Rivalen

GeschichteAngst, Suspense / P18
Broots Dr. Sydney Green Jarod Mr. Lyle Ms. Parker OC (Own Character)
29.05.2018
15.09.2018
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17. Mai, 15:25 Uhr
Delaware, Blue Cove
Centre, SL10

Miss Parker stand mit Sydney und Broots im Korridor in SL10. Sie unterhielten sich über Jarods Hinweis, den sie von ihrer letzten Reise mitgebracht hatten. Jarod war Barkeeper in New Orleans gewesen und hatte dort einem kleinen Mädchen geholfen, wieder zu seiner Mutter zurück zu kommen. In dem kleinen dunklen Loch, in dem er gehaust hatte, war ein riesiges Foto an der Wand gewesen, dass Lyle mit einer unbekannten dunkelhaarigen Frau zeigte. „Neuer Mitspieler?“ hatte Jarod mit einem roten Filzstift in dicken Lettern quer über das Bild geschrieben.

„Das Gesicht der Frau ist in keiner Datei gespeichert gewesen“, sagte Broots.

„Sie haben also keinen Ahnung wer sie ist“, schloss Miss Parker darauf. „Dann strengen Sie mal ihr kleines Affenhirn an. Wühlen Sie ein bisschen in Lyles Büro. Da werden Sie bestimmt etwas finden.“

Broots wollte gerade etwas darauf erwidern, als Lyle im Korridor auftauchte. An seiner Seite die Frau von dem Foto.

„Ah, Miss Parker. Das trifft sich ja gut. Dann kann ich sie ja gleich bekannt machen.“ Lyles überschwängliche Freude darüber, dass er seine Schwester getroffen hatte, war offensichtlich nur vorgetäuscht.

Miss Parkers Augen wurden größer. Auf dem Foto hatte es sich ja schon angedeutet, aber jetzt, wo die Unbekannte vor ihr stand, war es unübersehbar.

„Die berühmte Miss Parker“, sagte die Frau. Ihre Stimme war kühl und schneidend. „Ich habe schon viel von Ihnen gehört.“

„So.“ Miss Parker lächelte sie zynisch an. „Dafür habe ich schon viel von Ihnen gesehen.“

Lyle ging nicht auf diese Floskel ein, sondern griff nun jedem weiteren Wortwechsel vor.
„Miss Clark wird uns bei der Suche nach Jarod unterstützen“, erklärte er fies lächelnd, wohl wissend, dass dies für seine Schwester wie ein Schlag in den Magen sein musste. „Das Triumvirat verliert endgültig die Geduld und hat uns eine neue Mitspielerin geschickt.“

Miss Parker machte große Augen, als sie das Wort „Mitspieler“ aus Lyles Mund hörte. „Und wo ist in diesem Spiel Ihre genaue Position?“ Die Eislady hatte keine Mühe damit, nach außen hin eine kühle überlegene Fassade aufrecht zu erhalten. In ihr brodelte allerdings ein Feuer, das nahe daran war, jeden Moment gewaltig auszubrechen.

Miss Clark lächelte sie nur etwas von oben herab an und wandte sich Sydney zu.
„Sie müssen Sydney sein. Der Grund, warum Jarod immer noch Kontakt zum Centre hält. Oder sollte es da noch andere Gründe geben?“ Dabei zwinkerte sie Miss Parker vertraulich zu.

„Auf gute Zusammenarbeit“, sagte Sydney, hielt es aber nicht für nötig diesen Satz mit einem Lächeln zu bestätigen. Dafür war auch er viel zu überrascht, über das Aussehen der Frau.

Die nickte dann zu Broots. „Broots. Wir werden sicher gut zusammen arbeiten. Ich habe schon von Ihren... Qualitäten gehört.“

Broots räusperte sich und wollte Miss Clark schon die Hand reichen. Als er sich aber Miss Parkers eisigen Blick einfing, zog er sie schnell zurück.

„Ich denke, wir haben uns jetzt genug beschnuppert“, sagte Lyle und wies einladend zum Fahrstuhl hin.

„Wir sehen uns“, hauchte Miss Clark und verschwand mit Lyle im Aufzug.

„Wuff“, spielte Miss Parker auf Lyles „beschnuppern“ an und blickte entgeistert zu Sydney.

„Sie...sie sieht fast genau so aus wie... wie Sie, Miss Parker“, stotterte Broots und blickte von seiner Chefin wieder zum Fahrstuhl.

„Ach nein, wie haben Sie das nur bemerkt“, antwortete Miss Parker trocken.


17. Mai, 15:30 Uhr
Kalifornien, San Francisco,
Hafen

“Jarod, das werden wir euch sicher nie vergessen”, sagte eine unbeschreiblich glückliche Hazel und drückte Jarod fest an ihre überaus große Oberweite.

„War uns ein Vergnügen“, grinste Jarod und hatte Mühe in dieser Umarmung genügend Luft zu bekommen.

„Hey, hey, lass meinen Jay-Man leben. Den brauch ich noch“, quiekte Argyle.

Hazel ließ wieder los und lachte über ihr ganzes Gesicht. „Ohne euch beide, wären wir jetzt vielleicht gar nicht mehr da. Wie sollen wir das nur jemals wieder gut machen.“

„Also ich wüsste da schon etwas...“ mischte sich Argyle lauthals ein, wurde aber gleich von Jarod unterbrochen.

„Wenn du mir versprichst, ab jetzt immer auf Harold zu achten, hast du schon alles wieder gut gemacht.“ Jarod strich Harold über den Kopf, der auf Hazels Schulter gesprungen war. Harold war ein kleines Kapuzineräffchen und hatte gerade drei aufregende Tage hinter sich. Allerdings konnten sich Jarod, Argyle und der Hund auch nicht gerade über Langeweile beschweren.

Eine Schiffshupe ertönte und Jarod blickte sich um. „Ihr müsst jetzt los, sonst verpasst ihr noch euer Schiff.“

Hazel drückte Jarod noch einmal kurz und zog dann auch Argyle an sich.
„Macht es gut Jungs. Ich hoffe, ich werde euch noch einmal treffen.“

Der Hund bellte und Hazel stampfte die Reling nach oben.

„Puh, die Geschichte nimmt uns keiner ab“, kicherte Argyle.

Argyle und Jarod hatten nicht ihr erstes gemeinsames Abenteuer hinter sich gebracht. Ihre erste Begegnung hatte allerdings nicht gerade freundschaftlich begonnen. Jarod war bei einem Pretender-Job als LKW-Fahrer niedergeschlagen worden und Argyle hatte ihn gefunden. Aber anstatt ihn ins Krankenhaus zu bringen hatte er ihn festgehalten, weil er hoffte, etwas Geld erpressen zu können. Die vielen verschiedenen Ausweise, die Jarod bei sich gehabt hatte und die DSA-Aufnahmen waren wohl doch etwas auffällig gewesen. Zum Glück war am Ende alles für alle drei gut ausgegangen. Für Jarod, Argyle und den Hund - ein Jack-Russel-Terrier, den Argyle einfach Hund nannte.

Ein Jahr später hatte Jarod Argyle aus der Patsche geholfen und dann etwas später auch noch ein zweites mal. Dabei waren sie Freunde geworden. Daher war es für Argyle selbstverständlich gewesen Jarod um Hilfe zu bitten, als er an diesen Tierhandelring geraten war. Dabei hatten sie Harold, den entführten Affen von Hazel und jede Menge anderer Tiere gerettet.

„Haben wir doch gut gemacht Jay-Dog, oder?“

„Haben wir“, bestätigte Jarod nickend. „Und jetzt habe ich Hunger“, setzte er nach und der Hund sprang bellend an ihm hoch. „Und wie mir scheint er auch.“


17. Mai 16:35 Uhr
Delaware, Blue Cove,
Centre, Miss Parkers Büro

Sauer war wohl ein eher milder Ausdruck für Miss Parkers Gefühl. Es machte sie rasend nicht zu wissen was Lyle vorhatte. Er hatte eine Frau aufgetrieben deren komplettes Äußere dem von Miss Parker so glich, dass man sie hätte für Schwestern halten konnte. Nicht nur das, er hatte ihr auch noch einen ähnlich klingenden Namen verpasst. Denn dass Miss Clark nicht der richtige Name war, davon ging Miss Parker aus. Sie hatte schon damals ein Problem mit Brigitte gehabt, aber im Vergleich zu Brigitte war diese Nummer bei weitem größer. Am meisten ärgerte sie sich aber darüber, dass Jarod wieder einmal früher davon gewusst hatte. Woher bekam er nur seine Informationen? Und er hatte das gleiche Wort auf das Bild geschrieben, das auch Lyle benutzt hatte.

„Lyle scheint einen genauen Plan zu haben.“

Miss Parker schreckte aus ihren Gedanken auf. Sie hatte nicht gehört, dass Sydney herein gekommen war. „Schon möglich.“

„Was meinen Sie, was er vorhat?“

„Sie sind doch der Seelenklempner. Sie sollten ihn durchschauen können“, gab Miss Parker genervt zurück.

„Die äußere Ähnlichkeit und der Name werden wohl keine Zufälle sein“, setzte Sydney nach.

„Schlau kombiniert, Sherlock. Das habe ich mir auch schon zusammen gereimt. Und natürlich taucht diese kleine Schlange genau dann auf, wenn mein Vater für einige Wochen unterwegs ist. Wenn das kein weiterer Zufall ist.“

„Mr. Lyle wird wohl keine Einmischung von Mr. Parker wollen. Vielleicht ist die ganze Sache ja eine Idee von ihm und weder Ihr Vater noch das Triumvirat wissen etwas davon.“

„Broots ist schon dabei das zu überprüfen. Wenn sie wirklich vom Triumvirat geschickt wurde, muss es darüber eine Notiz geben. Und wenn nicht werde ich meinem Brüderchen mal auf den Zahn fühlen.

Das Telefon klingelte.
„Das wird er wohl schon sein“, sagte Miss Parker und drückte auf die Lautsprecher-Taste. „Was?“

„Hallo Miss Parker“, hörte sie die überraschend ausgelassen klingende Stimme von Jarod. „Ich habe jetzt schon drei Tage nichts von mir... von mir hören lassen und hatte Sehnsucht nach ihrer Stimme.“ Jarod klang überaus seltsam.

„Jarod?“ mischte sich Sydney besorgt in das Gespräch. „Ist alles in Ordnung?“

„Hey S... Sydney.“ Es klang genauer gesagt ein bisschen lallend.

„Ist unser Wunderknabe etwa betrunken?“ schloss Miss Parker, die einige Erfahrung mit diesem Zustand hatte.

„Ich... ich habe mich von einem guten Freund in die Geheimnisse des Tequilla Trinkens einweisen lassen“, lachte Jarod. „Ein wirklich lustiges Gefühl.“ Jarod prustete ausgelassen und im Hintergrund hörte man einen Hund bellen.

„Sind Sie noch in der Lage uns etwas mehr über das Bild zu sagen?“ fauchte Miss Parker ihn genervt an.

„Welches... welches Bild?“ gab Jarod kichernd zurück.

Miss Parker blickte Sydney grummelnd an. „Er nervt“, zischte sie eisig. „Das Souvenir, das sie uns in New Orleans zurück gelassen haben.“

„New Orleans? Isch war nischt in New Orleans. Aber eine gute Idee. Ar...“,er unterbrach sie selbst und lernte eine wichtige Lektion. Alkohol macht redselig und konnte einen in Gefahr bringen. Beinahe hätte er von Argyle gesprochen. „Jemand hat mir erzählt, in New Orleans könnte man noch viel besser feiern.“

„Jetzt reißen sie sich mal zusammen“, fuhr Parker ihn an. „Sie waren nicht in New Orleans vorgestern?“

„Vorgestern? Ne, da habe ich dem Affen Zucker gegeben. Ich muss jetzt noch das andere Zeug hier probieren. Machen Sie es gut.“

Damit klickte es in der Leitung.

„Jarod betrunken?“ Syd schüttelte ungläubig mit dem Kopf.

„Mit Drogen hat er ja schon Erfahrungen gemacht. Wieso sollte er es jetzt nicht mal mit Alkohol versuchen“, antwortete Miss Parker trocken.

„Er hat einen Freund erwähnt“, grübelte Sydney weiter.

„Wahrscheinlich meinte er den Hund. Haben Sie den nicht gehört? Sydney, jetzt reißen Sie sich mal von der Nervensäge los. Er hat gesagt, er wäre nicht in New Orleans gewesen. Glauben Sie ihm das?“

„Warum sollte er in dieser Sache anlügen?“

Miss Parker stand auf und fuchtelte theatralisch in der Luft herum. „Vielleicht weil er immer mit uns Spielchen spielt, Sydney.“

„Aber wenn er uns Hinweise hinterlässt denkt er sich jedes Mal etwas dabei, verfolgt ein Ziel.“

„Dann hat Lyle das Bild dort anbringen lassen und uns ein großes Schauspiel geboten mit dem Kind, dass zu seiner Mutter zurück konnte. Lyle hat aber eher so gewirkt, als wollte er mich lieber nicht treffen, als wir uns auf dem Flur begegneten. Warum sollte er mir vorher ein Bild von ihr zeigen?“ Miss Parker überlegte einen Moment und beantwortete sich die Frage dann selbst. „Er will mich wohl wahnsinnig machen.“


18. Mai, 13:18 Uhr
Kalifornien, San Francisco
Hotel Californian

Jarod war gerade dabei weitere wichtige Lektionen in seinem Leben zu lernen. Trinke nie Alkohol durcheinander, trinke nie zu viel Alkohol, trinke am besten nie Alkohol.

Vom medizinischen Standpunkt kannte er natürlich sämtliche schädliche Wirkungen von Alkohol. Aber das hatte Argyle gestern Abend nicht davon abgehalten ihn in „das feurig feuchte Geheimnis“ einzuweihen, wie er sich ausgedrückt hatte. Jarod kannte nun wohl so ziemlich jedes gängige Alkohol-Mixgetränk und sein Magen und sein Kopf dankten es ihm mit Übelkeit und rasenden Schmerzen.

Argyle war gestern Abend mit dem Zug wieder zurück zu seinem Vater gefahren und Jarod konnte sich kaum vorstellen, dass er an seiner Haltestelle rechtzeitig aufgewacht und ausgestiegen war. Aber so wie er Argyle kannte, würde er auch dieses Problem bewältigen. Jarod grinste, als er an seinen Freund denken musste, autschte aber sofort auf, weil es sogar wehtat, wenn er das Gesicht zum Grinsen verzog. Der einzige Grund warum er sich überhaupt unter die Dusche quälte war, weil er nicht mehr genau wusste, was er gestern mit Miss Parker am Telefon besprochen hatte. Er wusste nur, dass er sie angerufen hatte. Aber in seinem berauschten Zustand hatte er ihr möglicherweise gesagt, wo er sich gerade aufhielt und er wollte bestimmt nicht riskieren mit dem schlimmsten Kater aller Zeiten ins Centre abgeführt zu werden.

Er ließ kaltes Wasser über seinen pochenden Schädel laufen und hoffte, schnell wieder einigermaßen auf die Beine zu kommen, um das Weite zu suchen.


18. Mai, 14:10 Uhr
Delaware, Blue Cove
Miss Parkers Büro

“Verdammt!” Miss Parker knallte den Hörer auf die Gabel. Seit Stunden versuchte sie schon ihren Vater zu erreichen, aber er war wie vom Erdboden verschwunden.
„Ist ja nicht das erste Mal“, knurrte Miss Parker, als es zaghaft an die Tür klopfte. <Das kann nur Broots sein>, dachte sie und musste trotz ihres Ärgers über den schüchternen Dummkopf lächeln. „Kommen Sie schon rein.“

Er schlüpfte in das Büro und blieb nervös vor ihrem Schreibtisch stehen.

„Was zappeln Sie hier so rum? Was ist mit Miss Schlange?“

„Sie... sie ist weg.“

„Wie weg?“

„Sie ist nicht mehr da. Charlie vom Empfang, das ist der, der keine Zähne mehr hat, hat sogar behauptet, diese Frau wäre nie hier gewesen. Und Charlie sieht jede Person, die hier rein oder raus geht. Und es kommt noch besser. Ich habe alle Aufnahmen von den Überwachungskameras überprüft und es gibt keine einzige Aufnahme von Miss Clark.“

„Broots, spinnen Sie hier nicht rum. Wir haben sie alle drei gesehen und dann haben wir ja auch noch das Foto als Beweiß.“

„Ähm....“

„Sagen Sie mir nicht, dass auch noch das Foto weg ist.“

Aber Broots musste es gar nicht sagen, weil man es in seinem Gesicht ablesen konnte.

„Dann werde ich wohl meinem kleinen Bruder einen Besuch abstatten müssen.“



18. Mai, 14:15 Uhr
Kalifornien, San Francisco
Flughafen

Jarod hatte sich dafür entschieden zu fliegen. Er hatte den ersten Flug genommen, der in den Osten startete - Philadelphia. Im Moment hatte er kein Ziel sondern nur den Wunsch, endlich diese Kopfschmerzen los zu werden.

Mit dröhnendem Kopf und schweren Augen blickte er aus dem Flugzeug auf die Rollbahn und wünschte sich, nie den Geschmack von Tequilla kennen gelernt zu haben. Er spürte, dass sich neben ihn jemand setzte und drehte müde den Kopf. Hoffentlich niemand, der ihn den ganzen Flug über voll quasselte. Das konnte er jetzt gar nicht ertragen.

„Hallo.“

Jarod verschluckte sich, hustete und riss den Mund auf. „Ha... hallo“, brachte er dann heiser klingend heraus.

„Mein Name ist Charleen und wir teilen uns diese Sitzreihe für den Flug.“

Jarods Mund stand noch immer offen. Wenn er nicht genau gewusst hätte, dass Miss Parker keine Schwester hatte, dann hätte er schwören können, sie würde jetzt hier neben ihm sitzen.








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