Matambos Tochter

GeschichteAngst, Suspense / P16
Broots Dr. Sydney Green Jarod Mr. Lyle Ms. Parker OC (Own Character)
29.05.2018
31.05.2018
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von Engelchen



28. März, 10:10 Uhr
Delaware, Blue Cove
Centre, Flur SL 8

„Die Tochter von Matambo?“ Miss Parker wollte ganz sicher gehen, dass sie Broots richtig verstanden hatte.

„Ja, sie soll heute Mittag hier ankommen.“ Broots lief mit schnellen Schritten neben Miss Parker her.

Matambo war einer der wichtigsten Mitglieder des Triumvirates gewesen, bis er vor ein paar Monaten erschossen worden war. Zwei Schüsse ins Herz und jemand hatte ihm die Augen ausgestochen. Miss Parkers Vater hatte behauptet, der Mörder wäre Brigitte gewesen. Es wurde nie wirklich bewiesen. Mr. Cox hatte die Tatwaffe neben die, bei der Geburt gestorbenen, Brigitte gelegt und dann das Haus angezündet. Die Cleaner des Triumvirates hatten die Überreste natürlich untersucht und offiziell galt Brigitte als Mörderin.

„Was will sie hier?“ fragte Miss Parker und legte die Stirn in Falten.

„Das Triumvirat schickt sie“, flüsterte Broots, denn dieses Wort sprach keiner der Angestellten seiner Ebene laut aus.

„Na wunderbar! Noch jemand der glaubt, er könne es besser machen, als wir.“ Miss Parker dachte dabei an alle, die gekommen und wieder gegangen waren, ohne etwas auszurichten – Lyle, Brigitte, Mr. Cox, Mr. White.

„Soll sie doch ihr Glück versuchen“, sagte Miss Parker nicht ohne eine Spur Bitterkeit in der Stimme.


28. März, 15:19 Uhr
Delaware, Blue Cove
Centre, Miss Parkers Büro

Gestern waren Sydney, Miss Parker und Broots in Los Angeles gewesen. Jarod hatte dort als Regisseur gearbeitet. In den nächsten Wochen würde tatsächlich ein Film von Jarod in die Kinos kommen.

Sydney lachte herzhaft. Er saß gegenüber von Miss Parkers Schreibtisch und blätterte im Drehbuch.

„Was ist so witzig, Dr. Doolittle?“

„Ich schätze mal, in Jarods Film hat so ziemlich jeder aus dem Centre eine Rolle.“

„Geben Sie her!“ Miss Parker riss ihm das Buch aus den Händen. Die Geschichte drehte sich um einen Mann, der als Kind von einem Institut entführt worden war. Das Institut hieß „Der Mittelpunkt“ und eine Miss Ice hatte eine gewisse Ähnlichkeit, wenn auch eine überzogene, mit Miss Parker. „Dieser kleine Mistkerl“, fluchte sie.

Ohne anzuklopfen stürmte Broots herein. Das hatte er sich im Laufe der Zeit angewöhnt und Miss Parker konnte das gar nicht leiden.

„Broots!“ fuhr sie ihn deshalb wütend an.

„Sie ist da!“ verkündete er die Nachricht, die ihm so wichtig erschienen war, wieder mal nicht zu klopfen.

„Ja, ja, machen Sie nicht so ein Theater, um diese Frau. Sie wird genau so wenig ausrichten, wie all die anderen.“

„Sind Sie sich da sicher?“
Hinter Broots tauchte eine große schlanke Frau, mit kurzen schwarzen Haaren auf. Sie war weiß.

„Sie... Sie sind...“

„Weiß“, beendete die Frau den Satz von Miss Parker. „Sie sind nicht die erste, die das gesagt hat.“

Matambo war ein dunkelhäutiger Afrikaner gewesen und natürlich waren alle davon ausgegangen, dass auch seine Tochter eine dunkle Haut haben würde.

„Sydney und Miss Parker, nehme ich an. Ich bin Neeome und ich werde erst von hier verschwinden, wenn Jarod wieder im Centre ist.“


28. März, 12:20 Uhr (Zeitverschiebung)
Kalifornien, San Francisco
Holiday Inn, Zimmer 1014

Auch Jarod hatte bereits von Neeome´s Ankunft erfahren. Angelo informierte ihn zuverlässig über alle Neuigkeiten.

Er hatte noch nie von ihr gehört. Aber das würde sich bald ändern. Jarods Finger flogen schon über die Tastatur seines Laptops.

Ausgiebig hatte er ihr Foto studiert. Sie war weiß. Vielleicht war Matambo nicht ihr leiblicher Vater gewesen. Aber welches Kind konnte das schon im Centre von seinem Vater behaupten?

Sie war ausgesprochen hübsch und Jarod konnte sich schon lebhaft vorstellen, wie unangenehm Miss Parker eine Zusammenarbeit mit ihr sein würde.

Perfekte Zähne, Traumfigur, süßes Lächeln. Aber etwas an diesem Bild störte Jarod. Es waren die stahlblauen kalten Augen.

Nicht gerade die typische Afrikanerin.


28. März, 15:25 Uhr
Delaware, Blue Cove
Centre, Miss Parkers Büro

„Gehen wir doch in mein Büro. Hier in diesem Loch kann ich nicht arbeiten.“

Miss Parker machte große Augen. „Sie haben hier ein Büro?“

„Soll ich etwa auf dem Flur arbeiten? Ich wusste nicht, dass das in Amerika üblich ist.“

<Verdammtes Luder>, dachte Miss Parker.

„Miss Parker ist sicher verwundert darüber, weil Sie doch gerade eben erst angekommen sind“, sprang Sydney helfend ein.

Neeome schenkte Sydney ein kühles Lächeln. „Ich denke, Miss Parker kann sehr gut selbst sagen, was sie meint. Auch wenn Sie glauben, es wäre Ihr Job die kleine Miss zu beschützen.“

Miss Parker stand heftig auf und der Schreibtischstuhl knallte mit Schwung gegen die Wand. „Jetzt hören Sie mir mal zu“, sagte sie eine Spur zu laut. „Sie kommen aus dem Land der Affen und bilden sich ein, Sie könnte hier die große Affenherrin spielen. Aber das können Sie sich...“

Die Tür wurde erneut aufgestoßen und Mr. Parker und Mr. Raines kamen herein.

„Neeome!“ rief Mr. Parker begeistert und gab ihr fast unterwürfig die Hand. „Wir haben Sie schon überall gesucht. Wie ich sehe, haben Sie sich schon bekannt gemacht.“

„So kann man es auch sagen“, gab Neeome bissig zurück.

„Engelchen, ich hatte noch gar keine Zeit dich zu informieren. Neeome wird eine zeitlang hier arbeiten. Ich möchte, dass du und deine Mitarbeiter sie bei allen Angelegenheiten unterstützen.“

„Was soll das heißen?“

„Das heißt, die Affenlady ist Ihr neuer Boss, Engelchen.“ Auf Neeome´s Gesicht erschien ein spöttisches Grinsen.


28. März, 15:36 Uhr
Delaware, Blue Cove
Centre, Neeome´s Büro

Wer war dieses Biest? Miss Parker lief wie ein begossener Pudel hinter ihr her. Diese Frau war gerade gelandet, hatte noch nicht mal ihren Koffer ausgepackt und hatte schon ein Büro. Und nicht nur das, es war auch noch ein Büro in bester Lage. Nicht unten in den „Katakomben“, sondern im obersten Stockwerk! Und ihr Vater behandelte sie, als wäre sie die Chefin des Triumvirates persönlich.

„Ich sehe in Ihrem kleinen Köpfchen rattert es“, sagte Neeome. Sie stand mit Miss Parker, Sydney und Broots im Fahrstuhl. Gemeinsam fuhren sie nach oben. „Übrigens, ist das der Aufzug, in dem sich Ihre Mutter umgebracht hat?“

Broots Kinnlade fiel herunter. So hatte noch niemand mit Miss Parker gesprochen und er war gespannt, wie sie darauf reagieren würde. Broots würde sich nicht wundern, wenn Miss Parker Neeome den Lauf ihrer Pistole in den Mund stecken würde.

Miss Parker holte tief Luft, atmete aus und wiederholte den Vorgang noch einmal.

Der Aufzug hielt im oberen Stockwerk. Neeome trat als erste heraus, dann Sydney. Als Broots raus wollte hielt Parker ihn zurück.

„Ich will alles über sie wissen. Alles, verstanden?“ zischte sie ihm zu, drückte sich an ihm vorbei und schubste den verdutzten Mann dann zurück in den Aufzug.

Eine Chipkarte öffnete die Tür zu einem gigantisch großen, von Tageslicht durchflutetem, Raum.

Neeome drehte sich um. „Broots?“

„Musste kurz weg.“ Miss Parker lächelte sie grimmig an.

In der rechten Ecke des Büros gab es einen sehr großen runden Besprechungstisch.

„Ich habe alle Berichte gelesen, die in den letzten Jahren angefertigt wurden. Jedes einzelne Mal, bei dem Sie Jarod nicht erwischt haben, oder sollte ich besser sagen... nicht erwischen wollten?“

„Was erlauben Sie sich?“ fuhr Miss Parker sie an. Nur weil sie vom Triumvirat geschickt worden war, würde sie sich bestimmt nicht alles von ihr gefallen lassen.

„Um eins sofort klar zu stellen. Ich hasse Lügen!“ Neeome ließ sich hinter ihrem Mahagoni-Schreibtisch nieder. „Ich sage, was ich denke und mache, was ich sage. Mag sein, dass das für Sie bisher nicht üblich war. Aber das wird sich ändern. Sie hätten mich auch einfach fragen können, was Sie über mich wissen wollen und Brootsie hätte sich viel Zeit gespart.“

„Wenn Sie alles wissen, dann wissen Sie doch auch bestimmt, wo Jarod gerade ist.“

„Sie bellen gerne, Missi, aber gebissen haben Sie noch nie. Also lassen Sie bei mir das Bellen“, putzte Neeome sie herunter.

„Jetzt reicht es mir!“ schrie Miss Parker sie unbeherrscht an. „Das lasse ich mir nicht bieten.“ Sie machte auf dem Absatz kehrt und lief mit eiligen Schritten aus dem Zimmer.

„So hat noch niemand mit ihr gesprochen“, sagte Sydney und versuchte Miss Parker wieder zu verteidigen.

„Keine Sorge, Ihre Ziehtochter wird schon bald wieder zurück sein.“


28. März, 16:19 Uhr
Delaware, Blue Cove
Centre, Mr. Parkers Büro

„Ich will eine Erklärung!“ Wütend, bis in die Spitzen ihrer hohen Schuhe, stürmte Miss Parker in das Büro ihres Vaters.

Statt eines besorgten und fürsorglichen Vaters, der ihr bei ihrem Problem helfen würde, fand Miss Parker einen Mann vor, der genau so wütend war, wie sie selbst.

„Ich sagte doch, dass du Neeome in allen Dingen unterstützen sollst und jetzt hat sie hier angerufen und gesagt, dass du sie nicht ernst nehmen würdest.“

„Was?“ Miss Parker glaubte sich verhört zu haben.

„Sie hat oberste Priorität. Das Triumvirat erwartet von uns absolute Zusammenarbeit. Hast du das verstanden?“

„Daddy, sie hat...“

„Wir sind hier nicht im Kindergarten, sondern im Centre, vergiss das niemals. Wer die Macht hat, hat das Sagen.“


28. März, 14:00 Uhr (Zeitverschiebung)
Kalifornien, San Francisco
Holiday Inn, Zimmer 1014

Es war schwieriger etwas über die geheimnisvolle Neeome herauszufinden, als Jarod gedacht hatte. Aber eine Datei hatte er herunterladen können.

Neeome war im gleichen Jahr wie Miss Parker geboren worden. Als Eltern waren Matambo und Khadara eingetragen, zwei dunkelhäutige Afrikaner. Ein weißes Kind bei zwei dunkelhäutigen Eltern war extrem selten, war aber möglich, durch einen defekt der Erbanlagen. Von Adoption stand zumindest nichts dabei.

Sie hatte wohl eine ähnliche Kindheit wie alle Centre Kinder gehabt und verfügte über einen außergewöhnlich hohen I.Q.

Das war nicht gerade viel. Jarod spürte, dass diese Frau das Gefährlichste war, was man bisher auf ihn angesetzt hatte. In seinem Bauch machte sich ein ungutes Gefühl breit. Diesmal würde er keine Hinweise hinterlassen, keine Telefonate, kein Kontakt. Er durfte dieser Frau nicht helfen, ihn zu fangen.


28. März, 20:46 Uhr
Delaware, Blue Cove
Centre, Neeome´s Büro

Miss Parker gähnte. Der Tisch war übersäht mit Akten, Papieren, Fotos und den Resten ihres Abendessens. Neeome hatte eine riesige Menge chinesischen Essens bestellt und genüsslich vertilgt. Miss Parker begnügte sich mit einem Salat. Neeome hingegen, hatte die köstlichsten Kalorienbomben vertilgt. Genieße alles was du bekommen kannst, hatte Neeome zufrieden gesagt und belustigt auf Miss Parkers langweiligen Salat geschaut.

Der Abend mutete eher wie ein Verhör als eine gemeinsame Zusammenarbeit an. Nichts schien Neeome´s Augen zu entgehen. Sie erkannte treffsicher die kleinsten Schwächen von Sydney, Miss Parker und Broots.

„Ja, das war auch ein netter Fehlschlag. Jarod verletzt und Broots liefert ihn nicht dem Centre aus.“
     
„Er... hat mir das Leben gerettet“, versuchte Broots sich zu verteidigen, der inzwischen wieder anwesend war, da Neeome ihn zurück gepfiffen hatte. Sie meinte die Sache mit Damon, wegen dem Broots beinahe zum Zielobjekt Nummer Eins des Centres mutiert wäre.

„Und was ist Ihre Ausrede zu diesem Fall, Sydney?“ Neeome warf ihm ein Foto zu.

An diese Szene erinnert zu werden, schmerzte tief in Sydneys Seele. Das Centre hatte Jarod auf gemeine Weise wieder ins Centre geschafft. Da er sich nicht mehr beugen wollte, hatte Lyle mit seinen Methoden versucht ihn zu brechen. Aber einen Jarod brach man nicht so schnell. Als sie ihn nach Afrika bringen wollten, hatte Jarod Sydney die Schlaftabletten in die Hand gedrückt und ihm so eine Chance geboten, zu entkommen, die er natürlich auch genutzt hatte.

„Was meinen Sie?“ fragte Sydney unschuldig.

„Ich kann eins und eins zusammen zählen. Jarod hat zwei Schlaftabletten bekommen. Mit denen hätte er bis nach Afrika komplett durchgeschlafen. Aber beide verschwanden auf wundersame Weise. Da er nur mit Ihnen Kontakt hatte, sind Sie in diesem Fall mein Hauptverdächtigter.“

Sydney äußerte sich dazu nicht. Was hätte er auch sagen sollen.

„Und von Ihnen, Missi, wollen wir erst gar nicht reden. Oder soll ich Ihnen Ihre Möglichkeiten aufzählen, in denen Sie Jarod eigentlich schon hatten?“

Miss Parker setzte an, sich zu verteidigen, aber sie sah ein, dass es nichts bringen würde.

„Fassen wir mal zusammen. Jarod ist ein schlaues Kerlchen. Ganz abgesehen davon, ist er auch ein hübscher Junge, finden Sie nicht auch, Miss Parker?“ Neeome grinste sie anzüglich an. „Ach kommen Sie, er hat einen wirklich knackigen... okay, das tut ja nichts zur Sache. Aber auch ein schlaues Kerlchen macht mal einen Fehler. Aber wenn er natürlich so großartiger Helfer hat...“ Neeome machte eine eindeutige Bewegung, die die drei einkreiste.

„Wenn Sie so schlau sind und auf alles eine Antwort haben, dann wissen Sie doch auch bestimmt, wo Jarod ist.“ Daddy hatte ihr zwar verboten so vorlaut zu sein, aber diese Bemerkung hatte sich Parker nicht verkneifen können.

„Um ehrlich zu sein Missi, ich weiß wo er ist. Und wir haben alle Zeit der Welt, um ihn dort abzuholen.“

Miss Parker öffnete den Mund und starrte sie fassungslos an.

„So, ich würde sagen, wir machen für heute Schluss. Sagen Sie mir mal die Telefonnummer Ihres Bruders.“

„Von Lyle?“ fragte Miss Parker, die immer noch entgeistert auf Neeome glotzte.

„Natürlich Lyle, oder haben Sie noch so einen gut aussehenden anderen Bruder irgendwo hier versteckt?“ Als Miss Parker darauf nicht gleich antwortete stand Neeome auf und setzte sich neben die Frau auf den Tisch.

„Ich sagte doch schon, genieße alles was du bekommen kannst. Wie ich gehört habe, ist Lyle auch kein Kind von Traurigkeit.“ Neeome grinste frech. „Ich möchte noch einen netten Abend verbringen, Sie verstehen?“

Miss Parker wollte gar nicht so genau verstehen, was Neeome damit meinte. Aber sie gab ihr die Nummer gerne. Sie war zwar keine Asiatin, aber vielleicht würde Lyle ihr trotzdem zeigen, was er so „drauf“ hatte. Insgeheim wünschte sie sich sogar, dass er ihr eine Lektion erteilen würde.

Neeome wählte die Nummer und winkte ihre Mitarbeiter raus.

„Ach, und Broots? Sie werden doch heute Nacht nicht noch irgendwelche Privatarbeiten annehmen?“

„Na... natürlich nicht, Miss Neeome.“

„Herrje, sagen Sie bloß nicht Miss zu mir. Wir wollen doch Miss Parker nicht ihren Vornamen stehlen.“ Sie grinste gemein und hatte dann Lyle am Apparat.

Leider konnte Miss Parker die Tür nicht zuschlagen, die sanft hinter ihnen zurückfuhr.


29. März, 21:45 Uhr
Delaware, Blue Cove
Centre, Fahrstuhl

“Und? Was haben Sie heraus gefunden?” zischte Miss Parker, äußerst gereizt, Broots zu.

„A... aber Miss Parker“, stotterte Broots. „Ich ... ich hatte doch keine Gelegenheit.“

„Der Abend ist noch jung.“

„Nein, Miss Parker.“ Er schaute sie fest an. „Diesmal nicht!“

„Was?“ Sie glaubte sich verhört zu haben.

„Ich muss an Debbie denken. Mit dieser Frau ist nicht zu spaßen.“

„Mit mir auch nicht.“ Sie packte ihn am Kragen und drückte ihn gegen die Fahrstuhlwand. „Wenn sie weg ist, werde ich immer noch da sein. Und ich kann Ihnen viel länger das Leben zur Hölle machen.“

„Tut mir leid. Für Debbie werde ich auch gerne leiden.”

Miss Parker sah ein, dass es keinen Sinn machte Broots zu drohen. Sie ließ ihn los. “Ich glaube, hier drehen alle durch!”


29. März, 09:35 Uhr
Delaware, Blue Cove
Centre, Neeome´s Büro

Neeome hatte Sydney, Miss Parker und Broots für neun Uhr in ihr Büro bestellt.

Da sie noch immer nicht da war, saßen die drei vor dem Büro auf den Besucherplätzen.

Ungeduldig wippte Miss Parker mit dem Fuß und starrte zum wiederholten Mal auf die Designer-Uhr an der Wand.

„Also, wenn sie nicht gleich hier auftaucht, werde ich auf der Stelle verschwinden.“

Wie auf Kommando öffnete sich der Fahrstuhl und eine gut gelaunte Neeome erschien.

„Morgen Leute." Sie lächelte die Gruppe an und zwinkerte Miss Parker zu. "Ihr Bruder ist eine Wucht!“ Mit der Chipkarte öffnete sie ihr Büro.

Broots Unterkiefer klappte nach unten. Sydney legte nur sein undurchsichtiges Grinsen auf und Miss Parker rollte angewidert mit den Augen.

„Da haben sich wohl zwei gesucht und gefunden“, zischte sie Sydney zu.

„Ich habe sehr gute Ohren, Missi“, kommentierte Neeome diese Anmerkung.

„Was sollen wir eigentlich noch hier, wenn Sie doch längst wissen, wo Jarod ist?“ fragte Miss Parker genervt.

„Es fehlt nur noch ein kleines Puzzleteilchen und dann können wir Jarod wieder im Centre begrüßen.“


29. März, 09:39 Uhr
Delaware, Blue Cove
Centre, Neeome´s Büro, Lüftungsschacht

Noch ein anderer hatte diese Drohung mitbekommen. Angelo hatte alles mit einer kleinen Digitalkamera aufgenommen und in wenigen Minuten würde auch Jarod von dieser Gefahr wissen.


29. März, Uhrzeit 06:45 Uhr (Zeitverschiebung)
Kalifornien, San Francisco
Holiday Inn, Zimmer 1014

Jarods Laptop piepste und er empfing Angelos kleine Videobotschaft. War sie ihm tatsächlich schon so dicht auf den Fersen? Aber wie konnte das möglich sein? Niemand im Centre wusste, wo er sich gerade aufhielt. Er hatte nicht angerufen und auch keine Hinweise zu San Francisco hinterlassen. Sollte er sofort von hier verschwinden, oder war es nur eine leere Drohung von Neeome, um die anderen zu verunsichern?


29. März, 10:09 Uhr
Delaware, Blue Cove
Centre, Neeome´s Büro

Miss Parker fragte sich immer noch, was sie hier eigentlich machen sollten. Neeome hatte ihnen doch ohne Umschweife an den Kopf geworfen, dass sie alle drei offensichtlich kein größeres Interesse daran hatten, Jarod tatsächlich wieder ins Centre zu schaffen.

Die Peinlichkeiten schienen kein Ende zu nehmen. Neeome telefonierte mit Lyle und das Gespräch troff nur so von Anzüglichkeiten. Miss Parker wurde es richtig übel.

„Ja mein Lieber, es bleibt dabei. Um zwölf Uhr in deinem Büro.“ Sie legte auf und blickte auffordernd zu Miss Parker.  
„Wenn Sie nur halb so scharf darauf wären Jarod wieder ins Centre zu bekommen wie Ihr Bruder, dann hätte seine Flucht höchstens eine Woche gedauert.“

„Jarod ist ein Pretender“, sagte Miss Parker scharf. „Schon andere haben sich die Zähne an ihm ausgebissen.“

„Ich würde meine Zähne auch gerne mal in seinem Hintern vergraben!“

„Oh mein Gott“, stöhnte Miss Parker, „jetzt hören Sie aber auf. Das kann man sich ja nicht mehr mit anhören.“

Broots saß mit knallrotem Kopf vor seinem Laptop am Besprechungstisch und versuchte sich auf seine Aufgaben zu konzentrieren.

„Würde Ihnen auch nicht schaden, mal etwas offener mit ihren Gefühlen umzugehen“, schlug Neeome vor. „Das wäre auch gesünder, für Ihr Magengeschwür.“

„Es mag sein, dass ich im Moment nach Ihrer Pfeife tanzen muss“, sagte Miss Parker böse, „aber Ratschläge über mein Leben, muss ich mir deswegen noch lange nicht von Ihnen anhören.“

„Ich meinte es ja nur gut“, grinste Neeome und schien sich über den Ausbruch von Parker sehr zu amüsieren. „Lassen Sie uns für zwei Stunden das Kriegsbeil begraben und noch etwas arbeiten. Wie Sie wissen, habe ich um zwölf eine Verabredung.“
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