True Beauty

von Alex1912
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P16
Elijah Mikaelson Niklaus Mikaelson OC (Own Character)
30.05.2018
12.07.2018
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„Mutterlose“

Ich wusste nicht, wie ich es geschafft hatte, nach Hause zu kommen. Aber ich erreichte unser Anwesen außerhalb der Stadt mit meinen Schuhen in der Hand vollkommen durcheinander liegenden Haaren. Sofort eilten ein paar Bedienstete zu mir, aber ich schickte sie wieder weg, ich wollte meine Ruhe haben. Mir war durchaus bewusst, dass mein Vater rasen würde, wenn er nach Hause kam. Darauf wollte ich mich vorbereiten. Also ging ich auf meine Zimmer, tauschte das Kleid gegen ein kurzes Unterkleid und einen dünnen Mantel aus weißer Seide ein, dann setzte ich mich auf das Sofa in meinem Salon und wartete. Ich saß einfach nur da und wartete. So lange, bis ich unten hörte, wie mein Vater nach Hause kam. Zusammen mit Lilian. Natürlich würde er ihr nie erlauben, eine Nacht im Haus eines anderen Mannes zu verbringen. Ich hörte sie unten in der Eingangshalle streiten, ihre Stimmen schallten durch das ganze Haus. Das war der Vorteil daran, dass unser Haus so weit abgelegen war, die Nachbarn bekamen nicht mit was hinter den Mauern vorging. Ich versuchte zu erkennen, worüber sie stritten, aber das Echo ihrer Stimmen vermischte sich und ich konnte nichts erkennen. Aber irgendwann verstummten die beiden und ich hörte schwere Schritte zu mir hinauf stapfen. Mit der Zeit hatte ich gelernt, am Klang der Schritte zu erkennen, wer zu meinen Zimmern kam. Jetzt war es mein Vater.
Er stieß die Tür auf und stockte für einen Moment, als er mich so ruhig warten sah, aber dann ging er auf mich los. „Was hast du dir dabei gedacht? Unsere Familie so zu entehren? Ich habe mich noch nie in meinem Leben so für dich geschämt!“ Ich kannte meinen Vater sehr gut, wenn er in dieser Stimmung war. Dann wartete er nur darauf, dass ich einen Fehler machte und er mich bestrafen konnte. Es hatte nicht lange gedauert, bis ich erkannt hatte, dass man es ihm in dieser Stimmung nicht recht machen konnte. Also saß ich einfach nur da uns starrte ihn schweigend an, während er seinem Ärger über mich Luft machte. Aber natürlich passte ihm auch das nicht. „Was starrst du mich so an?!“ Und im nächsten Moment spürte ich seine Hand in meinem Gesicht.
Es war nicht das erste Mal, dass er mich geschlagen hatte. Und es würde auch nicht das letzte Mal sein. Trotzdem überraschte mich dieser stechende Schmerz in meinem Gesicht, und ich musste dem Drang widerstehen, mit der Hand zu der Stelle zu fahren, an der sich sicherlich ein deutlicher, roter Abdruck abzeichnete. Diesen Trick kannte ich nur zu gut. Also stand ich starr weiter da und versuchte die Tränen runter zu schlucken, die in meine Augen stiegen. Mittlerweile war ich sogar sehr gut darin, meinen Schmerz runter zu schlucken. Man musste es einfach über sich ergehen lassen.
Das gute an meinem Vater war, dass sein Vater genauso schnell wieder ab glomm, wie er gekommen war. „Ich werde dich nie wieder mit in die Öffentlichkeit nehmen. Da kannst du dir sicher sein.“, meinte er zum Abschluss. „Und hör auf zu heulen.“ Dann machte er auf dem Absatz kehrt und verließ das Zimmer. Sobald er aus dem Zimmer war sprang ich auf und eilte zu meinem Frisiertisch. Der rote Abdruck zeigte sich deutlich auf meiner Haut, ich hätte ihn fast nachzeichnen können. Entschlossen wischte ich die Tränen weg wartete. Nur einen Augenblick später öffnete sich die Tür zu meinen Zimmern und eine unserer Bediensteten trat ein. Sie trug eine Schale Wasser in den Händen. „Für Sie, Miss.“ „Danke“, meinte ich und versuchte tapfer zu klingen. Sie stellte die Schüssel auf den Frisiertisch und ging schnell davon.
Ich befeuchtete ein Tuch und begann mein Gesicht abzutupfen. Hoffentlich würde der Abdruck bis morgen verschwinden. Aber es war keine Veränderung zu sehen, nachdem sich die Schwellung ein wenig abgekühlt hatte. Also ging ich ins Bett und versuchte zu schlafen. Es war leichter als ich dachte, auch wenn ich mich dafür schämte. Denn ich dachte an Elijah Mikaelson, und dieser Gedanke beruhigte mich. Mein Atem und mein Herzschlag wurden ruhiger und ich schlief friedlich ein.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, hatte mein Vater das Haus bereits verlassen, um in die Kirche zu gehen, Lilian hatte ihn begleitet. Schließlich war es Sonntag. Ich ging nie in die Kirche, mein Vater hätte es nie erlaubt und ich hatte auch gar nicht das Bedürfnis. Stattdessen genoss ich sonntags die Ruhe ihm Haus und ein Frühstück für mich alleine. Für einen Moment blieb ich liegen und genoss die Sonne auf meiner Haut, dann stand ich auf und griff nach meinem Morgenmantel. Als ich mich vor den Spiegel setzte erkannte ich erschrocken, dass der Abdruck der Hand meines Vaters nicht verschwunden war. Stattdessen war der Bereich über meinem Auge geschwollen und hatte sich leicht blau verfärbt. Zitternd berührte ich die geschwollene Haut und zuckte sofort zurück, es tat unglaublich weh. Wieder befeuchtete ich ein Tuch und versuchte den Bereich abzutupfen, es tat hundert Mal mehr weh als gestern Abend. Eine Träne lief mir über die Wange, aber ich versuchte durchzuhalten. Das musste doch irgendwie wieder verschwinden können! Aber es half nicht, und irgendwann hielt ich es nicht mehr aus. Während die Tränen auf meinem Gesicht trockneten steckte ich meine Haare hoch und ging hinunter in das große Esszimmer. Der Tisch war schon gedeckt und schweigend begann ich zu frühstücken.
Mein Vater und Lilian kamen eine Stunde später nach Hause und beachteten mich gar nicht. Mein Vater verzog sich in sein Arbeitszimmer und Lilian verschwand in ihren Zimmern um sich umzuziehen. Also erhob auch ich mich vom Frühstückstisch und fing an mich umzuziehen. Ich entschied mich für ein dünnes hellblaues Sommerkleid und ein paar hohe Schuhe, meine Haare steckte ich zu einem unordentlichen Knoten. Ich hasste Sonntage, an denen hatte ich nichts zu tun. Normalerweise arbeitete ich im Krankenhaus am Stadtrand, sechs Tage die Woche. Mein Vater hielt nicht viel davon, er meinte, es gehöre sich nicht für eine Frau aus meinem Stand zu arbeiten. Aber er mochte es auch, wenn ich aus seinen Augen war, und so hatte er sich irgendwann ergeben. Doch wie gesagt, sonntags arbeitete ich nicht, und dann war mir immer unglaublich langweilig. Nachdem ich mich umgezogen hatte nahm ich mir also ein Buch uns setzte mich unten in unseren großen Salon. Dort begann ich zu lesen und hoffte, dass ich so die Zeit bis zum Nachmittag totschlagen würde. Nur eine halbe Stunde später kam meine Schwester zu mir, und sie sah schon wieder umwerfend aus. Sie trug ein langes rotes Sommerkleid, dass ich niemals würde tragen können und ihr blonden Haare fielen lang über ihren Rücken. Wenn sie nicht meine Schwester gewesen wäre, hätte ich sie dafür gehasst, dass sie so perfekt war. Lilian setzte sich zu mir und begann ebenfalls zu lesen, irgendeinen Liebesroman.
Aber sie las nicht lange, sondern legte nur wenige Minuten später das Buch weg und blickte mich an. „Ich wollte heute Mittag in die Stadt fahren und mich mit ein paar Freunden treffen. Willst du mitkommen?“ Ich war überrascht, normalerweise fragte sie mich nie, ob ich sie irgendwohin begleiten wollte. Schließlich musste nicht jeder gleich wissen, dass ihr Schwester eine Mutterlose war. Aber heute bot sie es mir an, und ich wusste, dass das irgendwas zu bedeuten hatte. Fragend blickte ich sie an. „Es wird vielleicht Zeit, dass du ein paar nette Männer kennen lernst. Schließlich bist du auch nicht mehr die jüngste.“ Wollte sie mich etwa dazu auffordern, mir einen Mann zu suchen? Als sie meinen entgeisterten Blick bemerkte wurde sie unsicher. „Nun ja, ich finde Vater hat ein wenig übertrieben. Natürlich war es falsch von dir, in aller Öffentlichkeit so vertraut mit Elijah Mikaelson zu sein, aber ich verstehe dich. Du siehst die ganze Zeit mich und Thomas, natürlich willst du dann auch einen Mann.“ Wusste sie überhaupt, was sie da gerade sagte? Meinte sie das wirklich ernst? Mal davon abgesehen, dass sie vollkommen unhöflich war, hielt sie mich wirklich für so beschränkt? Das ich in meinem Leben keinen anderen Wunsch hatte, als wie sie einen Mann zu heiraten, mit dem mich nichts verband und der sich nicht einmal traute, mich vor der Hochzeit zu küssen. Sie schien das offensichtlich zu denken. Und unter anderen Umständen hätte ich ihr das wahrscheinlich ins Gesicht gesagt, aber sie bot mir eine Möglichkeit, andere Leute zu treffen und diesen langweiligen Sonntag zu Ende zu bringen. „Ich würde gerne mit in die Stadt kommen.“, meinte ich, schlug das Buch zu und lächelte sie an. „Gut, dann machen wir uns noch fertig und treffen uns in einer halben Stunde untern?“ Ich nickte und wir trennten uns.
Ich beschloss das hellblaue Kleid anzulassen und band mir wie immer einen Schal um den Hals, damit man meine Male nicht sah. Dann versuchte ich mit einer dünnen Paste die blauen Flecke zu verstecken, aber es gelang nicht und tat nur weh. Irgendwann, als mir schon wieder die Tränen in die Augen traten, gab ich auf und beschloss es mit Stolz zu tragen. Meine Haare ließ ich in dem unordentlichen Knoten, irgendwie verlieh es mir etwas Kämpferisches. Mit einem zweifelnden Blick in den Spiegel ging ich hinunter in die Eingangshalle, wo Lilian schon auf mich wartete.
„Wo gehen wir eigentlich hin?“, fragte ich als wir durch New Orleans schlenderten. Mir entgingen die Blicke nicht, die uns folgten. Die schöne Schwester und die hässliche Schwester, wir waren eine Attraktion. „Am Mississippi- Park. Dort ist es wunderschön.“ Ich wusste, dass es da wunderschön war, ich lebte in dieser Stadt seit siebzehn Jahren, seit ich geboren war. Aber ich verkniff mir einen Kommentar, über den sie sich nur geärgert hätte, und lief weiter schweigend neben ihr her.
Der Park am Mississippi war wirklich wunderschön, einige Bänke standen an der Promenade, von denen man einen wunderschönen Blick auf den Fluss hatte. Einige junge Männer und Frauen warteten schon an den Bänken, und ich brauchte nur einen Augenblick, um zu erkennen, dass es eine gemischte Gruppe war. Menschen, Hexen, Werwölfe und sogar Vampire, auch wenn die eigentlich gemieden wurden. Und natürlich sahen alle umwerfend aus. Sofort fühlte ich mich fehl am Platz und wollte auf dem Absatz kehrt machen. Aber Lilian hakte sich bei mir unter und lächelte mich an. „Ich werde dir ein paar hinreißende Männer vorstellen.“
Und das tat sie wirklich, sie stellte mich einer reinen Schar an Männern vor, wobei mir nicht entging, dass sie mich keinem einzigen Hexer vorstellte. Die Männer waren alle sehr charmant, aber ich konnte ihre Blicke deuten, wenn sie in mein Gesicht sahen. Sie waren schockiert von dem blauen Fleck und wussten nicht, ob sie fragen sollten, woher er kam. Vor allem aber, schienen die meisten weitaus interessierter an Lilian als an mir. Aber die hatte mittlerweile Gesellschaft von ihrem Verlobten bekommen und war nun vollauf damit beschäftigt, die perfekte Dame zu sein. Also war ich alleine und unterhielt mich mit einigen von ihren Freunden.
Nicht, dass ich keinen Kontakt mit Menschen hatte, ich hatte Freunde im Krankenhaus und auch sonst, ohne sie würde ich bei mir zu Hause wahrscheinlich verrückt werden. Vor allem aber waren sie einfache Leute, sie arbeiteten, wohnten in kleinen Wohnungen im Stadtzentrum und gaben nicht viel Geld für Kleidung aus. Solche Menschen mochte ich, ihnen waren meine Male egal. Vor allem, weil sie keine Ahnung hatten, was sie bedeuteten. Aber Lilians Freunde waren alle aus den besten Familien der Stadt, Schnösel wie man sich sie vorstellte. Ich war mir sicher, dass keiner von ihnen sich vorstellen konnte, wie es war, zu arbeiten, sich Sorgen um Geld machen zu müssen, oder sich irgendwie hässlich und fehl am Platz zu fühlen. Trotzdem riss ich mich zusammen und war freundlich zu ihnen, denn ein wenig hatte Lilian auch recht. Wenn es nach meinem Vater ging würde ich einen von ihnen heiraten müssen. Und einer von ihnen schien wirklich an mir interessiert zu sein, er versuchte immer wieder ein Gespräch anzufangen. „Wollen wir einen Spaziergang machen?“, fragte er schließlich und blickte mich auffordernd an. Da ich hoffte, so zumindest den Schnöseln entkommen zu können, stimmte ich zu und wir schlenderten die Promenade am Mississippi entlang.
Der Mann war ein Vampir, nicht das mich das gestört hätte. Aber es gab nicht viele Vampire in New Orleans, eigentlich nur die Mikaelsons, Marcel Gerard und ihre Helfer. Also interessierte mich dieser Mann. Allgemein fragte ich mich, wie es wohl war, ein Vampir zu sein. „Ich habe gehört, dass du von den Hexen verstoßen wurdest. Warum, wenn ich fragen darf?“ Nein, das durfte er als Gentlemen nicht, aber er tat es trotzdem und irgendwie machte ihn mir das ein wenig symphytischer. Er schien nicht unbedingt aus dem oberen Teil der Stadtgesellschaft zu kommen. „Meine Mutter ist bei meiner Geburt gestorben, deswegen wurde ich verstoßen.“ Überrascht zog er seine Augenbraue hoch. „Warum machen sie dir deswegen Vorwürfe?“ Das war eine sehr gute Frage, und mittlerweile hatte ich kein Problem mehr damit, sie zu beantworten. „Um mich zu retten hat meine Mutter ihre gesamte Magie geopfert. Dadurch habe ich eine Art Magie erhalten, die von den Hexen als böse angesehen wird. Deswegen wird die Magie von Mutterlosen auch gebannt.“ Mein Ton klang gleichmütig, als würde es mir nichts ausmachen. Es hatte lange gedauert, bis ich diesen Ton hinbekommen hatte, aber jetzt stellte ich zufrieden fest, dass er ihn mir abkaufte. „Und woher kommst du? Wie lange bist du schon Vampir?“ Er lächelte und begann mir aus der kleinen Stadt zu erzählen, in der er geboren worden war, vor knapp vierzig Jahren. Nicht das es mich wirklich interessiert hätte, aber es war schön, sich mit jemandem zu unterhalten und ein wenig zu flirten. Natürlich hielten wir Abstand und waren uns die ganze Zeit bewusst, dass wir in der Öffentlichkeit waren. Und ich fühlte mich nicht mehr ganz so hässlich, als wir wieder zurück zu den anderen kamen, auch wenn ich seinen Namen schon wieder vergessen hatte, als wir uns auf den Weg zurück nach Hause machten.


Niklaus POV
Ich saß in unserer Stadtvilla auf einem breiten Ledersofa und nippte an meinem Glas, als Elijah eintrat. Er blickte mich schon wieder verärgert an und ich machte mir gar nicht erst die Mühe zu überlegen, was ich dieses Mal falsch gemacht haben könnte. Er war eigentlich immer sauer auf mich. Aber anders als sonst machte er seinem Zorn über mich nicht sofort Luft, sondern ging zum großen Regal und goss sich ebenfalls einen Drink ein. In wenigen Zügen trank er ihn leer und blickte mich an. Ich kannte diese Stimmung nur zu gut, er war wirklich schlecht gelaunt. „Also Bruder, was habe ich dir schon wieder angetan? Wenn du es mir an den Kopf wirfst, dann geht es dir vielleicht schon wieder besser.“ Ich konnte nicht anders, ich musste lächeln. Mein Bruder war so empfindlich, in allen Lebensbereichen. Nie konnte er einfach mal Spaß haben. „Ich habe heute einen deiner Vampire mit Louise Claire gesehen.“ Ich hatte also doch recht gehabt, dieses Mädchen hatte ihn überrascht. Das hatte ich schon im ersten Augenblick bemerkt. „Reg dich nicht auf, Elijah. Ich wollte nur überprüfen, ob sie eine Gefahr ist. Sollte das nicht der Fall sein, kannst du sie gerne haben und ins Unglück stürzen.“ Wütend blickte mich Elijah ein, aber ich konnte nicht anders. Seine Angriffspunkte waren einfach zu offensichtlich. „Und warum sollte Sie Gefahr sein?“ „Das werden wir sehen, wenn Christian zurück ist.“ Wie auf Kommando hörte ich seine Schritte hinauf kommen und einen Augenblick später trat er in den kühlen Salon.
Als er mich und meinen Bruder sah blieb er für einen Moment stehen und ich konnte Angst in seinen Augen aufflackern sehen, dann riss er sich zusammen und schloss die Tür hinter sich. „Also, Christian, was hast du heraus gefunden. Hat das Claire-Mädchen vor uns alle umzubringen, wie Niklaus immer befürchtet?“ Elijahs Stimme war angesäuert. Nervös wanderte der Blick des Vampires zu mir. Ich blickte ihn nur auffordernd an und bedeutete ihm zu sprechen. „Louise Claire wurde von den Hexen verstoßen und ihre Kräfte wurden gebannt, sie ist eigentlich ein vollkommen normaler Mensch.“ Elijah blickte mich vorwurfsvoll an, als wollte er mich darauf hinweisen, dass er die ganze Zeit recht gehabt hatte. Ich ignorierte ihn allerdings, etwas das Christian gesagt hatte, gefiel mir nicht. „Warum wurde sie verstoßen, was hat sie getan?“ „Ihre Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben, sie meinte, die Hexen würden wegen irgendeinem alten Aberglauben glauben, dass ihre Macht gefährlich sei. Sie selbst glaubt das aber nicht.“ Siegessicher grinste ich. Eine Mutterlose, ich hatte also doch recht gehabt. Sie war eine Gefahr. Sie konnte allerdings auch eine Chance sein. „Was sagts du jetzt, Elijah. Eine Mutterlose, du wirst mir jetzt also zustimmen, dass sie im Auge behalten werden muss.“ Ich konnte sehen, dass Elijah immer noch nachdachte. Anscheinend hatte er nicht damit gerechnet. Dann wandte er sich wieder an Christian. „Ist dir noch irgendwas an ihr aufgefallen? Hat sie über ihre Familie geredet?“ Christian schien überrascht, für einen Moment schwieg er. Ich hasste es, mich auf solche Idioten verlassen zu müssen. „Jetzt red schon, oder ich reiß dir dein Herz raus.“, zischte ich ihn an, um ihn wieder zur Besinnung zu bringen. Erschrocken meinte er: „Sie hat nicht viel von ihrer Familie erzählt, aber sie hat einen Schlag abbekommen, im Gesicht. Das hat man auf den ersten Blick gesehen.“ „Gut, du kannst jetzt gehen.“, verabschiedete Elijah Christian und erleichtert verschwand er.
Ich kannte meinen Bruder schon so lange, dass ich merkte, wenn ihn etwas beschäftigte. So wie jetzt. „Was denkst du?“, fragte ich ihn und stand auf. „Als sie gestern Abend gesehen hat, das ihr Vater uns bemerkt hat, konnte ich Angst in ihren Augen sehen. Und er war wütend. Sehr wütend.“ „Natürlich war er wütend, ein gefährlicher Vampir hat sich mit seinem Töchterchen unterhalten.“ „Nein, das war es nicht, er wollte sie nicht beschützen“ „Dann glaubst du, dass ihr Vater sie schlägt?“ „Ich bin mir ziemlich sicher.“ Elijahs Stimme klang bitter, sie schien wirklich etwas in ihm bewegt zu haben. Mir gefiel das nicht. Er war schon wieder auf dem besten Weg, sich wieder zu verlieben. Und es endete immer schlecht, wenn er sich verliebte. Was vielleicht auch ein bisschen an mir lag. Denn immer, wenn ein Urvampir Gefühle zuließ, war das eine Gefahr für uns alle.
„Wir haben also eine Mutterlose, die nichts von ihren Kräften weiß und von ihrer Familie misshandelt wird. Ich bin mir sicher, dass wir ihr ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken sollten.“ „Da bin ich mir auch sicher. Wir werden sie aus dem Haus holen und sie irgendwo hinbringen, bis wir sicher sein können, dass sie keine Gefahr mehr ist.“ Ich sauste zur Tür, doch noch bevor ich sie erreichte stellte sich Elijah mir in den Weg. „Du wirst dieses arme Mädchen in Ruhe lassen, ich werde mich um sie kümmern.“ Normalerweise hätte ich mir das nicht bieten lassen, aber bei Mutterlosen war Vorsicht geboten. Und vielleicht war Elijah wirklich besser für diese Aufgabe, er hatte sich definitiv mehr im Griff und würde das Mädchen weniger verärgern. Ich trat zurück und er verschwand.

Wie gefällt euch die Geschichte bis hierher? Was haltet ihr von Louise? Über Rückmeldungen aber auch Anregungen für den weiteren Verlauf der Geschichte würde ich mich sich sehr freuen
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