Something about rainy nights.

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Armin Arlert Eren Jäger Irvin / Erwin Smith Levi Ackermann / Rivaille Mikasa Ackerman
27.05.2018
09.02.2019
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Er sah zu mir hoch. Wachsam, dunkle Ränder unter den Augen. Er war nur eine Armlänge entfernt. Ich roch Tinte und Leder. Nur eine Armlänge.

Er fing meine Hand ab, hart, seine Finger um meine Finger. Ich schnappte nach Luft. Verdammt, wie machte man so etwas? Ich spürte, wie das Blut in mein Gesicht kroch. Realisierst du eigentlich, was du hier vorhast, Eleanor, kreischte ein Teil meines Gehirns.

„Eleanor.“ Er schob den Stuhl zurück, knarrend, stand auf. Meine Hand in seiner. Das hier ist ein Auftrag. Du bist die verdammte Mauer. Konzentrier dich.

Nur noch eine Handlänge, ein Sonnenstrahl, zwischen uns. Seine eisblauen Augen glommen im Morgenlicht und seine Haare riefen nach einer Hand, die sie zerwuschelte. Er musste etwas in meinem Blick gelesen haben, denn seine Augen wurden kalt.

„Ich weiß, was du vorhast. Das wird nicht funktionieren.“ Er ließ meine Hand los, als hätte er sich verbrannt. Trat einen Schritt zurück. Ich biss die Zähne zusammen. Ach ja, er wusste also, was ich plante? Arroganter Mistkerl.

„Ich wollte nur…“ Ich streckte die Hand aus. „Eleanor“, warnte er. „Okay, okay.“ Ich hob abwehrend die Hände.

Schweigen. Ich musterte ihn. Haare – bestimmt weich. Blaue Augen, Hemd, erster Knopf offen, Hände, Arme, Muskeln. Argh, das machte es nicht besser. Mein Blick traf seinen. Wir sahen beide weg.

Er verschränkte seine Arme vor der Brust. Sah auf mich herunter. „Also, was willst du?“ Ich presste die Lippen aufeinander. Gingen wir es rational an: ich hatte keine Chance. Ich brauchte einen Plan. Die Phiole lag kühl an meiner Haut. Gut.

„Erwin“, sagte ich langsam. Er zuckte zusammen. Oder hatte ich mir das eingebildet? Keine Zweifel jetzt, Eleanor. „Ich habe gestern etwas geträumt.“

Er hob eine Augenbraue. Verdammter Bastard! Ich wusste, dass das nach Mist klang.

„Ich würde das gerne ausprobieren. Wäre das in Ordnung?“ Ich hob eine Hand. Sah, wie er sich anspannte. Eine Handbewegung und meine Haare fielen mir frei über den Rücken, kitzelten meinen Nacken, weich. Machte ich mich gerade lächerlich? Nicht dran denken, Eleanor.

Er legte eine Hand ans Kinn. „Das kommt drauf an. Hast du mich in dem Traum umgebracht?“ Sein Mundwinkel zuckte.

Ich schüttelte den Kopf. Ließ meinen Blick über seinen Körper gleiten, diesmal mit Absicht, langsam. Sah ihm dann in die eiszapfenblauen Augen und lächelte. Honigsüß, böse.

Ich trat vor, stand direkt vor ihm. Tinte und Leder und schwarzer Tee. Ich hob die Hand, fuhr über seine Wange. Weich und körperwarm. Er wehrte sich nicht diesmal. Starrte mich an. Holte tief Luft.

„Ich habe dich immer bewundert“, sagte ich, überrascht von meinen eigenen Worten. Er lächelte schief, vorsichtig, wachsam. „Ach ja?“ Ich nickte.

„Für seine Überzeugungen zu kämpfen, ist etwas Gutes.“ Wenn man es sich leisten kann, fügte ich in Gedanken hinzu. Seine Augen wurden dunkel. „Ja“, sagte er unbestimmt. Ich atmete tief ein, abgelenkt von seinem Geruch. Von der bloßen Nähe. Ich konnte seine Körperwärme spüren. Die Phiole dagegen war Eis.

„Ja, ist es.“ Ich wusste nicht, warum ich ihn bestärkte. Aber er lächelte und meine Brust fühlte sich an wie ein Waldbrand. Also küsste ich ihn.

Es war so einfach in dem Moment. Ich zog ihn zu mir hinunter. Meine Hände in seinem Nacken. Presste meinen Mund auf seinen. Bartstoppeln kratzen meine Wangen. Er schmeckte nach Zimt. Fühlte sich an, als würde ich was Verbotenes tun.

Seine Hände auf meinem Rücken, sein Atem in meinem Mund. In meinem Bauch nisteten fleischfressende Schmetterlinge. Knabberten, sangen, wollten fliegen. Mein Gesicht glühte. Sein Herzschlag unter meinen Fingern ein zappelndes Tier.

„Eleanor.“ Heiseres Wispern. Meine Brust schmerzte. Oh. Er löste sich von mir. Seine Hände an meinen Oberarmen. Drücke meine Arme an meine Seite. Blonde Haare fielen ihm in die Stirn.

Seine Augen waren dunkel. Sein Kiefer angespannt. Sah mich an. Was würde ich geben, in diesem Augenblick, um zu wissen, was er dachte. „Erwin“, sagte ich. Der Griff um meine Arme löste sich.

Da war etwas Verlorenes in seinem Blick. Ich wollte sagen: alles wird gut. Ich wollte mit den Fingern durch sein Haar streichen. Wollte ihn festhalten. Wollte ihn weinen sehen. Wollte sehen, dass er ein Mensch war.

„Ist es das, was du willst?“, fragte er. Ich lächelte schief. „Ist es das, was du willst?“, fragte ich zurück. Ein dunkles Grinsen huschte über sein Gesicht. Er beugte sich vor. Meine Nase an seiner, Winteraugen. „Ja“, sagte er, Atem warm auf meinem Gesicht.

Wir waren ein Taumeln. Eine Tür in meinem Rücken, seine Hände, ein Bett. Kühle Laken in meinem Nacken. Ich presste mich an ihn und ich habe noch nie, noch nie etwas mehr gewollt. Eine Stimme in meinem Kopf kicherte, aber er küsste mich und ich erstickte sie mit einem Atemzug.

„Eleanor“, wisperte er gegen meinen Mund. Ich zog ihn noch näher, näher zu mir. Näher. Meine Finger wanderten zu seiner Kehle. Er versteifte sich. Ich kicherte. Versuchte mit zittrigen Fingern, die Knöpfe seines Hemds zu lösen. Er entspannte sich wieder. Grinste mich an. Was für eine absurde Situation. Ich atmete seinen Geruch ein.

Er wirkte frei, sein Lachen ein flatternder Vogel mit weichen Schwingen. Mein Herz hämmerte in meiner Brust. Was tust du hier, Eleanor?

Er löste meine Hände, richtete sich auf, knöpfte langsam sein Hemd auf, zog es über die Schultern. Oh, drei Mauern. Ich starrte ihn an. Morgensonnenlicht streichelte seine nackte Haut. Ich fuhr mit der Hand über seine Brust, seinen Bauch. Spürte, wie er leicht zitterte.

Verdammt. Ich zog meinen Pullover über den Kopf, mit fliegenden Fingern. Mein Bauch, Chaos. Seine Augen weit, sein Atem hastig. Ich senkte den Blick. Oh, Mauern. Er drückte mich aufs Bett. Ich zog ihn zu mir herunter.




Die Sonne brannte auf meinen Rücken. Ich gähnte, streckte mich. Öffnete die Augen. Oh, Verdammt. Das hier war nicht mein Bett.

Ich setzte mich auf, vorsichtig. Mein Herz klopfte so laut, dass ich befürchtete, er würde davon aufwachen. Erwin. Lag auf dem Bauch, Sonne schimmerte auf seiner Haut, ein Arm über meinem Bauch. Vorsichtig befreite ich mich.

Ich wollte meinen Blick von ihm lösen, wollte von dem Bett steigen. Wollte. Blonde Strähnen fielen ihm ins Gesicht. Wollte sie zur Seite streichen. Meine Hand schwebte über seinem Kopf, ich zog sie zurück. Es ist nicht die Zeit dafür, Eleanor. Denk an deinen Auftrag.

Okay. Meine Hand griff nach der Phiole, aber sie war nicht mehr da. Natürlich. Ich hatte sie in mein Oberteil gesteckt. Alle meine Klamotten lagen auf dem Boden zerstreut. Ein warmes Kribbeln in meinem Bauch. Denk nicht dran.

Ich rutschte vom Bett und durchwühlte die Kleidung. Sein Hemd. Es roch nach ihm. Konzentrier dich. Meine Finger tasteten, konnten die Phiole nicht finden. Ich atmete aus. Puh. War das etwa Erleichterung? Ich richtete mich wieder auf und da sah ich es. Ein Schimmern. Unter dem Bett. Mist.

Die Schmetterlinge in meinem Bauch waren wütend. Zupften an meinen Gedärmen, drückten meine Lunge, rissen an meiner Brust, als ich die Phiole aufhob.

Der Kommandant des Aufklärungstrupps regte sich nicht. Ich legte eine Hand an seine Wange, hob seinen Kopf leicht. Hielt die Phiole mit der anderen Hand umkrampft, warm unter meinen Fingern. Beugte mich runter. Sein Geruch. Er runzelte die Stirn. Ich hielt die Luft an, aber er wachte nicht auf. Wach auf, schrie etwas in mir. Wach auf, wach auf, wach auf.

Ich öffnete die Phiole, es war einfach. Wach auf, verdammt. Halt mich auf. Meine Brust schmerzte, ich spürte es, ich konnte kaum atmen. Es muss getan werden, Eleanor. Tu es. Wir sind die Mauer. Ich konnte doch nicht meine Familie verraten. Ich blinzelte Tränen weg. Tränen! Verflucht.

Er sah so friedlich aus, so so friedlich. Ich setzte die Phiole an. Kippte. Wach auf, verdammt. Aber er schluckte. Es fühlte sich an, als würde ich fallen. Hatte einen Moment das Gefühl, ich würde das Gleichgewicht verlieren. Oh. Mist. Verfluchter Mist.

Warum musste es diesmal so schwer sein? Warum musste er hier liegen, warum, warum wollte ich nur in seine Arme kriechen, mich zusammenrollen? Verdammt. Ich warf die leere Phiole auf den Boden. Klirrend zersprang sie.

Der Kommandant des Aufklärungstrupps riss die Sturmaugen auf. Blinzelte. Sah mich. Lächelte. Ich verbarg die zitternden Hände hinter dem Rücken. Er richtete sich auf. Wischte sich die Haare aus dem Gesicht. Und dann begann er zu husten.
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