True Beauty

von Alex1912
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P16
Elijah Mikaelson Niklaus Mikaelson OC (Own Character)
30.05.2018
12.07.2018
22
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„Die Verlobungsfeier“


New Orleans 1909

„Wie findest du es?“, fragte Lilian und trat aus ihrem Ankleidezimmer. Sie trug ein hübsches cremefarbenes Kleid mit einem schwarzen Band um die Taille und einem schwarzen Hut. Ihre langen blonden Haare waren sorgfältig unter dem Hut festgesteckt. Meine ältere Schwester war einfach wunderschön, egal was sie trug, aber in den letzten Wochen strahlte sie immer, was sie noch viel schöner machte. Ich starrte sie einfach nur an und fragte mich, warum sie so viel Glück hatte. „Louise, jetzt sag schon, was hältst du davon?“ Ihre Stimme wurde eine Spur ungeduldiger und ich zuckte zusammen. „Du siehst wunderbar aus.“ Meine Stimme war tonlos und belegt, aber das merkte sie gar nicht. „Glaubst du, es wird Thomas gefallen?“ „Es ist eure Verlobungsfeier. Ich glaube, über das „gefallen“ seid ihr längst hinaus.“ Damit lag ich nicht ganz richtig. Auch wenn die Hochzeit von Lilian, meiner Schwester, und Thomas Tanner, dem Anführer des Halbmondrudels, immer näher kam kannten sie sich kaum. Alles war von unserem Vater arrangiert worden, der sich davon Frieden für die Stadt erhoffte. Und Lilian war immer noch aufgeregt, dass ihr Verlobter sie nicht mochte oder nicht hübsch genug fand.  Arme Lilian, immer wollte sie allen gefallen.
„Hör auf mit den blöden Witzen!“, fuhr sie mich an, und sofort tat sie mir weniger Leid. „Hast du schon dein Kleid ausgesucht? Schließlich hat Vater dir erlaubt zu gehen.“ Wie auf Kommando begann mein Herz zu flattern. Normalerweise war es mir nicht gestattet, an Zeremonien der Hexen und den dazugehörigen öffentlichen Anlässen teilzunehmen. Ich war eine Mutterlose, das hieß, meine Mutter hatte bei der Geburt ihr Leben geopfert, damit ich leben konnte. Solche Mutterlosen waren bei den Hexen nicht hoch angesehen. Unsere Kräfte wurden gebannt, weil sie vom Tod kämen und gefährlich sein und wir wurden nicht wie Hexen, sondern wie normale Menschen behandelt. Aber da es sich um die Verlobungsfeier meiner älteren Schwester handelte hatte mein Vater, Vorsitzender aller Hexer von New Orleans, eine Ausnahme gemacht. Seit Wochen freute ich mich darauf, endlich mal wieder auf einen feierlichen Anlass gehen zu dürfen.
„Natürlich habe ich ein Kleid ausgesucht. Aber um mich geht es heute schließlich nicht!“ „Trotzdem solltest du dich jetzt umziehen, wir wollen bald los. Wenn du nicht rechtzeitig fertig bist überlegt Vater es sich vielleicht anders.“ Da ich das nicht riskieren wollte nahm ich mir den Rat meiner Schwester zu Herzen und ging auf mein Zimmer, um mich umzuziehen. Das Kleid hatte ich extra aus Paris kommen lassen. Da in meinem Leben sonst nicht so viel los war, hatte ich eine Schwäche für Mode, weshalb ich lange gebraucht hatte, um ein passendes Kleid zu finden. Es war aus leichtem dunkelgrünen Stoff und am Oberteil waren hunderte weiße Perlen befestigt. Der Rock fiel weich und weit an mir herunter und endete kurz über meinen Knöcheln. Aber das, was ich an diesem Kleid am meisten mochte, war, dass es keine Träger hatte und meine Schultern vollkommen freiließ. Die neuste Mode in Paris. Ich zog es zusammen mit einem Paar hoher weißer Schuhe an, die meine Beine ein wenig länger machen sollten, und stellte mich vor den Spiegel. Unwillkürlich musste ich an meine Schwester denken. Vater meinte immer, sie hätte die Schönheit unserer Mutter geerbt, ihre langen blonden Haare, ihr weiches rundes Gesicht und ihre blauen Augen. Ich hingegen kam nach niemandem in unserer Familie, nicht mal nach meinem Vater. Ich hatte lange, dunkelrote Locken, eine blasse Haut, ein schmales Gesicht und stechende grüne Augen. Neben meiner Schwester kam ich mir immer hässlich vor. Sie war wunderschön und ich wäre höchstens Durchschnitt gewesen. Wenn da nicht noch meine Male gewesen wären. Die Male, die die Hexen den Mutterlosen gaben, um sie zu brandmarken. Das Mal ging von einem Pentagramm im Nacken aus und zog sich dann mit feinen schwarzen Linien wie eine Blumenkette um meinen Hals. Gleichzeitig führte es auf meine Schultern. Dort malte es verschiedene Blumen. Ich hasste die Male mehr als alles andere an meinem Körper. Jeden Tag erinnerten sie mich daran, was ich getan hatte. Also versteckte ich sie. Mit einer körnigen Paste in der Farbe meiner Haut versteckte ich das gröbste, dann band ich mir ein breites Samt-Band um den Hals, der die Blumenkette verdeckte. Schließlich legte ich mir ein dünnes weißes Tuch um, um auch die Male am Rücken zu verdecken. Meine roten Locken, die lang über meine Schultern fielen, taten den Rest. Unten war schon die leicht verärgerte Stimme meines Vaters zu hören, sie wollten los. Ich warf einen letzten hasserfüllten Blick in den Spiegel, dann eilte ich hinunter.
Wir fuhren mit der Kutsche zu unserem kleinen Stadthaus, in dem die Verlobungsfeier stattfinden sollte. Mein Vater hatte von der Haushälterin alles organisieren lassen, und so war die geräumige Eingangshalle schon mit ein paar Gästen gefüllt.  Direkt im hinteren Teil der Eingangshalle standen die Türen zum Innenhof weit offen. Die Musik einer Band vermischte sich mit dem Gewirr verschiedener Stimmen, dem koketten Lachen von Frauen und dem Klirren von Gläsern. Es dauerte nur eine Sekunde, dann trat Thomas zu uns. Er war sichtlich nervös, auf seiner Stirn waren ein paar Schweißperlen zu sehen. Er trug einen schwarzen Smoking und wirkte irgendwie nicht sehr glücklich. „Es freut mich, sie zu sehen, Miss Lilian.“ Lilian setzte ihr breitestes Lächeln auf und reichte ihm ihre Hand. „Ich freue mich auch, euch zu sehen, Thomas. Wollen wir die Gäste begrüßen.“ Sie packte ihn und führte in mit hochgerecktem Kinn durch den Raum, ihr Verlobter folgte ihr wie ein Hund. Ich konnte nicht anders, ich musste lächeln. Er würde es nicht leicht haben. Die Halbmondwölfe waren einfache Menschen, sie lebten größtenteils in den Vorstädten nahe des Bayou. Normalerweise wäre Vater nie auf die Idee gekommen, Lilian mit einem solchen Mann zu verheiraten, aber diese Hochzeit war mit einem Friedensvertrag verbunden. Es war die Hoffnung der Stadt auf Glück.
Mein Vater drehte sich zu mir und musterte mich von oben und unten. Ich konnte sehen, dass er sich über das Kleid ärgerte, es war ihm zu freizügig, aber er sagte nichts. Stattdessen meinte er schließlich mit fester Stimme: „Versuch mir keine Schande zu machen, Kind, rede nicht viel und höre zu.“ Dann drehte er sich um und ging davon. Wenn ich vorher nicht nervös gewesen war, dann jetzt. Ich blickte mich um und suchte nach irgendjemandem den ich kannte. Die ganzen Gäste teilten sich in zwei Gruppen, Hexer und Werwölfe. Ich wusste so gut wie jeder andere in diesem Raum, dass es mehr als eine Hochzeit brauchen würde, um in dieser Stadt Frieden zu stiften. Sie waren nur einverstanden gewesen, weil die Gefahr der Vampire immer größer wurde. Sie waren dazu gezwungen sich zu verbünden. Ich erkannte niemanden, was mich nicht wunderte. Meine einzigen Freunde waren Menschen, und die würden zu einer solchen Veranstaltung nicht eingeladen werden. Also ging ich alleine durch die kühle Halle und trat in den Innenhof. Einige Tische waren aufgestellt worden an denen Leute saßen, weiter hinten stand eine lange Theke mit hunderten Gläsern. Zielstrebig steuerte ich auf die Theke zu und ignorierte die feindseligen Blicke, die mir von der Seite der Hexer folgte. Mich wunderte das nicht. Auch wenn meine Male versteckt waren wusste jeder von ihnen, dass ich eine Mutterlose war. Ich griff nach einem Glas und trank einen kleinen Schluck. Erleichtert stellte ich fest, dass es Champagner war, meinem verklemmten Vater hätte ich auch zugetraut, dass er keinen Alkohol ausschenkte.
Niemand kam und redete mit mir, was mich nicht wunderte. Ich war eine Ausgestoßene. Mich hätte es auch nicht gewundert, wenn sie den Werwölfen schon erzählt hatten, dass sie mich meiden sollten. Ich versuchte mir nicht anmerken zu lassen, wie einsam ich mich fühlte. Eigentlich sollte ich das Ganze genießen, es war schon ewig her gewesen, dass ich an einem öffentlichen Ereignis teilgenommen hatte. Also versuchte ich mich auf die Musik zu konzentrieren und wippte im Takt. Lilian und Thomas begannen zu tanzen, und bald folgten auch einige anderen. Mir entging nicht, dass sich die Werwölfe beim Tanzen um einiges ungeschickter anstellten als die Hexer, worüber ich lächeln musste. Niemand forderte mich zum Tanzen auf, nicht, dass ich damit gerechnet hätte. Aber ich konnte spüren wie meine Laune immer weiter sank. Warum war ich überhaupt her gekommen, warum tat ich mir diese Demütigung an? In meinem normalen Leben, unter Menschen, gelang es mir oft zu vergessen, was ich war. Aber hier? Mittlerweile stand ich oben auf einem der Balkone nach innen hin und beobachtete das Schauspiel. Die Sonne ging langsam unter und warf lange Schatten auf den Innenhof, die Bediensteten machten Licht. Gerade als ein sehr langsames Stücke endete und Thomas, deutlich geschwitzt, Liliane los ließ, geschah es.
Die großen Flügeltüren von der Eingangshalle zum Innenhof, die geschlossen waren worden, flogen auf und eine Gruppe gutaussehender Leute trat ein. Es waren drei Männer und eine Frau, die umso mehr hervor stach. Sie hatte lange blonde Haare, ein weiches Gesicht und eine helle Haut. Ihr Kleid war viel zu tief ausgeschnitten und sie stand mit einer Selbstverständlichkeit zwischen den Männern, die ich bewunderte. Einer der Männer überragte alle anderen hier im Raum, selbst die Werwölfe, er hatte braun-blonde Haare, eisblaue Augen und ein schmales, kaltes Gesicht. Der zweite Mann hatte braune Haare, auch seine Augen waren braun und warm, sein ganzes Gesicht war irgendwie wärmer als das der anderen beiden. Auch wenn ich nur am Rande zur Welt des Übernatürlichen gehörte, wusste ich, wer diese Leute waren. Die Urfamilie. Klaus und Elijah Mikaelson, die beiden Männer lebten schon seit Ewigkeiten hier in New Orleans, fast hundert Jahre. Vor zwei Jahren war auch ihre Schwester Rebekah dazu kommen. Und trotzdem waren sie keinen einzigen Tag gealtert. Denn sie waren Vampire, mehr als das, sie waren die Urvampire. Von ihnen stammten alle anderen Vampire ab. Begleitet wurden sie wie immer von ihrem Schützling, Marcel Gerard. Er hatte eine braune Haut uns seine Haare waren kurz geschnitten. Seine wachsamen Augen wanderten schnell durch den Raum und schienen alles zu erfassen, selbst mich oben auf dem Balkon
Für einen Moment herrschte eine angespannte Stille, jeder wusste, dass die Vampire nicht eingeladen waren. Auch ich richtete mich auf und spannte mich an, rechnete mit einem Kampf. Die Urvampire waren brutal, blutrünstig und gefährlich, das wusste jeder. Was machten sie hier? Schließlich trat mein Vater auf sie zu. „Was wollten sie hier?“, fragte er mit einer festen klaren Stimme. Elijah Mikaelson trat vor. „Wir wollten nur dem Paar unsere Glückwünsche aussprechen.“ Seine Stimme war ruhig und freundlich, ich konnte nichts daran finden was mich störte. Auch mein Vater war zwiegespalten, das konnte ich spüren. Schließlich handelte es sich hier um eine Friedensveranstaltung. Für einen Moment standen sich die beiden gegenüber, dann streckte mein Vater seine Hand aus. „Ihr seid herzlich eingeladen.“ Elijah nickte und griff nach der Hand meines Vaters. Damit war die Anspannung nicht verschwunden, aber sie wurde deutlich abgeschwächt. Die Musik spielte wieder auf und die Leute begannen zu tanzen. Ich blieb oben auf dem Balkon stehen und folgte den Urvampiren durch die Menge. Marcel Gerard schien irgendwie ein wenig verloren, er war der einzige Schwarze hier und stand ein wenig abseits. Rebekah Mikaelson stand bei den Getränken und unterhielt sich kokett mit einem Werwolf. Ich bewunderte sie für ihr Selbstvertrauen, es überstrahlte alle anderen. Niklaus Mikaelson flirtete mit ein paar Hexen, ich musste zugeben, dass er ziemlich gut aussah. Seine Augen strahlten und er hatte ein unglaubliches Charisma. Ich konnte meinen Blick nicht von ihm wenden.
„Gehören Sie zur Braut oder zum Bräutigam?“ Ich fuhr herum und mein Herz blieb für einen Moment stehen. In der Tür zum Balkon stand Elijah Mikaelson. Er lächelte leicht, fast ein wenig amüsiert über meine Reaktion und musterte mich von oben bis unten, wobei sein Blick auf meinem tiefen Dekolletee hängen blieb. Als ich nichts sagte, sondern ihn weiter wie ein verschrecktes Kaninchen anstarrte fragte er: „Was ist? Haben sie Ihnen die Zunge abgeschnitten?“ Dieser spöttische Unterton, als würde er mit einem Kind reden, brachte mich endlich dazu, den Mund aufzureißen. „Ich bin Louise Claire, die Schwester der Braut. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie nicht hier oben sein sollte.“ Elijah lachte leise und trat dann nach vorne, neben mich an das Geländer. „Ich bin mir sicher, euer Vater verzeiht mir das. Bei einer so schönen Frau war die Versuchung einfach zu groß.“ Damit hatte er genau meinen Schwachpunkt gefunden, sofort wurde ich rot. Beschämt drehte ich mich weg und richtete meinen Blick fest auf irgendetwas im Innenhof. Ich würde ihn so lange ignorieren bis er ging. Gleichzeitig hielt ich Ausschau nach meinem Vater.
Nicht das ihr mich falsch versteht, natürlich hatte ich bereits Kontakt mit Männern gehabt. Ich war, ganz anders als meine ältere Schwester, nicht einmal mehr Jungfrau. Und wenn mein Vater das heraus fand, dann wartete auf mich ein unbeschriftetes Grab hinten in unserem Garten, aber bisher war ich einem Mann in der Öffentlichkeit noch nie so nahe gewesen. Elijah stand so dicht bei mir, dass sich unsere Arme fast berührten. Ich war mir sicher, dass mein Vater das nicht gerne sehen würde.
Aber Elijah Mikaelson ging nicht. Er blieb neben mir stehen und blickte ebenfalls hinunter. Ich weiß nicht, wie lange wir hier so standen und uns anschwiegen, jedenfalls fühlte es sich wie eine Ewigkeit an. Dann auf einmal spürte ich seine Hand an meinem Gesicht und sanft aber bestimmt drehte er mich zu ihm. Ich blickte in seine warmen braunen Augen und ich das leichte Lächeln und sofort begann ich zu zittern. Obwohl es eine laue Sommernacht war, war mir sofort eiskalt. „Haben Sie etwa Angst vor mir?“, fragte Elijah, dieses Mal besorgt. Natürlich hatte ich Angst vor ihm, schließlich war er ein Urvampir, aber nicht so viel, wie ich eigentlich haben sollte. Ich zitterte wegen der plötzlichen Nähe und dem Gefühl seiner Haut auf meiner. Überall am Körper war mir kalt, außer an der Stelle, wo er meine Wange berührte. Dort fühlte es sich unglaublich heiß an. Und ich war mir sicher, dass es sich so nicht anfühlen sollte. Trotzdem brauchte ich einen Moment um mich zu fassen, dann schluckte ich. Ich hielt seinem warmen, weichen Blick stand und schob seine Hand zögerlich von mir. „Ich bin mir sicher Sie sollten jetzt gehen. Sofort.“ Meine Stimme zitterte und so klang das Ganze nur wenig überzeugend. Elijah lächelte wieder amüsiert. „Bevor wir getanzt haben? Das glaube ich nicht.“ Hilflos drehte ich mich wieder zu Innenhof und versuchte, etwas Überzeugenderes zu finden, da viel mein Blick auf meinen Vater, der sich gerade einen Weg zu Treppe hier hoch bahnte. Ich konnte in seinem Gesicht erkennen, dass mich gleich nichts Schönes erwartete. Wenn er nicht gehen wollte musste ich gehen. Elijah schien meinem Blick gefolgt zu sein und blickte mich fragend an, als ich mich wieder zu ihm drehte. „Sie verstehen nicht. Ich muss jetzt wirklich gehen.“, brachte ich heraus, dann drehte ich mich um und lief in die entgegengesetzte Richtung davon, bloß weg von meinem Vater.
In solch einer Hektik lief ich davon, das mir der interessierte Blick des zweiten Mikaelson völlig entging, der mein Gespräch mit seinem Bruder die ganze Zeit gespannte beobachtet hatte und nun sich seinen Weg zur zukünftigen Braut bahnte.
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