Something about rainy nights.

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Armin Arlert Eren Jäger Irvin / Erwin Smith Levi Ackermann / Rivaille Mikasa Ackerman
27.05.2018
09.02.2019
5
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Die Reste meines Traumes klebten immer noch in meinen Augenwinkeln. Ich folgte den anderen nach draußen in die Kälte, aber ein Teil von mir spürte immer noch warmes Herzklopfen unter meinen Fingern und heißen Atem auf meinem Gesicht. Der Traum zerfloss zwischen meinen Händen und ich wusste beim bloßen Willen nicht mehr, was in meinem Kopf geschehen war. Und ich war mir beinah sicher, dass ich es auch nicht wissen wollte.

„Es geht los“, wisperte Christa neben mir. Die Pferde standen bereit. Meine Stute schnaubte und ihr Atem stieg in warmen Wolken zum Himmel empor. Nebel tanzte um ihre Hufe. Ich schwang mich auf ihren Rücken. Sofort fühlte ich mich wohler. Ich sollte nicht so nervös sein. Heute war nur ein Test für den Ernstfall. Und ich hatte eine Überraschung für den Kommandanten vorbereitet.

Wir würden unsere Formation reiten, bis zu einem Wald südlich des Hauptquartiers und dort mit unserem Maneuver Gear weitermachen. Und das war meine Chance. In den dichten Baumkronen verloren wir uns schnell aus den Augen. Ein falscher Schritt und Kommandant Erwin Smith war Geschichte. Neben mir schnaubte ein Pferd. Levi ritt an mir vorbei und nahm seinen Platz zur Rechten Kommandanten ein. Verfluchte Scheiße aber auch. Levi warf mir finstere Blicke zu.

„Weber“, ertönte Erwins dunkle Stimme. Ich zuckte zusammen. Mein Gesicht wurde warm. Verdammt. Er hatte mich nur überrascht. Konnte jedem passieren. Ich nickte stumm. „Komm an meine Seite“, befahl er und deutete links neben ihm auf die gefrorene Erde. Ich biss die Zähne zusammen.

Ich sah noch, wie Armin mir einen seltsamen Blick zuwarf, als ich meine Stute neben das Pferd des Kommandanten lenkte. Ich wollte gar nicht wissen, was die anderen Rekruten über mich dachten. Blut schoss mir ins Gesicht. Verflucht aber auch.


Der Kommandant ließ sein Pferd galloppieren und ich lehnte mich vor, um mit ihm Schritt zu halten. Vor uns erhoben sich die Bäume in die kalte Herbstluft. Der Wind pfiff schmerzhaft um meine Ohren.

Da. Das Signal. Ich ließ die Haken in die Luft schießen. Ein Ruck und ich wurde hochgerissen. Ich liebte diese Momente. Freifliegend. Das allein war es schon wert gewesen, diese Mission zu übernehmen.

Leichtfüßig landete ich in einer Astgabelung. Erwin? Da hinten war er. Mit Levi an seiner Seite. Wir sollten den Wald durchqueren und dabei sämtliche Holztitanen ausschalten. Die Pferde würden auf der anderen Seite auf uns warten.

Erwin rauschte mit Levi an seiner Seite tiefer in den Wald hinein, während die anderen nach den Titanen suchten. Ich zog meine Kapuze tief ins Gesicht und folgte ihnen. Bald waren wir nur noch zu Dritt. Um uns herum bloß das leise Rascheln von Blättern.

Erwin und Levi wollten wohl die direkte Route durch den Wald nehmen. Genau wie ich es vorausgesehen hatte. Ein Grinsen breitete sich trotz der Kälte auf meinem Gesicht aus. Oh, ich hatte begriffen, dass man dem Kommandanten des Aufklärungstrupps nicht mit roher Gewalt beikommen konnte.

Drei Fallen. Drei Fallen und dann war das Stahlseil aufgebraucht gewesen. Meine Hände waren blau und blutig gewesen, als ich vor ein paar Tagen in den frühen Morgenstunden zurückgekehrt war. Aber das war es hoffentlich wert.

Ich ging tiefer, schwang mich direkt über dem Boden weiter. Noch ein Stück, ein kleines Stück. Levi stolperte. Ich grinste. Nummer eins. Stahlseile zischten durch die Luft. Ha!

Levi rollte sich herum und schoss empor. Mist! Falle eins war jetzt nutzlos. Aber dann machte er eine scharfe Kurve und ich wusste, was ihm bevorstand. Stahl drückte den Schwarzhaarigen gegen einen dicken Stamm. Er brüllte frustriert, aber diese Seile konnten nicht so einfach gelöst werden. Nicht einmal für einen Ackermann. Er zappelte. Ich grinste.

Noch eine Falle. Erwin kauerte auf einem Ast und zog seine Klingen. Noch ein Schritt zur Seite. Nur noch ein Schritt. Aber stattdessen stieß er sich ab. Verflucht! Ich riss herum, holte Schwung und prallte mit voller Wucht gegen den Kommandanten.

Wir taumelten durch die Luft. Mein Atem stockte. Ich wurde gegen ihn gedrückt.

Arme, Beine, ein Knurren. Klingen, Elli, jetzt! Das ist deine Chance. Aber meine Hände zitterten.

Wir krachten schmerzhaft gegen einen Baum. Ich hustete, sah auf. Erwin hatte den Arm um mich gelegt. Die andere Hand lag am Baumstamm, um unser Gleichgewicht zu halten. Die Haken seines Maneuver Gears waren fest in dem Baum verankert. Wie er so schnell reagieren konnte, war mir ein Rätsel.

Er sah mich mit einem seltsamen Blick an. Ein Traumfragment huschte durch meinen Kopf. Starke Arme, warmer Atem. Ich biss mir auf die Lippe.

„Warum tust du es nicht?“ Erwins Stimme war rau. Ich blinzelte ihn an. Ja. Meine Hände waren frei, seine gebunden. Das war es, was ich wollte. Ich zog meine Klinge. Er zwinkerte mir zu und ein halbes Lächeln spielte um seine Mundwinkel.

Wie konnte er jetzt nur so ruhig sein? Etwas daran machte mich schrecklich wütend. Ich hob die Klinge.

„Kommandant…“, begann ich, hatte das Gefühl, etwas sagen zu müssen. Egal jetzt. Ich holte aus. Die Halsschlagader. Das war schnell, effizient. Ich hätte lieber sein Herz durchbohrt, aber das war eine sinnlos romantische Vorstellung. Effizienz, das war, was zählte.

Ich holte noch ein Stückchen weiter aus. Nur um sicherzugehen.

Klack. Was zur Hölle?

Etwas schnappte nach mir. Oh, oh verflucht. Kacke. Mist. Das war so ziemlich das Dümmste, das passieren konnte, dachte ich, während ich durch die Luft gewirbelt wurde. Stahlseile wickelten sich um meinen Körper, pinnten mich gegen einen Baum.

Ich atmete flach. „Verdammte Scheiße!“, fluchte ich lautstark. Jemand kicherte. Erwin lehnte mir gegenüber am Baum und lachte mich aus. Ein dumpfes Prusten verriet, dass selbst Levi sich amüsierte.

Dabei war das hier ganz und gar nicht lustig. Verfluchte Scheiße. Alles war so gut vorbereitet und was tat ich? Tappte in meine eigene Falle. Nicht lustig.

„Mach mich los“, versuchte ich es, aber Erwin lachte nur. Immer, immer wieder waren wir in dieser Position. Ich ballte wütend die Hände zu Fäusten.

Ein Tappen und Levi landete neben mir am Baum. Wie hatte er sich so schnell befreien können? Als ich klein war, hatte ich einmal einen Magier gesehen und der konnte so etwas. Aber ein Mitglied des Aufklärungstrupps – eher nicht.

„Versuch nicht wieder, den Kommandanten zu töten“, meinte er gefährlich ruhig und schwang sich dann neben Erwin. „Ist doch irgendwie lustig, oder?“, meinte Erwin. Er verzog die Lippen zu einem halben Lächeln, aber seine Augen waren eisig.

Die beiden schwangen sich weiter. „Hey!“, brüllte ich ihnen hinterher, „Macht mich los!“ Aber keine Chance. Verdammt. Ich machte mich daran, mit meinen Klingen am Baum zu schnitzen. Na, das konnte dauern. Bastarde.


So, Elderberry hier. Vielen Dank noch mal für die Kommentare - haben mich sehr gefreut und motiviert. Ich hab es leider am Wochenende nicht geschafft, das Kapitel hochzuladen, deswegen heute ;)
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