Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Abgezockt

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Krimi / P12 / Gen
Ed Lane Julianna "Jules" Callaghan Mike "Spike" Scarletti Sam Braddock Sergeant Gregory Parker
02.06.2018
31.10.2018
10
25.138
 
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
02.09.2018 2.830
 
Die Flucht

„Geht es allen gut?“
Erleichtert atmet Greg aus, als ihm vier unterschiedliche Stimmen das Wohlbefinden seines Teams bestätigen.
„Das kam aus dem Keller“, sagt Sam. „Wo bleibt die Brennschneidemaschine?“
„Die ist gleich bei euch.“
Und tatsächlich. Kaum, dass Greg seinen Satz zu Ende gesprochen hat, tauchen Leah und Ed mit dem Schneidbrenner auf. Einer der anwesenden Polizisten nimmt den beiden das Gerät ab und macht sich sofort an die Arbeit. Angespannt schauen ihm die vier SRU – Mitglieder zu. Das ganze dauert ihnen viel zu lang. Die Verbrecher sind wahrscheinlich längst mit ihrer Geisel über alle Berge. Selbst wenn die Tür jetzt aufgehen würde, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Geiselnehmer noch einholen sehr gering. Mit jeder Sekunde, in welcher sie vor der verschlossenen Türe stehen, schwindet ihre Chance die Geisel lebend zu finden. Keiner von ihnen will daran denken, wer die Geisel ist. Sie kennen die Statistiken solcher Szenarien und die Tatsache ihren Freund aus einem solchen retten zu müssen, ist zu schmerzlich für sie alle. Gedankenverloren beobachten die Vier, wie sich die blaue Flamme durch das dicke Metall brennt. Für sie fühlt es sich an, als wäre eine halbe Ewigkeit vergangen, als das konstante Geräusch endlich verstummt.
„Fertig!“, ruft der Polizist aus, der soeben sein Visier hochklappt.
Ohne zu zögern ziehen die Anwesenden ihre Pistolen und machen sich kampfbereit. Der Polizist wirft einen Blick in die Runde, bevor er gegen die Stahltür drückt und ein großer Teil der Tür in das Treppenhaus dahinter fällt. Sofort strömt das Team, gefolgt von den Polizisten, durch das soeben geschaffene Loch. So schnell sie können, allerdings darauf achtend, dass keiner von ihnen die Treppe hinab rollt, spurten sie die Stufen hinunter. Unten angekommen erwartet sie ein Bild der Verwüstung. Eine dicke Dreckschicht überzieht den gesamten Boden und die Wände. Unterschiedlich große Steinbrocken liegen unregelmäßig verstreut auf den Fliesen und haben durch das Verlassen ihres Ursprungs einen riesigen Krater in der Wand hinterlassen. In diesem befindet sich ein weiteres, kleineres Loch, was sich als langen Gang entpuppt.  
„Wo wollen sie nur hin?“, fragt sich Sam laut. „Der nächste U – Bahn – Tunnel ist viel zu weit weg, um sich zu diesem durchzugraben.“
„Ich habe da so eine Vermutung“, sagt Leah. „Was ist, wenn sie sich einen Weg zum PATH gegraben haben?“
„Das ist eine gute Idee. Wartet kurz.“ Durch die Stille der Leitung können sie leise das Tippen von Tastaturtasten hören. „Laut dem Plan ist der nächste Tunnel auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Die beiden nächstliegenden Ausgänge sind am Dynamic Funds Tower und an der 11 Adelaide West. Ich schicke sofort zwei Einheiten dorthin.“
„Wie machen uns auch auf den Weg“, sagt Ed, während er anfängt die Treppe hochzulaufen.
Sein Team ist ihm dicht auf den Fersen und nur wenige Augenblicke später haben sie das Bodenlevel erreicht.
„Wir teilen uns auf. Leah und ich übernehmen den Ausgang an der Adelaide und ihr beide den am Tower.“
Kaum, dass er dies ausgesprochen hat, springen Sam und Jules zu einem der SUVs und fahren zu dem Ausgang in Richtung Osten. Ed und Leah tun es ihnen gleich, nur dass sie in die entgegengesetzte Richtung fahren. Als sie an ihrem Zugang zum Untergrundsystem ankommen, erwarten sie mehrere Streifenwagen.
„Wir haben schon einige Männer runter geschickt“, informiert sie der befehlshabende Officer. „Bisher hat keiner von ihnen etwas gemeldet.“
„Prüfen ihrer Männer die Kameras?“
„Ja, aber sie haben noch nichts gefunden.“
„Okay. Wir gehen jetzt runter.“
„Constable“, sagt der Polizist, bevor sich Ed umdrehen kann. „Stimmt es, dass die Geisel einer ihrer Leute ist?“
„Ja“, antwortet Ed kurz. „Und wir werden ihn da raus holen.“
Ohne ein weiteres Wort dreht er sich um und verschwindet, gefolgt von Leah, im Tunnelsystem. Trotz der späten Stunde ist dieses hell erleuchtet. Mehrere Passanten, die sich vor dem Polizeieinsatz zwischen den beiden Eingängen befunden haben, werden von der Polizei rigoros aus dem Tunnel komplimentiert. Sie kommen Ed und Leah mit großen Augen entgegen, während sie vor Neugier langsam laufen und sich ständig umschauen. Doch die dominante Linie an Polizeikräften drängt sie unaufhaltsam in Richtung Ausgang. Ed ignoriert die Blicke der Gaffer. Das Einzige, was ihn interessiert, ist es Spike zu finden.
„Haben Sie das Ende des Tunnels schon gefunden?“, fragt Leah eine der anwesenden Polizistinnen.
Diese schüttelt den Kopf.
„Theoretisch müsste es irgendwo hier sein“, überlegt Leah. „Sie werden bestimmt keine Kurve gegraben haben, das hätte zu viel Zeit gefordert.“
Nickend stimmt Ed Leahs Vermutung zu.
„Sie werden allerdings nirgendwo gebohrt haben, wo es viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Tunnel werden auch nachts benutzt und wenn jemand etwas gehört oder gesehen hätte, wäre ihr ganzer Plan vereitelt gewesen.“
Mit kritischem Blick sieht sich Ed um, doch nichts an diesem Teil des Tunnels kommt ihm merkwürdig vor. Gerade, als er aufgeben will, fällt sein Blick auf einen dünnen Spalt in der gekachelten Wand. Er geht darauf zu und untersucht die Stelle genauer. Nach längerer Suche findet er ein kleines Schloss.
„Hat einer von ihnen einen Schlüssel?“
Die anwesenden Polizisten schütteln den Kopf. Die Polizistin, mit der Leah zuvor geredet hatte, fasst sich an ihre linke Schulter und spricht in das Funkgerät.
„Der Schlüssel ist unterwegs“, sagt sie, als sie ihr Funkgerät wieder ausschaltet.
Und so warten sie erneut, dass ihnen die Tür aufgesperrt wird. Nur einige Minuten später kommen Sam und Jules auf sie zu.
„Habt ihr schon etwas gefunden?“, fragt Leah sie, als die beiden neben ihr zum Stehen kommen.
„Nein. In Richtung Norden ist keine Spur von ihnen zu finden. Und bei euch?“
„Wir haben vielleicht etwas, aber das wissen wir erst, wenn der Schlüssel da ist.“
„Boss, wissen Sie schon etwas Neues von den Kameras?“, fragt Jules, während sie einen Kanal öffnet.
„Noch nicht. Es scheint, als wären sie vom Erdboden verschwunden.“
„Aber irgendwo müssen sie sein!“, sagt Sam aufgebracht.
„Vielleicht sollte jemand die Verkehrskameras prüfen. Möglicherweise haben sie einen anderen Weg an die Oberfläche gefunden.“
„Ich werde jemanden darauf ansetzen. Ich habe ebenso die Pläne für alle Tunnel und Kanäle im Untergrund von der Stadtverwaltung angefordert, aber sie sind noch nicht angekommen.“
In diesem Moment taucht ein Polizist neben ihnen auf. Wortlos reicht er Ed den Schlüssel, der diesen augenblicklich in das Schloss steckt und umdreht. Mit einem leisen Klicken offenbart die Tür, dass sie offen ist. Ed zieht seine Waffe und dreht sich seitlich neben die Tür. Er wirft einen Blick in den Fußgängertunnel, um sich zu vergewissern, dass sich die anwesenden Polizeikräfte bewaffnet haben und als er sieht, dass sie vorbereitet sind, drückt er die Tür auf. Leise knarrend gewährt sie ihnen den Blick in einen mannshohen, jedoch schmalen, betonierten Tunnel. Ed vergewissert sich, dass keine Gefahr droht, bevor er einen Fuß hineinsetzt. Er zückt seine Taschenlampe, um in der stockfinsteren Dunkelheit etwas zu sehen. Hinter sich hört er das leise Geräusch von vielen Füßen, welche ihm versichern, dass er Rückendeckung hat. Nach knapp zehn Metern macht der Gang eine scharfe Biegung nach rechts. Ed wirft schnell einen Blick in den Gang hinter der Kurve, welcher sich als frei von Gefahren beweist. Dabei erblickt er mehrere Betonbrocken, die den Boden bedecken und als er sich nähert, fällt sein Blick auf ein großes Loch in der Wand.
„Ich habe das andere Ende des Tunnels gefunden.“
„Wohin führt dieser Gang?“, fragt Jules hinter ihm.
„Die Pläne der Stadtverwaltung sind endlich gekommen“, erklingt in diesem Moment die Stimme ihre Bosses. „Offenbar gibt es mehrere Verbindungsstellen von den Fußgängertunneln zu anderen unterirdischen Tunneln, vor allem den Abwasserkanälen und U – Bahn – Tunneln. Der Gang vor euch ist ein Verbindungstunnel mit einem der U – Bahn – Tunnel, und zwar dem der Linie 1.“
„Dann sind sie wahrscheinlich durch eine der anliegenden Stationen geflohen“, wirft Leah ein.
„Ich habe der Polizei die nächstgelegenen Stationen schon durchgegeben. Sie sichten soeben das Bildmaterial der umliegenden Verkehrskameras.“
„Wir sollten zurück zu den Autos gehen“, schlägt Ed vor. „Hier unten werden wir sie nicht mehr finden. Hoffentlich wissen wir bis dahin, über welche Station sie abgehauen sind.“
Er blickt die anderen an, die dicht zusammengedrängt hinter ihm stehen. Sie nicken ihm zu und einer für den anderen dreht sich in dem engen Gang um. Dies gestaltet sich durch die dicke Schutzkleidung schwieriger als erwartet. Schlussendlich haben sie es doch geschafft und nur wenige Minuten später stehen sie wieder im hell erleuchteten Fußgängertunnel.
„Ich schlage vor, dass ihr beide zu eurem Auto geht. Leah und ich kommen zu euch.“
„Alles klar“, bestätigt Sam.
Umgehend wenden sich die beiden um. Im Gleichschritt laufen sie durch den leeren Tunnel. Nach einigen Minuten treffen sie auf das erste dunkle Schaufenster, welches ihnen anzeigt, dass sie bald den Aufgang erreichen. Sie durchqueren die letzten Meter der geschlossenen Untergrundpassage, bevor sie den Aufstieg über die Treppe beginnen. Oben angekommen schlägt ihnen die kühle Nachtluft entgegen. Ungebremst setzt Sam seinen Weg zum Wagen fort, bleibt jedoch kurz darauf auf halber Strecke stehen, als er merkt, dass Jules wärmender Körper nicht mehr neben dem seinigen ist. Er dreht sich um und entdeckt sie nur wenige Schritte von der obersten Treppenstufe entfernt. Sie hat die Augen geschlossen und atmet tief ein. Nach einigen Sekunden fährt sie sich mit der Hand über das Gesicht und lässt die Luft dabei mit einem leisen Stöhnen entweichen. Mit Faszination und Traurigkeit beobachtet Sam, wie Jules, die soeben noch gebrochen und aussichtslos wirkte, sich aufrichtet und ihn mit einem lodernden Feuer in den Augen anblickt. Betrübt lächelt er, während sich Jules wieder zu ihm gesellt. Wortlos blickt sie zu ihm auf, bevor sie ihre Arme um ihn schlingt und ihren Kopf gegen seine Brust legt. Sam drückt sie fest an sich und haucht ihr einen Kuss aufs Haar. Schweigend verbleiben die beiden eng umschlungen, bis das helle Licht von Autoscheinwerfern auf sie fällt. Sanft lösen sie sich voneinander und treten auf Ed und Leah zu, die soeben aus dem Auto steigen.
„Der Sarge ist auch hierher unterwegs“, teilt ihnen Leah mit, sobald sie in Hörweite sind. „Bisher gibt es zu den Kameras noch nichts Neues.“
„Was machen wir, bis sie etwas finden? Wir können nicht einfach nur herumstehen“, sagt Jules.
Ihr antwortet keiner, doch im Stillen gibt ihr jeder recht. Für sie alle ist es im Moment schwierig die Füße stillzuhalten und wenn es nach ihnen gehen würde, würden sie die gesamte Stadt auf der Suche nach Spike auseinandernehmen. Doch sie wissen, dass ihnen kopfloses durch die Gegend rennen nicht helfen wird, also warten sie, auch wenn es ihnen schwerfällt.
„Team“, erklingt in diesem Moment Gregs Stimme über den Funk. „Die Polizei hat unsere Verdächtigen auf den Kameravideos entdeckt. Sie sind aus dem Tunnel an der Queen Station gekommen und sind dann in einen silbernen Ford Focus ´98 gestiegen. Dieser hat allerdings kein Kennzeichen.“
„Wissen wir inzwischen, wer diese Typen sind?“, fragt Leah.
„Bisher noch nicht, aber die Analysten konnten von zwei der Flüchtigen die Gesichter isolieren. Sie lassen es soeben durch die Gesichtserkennung laufen, aber bisher gab es noch kein Ergebnis.“
Genervt stöhnt Ed leise auf. Jedes Mal ein neuer Stolperstein, der ihnen in den Weg zu Spike gelegt wird.
„War Spike bei ihnen?“, fragt Jules zögerlich.
Voller Angst erwartet sie die Antwort. Jetzt, wo die Geiselnehmer auf freiem Fuß sind, werden sie Spike nicht mehr brauchen. Und wenn doch, dann nicht für immer.
„Ja, war er.“ Erleichtert atmen alle aus. Zwar befindet sich Spike in den Händen der Verbrecher, aber wenigstens ist er noch am Leben. Und dies gibt ihnen die Chance in zu retten. „Die Polizei hat den Wagen über die Kameras verfolgt, aber sie haben ihn verloren, als er stadtauswärts fuhr. Die Suchmeldung wurde schon rausgegeben, aber ohne Kennzeichen ist es wie eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen.“

Die sogenannte Nadel befand sich soeben mehr oder weniger unversehrt in einem sehr dreckigen Auto, das irgendwo im Nirgendwo durch die Nacht düst. Zum Glück haben ihn seine Entführer nicht in den Kofferraum gesteckt. Die Rückbank, auf der er eingequetscht zwischen den beiden Brüdern sitzt, ist zwar nicht angenehmer, aber so sieht er wenigstens, was um ihn herum vorgeht. Jetzt, wo er nichts anderes machen kann, als die Welt um sich herum zu beobachten, beschäftigt er sich damit seine vier Entführer genauer unter die Lupe zu nehmen. Keiner von ihnen kann älter als dreißig sein und, wie schon so oft in seinem Beruf, fragt er sich, wie so junge Menschen auf die schiefe Bahn geraten können. Doch trotz ihres jungen Alters sind die Vier nicht auf den Kopf gefallen. Kurz hinter Toronto haben sie den Wagen gewechselt und den anderen angezündet. Zu seinem Leidwesen führt ihre Intelligenz dazu, dass sein Team ihre liebe Mühe haben wird, ihn zu finden.
„Und was jetzt Noah? Was hält dein toller Plan nun für uns bereit?“, fragt Tyler schließlich und bricht damit die angespannte Stille des Wagens.
„Mein toller Plan hat uns aus der Bank geholt.“
„Vielen Dank dafür, aber nun sind wir gesuchte Verbrecher, die einen Bullen entführt haben.“
„Wir sollten ihn loswerden“, wirft Bob ein.
Prompt hält Spike den Atem an. Sein Herz schlägt ihm bis zum Hals und er ist sich sicher, dass er irgendwo seine Lebensuhr ticken hört.
„Sollten wir nicht. Falls uns die Cops doch noch erwischen, können wir ihn als Pfand einsetzen. Wenn wir es allerdings ohne Schwierigkeiten aus dem Land schaffen, halte ich dich nicht davon ab, ihn zu erschießen.“
Unmerklich atmet Spike leise aus. Also kein sofortiges Todesurteil sondern nur ein aufgeschobenes.
„Und wie sollen wir aus dem Land kommen? Sie werden die Flughäfen und Bahnhöfe überwachen und bis zur Grenze werden wir es in diesem Auto kaum schaffen.“
„Ich habe einen Plan.“
„Ich fände es zur Abwechslung toll, wenn du uns deine Pläne mitteilen könntest.“
„Wenn ich das tun würde, würde einer von euch durch seine große Klappe meine Pläne versauen.“
Bob, der auf dem Sitz neben ihm sitzt, öffnet den Mund, um etwas zu erwidern, doch bevor er ein Wort sagen kann, hebt Noah seine Hand.
„Sag jetzt nicht, dass es anders wäre“, sagt er, ohne den Blick von der Straße zu wenden.
Wütend ballt Bob seine Hände, hält jedoch den Mund.
„Und was ist nun dein fabelhafter Plan?“, fragt Tyler.
„Wir fliegen nach Russland und tauchen dort erst einmal für eine Weile unter.“
„Und wer fliegt uns dahin, wenn ich fragen darf?“
„Du darfst. Was denkst du, wieso uns dein werter Bruder begleitet?“
„Du weißt, wie man ein Flugzeug steuert?“
Mit einem unglaubwürdigen Blick lehnt sich der Jüngere um Spike herum und starrt seinen Bruder an.
„Entgegen deiner Meinung bin ich nicht ganz auf den Kopf gefallen“, erwidert jener mit einem beleidigten Unterton.
„Das habe ich nie behauptet!“
„Ach nein? Du hast mir heute Morgen gesagt, dass du nur mitkommst, damit ich mir nicht aus Versehen in den Fuß schieße.“
„Schluss jetzt!“, ruft Noah. „Wie und wann er gelernt hat, wie man ein Flugzeug steuert, ist unerheblich. Wichtig ist, dass wir ein Flugzeug haben, einen Piloten, sowie eine Startbahn.“
„Und du erwartest von uns, dass wir einfach so nach Russland fliegen. Von einer Sekunde auf die andere?“
Fassungslos blickt Bob erst ihren Anführer, dann seine Mitstreiter auf der Rückbank an. Auch jene sehen wenig begeistert aus.
„Genau das verlangte ich. Außer natürlich, ihr wollt verhaftet werden, dann kann ich euch gerne hier rauslassen.“
Murrend ertönt eine dreistimmige Verneinung.
„Sehr schön.“
„Und was machen wir in Russland?“, fragt Chad.
„Wir tauchen unter und warten, bis sich die Wogen glätten. In der tiefsten Tundra gibt es keine Überwachungskameras.“
„Es gibt auch in Kanada abgelegene Gebiete ohne Kameras“, wirft Bob ein.
„Stimmt, nur um diese zu erreichen müssen wir erst einmal durch das halbe Land und wir würden es nicht mal bis nach Sudbury schaffen, bevor uns die Polizei stellt. Also verschwinden wir eine Weile von hier und vielleicht kehren wir irgendwann zurück. Oder wir suchen uns irgendwo einen wunderschönen Sandstrand, an dem wir uns niederlassen.“
„Ich bin für Sandstrände und heiße Bräute“, sagt Chad breit grinsend.
„Das kann ich mir denken“, schnaubt sein Bruder.
„Wir sollten uns erst einmal darauf konzentrieren nach Russland zu kommen“, ruft der Anführer seine Mitstreiter zur Ordnung. „Wenn wir dort sind, können wir weiter planen.“
Erneut hält Schweigen im Wagen Einzug und Spikes Gedanken haben endlich die Möglichkeit fort von diesem zu wandern.  Er fragt sich, was Winnie in diesem Moment macht. Garantiert macht sie sich Sorgen um ihn. Immerhin ist er später, als spät. Dabei hätte der Abend so viel anders verlaufen können. Wenn er nur schon eher daran gedacht hätte Geld anzuheben, dann wäre er überhaupt nicht in der Bank gewesen. Stattdessen würde er mit Winnie Pasta essen und sie anschließen nach Hause fahren. Doch was für einen Sinn hat es, was-wäre-wenn zu spielen. Er kann nur hoffen, dass er aus seiner Lage in einem Stück herauskommt, sodass er diesen Abend nachholen kann. Falls er Winnie noch einmal für sich gewinnen kann. Er schließt die Augen und denkt an den Tag zurück, an dem er Winnie zum Essen überreden konnte. Sie hatte wunderschön ausgesehen. Ein trauriges Lächeln legt sich auf seine Lippen. Er hofft, dass er Winnie wenigstens noch einmal sehen kann.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast