Twist of Fate

von nyma
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 Slash
30.05.2018
18.12.2018
54
169004
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Ausbleibendes Feedback ist nicht nur hier bei mir ein großes Thema, sondern bei den meisten "Autorenkollegen" ein kleines Steinchen im Schuh, das drückt und scheuert.
Operator "Gwenny" ruft in ihrem Blogbeitrag ( https://op.fanfiktion.de/index.php/5294/projekt-1reviewprotag/ ) zu der Aktion #1reviewproTag auf. Vielleicht habt ihr Lust bekommen dem zu folgen. Dann würde ich mich freuen von Euch zu lesen. Wenn Euch die Zeit oder die Worte fehlen, dann würde ich mich über ein kleines Zeichen in Form eines Favoriten-Klicks oder einer Empfehlung freuen.

Und während der Autor immer ganz klar zu erkennen ist, sind es aber die Helfer im Hintergrund nicht. Eine umfangreiche Geschichte wie "Twist of fate" schüttelt man nicht einmal so aus dem Ärmel. ;-) Man zerbricht sich den Kopf, recherchiert und bastelt aus einzelnen Teilen ein Gesamtbild. Und im Fall von ToF hatte ich das ganz große Glück all die Arbeit nicht allein machen zu müssen. Melles hat mich vom ersten Schritt an begleitet, meine Motivation gehütet, Plotbunnys eingefangen und gefüttert, bis sie groß waren wie Elefanten, und das Gesamtbild da ausgebessert, wo ich geschludert habe! Eine kleine Ecke des Bildes fehlt noch - sprich: das Ende der Geschichte muss noch erzählt werden - und ich freue mich auf die vor uns liegenden Wochen, in denen wir gemeinsam versuchen werden, diesen kleinen Geschichtenschatz zu vollenden. Danke, Melanie!! <3 Noch nie hat das Schreiben soviel Spaß gemacht! :-D



Twist of Fate ~ Banner


Langsam steuerten die beiden Biker ihre Motorräder über den schmalen, teils bewachsenen Waldweg. Als die zierliche Fahrerin ihre Geländemaschine noch einmal beschleunigte, rollte ihr Begleiter mit den Augen, ohne jedoch sein Tempo ebenfalls zu steigern. Er lenkte sein Bike lediglich so gut es ging aus der Staubwolke, die sie hinterließ.
Er erreichte das Ziel ihrer Fahrt kurz nach ihr. Sie stieg mit einem breiten Grinsen von dem Motorrad, das sie beide gemeinsam für sie, mehr oder weniger, aus Einzelteilen zusammengebaut hatten und das nun ihr ganzer Stolz war.
"Gut gemacht, Enid! Nun musste die beiden Ferkel erst mal abstauben, bevor wir sie übers Feuer hängen können", brummte Daryl in seinem tiefen Bariton, während er seine Maschine neben ihrer abstellte.
"Pfff! Du machst die Biester küchenfertig! Ich werde das Holz fürs Feuer sammeln und schauen ob die Gegend sauber ist", widersprach sie energisch, während sie den properen, wenn auch mausetoten Ferkeln, die sie hinter sich auf den Sitz des Motorrades gebunden hatte, den Hintern tätschelte. Es kam nicht oft vor, dass sie noch auf reine Hausschweine trafen. Zumeist hatten sie sich längst mit Wildschweinen verpaart. Nur in einem Waldstück, ganz im Norden ihres Jagdreviers lebte eine ganze Rotte Hausschweine - und das seit Jahren. Immer wieder fingen sie einzelne Tiere lebend, um sie nach Alexandria, Hilltop oder in Ezekiels Königreich mitzunehmen. Doch den Großteil der Rotte beließen sie freilebend. Die Tiere hatten ihr angestammtes Revier nie verlassen und sollte ein Winter besonders streng sein, sorgte Daryl dort draußen für ausreichend Nahrung.
"Gut, aber guck auch im Plumpsklo und im Teich nach Beißern! Als wir das letzte Mal hier waren hat Rick beinahe ein Ei verloren, als wir ..."
Enid hielt sich die Ohren zu und fing laut an zu singen.
Daryl rollte mit den Augen. "Mädchen!", polterte er mürrisch und machte sich daran, ihr Gepäck in die Holzhütte zu schaffen.
"Ich will nichts von diesen Dingen hören! Das ist widerlich. Ihr seid alt und macht in meiner Vorstellung nichts, bei dem Beißer in die Nähe Eurer du-weißt-schon-was kommen könnten!"
"Alt! Jetzt gehts ja wohl los, Mädel!", bellte er in ihre Richtung, was sie mit einem Lachen quittierte.
Bevor er die Waldhütte betrat, pochte er lautstark an den Türpfosten und lauschte aufmerksam ins Innere. Es konnte durchaus passieren, dass jemand sich hierher verirrte und Beißer einließ, oder starb und sich verwandelte. Doch es schien niemand hier zu sein. Weder tot noch lebendig oder beides.
Am nördlichsten Rand des Gebietes, das sie noch immer systematisch nach Bedarfsgütern aller Art absuchten, hatten sie diesen kleinen Außenposten eingerichtet. Von Behausungen dieser Art hatten sie mittlerweile eine Vielzahl erschaffen, sodass die Scouts, wenn nötig auf ihren Touren, immer einen, mit Nahrung und Erste Hilfe Set ausgestatteten, Unterschlupf erreichen konnten.
Stickige Hitze schlug ihm entgegen, sodass Daryl sich zunächst daran machte, Türen und Fenster weit aufzureißen. Der Sommer hatte seinen Höhepunkt erreicht und die Sonne brannte, nach einer längeren Regenzeit, nun sengend auf sie hinab. Im Gegensatz zu den anderen beiden Rekrutierer-Teams, die sie hier treffen wollten, bildete die Waldhütte für Enid und Daryl den Ausgangspunkt für ihre anstehende Tour. Mit reichlich Proviant und frischer Ausrüstung für die anderen Scouts, waren sie direkt aus Alexandria hierher gekommen. Jesus und Eduardo, aus dem Hilltop-Camp, kamen direkt von einer Versorgungstour aus Oceanside hierher. Während Aaron und Tara unterwegs gewesen waren, um ihre Dieselvorräte aufzustocken und zu plündern. Alles Erbeutete würde für eine Weile in einer nahegelegenen und nur schwer zugänglichen Höhle gelagert werden, bis sie auf dem Rückweg nach Alexandria wieder hierherkommen würden. In den kommenden Tagen wollten sie sich gemeinsam vorwagen bis nach Washington DC. Sie hatten keinen Schimmer, was sie in der Stadt erwarten würde, doch ihre Phantasie kannte kaum Grenzen.
Daryl stellte ihre Rucksäcke auf die grob zusammengezimmerten Möbel und holte zwei große Flaschen mit abgekochtem Wasser sowie drei Flaschen voll mit selbst gebrautem Bier heraus. Die anderen beiden Teams würden müde und hungrig sein, wenn sie hier ankamen und so hatten Enid und Daryl beschlossen ihnen was Gutes zu tun, bevor es nahtlos weiterging.
Im Rausgehen zündete sich der Armbrustschütze eine Zigarette an und holte zwei Blecheimer unter der Veranda hervor. Sich aufmerksam umsehend ging er in Richtung der rückwärtigen Seite der kleinen Jagdhütte und folgte einem Pfad zwischen einigen Felsen hindurch, der direkt zu einem tiefen Brunnenschacht führte. Es war ein kleiner Kraftaufwand, den Schacht freizulegen. Doch sie wollten das kostbare Wasser um keinen Preis von Beißermist verunreinigen lassen und hatten es gewissenhaft abgedeckt. Er ließ einen kleinen Kiesel hineinfallen und hörte zufrieden das satte Platschen, als dieser im Wasser landete.
Als Daryl die Eimer gefüllt hatte, schöpfte er mit hohlen Händen Wasser heraus und wusch sich damit das staubige Gesicht und die Hände. Dann kehrte er zurück zur Hütte und stellte die Getränkeflaschen in einen der Eimer mit dem kalten Brunnenwasser, bevor er damit begann, die Ferkel auszunehmen und zu waschen. Er hatte sich dafür einen extra Tisch bauen müssen, da insbesondere Carol sich daran störte, ständig an blutfleckigen Tischen essen zu müssen.
Aus dem Augenwinkel beobachtete er Enid, die mit einem Arm voll Brennholz zurückkam.
"Und? Hast du Beißerspuren oder irgendwas Anderes bemerkt?"
Sie nickte. "Zwei Streuner, ein Stück in die Richtung. Ich denke, der Teich ist sauber. Aber ich warte mit dem Baden, bis du drinnen gewesen bist!" Enid lachte ihm frech entgegen.
"Ich gehe nicht ins Wasser!", brummte Daryl und zog einen Plastikeimer mit Deckel unter dem Tisch hervor. Mit einem satten Platschen landeten die Gedärme des ersten Ferkels in dem Eimer, dicht gefolgt von denen des Zweiten. Herz, Nieren, Leber und Magen legte er in eine Schüssel, während er sich daran machte, die Ferkel gründlich zu waschen. Er schaute auf und nickte in Richtung der Feuerstelle. "Wir müssen sie erst tiefer ausheben und noch ein paar weitere Steine drumrum schichten. Die letzten Male war es nicht so trocken. Ich habe keinen Bock mit der Bude hier in Flammen aufzugehen."
Enid nickte, bevor sie zu dem kleinen Weiher hinüber ging, an dessen Rändern einige größere Kiesel lagen. Zunächst wusch sie sich gründlich die Hände, an denen noch immer Beißerdreck hing, in dem erstaunlich kühlen Wasser, bevor sie zwei der faustgroßen Kiesel aufhob.
Gerade, als Daryl im Haus verschwinden wollte, um eine kleine Dose mit getrockneten Kräutern aus seinem Rucksack zu holen, hörte er Enids überraschten Aufschrei. "Scheiße!", fluchte er ungehalten und sprang behände die zwei Stufen der Veranda hinunter.
Anscheinend hatte ein Beißer im Schilf des Weihers oder an dessen Grund gelegen. Enid lag rücklings am Boden, während der Untote nach ihr griff. Mit den Beinen tretend versuchte die junge Frau den Beißer in Schach zu halten, während sie ihr Messer aus dem Holster zu ziehen versuchte.
Doch bevor ihr das gelang, war Daryl an ihrer Seite und stieß dem widerlich stinkenden Streuner die Klinge seines Messers in den Kopf. Der Untote fiel flach zu Boden und bedeckte Enid halb unter sich. Rasch griff der Armbrustschütze ihr unter die Arme und zog sie unter dem Beißer hervor.
Er zog sie von dem Weiher fort, bugsierte sie zur Veranda und drückte sie auf die Stufen. Rasch sah er nach, ob er Biss - und Kratzspuren an ihrem Körper entdecken konnte, dann suchte er ihren Blick. "Bist du okay?"
Sie verzog das Gesicht und hielt die linke Hand an ihre Brust gepresst. "Geht bestimmt gleich wieder", murmelte sie.
Daryl griff behutsam nach ihrer Hand. "Zeig her!", forderte er sie auf.
Wortlos legte sie ihre Hand in seine und er betrachtete ihre Finger mit gerunzelter Stirn. "Hmm", grollte er leise. "Kannste die Finger bewegen?"
Sie biss sich auf die Unterlippe und wagte einen zaghaften Versuch.
Erneut gab er einen mürrischen Laut von sich, bevor er sehr vorsichtig ihre Finger befühlte. "Könnte gebrochen sein, aber die Finger sind grade und du hast keine Wunde. Ich tape sie dir und dann hängst du die Hand zu dem Bier in den Eimer mit dem Brunnenwasser. Was Kälteres haben wir nicht."
Als Enid versorgt war, machte Daryl sich daran, den Beißer tiefer in den Wald zu zerren. Eine widerliche Prozedur, bei der die vom Wasser aufgequollene Kreatur schier auseinanderriss und sich in Fetzen auf dem Waldboden verteilte.
Als er zurückkam, stand Enid bereits wieder mit dem Spaten bewaffnet in ihrer Feuerstelle und versuchte unbeholfen etwas von dem knüppelharten Boden zu lockern. Doch sie brachte den Spaten keine zwei Zentimeter tief in die Erde.
"Solltest du nicht deine Finger in den Eimer hängen?", brummte Daryl und nahm ihr den Spaten ab.
Sie verzog angewidert das Gesicht. "Ich glaube nicht, dass hier noch irgendjemand im Weiher baden will, aber du musst dich und deine Klamotten waschen. So kannst du nicht losziehen - und schon zwei Mal nicht mit unseren Nahrungsmitteln herumhantieren."
Daryl zog die Augenbrauen hoch, während er mühsam versuchte den harten Boden zu lockern. Er warf ihr einen raschen Blick zu. "Der Typ hat auf dir gelegen! Meinst du wirklich, dass du duftest wie ein Röschen?" Er rollte mit den Augen. "Wenn ich die Feuerstelle fertig habe, hole ich noch Wasser aus dem Brunnen. Damit können wir uns und die Klamotten waschen."
"Weißt du wie kalt das ist?"
Daryl deutete wortlos auf die Feuerstelle. "Man kann Blecheimer ins Feuerstellen! Oder in die Sonne", fügte er hinzu und wischte sich mit seinem Bandana den Schweiß vom Gesicht.
"Hast du die Box mit dem Gemüse und Obst aus meinem Rucksack genommen?", fragte die Jüngere, während sie sich dem Haus zuwandte. "Nicht, dass es uns da drin eklig hitzeschrumpelig wird."
Er schüttelte den Kopf. "Carols Brot ist auch noch in deinem Rucksack."
"Hoffentlich hast du genug eingepackt! Jesus isst bestimmt nichts von dem Schwein", bemerkte Enid mit einem Schulterzucken an.
"Sie kommen aus Oceanside, nicht vom Mond! Cyndie wird ihnen sicher Unmengen an Obst aufgeschwatzt haben. Wir beide sind schließlich nicht mit nem Truck unterwegs!", brummelte der Armbrustschütze und übernahm nun Enids Aufgabe die Feuerstelle zu sichern.
Enid kicherte leise. "Denkst du das wird noch was zwischen Eduardo und Cyndie? Ich finde sie süß zusammen!"
Daryl rollte mit den Augen und stieß hart seinen Atem aus. "Das geht mich nichts an!"
Die Jüngere stöhnte missmutig auf. "Ich fahre in Zukunft lieber wieder mit einem der anderen raus. Erst musste ich mit Rick los, jetzt mit dir! Ihr seid alt und langweilig! Mit keinem von Euch kann man tratschen. Sicherheit geht vor - das geht mich nichts an - erst erledigen wir den Job", äffte sie die beiden erfahrenen Scouts nach.
Daryl folgte ihren Worten still amüsiert. Seine Mundwinkel zuckten, als er erwiderte: "Lieber alt und langweilig, als überdreht und mit gebrochenen Fingern! Sicherheit - he!"
Sie verstummten, als ein Motorengeräusch sich näherte. Während Daryl hinüberging, um unter der Veranda einige abgelagerte Holzscheite hervorzuholen, warf er immer wieder einen Blick in Richtung des Zufahrtsweges. Er war sich sicher, dass diese Geräusche charakteristisch für den alten Pick-up aus Hilltop waren, doch die Erfahrung hatte ihn gelehrt, nichts als gegeben hinzunehmen. Als das Auto in Sichtweite kam, legte er eine Hand an seine Ruger, entspannte sich aber sofort wieder, als er die Scouts erkannte und setzte seine Arbeit fort.
"Hey!", begrüßte Eduardo ihn und schlurfte bepackt mit einigen Kisten und einem Rucksack auf dem Rücken zur Hütte.
Daryl erwiderte den Gruß und blickte mit gerunzelter Stirn zum Pick-up. Als Eduardo die Hütte verließ, nickte der Armbrustschütze in Richtung des Wagens. "Was ist mit Jesus?"
Eduardo zuckte mit den Schultern. "Er schläft seit zwei Stunden wie ein Baby. Soll er seinen Schlaf genießen. Davon hatte er in den letzten Tagen nicht viel." Der Scout ließ sich auf die Stufen der Veranda sinken, entledigte sich seines T-Shirts und stieg mit einem wohligen Seufzen aus Schuhen und Strümpfen.
"Hattet ihr unterwegs Probleme?", fragte Daryl, während Enid hinter Eduardo aus der Hütte kam, ihm ein Glas in die Hand drückte und es mit Wasser füllte.
"Alles gut in Oceanside?", fragte die junge Frau mit einem breiten Lächeln.
Er machte eine vage Kopfbewegung. "Sie haben dort einige Fälle irgendeines Magen-Darm-Virus. Aber sie haben es im Griff. Allerdings kriselt es im Paradies. Sie haben kürzlich drei Männer aufgenommen. Ganz nette Typen auf den ersten Blick. Nun kam allerdings raus, dass zwei von ihnen bei Negan waren und lieber auf eigene Faust los sind, anstatt sich uns anzuschließen. Und ihr wisst wie ein paar von den Frauen drauf sind. Echte Hardliner."
Daryl zuckte mit den Schultern. "Mir wäre es auch Recht gewesen, mit den Pissern ein für alle Mal abzurechnen."
Eduardo zuckte mit den Schultern. "Nun gut, der Umgang mit ihnen ist festgelegt. Ich bin der Meinung, dass da nicht immer wieder dran gerüttelt werden muss. Cyndie hat die Typen zurück ins Exil schicken wollen. Die übliche Handhabe. Verbundene Augen, Fesseln, raus mit ihnen ins Nirgendwo. Aber in der Nacht bevor wir das durchziehen wollten, gab es Tumulte. Einige der Frauen wollten Selbstjustiz üben. Jesus hat die ganze Nacht mit den Frauen verhandelt und versucht sie zu beschwichtigen. Doch anscheinend hatten zwei der Bewohnerinnen von Oceanside mit den Männern angebandelt. Sie haben ihnen zur Flucht verholfen, etliche Vorräte, einen Wagen mitgehen lassen und zwei der Häuser niedergebrannt. Cyndie und Jesus hatten Alexandria, Hilltop und das Kingdom informieren wollen, doch die Hardliner sind ihre eigene Spur gefahren. Sie haben die Bande aufgespürt und hingerichtet. Die ganze Siedlung ist nun gespalten. Ein Teil hält Cyndie für zu lasch, wollen das System unseres Bündnisses boykottieren. Cyndie hat Boten nach Alexandria, Hilltop und zu Ezekiel geschickt. Da wird der Ältestenrat sich mit befassen müssen. Wenn du dich einbringen willst, müssen wir die Tour verschieben. Ansonsten werden sie die Sache ohne dich klären."
Daryl fuhr sich mit einer Hand über das Gesicht. "Nach all den Jahren! Findet dieses Thema denn nie ein Ende?", murrte er leise und scharrte nachdenklich mit seiner Schuhspitze im Sand. Dann schüttelte er den Kopf. "Unsere Verfassung gibt es nicht umsonst! Die anderen werden die Einhaltung durchsetzen - das alleine ist wichtig. Carol, Rick, Maggie und die anderen werden das mit bestem Wissen tun. Die brauchen mich nicht."
Eduardo nickte. "So hat Jesus auch entschieden. Er hat gemeint, dass er sich dir anschließen würde, wenn du zurück gehst. Aber im Grunde steht das Vorgehen fest. Die Regeln sind denkbar einfach. Und funktionieren seit Jahren einwandfrei."
Da konnte Daryl dem anderen nur zustimmen. Sie lebten seit Ende des Krieges gegen die Saviors in einem sehr friedlichen Miteinander und daran sollte sich nach Möglichkeit nichts ändern. Sollte das Problem nicht aus der Welt zu schaffen sein, dann würde es auch noch reichen, wenn Jesus und er in einer Woche wieder zum Rat dazukommen würden.
Sie tauschten noch allerhand Neuigkeiten aus, während sie ihre Aufgaben vorantrieben. Schließlich verschwand Daryl kurz in der kleinen Hütte und kam dann mit sauberen Klamotten in der Hand wieder raus. "Ich geh mir mal den Beißerdreck abwaschen. Vorhin ist einer aus dem Wasser gekommen - ich würde da nicht reingehen!", gab er Eduardo einen Hinweis. Der Dunkelhaarige rollte daraufhin mit den Augen.
"Wir sollten die Viecher da alle raus scheuchen und einen verdammten Zaun drum bauen", murrte er frustriert, während er in seine Schuhe stieg, ohne sie jedoch zuzuschnüren, und zum Pick-up zurückging. Sie hatten Lebensmittel dabei, die sie in die nahegelegene Höhle würden bringen müssen, wenn sie verhindern wollten, dass die Hitze sie verdarb.
"Hey Dornröschen!", polterte Eduardo, als er sich dem Pick-up näherte. Zwar hatte er beide Türen geöffnet und den Wagen im Schatten geparkt, allerdings konnte er sich nicht vorstellen, dass es gesund war, in der stickigen Hitze zu schlafen. "Ist das dein Ernst, Mann? Soll ich den ganzen Krempel alleine fortschleppen?"
Im Inneren des Wagens rührte Jesus sich nur langsam. Anscheinend hatte er noch immer tief geschlafen. Eduardo musterte ihn forschend. "Bist du okay?", fragte er leise, als Jesus nur sehr allmählich richtig wach zu werden schien.
"Mhm", kam es zögernd von dem Langhaarigen, während er mit einem Gähnen den Wagen verließ. "Sorry, ich bin einfach eingeschlafen."
Eduardo zuckte mit den Schultern. "Kein Ding. Dann war der Schlaf eben nötig. Daryl und Enid sind schon hier und scheinen ein größeres Barbecue zu planen. Ich wollte die Sachen eben in die Höhle bringen."
Jesus nickte und ging zur Ladefläche. Wortlos öffnete er die Ladeklappe und griff nach der erstbesten Kiste.
"Diese kommt in die Hütte. Das sind die Tonkrüge, die Malia und ihre Mädels für Hilltop gemacht haben, oder? Die nehmen wir später. Erst mal Mais und Obst in die Höhle."
Viel hatten sie nicht zu verstauen. Als sie zurück zur Hütte kamen, war Daryl gerade dabei die Ferkel über das Feuer zu hängen. Er hatte sich von Hilltops Schmied dafür eigens eine Vorrichtung schmieden lassen.
Da Daryl und Jesus sich eine Weile nicht gesehen hatten, fiel die Begrüßung sehr herzlich aus. "Denkst du es ist okay, wenn wir uns aus der Oceanside-Sache raushalten?", griff Daryl noch einmal das Thema auf, über das er sich bereits ausführlich von Eduardo hatte aufklären lassen hatte.
Jesus nickte. "Die Sachlage ist im Grunde klar. Es steht jedem frei zu gehen oder vor dem Ältestenrat Verbesserungsvorschläge zu machen. Mit den noch lebenden, aber abtrünnigen Anhängern von Negan wird eine friedliche Lösung angestrebt - bisher gab es in der Hinsicht keine Probleme. Doch muss das Vergehen der Frauen geahndet werden. So einfach ist das!"
Damit gab Daryl sich zufrieden, zudem verwarfen die Männer das Thema zunächst ohnehin, da das Brummen eines Motors das Eintreffen der letzten beiden Scouts ankündigte. Ein breites Lächeln legte sich in freudiger Erwartung auf Jesus' Gesicht.
"Habt Euch ne Weile nicht gesehen, hm?", brummte Daryl leise.
Der Langhaarige nickte. "Mhm - hat sich einfach nicht ergeben."
Daryl legte etwas Holz nach und musterte den Freund forschend. "Solltet ihr Euch nicht einfach für Alexandria oder Hilltop entscheiden?"
Jesus schüttelte den Kopf. "Nein, es ist so wie es ist genau richtig." Damit wandte er sich von dem Armbrustschützen ab und ging dem Kleinbus entgegen, der mit dröhnendem Motor den unbefestigten Weg entlangholperte.
Während Tara sich der kleinen Gruppe näherte, sie einander begrüßten und auch mit ihr anfingen sofort alle Neuigkeiten auszutauschen, nutzten Jesus und Aaron den kleinen Moment der Zweisamkeit. Man gönnte ihnen diesen Moment gerne. Daryl sah aus dem Augenwinkel die liebevollen Gesten mit denen sich die Männer ihr wiedersehen feierten und bemerkte den sehnsüchtigen Blick, mit dem Enid sich abwandte.
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