sie Spikes Hand nicht los. So ist sie die Erste, die bemerkt, wie das Leben in dessen Körper zurückkehrt. Kraftlos drückt jener ihre Hand, doch es reicht, um die junge Frau zu alarmieren. Sofort löst sie sich von Jules und beugt sich zu Spike runter.
„Spike?“
Ein leises Stöhnen ist die Antwort. Augenblicklich sind die anderen drei an ihrer Seite. Gespannt beobachten sie, wie Spike blinzelnd seine Augen öffnet. Offensichtlich verwirrt zieht er die Augenbrauen zusammen, bevor sein Blick auf seine, ihn umzingelnden, Kollegen fällt.
„Hey!“
Breit grinsend erwidert Winnie seine Aussage.
„Hi. Wie fühlst du dich?“
„Da du meine Hand hältst, wie im Paradies.“
Winnie verdreht die Augen. Kaum, dass Spike alle Sinne beisammen hat, beginnt er sich aus der unbequemen Seitenlage zu manövrieren. Er versucht sich aufzusetzen, wird jedoch einerseits von seinen Kollegen und andererseits von einem brennenden Schmerz in seiner rechten Seite gebremst. Zischend einatmend lässt er sich auf den Rücken sinken.
„Mich hat eine Kugel getroffen“, konstatiert Spike trocken.
„Als du die Treppe herunter gefallen bist“, informiert ihn Sam. „Was im Übrigen eine miese Idee war.“
„Es war die einzige Möglichkeit euch zu retten und die Geiselnehmer aufzuhalten.“
Grummelnd schluckt Sam seine Widerrede runter. Er hat jetzt weder die Nerven sich mit Spike zu streiten, noch ist jener in der Verfassung dazu.
„Der Krankenwagen müsste gleich da sein“, sagt Greg, um das Thema zu wechseln, bevor er Winnies vorherige Frage wiederholt. „Wie geht es Ihnen?“
„Meine Rippen haben die Odyssee nicht gut überstanden und mein Kopf und der Beton werden nicht die besten Freunde. Die Schusswunde brennt höllisch.“
Durch diese Aussagen bestätigen sich die Vermutungen des Teams. Besorgt sehen sie zu, wie Spikes Augen beginnen sich langsam zu schließen. Jener konzentriert sich nun voll und ganz auf seine Atmung. Es bilden sich kleine Schweißperlen auf seiner blassen Stirn und leicht beißt er sich auf die Unterlippe, um sich nicht anmerken zu lassen, wie stark seine Schmerzen sind. Immerhin kniet die Liebe seines Lebens neben ihm. Ihre Hand in der seinen gibt ihm die Kraft, nicht ohnmächtig zu werden. Allerdings spürt er, dass ihm dies zunehmend schwerer fällt. Sein Körper fühlt sich immer schwerer an, als würde die gesamte Last des Universums auf diesem ruhen.
„Ich fühle mich nicht so gut“, gesteht er schließlich.
Alles fühlt sich kalt. Der Druck auf seiner Brust nimmt mit jeder Sekunde, die vergeht, zu, wobei seine Atmung immer schneller wird.
„Spike?“, ertönt die besorgte Stimme von Winnie.
Sanfte Finger legen sich um sein Handgelenk und tasten nach seiner Arterie.
„Sein Puls ist kaum spürbar und sehr schnell.“
Kaum, dass Jules dies ausgesprochen hat, fühlt er eine Vielzahl an Händen auf seinem Körper. Ein Paar hebt sein Hemd nach oben, um den Verband zu inspizieren, während ein anderes seine Beine anhebt.
„Der Verband ist voller Blut.“
Sams Stimme mag beim ersten Hinhören fest klingen, doch Spike vernimmt das leichte Zittern, welches seine Sorge offen legt.
„Wo bleibt der Krankenwagen?“, fragt Greg.
Ob an sich selbst gerichtet oder an Constable Nelson vermag Spike nicht zu sagen. Stöhnend versucht Spike die Stimmen und Hände auszublenden, bis auf Winnies. Voll und ganz fokussiert er sich auf das beruhigende Streicheln ihrer Finger auf seinem Handrücken, obwohl Winnie garantiert alles andere als ruhig ist. Nur schwach vernimmt er ihre Worte über die Stimmen seiner Teamkollegen hinweg.
„Bleib bei mir Spike“, ist das Letzte, was er hört, bevor ihn die kalte Dunkelheit umfängt.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast