glücklich?

GeschichteRomanze / P12
Ellen Bannenberg Nikolas Heldt
01.06.2018
01.06.2018
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Hallo zusammen,

habe diese Story gerade wieder gefunden und wollte sie euch nicht länger vorenthalten. Habe sie vor ungefähr einem halben Jahr geschrieben, sie aus irgendeinem Grund aber leider nie gepostet und sie dann vergessen – bis jetzt :D  

ich bin mir noch nicht sicher, ob ich es bei einem Oneshot belasse oder ob es mehrere Teile geben wird, weil die Thematik ja bereits überholt ist.  Jedenfalls setzt die Geschichte nach Staffel 5 Folge 14 ein. Grüns Kommentar zu Heldt, wem seine echten Gefühle wohl gelten, schrie förmlich nach einer Story dazu.

Also dann viel Spaß beim Lesen und lasst mir doch einfach ein Kommentar da, ob es euch gefallen hat und ob ihr Interesse an mehreren Teilen habt? Hätte zumindest paar Ideen :D („be mine wird unabhängig davon weitergehen)
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HELDTS SICHT



Ich hätte wirklich nie gedacht, dass ich einmal mit Herrn Grün zusammen im Carlos sitzen würde. Noch eher mit, ach ich weiß auch nicht. Jeder andere, aber nicht Herr Grün.

„Nikolas?“, Julias Stimme reißt mich aus meinen Gedanken.

„Was?“, frage ich leicht verunsichert.

Ihr Kopf neigt sich vorwurfsvoll zur Seite: „Du hörst mir überhaupt zu. Ich wollte dir grad erzählen, was ich heute..

„Es tut mir leid, unterbreche ich sie, ich bin nur grade.., ich stocke und überlege.

Ja, was war ich denn grade überhaupt? Seit Tagen, seit dieser durchzechten Nacht mit Grün schweifen meine Gedanken immer wieder ab. Schweifen ab zu den Punkten, an denen wir noch nüchtern genug waren, um uns jetzt an sie zu erinnern. Diese private Seite an ihm, die er zuvor noch nie wirklich gezeigt hatte und die Tatsache, dass auch er nicht ausschließlich Befolger ethischer Regeln war. Ich weiß nicht, was mich mehr erstaunt und überrascht hatte.

Und dennoch, es war nicht das, was mich solange an dieser Nacht festhalten ließ. Ich hatte es ja geahnt, okay eigentlich hatte ich es gewusst, dass es bei ihr anders ist, dass ich sie nicht einfach so, wie all die anderen davor hinter mir lassen kann. Aber ich hatte mir immer eingeredet, es würde daran liegen, dass wir uns jeden Tag aufs Neue sehen. Ihr Job als Staatsanwältin, meiner als Kommissar. Wir waren einfach gezwungen miteinander zu arbeiten. Vielleicht ist das auch der Grund, warum man sich nicht mit Kollegen, noch schlimmer seinen Vorgesetzten einlassen soll. Was wenn es nicht klappt? Tja, dann wäre man an dem Punkt, an dem ich jetzt mit Ellen bin.Obwohl, wirklich versucht haben wir es nicht miteinander.

Aber wieso eigentlich noch länger drüber nachdenken, jetzt gibt es Julia in meinem Leben und ich schätze es passt so für mich. Julia, ach Mist! Schon wieder war ich abgeschweift. Schon wieder galt meine Aufmerksamkeit nicht ihr.

„Julia, wo, wo willst du hin?“; frage ich sie und laufe in den Eingangsbereich meiner Wohnung, wo sie bereits nach ihrer Jacke greift.

„Weißt du Nikolas, ich hatte wirklich geglaubt, dass könnte heute ein schöner Abend werden, nachdem wir schon die letzten nicht zusammen verbracht haben. Aber zur Zeit scheint es einfach, dass dir alles wichtiger ist. Wichtiger als das, was ich tue. Und solange du nicht mit mir drüber reden willst, was dich so sehr beschäftigt, solange sehe ich keine Grund hier zu sein.“

„Julia, ich..es war wirklich nicht so gemeint“, versuche ich mich zu erklären.

Okay. - Ruf mich einfach an, wenn du wieder geistig anwesend bist“, grinst sie verschmitzt, bevor sie sich umdreht und wenige Sekunden später die Tür ins Schloss fällt.

Was mache ich hier? Warum laufe ich ihr nicht hinterher? War ich denn wirklich so abwesend gewesen? Meine echten Gefühle. Wie kommt Grün nur darauf, dass ich nicht so für Julia empfinde. Sie war die letzten Wochen immer da und es war auch echt ganz lustig. „Ganz lustig“, meldet sich eine kleine fiese Stimme in meinem Kopf, „klar, so muss eine Beziehung sein. Ganz lustig..aber ist sie wirklich das, was du willst?“ „Ach, was weißt du denn schon?!“, versuche ich sie zu ignorieren und beschließe noch ins Carlos zu fahren.

Das Carlos ist bereits ziemlich leer, als ich auf den Tresen zu steuere und mich auf einem der Barstühle niederlasse.

Was machst du denn hier? Ich dachte, du wärst bei Julia?“, fragt mich Carlo.

„Erstens war Julia bei mir und zweitens brauchte ich einfach mal ein bisschen Zeit für mich alleine“, entgegne ich.  

Ich merke wie Carlo mich besorgt anschaut und hoffe insgeheim, dass er nicht anfängt weiter nachzufragen. Vor gut vier Tagen saß ich hier um die Uhrzeit noch mit Herrn Grün und er hat mir von seiner Ehekriese erzählt. Wie offen er mit all dem umging, war wirklich erstaunend. Ja, und dann dieser Ratschlag, ich solle doch wirklich mal auf meine echten Gefühle hören. Woher wusste er das von Ellen und mir? War es so offensichtlich gewesen?

„hey“, Carlo schiebt mir ein Bier zu und setzt sich neben mich auf den Stuhl, „was ist wirklich los?“

Ich nippe an meinem Bier und blicke mich um. Die letzten Gäste waren allen Anscheins nach schon gegangen. Carlo würde mich verstehen, auch wenn ich selbst zu Zeit nicht so richtig weiß, wie ich meine Gedanken ordnen soll, weshalb ich beschließe mich einfach mal jemandem zu öffnen. „Kannst du dich noch an letzte Woche erinnern?“, frage ich ihn.

„Du meinst wo du und Grün mir meine halben Flaschen leer gesoffen habt?“, scherzt er.

„Ja, nein, also ich mein davor. Wo wir noch einigermaßen nüchtern waren. Grün sagte, dass er rausgeschmissen wurde und dass seine Ehe langsam zur Routine wurde und dass meine Routine sei, öfter mal was Neues auszuprobieren. Woraufhin ich ihn fragte, was er damit meine, schließlich sei ich ja glücklich und er nur entgegnete ich sollte doch endlich auf meine wahren Gefühle hören und ich soll ihn nicht für dumm verkaufen.“

„Ach Nikolas“, Carlo steht auf um das Bier gegen etwas Stärkeres zu tauschen, „es geht um Fr. Bannenberg nicht wahr?“

Ich nicke leicht, ungläubig von dem was ich hier gerade zugebe.

„Bist du denn jetzt glücklich?“, hakt Carlo nach.

Was soll ich darauf sagen? Einerseits wäre es Julia gegenüber nicht fair zu sagen, ich bin es nicht. Andererseits weiß ich genau, dass es Ellen ist, die mir aus unbegreiflichen Gründen die ganze Zeit im Kopf umherschwirrt. „Weißt du Carlo“, sage ich deshalb, „ Julia ist super nett, wir können gemeinsam über Sachen lachen und lernen uns jetzt auch besser kennen, aber dann ist da wieder Ellen. Ich weiß nicht wieso ich grade überhaupt hier sitze und dir das erzähle. Ich sollte zu Julia fahren. Sie wollte schließlich nicht einfach abhauen.

Ich stehe auf und geh richtig Ausgang, als ich Carlos Stimme höre: „Weil du sie liebst.“

„Was?“, fragend drehe ich mich um.

„Ich meine Ellen“, Carlo steht mir gegenüber, „ hör mal Nikolas, ich weiß, dass dich das schwer getroffen hat, als sie nach Passau gehen wollte, aber du musst auch ihre Sicht verstehen. Woher sollte sie denn wissen, dass Herbst dein Vater ist und du das erst mal mit dir selbst klären musstest?“

Er hatte Recht. Wahrscheinlich ist es das erste Mal, dass ich es mir wirklich eingestehe, aber wieso war es für ihn so einfach?

Julia ist lieb und nett, aber du weißt, dass ich schon immer der Meinung war, dass du es endlich mal mit deiner Staatsanwältin auf die Reihe kriegen solltest“, fährt er fort.

Ich schluckte: Aber was, wenn sie nicht auch so empfindet? Ich mein, nach all dem was in letzter Zeit war.“

Carlo schaut mich lächelnd an: „Ja, aber trotzdem ist sie in Bochum geblieben.“

„Wegen Emily.“  

„Ja bestimmt“, meint Carlo, „ aber ich denke nicht nur.“

„Glaubst du echt? Ich mein, ich hab ihr klar zu verstehen gegeben, dass es jetzt Julia ist, mit der ich Zeit verbringe.“

„Weißt du Nikolas, ich bin mir sicher, dass es sie wahnsinnig verletzt hat. Vermutlich mehr als sie zugibt, aber für mich gehört ihr zusammen und mehr gibt es dazu eigentlich auch nicht zu sagen.“

„Danke Carlo. Wirklich. Ich denke, ich sollte mit Julia reden und vielleicht hab ich ja doch noch eine Chance bei Ellen. Ich weiß nicht wie ich es solange überspielen konnte, aber du hast Recht. Ich - ich denke ich bin noch immer in sie verliebt.“

„Ich denke, du warst einfach enttäuscht und vielleicht auch ein klein wenig beleidigt von ihrer Entscheidung Passau bezüglich. Und dann war da Julia. Ich will sie dir auch nicht ausreden, ich mag sie. Aber trotzdem, du musst wissen mit wem du es wirklich ernst meinst. Und für mich gehört einfach Fr. Bannenberg zu dir. Du hast sie schon mit so viel Scheiße konfrontiert und sie hat dir immer geholfen“, Carlo lacht und ich lache auch.

Es stimmt, Ellen und ich hatten in den letzten Jahren so viel miteinander erlebt und vielleicht ist es jetzt zu spät, aber mir ist heute Abend bewusst geworden, dass ich auch noch viel mehr mit ihr erleben will.  Ich drücke Carlo, verspreche ihm ihn auf dem Laufenden zu halten und beschließe morgen noch mit Julia zu sprechen. Ob sie es verstehen wird, weiß ich nicht, aber es war nun mal nicht mehr zu verstecken, dass ich noch immer nicht von Ellen loskomme. Allein wenn ich daran denke, wie wir uns zum ersten Mal damals in diesem Pool nähergekommen sind und was sich daraus alles entwickelt hat. Sie ist mir einfach zu wichtig, um das alles aufzugeben.
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