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You Can Let Go Now, Daddy

Kurzbeschreibung
SongficFamilie / P12 / Gen
Dr. Larry Fleinhardt OC (Own Character)
23.05.2018
23.05.2018
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Disclaimer: Mir gehören weder der Song noch Numb3rs und seine Charaktere. Beides gehört dem jeweiligen Erfinder. Lediglich Mary ist ein OC von mir.

A/N: Also... Ich habe den Song "You can let go now, Daddy" von Crystal Shawanda gehört und sofort an eine Fortsetzung von meinen zwei OneShots über Larry und seine Tochter Mary gedacht. Ich würde euch dazu raten, den Song erst zu hören, nachdem ihr die Story gelesen habt, denn sonst gibt es Spoiler. Ich wünsche euch viel Spaß!

You Can Let Go Now, Daddy

Part 1 (Larrys PoV)

'Wir hätten die Stützräder noch nicht abnehmen dürfen. Das schafft sie noch nicht alleine.'
Ich spürte wie mein Herz zu rasen begann und ich war mir sicher, dass es nicht nur daran lag, dass ich schnell neben dem Fahrrad meiner kleinen, fünf Jahre alten Tochter herlief. Es war nicht das Tempo, welches mein Herz beschleunigte, sondern die Sorge. Was wenn Mary hinfallen würde? Nun gut... Sie trug einen Helm, aber wäre das genug um sie zu schützen bei einem Sturz? Sie würde sich wehtun, sich erschrecken und weinen. Ich konnte es nicht zulassen. Ich durfte den Sattel nicht loslassen. Mary konnte es noch nicht alleine! Sie war noch zu jung.
Ich spürte doch wie unsicher sie noch war. Das Fahrrad wackelte hin und her und meine Tochter suchte noch immer nach dem Gleichgewicht. Aber ich hörte wie sie lachte. Ihr wunderschönes, helles Lachen.
Sie hatte Spaß am fahren. Oder am Versuch zu fahren.
"Lass' los, Daddy! Ich kann das alleine!", rief sie und trat noch doller in die Pedale. Ich musste mich anstrengen, um weiterhin neben ihr herlaufen zu können.
"Bist du sicher?", fragte ich zögerlich und Mary nickte wie wild. Sie war sich sicher. Ich sah es ihr an. Also löste ich meine Hände langsam von dem Sattel, lief noch ein paar Meter und blieb dann stehen.
Ich schaute Mary nach, wie sie den sandigen Parkweg entlangfuhr. Das Rad schwenkte hin und her, aber irgendwie schaffte sie es sich immer wieder auszubalancieren. Sie fuhr...
Mary fuhr alleine Fahrrad!
Stolz erfüllte mich und ich blickte meinem kleinen Mädchen lächelnd hinterher. Ich hatte ihr vetraut, hatte sie losgelassen. Und es war richtig gewesen. Meine kleine Tochter wurde mit jedem Tag größer. Und ich musste lernen, dass sie ihren eigenen Weg gehen würde.

Part 2 (Marys PoV) ~ 20 Jahre später

Ich betrachtete mich im Spiegel und lächelte sanft. Das Kleid war perfekt. Vermutlich hatte ich mich deshalb sofort in es verliebt als ich es in dem kleinen Laden an der Ecke in New York gesehen hatte. Es hatte lange Ärmel aus Spitze, einen V-Ausschnitt und es verlief in einer A-Linie zu Boden. Es war rein weiß - das Oberteil mit glitzernden Steinen bestickt. Es war ein traumhaftes Kleid.
Mein Blick fiel auf die Kette, die ich um den Hals trug. Dad hatte sie mir geschenkt. Er hatte gesagt, dass sie meiner Großmutter gehört hatte.
Ich musste an einen berühmten Hochzeitsbrauch denken.
'Etwas Altes, etwas Blaues, etwas Neues und etwas Geliehenes.'
Die Kette war sehr alt und sie hatte einen blauen Saphir als Anhänger.
Ich liebte diese Farbe. Sie bedeutete für mich Freiheit. Es war die Farbe des unendlichen Himmels.
Mein Kleid war neu. Und auch etwas Geliehenes hatte ich bekommen. Tante Amita hatte mir ein silbernes Armband geliehen, welches ich bereits als Kind immer bewundert hatte. Es war ganz zart und schmeichelte einem dünnen Handgelenk wie meinem sehr.
"Bist du bereit?"
Ich drehte mich um als ich die wohlbekannte Stimme hinter mir hörte. Ich musste lächeln.
Mein Dad stand im Türrahmen und wartete bereits auf mich.
"Sollte ich das nicht eher dich fragen?", scherzte ich und er lachte.
"Eine kluge Erwiderung, meine Liebe."
Er zögerte einen Moment, bevor er nickte.
"Ja. Ja, ich glaube... ich bin bereit."
Ich trat langsam zu meinem Dad und er nahm meinen Arm, führte mich die Treppe unseres Hauses hinab.
"Ich bin auch bereit. Clark ist der Richtige."
Ich dachte an meinen Verlobten und zukünftigen Ehemann. Er war ein wundervoller Mensch. Er arbeitete in einem Zoo. Dort hatte ich ihn auch kennengelernt. Ich hatte in diese wunderschönen braunen Augen gesehen und mich in ihnen verloren. Clark war tierlieb, hilfsbereit, dachte immer erst an andere. Er hatte ein gutes Herz. So jemanden hatte ich immer gesucht - und schließlich gefunden.
Wir betraten den Garten und ich spürte wie alle Blicke auf mich gerichtet waren. Bevor wir den langen, ausgerollten Teppich zum Altar jedoch betraten, stoppte mein Dad mich. Ich sah ihn fragend an.
"Du... du bist wunderschön. Deine Mutter..."
Er musste schlucken, bevor er weitersprechen konnte:
"Deine Mutter wäre so glücklich, wenn sie jetzt hier wäre."
Auch ich musste schlucken, als ich erwiderte:
"Sie ist hier. Da bin ich mir ganz sicher."
Dad nickte und nach einem kurzen Moment, gingen wir los. Ich musste die ganze Zeit lächeln.
Da, am Ende des Weges, wartete mein zukünftiger Ehemann. Er bestaunte mich in meinem prächtigen Kleid und ich sah, dass es ihm gefiel. Ein Glück!
Wir erreichten den Altar. Ich wusste, dass mein Dad die Trauung gerne selbst vollzogen hätte, aber ich hatte ihn darum gebeten, dass er diese Rolle jemand anderem überließ. Er sollte später eine Rede halten. So wünschte ich es mir.
"Wer übergibt die Braut?", fragte der Priester und ich spürte wie Dad meinen Arm noch fester drückte. Ich schaute ihn an und erblickte Tränen in seinen Augen. Er war doch noch nicht bereit. Hatte ich es doch gewusst.
Also lehnte ich mich langsam herüber und flüsterte leise in sein Ohr:
"Du kannst mich loslassen, Daddy. Ich bin bereit. Ich schaffe das alleine."
Und langsam löste sich die Hand von meinem Arm.
Zeit für ein neues, anderes Leben.

Part 3 ~ 20 Jahre später

Mary lief unruhig hin und her. Clark saß auf einem der Plastikstühle und sah ihr dabei zu.
"Mary, Schatz, bitte setz dich doch."
Aber seine Frau schüttelte nur mit dem Kopf.
"Ich kann nicht. Ich kann es einfach nicht. Ich muss erst wissen wie es Dad geht."
Die Nachricht über die Lungenentzündung und die Einlieferung ins Krankenhaus hatte Larrys Tochter schockiert. Jetzt lag er schon seit vier Tagen hier, kämpfte Tag für Tag um sein Überleben. Und heute war die Nachricht gekommen, dass sein Zustand sich verschlimmert hatte.
Mary hatte Angst. Sie hatte solche Angst. Sie wollte ihren Dad nicht verlieren. Nicht jetzt. Nicht hier. Er durfte nicht sterben!
Tränen füllten ihre Augen als sie daran dachte. Sie war noch nicht bereit. Sie wollte noch nicht, dass er sie verließ.

Eine Krankenschwester kam aus dem Zimmer und Mary sah sie hoffnungsvoll an, während Clark aufstand und sich neben sie stellte.
"Es sieht nicht gut aus. Er kämpft zwar, aber dieser Kampf... der ist nicht zu gewinnen. Es tut mir Leid."
Obwohl Mary es erwartet hatte, traf es sie trotzdem wie ein Schlag. Die Tränen begannen zu fließen und Clark nahm sie in den Arm, drückte sie fest an sich.
"Er hält nur für Sie durch.", sagte die Krankenschwester und warf Mary einen vielsagenden Blick zu.
"I- ich... weiß.", schluchzte die Blonde und löste sich aus der Umarmung, nickte ein paar Mal.
"Darf... darf ich zu ihm?", fragte sie und die Krankenschwester nickte.
Mary spürte wie Clark mit ihr gehen wollte, aber sie schüttelte den Kopf.
"Bitte... bitte warte hier. Ich... ich muss das alleine machen, ja?"
Clark nickte nur und schwieg. Er sah zu wie seine Frau das Zimmer betrat und die Tür hinter sich schloss.

Langsam trat Mary an das Bett ihres Dads und setzte sich an den Rand.
Mittlerweile erschreckten sie die ganzen Gerätschaften und das Piepen der Maschinen nicht mehr. Sie konzentrierte sich nur auf den Menschen, der in dem Bett vor ihr lag.
Plötzlich fühlte sie sich wieder wie ein kleines Mädchen. Früher, wenn sie einen bösen Traum gehabt hatte, war sie immer ins Bett ihres Dads geschlichen. Er hatte sie beruhigt und dann hatte sie friedlich einschlafen können.
Langsam legte Mary sich neben Larry und sie schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter, bevor sie leise sagte:
"Du kannst jetzt loslassen, Daddy. Ich weiß, dass das alles seltsam und beängstigend für dich ist, aber... dein kleines Mädchen ist bereit. Sie schafft es alleine."
Stille. Eine friedliche Stille legte sich über den Raum. Auch wenn sie nur in Marys Kopf war... Sie war wunderschön.
Bilder ihrer Vergangenheit blitzten vor ihrem inneren Auge auf.
Sie und ihr Dad, der sie nach einem Albtraum tröstete.
Sie und ihr Dad beim Fahrrad fahren lernen.
Sie und ihr Dad an ihrem Hochzeitstag.
So viele Bilder und Erinnerungen. Schöne Erinnerungen...
Dann durchbrach ein langes Piepen den Frieden. Es übertönte Marys Schluchzen und erfüllte das Zimmer.
Larry hatte losgelassen. Für immer.
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