Tristan - Engel in Blond

KurzgeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
29.05.2018
29.05.2018
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An Engel habe ich nie geglaubt. Niemals habe ich darüber nachgedacht, dass es sie tatsächlich gibt – irgendwo zwischen Himmel und Erde –, dass sie mitten unter uns sind, mitten unter den Menschen, und wir oftmals zu vernagelt und oberflächlich sind, um es zu erkennen, wenn so ein himmlischer Bote vor uns steht.
Nie habe ich an sie geglaubt, geschweige denn, mich genauer damit auseinandergesetzt. Nie habe ich sie für möglich gehalten, dass sie existieren, noch damit gerechnet, dass ich eines Tages einem über den Weg laufen würde.
Wenn meine Großmutter mir früher davon erzählt hat, von dem himmlischen Boten mit Flügeln, die uns Menschen beistehen, uns begleiten und über diese Welt wachen, dann habe ich meistens nur geschmunzelt, habe nicht wirklich ernst genommen, was sie mir sagt und es lediglich unter dem Thema „Glauben“, mit welchem ich zwar vertraut bin, für den ich jedoch niemals ein besonderes Interesse gehegt habe, verbucht.
Und ehrlich gesagt habe ich auch nicht damit gerechnet, dass sich meine Sichtweise auf solche Dinge eines Tages so grundlegend verändern würde. Dass ich mir ernsthafte Gedanken über diese Sache machen und mir die Worte meiner Oma ins Gedächtnis rufen würde, welche mir schon in frühen Jahren stetig ans Herz gelegt hat: „Denk daran, mein Kind. Engel gibt es überall“.
Dass dieses Überall ausgerechnet meine nähere Umgebung sein würde, das habe ich natürlich nicht erwartet oder mir gar Hoffnungen darauf gemacht, eines Tages einem echten Engel zu begegnen. Meine Überzeugung war und blieb konsequent: Engel gibt es nicht wirklich, sie sind lediglich ein Mythos. Denkste.
Denn ein einziger Abend hat mich vom absoluten Gegenteil überzeugt. Ein kühler, leicht verschneiter Abend im Februar, als ich zu einem Treffen mit Bekannten ging. Der Abend, an dem ich Dich zum ersten Mal gesehen habe.
Dabei war es am Anfang so wie jedes andere Mal zuvor: Wir trafen uns wie immer in unserem Stammlokal, unterhielten uns über dies und das und hatten eine unbeschwerte, richtig schöne Zeit.
Wie immer waren natürlich auch ein paar neue Leute mit von der Partie. Nun, jedenfalls mir waren sie neu, denn ich war die letzten paar Male nicht dagewesen, weshalb ich zunächst auch ein wenig zurückhaltend war und mich nicht so recht getraut habe, den Kontakt aufzunehmen.
Aber zum Glück war da ja auch meine beste Freundin, die sich mit Vergnügen dieser Aufgabe angenommen und mich in aller Ausführlichkeit mit den Neuen aus der Runde bekannt gemacht hat.
Zunächst fand ich auch gar nichts Besonderes dabei, sondern habe mich stattdessen in Ruhe auf die neuen Begegnungen eingelassen – bis schließlich Du an der Reihe warst und meine Augen zum ersten Mal den Deinen begegnet sind.
Durch die Gläser Deiner schwarzen Brille heraus hast Du mich angesehen, hast mich einfach nur angelächelt und Dich im Anschluss bei mir vorgestellt. Und auch, wenn mit aller Macht dagegen angekämpft habe, so war ich gegen dieses Lächeln trotzdem vollkommen wehrlos.
Nur dieser eine Blick von Dir hat ausgereicht, um es passieren zu lassen, um nicht nur meine Gedanken, sondern auch meine Gefühle komplett auf den Kopf zu stellen und aus der Reihe tanzen zu lassen. Nur dieser eine Blick hat mich tiefer berührt als irgendein anderer jemals zuvor, hat mir von einer Sekunde zur nächsten unmissverständlich klargemacht, dass ich mein Herz nicht gegen Dich verteidigen kann.
Auch wenn ich mir hundertmal geschworen hatte, nie wieder so schwach zu werden – in diesem Moment war mein Vorsatz gänzlich dahin und ein Blitz knallte mitten in meine Seele hinein.
Es zu leugnen war absolut zwecklos. Das waren eindeutig Schmetterlinge, die mir da im Bauch herumgeflattert sind. Ein klares Anzeichen von Verliebtheit. Dafür, dass ich wieder einmal mein Herz verloren hatte. Ausgerechnet an Dich. Oh verdammt.
Ohne dass ich selbst es richtig realisieren konnte, habe ich angefangen zu grinsen wie ein Schulmädchen und Dich eine ganze Weile lang angestarrt, habe Dein noch immer offenes Lächeln so gut es ging erwidert und die Nervosität, die in mir aufkeimte, bestmöglich unterdrückt.
Doch das war natürlich viel leichter gesagt als getan, denn wie der Zufall es will, hast Du Dich ausgerechnet auf den Platz direkt gegenüber meinem gesetzt, sodass ich gar keine andere Möglichkeit hatte als Dich pausenlos anzusehen.
Das erste, was mir dabei direkt ins Auge stach, war Dein glattes, blondes Haar, sowie Dein tiefer, klarer Blick, der sich ganz vorsichtig einen Überblick über die Runde verschafft hat und dabei auch unweigerlich an mir vorbeigeschweift ist.
Wieder ein kurzes Lächeln, das Du mir geschenkt hast, wahrscheinlich in völliger Ahnungslosigkeit darüber, was diese ganz unscheinbare, harmlose Geste für mich bedeutet. Dass Du mit diesem offenen, höflichen Schmunzeln eine ganze Flutwelle an Fantasien und Träumen in mir losgetreten, sowie meine ohnehin schon verwirrten Gefühle völlig aus der Bahn geworfen hast, das war Dir mit Sicherheit nicht bewusst, geschweige denn, Deine Absicht.
Und natürlich habe ich mit dem Verstand auch irgendwo gewusst, dass es eigentlich totaler Wahnsinn ist, was da gerade mit mir und in mir vorgeht, dass ich es nach all den Fehlschlägen und Irrtümern der Vergangenheit eigentlich besser wissen und Dich erst einmal näher kennenlernen sollte, bevor ich mich wieder mal in irgendeine Schwärmerei hineinstürze. Aber mein Herz hat das selbstverständlich herzlich wenig interessiert. Mein bescheuertes Herz, welches schon wieder von den großen Gefühlen geträumt und mir unaufhörlich zu verstehen gegeben hat, dass jeglicher Widerstand sinnlos ist.
Ich war verliebt. Ohne jeden Zweifel war ich Hals über Kopf in Dich verliebt. In einen Jungen, den ich gerade mal ein paar Minuten lang kannte und von dem ich überhaupt nichts wusste – mal abgesehen vom Vornamen.
Dein Vorname. Mein Gott, wie oft der mir durch den Kopf geschwirrt ist. Wie oft ich ihn mir habe auf der Zunge zergehen lassen, weil er so wunderschön klang, so einzigartig und unverwechselbar. Einfach perfekt. Genau wie Du selbst.
Tristan. Ein Name, der sich auf ewig in mich eingebrannt hat. Der sich mit mir und meinem Leben für alle Zeiten verbunden hat. Fast so, als hättest Du ihn mir direkt ins Herz geschrieben, als hättest Du auf meiner Seele ein unauslöschliches Autogramm hinterlassen.
Natürlich musste ich mich in Dich verlieben. Wer so einen wunderschönen Namen trägt, dem kann man einfach nicht widerstehen. Noch dazu, weil Dein stetiges, verlegenes Lächeln, sowie Deine helle, weiche Stimme das Einzige waren, was ich noch wahrnehmen konnte. Und das fast den ganzen Abend hindurch.
Nicht einmal die Unterhaltung mit meiner besten Freundin hat mich richtig interessiert, geschweige denn, konnte ich mich darauf konzentrieren, weil Du mich völlig in Deinen Bann gezogen hast. Kein Wunder also, dass sie gleich drei Versuche gebraucht hat, um mich dazu zu bewegen, auf eine Zigarette mit nach draußen zu kommen.
Als sie mich unter vier Augen schließlich gefragt hat, ob denn mit mir alles in Ordnung wäre, da habe ich für einen kurzen Moment mit der Idee gespielt, ihr von meinen gerade entstandenen Gefühlen für Dich zu erzählen, es mir dann jedoch wieder anders überlegt, um nicht naiv dazustehen, auch wenn ich das in diesem Augenblick möglicherweise war.
Darüber hinaus kannte sie auch die ganze Vorgeschichte und hätte mich bestimmt nur ermahnt, nicht wieder so schnell von Null auf Hundert zu gehen, sondern die Sache ganz ruhig anzugehen. Oder möglicherweise hätte sie es mir auch ausgeredet und das Argument vorgebracht, dass ich mir das Ganze vielleicht einfach nur einbilde.
Aber ich habe genau gewusst, dass das, was ich da fühle, absolut echt ist. Dass Du derjenige bist, auf den ich immer schon gewartet habe. Derjenige, der mich nach langer Zeit endlich wieder zum Träumen bringen kann. Auch wenn ich gar nichts von Dir gewusst habe, noch nicht einmal Dein Alter, so war mir trotzdem von Anfang an ganz klar: Du bist es. Und entweder Du – oder keiner. Niemals wieder.
Mein Engel, habe ich dann ganz heimlich für mich gedacht und dabei still und leise in mich hineingegrinst. Tristan, mein strohblonder Engel. Der perfekte Kosename für Dich. So kitschig und pappsüß – und trotzdem so treffend. So treffend wie der Pfeil, den Du unabsichtlich mitten in mein Herz geschossen hast.
Überirdisch verliebt wie ich nun einmal war, habe ich natürlich nicht in Betracht gezogen, dass es Hindernisse geben könnte, und stattdessen weitergeschwärmt und Dich mit einem eindeutigen Lächeln der Verliebtheit beobachtet. Natürlich hast Du rein gar nichts davon mitbekommen und Dich stattdessen mit ein paar anderen aus der Runde unterhalten. Meine Aufmerksamkeit hingegen galt bis zum Ende des Abends nur Dir ganz allein und hat jedes Wort, jeden Blick und jede Geste von Dir genaustens verfolgt und mit stiller Bewunderung entgegengenommen.
Als der Abend sich schließlich dem Ende zugeneigt hat, habe ich mich so unauffällig wie nur möglich von Dir verabschiedet, dabei mit der irrwitzigen Hoffnung in mir, dass ich zum Abschied vielleicht den Hauch einer Berührung von Dir ergattern kann – wie etwa durch ein flüchtiges Händeschütteln.
Aber selbstverständlich ist nichts dergleichen passiert, lediglich ein kurzer Wink, sowie ein freundliches „Tschüss“ waren alles, was Du mir als Abschiedsgruß hast zuteilwerden lassen. Doch für mich war selbst das schon weitaus mehr als genug. Es hat dazu ausgereicht, um die Träume von Dir, welche mich nicht nur in dieser, sondern auch in vielen der darauffolgenden Nächte und sogar Tage begleitet haben, am Leben zu erhalten.
Immerzu hatte ich Dein Bild vor Augen, Dein dichtes, strohblondes Haar, sowie Dein hinreißendes Lächeln, welches mir bei jedem Gedanken daran starkes Herzklopfen verursacht hat. Immerzu hat sich alles um Dich gedreht, habe ich vor mich hingeträumt und sogar damit begonnen, alles über Deinen wunderschönen, melodischen Namen in Erfahrung zu bringen.
So habe ich mir relativ schnell das Wissen darüber angeeignet, dass Tristan so viel heißt wie „Lärm“. Kaum zu glauben, aber wahr – denn diese Bedeutung hat in das Traumbild von Dir, welches ich mir in vielen Nächten zusammenfantasiert habe, optimal hineingepasst.
Denn auch wenn Du bei unserem Kennenlernen gar nicht so viel gesagt hast, hast Du mich trotzdem so endlos tief berührt wie noch niemals irgendein anderer zuvor. Du hast mit Deinem verlegenen Lächeln direkt mein Herz erreicht und Dich, selbstverständlich völlig ungefragt, dort eingenistet.
Und ob ich es nun wollte oder nicht – ich musste Dir diesen Platz einfach überlassen, da hatte ich gar keine andere Wahl. Das haben mir nicht nur die stetigen Gedanken an Dich, sondern auch die einzigartige Wärme, die mich währenddessen ausgefüllt hat, deutlich zu verstehen gegeben.
Als wir uns dann schließlich einen Monat später beim nächsten Gruppentreffen erneut begegnet sind, habe ich Dich ein weiteres Mal keine Sekunde länger als nötig aus den Augen gelassen und Dich noch einmal in aller Ausführlichkeit von oben bis unten betrachtet.
Was mir dabei witzigerweise sofort aufgefallen ist, waren Deine zierliche Statur und Körpergröße, die Dich für mich jedoch nur umso niedlicher gemacht haben. Verzeih bitte, wenn ich es so direkt sage, aber Du warst einfach knuffig. Mein knuffiger, süßer Tristan. So stark wie an diesem Abend habe ich noch nie gefühlt. Noch nie war etwas so intensiv für mich wie dieser erneute Blick in Deine funkelnden, hellen Augen, die sich auch dieses Mal für ein paar Sekunden lang zu mir gewandt und mir einen freundlichen Blick geschenkt haben.
Nur einen kurzen Moment, einen Flügelschlag lang, gehörte Deine vollständige Aufmerksamkeit ganz mir, bevor sie sich schließlich wieder auf die anderen aus der Gruppe richteten und Du ein Gespräch mit ihnen begonnen hast.
Auch dieses Mal hast Du nicht bemerkt, welch unglaublich großes Geschenk Deine Anwesenheit für mich ist, hast nichts von der inzwischen überdimensionalen Verliebtheit in mir mitbekommen, sondern mich stattdessen wahrscheinlich nur als flüchtige oder bestenfalls nette Bekanntschaft eingeordnet.
Immer wieder hast Du mir flüchtig zugelächelt – und jedes einzelne Mal davon hätte ich wegschmelzen können. Jedes Mal habe ich mir die gleiche Frage gestellt: Wie um alles in der Welt kann man(n) nur so ein umwerfendes Lächeln haben? Auf der einen Seite so schüchtern und verlegen – doch auf der anderen Seite wiederum total aufregend und frech.
Kurz gesagt war ich absolut hin und weg. Und das mit jeder einzelnen Sekunde mehr. Zugegeben, in unserer Gruppe warst und bist Du vielleicht der Kleinste – dafür aber für mich persönlich der Allergrößte.
Ach Tristan, wenn Du nur wüsstest, wie unglaublich tief ich für Dich empfinde. Wenn du wüsstest, wie oft ich an Dich denken muss, an Dein strohblondes Haar und Dein Lächeln. Wenn du wüsstest, wie viel wir in meinen Träumen schon zusammen erlebt haben, wie nah Du mir gewesen bist, manchmal, im tiefen Schweigen der Nacht.
Wenn Du wüsstest, wie lichterloh mein Herz für Dich brennt, nur einzig und allein für Dich. Wenn Du erahnen könntest, wie lange ich darauf gehofft und mir gewünscht habe, dass es vielleicht doch den Hauch einer Chance für uns zwei gibt. Und wie höllisch weh es getan hat, als diese leise Hoffnung von einer Sekunde zur nächsten brutal zerschlagen wurde.
Grund dafür war ein Telefonat mit meiner besten Freundin, bei dem ich mich schließlich dazu überwunden habe, wenigstens ihr gegenüber reinen Tisch zu machen und ihr zu erzählen, wie viel Du mir bedeutest. Zuerst verlief das Gespräch noch ganz passabel, bis sie mir dann schließlich den Wind aus den Segeln genommen und mir erzählt hat, dass Du seit langer Zeit eine Freundin hast.
Knacks. Und schon war das bis dahin noch vor Euphorie übersprudelnde Herz wieder einmal zertrümmert worden. Eiskalt und grausam hat mich die Realität in ihren Bann gezogen und ich habe begriffen, was das eigentlich bedeutet – nämlich, dass Du nicht frei bist. Und dass meine sämtlichen Gefühle für Dich, egal, wie stark sie auch sind, ins Leere laufen werden.
Weil Du mich nie auf die Art beachten wirst wie ich Dich beachte. Weil Du gar nicht suchst, weil es bereits jemanden gibt, der zu Dir gehört und mit dem Du glücklich zusammen bist. Natürlich. Wie hätte es denn auch anders sein können?
Irgendwie hätte ich wissen müssen, dass ein so unverschämt süßer, frecher und attraktiver Junge wie Du nicht mehr zu haben ist. Ich hätte wissen müssen, dass meine Gefühle mal wieder unerwidert bleiben und Du Dich nicht auf die Art und Weise für mich interessierst wie ich mich für Dich.
Zu allem Überfluss hat meine besten Freundin mir dann auch noch den vermeintlich guten Ratschlag gegeben, Dich einfach zu vergessen und Dir bloß keine Träne hinterherzuweinen. Und bis zum Ende des Telefonats ist mir das auch überraschend gut gelungen.
Was danach kam, liegt wahrscheinlich auf der Hand für jeden, der schon einmal heftigen Liebeskummer hatte: Tagelang durchheulen, einen Jahresvorrat an Taschentüchern verbrauchen und ungefähr zehn Kilo Eis in sich hineinschaufeln bis einem schlecht wird. Trauer, Frust und Depression, die einem jeden noch so sonnenklaren Tag trüben. Die einem die Freude an wirklich allem nehmen, egal, wie sehr man sich vorher auch dafür begeistern konnte.
Genau das war es, was ich in dieser Zeit gefühlt habe. Eine endlos tiefe, mit nichts auszufüllende Leere, die mich von Augenblick zu Augenblick mehr in sich verschlungen hat. Die mich innerlich zerfressen und mir keine Ruhe gelassen hat – außer in den paar wenigen Stunden in der Nacht, in denen ich geträumt habe. Natürlich von Dir. Welch grausame Ironie.
Auch wenn ich schon viele Male durch dieses Höllenfeuer namens Liebeskummer gegangen bin, auch wenn ich diesen tiefgreifenden, bohrenden Schmerz schon mehr als deutlich gekannt habe – dieses Mal war es besonders extrem.
Nicht nur allein deshalb, weil Deine ganze Art mich hellauf begeistert hat, sondern weil es bei Dir zum allerersten Mal tatsächlich eine reelle Chance gegeben hätte, dass etwas daraus wird. Weil Du nicht bist wie die anderen Jungen sind, weil Du und ich auf demselben Weg sind – und weil Du weißt, was es bedeutet, nicht mit dem Strom zu schwimmen.
Genau deshalb habe ich so sehr gehofft, dass es passen könnte, dass Du der allererste Junge in meinem Leben bist, dem ich meine Liebe und mein Herz schenken und bei dem ich mir sicher sein kann, dass er gut darauf aufpasst.
Ich weiß, wie gefühlsduselig das klingt, aber es ist die volle Wahrheit. Du, Tristan, warst der allererste Junge, bei dem ich tatsächlich die leise Hoffnung hatte, dass er mich vielleicht sieht und erhört.
Auch wenn ich schon oft verliebt war, schon oft für jemanden geschwärmt habe, so war mir trotzdem immer irgendwie schon vorher klar, dass sowieso nichts daraus werden wird. Aber bei Dir war es zum allerersten Mal anders, bei Dir hatte ich das Gefühl, dass es wirklich funktionieren kann und dass Du jemand bist, der mich nicht für das verurteilen würde, was ich nun einmal bin. Aber leider soll mir das wohl nicht vergönnt sein. Leider scheint das Schicksal irgendetwas dagegen zu haben, dass ich mich nur ein einziges Mal in meinem Leben glücklich verliebe. Wär ja auch zu schön gewesen.
Ach Tristan, mein strohblonder Prinz, wie gern würde ich Dir sagen, was ich für Dich empfinde. Wie gern würde ich Dich wissen lassen, dass ich Tag und Nacht an Dich denke und mir nichts sehnlicher wünsche als ein einziges Mal ganz allein mit Dir zu sein. Wie gern würde ich Dir sagen, welch große Rolle Du in meiner kleinen Welt spielst. Und wie unglaublich attraktiv Du vor allem beim letzten Treffen ausgesehen hast.
Dieses ärmellose, dunkle Sweatshirt, das hauteng an Deinem Körper lag und dadurch Deine ohnehin schon außergewöhnliche und reizvolle Figur noch deutlicher zur Geltung gebracht hat. Das war so verflucht attraktiv. Du warst attraktiv. Und sexy. So verflucht sexy.
Ganz ehrlich: Ein Mann wie Du, der ohnehin schon der Sexappeal in Person ist, in einem solch hautengen Outfit, das seine Figur überdeutlich betont und fast jede Kleinigkeit davon erkennen lässt. Schlag mich tot – aber welche Frau sollte denn da nicht schwach werden?
Die viel entscheidendere Frage, die ich mir stellen sollte, ist allerdings: Wie in Gottes Namen soll ich es schaffen, Dich aus meinem Bewusstsein rauszukriegen? Wie soll ich Dich vergessen und hinter mir lassen können, wenn Du in meinem Herzen längst schon Wurzeln geschlagen hast? Wie soll ich damit umgehen, wenn ich Dich, so wie beim letzten Mal, zusammen mit Deiner Freundin herumturteln sehe? Wenn ich dabei zusehen muss, wie sie das mit Dir macht, was ich so gerne mit Dir machen würde. Wenn sie Dein weiches, blondes Haar streichelt und Dich eng an sich drückt, während ich machtlos bin und nichts weiter tun kann als dabei zuzusehen?
Die Antwort auf diese Fragen ist leicht gefunden: Einfach stark sein. Aber das dann in die Tat umzusetzen ist natürlich wieder eine vollkommen andere Hausnummer. Nichtsdestotrotz will und werde ich mein Bestes versuchen, um mir Dir gegenüber nichts anmerken zu lassen und so zu tun als wäre alles wie immer. Vielleicht schaffe ich es ja auf diese Art, Dich noch ein bisschen näher kennenzulernen. Denn wenn ich schon nicht Deine Freundin für Dich sein kann, dann vielleicht wenigstens eine Freundin. Das ist ohnehin viel, viel mehr als ich mir je wünschen könnte. Weil jedes einzelne Lächeln von Dir mir immer wieder klarmacht, dass es sich lohnt, diesen Schmerz zu ertragen. Dass es sich lohnt, still und leise vor mich hin zu leiden, nur um ein einziges Mal am Monatsende in das Hochgefühl Deiner Anwesenheit zu kommen. Denn ich tue es aus Liebe. Aus echter, unauslöschlicher Liebe zu Dir.
Und wenn mir schon kein reales Glück mit Dir vergönnt ist, dann doch wenigstens ein Traum. Ein wunderschöner, intensiver und einzigartiger Traum, den keiner mir jemals wegnehmen kann. Denn ganz egal, was auch kommt, meine Gefühle für Dich werden für immer so stark sein wie heute. Völlig gleich, wie weit entfernt Du auch bist – für mich wirst Du auf ewig ganz nah bei mir sein.
Weil Du einen Platz in meinem Herzen hast. Daran kann selbst die Zeit nichts verändern. Tristan, Du wirst immer ein unsterblich schöner Engel für mich sein. Mein Engel in Blond.
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