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GeschichteRomanze, Familie / P12
23.05.2018
07.06.2018
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Hallihallo, lieber Leser!
An alle die, die mich als Autor verfolgen: ja, ich lebe noch. Mal wieder habe ich mich lange nicht gemeldet, und tauche jetzt wieder auf. Und anstatt dass ich meine aktuellen Projekte weiter fortsetze, starte ich jetzt diese Spontanidee hier.
Mitten in der Nacht.
Über ein Pairing, das allgemein wohl eher unbeliebt ist.
Läuft bei mir, würde ich sagen. :D
Aber eigentlich will ich gar nicht mehr viel reden: wem das Ganze gefällt, dem wünsche ich ganz viel Spaß beim Lesen. Geplant sind übrigens etwa zehn Kapitel, aber ob ich mich daran halte, ist wieder eine ganz andere Sache. ;)

WICHTIG: Die FanFiktion startet in Folge 2935: "Trennung". Wer kein TV Now PLUS hat und die Folge dementsprechend nicht ansehen kann, bekommt hier das bisher Geschehene kurz erklärt: Damian hat Pauline seine Liebe gestanden und wollte sich eigentlich von Isabelle trennen. Diese konfrontiert ihn jedoch mit dem Wissen über seine gefälschte Identität. Um den Kopf frei zu bekommen, geht Damian joggen und denkt dabei ausgiebig nach. Als Pauline ihn später anspricht, muss er sich entscheiden. In der Serie weist er sie ab, aber hier ... sieht das Ganze anders aus! ;)
Die Charaktere und die bisherige Storyline, sowie das Recht daran, liegt natürlich ganz bei RTL. :)

Okay, jetzt endgültig genug des Geredes - enjoy!

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Kapitel 1: „Von Angst und Risko“


Seine Lungen brannten.
Seine Beine schmerzten.
Sein Herz schlug schnell und heftig gegen seine Brust.
Sein Puls raste.
Damian Steinkamp joggte nicht wirklich, er rannte, wie von Dämonen gejagt.
Beinahe schon verbissen zwang er sich, noch einmal das absolute Maximum an Tempo herauszuholen, um sich schließlich erschöpft auf eine Parkbank fallen zu lassen. Normalerweise führte er sein Training besonnen aus, und vermied es, sich zu überanstrengen.
Normalerweise.
Alles in seinem Kopf drehte sich, und er vergrub verzweifelt das Gesicht in den Händen. Eigentlich hatte Damian gehofft, dass die frische Luft und die Bewegung ihm helfen würden, aber auch das machte es ihm unmöglich, seinen Gedanken zu entfliehen.
Und seiner Entscheidung.
Vor seinem inneren Auge tanzten unaufhörlich Bilder hin und her, Erinnerungen.
Pauline, wie sie ihn anlächelte und küsste, Pauline, wie sie mit großen grünblauen Augen zu ihm aufsah, Pauline, die ihn seit Wochen verrückt machte.
Die Nacht mit dem echten Damian, und wie er schließlich von der Schlange gebissen wurde.
Sein echter Pass, wie er langsam im Feuer verbrannte.
Und schließlich hörte er wieder Isabelles Stimme in seinem Kopf, hart und eindringlich.
Ich kenne dein Geheimnis.
Du hast im Schlaf Paulines Namen gesagt.
Wenn die ganze Sache auffliegt, dann wanderst du in den Knast …
Damian schnaubte und versuchte, irgendwie wieder zu Atem zu kommen. Das Gedankenkarussell in seinem Kopf drehte sich immer weiter, bis ihm fast schwindelig wurde. Es hätte alles so einfach sein können. Er hätte mit Isabelle ganz sachlich und ruhig Schluss gemacht, um anschließend bei Pauline aufzutauchen und das Ganze mit ihr zu feiern. Sie beide wären endlich ein ganz normales Paar geworden, und er hätte niemals Angst um sein Geheimnis haben müssen.
Hätte, wäre, wenn.
Eigentlich wusste Damian, dass ihm alles Wunschdenken und jedes Spekulieren nichts brachte, aber es war nur zu verlockend, sich einen Moment in seinen Tagträumen zu verlieren.
Der Drang, mit Pauline zu reden, ihr einfach zu sagen, was Sache war, wurde übermächtig. Damian zog sein Handy aus der Tasche hervor und rief seine Kontakte auf, ehe er zu Paulines Namen herunter scrollte. Sekundenlang schwebte sein Finger über dem Handydisplay, dann zuckten sie wieder zurück und er steckte es zurück in seine Tasche. Und ehe ihn die Last seiner Gedanken weiter erdrückte, sprang er auf und rannte weiter, als hinge sein Leben davon ab.
Auf der Flucht vor etwas, vor dem er nie würde fliehen können.

„Damian!“
Oh nein.
Als Damian aus dem Zentrum kam, war er mit den Nerven endgültig am Ende. Er hatte noch einige Verträge mit den Steinkamps durchgerechnet, sich Bilanzen angesehen. Dabei war höchste Konzentration nötig, und das hatte eindeutig an seinen Nerven gezehrt. Und das Ganze machte auch nicht besser, dass ihm so einmal mehr vor Augen geführt worden war, was er zu verlieren drohte.
Damian Steinkamp, der Top-Anwalt?
Erfolgreiches Mitglied einer einflussreichen Essener Familie?
In einer glücklichen, unkomplizierten Beziehung?
Das alles stand für ihn auf dem Spiel.
Wenn er sich für Pauline entschied, würde Isabelle sein Geheimnis nicht länger als solches behandeln. Ja, ihr Liebesgeständnis hatte ihn nicht kalt gelassen, und ja, ihm war klar, dass Isabelle nie eine konkrete Drohung ausgesprochen hatte.
Aber er war klug genug, um zwischen den Zeilen zu lesen.
Sie hatte ihm ganz deutlich aufgezeigt, was er zu verlieren drohte, und sie hatte sich ebenso deutlich zu ihm bekannt. Doch so sehr ihm Isabelle auch leid tat, mehr als freundschaftliche
Zuneigung war da nicht mehr. Er hatte sie niemals so verletzen wollen, aber seine Gefühle waren etwas, das er noch nie gut unter Kontrolle gehabt hatte.
Egal, wie Damian es also drehte und wendete, er steckte in einem Dilemma, aus dem es keinen Ausweg gab. Und nun rief ihn ausgerechnet Pauline, der er gerade am allerwenigsten begegnen wollte.
„Hey“, sagte sie scheu, während sie auf ihn zulief, und Damian mühte sich, möglichst unbeteiligt auszusehen. Was alles andere als einfach war, weil sein Herz bei ihrem Anblick einen verdächtigen Satz machte.
Denk an das, was du verlieren wirst!, wisperte eine eindringliche Stimme in Damians Kopf. Na und? Du weißt doch ganz genau, wie wichtig sie dir ist!, hielt die eine andere hartnäckig dagegen. Fast unmerklich schüttelte er den Kopf, um wieder klar denken zu können.
„Ich wollte dich eigentlich schon anrufen“, gab Pauline indes zu und sah zu ihm hoch. Nervös knetete sie ihre Hände, während sie weitersprach: „Ich hab‘ Isabelle im Zentrum gesehen.“ Damians Maske drohte zu verrutschen, doch mit aller Macht spielte er den Gefühlskalten. Mit Pauline über Isabelle reden, das war in seiner jetzigen Situation eindeutig zu viel. „Sah echt mies aus“, murmelte Pauline schließlich, und das schlechte Gewissen stand ihr ins Gesicht geschrieben. Auch er verspürte einen leisen Stich in der Magengegend. Es tat ihm leid, dass Isabelle wieder von einem ihrer Männer enttäuscht worden war. „Hast du schon mit ihr geredet?“, fragte Pauline dann vorsichtig, und augenblicklich erstarrte Damian.
Auf keinen Fall.
Nicht dieses Thema.
Er war nicht bereit, diese Entscheidung jetzt und hier zu treffen, er war nicht bereit, Pauline hier und jetzt entweder an sich heranzulassen, oder sie endgültig von sich zu stoßen.
„Sorry, ich muss los“, brachte er nur heraus, ehe er sich fluchtartig von ihr abwandte.
„Warte doch mal!“, rief Pauline. „Nur … ganz kurz.“ Dieser bittende Tonfall in ihrer Stimme machte ihn weich, und Damian konnte nicht anders, als sich wieder zu ihr umzudrehen. Liebevoll zupfte sie an seinem Mantel, wie sie es immer tat, wenn sie ihn aufmuntern wollte. Damians Inneres verkrampfte sich vor lauter widersprüchlichen Gefühlen. Allein diese kleine Geste, die so typisch Pauline war, machte ihn schwach. Und doch war der Preis für all das stets in seinem Hinterkopf präsent. „Ist alles okay?“, fragte Pauline nun sanft, und er schluckte schwer. Er brachte keine Antwort über die Lippen, aber Pauline lächelte nur etwas verunsichert und sprach weiter: „Hast du es vielleicht einfach noch nicht geschafft mit ihr zu reden, und traust dich nicht, es mir zu sagen?“
Schön wär‘s.
Damians Atem wurde schneller, und Panik stieg in ihm auf. War er das jetzt doch? Der verhasste Moment, indem er sich zwischen allem, was er sich aufgebaut hatte, und Pauline entscheiden musste? „Hey, wenn du noch ein bisschen Zeit brauchst, ist das kein Problem“, meinte sie verständnisvoll. „Ich weiß, wie scheiße es ist, mit jemandem Schluss zu machen und-“
„Pauline!“
Damians Stimme klang kalt und forsch, und fast erkannte er sie selbst nicht wieder. Pauline stockte und sah ihn verwirrt an. „Ich-“, begann er, aber die Worte blieben ihm in der Kehle stecken. Es wäre ganz einfach. Pauline, ich liebe dich nicht. Ich habe nicht vor, mich von Isabelle zu trennen. Zwei ganz einfache Sätze, und seine Vergangenheit wäre sicher.
Aber er konnte das nicht.
Er hatte geglaubt, er hätte die Wahl zwischen Pauline und allem, was er sich aufgebaut hatte, doch das stimmte nicht. Alles, das war schon längst auch Pauline geworden. Zu diesem alles zählte schon lange auch die Frau vor ihm, ob er es nun wollte, oder nicht.
„Isabelle weiß es.“ Die Worte rutschten ihm heraus, ehe er es hatte verhindern können, und Pauline blickte ihn verwirrt an. „Also hast du es ihr doch schon gesagt?“, fragte sie ahnungslos, und Damian raufte sich die Haare. „Ich kam nicht dazu“, entgegnete er nur, und Pauline runzelte die Stirn. Besorgnis trat in ihr Gesicht. „Damian, was wird das hier?“, hakte sie nach. Damians schluckte nur und ihm wurde klar, dass das hier nichts war, was er mal eben im Vorbeigehen auf offener Straße besprechen konnte.
„Können wir zu dir?“, fragte er und sah sich hektisch an. Pauline schüttelte bloß den Kopf. „Da kommt gleich so ein Typ wegen Ingos und Marians Bier vorbei“, erklärte sie, und er seufzte resigniert auf. Fieberhaft überlegte er, wo sie nun hingehen konnten. Pauline biss währenddessen sich unsicher auf die Unterlippe, und Damian widerstand dem Drang, sie einfach an sich zu ziehen und zu küssen – es wäre nun mehr als unpassend gewesen. „Wir könnten zu den Tischtennisplatten vor dem Krankenhaus“, schlug Pauline dann zögerlich vor, und nach kurzem Überlegen nickte Damian. Die Platten waren meistens recht einsam und etwas abgeschieden, und auch die Wahrscheinlichkeit, dort Isabelle zu begegnen, ging gegen null. „Ja“, erwiderte er nur knapp. „Mein Auto steht um die Ecke“, meinte er dann mit belegter Stimme. „Lass uns dorthin fahren.“ Pauline nickte, dann folgte sie ihm.
Und sie schwiegen.

Die Fahrt verlief in unbehaglicher Stille, und mehr als einmal hatte Pauline so gewirkt, als wolle sie zu reden beginnen. Doch letzten Endes hatte sie sich immer von Damians ernster Miene davon abhalten lassen. Dieser kämpfte unterdessen mit all den Emotionen in ihm. Er wusste, wie riskant diese Aktion war, aber er hatte es einfach nicht übers Herz gebracht, Pauline abzuweisen. Zudem wehrte sich sein Innerstes hartnäckig dagegen, all seine Gefühle so zu verleugnen.
Erst, als sie schließlich ausstiegen und die letzten Meter zu den Platten liefen, hielt Pauline es nicht mehr aus. „Machst du jetzt etwa einen Rückzieher?“, brach es aus ihr heraus, und die Angst in diesen Worten war nicht zu überhören. Damian schnaubte bitter, wusste jedoch nicht, was darauf zu erwidern war. Er hatte ja selber keine Ahnung, was er wollte.
Risiko mit Pauline, oder Sicherheit ohne sie?
Er schwieg hartnäckig, aber nun war es Pauline endgültig genug. Ruckartig packte sie seinen Arm, und obwohl sie so klein und zierlich war, war ihr Griff erstaunlich fest. „Verdammt nochmal, Damian, rede mit mir!“ Ihre Stimme zitterte, und irgendetwas in Damian regte sich als ihm klar wurde, was er Pauline gerade antat. Sie wirkte verwirrt und verletzt, und er konnte es ihr beim besten Willen nicht verübeln. Gestern ernst hatte er sich geschworen, sie nicht mehr hinzuhalten und ihr stattdessen mit aller Macht zu zeigen, was sie ihm bedeutete. Und jetzt?
„Nein.“
Das Wort war gesagt, ehe gedacht, aber in dem Moment, in dem er es aussprach, erkannte Damian, dass es stimmte. Natürlich wollte er keinen Rückzieher machen. Er wollte Pauline nie wieder verletzen, oder sie beinahe an einen Anderen verlieren, oder sie unglücklich machen. Er sehnte sich einfach danach, ein normales Paar mit ihr sein zu können. Pauline atmete aufgrund seines Bekenntnisses erleichtert auf, aber sie begriff immer noch nicht, was los war. Sie beide ließen sich auf den Platten nieder, und Damian atmete einmal tief durch.
„Isabelle“, begann er. „Sie … sie war in Namibia.“
Pauline sog scharf die Luft ein. „Wie bitte?“, fragte sie ungläubig, und Damian vergrub das Gesicht in den Händen. „Ich hatte dir doch gesagt, dass sie etwas von einem Geheimnis ahnt“, erklärte er dumpf. Pauline nickte nur und blickte ihn besorgt an, aber Damian sah zunächst nicht auf. Schließlich hob er doch den Kopf und sah Pauline eindringlich an. Sie versuchte, seinen Gesichtsausdruck zu deuten, doch das war schier unmöglich. „Sie weiß über meine Vergangenheit Bescheid“, ließ Damian die Bombe platzen, und Paulines Augen weiteten sich vor Schreck. Sekundenlang starrte sie ihn einfach an, dann rang sie nach Worten. „Wie?“, kam dann nur heraus, und er zuckte die Schultern. Pauline schluckte schwer. „Also weiß sie nichts von uns?“, hakte sie nach, und Damian zögerte. „ich habe ihr nichts gesagt“, bekannte er. „Aber … ich hatte irgendwie das Gefühl, sie … sie wüsste es.“ Pauline sah starr geradeaus und musste das eben Gehörte erst einmal verarbeiten. „Denkst du … sie wird es ausplaudern?“, fragte sie dann besorgt.
Damian lachte bitter auf. Genau das war ja der Punkt, der ihm die ganze Zeit Kopfzerbrechen bereitete.
„Nicht, wenn ich mit ihr zusammen bleibe“, entgegnete er, und Pauline zuckte zusammen. „Hat … hat sie das so gesagt?“, wollte sie wissen. Damian schüttelte bloß den Kopf. „Sie meinte bloß, dass sie mich liebt und deshalb nicht verrät“, antwortete er, aber Pauline wusste genauso wie er, was das zu bedeuten hatte. „Aber wenn du dich dann von ihr trennst … und wenn sie dich nicht mehr liebt, dann …“, sie sprach nicht zu Ende, aber das war auch nicht nötig. Sie hatte es mehr als verstanden. Pauline raufte sich die Haare. „Als du mir das gestern gesagt hast … dass du mich liebst und mit mir zusammen sein willst“, begann sie leise. „Da war ich der glücklichste Mensch auf dieser Welt.“ Damian lächelte, als er sich an den magischen Moment gestern Abend erinnerte, doch es verging ihm schnell, als er an das bittere Ende dessen dachte. Plötzlich stand Pauline auf und blickte ihm ernst in die Augen. „Ich will nicht wieder ein hin und her, ich will nicht mehr die geheime Affäre sein. Nochmal … nochmal packe ich das nicht.“ Paulines Stimme bebte, und sekundenlang sah Damian sie einfach nur an. Was sollte er darauf erwidern? Erst heute war alles zwischen ihnen komplizierter geworden. Und tief in seinem Inneren wusste er, dass seine Vergangenheit immer ein Problem sein würde.
„Pauline, was erwartest du jetzt von mir?“, fragte Damian mit einem Anflug von Verzweiflung. Pauline musste unweigerlich an den Abend denken, an dem sie beide fast miteinander geschlafen hätten. Damian hatte exakt denselben Wortlaut benutzt.
Sind wir allen Ernstes wieder an diesem Punkt angekommen?
„Wenn du mir jetzt noch sagst, dass du mich magst, hab‘ ich ein Déjá-vu“, verkündete sie trocken. Damian stöhnte auf. „Hör zu, ich weiß, dass das eine schwierige Situation ist, abe-“ Pauline ließ ihn nicht ausreden, sie fiel ihm hastig ins Wort. „Damian, ich kann von dir nicht verlangen, das für mich zu riskieren. Aber … ich kann klare Verhältnisse von dir verlangen.“ In einem spontanen Anflug von Selbstbewusstsein reckte sie das Kinn. „Was willst du wirklich, Damian?“
Was willst du wirklich?
Ja, was wollte er denn eigentlich?
Mit Pauline zusammen sein, und sein Geheimnis in Sicherheit wissen, so einfach war die Antwort – und gleichzeitig so unmöglich. Er hatte Isabelle lange geliebt, und auch jetzt noch empfand er ihr gegenüber freundschaftliche Zuneigung, aber ihm war auch immer klar gewesen, dass sie keine einfache Frau war. Richard hatte ihn gewarnt, alle hatten mehr oder minder kopfschüttelnd reagiert, als er mit Isabelle zusammen gekommen war, und das sicher nicht ganz ohne Grund. Wie lange konnte er sich wirklich darauf verlassen, dass sie sein Geheimnis für sich behielt? Und wenn er sich von ihr trennte, würde er dann überhaupt noch eine ruhige Minute haben?
Rational gesehen ist es keine kluge Entscheidung, Pauline zu wählen.
Aber dann sah er zu Pauline, wie sie vor ihm stand, abwartend und insgeheim auch etwas ängstlich. Wollte er sie wirklich so verletzen?
Wollte er sie nicht mehr treffen, sondern wie eine ferne Bekannte behandeln?
Sie irgendwann bei einem anderen Mann sehen?
Ihr das Herz brechen, ausgerechnet ihr?
Sie zu wählen, wäre eine rein emotionale Entscheidung. Irrational. Unklug.
Und die einzig richtige.
Das war der Moment, in dem Damian darauf pfiff, was schlau und was gefährlich war. Alleine die Idee, Pauline so abzuweisen, war unmöglich. Auf keinen Fall würde er jetzt die Gefühle verdrängen, die ihn so sehr überwältigt und gleichzeitig so glücklich gemacht hatten.
Und bevor ihn seine Ängste doch überwältigen konnten, ergriff Damian Paulines Hände und sah ihr tief in die Augen. „Was ich gestern gesagt habe, war auch so gemeint. Ich will dich.“ Die Worte kamen unerwartet leicht über seine Lippen, und endlich verschwand auch das bedrückende Gefühl in seiner Brust. „Und was machst du wegen Isabelle?“, fragte Pauline leise. Damian zuckte bloß die Schultern. „Ich finde eine Lösung.“ Er wusste nicht ganz, ob er mit diesen Worten eher sich selbst oder eher Pauline Mut zusprechen wollte, aber es war auch nicht wichtig. Er wollte noch etwas erwidern, aber ehe er dazu kam, fiel Pauline ihm um den Hals - sodass sie beide fast nach hinten fielen - und küsste ihn.
Ihre Lippen waren weich und warm, ihr Körper lag perfekt in seinen Armen, und sie löste das altbekannte prickelnde Feuerwerk in ihm aus.
Wenn Irrationalität sich so gut anfühlt, muss ich so etwas öfter tun.
Als sie sich dann doch voneinander lösten, strahlte Pauline ihn an. „Und diesmal gibt es sicher nicht noch einen Haken?“, stieß sie außer Atem hervor, und er grinste nur schwach. „Ich rufe jetzt Isabelle an, damit wir uns gleich treffen“, meinte er dann, ohne ihre Frage so recht zu beantworten. „Und dann versuche ich … das irgendwie zu regeln.“ Pauline nickte. „Kannst … kannst du dich danach bei mir melden?“, bat sie, und Damian nickte bloß. Wieder huschte ein Lächeln über ihr Gesicht, dann trat sie einen Schritt zurück und versuchte, wieder einen halbwegs klaren Kopf zu bekommen. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass sie gleich ihre Schicht im Krankenhaus antreten musste. „Ich muss dann mal los, zum Dienst“, erklärte sie, ehe sie Damian erneut den Mantel zurechtrückte, was ihm ein Schmunzeln entlockte.
Mit einem letzten Lächeln drehte Pauline sich um und ging eilig auf das Krankenhaus zu. Drinnen angekommen lehnte sie sich etwas zittrig gegen die Wand und vergrub das Gesicht in den Händen. Damian, der ihr hinterher gesehen hatte, setzte sich indes auf die Tischtennisplatte zurück und rieb sich die Schläfen.
In ihnen beiden kämpften Glück, Liebe, Unsicherheit und Angst miteinander. Und ihnen beiden kam zugleich derselbe Gedanke.
Wie geht es jetzt weiter für uns beide?

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Soooo, da wäre also das erste Kapitel.
Es diente hauptsächlich als kleine Einleitung und war deshalb noch nicht sehr spannend, aber ich hoffe, dass ich euch trotzdem für die Geschichte interessieren konnte. :)
Wichtig wäre noch, dass Kritik an der Geschichte sehr willkommen ist, da ich das hier wirklich sehr spontan aufgezogen habe, und es da bestimmt noch Einiges zu verbessern gibt. :)
Ansonsten hoffe ich, man sieht sich im nächsten Kapitel wieder!

LG TintenFeuer
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