Something about rainy nights.

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
27.05.2018
11.01.2019
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Vor 12 Jahren

Er lächelte selten, aber er lächelte, als er mir das Messer in die verschwitzte Hand legte. Schloss seine großen, traurigen Finger um meine und sagte: „Es ist Zeit, Eleanor.“

„Eleanor“, wisperten sie. Wie Regen. Rund und rundherum. „Eleanor. Schwester“, wisperten sie, weil es immer leichter war, für seine Familie zu töten.

Ich lächelte auch. Stolz. Ich hatte das verdient. Ich hatte überlebt. Zwölf Jahre. „Wer bist du?“, fragte der Mann, der nicht mein Vater war. „Eleanor.“ Ich klammerte die Hände um das Messer. Das hier war mein großer Tag.

„Und was machen wir?“ Ich kannte die Antwort. „Wir dienen.“ Meine Brust war voll mit Stolz. „Wir beschützten. Wir sind die Mauer.“

„Gut.“ Nicht-Vater zog den Sack vom Gesicht des Mannes herunter. „Dann diene.“


Heute

Kennst du das? Nachts, ganz tief nachts. Wenn die Dunkelheit klebrig ist und Augen, böse Augen, hat. Du sitzt im Bett, die Decke bis zum Kinn gezogen, das Herz klopfend in deiner Kehle. Und Mann, ich bin eine verdammte Assassinin. Wir sollten immun dagegen sein.

„Schwester“, kratzte die Dunkelheit und ich sprang fast an die Decke. Scheiße.

Ein Junge kletterte aus der Finsternis und ich schwöre, sie machte ein seltsam schmatzendes Geräusch, als sie ihn entließ. Ich atmete tief ein, aus, ein, aus. Alles gut, alles okay. Einer von seinen Rekruten.

„Ich habe ein Geschenk“, sagte der Junge. Ich erkannte seine Stimme nicht – er musste neu sein. Eine kleine Hand drückte mir ein Stück Kälte in die Hand. Schemenhaft sah ich sein Gesicht vor mir. „Vater sagt: enttäusch mich nicht.“ Ich nickte panisch. Reflex. „Vater sagt: wir dienen, Eleanor.“

Unnötig zu sagen, aber diese Nacht schlief ich nicht mehr ein.

Das Tageslicht, das durch die Gitterstäbe hereinfiel, zeigt mir nur, was ich schon wusste. In meiner Hand lag eine schmale Phiole. Kalt, obwohl ich sie die ganze Nacht umklammert hatte. Die Flüssigkeit darin war farblos.

Du kannst das, Eleanor.

Als Hanji die Tür aufschloss, war ich angezogen. Hatte meine Haare in einen festen Knoten gebunden. Die Phiole lag kühl auf meiner Haut, gut versteckt. Ich atmete tief ein und trat in den Flur.

„So ernst heute, Elli“, lächelte Hanji. Ich ballte die Hand zur Faust, hinter dem Rücken. Dann grinste ich. „Du kennst mich. Ich bin immer ernst.“ Hanji kicherte und zwinkerte mir zu.

„Guten Morgen, Elli.“ Mikasa winkte mir zu. Eren neben ihr gähnte. „Morgen“, lächelte ich und spürte ein Ziehen in meiner Brust. Einen kleinen Stich. Die Phiole? Nein. Ich wusste nur zu gut, was das war. Und ich würde nicht zulassen, dass es meinen Plan zerstörte. Ich musste das tun. Wir sind die Mauer. Wir beschützen. Wenn wir versagen, sterben Menschen.

„Kommst du mit Frühstücken?“ Eren kratzte sich am Kopf. Mein Lächeln wackelte ein bisschen. „Geht schon mal vor.“ Und viel, viel zu schnell, war ich allein im Korridor.

Ich wischte mir mit den Fingern übers Gesicht. Wir dienen. Wir beschützen. Wir sind die Mauer. Wir sind die Mauer. Die verdammte Mauer.

Einatmen, ausatmen. Ich hatte es wirklich gemocht hier. Aufwachen und wissen, wie der Tag aussieht. Aufwachen und wissen, dass man mit Freunden frühstückt. Lacht, den Tag verbringt. Ich atmete tief ein. Aber das war normal. Wir waren Menschen.

Die Zeit war um. Ich wurde wieder zu Stein. Kalt. Aber wir beschützten die Menschen. Das war es wert. Ich lächelte. Erinnerte mich an die Familie, den Stolz. Ich tat das Richtige. Biss mir auf die Lippe. Atmete aus. Gut.

Ich klopfte an. Warte zwei, drei atemlose Sekunden. Und dann: seine Stimme. „Herein.“

Die Tür schwang langsam auf. Er saß am Schreibtisch. Ein Hauch von Bartstoppeln auf seinem Kinn und dunkle Ränder unter den Augen. Er sah auf. „Guten Morgen.“

„Guten Morgen.“ Ich ließ die Tür hinter mir ins Schloss klacken. Ich erinnerte mich an die Träume. Wir beide, atemlos, zerwühlte Laken. Und ich lächelte, süß wie Honig und gefährlich, gefährlich wie die Phiole, die kalt gegen meine Haut drückte. Es war Zeit, Erwin Smith zu töten.


Ich bin wieder da! Und das ist kein Muss, aber ich würde mich über ein Review freuen (Positives, Negatives - beides gut). Hab die Geschichte vermisst. Bis zum nächsten Mal :D
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