Never Lie To Me (Again)

von Ririchiyo
KurzgeschichteFamilie, Freundschaft / P6
26.05.2018
26.05.2018
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AN: So, das hier ist eigentlich eher ein Schreibexperiment für mich, als irgendetwas anderes. Natürlich wollte ich auch meine Inspiration ein wenig umsetzen, aber für mich persönlich war es eher der Versuch an etwas … ein wenig Neuem, was die Art des Schreibens anging.
Nun ja. Ich wünsche euch (hoffentlich) viel Spaß, und vielleicht gefällt es ja sogar jemandem ^^




Never Lie To Me (Again)


Es gab Dinge, die er ihr oft sagte. Immer und immer wieder. Zumindest am Anfang. Fakten zu ihren Aufträgen („Das Ziel ist auf dem Weg Richtung Norden.“), die er immer und immer wieder wiederholte, damit sie sie nicht einfach ignorierte, oder es nicht vergaß. Kurze Erinnerungen („Beeil dich.“), wenn er zu ungeduldig wurde. Später, als sie begannen sich besser zu verstehen, waren es auch Fragen zum Alltag oder zu Kollegen („Was hältst du von Coulson und dieser Cellistin?“) und außerdem kurze, irgendwann sogar mehr oder weniger freundschaftliche Bemerkungen („Du siehst müde aus.“), wenn er besorgt war.
Und die Antworten waren immer die gleichen. Zumindest inhaltlich. Wirkliche Unterschiede gab es nie. Manchmal war es genervt („Ich weiß!“), wenn er es zu weit trieb. Manchmal regelrecht wütend („Das sagtest du schon!“), wenn er sie in ihrer Konzentration störte. Manchmal auch eine auf ein Seufzen folgende Bemerkung („Ich bin nicht vergesslich, okay?“), wenn sie ihn einfach nur abwimmeln wollte. Irgendwann lernte er es. Dass sie es hasste, wenn er Dinge wiederholte. Es fiel ihr nicht schwer, sich Sachen zu merken – besonders nicht bei dem Beruf, den sie hatte, natürlich nicht – und sie mochte es gar nicht, wenn man ihr diese Fähigkeit absprach. Also hörte Clint irgendwann auf, solche Bemerkungen zu wiederholen. Stellte Fragen nur einmal, klärte sie niemals doppelt über den gleichen Stand der Dinge auf, und vertraute darauf, dass sie sich alles merkte, statt doppelt und dreifach sicher zu gehen, dass sie es auch wirklich nicht vergaß. Sie hatten die Vertrauensbasis inzwischen, und mehr als ihr zu vertrauen brauchte er gar nicht.

Es gab Dinge, die er ihr dennoch mehrmals sagte. Egal wie wenig sie es mochte, wenn man sie an Dinge erinnerte, manchmal musste es einfach sein. Manchmal musste er sie daran erinnern, dass sie das richtige Tat, und wenn es nur eine einfache kurze Bemerkung („Danke.“) nebenbei war. Auch wenn es nur ein Fakt war, den sie eigentlich schon längst kannte („Du hat mir das Leben gerettet.“) und von dem er einfach nur wollt, dass sie wusste, dass auch er mit dem Fakt vertraut war. Eine kurze Erinnerung („Wir sind ein gutes Team!“), wenn ihnen gerade alles ein wenig über dem Kopf zusammenbrach, und er sie darum daran erinnern musste, dass nicht alles so schrecklich war, und es nicht so schrecklich bliebe.
Es waren weiterhin ähnliche Antworten. Nicht mehr genervt, aber dennoch das Gleiche („Ich weiß!“), wenn sie gerade nur zwischen Tür und Angel und nebenbei darüber sprachen. Manchmal war es abwesend („Das war der Job.“), wenn sie gerade dabei war, ihre Waffen zu überprüfen, oder im Eifer des Gefechts. Manchmal – nur selten – war sie sogar nervös oder wurde doch tatsächlich rot („Das sagtest du schon.“), weil sie mit seinen Komplimenten nicht wirklich umgehen konnte.
Und auch wenn er es irgendwann seltener sagte, so wiederholte er jeden einzelnen der Kommentare dennoch regelmäßig. Denn manchmal brauchte man es einfach. Man brauchte einfach jemanden, der einem sagte, dass alles gut wurde, und dass man den Job richtig machte, und dass jemand dankbar für die Hilfe war, die man anbot. Also egal wie oft sie ihm zu versichern schien, dass sie seine Kommentare nicht brauchte, wirklich lassen konnte er es dennoch nie.

Es gab genau einen Satz, in seinem ganzen Leben, die er ihr nur ein einziges Mal sagte. Ein Mal, und dann nie wieder. Das wichtigste, was er ihr Gegenüber jemals preisgab. Es war das erste und letzte Mal, dass er etwas dieser Art („Obicham te.“) zu ihr sagte. Und am liebsten hätte er es öfter gesagt, doch dann hätte sie sich mehr damit beschäftigt, und es herausgefunden. Was es bedeutet. Und dann wäre sie überfordert gewesen. Sie hätte es herausgefunden, und hätte damit nicht umgehen können.
Und zum ersten mal in seinem Leben hatte er etwas anderes von ihr gehört. Eine neue Antwort. Ein kurzzeitig verwirrter Blick, als sie sich zu ihm umwandte („Was bedeutet das?“), und dann ihre aufmerksamen Augen, die auf ihm ruhten. Er war nicht wirklich überrascht. Er war gerade von einer Mission zurück, für die er Bulgarisch hatte lernen müssen. Eine Sprache, die sie nicht kannte. Und wenn sie etwas nicht kannte, dann wollte sie es kennen lernen. Wenn sie etwas nicht wusste, dann wollte sie es wissen. Also hatte er damit gerechnet, dass sie nachfragte, und er kannte auch seine Antwort schon („Du bist wunderschön.“), weil er bereits von Anfang an gewusst hatte, dass er eine bräuchte. Weil er wusste, dass er gut genug lügen müsste, um ihr nicht aufzufallen. Denn er hätte ihr unmöglich die Wahrheit sagen können. Hätte die Wahrheit etwas gebracht, dann hätte er sich
nicht extra eine Sprache suchen müssen, mit der sie nicht vertraut war. Dann hätte er sein Geständnis auch einfach so sagen können. Und dann hätte er es auch öfter sagen können. Aber das konnte er nicht. Denn es gab Dinge, die er öfter sagte. Es gab Dinge, die er oft sagte. Es gab Dinge, die er ab und an wiederholte. Aber was diese Sache anging, blieb es dabei. Nur ein einziges Mal. Denn mehr war nicht nötig. Und wenn sie es irgendwann vergaß, dann war das okay, aber er hatte es einfach nicht länger für sich behalten können.

Wie wenig sie vergaß, und wie gut ihr Gedächtnis wirklich war, lernte er erst Jahre später. Als sie gerade von einer Mission in Bulgarien zurückgekommen waren und sie beide am Abend im Avengers-Tower saßen und gemütlich einen Drink schlürften. Er hatte immer gedacht, dass es sie störte, wenn er Dinge mehrmals sagte, weil sie dann das Gefühl hatte, dass er ihr nicht mehr zutraute. Nur offenbar hatte er, was das anging, vollkommen daneben gelegen. Denn ihr Gedächtnis war nicht gut. Ihr Gedächtnis war nicht sehr gut. Ihr Gedächtnis war perfekt. Absolut einwandfrei.
Das jetzt war der beste Beweis dafür. Denn Clint hatte es nur ein mal gesagt. Nur ein einziges Mal, und dann nie wieder. Und dennoch rührte sie ihren Cocktail um („Clint?“), und lächelte ihn an, bevor sie aussprach, woran er nicht einmal im Traum gedacht hätte. („Ich liebe dich auch.“) Simpel, und dennoch unerreichbar. Zumindest bis jetzt. Doch scheinbar war Natasha gut genug, um sich auch heute noch an seine damalige Lüge zu erinnern. Vielleicht sogar besser, als ihm eigentlich lieb war. („Und wehe du lügst mich jemals wieder an!“)
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