Iasanara - Der Sohn des Kriegsherzogs ( Buch 3)

von Iasanara
GeschichteRomanze, Fantasy / P16
31.05.2018
21.03.2019
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Der Sohn des Kriegsherzogs

Schweigend saß Rogrim auf dem Felsen und beobachtete Drigka dabei, wie er den zweiten Baum fällte. Seit er vor zwölf Sonnenwanderungen damit begonnen hatte, den jungen Herzogssohn in der Kunst des Axtkampfes zu unterrichten, verließ er, wenn die Sonne über dem Gebirge aufging mit Drigka die Siedlung. Zuerst versuchte Rogrim die einfachen Übungen, die ihm helfen sollten, Kraft aufzubauen, am Kampfplatz durchzuführen. Aber es verging nicht einmal ein Schattenzyklus, bevor die ersten Beobachter lautstark anfingen, auf Kosten von Drigka Scherze zu machen. Sofort veränderte sich der aufmerksame willensstarke Blick zu dem eines eingeschüchterten geprügelten Welpen.
Rogrim war sich sicher, wenn Drigka eine Wolfsrute gehabt hätte, wäre diese zwischen seinen Beinen eingeklemmt gewesen. Daher hatte sich der Wolfsbändiger entschieden, Drigkas Kraft bei anstrengenden Tätigkeiten im Wald zu fordern. Der Krieger an der Waffenkammer hatte Rogrim bei der Bitte nach zwei Äxten zum Holzfällen einige Atemzüge verstört angesehen, gab ihm die gewünschten Waffen aber wie verlangt. Um bereits mit der Wanderung die benötigten Beinmuskeln zu fördern, verzichtete Rogrim darauf, ein Reittier zu verwenden. Daher lief Sanguis ohne Reitgeschirr neben ihnen her. Die Sonne stand am westlichen Firmament, als er zwei Bäume aussuchte, die er für die erste Übung für angemessen hielt.
»Um zu sehen, über wie viel Kraft du verfügst, werden wir gleichzeitig diese Bäume fällen.«
Auf ein Handzeichen hin, begann der absichtlich herbeigerufene Wettstreit. Rogrim stellte sich seitlich zu Drigka, sodass er sehen konnte, wie weit der Baumstamm bei ihm eingeschlagen war. Als er merkte, dass nur mehr drei Schläge an seinem Stamm nötig waren, schlug er zu, ohne eine Kraft auf den langsam neigenden Baum einzuwirken. Wie erhofft durchflutete Drigka das Verlangen zu gewinnen. Unermüdlich krachte das scharfe Axtblatt auf die größer werdende Kerbe. Rogrim hielt den Atem an, da er schon befürchtete, dass sein Baum als erster stürzen würde. Aber der letzte mit einem Wutschrei ausgeführte Axtstreich reichte aus, dass Drigkas Stamm kippte. Um nicht die Vermutung aufkommen zu lassen, dass er absichtlich verlor, versetzte er seinen Baum den letztendlich benötigten Hieb. Drigkas Baumstamm krachte nur wenige Atemzüge vor seinem auf den Boden. Stolz aber auch mit einem sichtbaren Unglauben starrte er zu den Wolfsbändiger hinüber.
»Ich war nie ein guter Krieger mit der Axt«, sagte Rogrim mit hochgezogenen Schulter. »Für diese Sonnenwanderung habe ich gesehen, auf was wir deine Waffenkunst aufbauen. Lass uns zurückgehen.«

»Die Sonne steht in Mitte ihres Weges. Wenn du wie abgesprochen einen weiteren Baum bevor das die Mondwanderung beginnt, fällen willst, musst du etwas zulegen«, verlangte Rogrim ungerührt. Nur eine ständige Erschwerung der Übungen würde den vorhandenen Muskel die Kraft geben.
»Wenn ich die nächsten drei Mondzyklen Bäume fälle, werden wir bald keinen Wald mehr haben«, scherzte Drigkas über die wiederholende Aufgabe.
»Wenigstens bringst du genug Holz in die Siedlung, dass in den kalten Mondzyklen niemand friert.«
Rogrims Mundwinkel zuckte nach oben, bei der Betrachtung der ausgeführten Körperbewegung. Durch die ständigen Anweisungen die Körperhaltung bei den Schwüngen zu verändert, sah Drigkas längst nicht mehr wie ein unfähiger Krieger aus. Die einzelnen Rückenmuskeln bewegten sich eindrucksvoll bei den ausgeführten Schlägen.
»Was veranlasste dich dazu, mich zu einem Krieger auszubilden?«
Drigkas bückte sich zu der Kerbe hinunter. Zufrieden was er sah, streckte er die Hand aus und gab den Stamm einen Stoß. Das knarzige Geräusch von den letzten zerreißenden Holzstücken erklang wie von ihm erwartet.
Ohne auf die Aufforderung von Rogrim wartend, begann der Herzogssohn damit, den Stamm in kleinere Stücke zu hacken.
»Die Herausforderung und weil ich in dir einen treuen Kampfgefährten sah.«
Fassungslos über die deutlich ausgesprochene Würdigung, dass er ein zuverlässiger Kamerad sein könnte, hielt Drigkas im Schwung inne. Das Axtauge auf dem Stamm aufgelegt, lehnte er sich gegen den Stiel und fixierte Rogrim mit den Augen, als ob er darauf wartet, das der Wolfsbändiger anfing zu lachen.
»Du meintest, was du sagtest?«, hinterfragte Drigkas.
»Natürlich, was denkst du von mir. Wenn der Zeitpunkt kommt, dass Rakash mir erlaubt, den Wolfsclan auszurufen, brauche ich Verbündete aber mehr noch Krieger, die in meinen Clan leben möchten und an meiner Seite kämpfen.«
»Es wäre mir eine Ehre, mein Knie vor dir zu beugen und dich als mein Herzog zu sehen«, stieß Drigkas hervor.
»Aber zuerst wirst du deinen Vater bezwingen«, beteuerte Rogrim und streckte die Hand zum Kriegergruß aus, um den Eid zu besiegeln.

******

»Das westliche Land von Ograstein unterscheidet sich um nichts vom südlichen aber um vieles vom östlichen«, reflektierte Zuga mit brummender Stimme die karge Landschaft. Der Draddud-Krieger vermisste die satten Wiesen und Wälder rund um seine Herzogstadt. In der Sonnenwanderung, die sie im Schattenrest verbracht hatten, überlegte Zuga, nach Draddud zurückzukehren. Einzig die in der Zwischenzeit aufgebaute Kameradschaft zu dem Regimentsführer und Kulgha hielt ihn davon ab.
»Rudod ist nicht mehr weit entfernt. Laut der Karte liegt es an den Ausläufern des Gebirges.«
Grikug hob die linke Hand zu seinen Augen, dass er die Strahlen der vor ihm stehenden Sonne abschirmte. In großer Entfernung entdeckte er in nördlicher Richtung eine Ansammlung von Bäumen. So gerne er das letzte Ruhelager vor der Herzogstadt Rudod unter den kühlen Schatten der Bäume verbracht hätte, war er doch nicht gewillt einen derartig langen Umweg zu reiten.
»Der natürliche Wetteifergedanke kommt uns bei der Rekrutierung sehr gelegen«, urteilte Kulgha bei der erheiterten Erinnerung an das Gespräch mit den Herzog von Arrog.
»Ja, wenn du nicht davon angefangen hättest über Sarfu und seine Schwierigkeit mit dem Weiberüberschuss zu reden, würden höchstens zwanzig Arrog-Krieger unsere Streitmacht begleiten.«
Grikug schmunzelte ausgelassen, kaum dass das Bild des entrüsteten Taru wieder hochkam, als er hörte, dass Sarfu doch tatsächlich sein gesamtes Regiment schicken wird.
»Somit blieb ihm nichts anderes übrig, als das Versprechen zu geben alle jüngeren Krieger zu den Waffen zu rufen«, legte Zuga, die Zwangslage in die Taru geschlittert war aus. »Ansonsten hätte er sein Gesicht vor den Anwesenden verloren.«
»Wie viele Kämpfer haben wir so weit in der Streitmacht?«, fragte Kulgha interessiert.
»Wenn Rogrim das Unmögliche gelingt und der Herzogssohn den Vater bei einem Waffengang bezwingt, werden jetzt bereits dreihundert Krieger sich vorm Portal einfinden. In der Anzahl ist aber nicht das Regiment aus Schattenrest sowie das meines Vaters miteingerechnet«, antwortete Grikug mit Stolz, der für die beiden Kameraden an den erfreuten Glanz in den Augen und der erhobenen Brust klar sichtbar war.

******

»Das wäre geschafft. Bring deine Axt und Schild nächstes Mal mit.«
Rogrim warf das letzte Stück Holz auf den wachsenden Brennholz Stapel. Die Bewohner von Krogar konnten wirklich nicht klagen. Das von Drigka geschlagene Holz wird für einen Mondzyklus reichen. Die Neuigkeit, dass er die Waffen mitbringen sollte, brachte den jungen Krieger dazu erfreut aufzuspringen.
»Freu dich nicht zu früh. Den ersten Umgang mit dem Schild wirst du in der Zeit zwischen dem Fällen von zwei Bäumen erlernen«, warnte Rogrim ihn vor.
»Rogrim, da seit ihr ja endlich. Es ist Besuch für dich gekommen.«
Nach Atem ringend stützte sich der Krieger mit der Hand am Knie ab, während der nach vorne gebeugte Körper sich wieder beruhigte. »Er wartet auf dich in deinem Bau.«
Mit einen leichten Schlag auf die Schulter verabschiedete sich Rogrim von Drigka, bevor er sich in Richtung seines von Sarfu zur Verfügung gestelltes Gebäude aufmachte. Auf den Weg dorthin überlegte er, wer sich den Weg gemacht hatte ihn aufzusuchen. Er kam zu dem Schluss, dass es nur die Kameraden auf den Weg zum nächsten Herzogsdorf sein konnten. Andererseits waren sie vor dreizehn Sonnenwanderungen nach Schattenrest aufgebrochen. Etwas musste vorgefallen sein, dass Grikug daran hinderte wieder aufzubrechen. Mit der wachsenden Vorfreude, von den Freunden zu erfahren, was sich in Schattenrest seit der Verbannung zutrug, betrat er den zeltähnlichen Bau und fand sich Rakash gegenüber stehend.
»Mein König ...«, stammelte Rogrim überrascht.
»Ah, da ist ja der junge Wolfsbändiger«, begrüßte Rakash ihn unformell. Einzig die ausgestreckte Hand zum Gruß bezeugte, dass der König ihn wertschätzte.
»Mein König, was führt euch den langen Weg nach Krogar?« Rogrim erwiderte den Gruß, senkte dabei demütig den Kopf. Die letzte Begegnung mit Rakash bevor er das Man i anwar ausgesprochen hatte, blieb für ihn unvergessen.
»Grikug erzählte mir, dass du es dir zur Aufgabe machtest, den jungen Herzogssohn für einen Waffengang zu unterrichten.«
Rakash ließ sich auf einen Stuhl neben den kleinen Tisch fallen, der daraufhin verhängnisvoll knirschte. Sein Kopf senkte sich nach unten, um etwaige Schäden am Holz zu erkennen. Als er den Blick hob, erkannte er, das auch Rogrim den Stuhl argwöhnisch betrachtete. Lachend über dieselben Befürchtungen winkte Rakash ihm zu sich.
»Sarfu versprach Grikug, dass er sein Regiment schickt, wenn es Drigka gelingt, ihm zu bezwingen«, erklärte Rogrim den Beweggrund, für seine Entscheidung.
»Eigentlich bin ich gekommen, um mich zu überzeugen, dass die Reise dich nicht zu sehr erschöpft«, gestand Rakash, dabei musterte er seinen enthüllten Oberkörper.
»Wie kommt ihr darauf, dass ich Ruhe benötige?«, fragte Rogrim verwundert.
»Todivia erzählte mir, dass sie deine Verletzung nicht heilte. Es ist keiner Schamanin gestattet die Wunden nach einem Men i anwar zu versorgen. Wie kommt es, dass die Fleischwunden ohne Narben verheilten?«, stellte Rakash eine Gegenfrage, dabei trat er hinter Rogrim und betrachtete den unversehrten Rücken.
»Sag, wer hat den Kodex gebrochen!«, donnerte er bei der Erkenntnis, dass ein Wort der Magie die Heilung herbeiführt hatte.
»Niemand ...«, stammelte Rogrim.
»Lüg mich nicht an, Sohn von Wanjin. Dass die Wunden ohne eine Narbe verheilten, zeigt das Offensichtliche. Es wurde Magie gewoben.«
Grob zog Rakash den sitzenden Rogrim mit der Hand unter der Armbeuge hoch und drehte ihn um, sodass der König ihn ins Gesicht sehen konnte.
»Die Assassine Keylessia wartete vor Schattenrest auf Grikug. Ich war der Ohnmacht nahe, daher weiß ich nicht, was genau geschah. Nur eins, dass nachdem ich ihre Hand auf der Schnittwunde fühlte, die Heilung einsetzte.«
Beschämt von der Elfe die seine Eltern entseelt hatte, eine Heilung erhalten zu haben, senkte Rogrim den Kopf.
»Was wollte sie von Grikug?«
»Sie nahm seine Einladung an«, beantworte er die Frage, wobei er den Blick von Rakash auswich.
»Welche Einladung?«
»Sich auf dem Schlachtfeld in der Menschenwelt gegenüber zu stehen.«
In dem Moment erkannte Rogrim, was er tun musste, um die Verbannung von Schattenrest aufzuheben.

******

Die aufsteigenden Nebelschwaden versteckten die Herzogstadt Rudod. Nur durch Zufall entdeckten die Kameraden, durch den grauen Schleier ein erdfarbenes Dach. Grikug war überrascht, nachdem sich der Nebel verzogen hatte, über die Anzahl aber noch mehr über das Aussehen der Gebäude. Das Herzogtum war offensichtlich nach Schattenrest die größte Siedlung.
»Wie ist es Alog bloß gelungen, ein solches großes Herzogtum aufzubauen?«, fragte Kulgha staunend.
»Der Herzog war einer der Königsanwärter. Es heißt, dass nur durch die Unterstützung von Wanjin und Magdul es Rakash gelang, den Herrscherstuhl zu erlangen«, erzählte Zuga die Gerüchte. »Daraufhin zog Alog seine gesamte Streitmacht von Schattenrest ab.«
»Irgendetwas sagt mir, dass ich das königliche Siegel besser nicht vorzeige«, argwöhnte Grikug, bei dem Gedanken zu der bevorstehenden Unterredung.
»Versuche es mal ohne. Vielleicht können wir Alog ja mit dem Ehrgeiz locken, das Orc-Volk auf der Menschenwelt mit einer großen Anzahl seiner Krieger zu vertreten«, ermutigte Zuga. »Unsere Begrüßung kommt«, unterbrach Kulgha die Unterhaltung.
Grikug brauchte nicht nachfragen, wer an der Spitze ritt. Wie in Draddud kam ihnen der Herzog selbst entgegen. Alogs Mienenspiel deutete keine Regung an. Bis zum ersten Wortwechsel konnte Grikug nur hoffen, dass der Herzog sie nicht gleich wieder wegschickte. Die Tatsache, das Alog den Herrscherstuhl angestrebt hatte und jetzt in einem Herzogtum wohnte, das am weitesten von Schattenrest lag, würde für die Unterredung nicht behilflich sein. Je näher der Herzog kam, umso vertrauter wurde das grimmige Gesicht.
Sein Blick fiel auf die Doppelaxt an der rechten Seite. Grikug hätte schwören können, dass er eine derartige Waffe mit derselben Musterung zuvor gesehen hatte. Aber durch die Anspannung der baldigen Verhandlung blieb die Erinnerung im Verborgenen.
»Ich, Alog, Herzog von Rudod heiße euch willkommen. Bitte folgt mir.«
In seinem Gesicht rührte sich nach wie vor kein Muskel. Die Lippen lagen locker aufeinander und die Augen bekundete Neugier, aber keine Freude sie begrüßen zu müssen. Einzig das Ehrgefühl den Kodex der Gastfreundschaft folge zu leisten, behinderte Alog die Fremden fortzuschicken.
Grikug tauschte mit Zuga einen befremdeten Blick aus. So wohlgesinnt waren sie bis jetzt von keinem Herzog begrüßt worden. Der Ruhe nicht trauend legte Grikug die Hand um den Schwertgriff. Zu seiner Erleichterung sah er Kulgha und Zuga sich ebenfalls kampfbereit machend. Ein Rudod-Krieger der neben ihnen ritt, rief ein unverständliches Wort. Daraufhin hob der vorne hinweg reitende Alog die Hand. Sofort blieb die gesamte Truppe stehen. Das Geräusch von ziehenden Waffen erklang, bevor Alog sein Reittier gewendet hatte.
»Warum greift ihr nach euren Waffen?«, fragte der Herzog in einem vorwurfsvollen Ton.
»Deine Einladung ohne Erkundigung, wer wir sind, machte uns misstrauisch«, beantwortete Grikug die Frage ehrlich.
»Zwei Krieger aus Schattenrest und einer vom Herzogtum Draddud reiten den langen Weg nach Rudod. Was immer euer Grund ist, kann besser bei einem Becher Leann besprochen werden.«
Alog führte eine unauffällige Kopfbewegung aus, woraufhin die Krieger ihre Waffen wieder wegsteckten.
»Lasst uns die Unterredung ohne einen bedauerlichen Zwischenfall vollziehen«, begehrte Alog. Als er Grikugs zustimmendes Nicken sah, wendete er das Reittier.

******

Rogrim stand den Kampfbereiten Drigka mit Otha-Caun gegenüber. Der Polarm war ideal von weiten den Schild zu treffen. Bei dieser Übung ging es einzig darum, dass der Herzogssohn lernte, mit dem Schild umzugehen. Den ersten Fehler, die Schlaufe über das Handgelenk zu ziehen, enthüllte Rogrim ihm durch einen schmerzliche Angriff. Wissend welche Besonderheiten die Waffe Otha-Caun ausmachte, und das der Schaft des Polarmes aus einem unzerstörbaren Metal geschmiedet wurde, hatte er den Stiel kurz vor der Klinge auf den Rand des Schildes geschlagen. Durch den wiederholenden mit voller Kraft ausgeführten Schlag, begann das Handgelenk von Drigka zu schmerzen. Aber da die Schlaufe um das Gelenk gebunden war, konnte er das Schild nicht fallen lassen. Rogrim hatte erst aufgehört, als er die schmerzlich zusammengebissenen Zähne hinter den geöffneten Lippen sah.
»Natürlich sollst du dein Schild nicht während eines Kampfes fallen lassen. Aber wenn es zu einer Last wird, besteht so die Möglichkeit, sich dieser zu entledigen. Der Gegner widmet seine Aufmerksamkeit dem schwächsten Angriffspunkt, den er zuvor bei dir erkundete«, belehrte Rogrim.
»Jetzt werden wir die Abwehr verbessern. Ich stoße meine Waffe in deine Richtung. Du versuchst, das Schild so zu führen, dass die Spitze von Otho-Caun das Holz berührt.«
Die Begeisterung, endlich eine Waffenkunst zu erlernen war Drigka anzusehen. Das in den Kopf steigende Blut verfärbten seine Wangen etwas rötlich. Die Lippen presste er fest zusammen und die Augen verschmälerten sich zu kleinen Schlitzen. Das rechte Bein nach vorne gestellt, wartete er hungrig nach der kommenden Kampfübung auf den Angriff.

******

Grikug betrat gefolgt von den Freunden einen riesigen Raum in dem einzig ein Tisch mit neun Stühlen stand. Die offensichtliche Besprechungstafel war so geformt, dass es drei Plätze am Kopf gab und jeweils drei auf der linken wie rechten Seite.
»Wenn ihr nicht stehen wollt, könnt ihr euch einen davon nehmen.«
Ein Krieger, der sich auf die linke Seite setzte, zeigte auf die an der Wand stehenden Stühle.
Die sechs Rudod-Krieger warteten auf das eintreffen von Alog. Die Zeit bis dahin verwendete Grikug, um sich genauer den Raum anzusehen. An den Wänden hingen verschiedenste skelettierte Köpfe von Tieren, die er durch die Kopfform nicht zuordnen konnte. Der Größe davon, hing hinter dem Herzogstuhl. Das riesige Maul mit den fingerlangen spitzen Zähnen klaffte weit auf. Es war so lange, dass der vorderste Teil über den Stuhl von Alog hinausragte. Zuga der Grikugs Blick folgte, zischte leise: »Das ist ein Kopf eines Drachens. Die Legende über Alogs Haus sagt, dass es einem Krieger aus seiner Dynastie gelang, eine Himmelsschlange mit einer Axt zu erlegen.«
Grikug wollte etwas darauf sagen, da hörten sie Schritte näher kommen.
»Nehmt Platz Regimentsführer von Rudod«, erteilte Alog alleinig seinen Kriegern die Erlaubnis sich zu setzen.
»Bevor wir zusammen ein Krug Leann leeren, könnt ihr euch vorstellen und den Grund nennen, warum ihr unverlangt Rudod aufsuchtet.«
Alog lehnte sich zurück. Denn rechten Arm stützte er auf die Lehne und bewegte dabei unbewusst die Finger bis sie knackende Geräusche von sich gaben.
»Herzog Alog, ich bin der Sohn des entseelten Kriegsherzog Argug. Ich reite zusammen mit meinen Freunden in alle Herzogtümer, um die Herzoge zu bitten, Krieger zu ihren Waffen zu rufen, um meiner Streitmacht zu folgen.«
Wie beschlossen verzichtete Grikug, das königliche Siegel zu zeigen.
»Kriegsherzog Argug? Ich wusste nicht, dass wir mit den Elfen in Krieg stehen.«
Der Herzog sah zu den Regimentsführern, die allesamt verneinend den Kopf schüttelten.
»Die Streitmacht wird nicht nach Albraria vordringen, sondern durch das Portal in die Menschenwelt«, stellte Grikug die verkehrte Annahme richtig.
»Zu den Menschen!«
Augenblicklich veränderte sich der desinteressierte Ausdruck in Argugs Augen.
»Wo wurde der Kriegsherzog entseelt?«
Sein Oberkörper lehnte sich bei der Frage nach vorne, wohingegen die rechte Hand auf der Lehne des leeren Stuhls neben ihm ruhte.
»Das Regiment meines Vaters wurde von Menschen und einer Elfe überfallen. Wie sich später herausstellte, war sie eine Assassine der Königin«, erzählte Grikug und bemerkte bei jedem Atemzug, dass Alog das gehörte regelrecht verschlang. Seine Augen weiteten sich zusammen mit den zuvor geschlossenen Lippen vor lauter Entsetzen.
»Wie viele wanderten danach auf dem Pfad des Lichts?«
»Gerade einmal zwanzig Krieger folgten Argug«, beruhigte Grikug. Die Aufregung in Alogs Stimme machte ihm stutzig.
»Kennst du die Namen der Entseelten?«
»Ja, es waren ausschließlich Orcs aus Schattenrest.«
Der darauffolgend erleichterte Blick von Alog zu dem links sitzenden Krieger entging Grikug nicht. Ein Hoffnungsschimmer erwachte bei der im Kopf entstehenden Erklärung, warum Alog so eindringlich nachfragte.
»Also lebt mein Sohn noch?«, raunte Alog eine Frage, die ihm, seit langer Zeit quälte. »Ich vereinbarte mit ihm, dass er nach einem Winterkreislauf zurückkehrt. In der Zwischenzeit vergingen aber nahezu sieben.«
»Welchen Namen gabst du deinem verschollenen Sohn?« Innerlich flehte Grikug, dass der Herzogssohn sich nicht doch unter den Entseelten befand.
»Norg, sein Name lautet Norg!«
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