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Hauptmanns Life

GeschichteHumor / P12
Der Doktor Der Hauptmann / Captain Der Major Rip van Winkle Schrödinger Walter C. Dolneaz
24.05.2018
04.06.2020
20
53.218
4
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24.05.2018 1.079
 
Der große Saal war brechend voll und dennoch schien die Luft nur eine einzige kräftige Stimme zu durchschneiden. Die unzähligen Soldaten standen aufgereiht in respektvoller Haltung und lauschten fast andächtig den schrecklichen Worten des dicken Mannes in Weiß. Mit einem Lächeln auf ihren Lippen hörten sie zu, wie dieser sich selbst immer mehr in euphorische Stimmung redete, wie er vom Hundertsten ins Tausendste kam, dabei so viele unglaubliche Grausamkeiten aufzählte, die der Krieg mit sich gebracht hatte, und das auch noch mit einer beängstigend großen Begeisterung, die sie alle sofort anzustecken schien. Kaum vorstellbar also, dass es hier auch nur einen einzigen Soldaten geben könnte, der nicht wie gebannt an den Lippen des Führers hing.  

Aber dennoch gab es ihn. Den einen, der nicht ganz bei der Sache war.  Noch dazu stand dieser jemand nicht einfach irgendwo in den unzähligen Reihen, die den riesigen Raum füllten, nein, er stand sogar direkt hinter dem Major. Er war nämlich dessen Bodyguard.

Aber so mitreißend die vom absoluten Wahnsinn getränkte Rede des verrückten Mannes auch war, irgendwann gelang es dem Wolfsmann, obwohl sein Platz so dicht hinter seinem Führer war, einfach nicht mehr richtig, aufmerksam zu bleiben und er erwischte sich immer öfter selbst dabei, wie er vom Kragen seines Mantels und von seiner tief ins Gesicht gezogenen Feldmütze vor den Blicken seiner Kameraden einigermaßen geschützt in Gedanken abschweifte und in seine eigene Welt versank.

Der muskulöse Körper des Werwolfs zuckte kaum merklich, als es ihn zum wiederholten Male zurück in die Realität riss, weil der Major bei einer für ihn anscheinend besonders begeisterungswürdigen Stelle laut die Stimme erhob. Vom geistigen Zwist seines Adjutanten im Hintergrund bekam der Blonde natürlich nichts mit. Diesem fiel jedoch das Zuhören immer schwerer je mehr die Zeit verging.

Aufrecht, um nicht zu sagen fast ein wenig steif, stand er da und versuchte, den Fokus wieder voll und ganz auf den dicken Mann vor ihm zu lenken, aber ihm wollte es einfach nicht mehr gelingen. Er konnte einfach nicht mehr. Normalerweise war es natürlich nicht die Art des stummen Soldaten, so derart unachtsam zu sein. Und schon gar nicht, dass er sich fast schon ungeduldig das Ende dieser Rede herbeisehnte.

Aber ihn drückte jetzt nun mal schon eine ganze Weile ein bestimmtes Gefühl, das ihn generell eisern davon abhalten würde, den Worten seines Führers noch weiterhin konzentriert folgen zu können und noch dazu ganz schön an seiner Laune nagte: Hunger. Er hatte wahnsinnig Hunger. Ein Zustand, der wohl mit seinem Dasein als riesiger Wolfsmann einherging. Die normale Portion eines durchschnittlichen Soldaten reichte ihm nun mal beim Weiten nicht, um mal richtig satt zu werden. Deshalb war er generell immer hungrig. Und diesmal schien er noch dazu ein ganz besonders großes Loch im Magen zu haben.

Der Wolfsmann blinzelte unbemerkt, als er hörte, wie der Major wohl gerade zum Höhepunkt seiner Rede kommen wollte. Dieser nahm nämlich gerade mit einem irren Grinsen seine Hände hoch, nur, um sie anschließend begleitet von seinen finalen Worten in die Luft zu werfen.

„Und deshalb!! Meine Kameraden!! Wir-“

Weiter kam der verrückte Führer aber nicht mehr, denn seine geliebte Rede wurde in diesem Moment urplötzlich gnadenlos übertönt und zwar von einem geradezu abartig lauten Knurren. Einem Magenknurren.

Noch dazu dauerte das Grummeln unnatürlich lange und breitete sich so langsam im gesamten Saal aus. Der Major hatte überrascht innegehalten. Mit spiegelnden Brillengläsern hielt er seine Hände zwar immer noch so euphorisch erhoben, jedoch fehlte von seinem eben noch so begeisterten Grinsen auf einmal jegliche Spur. Die restlichen anwesenden Soldaten tauschten derweil verunsichert die Blicke, während das seltsame Geräusch weiterhin andauerte.

Und der arme Hauptmann, tja, der musste währenddessen erschrocken feststellen, dass der Ursprung des Knurrens in besorgniserregender Laustärke und Länge nichts anderes als sein Bauch war.

Er ballte die Hände zu Fäusten und spannte seinen ganzen Körper an, was unter seinem großen Mantel jedoch fast nicht zu erkennen war. Seine Lippen aufeinanderpressend starrte er zu Boden und betete, dass sich sein Magen endlich wieder einkriegen würde, auch wenn das die Situation auch nicht mehr retten könnte.

Nach einer ganzen Weile – die sicherlich nicht nur dem Wolfsmann wie eine halbe Ewigkeit vorgekommen war – klangt das Magenknurren endlich ab und hallte nur noch ein paar Mal durch den großen Raum, ehe es schließlich vollständig erlosch.

Und dann war es still im riesigen Saal. Mucksmäuschenstill. Die komplette Rede schien vollends ruiniert zu sein.

Unruhig huschten seine roten Augen nach links und nach recht, richtete seinen Blick dann aber doch lieber gleich wieder auf den Boden. Denn nicht nur Schrödinger, sondern auch Zorin und der Doktor, die dummerweise alle an seiner Seite gestanden hatten, starrten ihn mit entsetzt aufgerissenen Augen an. Der Wolfsmann konnte nur dank seiner guten Ohren hören, wie Letzterer ihm mit heiserer Stimme zuflüsterte: „Oi… Was war denn das, zum Teufel?!“

Hauptmann weichte jedoch weiterhin dem erschrockenen Starren seiner Kameraden einfach aus, indem sein Blick unentwegt an den Stahlkappen seiner Stiefel klebte. Jetzt schien aber auch in den Major wieder Leben zu kommen, denn er nahm endlich wieder langsam seine Arme runter, die er einfach schlaff an seinem Körper herunterhängen ließ und blieb noch einen kurzen Moment so stehen. Schließlich blickte, ja, selbst er, dann zu seinem Adjutanten hinter und schaute ihn zutiefst verstört an.

„Großer Gott…!! Hauptmann!!“

Die Blicke seiner restlichen Kameraden hätte der Wolfsmann ja vielleicht noch ertragen können, aber, dass ihn der Herr Major jetzt so entsetzt anguckte, das gab ihm endgültig den Rest. Er wollte am liebsten in den Erdboden versinken, er wollte hier nur noch weg. Einfach verschwinden, auch wenn es nur in die sichere und wohlige Wärme seines eigenen Mantels war.
Beschämt drückte er seine Schultern so weit nach oben, dass sein Mantelkragen mehr als die Hälfte seines Gesichtes bedeckte.
Nein, heute war wirklich mal wieder absolut nicht sein Tag…und Hunger hatte er übrigens auch immer noch.

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Hallihallo, meine lieben Leser!
Solltet ihr tatsächlich bis hierhergekommen sein, kann ich ja gleich noch ein bisschen was dazu sagen. ;)
Diese FF wird aus vielen kleinen Kapitelchen bestehen, die verschiedene Szenen beschreiben, die mir einfach (warum auch immer) irgendwann schon mal urplötzlich in den Sinn gekommen sind. ;)
Hauptperson hierbei ist natürlich unser Hauptmann, wie ihr dem Titel bestimmt schon entnommen habt.
Ja, das war’s eigentlich auch schon, was ich noch sagen wollte, wenn euch in Zukunft mal ein Kapitel gefallen sollte, dann lasst doch was da, würde mich jedenfalls sehr freuen und ja, hoffentlich liest man sich im nächsten Kapitel wieder. ^^
Bis demnächst!

LG Eure Any
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