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Foorteen Reasons Why Not

GeschichteDrama, Freundschaft / P18
Clay Jensen Hannah Baker Jessica Davis
25.05.2018
25.05.2018
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2.068
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(Hannah’s Sicht)

Ein letztes Mal betrachtete ich mich im Spiegel, meine Augen sahen genauso leer aus, wie ich mich fühlte.
Ich drehte die Rasierklinge in meinen Händen.
Bald würde mir niemand mehr weh tun können, bald war es vorbei.
Ich ging zur Badewanne, drehte den Wasserhahn zu und stieg hinein.
Ich hatte mir extra ein Oberteil angezogen, das nicht sonderlich schön war, genauso wie die Leggins die ich trug.
Ich atmete tief ein und aus, leichte Angst überkam mich, aber das würde mich nicht aufhalten.
Ein letztes Mal dachte ich an Clay, Mom und Dad.
ich setzte die Rasierklinge an, kurz zögerte ich, dann schnitt ich in meine Haut hinein, der Schmerz durchströmte meinen Körper und Blut floss aus der Wunde.
Der erste Teil war geschafft, ich setzte zum nächsten Arm an, mein Atem ging laut und unregelmäßig.
Die Tür würde plötzlich geöffnet.
“Schatz, alles wird gut”, hörte ich meine Mom sagen, obwohl ihre Stimme so weit weg klang.
Die Rasierklinge war auf einmal verschwunden.
Ich hörte die Schreie meiner Mutter, verstand sie jedoch nicht.
Es tut mir leid, war mein letzter Gedanke bevor alles schwarz wurde.

Langsam kam ich zu mir, leise Stimmen nahm ich war.
Fühlte sich so der Tod an?
Wenn ja war es nicht schön, das Gefühl der Leere war immer noch da.
Die Erinnerungen waren noch genauso schmerzhaft wie immer, konnte das wirklich der Tod sein?
“Hannah, Liebling”, flüsterte meine Mutter.
Meine Mom war hier?
Oh nein, hat sie sich auch das Leben genommen, so wie ich?
Das durfte sie nicht tun. Panik stieg in mir auf.
Ich öffnete meine Augen, das grelle Licht einer Deckenleuchte machte es für eine Weile unmöglich richtig zu sehen, nur langsam gewohnten sich meine Augen an das helle Licht. Jetzt erst realisierte ich das ich in einem Bett lag, mein Gefühl sagte mir das ich noch am Leben war, doch wie konnte das sein?
Ich blickte zur Seite, ich sah in das tränen nasse jedoch lächelnde Gesicht meiner Mutter.
“Gott sei dank, du bist wach.” Neue Tränen liefen ihr die Wangen herab.
“Mom, es ist alles gut. Wo sind wir?”, fragte ich sie.
“Im Krankenhaus”, schluchzte sie und umarmte mich.
Meine Mutter war noch am Leben, erleichterung durchströmte meinen Körper.
Aber auch Wut weil, ICH noch am Leben war.
“Warum hast du mich hierher gebracht?” Ich wollte das doch nicht, ich wollte doch nur gehen.
“Hannah, du warst schwer verletzt. Was hätte ich den sonst tun sollen:”
“Ich wollte mich nicht nur verletzten. Warum hast du es verhindert?” Nun weinte auch ich.
“Weil, ich dich liebe. Und es wird alles gut werden. Dein Vater und ich sind immer für dich da wir bekommen das alles wieder hin, Schatz.”
“Es wird nichts mehr gut. Ich habe mir das alles gut überlegt und es gibt keinen anderen Ausweg. Lass mich gehen”, schluchzte ich.
“Alles wird gut.” Sanft strich sie über mein Haar.

Langsam fühlte ich mich besser, es war ein angenehmes Gefühl, etwas was ich schon lange nicht mehr gefühlt hatte.
Ich schloss meine Augen, ich war so müde.
ich spürte einen Kuss auf meiner Stirn und schlief ein.

(Olivia Bakers Sicht)

Sie war endlich wach und sie war am Leben, noch nie hatte ich solch eine Angst gespürt als ich Hannah im Bad gefunden hatte, dieses Gefühl war nicht zu beschreiben und ich dankte Gott jeden Tag das ich rechtzeitig ins Bad gekommen war.
Ich wollte mir gar nicht vorstellen was gewesen wäre wenn ich nur fünf Minuten später zu ihr gegangen wäre. Allein der Gedanke daran ließ mir das Blut zu Eis gefrieren. Was hatte Hannah nur so schreckliches Erlebt um solch einen Schritt zu gehen? Warum hatte ich das nicht bemerkt?
Ich hatte immer geglaubt das meine Tochter ein offenes Buch für mich war, wie sehr hatte ich mich getäuscht.
Sanft strich ich immer und immer wieder über Hannah’s rechten Arm.
Ihr linker Arm war mit einem Verband verbunden und verdeckte die genähte Wunde die sie sich selbst zugefügt hatte.
Sofort schossen die Bilder in meinem Kopf als ich Hannah im Bad vorgefunden hatte, noch rechtzeitig konnte ich ihr die Rasierklinge wegnehmen, bevor sie sich auch noch ihren anderen Arm aufschneiden konnte. Panisch rief ich meinen Mann Andy, er kam hineingestürzt und kniete sich neben mich und versuchte gemeinsam mit mir Hannah zu stützen, ich schrie ihn an er solle sofort einen Krankenwagen rufen, erst beim zweiten mal reagierte er und stürmte aus dem Bad.
Fünf Minuten später trafen die Rettungskräfte ein, sie hoben Hannah aus der Wanne und legten sie auf den Badezimmerboden, klemmten ihr blutende Wunde ab. legten ihr einen Venenzugang und versorgten sie mit einer Lösung aus dem Tropf.
Dann ging alles so schnell, ich fuhr mit dem Krankenwagen mit wo sie Hannah weiter versorgten. Als wir dann am Krankenhaus ankamen und sie mit Hannah in den Schockraum fuhren, konnte ich nichts mehr tun außer warten. Andy kam fünfzehn Minuten später im Krankenhaus an, er war mit dem Auto hierher gefahren.
Ich erinnerte mich noch genau daran als Frau Dr. Wilson nach einer gefühlten Ewigkeit zu uns kam um uns genau zu erklären was jetzt für Massnahmen getroffen wurden.
“Mrs. und Mr. Baker, ihre Tochter hat eine Menge Blut verloren ein sogenannter Hypovolermischer Schock, wir haben ihr Blut/Plasma und Elektrolyte gegeben und sie ins künstliche Koma gesetzt, damit sich ihr Körper von dem Schock in Ruhe erholen kann. Ihre Werte sind noch nicht so wie wir sie haben wollen, aber wir denken das alles in dem Rahmen verläuft wie wir uns das vorstellen.”
Zwei ganze Wochen ließen sie Hannah im künstlichen Koma, ihre Werte verbesserten sich von Tag zu Tag, über den Berg war sie leider noch nicht. Erst vor drei Tagen teilte uns Frau Dr. Wilson mit dass sie die sedierenden Medikamente absetzten werden weil, Hannah endlich stabil war. Ein gewaltiger Stein fiel mir vom Herzen als mir das die Ärztin mitteilte.
Man müsse die Aufwachphase genau beobachten, wenn es genauso verläuft wie die Ärzte hofften wurde meine Hannah wieder vollkommen gesund werden und keine körperlichen Schäden davon tragen.
Ihre Seele war nun im Mittelpunkt. Was war meiner kleinen nur passiert das sie zu so einer Tat griff?


“Mrs. Baker.” Es war Frau Dr. Wilson Hannah’s Ärztin.
“Hannah war vorhin kurz wach”, berichtete ich ihr.
Dr. Wilson überprüfte die Geräte an die Hannah angeschlossen war, es waren bereits um einige weniger als noch vor drei Tagen.
“Das ist gut Mrs. Baker, langsam geht es Bergauf. Was hat Hannah zu Ihnen gesagt? War sie verwirrt oder klar bei Verstand?”
“Hannah war aufgebracht und hat sich beschwert das ich sie rettete.”
“Das ist eine Vollkommen normale Reaktion, machen Sie sich darüber keine großen Sorgen. Ich habe mich mit meinem Team unterhalten und wir haben Frau Dr. Smith einer der besten Kinder und Jugendpsychologen hinzugezogen. Sie wird sobald Hannah wach und orientiert ist sich der Sache annehmen und mit ihr einen weiteren Therapieverlauf besprechen und durchführen.”
“Wird Hannah weitere Schäden davon tragen?”
“Dies wird sich im weiteren Verlauf zeigen, aber wir gehen nicht davon aus da die Aufwachphase gut gelaufen ist. Ich möchte sie bitten wenn sie wach ist mir unverzüglich bescheid zu geben.”
“Natürlich.”

(Hannah’s Sicht)

Langsam öffnete ich meine Augen, ich war immer noch im Krankenhaus.
Der einzigste Unterschied war dass das grelle Licht von der Decke ausgeschaltet wurde und nur ein kleines Licht an meinem Nachttisch brannte. Es war mittlerweile dunkel draußen.
Meine Mutter saß immer noch vor meinem Bett, jedoch schlief sie.
Ein Teil von mir konnte nun verstehen warum meine Mutter und mein Vater mich nicht sterben ließen, sie liebten mich und wollten mich nicht verlieren.
Aber das gab ihnen doch nicht das Recht darüber zu entscheiden, immerhin war es mein Leben und nicht das ihre.
“Schatz, wie fühlst du dich?”, fragte meine Mutter und drückte einen Knopf an meinem Bett, vermutlich der Knopf für die Krankenschwester.
“Wie sollte ich mich denn fühlen”, blaffte ich sie an und es tat mir gleich wieder leid, meine Mutter konnte ja nichts dafür. “Es tut mir leid, ich wollte dich nicht anmotzen.”
“Ist schon gut mein Schatz, mach dir keine Sorgen.”
Die Tür von meinem Zimmer ging auf und zwei Ärztinnen traten ein.
Beide kamen auf mich zu und lächelten mich an, sie stellten sich als Dr. Wilson Oberärztin der Intensivmedizin und Dr. Smith Kinder und Jugendpsychologin vor.
Dr. Wilson untersuchte mich kurz und meinte das ich auf dem Weg der Besserung sei, als sie meinen Blick sah verbesserte sie sich und meinte körperliche Besserung. Dann ließ sie uns drei allein.
“Hannah, ich würde mich gerne mit dir unterhalten. Willst du das deine Mutter dabei ist oder möchtest du dich mit mir allein unterhalten?”, fragte mich Dr. Smith.
Ich sah zu meiner Mutter. “Mom kann hier bleiben.”
Ich konnte sie nicht noch einmal ausschließen.
Dr. Smith nickte und holte sich ebenfalls einen Stuhl und setzte sich neben Mom.
“Hannah, kannst du mir sagen warum du das getan hast?”
“Ja, könnte ich. Aber es würde Sie nicht interessieren.” Ich dachte an Mr. Porter, er hatte sich auch nicht dafür interessiert.
“Natürlich interessiert mich das, ich bin hier um dir zu helfen. Gemeinsam werden wir es schaffen, vertraue mir Hannah.”
Vertrauen? Ich hatte schon so vielen Menschen vertraut und alle haben mich enttäuscht, naja fast alle.
Ich schüttelte den Kopf.
“Okay, machen wir es so. Du erzählst mir was du bereit bist zu erzählen”, schlug sie vor.
Sollte ich ihr eine Chance geben?
Ich wusste es einfach nicht, ich sah meine Mutter hilfesuchend an.
Sie nickte. “Hannah, ich bin bei dir. Immer.”
Ich atmete einmal tief ein und aus, ich beschloss ihr eine Chance zugeben.
Aber keine allzu Große, ich würde bestimmt wieder enttäuscht werden.
“Ich habe das getan weil, ich es nicht mehr ertragen konnte. Einerseits fühle ich mich leer und andererseits so voller Kummer und Schmerz”, sagte ich und hoffte das ich diesen einen Satz den ich bereit war zu erzählen nicht wieder bereuen würde.
“Okay, das ist schon mal ein Anfang. Sei versichert das ich dir helfen werde, ich werde dich nicht alleine lassen mit deinem Kummer.”
In ihren Augen erkannte ich das sie es ernst meinte, vielleicht war sie nicht wie Mr. Porter, vielleicht konnte sie mir wirklich helfen?
Doch ich war noch nicht bereit mich ihr vollkommen an zuvertrauen.
Ich nickte. “Ich bin Müde. Ich möchte schlafen.”
“Dann störe ich dich nicht länger Hannah, ich bin die ganze Nacht hier und wenn du mich brauchst, brauchst du nur auf den Knopf an deinem Bett drücken und eine Schwester wird mich augenblicklich holen. Wenn nicht sehen wir uns morgen früh bei der Visite.” Sie lächelte mich an.
Sie schien wirklich nett zu sein. “Gute Nacht”, lächelte ich zaghaft zurück.
“Gute Nacht Hannah, Mrs. Baker.”
“Mom, du kannst dann auch Nachhause gehen. Bin wirklich müde.”
Sie stand auf und küsste meine Stirn. “Ich bin morgen um acht wieder hier. Wenn ich eher kommen soll sag es den Schwestern, sie rufen mich dann sofort an.”
“Ja, mache ich. Kommt Dad morgen auch?”
Warum war er nicht hier?
War er wegen dem was ich getan habe sauer auf mich?
“Ja, dein Vater kommt morgen Früh auch. er war im Laden heute. Wir haben uns immer abgewechselt wer bei dir bleibt und wer im Laden bleibt.”
“Verständlich.”
Meine Eltern waren selbstständig, leisten konnten sie es sich nicht den Laden länger als ein Tag zuzulassen.
“Gute Nacht mein Schatz, ich habe dich lieb.”
“Ich dich auch Mama.”

Die Wochen vergingen wie im Flug, nach dem ich aus dem künstlichen Koma erwachte, musste ich noch zwei Tage auf der Intensivstation bleiben, dann wurde ich auf die Kinder und Jugendstation verlegt, beziehungsweise in einem kleinen Teil der Station, sie war verschlossen und nur mit erlaubnis durfte man die Station verlassen, ich durfte das nur in Begleitung von meinen Eltern  oder eines Arztes.
Doch ich beschwerte mich nicht darüber, Frau Dr. Smith war eine sehr gute Psychologin, jeden Tag vertraute ich ihr mehr an und nannte ihr die Gründe für meinen versuchten Suizid.
Jedes Gespräch mit ihr half mir damit umzugehen, mittlerweile war ich froh das meine Mutter rechtzeitig zu mir ins Bad kam und mich somit retten konnte, dank Dr. Smith wusste ich nun das nicht alle Menschen gemein waren,sie gab mir die Kraft die ich so dringend brauchte.
Auch wenn ich noch einen langen Weg vor mir hatte, hatte ich jetzt etwas was ich vorhin nicht hatte: Hoffnung.
 
 
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