thy faery prince

GeschichteRomanze, Fantasy / P12
22.05.2018
06.12.2018
3
4259
1
Alle
3 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
t h y     f a e r y     p r i n c e


to be loved – rubies in her hair and the wild sea in her eyes


.

.


»Hey Kushina, ich habe ein Geschenk für dich«, sprach er sie beim nächsten Mal an, als er wieder in ihrer Welt und in der Schule war. Sie unterbrach ihr Gespräch mit Mikoto, Tsume und Yoshino, die ihm grüßend zunickten, denn sie wussten mittlerweile alle, wie es mit seinen Gefühlen der Rothaarigen gegenüber stand.

Tsume grinste breit, Yoshino sah zufrieden nickend drein, während Mikoto ihm vorsichtig zuwinkte.

Und Kushina? Diese drehte sich zu ihm rum und sah ihn schmollend an, weshalb sein Herz einen Takt schneller schlug. Wie gewöhnlich lächelte er sie an. »Minato, ich unterhalte mich doch mit meinen Mädchen«, jammerte sie gekonnt, doch an dem Glitzern in ihren Augen konnte er erkennen, dass sie es nicht ernst meinte. Aufregung machte sich in ihm breit.

Er hielt ihr den in Geschenkpapier eingepackten Schal hin, den sie nur zögerlich nahm, als erwarte sie, dass es jeden Moment explodieren würde mit dem Ausruf „Verarscht!“. Sein nur angehauchtes Lächeln verschwand. Er fand den Gedanken furchtbar, dass sie immer noch darunter litt, dass man sie so lange schlecht behandelt hatte. Menschen waren grausam, da war er sich ohne Zweifel sicher – sie strahlte dafür umso heller unter den ganzen grauen Menschen, beinahe wie einer der Sterne, die er so gerne am Nachthimmel beobachtete.

Als sie es in den Händen hielt, sah sie auf, als könne sie nicht verstehen, warum er ihr etwas gab. Als ob eine solche Freundlichkeit ein Unding wäre.

»Mach es auf«, drängte er sie sanft und neugierig riss sie das Papier auf, sodass recht schnell die dunkelrote Wolle zum Vorschein kam und dann der Rest des Schals.

Ihr klappte der Mund auf und zu, ihre Augen weiteten sich überrascht, als sie den Inhalt sah. »Oh Gott, Minato! Du hast einen Schal für mich gekauft! Warum?«, sie sah verwundert aus. Die Mädchen im Hintergrund fingen an zu kichern, was ihm missfiel, aber was konnte er tun?

Der Blonde lehnte sich zu ihr rüber, sodass er ihr folgendes ins Ohr flüstern konnte, bevor er sich umdrehte und wieder ging: »Ich habe ihn selbst gemacht, weil du frierst.«

Er sah weder ihren perplexen, jedoch dankbaren Blick, noch die Tatsache, dass sie das neue Kleidungsstück gleich anlegte und bewunderte.

Es reichte ihm zu wissen, dass sie es hatte.

.

.


»He, Minato«, kam es leise von der Rothaarigen und er sah sie augenblicklich an. Ihr Gesichtsausdruck war betrübt, ihre sonst so fröhlichen blauen Augen verdunkelt wegen ihren wahrscheinlich finsteren Gedanken, denn anders konnte er es sich nicht erklären, weshalb sie so drein sah.

Seine Hand wanderte automatisch zu ihrer Schulter, er wollte beinahe schon einen kleinen Schutzzauber murmeln, als er sich gerade so noch bremsen konnte und er sie nur zaghaft berührte. »Was ist?«, hakte er ebenso leise nach und musterte sie aufmerksam, studierte ihr Gesicht, die Tiefen ihrer Augen, um heraus zu finden, was sie quälte und dieses Problem zu beseitigen, wie er es schon bei einigen Leuten getan hatte, um ihr zu helfen. Nein, er hatte niemanden umgebracht, nur dafür gesorgt, dass manche Dinge in Vergessenheit gerieten.

Manchmal fühlte er sich wie die gute Fee aus Cinderella, die in dem Fall Kushina darstellte.

»Ich hasse es, dass mich keiner wirklich liebt«, murmelte sie und entsetzt öffnete er seinen Mund, um ein Konterargument zu erwidern, dass er sie liebte, wie könnte sie nur jemals annehmen, dass sie keinem wichtig war? Doch sie war schneller, indem sie den Kopf schüttelte, um ihn daran zu hindern, etwas zu sagen.

»Nicht im romantischen Sinne. Ich meine, dass keiner der Leute, die auf mich aufpassen und ab und an mal bei mir reinschneien, es wirklich freiwillig machen, sondern nur, weil sie müssen. Ich hasse es, dass ich keinem so wichtig bin. Ich wünschte, ich wäre es«, gestand sie und sah ihn so hilflos an, dass es ihm die Kehle zuschnürte und er hatte das Gefühl zu ersticken.
Wenn es ihm jetzt schon den Atem raubte, wie musste es dann erst für sie sein? Er konnte es sich kaum vorstellen, er hatte Eltern, die ihn liebten, er hatte Freunde und eine entfernte Verwandtschaft, die ihn jederzeit nehmen würde, falls etwas passieren würde, doch sie?

Sie hatte lediglich eine Hand voll Freunde und selbst bei denen war er sich nicht ganz sicher, ob sie im Notfall alles für sie tun würden, wie er es ohne zu zögern machen würde.

Dann lächelte er ihr zuversichtlich zu. »Ich bin mir absolut sicher, dass du eines Tages so geliebt wirst, wie du es verdienst«, sprach er optimistisch und das zaghafte Lächeln, was sie ihm schenkte, reichte ihm, auch wenn es nicht ganz ihre Augen erreichte.

Irgendwann würde es so sein, das wusste er. Auch wenn es etwas dauern würde.

.

.


Mit pochendem Herzen sah er sie an und er hätte es auch noch eine Ewigkeit getan, wenn er nicht seine Frage loswerden wollte. »Glaubst du an Feen, Kushina?«, murmelte er sanft und beobachtete, wie sie von ihren Hausaufgaben aufsah und ihn aus graublauen Augen anstarrte. Sie runzelte die Stirn. »Was?«

»Glaubst du an Feen?«

Unsicher sah sie drein. »Uhh, ich glaube, ich kann dir nicht ganz folgen, aber okay«, meinte sie gedehnt und lehnte sich ein Stückchen von ihm weg. Es versetzte ihm einen schmerzhaften Stich, als er das sah. »Nein, ernsthaft jetzt. Glaubst du daran, dass es sie gibt und dass sie Wünsche erfüllen können?«

»Können sie unbegrenzt Wünsche erfüllen?«, kam von ihr eine Gegenfrage und der Blonde schüttelte den Kopf. »Nein, wenn du eine Fee siehst, dann werden dir drei Wünsche erfüllt, aber das war’s dann.«

»Aww, schade, wäre cool, wenn es die wirklich geben würde und Wünsche erfüllen könnten. Stelle dir mal die Möglichkeiten vor, Minato!«, meinte sie leicht glucksend, wandte sich dann wieder an ihre Hausaufgaben. Sie bemerkte nicht, wie sein Gesicht missmutig wurde. »Also glaubst du nicht, dass es Feen gibt?«

Wieder sah sie auf und blinzelte ihn etwas unsicher an. »Nein, warum sollte ich? Solange ich keiner Fee leibhaftig begegne, sind sie für mich nichts anderes als Märchengestalten, die man kleinen Kindern erzählt, damit sie glücklich sind.«

Kurz verfielen sie in Schweigen, bevor sie ihren Kopf schief legte und ihr oh so wunderschönes rotes Haar nach vorne fiel. »Warum fragst du mich das? Musst du einen Aufsatz schreiben oder so?«
Für einen winzigen Moment war er versucht den Kopf zu schütteln, überlegte es sich jedoch anders. Er konnte sie immerhin nicht zwingen an etwas zu glauben, was ihren Augen verborgen blieb… auch wenn sein Herz schmerzte und ihm die Kehle eng wurde. Eigentlich wäre es sogar besser so, bevor sie aufgrund der Tatsache, dass die Anderwelt existierte, den Verstand verlor. Da war sie ihm unwissend, aber sie selbst bleibend, bedeutend lieber.

»Ich musste man darüber recherchieren vor einiger Zeit und es ist mir wieder eingefallen«, meinte er lediglich lächelnd und wenn sein Lächeln etwas verkrampfter aussah, als sonst, würde es ihr trotzdem nicht auffallen, denn ihre Augen waren erneut nach unten gerichtet.

Das Lächeln verschwand wieder und sehnsüchtig blickte er sie an. Sie war ihm so nahe, beinahe greifbar und doch so unendlich weit weg.

Ein paar vereinzelte Sonnenstrahlen trafen auf ihr Haar und ließ es leuchten, als wenn es Rubine wären oder ein wild gewordenes Feuer. Sie merkte, dass er sie anstarrte, also sah sie irgendwann auf und das Licht beleuchtete für einen Augenblick ihre Augen und ließen diese strahlen wie kostbare Juwelen, wie das Wasser an einem stürmischen Sommertag, wie–

Und dann lächelte sie ihn an und sein Herz setzte aus.

»Du bist sonst nicht so abgelenkt. Brauchst du Hilfe? Kann ich dir helfen?«

In diesem Augenblick entschied er sich, dass er ihre restlichen Wünsche auch erfüllen würde, selbst wenn es so kommen würde, dass er ihr niemals die Wahrheit über sich sagen konnte.

So sei es.
Review schreiben
 
'