What is life about?

von sacrum
GeschichteAllgemein / P12
OC (Own Character)
28.05.2018
11.09.2019
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Ein lautes Scheppern ließ Nelly aus ihrem wohligen Schlaf aufschrecken. Verwirrt, verschlafen und total zerzaust saß sie nun in ihrem Bett. Ihr suchender Blick schweifte ratlos durch ihr Zimmer. Es war nicht das Zimmer, in welchem sie die letzten drei Jahre immer aufgewacht war. Das Bett ihrer Freundin Katy stand nicht da. Auf der einen Seite war es ein komisches Gefühl alleine aufzuwachen. Doch auf der Anderen überwog das Gefühl zu Hause zu sein. An dem Ort, wo sie aufgewachsen war.
Müde schwang sie ihre Beine aus dem Bett und begab sich auf die Suche nach dem Geräusch, welches sie geweckt hatte. Sie lief durch die Wohnung ihres Bruders. Da sie nicht wusste, wer den Lärm verursacht hatte, bemühte sie sich relativ leise zu schleichen. Doch die Anspannung verlor sich schnell wieder, als sie ihren Bruder in der Küche laut fluchen hörte. Belustigt lehnte sich Nelly gegen den Türrahmen und betrachtete ihren schimpfenden Bruder. Tony war eine Tasse aus dem Schrank gefallen. Bei ihrem Aufprall hatte sie sich schließlich in hunderten Einzelteilen über den Boden verteilt, welche Tony versuchte einzusammeln. Er war so vertieft in seine Suche nach den restlichen Teilen, dass er gar nicht mitbekam, wie Nelly sich angeschlichen hatte.

Ein leises Räuspern und ein ,,Guten Morgen, liebster Bruder!" ihrerseits, ließen Tony aufschrecken. Mit einem entschuldigenden Grinsen blickte er sie an.
,,Sorry, Schwesterchen. Ich wollte dich nicht wecken. Hab uns dafür aber schon Frühstück gemacht", sagte er mit einer einladenden Geste in Richtung Esstisch. Tatsächlich war der Tisch mit reichlich Leckereien bedeckt. Überrascht zog Nelly eine Augenbraue nach oben. Frühstück machen gehörte eigentlich nicht zu Tony's Lieblingsaufgaben.
Ihre Verwunderung überspielte sie einfach und setzte sich zu ihrem Bruder an den Tisch.
Die Beiden begannen zu essen. Keiner von Ihnen sagte etwas. Jedoch blickte Tony seine kleine Schwester sehr interessiert an. Nelly versuchte ihn zu ignorieren. Das gelang ihr jedoch nur kurz und so schnaufte sie einmal genervt aus.
,,Was ist? Warum schaust du mich so an?"
,,Naja. Du hast gestern Abend schon geschlafen, als ich nach Hause gekommen bin. Ich wollte wissen, wie dein Gespräch beim FBI war"
Nelly stoppte in ihrer Bewegung. Eigentlich wollte sie gerade einen Schluck Kaffee trinken. Die Tasse hatte allerdings nur den halben Weg geschafft und befand sich bereits auf dem Rückweg. Langsam stellte sie die Kaffeetasse wieder auf den Tisch.

,,Es lief ... wie soll ich das sagen? Es lief anders, als das Gespräch mit dem NCIS. Die Chefin war gestern sehr angetan von mir. Aaron Hotchner, der Boss von dem Profilerteam eher weniger. Er meinte, dass ich zu jung und unerfahren sei. Mal ganz abgesehen davon, dass ich kein ausgebildeter Agent bin. Dann wurde eine Weile diskutiert. Rausgekommen ist eine Art Probezeit bzw. Praktikum. Ich begleite das Team jetzt ein halbes Jahr. In der Zeit habe ich die Möglichkeit Agent Hotchner von mir zu überzeugen.", erzählte Nelly schließlich.
Tony lächelte seine Schwester stolz an. Im nächsten Moment sprang er von seinem Stuhl. Er rannte um den Tisch zu seiner Schwester, welche er schließlich in seine Arme zog. Er hob sie hoch und drehte sich mit ihr im Kreis.
,,Meine Schwester ist beim FBI!"

Nachdem er damit fertig war, sich wie ein Karusell im Kreis zudrehen, stellte er sein kleines Schwesterchen wieder auf den Boden.
,,Nur auf Probe.", ergänzte sie ihn, musste aber selber breit grinsen. Nelly konnte nicht abstreiten Stolz auf sich zu sein.

Tony's Stimmung änderte sich jedoch plötzlich.
,,Wann musst du anfangen?", fragte er dann.
,,Schon morgen..."
Ein ,,Oh" war alles, was er Zustande brachte. Es folgte eine kurze Stille.
,,Was wollen wir unternehmen?", fragte er auf einmal. Verwirrt sah Nelly ihren Bruder an.
,,Was meinst du?"
,,Naja, du weißt doch, wie das bei mir läuft. Mit geregelten Arbeitszeiten ist es in dem Job nicht. Und da wir bei unterschiedlichen Behörden arbeiten, kann es sein, dass wir uns sehr selten sehen. Also will ich mit dir heute nochmal was machen. Nur du und ich. Sozusagen ein Geschwistertag."
Soweit hatte sie noch gar nicht gedacht. Sie würde weiterhin bei ihm wohnen, aber ihn kaum noch sehen. Diese Tatsache dämpfte ihre Vorfreude auf ihren "neuen" Job.
,,Du hast Recht. Soweit hatte ich noch gar nicht gedacht... Ich weiß nicht, was wir machen könnten." Ratlos blickte sie Tony an.
,,Lass dich überraschen!", entgegnete er nur, drehte sich um und ging. Zurück blieb eine verwirrte Nelly.


Zwei Stunden später saß Nelly fertig angezogen auf dem Sofa im Wohnzimmer. Ihren Bruder hatte sie seit dem Frühstück nicht mehr gesehen. Das lag jedoch an der Tatsache, dass er die Wohnung verlassen hatte. Er war,ohne erklärende Worte gegangen.  
Mit einem verschwörerischem Lächeln hatte er ihr nur kurz gesagt, dass er sich bei ihr melden würde.
Dies hatte er auch einige Minuten zuvor getan. Wirklich schlau wurde Nelly daraus trotzdem nicht. Er hatte ihr nur geschrieben, dass er sie gleich abholen würde.
Daraufhin hatte Nelly sich fertig gemacht. Sie hatte sich lässige Klamotten aus ihrem Schrank geholt und ihre lange rotbraune Haarpracht zu einen lockeren Zopf geflochten.
Seit dem saß sie auf dem Sofa und wartete. Die Zeit verging schleichend langsam. Nelly wollte endlich wissen, was ihr Bruder ausheckte. Immerhin hatte er am Morgen darauf bestanden, den Tag mit ihr zu verbringen. Doch danach sah es im Moment nicht aus.

Getreu dem Motto ,,Wenn man vom Teufel spricht" stand plötzlich Tony im Wohnzimmer. Er sah seine Schwester auffordernd an. Nelly kam der stummen Bitte nach, erhob sich vom Sofa und begab sich zusammen mit Tony zur Wohnungstür. Tony redete kein Wort. Doch seine Augen funkelten aufgeregt. Schweigend gingen die Geschwister durch das Treppenhaus, bis sie auf der Straße standen.
,,Wo bringst du mich hin?", fragte Nelly schließlich. Wenn es um Überraschungen ging, war Nelly nie die Geduldigste.
,,Lass dich überraschen!", kam die einfache Antwort. Nelly half diese Aussage natürlich überhaupt nicht. Tony lief schließlich einfach los. Seine Schwester folgte ihm.

Nach etwa zehn Minuten erreichten die Beiden einen kleinen Park, welcher sich in der Nähe ihrer Wohnung befand. Nelly war des öfteren hier. Jedoch meistens alleine. Sie genoss ihre einsamen Momente, in denen sie die anderen, fremden Menschen beobachtete. Der Park war ihr Rückzugsort, egal welches Wetter herrschte.
Tony führte Nelly in die Mitte des Parks. Viele Sträucher und Bäume umrandeten einen kleinen See. Die Sonne stand hoch am Himmel und spiegelte sich in der unebenen Wasseroberfläche.
Am Ufer lag eine Decke. Es war aber nicht irgendeine Decke. Im Gegenteil. Es war die rot karierte  Decke, auf der Tony und sie als Kinder immer gespielt hatten. Bei genauerem Hinsehen konnte Nelly noch andere Dinge ausmachen, die eng verbunden mit ihrer Kindheit waren. Kartenspiele, Brettspiele, eine Frisbee und kleine Naschereien. Überwältigt schlug die Italienerin die Hände vor ihren Mund.
,,Ich dachte mir, wenn du ab morgen so richtig ins Erwachsenenleben eintauchst, da brauchst du vorher nochmal was aus deiner Kindheit."
Mehr als ein stummes Nicken brachte Nelly nicht zu Stande.
Zusammen begaben sich die Beiden auf die Decke. Sie spielten viele Spiele. Mit jedem einzelnen waren wundervolle Erinnerungen verbunden. Sie fühlte sich in die Zeit ihrer Kindheit zurückversetzt. Wie sie und Tony im Garten ihrer Eltern spielten, wie sie das Haus auf den Kopf stellten, wie viel Spaß sie immer gehabt hatten.

Es vergingen einige Stunden. Die Sonne stand längst nicht mehr hoch am Himmel. Ihr Untergang tauchte alles in ein buntes Farbenmeer. Der See strahlte, genauso wie der Himmel. Die Vögel sangen abendliche Melodien.
,,Weißt du, Schwesterchen. Wir haben alle Brett- und Kartenspiele gespielt. Jetzt fehlt nur noch eine Runde Frisbee."
Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, da stand er schon mit der Frisbee in der Hand vor Nelly. Diese stand lachend auf.
,,Sicher, dass du das noch kannst, Alter Mann!?", provozierte sie ihren Bruder neckend.
,,Na warte!", gab er von sich.
Die Frisbee flog einige Male hin und her. Mal hoch, mal tief, mal gerade, mal schräg.
Die fliegende Scheibe war gerade auf dem Weg zu Tony. Nelly hatte sie ziemlich schwungvoll von sich geworfen. Und somit geschah genau das, was passieren musste. Bei Tony's Versuch die Frisbee zu fangen, eilte er einige Schritte rückwärts. Sein Blick war stur auf die Scheibe gerichtet. Doch im nächsten Moment fand er sich in dem kleinen See wieder. Er war soweit rückwärts gelaufen, um die Frisbee zu fangen, allerdings war er dabei geradewegs in den See gelaufen und über einen Stein gestolpert. Pitschnass saß Tony im Wasser. Nelly hingegen hielt nichts mehr auf ihren Beinen. Lachend ließ sie sich ins Gras fallen. Tony missfiel das jedoch. Beleidigt schaute er seine Schwester an. Beim Anblick seiner lachenden Schwester schlich sich auch auf seine Lippen ein Lachen.
,,Willst du nicht mal aus dem Wasser rauskommen oder schafft der alte Mann das nicht alleine?"
,,Ha ha. Du bist so witzig. Komm her und hilf deinem Lieblingsbruder!"
Nelly schnaubte belustigt.
,,Natürlich bist du mein Lieblingsbruder. Du bist ja auch mein einziger Bruder. ... Naja, komm, ich helfe dir mal." Nelly erhob sich von der Wiese, um zu ihrem Bruder zu gehen. Sie hatte ihn gerade erreicht und ihr Hand ausgestreckt, da griff er nach ihrem Arm und zog sie mit einem ,,Ahh"  zu sich ins Wasser. Nun war es an Tony zu lachen. Für seine Aktion erhielt er einen tödlichen Blick aus Nelly's braunen Augen.
,,Wenn Blicke töten könnten, dann würdest du jetzt hier im Wasser treiben!", murmelte sie bedrohlich.
Tony nahm es locker, hielt ihr seine Hand hin und zusammen verließen sie den kleinen Parksee.
,,Ich glaube wir sollten nach Hause gehen. Zum einen sind wir klitschnass und zum anderen hab ich Hunger.", meinte Tony und bekam ein zustimmendes Nicken von Nelly.  

Also machten sich die Beiden tropfend, aber glücklich auf den Weg nach Hause. Die Geschwister hatten den Tag genossen und neue Kraft geschöpft. Nun waren die Beiden bereit für das neue Kapitel in ihrem Leben.
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