Fairy Tale Nightmare

OneshotDrama, Mystery / P18
27.05.2018
27.05.2018
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Fairy tail nightmare

Er wurde gepackt und aus dem Wagen gezerrt, indem er zuvor Stunden lange hin und her gefahren wurde. Wohin sie ihn gebracht hatten, konnte er so nun unmöglich sagen. Sein Orientierungssinn war dadurch vollkommen lahmgelegt worden.
Ein kalter Luftzug ließ ihn kurz zusammen zucken. In der Ferne konnte er die Sirene eines Polizeiautos hören. Doch mehr konnte er von seiner Umgebung nicht warnnehmen. Leider waren diese Kerle, die ihn hinterrücks vor seiner Wohnung aufgelauert und in ihren Wagen verfrachtet hatten, klug genug gewesen ihm die Augen zu verbinden. Alles, auf das er sich nun verlassen konnte, um aus dieser Lage zu entkommen, waren seine rechtlichen Sinne.
Warum sie das getan hatten, konnte er sich denken, doch er wagte es sich nicht diesen Gedanken auch nur für einen Moment zu Ende zu denken. Denn es konnte nur eines bedeuten.
Er war enttarnt worden.
Bevor er in Panik verfallen konnte, spürte er eine Hand an seinem Rücken, die ihn grob nach vorne drückte wodurch er ein paar Schritte nach vorne Stolperte. Erst jetzt bemerkt er, dass ihm im Kampf gegen diese Fremde wohl einer seiner Schuhe abhandengekommen war. In all der Angst und Panik, in diesem Moment war das auch nicht verwunderlich.
Die Hand berührte ihn erneut am Rücken, doch dieses Mal schob sie ihn voran, wenn auch nicht weniger grob als zuvor.
Unsicher tastete er sich voran. Der Weg führte ihn über harten abgelaufenen Pflasterstein, wie er durch seine, mit nur einer Socke bekleideten Fuß, spüren konnte. Der Geruch von alten Abfällen stieg ihm in die Nase. Sie waren wohl nicht in der besten Gegend der Stadt.
Langsam schlich sich Panik in seine Glieder hoch. Sein Herz schlug bis zum Hals. Schweiß sammelte sich unter seiner Augenbinde. Aber er versuchte sich zu beruhigen und in seinem Kopf einen Flucht plan zu entwickeln, was jedoch durch das immer wieder voran Schubsens seines Begleiters nicht gerade einfach war.
Natürlich hatte er gewusst, dass ihm solch ein Schicksal blühen könnte, als er diesen Auftrag angenommen hatte. Doch er hatte gehofft, dass es nicht soweit kommen würde. Dafür hatte er immerhin alles ganz genau geplant, hatte jeden Schritt vorher bedacht und jedes Wort, was er gesagt hatte, noch einmal überdacht. Alles war so perfekt gewesen, jeder Schritt hatte geklappt wie es geplant gewesen war. Und doch schienen sie ihn durchschaut zu haben. Scheinbar war er doch nicht so gut in seinem Job, wie seine Vorgesetzten und auch er gedacht hatten. Denn nur deswegen war er hier und in genau dieser Lage.
Weil jeder gedacht hatte, dass er so ein guter Undercovercop sei.
Die Hand schob ihn weiter. Pflasterstein wurde zu glattem kalten Stein und schließlich zu Holz, dass unter ihrem Gewicht immer wieder knarzte. Er konnte nur vermuten, aber er glaubte, dass sie gerade ein Haus betreten hatten.
Mit jedem Schritt den er tat, rauschte ihm mehr und mehr das Blut in den Ohren. Er hatte Angst, wollte auf keinen Fall sterben. Aber was sollte er tun? Seine Augen waren verbunden, er hatte keine Waffe bei sich und er war sich sicher, dass sie an diesem Ort nicht alleine waren. Nicht gerade die beste Ausgangslage für ihn, seinem eigenem Tod zu entkommen.
Gemächlich gingen sie eine Treppe hinauf. Jede Stufe knarrte unter seinen Füßen. Er konnte spüren, wie sich unter seinem nur mit einem Socken bekleideten Fuß eine dicke Staub und Dreckschicht sammelte. Wie es schien, waren sie in einem sehr alten Gebäude, was ihm aber nicht wirklich weiter half. Diese Stadt war voll von solchen Häusern.  Er konnte überall sein und es konnte lange dauern, bis ihn jemand hier finden, geschweige denn vermissen würde.
Plötzlich zwang die Hand an seinem Rücken ihm zum Stehen bleiben. Die Person, die ihn hierher gebracht hatte, trat näher an ihn heran und er konnte ein lautes Klopfen hören. Scheinbar waren sie an ihrem Ziel angekommen.
„Rapunzel lass dein Haar herunter.“
Die Stimme, die diesen Satz sprach, kannte er. Sie gehörte zu einem Mann, mit einem ehr seltsamen und eigenwilligen Bart. Nur ein paar Mal hatte er ihn gesehen aber nie wirklich viele Worte mit ihm gewechselt. Er wusste aber, dass er unter dem Namen Drosselbart bekannt war.
Beim erklingen dieses Losungswortes, ertönte plötzlich ein lautes Knarren. Eine Tür hatte sich wohl geöffnet und er wurde hinein gestoßen.
Unsanft landete er auf dem harten Holzboden. Der Geruch von Tabak stieg ihm sofort in die Nase und er konnte ein leises Rascheln hören. Was hatten sie nur mit ihm vor?
„Das ist er?“
Eine neue Stimme erklang, während er ein leises Klicken hörte. Die Tür war hinter ihm geschlossen worden. Er war nun vollkommen alleine mit der Person, der diese fremde Stimme gehörte. Das bedeute nichts Gutes.
Panisch riss er sich die Augenbinde von seinem Gesicht, die ihm vorher einen seiner Sinne geraubt hatte. Grelle Lichtstrahlen begrüßten ihn und blendeten ihn so stark, dass er sein Gegenüber nicht einmal erkennen konnte. Nur zwei Umrisse waren für ihn sichtbar.
Ein lautes grollendes Lachen erklang, dass ihn an das Gebell eines Hundes erinnerte.
„Was für ein Schwächling, ich hatte gedacht, er wäre eindrucksvoller. Aber scheinbar habe ich mich getäuscht, wie schade.“
Von Sekunde zu Sekunde wurde seine Sicht klarer. Seine Augen begannen sich an das Licht um Raum zu gewöhnen. Verschwommene Farben wurden zu Konturen und schließlich erkannte er am Ende des Raumes zwei Personen sitzen.
Als erstes fiel ihm ein junges Mädchen ins Auge, das mit einem roten Kapuzenmantel bekleidet war. Ihre großen blauen Augen starrten ihn gelangweilt an, während sie in einem ebenfalls roten Apfel biss. Ihr ganzes Verhalten und auch ihr Aussehen passten nicht so recht an diesen Ort. So etwas unschuldig wirkendes gehörte einfach nicht in ein altes verfallenes Haus.
Doch natürlich wusste er besser als alle anderen, dass ihr Anblick täuschte. Dieses kleine Mädchen, wirkte nur auf den ersten Blick naiv und schuldlos. In Wirklichkeit war sie die Anführerin der schlimmsten Verbrecher der Stadt. Sie war das, was jeder Mafiaboss sein wollte. Selbst mit ihren jungen Jahren, konnte keiner ihr das Wasser reichen.
Ihren Namen kannte keiner. In den Kreisen der Polizei hieß sie nur, Rotkäppchen.
„Soll ich ihn fressen?“
Sofort wanderte seine Aufmerksamkeit zu der zweiten Person im Raum. Der Mann, der gesprochen hatte, grinste ihn an. Er war unverkennbar ein Riese von einem Mann, auch wenn seine wahre Größe im Moment durch die Tatsache verschleiert wurde, dass er neben einem kleinem Mädchen saß. In seinem Mundwinkel glimmte eine Zigarette und in seiner Hand hielt er ein fast leeres Glas mit Alkohol drin.
„Er wird dir nur schwer im Magen liegen, genau wie die anderen sieben Geißlein vor ihm.“ Antwortete Rotkäppchen ihm, während ihr Blick weiterhin auf ihrer Geisel lag. Ihre Augen waren so leer, wie er es noch nie vorher bei einem Menschen gesehen hatte- „Willst du dich wieder fühlen als hättest du Steine im Magen?“
Der Angesprochene schien diesen Kommentar vollkommen egal zu sein. Auch sein Blick war nur auf ihn fixiert. Fast schon wie der eines Wolfes, der wartet sich auf seine Beute stürzen zu können.
„Wie heißt du?“
Stille.
Er wollte und konnte nicht antworten. Wenn sie noch nicht wussten, wer er war, sollte das besser auch so bleiben. Seine Identität würde nur andere Leute mit in diese Sache hinein ziehen, die damit nichts zu tun hatten. Das wollte er auf jeden Fall vermeiden.
„Wenn du mir nicht deinen Namen sagst, dann weiß ich auch nicht, was ich auf deinen Grabstein schreiben lassen soll. Oder soll ich Rumpelstilzchen drauf schreiben lassen?“
Der riesige Mann neben ihr begann bellend zu lachen.
Weiterhin blieb er ihr eine Antwort schuldig.-
„Nun gut…“
Plötzlich erhob sie sich von ihrem Platz, dabei immerhin ihren Apfel in der Hand haltend, und ging auf ihm zu. Er wusste nicht mehr, was er sagen oder denken sollte. Sein Kopf war auf einmal wie leer gefegt. Das einzige was er wusste war, dass er nicht die geringste Chance hatte aus dieser Angelegenheit lebendig raus zu kommen. Es war sein Ende.
Genau vor ihm blieb sie stehen und hockte sich zu ihm herunter, um mit ihm auf einer Augenhöhe zu sein. Ein kleines Lächeln lag auf ihren Lippen, welches ihm eine Gänsehaut über den Rücken jagte.
„Du hast nicht gedacht, dass wir dich mit Gold überschütten, nicht wahr? Nein, du bist ein kluger Kerl und hast gewusst, dass du mit Pech überzogen wirst. Deswegen spielst du auch hier den Mutigen, nur um die Dummen nicht sterben zu lassen. Aber lass dir eines gesagt sein…“
Ihr Lächeln wurde zu einem Grinsen, während sie sich zu seinem Ohr vorbeugte.
„… das wird ihnen auch nicht helfen, Robin Hood.“
Bevor er reagieren konnte, ertönter ein laute Knall. Seine Befürchtungen waren Realität geworden, nur leider viel zu schnell.
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