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Abgezockt

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Krimi / P12 / Gen
Ed Lane Julianna "Jules" Callaghan Mike "Spike" Scarletti Sam Braddock Sergeant Gregory Parker
02.06.2018
31.10.2018
10
25.138
 
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11.08.2018 3.044
 
Der Austausch

„Boss“, ertönt Sams Stimme über den Funk, „Hier hinten ist alles ruhig. Es sieht nicht so aus, als wäre jemand im Obergeschoss.“
„Damit sind sie entweder hinter den Schalter oder im Tresorraum.“
„Ich wette, dass Letzteres stimmt.“
Genau in diesem Moment erscheinen die beiden, bis dahin verschwundenen, Gesetzesbrecher auf dem Bildschirm.
„Die beiden Geiselnehmer kommen gerade zurück“, informiert Greg sein Team. „Sie hatten vorhin eine Tasche mitgenommen, doch diese sehe ich jetzt nicht mehr.“
„Was denkst du, war dort drin?“, fragt Ed.
„Keine Ahnung, doch ich schätze, es ist nichts Gutes.“

„Also gut. Wenn ich es sage, schießt Bob auf die Kamera“, weist der Anführer sein Teammitglied leise flüsternd an. „Chad und Tyler, ihr schnappt euch die Bankangestellte. Wir werden sie als Geisel mitnehmen.“
„Alles klar.“
Mit einer ausladenden Geste dreht sich der Anführer nun zu den Geiseln um. „Ich danke euch, dass ihr so nette, wenn auch unkooperative“, bei diesem Wort blickt er auf Perry, der noch immer bewusstlos am Boden liegt, „Statisten wart. Ich würde sehr gerne noch mehr Zeit mit euch verbringen, doch leider habe ich Dringlicheres zu erledigen.“ Er hat sich schon zum Gehen umgewendet, als er sich noch einmal umdreht. „Und ich würde euch bitten in den nächsten fünf Minuten genau an der Stelle stehen zu bleiben, an welcher ihr euch momentan befindet. Das würde sehr zu meinem Gefallen sein. Bob, wenn du so gut wärst.“
Dieser gehorcht sofort und befördert die letzte funktionierende Kamera im Raum ins Jenseits. Verängstigt und überrascht von dem unerwarteten Geräusch zucken die Geiseln zusammen. Die Geiselnehmer zeigen sich davon allerdings unbeeindruckt und zwei von ihnen kommen mit großen Schritten auf ihren dicht zusammengerückten Sitzkreis zu. Spike erkennt sofort, wer ihr Ziel ist. Norma ist sich der Absichten der beiden Männer ebenso bewusst und instinktiv Schutz suchend rutscht sie näher an Spike heran. Dieser beugt sich schützend vor sie.
„Lasst sie in Ruhe.“
„Und weshalb sollten wir dir gehorchen?“, fragt der Breitschultrige.
„Sie wird euch nichts bringen. Sie wird eher ein Klotz an eurem Bein sein, als eine nützliche Geisel.“
„Das ist unsere Sache und jetzt sei still.“
Hart versenkt der Mann seine Faust in Spikes Magengrube. Der Schlag nimmt ihm kurzzeitig den Atem und durch die ungünstige Bewegung fühlt sich sein Brustkorb an, als stünde dieser in Flammen. Ungeachtet der misslichen Lage, in der sich ihre aufmüpfige Geisel befindet, umrunden ihn die beiden und packen Norma grob an den Armen. Spike hat sich inzwischen wieder etwas erholt und ist in der Lage den Schmerz in seiner Brust so gering, wie möglich zu halten. Dies verteiltet ihn zu einer zweiten Intervention.
„Ich sagte, dass ihr sie gehen lassen sollt.“
„Du hast eine ganz schön große Klappe für eine Geisel. Am besten erschieße ich dich gleich hier, damit es den anderen eine Lehre ist. Keiner mag Helden.“
Der Breitschultrige zieht seine Waffe aus dem Hosenbund und richtet sie auf Spike. Doch bevor er abfeuern kann, kommt ihm sein Boss dazwischen.
„Chad! Was soll das. Wir haben nicht ewig Zeit. Die Polizei wird nicht mehr lange warten, dann werden sie hier eindringen. Und wenn sie einen Schuss hören, wird das sofort sein.“
Murrend verstaut Chad seine Waffe wieder.
„Chad! Tyler! Schnappt euch die Geisel und beeilt euch endlich.“
„Kann ich ihm jetzt wenigstens eine über ziehen?“
Gelangweilt von dem Verhalten des anderen verdreht Tyler die Augen. Sein Boss ist versucht es ihm gleichzutun, doch er bewahrt seine Fassung.
„Von mir aus. Aber mach schnell.“
Breit grinsend kommt Chad auf ihn zu und zieht erneut seine Pistole.
„Halt!“, ruft Spike aus. „Ich habe einen besseren Vorschlag.“
Der Anführer, der sich zum Gehen gewendet hatte, dreht sich zurück.
„Und welchen?“, fragte er gelangweilt.
„Lasst die Frau gehen und nehmt mich an ihrer Stelle mit.“
„Und wieso sollten wir dir den Gefallen machen?“
„Weil ich viel wertvoller für euch bin, als sie.“ Skeptisch zieht der Bankräuber eine Augenbraue nach oben. „Mein Name ist Michelangelo Scarlatti. Ich bin Constable bei der SRU und das da draußen ist mein Team.“ Kurz hält er inne, um die Nachricht sacken zu lassen. Anhand ihrer Körperhaltung und den Blicken, die sie untereinander austauschen, erkennt er, dass seine Offenbarung den gewünschten Effekt erzielt hat. „Wenn euch mein Team stellt, könnt ihr mich als Austauschobjekt benutzen. Sie werden nicht wollen, dass mir etwas passiert, also werden sie euren Forderungen nachgeben.“
Spike weiß, dass das nicht stimmt, doch er hofft das die Bankräuber darauf reinfallen. Solange er die Frau und die anderen Geiseln aus den Fängen dieser Kriminellen retten kann, ist es ihm egal, auf welchem Wege er das erreicht. Sein Herz schlägt ihm bis zum Hals, während er beobachtet, wie der Anführer auf den Boden sieht, während er über den Vorschlag nachdenkt.
„Na gut. Lasst die Frau gehen und fesselt ihn dafür.“
Erleichtert atmet Spike aus, obwohl er sich bemüht, dass man ihm dies nicht ansieht. Bereitwillig hebt er seine Hände, damit Chad ihm diese zusammenbinden kann.
„Und jetzt los. Bevor die Polizei uns unseren Plan versaut.“

„Oh nein!“
Sam und Ed sind gerade auf dem Rückweg von der Hinterwand des Hauses, als Jules’ Stimme über Funk ertönt.
„Was ist passiert?“, fragt Sam sofort.
„Sie haben die Kamera entdeckt. Wir haben kein Bild mehr.“
„Verflucht!“
Mit diesem einen Wort spricht Sam aus, was alle denken.
„Na schön. Jetzt haben wir keine Zeit mehr zu verlieren. Unser letzter Stand ist, dass die Geiseln weit genug von dem Haupteingang entfernt sind, damit wir diesen sprengen können. Doch da wir nicht wissen, was darin vor sich geht, ist das viel zu waghalsig.“
Während der Sergeant seine Überlegungen laut ausspricht, verfallen Ed und Sam in einen leichten Sprint, um auf dem schnellsten Weg zum Kommandotruck zurückzukehren. Über Funk kehrt eine kurze Pause ein und Ed weiß genau, dass ihr Boss soeben dabei ist eine Entscheidung zu fällen. Lange muss er auf diese nicht warten.
„Ed und Leah, ihr steigt über das Deckenfenster ein, während Jules und Sam sich am Vordereingang postieren. Wenn ihr oben seid, teilt ihr uns mit, was ihr seht und dann entscheiden wir, ob wir sprengen können oder nicht.“
„Geht klar“, bestätigt Ed.
Er und Sam kommen in dem Moment an ihren Autos an. Leah, die sie sofort erblickt hat, gesellt sich zu ihnen. Wortlos reicht Ed ihr die Ausrüstung fürs Abseilen. Augenblicklich schlüpft sie in den Gurt und schwingt sich das Seil über ihre Schulter. Zeitgleich mit Ed ist sie startklar.
„Auf geht’s!“
„Viel Glück.“
„Dir auch“, antwortet Leah Sam, bevor sie sich umwendet.
Ed klopft Sam kumpelhaft auf die Schulter, bevor er Leah zur Seitenstraße folgt. Dort hat sich inzwischen ein Feuerwehrwagen eingefunden, dessen Leiter sie zum Besteigen des Dachs benutzen werden.
„Sam, ich komme zu dir.“
„Alles klar.“
Während er auf Jules wartet, sammelt er die Ausrüstung zusammen, welche sie wahrscheinlich für die Öffnung der Tür benötigen werden. Nur wenige Augenblicke später steht Jules neben ihm.
„Ich habe schon alles zusammengesucht“, teilt er ihr mit.
„Sehr gut.“
Sie teilen die Materialien unter sich auf und wenden sich danach der Bank zu.
„Wir werden sie da raus holen“, verkündet Jules mit voller Überzeugung, bevor sie sich vor der Tür platziert.
„Wir sind auf dem Dach“, erklingt Leahs Stimme über Funk, als sich Jules neben der Tür aufstellen.
„Wir sind auch auf unserer Position.“

„Ich werfe jetzt einen Blick durch das Fenster.“
Gespannt warten alle, während sie über den Funkkanal das leise Rascheln von Ed hören, was darauf schließen lässt, dass er sich soeben möglichst unauffällig zum Dachfenster vorwagt.
„Ich sehe die Geiseln, aber die Geiselnehmer sind nirgendwo zu sehen.“ Intensiv verfolgt Ed das Geschehen im Raum unter ihm. „Die Geiseln versuchen gerade den Schrank zu verrücken, der die Tür blockiert.“ Im Anbetracht der Tatsache, dass sechs Leute an der Aufgabe beteiligt sind, haben sie ihre größte Mühe damit. „Einer der Bankangestellten liegt bewusstlos am Boden. Ich sehe allerdings kein Blut. Seine Kollegin kniet neben ihm. Zusammen mit den Personen an der Tür macht das acht.“ Erneut lässt Ed seinen Blick über die Personen gleiten, bis er sich ganz sicher ist. „Ich sehe Spike nirgendwo.“
Laut kommt ein „Was?“ von mehreren Stimmen gleichzeitig.
„Er ist weg. Genauso, wie die Bankräuber. Die übrigen Geiseln versuchen soeben die Tür freizulegen. Sie haben es fast geschafft, also haltet euch fürs Stürmen bereit.“
„Ed und Leah“, sagt Greg, „Ihr haltet vorerst eure Position, bis wir wissen, dass unsere Zielpersonen die Geiseln nicht mehr gefährden.“
„Verstanden.“
„Die Tür geht auf“, verkündet Sam.
Ed und Leah, die sich inzwischen neben ihm positioniert hat, beobachten, wie sich der Erste mit erhobenen Händen durch die Tür wagt.

Mit einem letzten vereinten Ruck gibt der massive Holzschrank die Tür frei. Unsicher sehen sich die Geiseln an, denn obwohl sie nichts lieber wollen, als aus dieser Bank raus, haben sie etwas Angst, dass die Polizei sie für die Bankräuber hält und aus Versehen auf sie schießt. Russel, welcher der Tür am nächsten ist, wagt sich schließlich den ersten Schritt zu machen. Mit Mühe unterdrückt er das Zittern seiner Hände, als er jene auf das kühle Metall des Türgriffes legt. Er wirft einen letzten Blick zu seinen Leidensgenossen, bevor er die Tür einen Spalt breit öffnet. Er streckt zuerst die Hände raus, bevor er seinen restlichen Körper folgen lässt.
„Ich bin unbewaffnet!“, ruft Russel, als er endlich in die befreiende Nachtluft hinaustritt.
„Nicht schießen“, befielt einer der Polizisten, der sich direkt neben der Eingangstür positioniert hat. „Es ist alles gut. Kommen Sie raus. Ihnen droht keine Gefahr. Gehen Sie zu den Polizeiwagen.“
Dankbar nickt Russel und geht mit schnellen Schritten auf die rettende Karawane an Polizeiautos zu. Als die anderen erkennen, dass ihnen keine Gefahr droht, strömen sie aus dem Bankgebäude. Erleichtert, dass sie der Hölle entkommen sind, welche sie die letzte Stunde im Atem gehalten hatte, retten sie sich in die beschützenden Arme der Rettungskräfte.
„Wir gehen jetzt rein“, verkündet Sam, nachdem Leah bestätigt hatte, dass alle Geiseln das Gebäude verlassen haben.
Gefolgt von Jules und einigen Polizisten setzt er seine Ansage in die Tat um. In dem Gebäude ist es gleißend hell, sodass Sam für einige Sekunden geblendet ist, da seine Augen an das dämmrige Licht von Torontos Straßen gewöhnt sind. Doch das legt sich alsbald und Sam erkennt eine Frau in der Mitte des Raumes, die schützend über einem Mann kniet. Er geht auf die beiden zu und lässt sich auf der anderen Seite des Mannes nieder.
„Norma?“, fragt er behutsam und als die junge Frau nickt, schenkt er ihr ein freundliches Lächeln. „Ich bin Sam von der SRU.“
„Der andere Mann, der hier war, Spike, meinte, er ist aus ihrem Team.“
„Ja, das stimmt“, sagt Sam, während er den Bankangestellten untersucht.
„Er hat mir das Leben gerettet. Die Männer wollten mich mitnehmen, aber er hat sich statt meiner angeboten. Er meinte, dass er viel wertvoller wäre, als ich, da sie, um ihn zu retten, alles tun würden.“
Die Stimme der jungen Frau klingt weder verletzt, noch anklagend. Eher erscheint sie Sam anzuflehen, dass Spike recht mit dieser Aussage hatte. Mit unleserlichem Gesichtsausdruck blickt Sam zu Norma auf. Er wusste schon immer, dass Spike sein Leben für das Unschuldiger geben würde. Das würde jeder von ihnen. Dennoch zieht sich sein Herz schmerzhaft zusammen bei dem Gedanken, dass sich sein Freund freiwillig in die Hände der Verbrecher begeben hatte, in dem Wissen, dass er seinen Geiselnehmern das, was er ihnen versprach, niemals geben kann. Und wenn sie dies herausfinden, ist der kleine Nutzen, den sie in ihm sahen, verschwunden und Spike so gut wie tot.
„Gesichert“, erklingt Jules’ Stimme. „Die Sanitäter können jetzt hereinkommen.“
„Endlich.“ Besorgt blickt Norma auf ihren Kollegen herunter. „Er ist noch immer nicht aufgewacht.“
„Er scheint eine große Beule am Hinterkopf zu haben und wahrscheinlich hat er auch eine Gehirnerschütterung. Ich kann ihnen nichts versprechen, aber ich denke, dass er wieder gesund wird.“ Aufmunternd wirft er ihr ein Lächeln zu, welches sie zaghaft erwidert. „Sie waren sehr tapfer Norma.“
„War ich nicht. Unsere beiden Kollegen sind die Tapferen gewesen.“
Bevor Sam etwas erwidern kann, wird er von den Sanitätern beiseitegeschoben. In dem Wissen, dass man sich um die beiden kümmern wird, läuft er zu Jules. Diese steht mit drei anderen Polizisten vor der Tür an der linken Seitenwand.
„Wie sieht es aus?“
„Die Tür zum Tresorraum ist versperrt und sie haben das Schloss zerschossen. Ich habe schon einen Schneidbrenner angefordert.“
„Sehr gut.“
„Ed und ich kommen zu euch runter“, teilt ihnen Leah mit, während er und Jules auf das schwere Gerät warten.
Sie warten noch gar nicht lange, da ertönt ein lauter Knall und das ganze Gebäude bebt. Instinktiv werfen sich alle Anwesenden auf den Boden, doch es rieselt nur ein wenig Staub von der Decke. Sam blickt sich im gesamten Raum um und als er erkennt, dass keine Gefahr besteht, steht er auf.
„Das bedeutet nichts Gutes.“

Unsanft zerrt Bob Spike hinter sich her. Der Zug, den seine zusammengebundenen Hände auf seinen Brustkorb ausüben, macht die gesamte Situation für ihn noch unangenehmer. Bevor jener ihn durch die Tür zerren, wirft er einen Blick über die Schulter in Richtung der Menschen, die sein Schicksal in den letzten Stunden geteilt haben. Sie sehen ihm mit großen, vor Angst geweiteten Augen hinterher. Trotz der Lage, in der er sich befindet, wirft er ihnen ein aufmunterndes Lächeln zu, bevor er durch die Tür geschoben wird und sie aus seinem Blickfeld verschwinden. Laut fällt die schwere Metalltür hinter den fünf Männern ins Schloss.
Der Anführer zieht die Maske von seinem Gesicht und kurz darauf folgen die anderem seinem Beispiel.
„Endlich“, sagt Chad, während er sich durch die Haare fährt. „Langsam wurde es wirklich warm darunter.“
„Du kannst wirklich nur nörgeln.“
Jetzt, wo Spike die Gesichter der vier sieht, bemerkt er die äußerliche Ähnlichkeit zwischen Chad und Tyler. Beide haben dieselbe Gesichtsform, Augenfarbe und definitiv auch die gleiche schmale Nase. Spike vermutet, dass Chad der ältere der beiden Brüder ist.
„Schließe die Tür ab“, weist der Anführer Tyler an.
Er wirft jenem einen Schlüssel zu, der wahrscheinlich zuvor dem Bankangestellten gehört hatte. Geschickt fängt der Schmächtige den Schlüssel auf und dreht den Schlüssel bis Anschlag im Schloss. Er rüttelt kurz an der Tür, um sich zu versichern, dass sie wirklich abgeschlossen ist und da sie sich keinen Millimeter bewegt, wendet er sich zufrieden zu ihnen um. Der Anführer führt sie nun die Treppe hinab, die beinahe dreißig Meter in den Untergrund führt. Am untersten Absatz angekommen verbreitert sich der Gang, sodass er die Größe des darüber liegenden Stockwerkes angenommen hat. Nur drei Meter von der Stelle aus, an der sie stehen, befindet sich eine massive Stahlwand, in deren Mitte sich die Tresortür befindet. Doch diese lässt der Bankräuber links liegen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn er läuft nach rechts auf die Außenwand zu. Als Spike diese sieht, schwant ihm Übles. An der Wand sind mehrere Päckchen Sprengstoff angebracht und so, wie sie angeordnet sind, hat die Verbrecherbande scheinbar vor den halben Raum zum Einsturz zu bringen. Oder gleich das ganze Haus.
„Sie sind verrückt!“, platzt es aus Spike heraus.
„Was?“, fragt der Anführer mit drohender Stimme.
„Wenn Sie uns umbringen wollen, dann machen Sie es richtig. Wenn Sie allerdings nur ein Loch in der Wand wollen, ist das viel zu viel Sprengstoff.“
„Und woher wissen Sie das?“
„Ich kenne mich mit Bomben aus.“
„Und wieso solltest du uns helfen wollen?“, fragt der Bob, während er grob an dem Seil um Spikes Handgelenk zieht, wodurch jener einen Schritt nach vorne gerissen wird.
„Weil ich, obwohl Sie es möglicherweise nicht glauben würden, an meinem Leben hänge“, sagt Spike trocken.
„Na schön. Und was sollen wir ändern?“
„Entfernen Sie diesen Sprengstoff dort und die drei Päckchen da unten.“
Kritisch beäugen die vier erst Spike, bevor sie die Wand begutachten. Zögerlich greift der Anführer nach den Päckchen, auf die Spike gedeutet hatte und entfernt diese. Als er soweit ist, wirft er einen Blick auf Spike, der zustimmend nickt. Diesem ist es absolut zuwider seinen Geiselnehmern zu helfen. Immerhin ist er noch der Hoffnung, dass sein Team in jedem Moment um die Ecke kommt, um ihn zu retten, doch solange dies nicht geschieht, spielt er am Besten mit, um am Leben zu bleiben. Obwohl er dieses jederzeit für andere opfern würde, hängt er dennoch an diesem, vor allem, da es sein einziges ist. Und weil er endlich Winnie zu einem Date überreden konnte. Bei dem Gedanken an die schöne junge Frau, wird ihm das Herz schwer. Sein Team hat inzwischen hoffentlich herausgefunden, dass er in der Bank war und dass die Verbrecher ihn mitgenommen haben. Winnie macht sich bestimmt schreckliche Sorgen, geschweige denn seinem Team. Für all diese Personen lohnt es sich zu leben.
„Geht in Deckung.“
Eilig ziehen sich die fünf in das Treppenhaus zurück. Der Anführer zündet die Schnur, duckt sich und hält sich die Ohren zu. Seine Kumpanen tun es ihm gleich. Da Spikes Hände gefesselt sind, geht dies bei ihm nicht so einfach. Er hebt seine Arme, wobei er ein leichtes Ziehen im Brustkorb verspürt, welches er allerdings zum Wohle seines Gehörs ignoriert. Fest presst er sein rechtes Ohr auf seine Schulter, während er versucht das linke mit seinen Händen abzudecken. Er muss nicht lange warten, da ertönt ein lauter Knall und die Wand, gegen die er lehnt, bebt heftig. Staub umschwirrt ihn und löst ein heftiges Kratzen in seinem Hals aus. Verzweifelt versucht er, den Hustenreiz zu unterdrücken, doch immer mehr Staub dringt in seine Lunge, weshalb er es nicht mehr aufhalten kann. Unkontrolliert hustet er, was seine Rippen nicht gerade begrüßen. Eilig bemüht er sich seine Atmung unter Kontrolle zu bringen, um seinem Körper endlich die erforderliche Schonung zu gönnen. Er ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass er gar nicht mitbekommt, wie Bob erneut seine Fesseln packt. Den Ruck, der daraufhin durch seinen Körper geht, kann er jedoch nicht ignorieren. Beeindruckt pfeift der Anführer, als er das Loch in der Wand sieht. Dieses hat einen ungefähren Durchmesser von eineinhalb Metern und beinahe perfekt in der Mitte des tiefen Loches befindet sich der Gang.
„Sehr gut Bulle. Du hast uns tatsächlich geholfen.“
„Ja, ganz super“, murmelt Spike leise.
„Halt deine vorlaute Klappe“, zischt ihm der Bob ins Ohr.
Der Anführer zieht nun eine Taschenlampe und leuchtet in den Gang.
„Also Jungs. Die Freiheit liegt vor uns. Nur hundert Meter durch diesen Gang und dann haben wir es geschafft.“
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