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Abgezockt

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Krimi / P12 / Gen
Ed Lane Julianna "Jules" Callaghan Mike "Spike" Scarletti Sam Braddock Sergeant Gregory Parker
02.06.2018
31.10.2018
10
25.138
 
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03.10.2018 1.891
 
Die Suche

Schrillend klingelt das Telefon. Laut hallt der Ton von den metallenen Wänden des Trucks wieder. Allerdings hat das Gerät nur drei Sekunden, um auf sich aufmerksam zu machen, denn in diesen hat Winnie den Truck durchquert und das Telefonat angenommen.
„SRU, Winnie Camden.“
„Hier ist Constable Steven Wang vom Toronto Police Service. Wir haben die Gesichter eurer Verdächtigen durch die Gesichtserkennung laufen lassen und zwei Treffer gelandet. Tyler Martin und Noah Williams.“ Sofort gibt Winnie die beiden Namen in den Computer ein. „Von den anderen beiden gab es kein klares Bild. Wir versuchen es dennoch weiter.“
„Vielen Dank.“
„Zu dem Auto gibt es noch keine genauen Hinweise, allerdings verfolgen meine Kollegen gerade eine Spur. Ich werde sie auf dem Laufenden halten.“
Mit diesen Worten legt der Constable auf und lässt Winnie aufgelöst zurück. Mit zitternden Händen legt sie das Telefon auf den Tisch und atmet kurz durch, um ihre Gedanken zu sortieren. Endlich gibt es eine gute Nachricht. Doch trotz dieses Fortschritts sind sie noch meilenweit von Spike entfernt. Eilig sucht sie das Funkgerät. Nach einer gefühlten Ewigkeit findet sie es verborgen unter einem Stapel an Dokumenten. Ungeduldig zieht sie das Funkgerät hervor, wobei die Blätter den Halt verlieren und zu Boden segeln. Doch Winnie achtet nicht darauf. Stattdessen schaltet sie das Gerät ein und sucht die richtige Frequenz. Als sie diese gefunden hat, überbringt sie dem Team die Neuigkeiten.
„Es wurden zwei der Geiselnehmer identifiziert. Noah Williams und Tyler Martin. Zu Martin lässt sich nichts finden, doch Williams hat einige Vergehen in seiner Akte. Angefangen bei Diebstahl bis hin zu leichter Körperverletzung. Auf ihn ist auch der Ford Focus zugelassen.“
„Hat die Polizei ihn schon gefunden?“
„Nein, aber sie suchen weiter.“
Draußen bei den SUVs lassen die fünf SRU – Mitglieder betrübt den Kopf hängen. Die Suche dauert viel zu lang und das schleichende Tempo treibt sie alle in den Wahnsinn.
„Danke Winnie“, sagt Greg, der den Kommandotruck nur kurz zuvor verlassen hatte, um seinem Team persönlich Mut geben zu können.
Wirklich erfolgversprechend war das nicht gewesen, da er sich erst selbst klar machen muss, dass noch Hoffnung für Spike besteht. Spike, der schon vor der Entführung verletzt und geschwächt war und inzwischen unter Umständen weiter verletzt wurde. Zum Beispiel, als er durch die Gegend gezerrt wurde oder sich durch einen Tunnel quetschen musste. Er beobachtet, wie ihn sein Team unschlüssig ansieht und auf Weisungen wartet. Allerdings kann er ihnen keine geben. Ohne eine Spur können sie nichts ausrichten.
„Ich werde wieder zum Kommandotruck gehen und dort auf Neuigkeiten warten.“
„Wie halten hier die Stellung“, versichert ihm Ed.
Greg nickt kurz, bevor er sich umdreht und seine Schritte in Richtung des großen Trucks lenkt. Kaum, dass er einen Schritt in jenen gesetzt hat, klingelt das Telefon erneut. Wortlos reicht ihm Winnie jenes.
„Greg Parker.“ Geduldig hört er zu, was ihm der Constable am anderen Ende der Leitung erzählt. „Verstanden. Danke für die Mühe.“
„Gibt es Neuigkeiten?“, fragt Winnie, sobald er das Telefonat beendet hat.
Leise seufzt Greg, während er sich in den Stuhl neben sie setzt.
„Sie haben das Auto auf einem Feldweg bei der Centerville Creek Road gefunden. Es war komplett ausgebrannt. Wahrscheinlich haben sie jetzt einen neuen Wagen, über den wir rein gar nichts wissen.“
„Und der überall sein kann“, setzt Winnie traurig hinzu. Ihre Hoffnung schwindet immer mehr. „Wo wollen sie nur hin?“
Mit gerunzelter Stirn blickt sie auf die Karte und betrachtet das umliegende Gelände.
„Weit werden sie mit dem Auto nicht fahren. Auch wenn wir nicht nach diesem fahnden, ist die Chance, gefasst zu werden, viel zu groß.“ In seinen Gedanken verloren blickt Greg auf die beiden Akten ihrer Flüchtigen, während er laut nachdenkt. „Über die Grenze werden sie auch nicht flüchten, aus genau demselben Grund. Die Flughäfen sind auch zu gut überwacht, also wo zur Hölle wollen sie hin?“
Eine drückende Stille breitet sich in dem Truck aus, während sich die beiden SRU – Mitglieder den Kopf zermartern, wo sie nach ihren Flüchtigen suchen sollen.
„Was ist mit privaten Flughäfen?“, wirft Winnie ein.
Augenblicklich setzt sich Greg in seinem Stuhl aufrecht hin, sodass Winnie zusammenzuckt. Ohne der jungen Frau seine Reaktion zu erklären, klickt er sich durch einige Dateien auf dem Computer.
„Das ist es. Sie sind ein Genie!“
„Wieso?“, fragt Winnie verwirrt.
„Tyler Martin, einer der Männer, die identifiziert wurden, hat einen Bruder, Chad. Und jener hat einen Pilotenschein. Wenn sie jetzt noch ein Flugzeug haben, sind sie unabhängig und können überall hin, wohin sie nur wollen.“ Nach weiterem Getippe hat Greg die Infos, die er braucht. „Es gibt drei private Flughäfen um Toronto, die in Frage kommen. Brampton Caledon, Markham und der Burlington Executive.“
Greg öffnet einen Kanal und berichtet seinem Team die Neuigkeiten.
„Wir müssen uns aufteilen“, sagt Ed sofort. „Anders schaffen wir es nicht, alle Flughäfen zu überprüfen.“
Schnell wägt Greg den Vorschlag ab. Ed hat recht mit seiner Behauptung, dass sie nicht alle Flughäfen zusammen abfahren können. Aber sie können sich auch nicht trennen. Wenn sie auf die Bankräuber treffen, dann werden zwei nicht viel gegen sie ausrichten können, geschweige denn Spike gefahrlos retten.
„Also gut. Ed und Leah fahren zum Burlington Flughafen, Sam und Jules ihr fahrt nach Markham und ich nach Brampton. Jedes von euch nimmt sich mindestens zwei Einsatzteams mit, die als Unterstützung dienen.“
„Ich komme mit“, sagt Winnie bestimmt, nachdem Ed geendet hat.
„Das kann ich nicht zulassen.“
„Wieso nicht? Ich bin ebenso Angehörige der Toronto Police und somit qualifiziert, im Außendienst zu arbeiten. Und ich akzeptiere kein nein.“
Die junge Frau weiß genau, dass sie in diesem Moment zu weit geht und eine Grenze überschreitet, doch im Moment ist ihr es egal. Solange sie Spike heil zurück bekommen, kann der SRU – Teamchef sie bestrafen, wie er will. Dieser atmet tief durch, bevor er die Hände ergebend in die Luft wirft.
„Na schön. Aber ziehen Sie wenigstens eine schusssichere Weste an.“
Sofort springt Winnie auf und rüstet sich mit der Standardkleidung der SRU aus. Für die Teams ist es alltäglich, doch für sie ist es ein seltsames Gefühl die schwere Weste zu tragen. Kaum, dass sie fertig ist, folgt sie Greg zum Wagen. Dieser düst, kaum dass sie sich gesetzt hat, in Richtung Brampton. Begleitet wird er von drei Streifenwagen, die ihm mit Blaulicht ein sicheres Geleit geben.

Verschwommen gleitet die Landschaft an Leah vorbei, erleuchtet durch das blaurote Licht ihres Wagens, der etwaige Autofahrer auf sie aufmerksam machen soll. Sie und Ed sind nicht mehr weit von Burlington entfernt, da dieser der am nächsten liegende der drei Flughäfen ist. Bisher gibt es jedoch keine Spur von einem Auto, den Entführern, geschweige denn von Spike. Leise seufzt sie. Dies bleibt nicht unbemerkt. Ed wirft ihr kurz einen Blick zu, bevor er sich wieder auf die Straße konzentriert.
„Du kannst mir ruhig erzählen, was dir im Kopf herumschwirrt.“
„Nur das, was uns allen Sorgen bereitet. Ich hoffe, wir finden jetzt eine Spur.“
„Hoffe ich auch. Und wenn nicht, dann werden die anderen etwas finden.“
Und wenn nicht, denkt Leah leise, ist Spike für sie verloren. Sie wünscht, dass sie ihre düsteren Gedanken vertreiben könnte, um einen klaren Kopf zu haben, doch aus irgendeinem Grund gelingt es ihr nicht. Sie hatte schon oft brenzlige Situationen erleben müssen, auch welche, in denen ein Teammitglied und Freund in Gefahr schwebte, doch nichts davon ist mit dem zu vergleichen, was sie nun durchmacht. Durch die Frontscheibe kann sie inzwischen den Flughafen ausmachen. Abgesehen von einigen vereinzelten Lichtern ist er von Dunkelheit umhüllt und es sieht beinahe so aus, als wäre dort keine Menschenseele. Mit wachsamen Augen begutachtet sie die Umgebung. Jeden Moment könnte etwas auftauchen, dass ihnen einen Hinweis auf Spikes Aufenthaltsort gibt. Langsam rollend kommt Ed vor einem Schiebetor zum Stehen.
„Na toll!“
Er und Leah steigen aus, um sich das Schloss aus der Nähe anzusehen. Sie leuchtet ihm mit ihrer Taschenlampe, während er jenes von allen Seiten begutachtet.
„Es sieht zwar schwierig aus“, sagt er schließlich, während er aufsteht, um das Set zum Schlossknacken aus dem Kofferraum zu holen. Mit jenem in der Hand kehrt er zu Leah zurück, die interessiert jeden Handgriff des Dienstälteren verfolgt. Nur wenige Minuten später klickt es leise. Offensichtlich zufrieden steht Ed auf und schiebt das Tor auf.
„Lass uns keine weitere Sekunde verschwenden!“
Achtlos wirft er das Werkzeug zurück in den Kasten. Diesen wirft er auf die Rückbank, während er mit der anderen Hand den Zündschlüssel betätigt. Dieses Mal lässt er das Licht aus. Die zwei Einsatzteams, die ihnen gefolgt sind, tun es ihnen gleich. Gehüllt in Dunkelheit setzt der Zug seinen Weg auf den Flughafen fort.

Die zwei einsamen Lichtkegel der Autoscheinwerfer streifen über den Asphalt. Inzwischen haben Spikes Entführer die Hauptstraße verlassen und zu dieser späten Stunde ist kein Auto auf der abgelegenen Nebenstraße unterwegs. Spike hat sich inzwischen darauf verlegt stur durch die Frontscheibe zu blicken, anstatt durch das Seitenfenster. Durch jene sieht er den Tower des Flugplatzes immer näher auf sich zukommen.
„Macht euch bereit. Wenn wir halten, kläre ich unseren Abflug. Ihr macht das Flugzeug startklar und findet einen Ort für unseren Gast. Versichert euch, dass er es bequem hat.“
Den letzten Satz lässt er mit einem düsteren Lächeln verlauten, der einer Katze ähnelt, die ihrer gefangenen Maus die Freiheit bietet. Die drei anderen geben folgsam Laute der Zustimmung von sich, während Spike ein kalter Schauer den Rücken hinab läuft. Sein kleines Zeitfenster ist soeben verpufft und wenn ihn sein Team nicht in den nächsten zehn Minuten findet, ist er so gut, wie tot.
Unheilvoll kommt der Wagen im Flugzeughangar zum Stehen. Beinahe gleichzeitig gehen vier Türen auf und eine starke Hand packt Spike am Oberarm. Wortlos zerrt der Eigentümer jener Hand ihn aus dem Fahrzeuginneren und Spike muss Folge leisten, wenn er seinen Rippen nicht mehr Leid zufügen möchte, als sie bisher ertragen mussten. Mit wackeligen Knien stolpert er aus dem beengten Raum. Kaum, dass seine beiden Füße den Boden berühren, erhält er einen Stoß gegen die Schulter. Spike muss seine ganze Kraft aufwenden, um nicht mit der Nase voran auf dem Asphalt zu landen. Wütend wendet er sich zu Tyler um und wirft diesem einen finsteren Blick zu. Unbeeindruckt versetzt jener ihm erneut einen Stoß, diesmal dezent sanfter als zuvor.
„Los jetzt!“
Während sich die beiden dem Kleinflugzeug nähern, verfolgt Spike jede Bewegung, um vielleicht doch eine Möglichkeit der Flucht zu finden.
Durch die Scheibe des Cockpits erkennt er Chad, der sich offenbar mit der Funktionalität der Maschine vertraut macht und jene auf den Abflug gen Russland vorbereitet. Bob verstaut währenddessen die Geldtaschen auf der Ladefläche. Als er Spike näherkommen sieht, deutet er mit einem fiesen Grinsen auf den freien Platz zwischen den Taschen, der geradeso groß genug ist, sodass ein ausgewachsener Mann mit angezogenen Gliedmaßen Platz findet.
„Hop hop! Wir wollen nicht, dass unsere wertvollste Fracht vergessen wird.“
Erneut erntet Spike einen animierenden Stoß zwischen die Schulterblätter, doch diesmal bleibt er, wie angewurzelt, stehen. Bob zieht seine Waffe aus dem Hosenbund und richtet die Mündung auf seinen Kopf. In diesem Moment kommt Noah um die Kurve.
„Gibt es Probleme?“, fragt er nonchalant.
„Nein“, antwortet Bob, ohne seinen Blick von Spike zu nehmen.
„Gut. Abflug ist in zwei Minuten.“
Mit diesen Worten besteigt er die Treppe zum Flugzeug. Er ist in der Hälfte angekommen, als vom Eingang des Hangars eine laute Stimme ertönt.
„SRU! Bleiben Sie stehen und nehmen Sie die Hände hoch!“
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