Ein Brief für Joanna

KurzgeschichteFreundschaft / P12
02.06.2018
02.06.2018
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Liebe Joanna,

heute schreibe ich diesen Brief an Dich, weil es so viele Dinge gibt, die ich Dir gerne mitteilen möchte, bei denen ich es jedoch niemals schaffen würde, sie in ein einziges Gespräch zu verpacken oder mit bloßen Worten auszudrücken.
Darüber hinaus kann ich mich daran erinnern, dass Du mir mal gesagt hast, wie sehr Du Dich über handschriftliche Botschaften freust. Deshalb hoffe ich, dass es mir gelingt, Dir auf diesem Weg eine kleine Freude zu machen und mich für alles, was Du seit unserem ersten Kennenlernen für mich getan hast, zumindest ein kleines Stück weit erkenntlich zu zeigen.
Als wir uns im vergangenen Jahr zum ersten Mal beim Stammtisch getroffen haben, hätte ich nie damit gerechnet, dass sich daraus ein so aufgeschlossener, inniger und in jeglicher Hinsicht besonderer Kontakt ergeben würde.
Sehr gut erinnere ich mich noch daran, wie Du mich angesprochen und Dich bei mir vorgestellt hast. Und ganz ehrlich: Wenn Du diese Initiative nicht ergriffen hättest, dann wäre unser Kontakt vermutlich gar nicht zustande gekommen, da ich mich von mir aus wahrscheinlich nie getraut hätte, diesen Schritt zu machen.
So nach und nach sind wir dann schließlich ins Gespräch gekommen und ich durfte bereits an diesem Abend erleben, was für ein sympathischer und offener Mensch Du bist. Entschuldige bitte, wenn ich das so direkt formuliere, aber ich hatte gleich vom ersten Moment an ein richtig gutes Gefühl bei Dir. Quasi so, als würde ich Dich schon ewig kennen – so abgedroschen das jetzt auch klingen mag.
Deshalb habe ich mich über Deinen Vorschlag, in Kontakt zu bleiben auch wahnsinnig gefreut, weil ich Dich unbedingt noch näher kennenlernen wollte.
Ab diesem Abend haben wir uns dann regelmäßig beim Stammtisch gesehen und ich habe mit der Zeit auch immer mehr Vertrauen zu Dir aufgebaut, sowie auch Bewunderung dafür empfunden, wie offen und selbstverständlich Du mit der gesamten Thematik und mir umgehst.
Daraus resultierte auch, dass ich Dir eine Menge von mir erzählt habe (wahrscheinlich viel mehr, als Du überhaupt wissen wolltest) und auch damit angefangen habe, Dich richtig zu mögen.
Ich habe direkt gemerkt, dass man mit Dir über so ziemlich alles sprechen kann, dass es so gut wie kein Tabuthema zwischen uns gibt – und genau das hat mich unendlich tief bewegt.
Egal, wie merkwürdig mir eine Sache auch schien, Du hast immer ganz offen reagiert oder hattest einen lockeren Spruch auf Lager. Du hast mich spüren und wissen lassen, dass ich mit allem zu Dir kommen kann, auch wenn es sich dabei um eine verzwickte Angelegenheit handelt.
Deshalb warst Du auch diejenige, der ich als allererstes von meiner Schwärmerei und Verliebtheit erzählt habe, die sich beim Stammtisch ergeben hat. Und ich erinnere mich noch gut an das Telefonat mit Dir, als ich Dir gesagt habe, dass es in unserer Runde jemanden gibt, der mir gefällt und mit dem ich mir mehr vorstellen könnte. Du hast mir Mut zugesprochen, als ich unsicher war und mir die Daumen gedrückt, dass sich etwas daraus ergibt.
Und auch, als sich diese Schwärmerei jäh zerschlagen hat, als ich mir nicht sicher war, wie ich mit meinen Gefühlen umgehen soll, warst Du für mich da und hast mich getröstet, sowie dazu ermutigt, trotz der eher aussichtslosen Lage einfach ehrlich zu sein und reinen Tisch zu machen.
Auch am entscheidenden Abend, als ich meinen Plan dann in die Tat umgesetzt habe, warst Du mein ganzer Halt und hast mich erneut ermutigt. Und ohne Dich hätte ich das vermutlich nie geschafft.
Denn wenn Du nicht gewesen wärst, wenn Du nicht die Initiative ergriffen hättest, wäre es vermutlich niemals zu dem Vier-Augen-Gespräch mit meinem Ex-Schwarm gekommen und ich hätte weiter schweigend vor mich hin gelitten, anstatt mich aufzuraffen und Farbe zu bekennen.
Allein das, Joanna, werde ich Dir niemals vergessen. Dass Du das für mich getan hast, wozu ich selbst nie die Kraft und den Mut gehabt hätte, nämlich ihn anzusprechen, bedeutet mir mehr als ich sagen kann. Denn nur dadurch – und somit nur dank Dir – habe ich es geschafft, mit meinen Gefühlen für Levin abzuschließen und sie hinter mir zu lassen.
Auch als dann meine zweite Schwärmerei kam, als ich mich zum zweiten Mal in einen Jungen vom Stammtisch verliebt habe – natürlich wieder unglücklich –, warst Du diejenige, die mich erneut aufgebaut und mich mit ihrer herzlichen, sympathischen Art wieder zum Lächeln gebracht hat.
Ich gebe offen zu, ganz hinweg bin ich über die Sache (ja, Tristan...) zum jetzigen Zeitpunkt, während ich hier sitze und diesen Brief schreibe noch nicht – aber alles im Leben braucht nun einmal seine Zeit.
Darüber hinaus bin ich mir ganz sicher, dass Dir beim nächsten Treffen sicherlich wieder eine Menge einfallen wird, um mich abzulenken und auf andere Gedanken zu bringen.
Genau das ist auch einer der Gründe, weshalb ich Dich so sehr schätze und bewundere: Du tust und gibst so viel für andere, machst ihnen Mut und baust sie wieder auf. Das durfte ich selbst nun schon mehrere Male erfahren.
Genau deshalb bewundere ich Dich: Für deine Offenheit, Deinen Humor, Deine selbstverständliche, natürliche und auch taffe Art, sowie noch für ganz viele andere Dinge, die an dieser Stelle aufgelistet den Rahmen sprengen würden.
Und wenn ich ganz ehrlich sein darf, dann bist Du, vor allem was die oben genannten Dinge angeht, mein Vorbild. Und manchmal wünsche ich mir auch, dass ich auch nur annähernd so selbstbewusst und schlagfertig sein könnte wie Du.
Wofür ich Dich allerdings am meisten schätze, hatte ich oben schon kurz angedeutet: Dafür, dass Du mich einfach so sein lässt, wie ich bin. Ich kann nicht einmal ansatzweise ausdrücken, was für ein unbeschreiblich schönes, positives Gefühl das ist.
Deswegen möchte ich diesen Brief auch dafür nutzen, um mich von ganzem Herzen für alles bei Dir zu bedanken. Ich weiß, dass all das für Dich eine reine Selbstverständlichkeit ist – aber für mich ist es das nicht.
Deshalb, Joanna: Danke. Danke von Herzen für alles. Ich kann mir vorstellen, dass es sich jetzt bestimmt total kitschig anhört, aber ich möchte Dich wissen lassen, dass Du viel mehr für mich bist als einfach nur eine Bekannte.
In all der Zeit, die wir uns mittlerweile kennen, bist Du meine beste und engste Freundin geworden, eine Seelenschwester, die ich noch niemals zuvor hatte.
Auch wenn mir bewusst ist, wie schmalzig das jetzt klingen mag, so möchte ich trotzdem als Abschluss dieses Briefes ein Zitat wiedergeben, welches besser als alles andere beschreibt, was Du mir bedeutest und für mich bist, nämlich die Sonne für meine Seele.
Ich hoffe, dass die besondere Freundschaft, die ich mit Dir teilen darf, niemals vorbeigeht und dass auf die schönen, unbeschwerten Abende, die wir schon zusammen verbracht haben, noch viele weitere folgen werden.

In diesem Sinne, noch einmal Dankeschön für alles. Du bist ein unsagbar wichtiger Mensch für mich. Und ich bin mehr als glücklich, dass ich Dich an diesem Abend im letzten Jahr kennenlernen durfte.


In Freundschaft und Dankbarkeit,
Deine R.
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