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Rang X

OneshotHorror, Tragödie / P16 / Gen
Inkling OC (Own Character) Octarian Octoling
01.06.2018
04.06.2018
4
6.232
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01.06.2018 1.285
 
Der andere Salmon Runner, Akagi, größer als Dotani und die Tentakeln sorgfältig unter der Mütze versteckt, folgte Tsuyu und seinem Freund nur um die nächste Ecke, als er Dotani wortlos auf die Schulter klopfte, dieser nur nickte und Akagi in eine andere Straße verschwand.
Um sich abzulenken, las Tsuyu nervös die Straßennamen. Staal-Allee, Schlammspringer-Straße, Bäm-Bucht, Pfanndit-Platz und so weiter. Fast alle Häuser hatten dieselbe Farbe und strahlten ein ächzendes Alter aus; schiefe Türen, schiefe Fenster, blinde Fenster, wurmstichiges Holz, abblätternde Farbe, vertrocknete Blumen in vernachlässigten Blumenkästen. Wer von heute auf morgen plötzlich los muss, um Salmoniden von einer Invasion abzuhalten, der hat leidlich wenig Zeit, sich um Blümchen zu kümmern. Aber der gute Wille welkte hier und da traurig vor sich hin. Auf dem alten Gemäuer waren überall Schmierereien, hauptsächlich wohl von jungen Salmon Runnern in der Ausbildung, die sich deutlich als den wichtigeren Teil der Inkling-Gesellschaft betrachteten, trotz freiwilliger Isolierung und eigenbrötlerischem Wesen.
Tsuyu hatte sich selten so unwohl gefühlt. So aufgeregt und fehl am Platz war er sich nur bei seinem ersten Rang-Kampf vorgekommen, den er auch entsprechend schlecht verloren hatte. Inständig hoffte Tsuyu, dass diese Angelegenheit zu seinen Gunsten ausgehen möge.
„Die Erdbeer-Kluft, X-Kämpfer.“
Tsuyu wäre beinahe in Dotani hineingelaufen, der abrupt stehen geblieben war und mit seiner behandschuhten Hand auf einen zerfallenen Tunnel wies, dessen Inneres unheilvoll rot schimmerte.
„Was …?“, stotterte Tsuyu und wich instinktiv zurück.
Da sollte er reingehen?! Für wie blöd hielt dieser Salmon Runner ihn eigentlich?
Dotani rollte genervt die blutroten Augen. „Mach hinne, X-Kämpfer! Mir müssen da rin! Drunten findet's statt, das Treffen, da willste doch hin, oda nich', X-Kämpfer?“
Der junge Salmon Runner hatte bestimmt die eine oder andere Charakterstärke, nur Geduld gehörte nicht unbedingt dazu, denn er schnappte sich kurzerhand Tsuyus Handgelenk und schleifte ihn entschlossen hinter sich hier – in das Innere des finsteren Tunnels, der weiter hinten mit kleinen Öllampen ausgeleuchtet war, welche sich in die rötlichen Tunnelwände krallten.
Tsuyu stach ein unangenehmer Geruch von Verwesung und Verfall entgegen. Die Wände glänzten schmierig im dunklen Schein der Lampen, groteske Schatten glitten über die Wände und tanzen schauerlich, überall tropfte es leise, Wasser drang durch das modrige Gestein. Das Kribbeln auf Tsuyus Haut wurde schlimmer, es fühlte sich an, als führe ihn der Salmon Runner in den Schlund einer schrecklichen Bestie. Tsuyu schlotterten die Knie, in was für eine Hölle führte man ihn?
„Warum ist das hier alles so … Du weißt schon …“, murmelte Tsuyu bibbernd und stolperte seinem groben Begleiter hinterher.
„Algen, ne komische Sorte, wächst hier, macht kein' Schaden, mir lassen se wo se sin', darum auch der Name, Erdbeer-Kluft. Dachten, das klingt netter als öhm … Wat war noch mal die eine Idee? Ah ja, Blutschlund. Dachten uns, da jammern so Neue wie dir erst recht!“, erklärte Dotani, ohne über die Schulter zu blicken und kicherte gehässig.
„Sin' fast alle wie du, X-Kämpfer.“
Tsuyu schaffte es, sein Handgelenk aus Dotanis eisernem Griff zu befreien, und damit dieser nicht auf die Idee kam, nochmal nach ihm zu greifen, beeilte Tsuyu sich mit ihm Schritt zu halten.
„Ich heiße Tsuyu! Tsuyu Aikawa! Was soll das heißen, es sind fast alle wie ich?“, fragte der junge Inkling verärgert und rieb sich noch immer das Handgelenk, während er hier und dort über unregelmäßige Erhebungen stolperte.
„Aufgeregte wie kleine Salmini, nervöse Happen, denken, mir ham was Schlimmes mit euch vor, denken, das is' n schlechter Scherz von der Grand Jury“, erzählte Dotani gut gelaunte, als handle es sich hierbei um seine persönliche Lieblingsstelle der Ereignisse.
Tsuyu hatte viele Fragen und traute sich nicht, auch nur eine davon zu stellen. Was hatte die Grand Jury mit den Salmon Runnern zu tun? Warum fanden die Treffen nicht in einem schicken Gebäude in Inkopolis statt, sondern hier unten, wo der Tod wortwörtlich um die Ecke lauerte? Wieso führte ihn dieser Dotani sofort und ohne großartig Fragen zu stellen hier hin, warum stand nicht auf dem Brief, dass ein Salmon Runner sich um Tsuyu kümmern würde?
„Wette, du wunderst dich, hast Fragen, willst ne Menge wissen. Wollen se alle“, murmelte Dotani, während die beiden immer tiefer und tiefer die Erdbeer-Kluft hinunterstiegen.
Tsuyu verlor das Zeitgefühl und räusperte sich, um seine Stimme nicht ganz so kläglich klingen zu lassen wie er sich fühlte: „Na ja, das macht alles nicht so besonders viel Sinn …“
Sie verließen den Hauptpfad und folgten mehreren Abzweigungen, die für Tsuyu alle gleich aussahen. Schon nach kurzer Zeit hatte er keine Ahnung mehr, wie er aus diesem Labyrinth aus Schimmel und Verfall herausfinden sollte, wenn er es müsste. War das vielleicht sein Test? Hier wieder rauskommen? Verschwand Dotani von jetzt auf gleich und alles, was Tsuyu bleiben würde, war das Echo seines gehässigen Gekichers? Hastig schloss er zu dem Salmon Runner auf, der ihm ein maliziöses Grinsen schenkte.
„Wird nie alt, is' immer lustig mit euch Salmini.“
„Du hast mir nicht auf meine Frage geantwortet, ich meinte, das macht alles nicht so richtig Sinn!“, presste Tsuyu verärgert aus sich heraus.
Es fuchste ihn, dass der junge Salmon Runner offenbar genau wusste, was Tsuyu durch den verängstigten Kopf ging.
„Wirst den Sinn bald versteh'n, tun se alle.“
„Ich bin nicht alle, ich bin Tsuyu!“
Dotani beschleunigte seine Schritte und Tsuyu jagte ihm angespannt hinterher. Bildete er sich das nur ein oder wurden die Lampen immer schwächer, griff die Dunkelheit um sich? Eine uralte Dunkelheit, wie lange gab es diese „Kluft“ schon? Wohin führte sie?
Nach einiger Zeit, die Tsuyu wie ein Ewigkeit vorkam, stoppten sie vor einer runden,  eisernen Tür mit einem Kugeldrehkranz, den Dotani sorgfältig betätigte. Es sah aus, als müsste er es in bestimmte Richtungen drehen, damit sich die schwere Eisentür öffnete. Sich über die Arme reibend, wartete Tsuyu schlotternd ab. Sein Mund war schrecklich trocken und auch wenn Inklinge Wasser in großen Mengen verabscheuten, zum Trinken brauchten sie es, wie so gut wie alle Lebensformen.
Mit einem jammervollen Stöhnen öffnete sich die Stahltür, Dotani schob sie schwer atmend auf und als ein ausreichender Spalt zu sehen war, wies Dotani Tsuyu an hindurchzutreten. Tsuyu blickte misstrauisch durch den Spalt, der eine bewegte Finsternis barg, lediglich durchbrochen vom zitternden Schein unzähliger Öllampen, die im Inneren des dahinterliegenden Raumes sein mussten.
„Komm in die Gänge, Tsu-chan! Mir sin' spät, spät dran, sag ich!“, zischte Dotani, packte Tsuyus Schultern und schob ihn ungeduldig durch den Spalt.
Tsuyu hegte kurz den unbändigen Wunsch, sich am eisernen Türrahmen festzukrallen, Dotani von sich zu stoßen und fortzulaufen, aber er unterdrückte diesen albernen Impuls und ließ sich anstandslos in die Finsternis schieben. Tsuyu wollte sich auf keinen Fall wie ein jämmerlicher Feigling aufführen, und schon gar nicht vor diesem arroganten Salmon Runner!
Ein riesiger Raum erschloss sich vor Tsuyu, es war, als stünde er in einer riesigen, unterirdischen Arena monströßem Ausmaßes. Der Inkopolis-Platz würde hier mindestens zweimal reinpassen. Ränge aus zerfressenen Gestein neigten sich zu einem Mittelpunkt, der ein großes Becken zu sein schien, gefüllt mit grünlich braunem Wasser, abgestanden und uralt. Überall auf den Rängen waren Stangen angebracht und an diesen Stangen hingen die kleinen Öllampen, die diesen großen Raum zu beleuchten versuchten. Und auf den Rängen … Auf den Rängen …
Tsuyu rieb sich seine müden und zugleich aufgeregten Augen, immer wieder, während sein Begleiter hinter ihm in heißeres Gelächter ausbrach, sich auf den schmuddeligen Knien abstützte und sich vor Lachen schüttelte.
„Das is' es, immer! Ich lieb' das! Eure doofen Gesichter! Wird nie langweilig!“
Wäre Tsuyu nicht in solch tiefem Schock, er hätte vermutlich damit gekontert, dass sein Gesicht wenigstens nicht dem anderer unzähliger ähnelte, aber sein Gehirn versucht verzweifelt zu verarbeiten, was er dort sah.
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