Something about rainy nights.

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Armin Arlert Eren Jäger Irvin / Erwin Smith Levi Ackermann / Rivaille Mikasa Ackerman
27.05.2018
09.02.2019
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Nacht und Regen, eine bessere Maskerade konnte sich ein Auftragsmörder nicht wünschen. Dicke Tropfen prasselten auf das Dach unter mir und durchnässten die Strähnen meines Haares, die es wagten, unter der Kapuze hervorzulugen. Ich wischte sie aus der Stirn und zog den dunkelgrünen Umhang enger um mich.

Vorsichtig rutschte ich zur Dachkante und befestigte die Haken unter den Ziegeln. Meine Mission war simpel: Töte den Kommandanten des Aufklärungstrupps. Simpel, aber nicht einfach. Verdammt aber auch. Ich ließ mich langsam an der Dachkante herunter, bis ich auf einer Höhe mit dem Fenster des Kommandanten war. Ehrlich gesagt war ich auch ein wenig neugierig, wie seine privaten Räume wohl aussahen.

Sich in den Aufklärungstrupp einzuschleusen, war überraschend einfach gewesen. Für jemanden mit meinen Vorkenntnissen war die Soldatenausbildung auch nicht allzu schwer gewesen. Ich hatte immer sorgfältig darauf geachtet, nicht zu sehr aufzufallen. Ich mochte wetten, Erwin Smith kannte noch nicht meinen Namen. Ein winziges Lächeln stahl sich auf meine Lippen.

Langsam machte ich mich an dem Fenster zu schaffen. Ein paar Handgriffe und es schwang auf. Ich hielt die Luft an und zählte nervös bis fünfzig. Dann atmete ich leise aus. Er schien es nicht gehört zu haben und nun, da das Fenster offen war, würde der Regen meine Schritte übertönen. Ich ließ mich auf das Fensterbrett sinken, bedächtig, auch wenn mir der Regen unangenehm in den Nacken lief.

Ich sprang vom Fensterbrett und landete lautlos in dem dunklen Zimmer. Die Dunkelheit im Inneren eines Hauses unterschied sich immer ein weniger von dem Nachthimmel und so blinzelte ich ein paar Mal, bevor sich meine Augen an die Schwärze gewöhnt hatten. Ein bisschen schade, dass es so dunkel war, denn man konnte kaum Einzelheiten erkennen.

Ich spitzte die Ohren. Der Kommandant schien zu schlafen. Gut. Kurz durchzuckte mich ein nervöser Blitz, weil alles zu glatt lief. Aber das war Unsinn. Es war nur gut geplant.

Erwin Smith lag tatsächlich in seinem Bett. Ein Arm war um die Bettdecke geschlungen und jetzt hörte ich, dass er leise schnarchte. Seine sonst so sorgfältigen Haare fielen ihm wirr ins Gesicht. Ich musste lächeln. Er sah so verletzlich aus. Ich seufzte leise. Und das hatte ich schließlich auch vor. Ihn verletzen.

Als ich den Befehl bekommen hatte, den Aufklärungstrupp zu infiltrieren, hatte ich noch nicht gewusst, was mich erwarten würde. Wenn ich ehrlich war, war mir der Kommandant des Aufklärungstrupps sogar ein wenig sympathisch. Ich hatte Menschen mit Überzeugungen schon immer ein wenig bewundert und ein wenig beneidet. Ich würde ihn natürlich trotzdem töten. Man konnte mir viel vorwerfen, aber gewiss nicht, dass ich illoyal gegenüber dem Boss wäre.

Ein bisschen schade, dass ich Eren und Mikasa und Armin und die Anderen verlassen musste, dachte ich, als ich das Messer aus dem Gürtel zog. Manche Dinge waren eben unvermeidlich. Ich hoffte allerdings, dass sie zumindest ein wenig traurig sein würden.

Der Hals war die sicherste Stelle, um jemand schnell ins Land der Toten zu befördern. Eins der ersten Dinge, die ich gelernt hatte. Eine Hand auf seinem Mund und ein schneller Schnitt über seine Kehle. Jetzt nicht zögern.

Ich hob das Messer.

Holte aus.

ZACK.

Ich wurde herumgerissen. Hände pressten meine Handgelenke auf das Bett. Ich lag auf dem Rücken und starrte hoch. Verdammt!

Erwin sah auf mich herunter, seine Haare immer noch schlafzerzaust, aber sein Blick stählern. Das Bett war überraschend weich und ich überlegte für einen Moment, einfach aufzugeben, aber dann riss ich mich zusammen.

Stumm fluchend versuchte ich ihn von mir herunter zu kicken, aber seine Beine drückten meine Oberschenkel auf das Bett. Verdammt aber auch. Er war stärker als ich, keine Frage. Also das Messer. Ich hielt es immer noch fest umklammert. Rasch drehte ich es und hieb nach seiner Hand.

„Argh“, fluchte der Kommandant des Aufklärungstrupps und für einen winzigen, triumphierenden Moment ließ er meinen Arm los. Dann schlug er mir mit der blutenden Hand brutal das Messer aus der Hand. Schmerz zuckte meinen Arm empor. Ich biss mir auf die Unterlippe. Erwin Smith funkelte mich an.


„Du solltest still sitzen“, kommentierte der Kommandant mein vergebliches Zappeln. Er hatte mich mit einem Seil an einen Stuhl gefesselt und verdammt, seine Knoten waren nicht zu lösen. Also setzte ich mich kerzengerade hin, um noch einen letzten Rest von Würde zu wahren. Aber ich hatte unter ihm auf einem Bett gelegen, wem machte ich hier also eigentlich noch etwas vor?

Einen Moment später kehrte der Kommandant zurück, in der Hand eine flackernde Laterne. Er hielt sie gegen mein Gesicht und atmete dann überrascht aus. „Eleanor Weber.“ Er kannte also doch meinen Namen. Herzlichen Glückwunsch.

Ich starrte ihn trotzig an, aber in meinem Kopf tanzten meine Gedanken um die Wette. Versagen war in meinem Plan nicht vorgekommen. Aber hatte ich schon versagt? Ach verdammt. Eine Ausrede, das brauchte ich. Ausrede, Ausrede.

„Ähm, ich wollte aufs Klo und da bin ich wohl irgendwo falsch abgebogen?“, schlug ich nervös lächelnd vor. Erwin sah mich einen Moment an, dann lachte er leise. „Mit einem Messer?“, fragte er, zog sich einen Stuhl heran und setzte sich rücklings darauf.

Ich hustete leise. Ja, gute Frage. „Selbstverteidigung“, versuchte ich es. Seine kalten Augen funkelten amüsiert. „Ich denke nicht, Miss Weber“, meinte er langsam. Machte ihm das hier etwa Spaß? Vielleicht war er abgebrühter, als ich eingeplant hatte. Moment. Was wenn er mich einfach beseitigen wollte? Man sollte meinen, ein Auftragsmörder hätte sich mit der Möglichkeit seines Todes bekannt gemacht, aber hey, ich doch nicht. Meine Hände begannen zu zittern.

Erwin beobachtete mich langsam, abschätzend. „Warum?“, fragte er dann, seine Stimme klang ein wenig enttäuscht. Ich hielt trotzig den Mund. Er war also nicht auf meine Ausrede hereingefallen. So ein Mist aber auch. Aber ich schätze, man wird nicht Anführer des Aufklärungstrupps, wenn man auf jede kleine Lüge hereinfällt.

Er seufzte. „Du weißt, es gibt andere Möglichkeiten, dich zum Sprechen zu bringen.“ Er machte eine kleine Pause und wirbelte mein Messer in die Luft. Folter also. Der Klassiker. „Aber es wäre doch eine Schande, wenn es so weit kommen müsste“, fuhr er fort. Ganz meine Meinung, aber das interessierte die Leute meist wenig. Ich biss die Zähne zusammen, um ihm nicht die Befriedigung zu geben, sie klappern zu hören. Keine Frage, ich hatte Schiss. Verständlich, aber beschämend für jemanden wir mich.

„Komm schon, Eleanor“, meinte er und beugte sich vor, bis sein Gesicht direkt vor meinem war. Er war schon gutaussehend. Nur diese Augenbrauen, ein bisschen zu buschig, oder? Ich verzog das Gesicht. Stopp. Das Aussehen meines Opfers zu analysieren, brachte mich jetzt auch nicht weiter. „Wir können das doch wie zivilisierte Menschen regeln.“ Seine Stimme war sanft und schmeichelnd und machte mich so wütend, dass ich ihm am liebsten die Nase abbeißen würde. Ha, da wäre er bestimmt überrascht!

Ich zog noch einmal an meinen Fesseln, aber vergeblich. Was nun? Folter war nicht unbedingt meine Vorstellung von einer angenehmen Freizeitbeschäftigung. Und verdammt, ich hatte einmal Levi und Zoe dabei zugesehen. Ich fröstelte. Das wollte ich nicht erleben. Was also tun? Meinen Boss verraten, kam nicht in Frage.

„Mach mich los, Kommandant, und ich erzähle alles. Zivilisierte Menschen fesseln sich nicht gegenseitig“, meinte ich ohne zu Blinzeln. Er kicherte. „Nein, nicht?“, lächelte er langsam. Uh, das war fast… sexy? Mist. Ich seufzte leise. Reichte es nicht, dass ich es noch nicht geschafft hatte, Erwin Smith umzubringen, musste ich ihn jetzt auch noch anziehend finden? Schande über mich, wirklich.

Er schien zu überlegen, rieb sich mir Zeigefinger und Daumen über das Kinn und strich sich dann nachdenklich die Haare aus der Stirn. Ich zog so unauffällig wie möglich an meinen Fesseln. Unruhe stieg in mir auf. Ich hasste es, gefesselt zu sein und einen Moment wünschte ich mir, den Mordanschlag gar nicht erst versucht zu haben. Aber es war zwecklos jetzt. Der Kommandant sah hinunter. Er schien zu einer Entscheidung gekommen worden zu sein. Da funkelte etwas in seinen Augen und es machte mir Sorgen. Was wusste ich schon über Erwin Smith?

„Ich schätze, wer auch immer dich gesendet hat, wird einfach jemand anders schicken, wenn ich dich aus dem Weg räume“, meinte er abwägend. Ich nickte hastig. Ich wollte hier schließlich mein Leben retten. Und vermutlich hatte der Kommandant auch recht. Er legte den Kopf ein wenig schief.

„Nun gut“, sagte er schließlich, „Dann werde ich dich verschonen.“ Hatte er das gerade wirklich gesagt? Ich konnte mein Glück kaum fassen. Oh drei Mauern sei Dank. „Aber…“, setzte er an. Ich schluckte schwer. „Ich kann dich auch nicht einfach so wieder laufen lassen.“ Er schüttelte den Kopf. Oh Mist.

„Also ernenne ich dich hiermit zu meiner persönlichen Assistentin“, verkündete er.

„Was?!?“ Ich verschluckte mich beinah. „Das ist doch verrückt!“, platzte ich heraus.

Erwin hob die Augenbrauen und ich bereute, dass ich überhaupt etwas gesagt hatte. Ich konnte doch froh sein, dass er mich nicht aus dem Fenster warf oder mir mit meinem eigenen Messer die Kehle aufschlitzte.

„Du wirst ein neues Zimmer beziehen. Wir haben da eins im Erdgeschoss mit vergitterten Fenster. Das müsste passen“, meinte er und erhob sich. Er rieb sich die Hände und schenkte mir ein beinah verschmitztes Lächeln. Ich starrte ihn nur aus großen Augen an. Zumindest würde es mir eine zweite Chance geben. Eine zweite Chance, meinen Auftrag zu erledigen. Das würde er schon noch bereuen.
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