Einkauf mit Franki

KurzgeschichteAllgemein / P6
30.05.2018
30.05.2018
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Vorgabe:

1. "Wegen dir ist die blöde Schlagsahne schon wieder alle."
2. "Wenn der Mistkerl mich noch einmal doof anguckt, dann explodiere ich."

Einkauf mit Franki



Ich öffnete die Kühlschranktür und inspizierte den Vorrat an Lebensmitteln, der sich vor mir auftat.
Es war schon kurz nach 13 Uhr und in zwei Stunden musste ein Stapel frisch zubereiteter Waffeln bereit stehen – schließlich sollten meine Eltern nicht denken, dass ich nicht wusste, wie man sich um Gäste kümmerte. Außerdem würden sie mir weniger nervige Fragen über mein Leben nach dem Auszug stellen, wenn sie den Mund voll hatten.
Eier und Milch waren da, das war gut. Ich stellte beides auf den Küchentisch und registrierte aus dem Augenwinkel, wie Franki die Küche betrat. Wo war denn nur - … Ich schob die Butter und einige Joghurtbecher beiseite, doch entgegen meiner Hoffnungen fand ich nicht, was ich gesucht hatte. Hatte ich vor ein paar Tagen nicht extra noch -? Schließlich fiel mir wieder ein, was am Abend zuvor passiert war.

Wütend wandte ich mich an Franki. „Wegen dir ist blöde Schlagsahne schon wieder alle!“
Er reagierte nicht und ich war mir nicht sicher, ob er mir überhaupt zugehört hatte.
Aber so war Franki eben. Mit seinen Gedanken mal wieder ganz woanders. Vielleicht hatte er auch einfach Hunger.

Es half nichts. Ich wollte meinen Eltern die Schlagsahne nicht vorenthalten. Und so weit weg war der nächste Supermarkt gar nicht, mit dem Auto nur fünf Minuten.
Einer spontanen Eingebung folgend, schnappte ich mir Franki – schließlich war es quasi seine Schuld, dass die Schlagsahne leer war – und machte mich mit ihm auf dem Weg zum Auto, ungeachtet seiner Proteste. Er war nicht der Einzige, der sich nicht ganz wohl zu fühlen schien, wenn ich am Steuer saß.

Die Fahrt war kurz, aber anstrengend – Franki hatte sich permanent darüber beschwert, dass ich ihn gezwungen hatte, mitzukommen – doch schließlich hatten wir es geschafft. Wir waren da.
Ich parkte den Wagen in der Nähe des Eingangs und betrat mit Franki den Laden.

Als erstes bahnten wir uns unseren Weg durch die Obst- und Gemüseabteilung. Franki grabschte sofort nach einer Möhre, doch nach einem strengen Blick von mir ließ er sie schließlich in Ruhe. Die Leute sahen bereits neugierig zu uns herüber.
Ich seufzte. Franki benahm sich manchmal wirklich wie ein Kleinkind.

Als wir an dem Regal mit Wurst und Käse vorbeigingen, wurde er sichtlich nervös. Ich blieb stehen.
„Du hast ja Recht“, gab ich schließlich nach. „Wir könnten mal wieder etwas gebrauchen.“
Ich legte ein paar Packungen in den Einkaufswagen. Dabei fing ich den Blick eines jungen Manns auf, der mich angrinste. Ich ignorierte ihn jedoch. Gerade war mir eingefallen, dass wir keine Kartoffeln mehr hatten.

Franki wurde zwar bereits ungeduldig und machte Anstalten, in den Einkaufswagen zu klettern (wovon ich ihn zum Glück abhalten konnte, das hätte nur Chaos gegeben). Doch schließlich schaffte ich es, einen Sack Kartoffeln zu ergattern. Jetzt fehlte nur noch die Sahne.

Zusammen mit Franki und dem Einkaufswagen machte ich mich also auf zum Kühlregal. Milch gab es hier reichlich und auch den Joghurt sah ich sofort. Von Schlagsahne jedoch keine Spur.
Ungeduldig schritt ich an dem Regal hin und her und sah mir dessen Inhalt genau an. Franki schien die Schnauze nun endgültig voll zu haben und äußerte lautstark seinen Missmut. Die Leute in unserer Nähe drehten sich zu uns um, manche lachten. Ärgerlich zischte ich Franki ein „sei leise!“ zu.

Zum Glück stachen mir in diesem Moment die Becher mit der Aufschrift „Schlagsahne“ ins Auge. Ich schnappte mir zwei und sah zu, dass ich schleunigst zur Kasse kam. Die Blicke der Leute begleiteten mich und Franki, als ich den Einkaufswagen durch die Gänge schob.

„Wenn der Mistkerl mich noch einmal doof anguckt, dann explodiere ich“, murmelte ich Franki zu und warf einen wütenden Blick über die Schulter.

An der Kasse wurde es erst richtig kompliziert. Franki zog inzwischen eine recht beachtliche Show ab und zog alle Aufmerksamkeit auf sich, während ich versuchte die Sachen auf das Bund zu legen, ohne dass er sich vorzeitig aus dem Staub machte. Beim nächsten Mal sollte ich das Einkaufen wohl doch lieber alleine erledigen, dachte ich für mich.

Die Kassiererin sah mich etwas missbilligend an als ich endlich bezahlte, sagte aber nichts. Erleichtert packte ich meine Einkäufe in den Rucksack und verließ mit Franki den Laden.

Seine schlechte Laune hielt den ganzen Rückweg zu unserer Wohnung an und auch ich war nicht allzu gesprächig während der Fahrt.

Dann waren wir endlich da. Ich schloss die Tür auf und Franki rannte sofort los, plötzlich wieder bestens gelaunt.

Ich sah auf meine Uhr. Viertel vor zwei. Blieb also noch genug Zeit, um die Waffeln vorzubereiten und den Tisch zu decken. Aber trotz allem hatte Franki sich nun eine Belohnung verdient.

Ich nahm einen der Schlagsahnebecher und öffnete ihn, dann goss ich etwas von der Sahne auf eine Untertasse, sorgfältig darauf bedacht, dass nichts überlief, und stellte sie auf den Boden.

„Franki, komm her!“, rief ich und beobachtete mit einem Anflug von Zärtlichkeit, wie der Kater sofort herbeieilte, schnurrend um meine Beine strich und sich dann genüsslich über die Sahne hermachte.
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