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Jeder hat seine eigene Wahrheit

von Dissa
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Tragödie / P16 / Gen
Alex Standall Clay Jensen Hannah Baker Jeff Atkins Jessica Davis Justin Foley
23.05.2018
16.06.2018
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3.440
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23.05.2018 569
 
Wie ist es, eine Vergewaltigung zu überleben?

Manchmal habe ich das Gefühl, dass es Menschen gibt, die glauben, andere wollen vergewaltigt werden. Sie wollen überfallen werden und ihr erstes Mal auf der Straße oder auf einer Toilette oder in einem Clubraum oder auf einer Party verlieren.
Sex ist eine große Sache. Viele Mädchen, wenn nicht alle, träumen davon, ihr erstes Mal mit der Person zu erleben, die sie lieben. Mit Kerzen und einem Bett. Vielleicht mit ein paar Rosenblättern.
Wenn dieser Traum zerbricht, stirbt etwas in einem. Wenn man realisiert, dass es nicht der Junge deiner Träume ist, der sich auf dich legt. Wenn man realisiert, dass es nicht das schönste auf dem Planeten ist, mit jemanden zu schlafen.
Wenn man nur noch Zweck einer Sache ist, damit ein anderer sich gut fühlen kann. Und man selbst wird erdrückt unter der Last des Körpers, der sich auf einen stemmt.
Ich wurde erdrückt, als er sich auf mich gelegt hatte.
Und ich werde dieses Gefühl niemals wieder los werden können. Ich werde damit leben müssen und bei jeder Berührung eines anderen Menschen daran denken müssen. Solche Dinge vergisst man nicht einfach.
Aber am aller Schlimmsten ist die Angst. Die er mitgebracht hat, als er sich über mich gelegt hat und da gelassen hat, als er fertig mit mir war. Sie hat sich tief in meinem Herzen eingenistet und sie schreit bei jedem Blick, den ich auf ihn werfen muss. Vergewaltigung ist nicht nur ein Wort. Es ist ein Wort, das kaum einer sich traut auszusprechen.
Wie erklärt man einem anderen Menschen, dass man vergewaltigt wurde?
Wie fängt man so ein Gespräch an?
Keiner will daran denken, jeder hält an den Glauben fest, dass es niemandem in seinem Umfeld je passieren würde. Dieser Irrglaube der Menschen macht es umso schwerer, die Wahrheit auszusprechen. Wie soll man etwas aussprechen, wenn man weiß, dass es einem niemand glaubt? Wenn man Angst hat, dass er dann wieder kommt und es noch einmal und noch einmal macht. Bis man sämtliche seiner eigenen Worte verschluckt hat. Tief in sich verbarrikadiert hat.
Zu viele Menschen geraten unter Missbräuchen und Vergewaltigungen. Zu viele Mädchen und ebenso zu viele Jungen. Zu viele Frauen und ebenso zu viele Männer. Sie werden attackiert und körperlich geschädigt, aber viel mehr, werden sie gebrochen.
Mein Inneres liegt in Trümmern, denn die Angst ist so gewaltig, dass sie alles in mir zerstört.
Ich habe überlebt, aber die meiste Zeit meines Leben habe ich mich der Tatsache hingegeben, dass es nie wieder wie früher werden wird. Als ich noch vor meinem Schrank stehen konnte und nicht darüber nachdenken musste, was ich am besten trage, um möglichst alles zu bedecken. Die meiste Zeit will ich mich verstecken und noch mehr meinen Körper, der sich so geschädigt und kaputt anfühlt.

Ich glaube, die meisten wissen, wie es ist, Angst zu haben. Das Gefühl zu haben, dass die Welt einem ein bestimmtes Etikett angehängt hat, mit dem man bis zum Lebensende leben muss.
Die Frage ist nur, lässt du zu, dass darauf „Opfer“ steht oder willst du lieber „Überlebender“ daraus machen?

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Aber selbst wenn es hart auf hart kommt, brauchst du nur einen guten Freund, um es durchzustehen.
Sprich aus, was dir wiederfahren ist, lass nicht alle einfach mit dir machen, was sie wollen. Ich werde für dich da sein, wenn du es brauchst.

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