Das Mädchen mit dem Perlenohrring

von T-K
GeschichteRomanze / P12
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Georgiana Darcy Jane Bennet
22.05.2018
18.03.2019
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Hallöchen!
Hier meine neuste Produktion, mal keine Harry Potter Geschichte. :D
Einige kennen mich vielleicht daher.
Ich möchte auch nicht so viel vorher reden. Hier geht es los !


Über Reviews freue ich mich immer sehr! Schreibt bitte auch Kritik, auch über diese freue ich mich!!

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Elisabeth Bennet, angehende Anthropologin, saß gerade vor einer äußerst schwierigen Passage ihrer Doktorarbeit, als Jane aufgeregt in die gemeinsame Wohnung gewuselt kam.
„Lizzy! Ich bin wieder da!“, rief sie freudig und Lizzy konnte hören, wie der Schlüssel auf dem Bord landete.

Als Jane jedoch sah, dass ihre Schwester angespannt auf den Bildschirm starrte, zog sie sich in die Küche zurück, damit sie ihre Ruhe hatte. Jane wusste, dass Elisabeth gerade an den letzten Seiten ihrer Arbeit schrieb und einfach noch ein wenig Ruhe brauchte. Sobald sie ihren Gedanken zu Ende formuliert hatte, würde sie schon in die Küche kommen, damit sie sich gegenseitig von ihrem Tag erzählen konnten. Bis dahin würde sie sich einfach gedulden.
Als Elisabeth schließlich in die Küche kam, rieb sie sich müde die Augen, füllte sich eine Tasse mit Kaffee und blickte ihre Schwester dann interessiert an.

„Also, Jane. Was ist heute so passiert?“, erkundigte sie sich sofort und nahm einen Schluck des bitteren Gebräus.
„Heute war der neue Sponsor für das Tierheim da“, begann sie aufgeregt zu berichten. „Es handelt sich um einen gewissen Charles Bingley. Er sieht wirklich sehr gut aus.“ An dieser Stelle errötete Jane etwas.
„Er hat das Tierheim gelobt und uns dann gesagt, dass er uns gern finanziell unterstützen möchte. Stell dir nur vor, was wir für die Tiere nun tun können!“, freute sich Jane.

Lizzy freute sich natürlich für ihre Schwester mit. Jane versuchte seit Jahren einen Sponsor für das Tierheim zu finden, aber niemand investierte gern Geld in ein Projekt, welches keinen Gewinn abwarf. Also verbrachte Jane jede freie Minute bei den Tieren und umsorgte sie liebevoll, als wäre sie eine Krankenschwester oder liebende Mutter. Über das Internet hatte sie verschiedene Spendenaufrufe gestartet und an einem Tag im Jahr konnten die Besucher das Tierheim besuchen, aber die Vermittlung von Tieren hielt sich leider trotzdem in Grenzen. Jetzt jemanden zu finden, der all die finanziellen Probleme löste, musste eine sehr große Erleichterung sein.

„Er hat mich sogar zum Essen eingeladen, damit wir über alles reden können.“, schwärmte Jane weiter.
Lizzy konnte sich vorstellen, dass dieser Bingley Jane sicher nicht nur wegen des Tierheims zum Essen einlud, aber sie verschwieg ihre Gedanken. Vielleicht war dieser Bingley ja nett und ihre Schwester konnte einen schönen Abend verbringen. Jane war einfach viel zu naiv und gutgläubig, um jemanden solche Gedanken zu unterstellen Also freute sie sich einfach für Jane und hoffte, dass Mr. Charles Bingley ein anständiger Mann war.

                                                                                                ***
Es gingen einige Wochen ins Land in denen Lizzy weiterhin an ihrer Arbeit schrieb, jedoch nicht so recht vorankam. Immer wieder musste sie in die Universität und Lehrveranstaltungen abhalten oder ihre Expertise wurde anderweitig benötigt. Jane hingegen traf sich nun regelmäßig mit Charles Bingley und hatte jedes Mal ein Lächeln auf den Lippen, wenn sie von einem Treffen mit ihm kam.
Bisher hatte Lizzy nur einen kurzen Blick auf ihn werfen können, aber er schien ein offener, lustiger, junger Mann zu sein. Insgeheim war sie beruhigt. Jane hatte bisher kein gutes Händchen gehabt, was Männer anging, weswegen sie befürchtet hatte, dass Jane mal wieder einen Idioten traf. Aus diesem Grund lehnte sie es auch nicht ab, als Jane sie bat sie diesen Abend zu begleiten. So konnte sie ein wenig Zeit mit ihrer Schwester verbringen und gleichzeitig Charles Bingley einer Beobachtung unterziehen.

„Charles und ich möchten gern tanzen gehen und wir dachten, dass du vielleicht mitkommen möchtest. Seine Schwester und sein bester Freund werden auch kommen.“, hatte Jane erzählt.
Da sie im Moment mit ihrer Arbeit eh festsaß, konnte sie sich auch ein wenig amüsieren. Also begleitete sie ihre Schwester in ein Tanzlokal, welches sie rausgesucht hatten. Elisabeth gefiel es sofort von Anfang an.
Zur Linken Seite war eine große Bar aus dunklem Holz aufgebaut, im hinteren Teil befand sich die Tanzfläche, welche bereits jetzt mit bunten Lichtern beleuchtet wurde  und rechts standen Tische und Stühle, die zum Sitzen und Schwatzen einluden. Ein sehr gemütliches Lokal, wie die Schwestern entschieden hatte.
Charles und der Rest schienen noch nicht anwesend zu sein, denn Jane blickte sich suchend um und reckte den Hals.

„Wir können uns erstmal setzen, die anderen kommen sicher gleich.“, schlug Elisabeth vor, die die steigende Nervosität ihrer Schwester spürte.
Etwas widerwillig ließ sich Jane zu einem Tisch ziehen und setzte sich hin.

Auf der Tanzfläche war schon gut etwas los und Lizzy hoffte, dass sie später noch etwas tanzen konnte.
Es war schon so lange her, dass sie wirklich etwas unternommen hatte. Normalerweise hetzte sie immer von der Universität und ihren Seminaren in die Bibliothek oder nach Hause. Freizeit hatte sie nur sehr wenig.
Zu Janes Glück mussten sie auch nicht lange warten, denn schon bald betraten die Drei das Lokal. Lizzys Blick glitt sofort über die Neuankömmlinge. Aus Janes Erzählungen wusste sie, dass Charles ein sehr witzig und humorvoll junger Mann war. Seine feuerroten Haare ließen ihn sogar im Licht dieses Lokals hervorleuchten und Elisabeth musste sich ein Grinsen verkneifen.
Er schien die Truppe anzuführen, denn als er Lizzys Schwester erblickte, hielt er direkt auf sie zu. Gleich hinter ihm ging eine junge Frau, die ebenso feuerrote Haare hatte, wie Charles. Vielleicht handelte es sich um die Schwester?
Neben ihr ging ein groß gewachsener Mann mit dunklen Haaren und einem etwas grimmigen Zug um den Mund. Hatte er Zahnschmerzen oder war es einfach nicht seine Art von Lokal? Und waren die beiden ein Paar oder nur Freunde? Lizzy freute sich schon darauf durch eingehende Beobachtung ihre Fragen zu beantworten.

Die Truppe erreichte schließlich die zwei Schwester und Charles nahm Jane sofort in den Arm und gab ihr einen kleinen Kuss. Jane errötete natürlich sofort, freute sich aber sehr ihn zu sehen.
„Charles? Darf ich dir meine Schwester Elisabeth vorstellen?“, fragte Jane, um ihre Verlegenheit zu überspielen.
Der Angesprochene wandte sich zu ihr und hielt ihr seine Hand hin.
„Charles Bingley.“.
Lizzy erwiderte seinen festen Händedruck.
„Elisabeth Bennet.“, stellte sie sich vor.
„Es ist nett endlich ein Gesicht für all die Geschichten zu haben, die mir schon erzählt wurden.“, sagte Charles und lachte.
„Gleichfalls.“, lächelte nun Elisabeth.
Charles erschien ihr sofort sympathisch, sie mochte ihn.
„Nun, darf ich euch meine Schwester Caroline Bingley und meinen besten Freund, William Darcy, vorstellen?“

Charles zeigte auf seine Gäste, welche die Schwestern interessiert musterten.
Die Schwestern gaben nacheinander die Hand. – Carolines Hand fühlte sich dabei an, als würde man einen toten Fisch halten. Ihre Augen waren auf das Lokal gerichtet und ihre kleine Nase war gerümpft. Schon auf den ersten Blick war Elisabeth Charles´ Schwester verhasst. Sie schien eine arrogante Person zu sein, die sich für etwas besseres hielt.
Ganz im Gegensatz dazu war der Händedruck von William Darcy sehr angenehm.
Seine warme Hand umschloss Lizzys und drückte angenehm fest. Seine braunen Augen fixierten dabei ihre und er schenkte ihr eine Andeutung eines Lächelns. Er schien ein recht angenehmer Mann zu sein.
Gemeinsam setzen sie sich an einen Tisch.

„Elisabeth, Jane erzählte mir, dass du gerade an deiner Doktorarbeit schreibst.“, begann Charles ein Gespräch. Er schien fest entschlossen sie an diesem Abend kennenzulernen.
Innerlich seufzte Elisabeth etwas. Jane erzählte jedem, woran sie arbeitete. Sie wusste, dass Jane es tat, weil sie stolz war und wollte, dass andere wussten, was sie schon alles erreicht hatte, aber es war ihr auch etwas peinlich.
Da sie jedoch nicht an mangelndem Selbstbewusstsein litt, überspielte sie die etwas unangenehme Situation, indem sie ein Lächeln aufsetzte und die Augenpaare ignorierte.
„Das ist richtig. Es dauert aber nicht mehr lange, dann bin ich fertig.“, antwortete sie.
„Das bedeutet, sie werden Ärztin, Elisabeth?“, erkundigte sich Caroline.
Trotz der simplen Frage kam es Elisabeth so vor, als würde sich Charles´ Schwester über sie lustig machen. Ihre Abneigung gegen diese Frau verstärkte sich.
„Nein, das werde ich nicht.“, antwortete sie ganz gelassen.
„Ich habe Anthropologie, Geschichte und Kunstgeschichte studiert. In gewisser Weise kenne ich mich mit dem menschlichen Körper aus, aber ich nutze es nicht, um Kranke zu heilen.“, erklärte sie, wobei ihr Blick über William glitt, der sehr interessiert wirkte.
Elisabeth stellte fest, dass sie seinen offenen und ehrlichen Blick mochte.

„Aber wofür müht man sich jahrelang mit dem Studium ab, wenn man keine Menschen heilt?“, wollte Caroline wissen.
„Aus Interesse.“, warf Charles ein.
Lizzy nickte zustimmend.
„Aber nicht nur aus Interesse. Anthropologie beschäftigt sich mit Skeletten, die aus einer Zeit stammen, die weit vor unserer liegt. Anthropologen helfen die fehlenden Glieder in der Geschichte zu finden und verstehen warum wir uns verändern und warum die Menschen damals verstorben sind.“, erzählte sie.
„Das erscheint mit sehr langweilig und trostlos.“, murmelte Caroline und begann in ihrer Handtasche zu kramen.
„Für einige mag das vielleicht zutreffen, aber wahrscheinlich nur, weil sie keinerlei Interesse an der menschlichen Geschichte haben.“, schoss Lizzy leise zurück, doch Charles Schwester hörte sie nicht.

Da das Gespräch etwas einschlief, aber vor allem, weil sie keine Lust mehr hatte in Carolines Gegenwart zu sein, schlug sie vor etwas zu Trinken zu besorgen.
„Das ist sehr nett von dir, Lizzy.“, dankte Jane.
„Also, was darf es sein?“, erkundigte sich Elisabeth.
Nach und nach nahm sie die Bestellungen von allen auf und schlenderte dann zur Bar.

Inzwischen war sie zu dem Schluss gekommen, dass Caroline Bingely eine geistlose und recht selbstverliebte Frau war mit der sie auf keinen Fall mehr Zeit verbringen wollte. Für sie schien einzig und allein das Aussehen und die neuste Mode eine Rolle zu spielen.
Im krassen Gegensatz dazu stand Charles, der offen und ehrlich war und ihrer Schwester gut tat.
Er schien gut zu Jane zu passen und ihr jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Bei seinem Freund William Darcy war sie sich jedoch nicht sicher. Bisher hatte er nicht wirklich gesprochen, aber er wirkte so, als könnte man mit ihm nette Gespräche führen, wenn er sich denn dazu hinreißen ließ den Mund aufzumachen. Weitere Gespräche im Laufe des Abends würden sicherlich Aufschluss bringen.

An der Bar angekommen, stellte sie sich hin und begann zu warten. Immer, wenn sie beinahe dran war, nahm der Barkeeper die Bestellung eines anderen auf. Übersah er sie oder war das Problem, dass sie keinen großen Ausschnitt trug? Sie wollte gerade etwas frustriert aufseufzen, da sie seit geschlagenen 10 Minuten ignoriert wurde, als sich William Darcy neben sie stellte.
„Ich wollte Ihnen mit den Getränken behilflich sein, aber anscheinend hatten sie bisher noch kein Glück.“, erklärte er ihr freundlich.
„Ich schätze, dass der Barkeeper mich übersieht.“, antwortete sie, auch wenn sie sich ziemlich sicher war, dass es am fehlenden Ausschnitt lag, denn die Blondine neben ihr hatte bereits ihre Drinks bekommen.

William ließ ihre Erklärung unkommentiert, wandte sich dem Barkeeper zu und winkte ihn heran. Der Barkeeper ließ die anderen Gäste stehen und kam auf William zu. Anscheinend versprach sein teurer Anzug ein ordentliches Trinkgeld. Tja, sie konnte eben weder mit viel Trinkgeld noch mit einem tiefen Ausschnitt aufwarten. Etwas genervt gab sie die Bestellung weiter und grübelte dann über die Nachteile, die man als Frau hatte nach. Plötzlich wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, als William sie ansprach.

„Sie sagten vorhin, dass sie an ihrer Dissertation arbeiten. Worum geht es denn?“
Erstaunt stellte Elisabeth fest, dass sein Interesse vorhin echt gewesen war. Sie freute sich darüber, dass er sich anscheinend wirklich für ihre Arbeit interessierte.
„Ich beschäftige mich mit einigen Überresten aus einem deutschen Massengrab. Es konnte festgestellte werden, dass sie aus der vorchristlichen Zeit stammen. Anhand der Gräber und des Grabschmuckes versuche ich zu rekonstruieren in was für einer Art Gesellschaft sie gelebt haben und woran sie gestorben sind.“, erzählte sie bereitwillig.
„Ein deutsches Massengrab? Wie sind sie denn darauf gekommen? Deutschland ist nicht gerade um die Ecke.“, erkundigte er sich.
Lizzy musste lächeln.
„Das ist wohl wahr, doch ich bin durch einen guten Freund darauf gekommen. Er arbeitet an diesem Projekt als leitender Archäologe und hat mich mit ins Boot geholt.“, antwortete sie.
Während sie warteten, fragte William noch weiter nach. Elisabeth fand, dass man sich sehr gut ihm unterhalten konnte, ihre Vermutung war also genau richtig gewesen. Sein Interesse war echt, seine Fragen präzise und seine aufgeweckten Augen gaben ihr das Gefühl mit jemandem zu sprechen, der ihren Intellekt zu schätzen wusste.
Als sie endlich die Getränke erhielten, war sie beinahe enttäuscht, dass das Gespräch unterbrochen wurde.

„Aaaah, da seid ihr ja endlich“, rief Charles, als sie die Cocktails abstellten.
Sofort griffen alle nach ihren Drinks. Aus dem Augenwinkel sag Elisabeth, wie Caroline mit spitzen Lippen an ihrem Strohhalm saugte, um ja nicht ihren Lippenstift zu zerstören.
Nur kurz darauf verabschiedeten sich Jane und Charles auf die Tanzfläche und das Gespräch erstarb zunächst wieder.
Lizzy nutzte die Zeit und beobachtete William unauffällig.
Er schien sich nicht ganz entspannen zu können, denn er saß etwas steif da und umklammerte sein Glas. Seine Augen wanderten durch das Lokal, blieben aber nie lange an einer Stelle. In seinem Anzug wirkte er fehl am Platz und zu gut angezogen.
Caroline sah in ihrem Designerfummel aus, wie ein bunter Fisch, aber sie störte sich nicht daran und tippte weiterhin wild auf ihrem Handy rum.

„William?“, fragte nun Lizzy, um die unangenehme Stille zu durchbrechen. Immerhin waren sie hier, um sich kennenzulernen, oder nicht?
Ohne Umschweife heftete er seine Augen auf sie. Der intensive Blick aus seinen braunen Augen irritierte sie etwas.
„Sie haben mich vorhin so wunderbar über meinen Beruf ausgefragt, aber selbst kein Wort darüber verloren, was sie tun.“
Ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht.
„Es erschien nicht so spannend, wie ihre Ausführungen über die Sepulkralkunst.“, antwortete er entschuldigend. Ein Blitzen trat in ihre Augen.
„Nun?“, fragte sie mit einem Schmunzeln.
„Wissen sie es denn nicht? Ihm gehört Pemberley Inc.“, antwortete Caroline abfällig an seiner statt. William schien nicht glücklich über Carolines Einwurf.
„Sollte ich?“, erkundigte sich Elisabeth provokativ.
"Natürlich sollten sie das!", kam die aufgeregte Antwort.

Die Frauen sahen sich kurz in die Augen, doch Caroline blickte zur Seite, als Lizzy zu Lächeln begann.
Elisabeth wandte sich wieder William zu.
„Und meine Dissertation ist interessanter, als ihr Job?“, fragte sie ihn, er nickte.
„Im Prinzip erledige ich jeden Tag dieselbe Arbeit. Ich arbeite Verträge aus, telefoniere mit meinen Kunden und überwache das Unternehmen. Das ein oder andere Highlight ist da leider nur sehr selten dabei.“, antwortete er ehrlich.
Doch ehe sie das Gespräch vertiefen konnten, wurden sie wieder von Caroline unterbrochen.
Genervt blickte sie die Frau gegenüber an. Sie hatte das Gespräch gerne noch fortführen wollen.Wie konnte man nur so wenig Feingefühl haben?

„William, tanzt du mit mir?“, fragte Caroline.

Elisabeth wurde in diesem Moment bewusst, dass das Missfallen auf beiden Seiten vorhanden war. Caroline sah sie als Konkurrentin und konnte es gar nicht sehen, dass sich Elisabeth und William so gut unterhielten. Offensichtlich wollte sich Charles´ Schwester den Firmenchef unter den Nagel reißen.
William schien ein netter Mann zu sein und er sah auch gut aus, aber Elisabeth hatte kein Interesse an ihm. Umso interessanter war es also für sie zu sehen, wie William reagieren würde.
„Ich tanze nicht.“, lehnte er ab.
Elisabeth musste sich ein Grinsen verkneifen. Caroline zog einen Schmollmund und tippte wieder auf ihrem Handy herum.
Also waren sie kein Pärchen und wenn es nach William ging, würden sie auch keines werden, denn er wandte sich von Caroline ab und blickte in eine andere Richtung.

„Sie tanzen also nicht?“, fragte Elisabeth neckend.
„Nicht, wenn es sich vermeiden lässt.“, antwortete er bestimmt.
Aufgrund seine Antwort musste sie lachen und so schenkte sie ihm ein verschmitztes Lächeln, ehe sie aufstand. Sie wollte an diesem Abend etwas tanzen und so ging sie ebenfalls auf die Tanzfläche und amüsierte sich. Erst, als sie Durst bekam, ging sie zum gemeinsamen Tisch zurück. Schon von Weitem konnte sie sehen, dass William und Caroline schweigend beisammen saßen. Sie auf ihr Handy starrend, er in die Gegend blickend. Als sie sich setzte, schenkte Caroline ihr sofort ihre Aufmerksamkeit.

„Gott, Elisabeth, sie sind ja ganz rot. War das Wackeln ihrer Gliedmaßen so anstrengend?“
„Durchaus.“, antwortete sie ihr schlicht und nahm einen Schluck von ihrem alkoholfreien Cocktail.
„Nun, ich kann nicht verstehen, warum man sich in eine schwitzende Menge stellt und dann ohne Sinn und Verstand mit den Armen wackelt. Wenn man wahren Tanz sehen und erleben möchte, sollte man Ballett sehen.“
Lizzy fiel sofort auf, dass sie sich selbst widersprach. Hatte sie nicht noch wenige Minuten zuvor gefragt, ob William mit ihr tanzen wollte?

Elisabeth entschied sich gegen einen Kommentar und wartete lieber ab, was Caroline nun zu erzählen hatte. Sicherlich würde nun eine Erklärung folgen, warum Ballett so fantastisch war. Caroline enttäuschte sie natürlich nicht.
„Im Ballett geht es darum den Körper zu beherrschen und die eigenen Grenzen zu überwinden. Ballett befreit und fördert den Geist. Das macht wahren Tanz aus. Wenn wir für die Großen Shows üben, sind wir alle immer unheimlich erschöpft.“
„Sie sind also Ballerina?“, fragte Elisabeth, die Carolines Selbstdarstellung unheimlich amüsant fand.
„Ja, an der Royal Opera.“
Sie hob ihre Nase ein Stück.
„Dann wissen sie sicherlich Bescheid.“, kommentierte Elisabeth und nahm einen Schluck, um nicht noch mehr Worte aus ihrem Mund entschlüpfen zu lassen.

Damit war das Gespräch für Elisabeth beendet. Sie spürte, dass sie langsam müde wurde und ihre vollgestopften Tage ihren Tribut forderten. Als sie nach Jane Ausschau hielt, konnte sie sie leider nicht entdecken.
Seufzend erhob sie sich. Charles wäre sicher ein Gentleman und würde ihre Schwester heimbringen.
„Es war schön sie kennenzulernen, aber ich muss morgen früh wieder an meiner Arbeit weiterschreiben.“, entschuldigte sie sich.

Caroline hielt ihr sofort ihre Fischhand hin. Sie schien es gar nicht abwarten zu können, dass Elisabeth endlich ging.
Als sich jedoch auch William erhob, wurde ihr Blick sogleich panisch und enttäuscht.
„Ich werde sie ein Stück begleiten, wenn das für sie in Ordnung ist. Caroline, grüß bitte Charles und Miss Bennet von mir.“
Überrascht über seine Reaktion wusste sie nicht, was sie sagen sollte, aber er half ihr einfach galant in ihre Jacke, trat nach draußen und ließ somit eine verdatterte Caroline zurück.

„Sie konnten es ja gar nicht abwarten das Lokal zu verlassen.“, neckte Elisabeth ihn, als sie vor der Tür ihre Stimme wiedergefunden hatte. Die Nachtluft war kühl und tat nach der stickigen Luft drinnen besonders gut.
„Tatsächlich besuche ich normalerweise nie solche Lokale. Es gibt für mich keinen Grund dazu.“, erklärte er völlig ernst.
„Wenn sie nicht tanzen, dann gibt es wirklich keinen Grund dazu. Was mich jedoch interessiert, William, tanzen sie nicht gern, weil sie es nicht können oder weil die richtige Partnerin fehlt? Oder liegt es am Lokal und der entsprechenden Tanzart?“, fragte sie schelmisch.

Den Blick, den er ihr daraufhin schenkte, konnte sie nicht so recht deuten, doch er ging auf ihre Neckerei ein, indem er ihr antwortete: „Ich kann sehr wohl tanzen. Ich bin jedoch ein Liebhaber der klassischen Tänze.“
„Nun, Mr. Darcy, solche Aussagen sind leicht getroffen. Bei passender Gelegenheit wäre ich gern für eine Demonstration ihrer Fähigkeiten bereit.“
Sie gab ihm die Hand und schenkte ihm zum Abschied ein herzliches Lächeln, ehe sie zur U-Bahn ging und heimfuhr. Den anerkennenden, aber auch belustigten Blick von William Darcy sah sie nicht mehr.

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So, das war es zunächst. Ein Großteil der Geschichte ist schon fertig, sodass es regelmäßig Updates geben wird.
Lasst mir eure Meinung da! =)

Aller liebste Grüße
Tk
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